PR 2.0: Wo sind die Meinungsmacher?

Laptop MegaphoneHeute nachmittag halte ich einen Vortag am Praxisworkshop des BR/SPRG. Die Kernfrage: Wie richtet sich PR auf die neuen Online-Realitäten aus?

Natürlich habe auch ich nicht die definitive Antwort auf diese Frage.  Aber in den 15 Minuten Impulsreferat samt anschliessendem Workshop lote ich aus, wie sich die Realität für PR-Schaffende heute präsentiert. Und zeige mit konkreten Beispielen, wohin die Richtung geht. Hier das PDF des Handouts und ein Video des Vortrags.

Die Kernaussagen:

Wir stehen mitten in einem grossen Umbruch – wer jetzt schon weiss, wohin es geht, der lügt. Wie vor 600 Jahren, gleich nach der Einführung der Gutenbergschen-Drucktechnik. Im Rückblick wissen wir, was geschah. Aber was der Sturz des kirchlichen Druckmonopols alles mit sich brachte war im Geschehen selbst nicht voraussehbar.

Vor uns steht ein wachsendes, sich schnell wandelndes Web-Umfeld – mit immer wieder neuen Kanälen, die es in einem PR-Dialog zu lesen, auszuloten und zu beliefern gilt. Von Wikis über Blogs bis zu Sozialen Netzwerken. Und dabei führt der Weg immer mehr auch an den klassischen Medien vorbei. Denn die neuen Meinungsmacher sind dort, wo sie unsere Zielgruppen suchen und finden. Duch die Mittlerfunktion wird Google sozusagen zum entscheidenden Meinungsmacher.

Interessante Beispiele neuer Meinungsmacher bieten Mini-Microsoft (ein anonymer Microsoft-Mitarbeiter wird durch sein vielbeachtetes Blog zum Multiplikator nach aussen), Stop-Starbucks (der US-Dokumentarfilmer und Aktivist Robert Greenwald zeigt, wie man Web 2.0-Kampagnen fährt, genial orchestriert von einer zentralen Website aus mit Einbettung in Facebook, Twitter, Mail, Youtube, Flickr, MySpace) und Teleblocher (wie ein Schweizer Politstar sich direkt an seine Fans und Gegner wendet, mit 20 bis 80000 Downloads seiner wöchentlichen Interviews).

Entscheidend für die Zukunft ist die Verbindung von Intention, Inhalt und Integration. Intention steht für die Verbindung von Vision, Kernbotschaften und konkreten Taten. Noch so interaktive Kampagnen laufen auf Grund, wenn dieser Kern nicht stimmt. Inhalte werden schneller, vernetzter und dialogischer. Und verlangen nach dem sehr anspruchsvollen Akt der Integration, in Anbetracht der vielen zu bedienenden Kanäle und Empfänger eine Meisterleistung.

A propos Meisterleistung: Das mit dem Video war eine grössere Übung: Keynote bietet die super Möglichkeit, eine Präsentation aufzuzeichnen. Wichtiger Tipp für den Export: Unbedingt für «CD-ROM mittel» auswählen, anstatt «Webfilm klein». Ich hatte zuerst die zweite Option gewählt, mit lausiger Qualität und nur gerade 10 Megabyte weniger Umfang. Die zweite Überraschung präsentierte mir Youtube, nach langem Upload: Video abgelehnt. Länger als zehn Minuten liegt nicht drin. Also weiter auf iMovie, 30 Sekunden rausgeschnitten und dann rauf auf Youtube (-:

Sophie Graf | 03.12.2008 | Social Media

Internet-Briefing: Wikis im Firmeneinsatz

fragen_puzzlerteile.jpgWikis ermöglichen eine neue Art der Zusammenarbeit. Sie machen vor allem dann Sinn, wenn mehrere Personen am gleichen Dokument arbeiten. In der Praxis stossen Projektleiter aber auch auf Probleme mit Wikis, wie ein Teilnehmer am gestrigen Internet-Briefing berichtete.

Stellen Sie sich vor, Sie managen ein Projekt in einem mittelgrossen Unternehmen. Um Ihre Projektpläne und Protokolle auszutauschen, stellen Sie alle Dokumente in ein Wiki. Und was passiert? Die von Ihnen sorgfältig geplanten Meilensteine werden im Wiki ständig verändert. Ihr Projekt droht aus dem Ruder zu laufen. Was tun Sie?

