Marcel Bernet | 03.03.2010

USA: Top-Unternehmen nutzen Blogs und Twitter

Laptop MegaphoneDie grössten amerikanischen Unternehmen bauen ihr Social Media Engagement aus. Twitter wird bereits stärker genutzt als Blogging, Video-Beiträge nehmen stärker zu als Audio-Podcasts.

Die Society for New Communications Research veröffentlicht diverse Studien rund um Online-Kommunikation. Ende Februar publizierte sie die zweite Ausgabe ihrer «Untersuchung zur Entwicklung des Blogging- und Twitter-Einsatzes unter den grössten US-amerikanischen Firmen» (Original-Studie PDF).

Sehr hohes Blogging-Engagement in den USA
Davon kann Europa nur träumen: Knapp ein Viertel der grössten amerikanischen Unternehmen bloggen – das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Interessant ist der Vergleich zwischen Fortune 500 (Wikipedia) und Inc. 500: Das erste Wirtschaftsmagazin misst private und öffentliche Unternehmen nach Umsatz, das zweite nur private Unternehmen nach Wachstum.

Sind die schnell wachsenden, privaten Unternehmen beweglicher, offener für den direkten Dialog mit Blog-Lesenden? Die Zahlen zeigen in diese Richtung, denn in der 500er-Liste von Inc. führen sagenhafte 45 Prozent ein eigenes Blog – gegenüber 39 Prozent im Vorjahr.

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Auch in der Schweiz werden aus meiner Sicht mehr Unternehmen aktuelle, interaktive Inhalte auf ihren Webseiten bieten. Vielleicht heissen sie Blog, vielleicht sind sie einfach ein Online-Magazin. Je grösser ein Unternehmen, desto eher kann es sich den hohen Aufwand für laufend aktuelle, gut recherchierte Beiträge leisten. Und natürlich haben es die amerikanischen Unternehmen wesentlich einfacher, was den Umgang mit Sprachen anbelangt.

Audio und Video aktiviert die Inhalte
Zurück zu den Fortune 500-Unternehmen: Den grössten Anstieg gegenüber 2008 zeigen Video-Beiträge. Auch die Audio-Podcasts wachsen: 19 Prozent der Unternehmensblogs enthalten Ton-Beiträge, gar 31 Prozent setzen auf Web-Videos. Auch das ein Trend in der Unternehmenskommunikation, der sich aus meiner Sicht verstärken wird.

Twitter überholt Blogging
Zum erstenmal erfasst wurden diejenigen Unternehmen, die ein Twitter-Account führen – und zwar aktiv. In den letzten dreissig Tagen «getweetet» haben 173 Unternehmen. Das sind 35 Prozent der erhobenen Firmen – gegenüber einem Blog-Engagement von 22 Prozent bei Fortune 500.

Twittern ist einfacher als Bloggen, deshalb wird die Zahl der schnellen Micro-Texter in Unternehmen immer etwas höher liegen. Trotzdem sehe ich diesen Kanal als ideale Ergänzung einer Inhalts-Strategie, die auf Blog-Beiträge setzt.

Marcel Bernet | 22.02.2010

BBC sagt: Social Media muss sein

@zeichen_schreibmaschDer neue Chef von BBC World Services nimmt kein Blatt vor den Mund: Social Media muss sein. Twitter, Facebook und Blogs verändern Recherche, Publikation und Geschwindigkeit.

In einem Blog-Interview des Guardians verdeutlicht Peter Horrock als neuer Chef der globalen BBC News seine Haltung zum Einsatz von Social Media im Journalismus. Dabei sieht er Blogs, Twitter oder Facebook nicht nur in der Recherche, sondern auch im internen und externen Dialog als unausweichliche Werkzeuge. Dass sie für die Informationsbeschaffung bereits stark verbreitet sind, zeigt eine neue Studie aus den USA.

Wer Social Media nicht einsetzt, kann gehen
Der frühere Chef des Multimedia Newsrooms Peter Horrocks hat die Leitung von BBC World Services Anfang Februar übernommen. Zu seinem Antritt hat er in der internen Hauszeitung klar gemacht, dass Social Media eine wichtige Quelle sind für Recherchen, für die gemeinsame Erarbeitung von Geschichten und deren Verbreitung nach aussen. Der Guardian-Artikel zitiert: «Das ist nicht einfach die Laune eines Technogie-Freaks. Ich befürchte, dass wir unsere Arbeit nicht machen, wenn wir diese Dinge nicht beherrschen. Das ist keine Ermessensfrage. Wer es nicht mag oder wer denkt, dass diese Veränderung oder diese neue Arbeitsweise für ihn zu gross sei, der soll gehen und etwas anderes tun – weil es einfach passieren wird. Niemand kann es aufhalten.»

Recherche, Verbreitung und Dialog
Technologie ändere den Journalismus. Deshalb seien Twitter und RSS-Reader essentielle Werkzeuge für die News-Recherche. BBC-Redaktorinnen und Redaktoren sollen darüber hinaus Twitter und andere Möglichkeiten einsetzen zur Verbreitung ihrer Inhalte samt Links zu den Originalberichten. Und schliesslich sei ein journalistisches Social Media Engagement wesentlich für den direkten Austausch mit Leserinnen und Lesern.

Immer schneller, immer oberflächlicher?
Wir Medienkonsumenten erleben wie die Medienschaffenden eine spannende Veränderung: News werden weltweit immer schneller erfasst und immer schneller publiziert. Im Wettrennen um das erste Bild oder die erste Schlagzeile entscheiden heute Sekunden. Früher konnte man in Sondersituationen ein Extrablatt schreiben und drucken, das erste Foto der Notlandung auf dem Hudson-River gelangte vom Mobiltelefon über Twitter innert Sekunden an die Öffentlichkeit.

Der Kampf um das erste Bild, die erste Schlagzeile ist unerbittlich. Wir stehen in eine steigenden Flut von Sofortnachrichten. 2oMinuten bringt mir eine Eilmeldung aufs iPhone? Wieso kann ich die Geschichte noch nicht auf NZZ Online nachlesen? Ich glaube, dass Peter Horrock recht hat: Wer im Nachrichtengeschäft tätig ist, muss beides schaffen: Sehr schnell raus mit Inhalten und so schnell wie möglich die Hintergründe dazu liefern. Dabei helfen Social Media. Und sie können eine wichtige Rolle spielen beim Vermitteln der Inhalte ans Publikum.

Schnell ist immer oberflächlich, das liegt in der Natur der Sache. Ich habe die Eilmeldungen auf meinem iPhone wieder ausgeschaltet. Weil mir der Hintergrund am nächsten Tag wichtiger ist als Störung mitten im Tagesablauf. Die Meldungen, von denen ich mich stören lasse, bleiben in E-Mail und RSS abonniert.

