Marcel Bernet | 04.09.2009

Journalisten im Internet: Wikipedia und Facebook legen zu

zeichen_schreibmasch1Wikipedia ist für Schweizer Medienschaffende wichtiger als Web-Seiten von Unternehmen und Organisationen. Und Soziale Netzwerke sind wichtiger als Blogs.

Dabei sind Soziale Netzerke wie Facebook wohl erst seit rund einem Jahr ein wirklich ernst zu nehmender Faktor im Medien- und Newsbereich hier in Europa.

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Beide markierten Internet-Angebote wurden mit der aktuellen Studie erstmals abgefragt. Dass sich Wikipedia gleich vor die Unternehmens-Seiten setzt, hat uns überrascht. Doch als Quelle für die schnelle Abklärung von Jahreszahlen, Namen, Fakten bietet das Online-Lexikon unschlagbare Vorteile. Verwaltungs-Seiten wie admin.ch behaupten ihren Wichtigkeitsrang als Anlaufstelle für relevante Infos. Kleine Anteile der Mehrfachnennungen erhalten die Web 2.0-Anwendungen am Schluss der Rangliste – hier hakt die Studie mit einer Zusatzfrage nach:

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Wenn der Fragefokus auf den spezifischen Web 2.0-Anwendungen liegt, steigt deren Wichtigkeit: Mehr als die Hälfte der Schweizer Journalistinnen und Journalisten gibt an, YouTube sei für ihre Arbeit wichtig oder sehr wichtig. Und rund zwei Fünftel setzen auf Facebook oder Podcasts, ein Drittel auf Blogs – deren Kurz-Variante Twitter findet kaum Beachtung. Wie werden die Web 2.0-Möglichkeiten journalistisch genutzt? Hier eine Auswertung der Frage nach Video-Plattformen und Sozialen Netzwerken:

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Ein Fünftel findet Artikel-Ideen oder will Trends aufspüren, auf beiden Plattformen mit denselben Anteilen. Video-Plattformen wie YouTube sind für Zusatzinformationen sehr beliebt neue Perspektiven findet man auf beiden Plätzen.

Pendenzen für Online-Medienarbeiter: Sind die Wikipedia-Inhalte Ihrer Organisation aktuell? Pflegen Sie einen YouTube-Channel mit Ihren Video-Inhalten – oder sind diese nur auf der eigenen Website abgelegt? Schauen Sie sich hie und da wenigstens um auf Facebook?

Alle Blogbeiträge zur Studie «Journalisten im Internet»
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Marcel Bernet | 19.12.2007

Google und Wikipedia – und alle schreiben über knol

knol beta screenshotJa, und jetzt tue auch ichs. Etwas schreiben über das neue Online-Fachartikel-Konzept von Google. Die Agenturmeldung rauschte durch alle Blätter, spiegel.de hat mir einen Blick hinter die Kulissen geöffnet. Google wird zum Verleger für Fachartikel. Dank gratis arbeitenden Fachautoren. Wenn alles klappt.

Am 13. Dezember hat Google auf dem eigenen Blog ein weiteres Beta angekündigt: knol. Das soll eine Plattform werden, auf der Autoren dazu aufgefordert werden, «ihr Wissen beizutragen». Alles noch in der Testphase. Eine erste Autorengruppe wurde eingeladen, ihre Fachbeiträge zu liefern. Google will nicht editieren, die eingeladenen Fachleute sind frei im Formulieren. Die Artikel kann man dann kommentieren oder bewerten.

Daraus wurde dann in den Agenturmeldungen gleich «Wikipedia erhält Konkurrenz». Na ja. Wieso kann man davon ausgehen, dass eine bestimmte Zahl handverlesener Autorinnen und Autoren besser schreibt als die grosse Menge der Wikipedia-Autoren? Wer stellt die laufende Akualisierung sicher? Da die Autoren bei knol ja gratis schreiben müssen, steckt die Motivation in der Sichtbarkeit auf einer Google-Plattform. Sichert das Qualität?

Der Beitrag im Spiegel Online wirft ebenfalls einen kritischen Blick ins Projekt. Hier der aussagekräftige Schluss:

Chancen dürfte knol trotzdem haben. Wissensportale sind ein Trend, der im nächsten Jahr so manche Inkarnation erleben wird. Auch weil knol eher die Welt der Verlage als der Community-Projekte berührt, hat es gute Chancen: Die Nachteile gegenüber der Wikipedia fallen kleiner aus als die Vorteile gegenüber der Welt der Fachverlage. Der Rest entscheidet sich – wie immer im Web – vor allem an einer Frage: Wird es Google gelingen, die nötige kritische Masse zu erreichen, um den Netz-Nutzern die Inhaltfülle bieten zu können, die diese einfach erwarten?

Auch der Name Google ist keine Garantie. Die Zahl der gescheiterten oder erfolgfrei vor sich hinplätschernden Google-Projekte ist größer als die der Erfolge. Als Dienstleister ist Google eine Macht, an der heute niemand mehr vorbeikommt. Die Bereiche, in denen sich die Firma bisher vor allem blaue Augen abholte, sind ausgerechnet Community und Wissen. knol liegt genau auf der Schnittstelle.

Dafür ist der Name Google in der Agenturmeldung Garantie für flächendeckende Wirkung. Dieser Screenshot des knol-Beta-Portals verdanke ich spiegel online, im Google-Blog-Beitrag ist der Download irgendwie unmöglich.

knol beta screenshot

Marcel Bernet | 11.12.2007

Wikipedia schlägt Brockhaus – HWZ verbietet Wikipedia

wikipedia logoLetzte Woche habe ich an einem Vortrag an der HWZ gehört, dass Wikipedia als Quelle für Diplomarbeiten gestrichen wurde. Und am Wochenende gelesen, dass die Kommunen-Datenbank gemäss Stern-Umfrage den Brockhaus schlägt.