In der Diskussion zeigten sich rasch diese fünf Grundeigenschaften von Wikis:

  • Kritikfähigkeit: Im Wiki sind alle Dokumente editierbar. Die Möglichkeit, alle Inhalte des Wikis zu sehen und zu verändern, tangiert in Firmen organisatorische, kulturelle und rechtliche Grenzen
  • Offenheit: Wer im Wiki bestimmte Bereiche sperrt, konterkariert das System
  • Kooperation: Wikis machen nur Sinn, wenn sich alle beteiligen
  • Flache Hierarchien: Die klassische Hierarchie hat ausgedient – im Wiki geht es um die gemeinsame Lösungsfindung
  • Archiv: Im Wiki geht nichts verloren. Jede Änderung an einem Dokument wird dokumentiert, alle Versionen bleiben sichtbar

Der Einsatz von Wikis in Firmen kann Erfolg haben – oder auch nicht. In seiner Präsentation stellte Jürg Stuker folgende Erfolgsfaktoren in den Vordergrund:

  1. Kein Mikro-Management, aber Spielregeln
    Das Wiki lebt von Prozessen, die Bottom-up entstehen. Traditionelle, hierarchische Führungsprinzipien behindern dies häufig. Es braucht klare Spielregeln, mit denen Freiräume für Mitarbeiter und damit Raum für Eigenverantwortung geschaffen werden.
  2. Transparenz aktiv fördern
    Autoren sollen mit persönlichen Logins arbeiten und ihre Beiträge selbst einbringen. Nur so ist die Entstehungsgeschichte nutzbar und ein Dialog respektive eine kontinuierliche Verbesserung möglich. Dazu gehört auch, Erfolgsgeschichten aktiv zu verbreiten und Menschen öffentlich wertzuschätzen. Alles was nach Silo oder Organisationsgrenze aussieht, muss sofort entfernt werden.
  3. Konfliktlösung nicht im selben Medium
    Nicht vorhandene hierarchisch geprägte Prozesse und eine neue Transparenz schaffen auch eine neue Art des Wettbewerbes. Solche Bedenken sind auf keinen Fall mit denselben Wiki-Prinzipien in einem öffentlichen Medium lösbar. Persönliche Gespräche und genügend Zeit für den Kulturwandel sind wichtig und nicht ersetzbar.
  4. Ergebnis immer über Hierarchie stellen
    Jeder muss einen Eintrag des Chefs verbessern oder zumindest öffentlich kommentieren können. Fakt ist, dass die Kommentierung sowieso geschieht, beispielsweise vor der Kaffeemaschine. Der Nutzen für die Unternehmung stellt sich aber nur ein, wenn die Argumente in einem Dialog aufgenommen und verarbeitet werden.
  5. Kulturwandel vorleben
    Der Nutzen eines Wikis stellt sich über die Zeit und nach Inbetriebnahme ein. Anerkannte Personen innerhalb der Organisation sollten den neuen Umgang mit Information sichtbar vorleben und damit Referenzpunkte bezüglich Nutzen und Wichtigkeit des Wikis schaffen.
  6. Es braucht die Anwender
    Sozial geprägte Anwendungen leben von den teilnehmenden Menschen, deren Initiative und Eigenverantwortung. Die Zusammenarbeit muss darauf ausgelegt sein, diese Leute zu motivieren. Zugriffs- oder Editierbeschränkungen, unvollständige Information oder versteckte Pläne haben einen negativen Effekt darauf.

Fazit: Nur weil wir Wikis haben, ändert sich nicht unsere Firmenkultur. Veränderung findet in Köpfen statt, nicht in Computern. Die Technologie ermöglichen zwar den Prozess, aber ohne die Menschen, die diese Änderung wirklich wollen, nützt sie rein gar nichts.

Siehe auch «Weblogs und Wikis im Firmeneinsatz» zum iex-Vortrag von Marcel und Jürg

Weblog und Wiki im Firmeneinsatz: Folien und fünf Thesen

titelbild vortrag orbit iexAm Freitag spreche ich zusammen mit Jürg Stuker an der Orbit-iEX über Dialog 2.0 in der internen Kommunikation. Worum geht es? Dazu die Folien, ein Anmelde-Link und fünf Thesen.