Dieser Beitrag erschien am 25. März auf Marcel Bernets «Extrablog» der NZZ.

bernetblog-Artikel zur Social Media-Nutzung von Schweizer Medien

Marcel Bernet | 10.12.2009

«Wie erreiche ich via Facebook oder Twitter Journalisten?»

ohr_blogprofil_bernetpr«Ist es einfach Glück wenn ein Journalist über eine Meldung stolpert oder kann man sie gezielt angehen? Wenn ja, wie?» fragt Patrik Schädler. Man kann sie angehen – aber es darf nicht der Hauptkanal sein.

Auf unserer neuen Facebook-Seite haben wir die Beantwortung von Fragen versprochen. Patrick Schädler, Stv. Geschäftsführer und Marketingleiter bei Liechtenstein Tourismus, wagts als Erster. Die Antwort lautet – wie immer bei Experten: Ja, aber.

Aber: Medieninfo erst in zweiter Linie über Social Media
Beginnen wir mit dem Aber: Twitter und Facebook wird von Medienschaffenden immer noch wesentlich zurückhaltender genutzt, als es der allgemeine Hype um diese Kommunikationsmittel vermuten lässt. Zahlen für die Schweiz liefert unsere Studie «Journalisten im Internet», präsentiert im Juli. Alle bernetblog-Artikel zur Studie über diesen Link.  Als Auszug diejenigen Internet-Angebote, die Schweizer Medienschaffende als «sehr wichtig» oder «wichtig» einstufen. Ja, die grau eingerahmten Angebote haben sich stark nach vorne bewegt – Soziale Netzwerke liegen aber noch am Ende der Hitparade.

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Schwartz PR hat diese Woche eine Studie (PDF) veröffentlicht, die 800 Medienschaffende aus der Schweiz, Österreich und Deutschland befragte. Fazit: Am liebsten hat die Mehrheit noch immer eine klassische E-Mail, Social Media News Release (oder wie immer man diese PR-Innovation benamst, siehe «Was ist eigentlich…») kennt kaum jemand.

Ja: Medien recherchieren auf Sozialen Plattformen
Trotzdem – Medien lassen sich über Facebook und Twitter erreichen. Dazu eine weitere Grafik aus unserer Studie (PDF kostenlos über bernet.ch/studien). Gefragt wurde dieses Frühjahr, geantwortet hat eine repräsentative Stichprobe für die ganze Schweiz. Die Nutzungsanteile dürften heute höher liegen.

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Basics im Griff, Abo anbieten, eventuell Filiale eröffnen
Daraus folgt aus unserer Sicht folgende Handlungsanleitung – für den Status Quo:

1. Grundlagen sichern: Eine Top-Website unterhalten mit einem separaten, immer aktuellen, gut durchsuchbaren Mediencorner. Mehr Tipps und Tricks dazu im Beitrag «Basics für den Mediencorner».

Damit ist schon viel geleistet. Und nur, wenn Sie das wirklich gut leisten, laufend ausbauen, dann können Sie weitergehen. Und dies nur dann, wenn Sie eine integrale Social Media Strategie entwickelt haben – anstatt einfach noch schnell ein paar Texte auf Facebook zu laden.

2. Abo für Twitter anbieten: Heute gehört zu den Auswahlmöglichkeiten neben E-Mail und RSS auch Twitter. Und zwar als dritte Priorität – denn diese Art der Abonnierung ist sehr flüchtig. Wenn die Medienschaffenden nicht schnell auf ihren Twitter-Strom blicken, ist Ihre Mitteilung schon wieder weg. Speisen Sie einfach immer einen Link mit Kurztext auf ein spezielles Medien-Twitterkonto ein, wenn ein neues Communiqué rausgeht.

3. Filiale auf Facebook eröffnen: Dieser letzte Schritt verlangt eine ganze Menge von Zusatzressourcen, überlegen Sie sich ihn gut. Macht es bei einer speziellen Kampagne Sinn? Erhöhen Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer (sowieso unterhaltenen) Facebook-Seite, wenn Sie dort einen Reiter mit Medieninfos anfügen? Sind die Basics zu Ihrem Unternehmen schnell abrufbar und führen Links zurück auf Ihren Mediencorner?

Zum Abschluss eine letzte weiterführende Lektüre: Philipp Fabian hat eine Bachelor-Arbeit zu PR und Social Media geschrieben, die wir im April zusammengefassst haben.

Marcel Bernet | 09.12.2009

LeWeb09: Was wäre, wenn Apple sozial wird?

leweb09_panel_networksAuf dem Panel sassen alle grossen Sozialen Netzwerke, von Facebook über Twitter bis MySpace. Apple fehlt an dieser Konferenz total – wann ist eine Plattform eine Plattform?

Diese Runde unter der Leitung von TechCrunch-Chef Michael Arrington erwartete ich mit Interesse: Da sassen Facebook, Ning (eine offene Plattform zum Aufbau eigener Netzwerke), LinkedIn (Berufsnetzwerk mit zunehmender Beliebtheit auch in Europa), Ustream (Videostreaming-Plattform), Six Apart (Blogging-Plattform die aus mir unklaren Gründen oben sass), MySpace und Twitter. Erwartet hatte ich interessante Anstösse über die weitere Ausrichtung von direkten Konkurrenten wie Facebook, MySpace und Twitter. Leider blieben die Fragen technisch, die Moderation wirkte aus dem Ärmel geschüttelt. Aus dem ganzen Live-Stream picke ich eine interessante Diskussion raus und spekuliere über eine Idee.

Walmart ist eine (soziale) Plattform, Apple auch
Der Erfolg vieler Social Web-Plattformen hängt ab von deren Zusammenarbiet mit Dritt-Entwicklern. Twitter pflegt die Entwickler-Gemeinde sehr intensiv, genauso Google. Facebook geniesst mit den vielen Änderungen ihrer Grundlagen einen etwas zweifelhaften Ruf. Und Apple springt sehr forsch um mit allen, die eine Applikation für iPhone oder iPod entwickeln wollen. Darin ist sich die Runde einig: Apples App Store ist so strategisch, dass man kuscht, um etwas dort reinzubringen. Und Apple ist so dominant, dass sie heute vor diesem Publikum auch gar nicht auftreten müssen.

Mike Jones, Chief Operating Officer von MySpace, ist nicht damit einverstanden, dass die Runde auch den Apple Store als Plattform bezeichnet. Denn da geschehe ja kein sozialer Austausch. Ethan Beard, Chef des Facebook Develober Network, sieht Apple genauso als Plattform wie eine Filiale des US-Detailhändlers Walmart. Wer etwas verkaufen will, der wird sich dorthin bewegen, wo die Konsumenten sind.