An einer Sitzung des MAZ-Wirtschaftsbeirats konnte ich unsere Web 2.0-Studie vorstellen. Dabei kam die Diskussion auf Wikipedia. Interesseantes Statement von Cyril Meier, Studienleiter an der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ: «Wir akzeptieren keine Wikipedia-Quellen mehr für sämtliche Diplomarbeiten. Das ist als Quelle einfach nicht wissenschaftlich.»

Womit ich nicht einverstanden bin. Das Verifizieren, Einschätzen, Überprüfen von Quellen gehört seit Urzeiten zur akademischen Grundbildung. Jetzt gleich Wikipedia als Ganzes auf den Kodex zu stellen, schüttet das Kind mit dem Bade aus. «Quellenkompetenz» wäre doch ein wichtiges, neues Fach in allen Lehrgängen. Und dann muss man eben auch wissen, wie man mit Wikipedia umgeht.

Interessante Ergänzung von Alfred Raucheisen, Leiter des IKM an der Hochschule Luzern: Wikipedia ist erlaubt. Aber das Problem sind einerseits globale Links (auf die Startseite, weil die Unterseite nicht direkt ansprechbar sei) und anderseits tote Links (weil bis zur Abgabe des Papiers sich die Internet-Adresse geändert hat).

Wikipedia aktueller, richtiger – aber weniger verständlich

Und gerade braust eine Agenturmeldung durchs Web: Wikipedia schlägt den Online-Brockhaus. Der Stern hat den «Wissenschaftlichen Informationsdienst Köln» zu einem Test beauftragt. 50 zufällige Einträge aus verschiedensten Rubriken wurden nach Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit bewertet. Hier der ganze Stern-Test.

Die Gesamt-Schulnote nach deutschem Muster: 1.7 für Wikipedia, nur 2.7 für die Online-Ausgabe des 15-bändigen Brockhaus. Na ja. Wikipedia gewinnt punkto Aktualität – Pavarotti lebte im Online-Brockhaus sogar noch am 2. Dezember, die Mitmach-Datenbank hatte am Todestag bereits aktualisiert. Sogar punkto Richtigkeit gewinnt Wikipedia, wow. Nur bei der Verständlichkeit sehen die Experten den Online-Brockhaus vorne. Weil er weniger kompliziert und weniger weitschweifig formuiere.

Liebe Quellensuchende und Quelleneinschätzer: Am Ball bleiben.

Sophie Graf | 10.08.2007

Vom Umgang mit Wissen

wikipedia.pngImmer wieder freue ich mich über Verbindungen der Online-Welt zum Mittelalter. So vergleicht Steve Fuller die Online-Enzyklopädie Wikipedia mit ihren Vorläufern aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Kennen Sie Wikipedia? Rund 7 % aller 1,2, Milliarden Internetnutzer besuchen die Online-Enzyklopädie täglich. Die Grundprinzipen von Wikipedia –”user generated content” und die “Wissens-Gemeinschaft” wurden schon im Mittelalter gelebt, schreibt der Soziologe Steve Fuller im Tagi (Artikel leider nur mit Abo erhältlich). Eine solche “Knowledge Community” entstand mit dem Aufstieg der europäischen Universitäten im 12. und 13. Jahrhundert. Damals wurden die grossen, frühmittelalterlichen Handschriften von kleineren “Handbüchern” abgelöst. Diese wurden unter den Gelehrten herumgereicht. Ihre Seiten bestanden nicht mehr aus Pergament, sondern aus Tierhäuten, damit sie leichter mit dem Federkiel zu überschreiben waren. Beim Lesen kopierten die Studierenden oft ganze Passagen eigener Texte in die Bücher oder ergänzten die bestehenden Texte mit Kommentaren. Bis heute ist die Urheberschaft dieser Handbücher schwer zu bestimmen. Das Urheberrechtsgesetz entstand sowieso erst viel später, als der Buchdruck erfunden wurde und der Büchermarkt zu wachsen begann. Rund 400 Jahre lang waren in der mittelalterlichen Gelehrtengemeinschaft Produzenten und Konsumenten von Wissen noch nicht scharf getrennt, Leser und Autoren hatten gleichermassen Zugang zum Wissen.

Sophie Graf | 21.02.2007

Bald Konkurrenz für Google?

Bild 9.pngWenn Sie bei Google ein Stichwort eingeben, erscheint die Website an erster Stelle, auf die die meisten Links im Internet verweisen. Ein schlechtes Kriterium für die Qualität einer Suchmaschine, meint Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia. Mit Wikia Search will er Google nun direkt konkurrenzieren.

«Es geht darum, eine offene und transparente Suchmaschine zu schaffen, die auf frei verfügbarer Software nach dem Open-Source-Prinzip basiert«, meint Jimmy Wales in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung. Die Suche bei Google basiert auf einem Algorithmus, von dem offenbar niemand weiss, wie er genau funktioniert. Dadurch wird die Suche bei Google beeinflussbar, zum Beispiel durch geschäftliche Interessen, so der amerikanische Internet-Pioinier. Dem Google-Algorithmus setzt Jimmy Wales die menschliche Urteilskraft entgegen. Ähnlich wie bei der Internet-Enzyklopädie Wikipedia wird auch bei Wikia Search eine Gemeinschaft von Nutzern die Websites auswerten und priorisieren. Gibt es demnächst ein Kopf-an Kopf-Rennen der Suchmaschinen?

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