Die MAZ/Bernet-Studie Web 2.0 hats gezeigt: Die grössten Schweizer Unternehmen wagen sich langsam an die neuen Dialog- und Mitmachmöglichkeiten heran. Und die Pionierarbeit geschieht zuerst einmal intern: Weblogs und Wikis werden vor allem auf dem Intranet, für die Mitarbeitenden genutzt.

An der Orbit-iEX zeigt der namics-CEO gemeinsam mit mir, was sich so tut in der Landschaft und wohin das führen kann. Dabei zeigen wir konkrete Erfahrungen von Die Post, Kantonale Verwaltung Zug, Cablecom und local.ch. Ohne die offene Beantwortung unserer Fragen durch die vier verantwortlichen Projektleiter wäre der Vortrag nicht möglich gewesen – dafür auch hier herzlichen Dank.

An diesem Freitagnachmittag 1315-1445 (Anmeldung/Info) hört man alles, was hinter den hier verfügbaren Charts steckt: Folienübersicht zum Download. Als Zusammenfassung hier die gemeinsam formulierten Thesen für den Ausblick.

1. Wiki-Software wird besser
Tönt unvisionär – ist aber Voraussetzung für die weitere Verbreitung. Besser heisst nutzerfreundlicher und standardisierter. Heute geht es vielen Wiki-Pionieren wie uns Bloggern, bevor sich Wordpress durchgesetzt hat.

2. Der Einsatz von Blogs und Wikis in Unternehmen nimmt zu
Das Expertenduo Stuker/Bernet wagt einen Blick in die Glaskugel und meint: Diese beiden Instrumente sind so mächtig und so effektiv, dass es wohl wenig besseres gibt zur Optimierung des internen Wissens- und Informationsaustausches. Bei der internen Umsetzung gibts ein paar gröbere Fallgruben zu umgehen, und Wikis/Weblogs können nicht alles. Aber aus unserer Sicht wird sich das Web 2.0-Duo einen grossen Kuchen der Unternehmenssysteme abschneiden.

3. Die Unternehmenskultur wandelt sich
Ein Gemeinplatz? Ja, das auch. Aber in diesem Fall: So, wie wir ganz generell ein Verlagern des persönlichen Dialogs aufs Netz erleben, so geschieht das auch in Organisationen. Wenn plötzlich alle mit allen oder bei allem mitschwatzen, mitkommentieren, mitkreieren können – dann wirds unübersichtlich. Aber dort hin geht die Reise.

4. Dialog sichert Erfolg
Das sagen wir beide, weil wir Dialogberater sind. Jürg eher technisch, ich eher kommunikativ. Aber schon eine McKinsey-Studie hat gezeigt: Die Zukunft liegt im mitschwatzen, mitkommentieren, mitkreieren. Und da muss man halt einfach eine neue Dialogkultur aufbauen, die ziemlich vernetzt, ziemlich basisorientiert, ziemlich unkontrollierbar ist. Stimmt, McKinsey sind auch Berater.

5. Ohne Flankierung kein Erfolg
Stell Dir vor: Da gibts ein internes Weblog und niemand geht hin. Ein Wiki und nur der Initiant schreibt Beiträge. Gerade bei neuen technischen Anwendungen geht ob der Begeisterung die Integration vergessen: Was steht auf dem Weblog und was nicht? Wie bette ich das Wiki in die gesamte Wissensdokumentation ein? Wer weiss davon? Fragt man beim Quali-Gespräch nach den Anzahl Beiträgen?

Machen Sie die Liste länger. Oder kürzer. Echos?

Wikis im Unternehmen: Learnings und ein iex-Vortrag

bernetwiki logoHeute haben wir den Abschluss unseres internen Wiki-Projekts gefeiert. Damit rumgeturnt haben wir seit Juli 2007, Idee und Konzept entstanden kurz davor. Hier die wichtigsten Learnings und eine Einladung zum Weblog-Wiki-Seminar an der Orbit-iEX 2008.

Es war (auch) eine Zangengeburt. Aber wir sind zufrieden. Das Bernet Wiki enthält jetzt alle Prozessdefinitionen, Anleitungen für Programme, wichtiges Wissen für unser Projektmanagement. Was früher in verschiedenen Word-, PDF- oder Grafikdateien lag, sitzt auf der gemeinsam gefütterten Datenbank. Seit Ende Oktober 07 waren etwa 80 Prozent der Daten im Wiki drin, die letzten zwanzig Prozent und ein lange anhaltender Kampf mit Eingabe und Darstellung von Tabellen haben uns aufgehalten.