Was, wenn Apple sozialer würde?
Nun springt ja Apple auch eher monopolistisch um mit den Konsumenten: Musik austauschen geht nicht. Dafür gibts auch kein Bezahlmodell. Es gibt keinen Dialog untern den unzähligen iTunes-Besucher/innen, kein Weiterempfehlen von Inhalten, Kommentieren, Chatten.

Wie wärs, wenn Apple die Community mit Austausch-Funktionen stärker an sich binden würde?

Eingeloggt sind wir ja eh schon alle. Noch eine Plattform mehr? Oder ist es auch für Apple schlauer, wenn sie sich für solche Funktionen an den grossen Plattformen anhängen? Mashable hat kürzlich über eine Verbindung von iTunes zu Facebook spekuliert.

Die Aussage von Ethan Beard als Video – noch hat meine G11 das Videozoom-Scharfstellen nicht wirklich im Griff.

Sonja Stieglbauer | 08.12.2009

Rail Service: Inoffizieller öV-Twitterdienst

Social Media Gipfeli

Die Rail Service Tweets überzeugen selbst Skeptiker von der Nützlichkeit des Twitterns. Den professionell gemachten Dienst betreiben drei junge öV-Profis/-Freaks in Eigenregie.

Am Social Media Gipfel  vom 2. Dezember standen sich Chris Leduc, einer der drei Initianten, und  Patrick Comboeuf, Director E-Business SBB, zum ersten Mal gegenüber.

Den öV-Nutzenden unter den Anwesenden musste Christian Leduc den Service nicht lange erklären. Der Nutzen ist offensichtlich: Wer im Zug von einer Unbill betroffen ist oder wissen will, wo man im ICN Strom fürs Laptop findet, postet einen Tweet. Kurz darauf kommt die 140-Zeichen-Antwort. Nachfragen ist selbstverständlich möglich. Nico Luchsinger hat den Service auf seinem BetaBlog bereits gut beschrieben.

Patrick Combeuf, Chris Leduc, Peter Hogenkamp

Gespannt waren die Teilnehmenden auf das erste Zusammentreffen von Chris Leduc und Patrick Comboeuf, Direktor E-Business SBB. Entgegen meinen Erwartungen zeigte sich Patrick Comboeuf begeistert vom unabhängigen Rail Service-Twitterdienst. Er vertritt damit aber seine persönliche Meinung. Die offiziellen SBB haben im Moment (noch) kein Interesse, sondern vor allem ein Problem mit der Benutzung ihrer Logos durch die Twitterer. Zugegeben, Gleis 7 ist nicht ganz geglückt.

Twitter-Logos GA, Halbtax, Gleis 7, Rail Service

Warum kommunizieren die SBB ihre Störungsmeldungen eigentlich nicht auch auf  Twitter?  Für das interaktive Element müsste dann der Kundendienst in Brig sorgen. Ein Tweet ist auf jeden Fall schneller geschrieben, als eine telefonische Anfrage beantwortet. Und die Reichweite ist erst noch grösser. Liegt es daran, dass die Rail Service-Nummern kosten, Twittern an sich aber gratis ist?

Ich bin gespannt, ob und wer bei Rail Service in einem oder zwei Jahren zwitschert. Wie die Tweets heute aussehen, zeigt die Präsentation von Chris Leduc.

Hintergründe zum Zusammentreffen, von Peter Hogenkamp auf blogwerk
Weitere bernetblog-Beiträge zum ersten Gipfel:
Facebook: Franky Slow Down als Kampagnenbeschleuniger
Social Media Gipfel 01: Impressionen, Idee, Initianten

Marcel Bernet | 07.12.2009

Bernet_PR auf Facebook: Wie man Inhalte gestaltet

bernet_pr_facebookWer sich für einen Facebook-Auftritt entscheidet, steht vor der Frage: Womit? Wie sind Inhalte zu konzipieren? Hier unsere Antworten aus dem Praxisbeispiel Bernet_PR.

Letzte Woche habe ich Pro und Contra Facebook durchleuchtet. Wir haben uns schliesslich für den Bau und Unterhalt einer weiteren Inhalts-Plattform entschieden – auf www.facebook.com/bernetpr. Im erwähnten Beitrag habe ich die Ziele und Zielgruppen geschildert – wie spiegeln sich diese Vorgaben in unseren Inhalten?

Fokus Wissen bleibt erhalten
Ihre Webpräsenz folgt bestimmt mediengerecht Ihrer Positionierung. Auch der Facebook-Auftritt Ihres Unternehmens oder der Kampagne verfolgt diese Absicht. Angepasst auf die hier präsenten Zielgruppen und deren Verhalten, Erwartungen, Vorlieben.

Bernet_PR will wirksame, kreative und herzliche Kommunikation leisten. Gerade auch im Web legen wir seit 1996 grosses Gewicht auf den medientypischen Dialog. Also haben wir nur am Rande die wichtigsten Fakten zur Agentur eingebaut. Wichtiger waren das Angebot von kostenlosem Wissen und eine interaktive Zitat-Datenbank, sozusagen eine Vorwegnahme von Wikiquote. Später kamen der Anstoss-Newsletter dazu und dieser Blog.

Facebook ist in unserem Falle eine Informations- und Austauschfiliale für Inhalte, die auch auf unserer Website, im Blog, auf Twitter oder Delicious vermittelt werden können. Deshalb ist es nur konsequent, auf einer Facebook-Seite ebenfalls auf Wissensaustausch zu setzen.

Sitemap unter erschwerten Bedingungen: Facebook-Dramaturgie
Sie wissen, was Sie auf Facebook schreiben wollen. Wie platzieren Sie diese Inhalte? Was Sie schreiben und wie Sie das platzieren, muss auf Facebook sehr speziellen Herausforderungen gehorchen.

Ziemlich starres Layout mit einigen Wahlmöglichkeiten: Die linke Spalte ist (ausser bei den selbst programmierten FBML-Seiten, mehr darüber weiter unten) in der Reihenfolge der Elemente und ihrer Gestaltung von Facebook vorgegeben. Sie können Ihre Fans nicht ausblenden oder nur deren Namen ohne Fotos zeigen lassen. Sie können diese Box auch nicht weiter nach unten schieben. Die rechte Spalte gehört ebenfalls Facebook, hier wird Werbung gezeigt, deren Schaltung sie nicht beeinflussen können.

Schwieriger Umgang mit Reitern: In der mittleren Spalte folgt Ihr Inhalt. Der lässt sich in Kapitel aufteilen, mit diesen grauen Reitern. Wir haben uns für sechs Entschieden. Die sieht man grad noch, sonst müsste man auf einen Reiter mit  >> klicken. Die beiden ersten Reiter «Pinnwand» und «Info» sind von Facebook in deren Benamsung, Reihenfolge und Gestaltung vorgegeben.

fb_reiter_bernetpr

Auf dem Reiter «Info» sind die Basisinfos zu Agentur und Leistungen, «Veranstaltungen» ist ebenfalls von Facebook vorgegeben und wir erfassen jeweils die nächsten Termine. «YouTube» und «Flickr» haben wir mit Gratismodulen von involver.com gelöst. Dieses Unternehmen besetzt ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell: Das mühsame Programmieren von Faceook-Seiten wird einem abgenommen. Bloss ist das mit monatlichen USD 99 zu teuer. Zwei Module kann man sich gratis rauspicken – wobei man natürlich abhängig ist von den standardisierten involver-Möglichkeiten. Für uns waren sie besser als die standardisierte Facebook-Seiten-Einbindung.

«Wissen» als einmalige Willkommens-Seite: Man kann eigene Seiten gestalten, in der «Facebook Markup Language» oder «FBML». Das sei einfach, meinen die einen. Wir habens den Profis von Serranetga überlassen.

Diese Seite sieht man automatisch nur beim ersten Besuch auf Bernet_PR, sobald man Fan ist, landet man auf unserer Pinnwand – so bestimmt das Facebook. Die Erstbesuchs-Seite darf man als Anbieter wählen. Auf «Wissen» ist unsere Positonierung umgesetzt:

fb_startseite_wissen_bernetpr

Achtung: Ihre Zielgruppen sind auf deren Pinnwand zu Hause
Das heisst, dass sie eigentlich nur bei einem ersten Aufstöbern über die Suche, eine Empfehlung, eine Einladung oder das Klicken auf ein Facebook-Inserat auf Ihrer liebevoll gestalteten Facebook-Seite landen.

Danach läuft alles, wenn überhaupt etwas läuft, über die geliebte Pinnwand. Da bin ich, da sind Ihre Zielgruppen auf Facebook «zu Hause». Inhalte von Freund/innen, abonnierten Gruppen oder als Fan aktivierten Seiten werden auf diese Pinnwand überspielt. Das heisst: Nur, wenn hier was Interessantes, für mich gerade Relevantes auftaucht, fühle ich mich positiv angesprochen. Vielleicht reagiere ich sogar: Besuche die angekündigte Veranstaltungs-Seite, aktiviere den Link, schreibe einen Kommentar oder setze ein Häkchen bei «Gefällt mir». Das heisst auch: Wenn mir hier zuviel und nichts Attraktives eingespielt wird, dann kündige ich mein Abo, melde mich als Fan ab, will nicht mehr Freund einer Person sein.

Die Kunst liegt darin, den richtigen Ton zu finden. Und die richtige Frequenz. Deshalb haben wir bewusst auf ein automatischen Einspielen von Twitter-Meldungen auf unserer Pinnwand verzichtet – sie liegen in der Wissen-Seite und lassen so die Pinnwände unserer Fans in Ruhe.

Monitoring nicht vergessen – und den Dialog pflegen
Leider gibt es noch keine automatische Mitteilung von Facebook, wenn jemand auf Ihrer Seite einen Kommentar absetzt, einen Link oder sonst etwas erfasst. Und Monitoring-Lösungen scheinen uns noch zu teuer oder mangelhaft. Also haben wir auf zwei Arbeitsplätzen die Bernet_PR-Seite als Startseite gesetzt und sichern so ein tägliches Reinschauen.

Zum Reinschauen gehört auch ein aktives Setzen von interessanten Inhalten. Ein besonderer Link, ein kurzes Video. Eine Frage, die gestellt wurde, samt Link oder Text zur Antwort. Da werden wir in den nächsten Monaten noch viel lernen. Durch Ausprobieren und Zuhören.

Marcel Bernet | 16.11.2009

Social Media Gipfel: Erstbesteigung mit bfu und SBB

nurknopfAm 2. Dezember gibts Social Media-Praxis zum Frühstück – mitten in Zürich. Mit bfu-Facebook- und SBB-Twitter-Erfahrung aus erster Hand. Ausverkauft: Unten eintragen für nächste Termine!

Geht es Ihnen wie mir? Sie arbeiten an einem Blog-, Facebook- oder Twitter-Projekt und fragen sich: Wie geht das? Wie machen das andere? Beispiele gibts ja genug, nur spielen sich die irgendwo in den fernen USA ab. Was läuft in der Schweiz?

Das wollte ich schon immer mal wissen. Und weil ich mit Bernet_PR schon seit 1995 Wissen auf dem Web teile, gibts jetzt den Social Media Gipfel. Zum erstenmal am 2. Dezember, von 07.30 bis 09.00 Uhr. Mein Kletterpartner auf dieser Erstbesteigung ist Peter Hogenkamp – alleine hätte ich es nicht gewagt. Denn das Ganze ist keine kommerzielle Sache, wir beide stemmen das so nebenbei. Und mit Peter machts einfach Spass. Wer erklimmt mit uns die Fredy-Hiestand-Gipfeli aus dem NZZ Bistro beim Bahnhof Stadelhofen? Das Programm:

07.30 – 08.00
Facebook: Ganz schnell auf 4′000 Fans – mit Jacky Slowdown.
David Schärer, Partner der Werbeagentur ROD, zeigt die Erkenntnisse aus der aktuellen Slow-Down-Kampagne für bfu und SVV. facebook.com/SlowDown.TakeItEasy

08.00 – 08.30
Twitter: RailService zeigt, wie man Kunden ernst nimmt.
Die beste Schweizer Twitter-Lösung ist das Werk freiwilliger Mitarbeiter – was sagt die SBB dazu? Chris Leduc, Initiant, und Patrick Comboeuf, Director E-Business, begegnen sich bei uns zum ersten Mal. twitter.com/railservice

08.30 – 09.00
Praxisaustausch, Schlusspunkt, Gipfelrast.
Wer kann, bleibt länger.

Die Inhalte werden auf netzwertig.com und natürlich hier im bernetblog zusammengefasst. Als zentrale Website für diese Soziale Kooperation von Peter und mir funktioniert www.socialmediagipfel.ch – als Hashtag #smgzh.