Was wir besser machen würden:

  • Eine Wiki-Software auswählen, die alles kann. Okay, vielleicht kann keine alles. Wir haben mit liip.ch die Open Source-Software dokuwiki um ein benutzerfreundliches Interface ergänzt. Dieser Prozess war sehr aufwändig. Und einiges, das wir gerne hätten, geht nicht. In der Zwischenzeit habe ich andere Wiki-Lösungen gesehen, wo ich gestaunt hatte, was an Funktionalitäten gleich schon alles mitkommt. Es wäre schön, wenns mal so was wie Wordpress für Wikis gibt – aber vielleicht gibts das schon.
  • Einen Programmierpartner auswählen, der schnell verfügbar ist und schon fertige Wikis für KMUs gemacht hat.
  • Das Projekt schneller abschliessen. Am Ende haben wir zu lange rumgeturnt – weil alle Beteiligten einfach zu wenig Zeit hatten, um mit Druck den Finish zu machen. Das ganze war ja auch ein internes Projekt, Kundenaufgaben gingen immer vor. Und so waren wir immer mal etwas mehr, mal etwas weniger dran.
  • Die Einbettung von Dokumenten auf unserem Server müsste irgendwie besser möglich sein. Grafiken pflegen wir zum Beispiel weiterhin besser auf dem Grafikprogramm – hier wäre ein Direktlink aus dem Wiki auf den Server genial. Heute posten wir halt die Grafik im Wiki, nach jeder Änderung.

Was wir geniessen:

  • Wie schnell es geht, einen Eintrag im Wiki zu machen. So schnell, dass man ein Learning oder einen Prozess sofort abbilden oder aktualisieren kann.
  • Wie schnell die Infos gefunden werden. Auch wenn der Suchbaum nicht immer ein-eindeutig benamst ist – mit der Volltext-Suchfunktion landet man schnell am gesuchten Ort.
  • Das abgespeckte, standardisierte, elektronische Format: Früher sahen die Manuals je nach Programm sehr unterschiedlich aus. Es war viel schwieriger, die Übersicht zu erhalten.

Was noch auf uns zukommt:

  • Laufend aktuell bleiben: Nur wenn das ganze Autoren-Mitarbeitenden-Team “dran” bleibt, bleiben die Infos wertvoll. Da werden wir unsere Erfahrungen machen.
  • Die Struktur transparent halten: Jede/r kann eine neue Seite benamsen und einfügen, wo sie/er will. Der Suchbaum wächst einfach. Und zum Teil finde ich heute schon meine eigenen Einträge nur noch über die Suchmaschine. Da werden wir wohl zwischendurch ein wenig durchforsten müssen.

Wiki-Learnings von Unternehmen wie Die Post oder local.ch kann man am 23. Mai an der Orbit-iEX erfahren. Dort spreche ich mit Jürg Stuker von namics auch über den internen Einsatz von Weblogs. Hier die Seminardetails und so sehen Jürg und ich aus, wenn wir uns als Weblog-Wiki-Gurus verkaufen.

[Nachtrag: Der Link zum Vortrag mit den Folien]


Wikipedia schlägt Brockhaus – HWZ verbietet Wikipedia

wikipedia logoLetzte Woche habe ich an einem Vortrag an der HWZ gehört, dass Wikipedia als Quelle für Diplomarbeiten gestrichen wurde. Und am Wochenende gelesen, dass die Kommunen-Datenbank gemäss Stern-Umfrage den Brockhaus schlägt.

An einer Sitzung des MAZ-Wirtschaftsbeirats konnte ich unsere Web 2.0-Studie vorstellen. Dabei kam die Diskussion auf Wikipedia. Interesseantes Statement von Cyril Meier, Studienleiter an der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ: «Wir akzeptieren keine Wikipedia-Quellen mehr für sämtliche Diplomarbeiten. Das ist als Quelle einfach nicht wissenschaftlich.»

Womit ich nicht einverstanden bin. Das Verifizieren, Einschätzen, Überprüfen von Quellen gehört seit Urzeiten zur akademischen Grundbildung. Jetzt gleich Wikipedia als Ganzes auf den Kodex zu stellen, schüttet das Kind mit dem Bade aus. «Quellenkompetenz» wäre doch ein wichtiges, neues Fach in allen Lehrgängen. Und dann muss man eben auch wissen, wie man mit Wikipedia umgeht.