Anmeldung
Mussten wir heute, 19. November rausnehmen – leider schon ausgebucht. Tragen Sie sich für spätere Anlässe (Februar, April, Juni 2010) ein, wir werden Sie frühzeitig informieren:


Sie haben am 2. Dezember keine Zeit? Tragen Sie sich in unseren Newsletter ein, um über kommende Termine informiert zu sein:

E-Mail*:
Vorname:
Name:
Marcel Bernet | 10.11.2009

Twitter-Tipps: So macht man ein Konzept – britische Vorlage

TwitterDie beste Vorlage für ein Twitter-Konzept liefert Neil Williams. Und sie ist nicht nur für Regierungs-Tweets vorbildlich strukturiert.

Denn Neil ist Leiter der «Corporate Digital Channels» im Ministerium für Business, Innovation und Skills BIS. Und er bloggt privat auf Mission Creep mit dem schönen Slogan «Trying to do too much at once». Den Blog habe ich mir abonniert – denn Neil schreibt witzig, klar und teilt sein Wissen grosszügig. So ist denn auch die hier vorgestellte Vorlage auf verschiedenen Plattformen runterzuladen (hier ein direkter PDF-Link) – natürlich auch über Scribd.

Die Vorlage ist so verfasst, dass andere Abteilungen der britischen Regierung sie für ihre Twitter-Vorhaben einsetzen können. Ich empfehle Nicht-Regierungs-Organisationen und Nicht-Brit/innen ein ähnliches Vorgehen: Durchlesen und dadurch interessante Anstösse für die eigene Rahmendefinition mitnehmen. Wieso?

1. Klare Struktur
Gute Konzepte zeichnen sich immer durch einen klaren Ablauf aus. Diese Vorlage liefert die Kapitel für ein stringentes Papier, das verstanden wird und alles Wesentliche klärt. Vielleicht wählen Sie diese Kapitel – vielleicht mixen Sie Neils Idee auch mit den Kapitel-Vorschlägen aus unserem Twitter-Leitfaden. Oder Sie gucken sich wieder mal unser Konzeptrezept an, für Projektpapiere aller Art.

2. Gut gemachte Zielsetzungen samt Erfolgskontrolle
Kapitel 3 «Objectives and metrics» ist erste Sahne. Solche Konzepte würde ich gerne mehr lesen: Klare Zielsetzungen, jeweils verbunden mit der Messmethode. Zahlen sind selbst einzusetzen.

3. Strategie-Teil mit Risiko-Liste abgefangen
Schön dargestellt sind im Kapitel 4 die mit einem Twitter-Einstieg verbundenen Risiken – nicht nur für Regierungsstellen. Und mit welchen Massnahmen man diese Risiken eindämmen, überwachen kann.

4. Praktisches Beispiel für Positionierung, Tonalität
Hier wirds wirklich schön: Endlich kann man mal ganz praktisch lesen, wie ein inhaltliches Konzept eines konkreten Absender aussieht. Wer die Texte zu Namensgebung, Absender, benötigter Zeit und inhaltlichen Prinzipien liest, erhält interessante Eckwerte. Nicht einverstanden bin ich mit der Anonymisierung der Tweets – sie werden «behördlich» abgesetzt – passt für mich nicht zu Twitter.

5. Nicht mehr als 10 pro Tag
Interessant: Maximal 10 Tweets pro Tag, mindestens 30 Minuten Intervalle dazwischen, damit Follower nicht geflutet werden. Mit Ausnahmen für Antworten oder Krisensituationen.

6. Ressourcen geklärt: Mindestens eine Stunde pro Tag
Eine Stunde pro Tag ist realistisch – ohne Konzeption und laufende Evaluation. Da sieht die Vorlage einen Tag alle drei Monate, was aus meiner Sicht aber mit mindestens vier Personen multipliziert werden muss. Sehr spannend ist hier die Seite 18, Beilage C: so viel Zeit setzen ein fürs Twittern:

  • Premier (Downingstreet): 20 Minuten/Tag, 2-3 Tweets/Tag plus etwa 3 Antworten/Tag
  • Ausenministerium (Foreign Office): Weniger als 45 Minuten/Tag
  • Communities und Lokale Behörden (Communities UK): 45 bis 60 Minuten/Tag
  • Digital Policy: 5 bis 10 Minuten/Tag
  • Wirtschaftsförderung (UK Trade & Investment): 5 Minuten bis 2 Stunden/Tag für Twitter und LinkedIN, inklusive Aktives Aufstöbern von relevanten Diskussionen

7. Umgang mit Abonnenten: Automatisches Rück-Followen
Als Regierungsbehörde will man niemanden aktive followen, von sich aus. Das könnte als «Big Brother»-Beobachtung negativ ankommen. Aber alle, die einem Regierungstweet folgen, werden von der Amtsstelle automatisch zurückverfolgt. Weil das zur Twitter-Etikette gehöre. Und man automatisiert das, weils händisch eben zu aufwändig ist. Natürlich sorgt man damit auch für einen stetig wachsenden Strom von Followern – mehr zu diesem Thema im Twitter-Tipp «Wie erreicht man Follower».

8. Praxistipps zu Hashtags, Linkkürzeln, Re-Tweeting und Promotion
Alles da. Einfach erklärt. Einfach zu ergänzen oder auszulassen, je nachdem wofür man sich bei seinem Konzept entscheidet.

Wer mag sein Twitter-Konzept mit dem bernetblog teilen? A propos: Am 2. Dezember, 0730 in Zürich, wird man live eines erleben können. Mehr darüber bald an dieser Stelle.



Marcel Bernet | 20.10.2009

Twitter-Tipps: Wie erreicht man Follower?

twitter_voegel_grosskleinWer zwitschert, der will gelesen werden. Für den Weg zu möglichst vielen Followern gibts eine ganze Kiste voll unglaublicher Tricks.  Robert J. Moore hat auch die fiesesten davon getestet.

Die Frage stellt sich bei allen Anwendungen des Social Web: Wollen Sie möglichst viele oder möglichst relevante Kontakte? Wer ganz oben stehen will auf den Hitparaden, die es natürlich auch für Twitterer gibt, der will möglichst hohe Zahlen. Bei den deutschen Twittercharts gehts los mit 66′000 Followern, Philip Hetjens versucht bei seinem Pilotprojekt die Swiss Twittercharts mit einem Algorhythmus etwas schlauer zu machen – so, dass nicht nur die Follower alleine zählen.

Die Lebenskurve der Follower-Statistik
Ich selbst stehe mit 474 Abonnenten noch ganz am Anfang der unten dargestellten Dynamik. Bei den ersten Tausend folgt ein Plateau, das man nur mit inhaltlich glaubwürdigen Posts überwindet – und dem Gewinn eines Promi- oder Guru-Status. Meint Robert J. Moore aufgrund seiner Analysen für die USA. Moore verbindet praktische Tipps mit einer detaillierten Analyse. Und das ist auch sein Hauptgeschäft – RJMetrics verkauft Anwendungen für die schnelle Analyse grosser Datenbestände.

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Erster Schritt: Gute Twitterer auslesen und followen
Jede Twitter-Karriere beginnt mit intelligent ausgewähltem Verfolgen von anderen. Dabei lese ich mir Personen aus, die an meinen Tweets interessiert sein könnten. Weil sie in Zürich zu Hause sind, in der Schweiz. Oder weil sie sich für Medien, Kommunikation, PR interessieren dürften. Oder mich schon persönlich kennen. Die Basis aller weiteren Erfolge legt man mit den ersten Followern. Und die holt man sich am besten bei den Personen, die einen bereits kennen.

Ein schlechter Trick: Folge mir, dann folge ich dir
Es gibt einen interessanten Automatismus bei Twitter, der schamlos genutzt wird: Folge vielen, dann folgen dir viele. Man kann das sogar mit Hilfsprogrammen automatisieren: Jeder neue Follower wird automatisch gegen-abonniert. Drum schaue ich mir immer an, wie das Verhältnis von Followers zu Following, also Abonnenten und selbst abonnierten Tweets aussieht. Das ist dann für mich einer der Faktoren, um die Autorität des Absenders zu beurteilen. Lebt er oder sie vor allem von automatischen Followern? Oder von bewussten Abonnenten?

Echter Dialog braucht Zeit
Moore unterscheidet FreeFollowers (bewusste, freiwillige Abonnenten) und ReFollowers (automatische Abonnenten). Er hat drei Twitter-Tipps und sieben Twitter-Anwendungen beschrieben und vergleicht die dafür eingesetzte Zeit oder dabei entstandene Kosten – hier die Auswertung:

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Zwölf Minuten setzte Moore ein für jeden freiwilligen Follower mit Topical Tweets – das heisst mit Beiträgen zu aktuellen Themen samt gängigem Hashtag (mit dem #-Zeichen versehene Schlagworte im Tweet, siehe Twitter-Leitfaden). Denn nach solchen Hashtags wird in Twitter-Suchmaschinen gesucht, so finden Personen zu den eigenen Tweets, die wirklich an diesen Themen interessiert sind. Auch hier gilt: Kurzfristig kann ich meine Follower massiv erhöhen, wenn ich über ein News-Thema schreibe. Bloss: Passt dieses Thema auch wirklich in mein redaktionelles Konzept? Langfristig wird diese Frage entscheidend sein.

Sieben Minuten investierte Moore durchschnittlich, bis sich jemand aufgrund von direkten @-Tweets bei ihm als Follower registrierte. Und zehn Minuten dauerte es bei Posts über gerade aktuelle Promis. Na ja, die passen überhaupt nicht in mein Twitter-Konzept. Okay, vielleicht müsste ich mehr über Steve Jobs schreiben?

Schlaue Programme mit schlechter Absicht
Auf den nächsten Positionen folgen interessante Twitter-Anwendungen. Wer die Beschreibungen liest, lernt Interessantes – deshalb hier nochmals der Artikel-Link. Ich staune über die Möglichkeiten, Twitter-Konti nach Stichworten automatisch in Hunderterblöcken zu abonnieren, sie ebenso automatisch nach sieben Tagen wieder raus zu werfen, falls sie mich nicht rück-abonnieren. Oder andere Tricks, die aus meiner Sicht schlussendlich nichts bringen. Ausser eine hohe Follower-Zahl. Und irgendwann ein völlig verkorkstes Twitter-Universum, wo sich alle gegenseitig automatisch oder gegen Bezahlung abonnieren. Aber die Abos eben gar nichts aussagen.

Dominik Allemann | 13.10.2009

Twitter Community Schweiz: Viel Bewegung on- und offline

TwitterEs ist Zeit, hier wieder einmal eine Lanze zu brechen für die sympathische Schweizer Twitter-Community (gibt es DIE Schweizer Twitter-Community?). Da ist nämlich einiges an Bewegung drin. Ein Team rund um Pixelfreund organisiert beispielsweise noch im Oktober einen exklusiven Sportevent…

Als aktiver Mitleser und lernender Zwitscherer begegnen mir die engagiertesten Schweizer Twitterer immer wieder. Und sie sind innovativ: organisieren TwitterBier (zum Beispiel eine Oktoberfest-Version), ein Trashgolf-Turnier im Bündnerland oder – ganz saisonbewusst – ein #twildessen (10.11., mehr dazu folgt hier). Den Coup landet aber im Moment unser Pixelfreund (sein Gast-bernetblog-Beitrag erschien hier kürzlich). Am 24. Oktober (12h – 18h) veranstaltet er im wiederauferstandenen Mysterypark in Interlaken das…

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(Bildquelle: Mysterypark/pixelfreund.ch)

Charmant an dieser Idee ist die Kombination: Segways sind diese drolligen Zweirad-Steh-Fahrzeuge (Google-Bilder) die man sich einfach partout nicht im Alltagsgebrauch vorstellen kann. Und Laubbläser (dito) sind laut, offenbar gesundheitsgefährdend und aus dem Alltag von Hausmeistern (s. YouTube-Film, via Pixelfreund) und Stadtreinigern nicht mehr wegzudenken. Leider. Aber die Verbindung tönt nach Spass. Und hätte ich am 24.10. nicht schon eine Verpflichtung – ich wär glatt dabei als Fan (die Mitspielerplätze waren ratzfatz weg).

Die Organisatoren nennen das «gelebtes Crowdsourcing». Beeindruckend ist für den PR-Menschen tatsächlich, wie in kürzester Zeit etwas (was auch immer) online entstehen kann und offline dann – dezentral und vernetzt – organisiert wird. Und für einige Beteiligte (namentlich Mysterypark, Segway, Stihl-Laubbläser) könnte das doch sogar zu einem ganz netten «viralen» Effekt führen.

Das «SSLP» ist natürlich vorbildlich und integriert vertreten in den Social Media:
bei Facebook, Flickr und Twitter

Lilly Anderegg | 07.10.2009

Lieblings-Mashup: Wie viel Poesie verträgt Twitter?

TwitterÜber den Blog netzwertig.com bin ich auf die Poesie von Twitter aufmerksam geworden. Twyric ist ein kleines Mashup, das die poetische Seite von Twitter erkundet.