Interessante Ergänzung von Alfred Raucheisen, Leiter des IKM an der Hochschule Luzern: Wikipedia ist erlaubt. Aber das Problem sind einerseits globale Links (auf die Startseite, weil die Unterseite nicht direkt ansprechbar sei) und anderseits tote Links (weil bis zur Abgabe des Papiers sich die Internet-Adresse geändert hat).

Wikipedia aktueller, richtiger – aber weniger verständlich

Und gerade braust eine Agenturmeldung durchs Web: Wikipedia schlägt den Online-Brockhaus. Der Stern hat den «Wissenschaftlichen Informationsdienst Köln» zu einem Test beauftragt. 50 zufällige Einträge aus verschiedensten Rubriken wurden nach Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit bewertet. Hier der ganze Stern-Test.

Die Gesamt-Schulnote nach deutschem Muster: 1.7 für Wikipedia, nur 2.7 für die Online-Ausgabe des 15-bändigen Brockhaus. Na ja. Wikipedia gewinnt punkto Aktualität – Pavarotti lebte im Online-Brockhaus sogar noch am 2. Dezember, die Mitmach-Datenbank hatte am Todestag bereits aktualisiert. Sogar punkto Richtigkeit gewinnt Wikipedia, wow. Nur bei der Verständlichkeit sehen die Experten den Online-Brockhaus vorne. Weil er weniger kompliziert und weniger weitschweifig formuiere.

Liebe Quellensuchende und Quelleneinschätzer: Am Ball bleiben.

Studie Web 2.0: Interessante Untersuchung in Deutschland

maz/bernet-studie web 2.0Bei unserer Studie zur Nutzung von Web 2.0 in Schweizer Grossunternehmen hatte die hohe interne Nutzung von Blogs und Wikis überrascht. Bei Karsten Füllhaas habe ich einen interessanten Link zu einer Studie in Deutschland gefunden.

Hier der Original-Post von Karstens Blog Crossmediale Kommunikation. Er fasst sehr gut zusammen, was dabei herausgekommen ist. Überraschend: Über 90 % benutzen Weblogs, Wikis, Bookmark-Plattformen NICHT abteilungs- oder unternehmensübergreifend. Sondern nur in isolierten, kleinen Inseln. Leider konnte ich noch nicht verifizieren, wieviele Unternehmen denn überhaupt diese Web 2.0-Möglichkeiten intern nutzen – man muss sich für den Studien-Download registrieren und dann lange auf ein Mail mit Passwort warten… Hier die Quelle: Coremedia.

Studie Web 2.0: Sneak Preview Wikis

maz/bernet-studie web 2.0Diese Woche wird wohl zur Studienwoche: Morgen findet die Präsentation beim Internet-Briefing statt und ich stecke mitten im Folien zeichnen. Morgen wird hier ein Beitrag dazu erscheinen, dann in loser Folge weitere. Hier ein Vorge- schmack zum Einsatz von Wikis in der Schweiz und bei Bernet PR.

Schön, dass dank vieler Anmeldungen das Lokal gewechselt werden musste – morgen auf 11.30 Uhr sind mittlerweile 52 Personen angemeldet, sagt Reto Hartinger. Hier das Programm für den Anlass samt Anmeldung.

maz/bernet-studie web 2.0Und zum Aufwärmen zeige ich eine Grafik zum Thema Wiki. Mich hat es überrascht, dass bereits 13 Prozent der grössten Schweizer Unternehmen und Organisationen eigene Wikis aufgebaut haben. Angezeigt durch den kleinen blauen Balken unten links.

Interessant ist die Aufteilung nach Anwendungsbereichen: 11 % nennen interne Wikis. 2 % unterhalten ein Wiki für und mit externen Zielgruppen. 4 % geben an, in fremden Wikis selbst Beiträge zu verfassen. Und 13 % planen ein eigenes Wiki in den nächsten zwei Jahren.

Wir haben gerade erst ein eigenes Wiki eingeführt – und dabei viel gelernt. Ausschlaggebend waren die tiefen Kosten für die Open Source Programme und der sehr einfache Editor. Jetzt haben wir alle Anleitungen und Prozessdefinitionen im Wiki abgebildet und jeder im Team kann einfach etwas Neues reinschreiben oder Bestehendes aktualisieren. Entscheidend ist wirklich die Einfachheit im Zugang – als Autor wie als Leser.