Die Internetseite Twyric (Twitter + Lyric = Twyric) sammelt Tweets, die mit Hashtags wie #gedicht, #haiku, #lyric, #limerick, #poem, #poesie versehen sind. Kombiniert werden die Tweets frei assoziativ mit Fotos von Flickr. Die Idee dahinter gefällt mir gut. Sei es für poetische Momente während der Arbeit – für mehr Poesie als 140 Zeichen reicht die Zeit häufig nicht – oder um das Englisch aufzufrischen. Zwar sind die lyrischen Tweets theoretisch in allen Sprachen denkbar, aber Englisch ist mit wenigen Ausnahmen die Lingua franca. Die Geschwindigkeit der Tweet- und Bildwechsel kann gesteuert werden. Und die Poesie lässt sich auch als Screensaver einrichten.

Seltene Perlen
Längst nicht jeder Beitrag ist wahre Lyrik, vieles nicht einmal ansatzweise lyrisch. Aber das Auffinden versteckter Perlen – gerade in der Kombination mit den Fotos von Flickr – macht umso mehr Freude. Aufgefallen sind mir diese Kurzgedichte:

Cold rainy morning
Sparrows splash in shallow puddle
I put on sweater

The shallow waters
Of a mediocre life
Never make a wave.

Morgensonne
Ein Tag bittet um Einlass
Der Abend wartet schon.

Genau. Der Abend wartet schon, darum bleibt auch keine Zeit für eigene Einträge ins Poesiebuch – zum Vorteil der Leserschaft, glauben Sie mir.

Marcel Bernet | 17.09.2009

Twitter-Leitfaden: Tipps für Tester und Profis

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Ist Twitter relevant? Ja, als Teil einer Online-Gesamtstrategie. Finden Sie es selbst raus – unser neuer Leitfaden unterstützt Ihre erste Probefahrt und bringt Optimierungs-Ideen für erfahrene Microblogger.

Heute schalten wir auf unserer grossen Know-how-Plattform www.bernet.ch/wissen eine neue Gratis-Checklist auf: «Gern gelesenes Gezwitscher – Leitfaden Corporate Twittering» ist 23 Seiten kurz und dient als schnelle Einstiegs- und Optimierungshilfe. Eine noch stärker verdichtete Kurzversion bietet unser Anstoss-Newsletter «Twitter fürs Geschäft: Entscheidung, Umsetzung, Leitfaden».

Cross-Publishing auf Scribd
Zum erstenmal veröffentlichen wir eine unserer Publikationen gleichzeitig auf Scribd. Aus den vielen Möglichkeiten von Sozialen Dokument-Plattformen haben wir uns für diese Option entschieden. Hier haben wir übrigens den Konkurrenten issuu beschrieben – auch dort ist der Leitfaden mal geladen – mir erscheint die Plattform aber eher für Magazine geeignet.

Innert 24 Stunden seit dem Scribd-Upload waren bereits über 600 Interessenten auf dem Dokument zu Besuch, 25 haben es auf ihre Festplatte geholt. Wir hatten die Existenz dieses Files noch gar nicht kommuniziert. Dank Scribd können Sie auch gleich hier im bernetblog durch die vielen Anstösse spazieren (das Symbol rechts aussen im Titelbalken startet die Bildschirm-Vollansicht, blättern klappt mit ->).

Relevant? Monitoring muss sein.
Macht es für Unternehmen, Organisationen, Kampagnen Sinn, mit 140-Zeichen-Info-Schnipseln um sich zu werfen? Die Zahl der Twitter-User wächst rasant, Webevangelisten.de meldet 220′000 deutschsprachige Accounts per August 09 und Nielsen USA misst 21 Millionen Unique Visitors pro Monat für Juni 09. Bernet_PR empfiehlt: Twitter unbedingt anschauen, ins Monitoring einbeziehen, nur zielgerichtet und fallweise in eine Gesamt-Dialog-Strategie einbauen.

Links:
Anstoss-Newsletter als Kürzestfassung
Ganzer Leitfaden als PDF-Download (auf Download klicken, Kreuz zu Copyright setzen, E-Mail angeben)

Marcel Bernet | 04.09.2009

Journalisten im Internet: Wikipedia und Facebook legen zu

zeichen_schreibmasch1Wikipedia ist für Schweizer Medienschaffende wichtiger als Web-Seiten von Unternehmen und Organisationen. Und Soziale Netzwerke sind wichtiger als Blogs.

Dabei sind Soziale Netzerke wie Facebook wohl erst seit rund einem Jahr ein wirklich ernst zu nehmender Faktor im Medien- und Newsbereich hier in Europa.

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Beide markierten Internet-Angebote wurden mit der aktuellen Studie erstmals abgefragt. Dass sich Wikipedia gleich vor die Unternehmens-Seiten setzt, hat uns überrascht. Doch als Quelle für die schnelle Abklärung von Jahreszahlen, Namen, Fakten bietet das Online-Lexikon unschlagbare Vorteile. Verwaltungs-Seiten wie admin.ch behaupten ihren Wichtigkeitsrang als Anlaufstelle für relevante Infos. Kleine Anteile der Mehrfachnennungen erhalten die Web 2.0-Anwendungen am Schluss der Rangliste – hier hakt die Studie mit einer Zusatzfrage nach:

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Wenn der Fragefokus auf den spezifischen Web 2.0-Anwendungen liegt, steigt deren Wichtigkeit: Mehr als die Hälfte der Schweizer Journalistinnen und Journalisten gibt an, YouTube sei für ihre Arbeit wichtig oder sehr wichtig. Und rund zwei Fünftel setzen auf Facebook oder Podcasts, ein Drittel auf Blogs – deren Kurz-Variante Twitter findet kaum Beachtung. Wie werden die Web 2.0-Möglichkeiten journalistisch genutzt? Hier eine Auswertung der Frage nach Video-Plattformen und Sozialen Netzwerken:

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Ein Fünftel findet Artikel-Ideen oder will Trends aufspüren, auf beiden Plattformen mit denselben Anteilen. Video-Plattformen wie YouTube sind für Zusatzinformationen sehr beliebt neue Perspektiven findet man auf beiden Plätzen.

Pendenzen für Online-Medienarbeiter: Sind die Wikipedia-Inhalte Ihrer Organisation aktuell? Pflegen Sie einen YouTube-Channel mit Ihren Video-Inhalten – oder sind diese nur auf der eigenen Website abgelegt? Schauen Sie sich hie und da wenigstens um auf Facebook?

Alle Blogbeiträge zur Studie «Journalisten im Internet»
Studien-Download, Kurzfassung-Newsletter

Marcel Bernet | 26.08.2009

Journalisten im Internet: Acht Tipps für Online PR

zeichen_schreibmasch1Medienschaffende setzen aufs Internet – und finden Inhalte vorwiegend über Suchmaschinen. Acht schnelle Tipps, wie Sie Ihre Medienmitteilungen auf Google besser positionieren.