Steil war die Lernkurve bezüglich Konzept und Programmierung: Auch die beste Software braucht eine klare Idee bezüglich Inhalt und Struktur. Sonst trägt am Schluss jeder Benutzer irgendwo eine eigene Seite ein, und niemand findets. Und jeder schreibt im Seitenaufbau ein wenig anders, was die Orientierung sehr schwer macht. Bei der Programmierung haben wir mit liip.ch zusammengearbeitet und DokuWiki gewählt. Einen super Job hat liip beim Erstellen eines Rich-Text-Editors geleistet – die Wiki-Syntax ist für Nicht-Programmierer ganz einfach zu komplex.

Das Magazin online: Information Architects, Basics zu Online-News

thefutureofnews.pngVia E-Mail bin ich auf die Macher der Online Magazin-Ausgabe gestossen. Ein Besuch auf der Homepage der Information Architects in Japan lohnt sich für alle Online-News-Macher. In einem Kommentar bringt CEO Oliver Reichenstein auf den Punkt, was die Online-Ausgabe einer Zeitung eigentlich erreichen soll. Für die ausführliche Version empfiehlt sich sein Booklet «The Future of News».

Aurel Hosennen von Microsoft hat sich umgehend bei mir gemeldet (Danke!) mit dem Link zu Information Architects, den Köpfen hinter www.dasmagazin.ch. Schon ein kurzer Besuch auf deren Website bringt einen Reichtum an Ideen, Konzepten und für mich erfrischender Offenheit. Information Architects oder iA hat in Zürich angefangen, heute arbeitet das Team in Japan, mehr über die Geschichte am Ende dieser Seite.

Der kurze Reader «The Future of News» (PDF-Download) bringt eine interessante Abhandlung der Chancen und Gefahren von Online-Medien. iA setzt voll auf Wikis und sieht die Zukunft in einer starken Mitwirkung der Leser: «Zeitungen werden ihren Lesern erlauben, Artikel vor und nach deren Erscheinen zu beeinflussen.» iA sieht gedruckte Ausgaben als Luxusprodukt, als Konzentrat der besten Informationen, die zuerst Online geschaffen wurden. Super sind die Design-Richtlinien auf Seite 16 des PDF: Gross schreiben, Weissraum schaffen, weniger Absätze und Untertitel, weniger Zusatzinfos und Banner reinpacken, einfach schreiben und das Wichtigste in den ersten Sätzen.

Unter anderem hat iA die Washington Post als Wiki-Ausgabe entworfen – als Beispiel, wie man es machen könnte. Mit sehr viel Web-Echo, hier der Eintrag. In den Kommentaren habe ich folgende Aussage von Oliver Reichenstein gefunden, die knapp und konzis auf den Punkt bringt, was eine Online-Ausgabe zu einer gedruckten Zeitung als Ergänzung bieten soll:

- get user feedback before printing, and improve the quality
- get high end user contributions from professionals from all sorts of places
- simplify the editing and data collection and publishing planning process
- make the production process transparent – to give additional space for texts and pictures that didn’t have enough space to print.
- increase search engine performance
- get users more active and involved

Spannend. Freue mich auf mehr Umsetzungen, die in diese Richtung gehen. Hintergründe zum Magazin-Launch in den Kommentaren zu diesem iA-Beitrag.

(Dieser Beitrag ist ein Nachtrag zu «Das Magazin online: Schöne Kombination von Web 1.0 bis 2.0)

Das Magazin online: Schöne Kombination von Web 1.0 bis 2.0

magazin-logo_smaller.jpgSeit etwas mehr als einem Monat hat das Wochenmagazin von Tages-Anzeiger, Solothurner Tagblatt, Berner und Basler Zeitung eine neuen Online-Auftritt. Eine gelungene Kombination alter und neuer Web-Möglichkeiten verbunden mit einer mutigen Wiki-Programmierung.

Schon der Einstieg auf www.dasmagazin.ch gefällt mir: Auf einer Bildschirmseite habe ich übersichtlich alles wichtige. Nicht zu viele Links, keine bewegten Bilder, keine Werbung. Viel Weissraum, klare Linien, grosse Schrift. Und ich bin gleich eingeloggt, dank Cookie und vorheriger Anmeldung samt E-Mail-Bestätigung:

bild-31.png

Den Preis für den aufgeräumten, grosszügigen Einstieg bezahlt man mit Scrollen: Unter dem Werbebanner (herzlichen Dank fürs nicht-Animieren, die Flash-Banner machen mich ganz werbefeindlich) findet man einige nützliche Rubriken. «Meist gelesen» zeigt, wo die Lemminge bereits waren, wenn ich geführt sein will. Und natürlich ist die laufende Diskussion in einer eigenen Spalte protokolliert.

Unter «Artikel verfassen» öffnet sich eine Eingabemaske für meinen Beitrag. Nun gebe ich ehrlich zu, dass ich Schreibhemmungen habe. Das heisst: Nichts zu sagen, das ich jetzt im Magazin sehen möchte, auch wenn es wohl nur in der Online-Ausgabe erscheint. Wäre schön, wenn das Magi-Team hier erklärend unterstützen würde: Wo wird der Artikel publiziert? Wird er zuerst gelesen und freigegeben? Wird alles publiziert?

Klar ist der Fall bei den Kommentaren – die man zu jedem Artikel eingeben kann. Aber auch nur als (kostenlos) registrierter Leser. Programmiert wurde alles auf MediaWiki und da ziehe ich meinen Hut vor vielen kleinen, mit Liebe programmierten Details. Hier und dort sieht man dann plötzlich auch ein wenig Wiki-Code, aus meiner Sicht verschmerzbar.

Mein Urteil: Hier sind neue Web-Möglichkeiten (Kommentare, Abos, Beobachten von Seiten, Leserdialog) schön verknüpft mit Web-Standards (interessanter, aktueller, benutzerfreundlicher Inhalt, Archiv, Suche, vorbidliche Navigation). Und die Anwendung eines Wiki zeigt die Vielfalt der Möglichkeiten, es muss nicht immer Blog sein.

Schliesslich ein interessantes Fazit des ersten Monats aus Redaktions-Sicht, ein Muss für alle Online-Kommunikatoren: «Einen Monat neu».

Sophie Graf | 21.05.2007 | Kommunikation

Tagi Magi goes Grassroot?

Bild 34.png
Die neue Tagi-Magi-
Internetseite setzt voll auf die Karte Interaktivität. Neu sollen Online-Leser die Artikel kommentieren und ergänzen. Leserkommentare werden wohl vermehrt auch die Printausgabe des Tagi-Magis beeinflussen.

Mir persönlich gefällt die neue Website, die laut dieser Meldung als Wiki aufgesetzt wurde. Ich schätze die grosse Schrift, die übersichtliche Navigation und den neuen Approach. Scheint nach OhMyNews, AP und vielen anderen der Trend des Citizen oder Grassroot Journalism auch in Zürich angekommen zu sein? Laut Tagi Magi Online darf man gespannt sein, wie sich das Projekt noch weiter entwickelt: «Bis zur vollen Ausschöpfung der technologischen Möglichkeiten haben wir noch einen weiten abenteuerlichen Weg vor uns», schreiben die Macher dramatisch. Und: «Dies ist erst der Anfang.»

Rezension: Google als Dialoggruppe

Bild 7.pngThorsten Herrmann von chainrelations hat eine interessante Rezension zu meinem Buch geschrieben. Ich schätze diese Kritiken sehr, weil sie laufend spiegeln, ob die Inhalte relevant sind und wo Optimierungen möglich sind. Hoffmann ergänzt einen interessanten Punkt, indem er Google als Dialoggruppe für seine PR-Arbeit definiert: «…Für mich entwickelt sich Google zu einer Art von Dialoggruppe. Im Gegensatz zu Journalisten bewertet Google Inhalte anhand automatischer Algorithmen, aber letztlich spreche ich als PR-Berater potentielle Kunden meiner Kunden vermittelt über “die Dialoggruppe” Google an. Insofern wird Suchmaschinenmarketing für Public Relations immer wichtiger…»

Mit seiner Interpretation der strategischen Inhalte des Buches bin ich nicht ganz einverstanden (-:, siehe Kommentar samt PDF-Link. Stimmt, bei den Wikis ist der strategische Teil etwas kürzer, dafür war er bei der Gesamtsicht sehr wichtig.

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