Unsere Studie «Journalisten im Internet» zeigt repräsentativ für Schweizer Medienschaffende: Das Internet ist Arbeitsinstrument Nummer eins, vor dem persönlichen Gespräch und den Tageszeitungen. Und Suchmaschinen sind mit E-Mail das wichtigste Online-Arbeitsinstrument, mit 99.8 Prozent der Nennungen für Google – alle Grafiken dazu im Beitrag «Was Google nicht findet, gibts nicht».

Sind Ihre Medieninhalte gelistet?
Damit dürfen Sie als PR-Profi annehmen, dass Google über Ihr Auftauchen im Rahmen von journalistischen Recherchen entscheidet. Sind Ihre Medienmitteilungen sichtbar? Was geschieht, wenn Sie bei Google «Name_meiner_Organisation» eintippen mit «Cash Flow», «Medienmitteilung», «Jahresbericht» oder «Geschäftsleitung»? Schön, wenn die entsprechenden Inhalte auftauchen. Noch besser, wenn die Top-Suchresultate auch direkt in Ihren Mediencorner verweisen.

Fazit: Suchmaschinenoptimierung für den Mediencorner
Google und andere Suchmaschinen priorisieren Inhalte, die aktuell sind, passende Adressen haben, die richtigen Worte enthalten und stark verlinkt sind. Das heisst für Ihre Online-Medienarbeit:

Medienmitteilungen

  1. mit aussagestarken Titeln versehen
  2. im Text die relevanten Schlüsselworte zu verwenden (ohne Tricks)
  3. diese sofort Online schalten, in HTML (verlinkt mit Ihrem E-Mailversand)
  4. ohne Passwort, für alle zugänglich (auch für Suchmaschinen)

Mediencorner so gestalten, dass

  1. Mitteilungen direkt adressiert sind (nicht hinter Flash versteckt)
  2. die Adresse den Titel der Mitteilung enthält (wie bei Blogs)
  3. das Beifügen von Schlagworten möglich ist
  4. Mitteilungen per Klick verlinkt werden können (Blog, Facebook, Twitter)

Soweit das Wichtigste – gibts Ergänzungen?

Weitere Inputs zum Online-Mediencorner und Schlüsse finden Sie hier
Journalisten im Internet: E-Mail im Vormarsch

Journalisten im Internet: Studie präsentiert
Artikelübersicht zu Mediencorner und Online PR

Marcel Bernet | 05.08.2009

Newsablauf Online bis Print: Übersicht

velorotschnellWo entstehen News? Wie verändert sich dieser Ablauf durch Online Medien und Soziale Netzwerke. Versuch einer Übersicht, Version 2.

Mitten in den Recherchen für eine neue Twitter-Checklist (im September kommt sie raus, wer dann eine Mail-Benachrichtigung will, in der rechten Blogspalte voranmelden) wollte ich diese Grafik anpassen. Das erstemal war sie zu sehen am Ende des Beitrags «Soziale Medien, die neuen Newslieferanten?».

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Das erste Foto auf Twitter
Sie ist der Versuch einer Übersicht, schematisch, vereinfacht: Wo entstehen News? Von der vielzitierten Landung im Hudson war zuerst auf Twitter zu lesen. Sofortnachrichten, von Handys abgesetzt, sind ideal für die schnelle Weiterverbreitung. Egal, ob das nun auf Twitter oder mit Facebook-Meldungen geschieht.

Lieber schnell als richtig
Und weils schnell geht, sind die beiden Dienste auch oberflächlich. Falschmeldungen gehören zur Realität. Lieber mal schnell was reinhauen und «dabei sein», als Inhalte zu überprüfen – dazu auch die Süddeutsche in «Gezwitscher ohne Fakten». Das gilt ganz besonders auch für die zahlreichen Re-Tweets und Weiterleitungen von Falschmeldungen.

Neu habe ich auf der Zeitachse die Online-Medien vor die Blogs gesetzt. Weil die hier zitierte Studie zum letzten US-Wahlkampf gezeigt hat, dass die Online-Medien in der Regel einen Zwei-Stunden-Vorsprung auf Weblogs hatten. Das wird so lange noch gelten, wie Online-Medien näher an den meisten offiziellen Informationsquellen sitzen. Und in fünf Jahren wird diese Unterscheidung wohl immer weniger gemacht: qualitativ gute Blogs setzen sich als Online-Medien durch, heissen nicht mehr Blogs.

Stirbt das Einordnen aus?
Online-Medien und Blogs stehen aufgrund des hohen Aktualitätsdrucks so halb zwischen oberflächlich und vertieft. Erstens können sie Informationen oft erst später gegenchecken und in der Regel bleibt keine Zeit für vertiefte Zusatzrecherchen. Ich weiss: Auch die Tages- und Wochenpresse steht unter Zeitdruck, Stellen werden gestrichen, die  Redaktorinnen auf unabhängiger Recherche sterben langsam aus. Trotzdem liegt ihre einzige Chance in der Zusatzinfo, dem ersten Interview vor Ort, einer besser gemachten Grafik, dem Einordnen des am Vortag online gelesenen.

Einspruch?

Marcel Bernet | 07.07.2009

PR bleibt eine langfristige Aufgabe

20Mit dem Porträt einer PR-Beraterin aus dem Silicon Valley hat die NY Times eine Diskussion ausgelöst. Richtet sich PR nicht mehr an Medien?

Der etwas gar lang ausgefallene Artikel ist eine People-Geschichte über Brooke Hammerling. Mit ihrer PR-Agentur Brew berät sie unter anderem Hi-Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley. Eines der Schlüssel-Argumente: In der neuen Welt des Social Web schreibt man keine Pressemitteilungen an Medien mehr, sondern man lädt ein paar wenige entscheidende Multiplikatoren ein. Die veröffentlichen dann die News auf ihren Blogs, Facebook- oder Twitter-Seiten. Auf dass die klassischen Print-Medien sich dann doch noch melden und schreiben. Der Artikel zeigt dieses Vorgehen unter anderem an der Lancierung der Worte-Sammel-Seite Wordnik, Kunde von Hammerling.

Hatten wir das nicht schon? Multiplikatoren waren schon immer eine wesentliche Ergänzung jeder Kommunikations-Strategie. Eindeutig erhöht hat sich deren Anzahl. Und es wird immer anspruchsvoller, genau die richtigen am richtigen Ort zu erreichen. Dabei spielen nicht nur die A-Blogger eine Rolle, zunehmend wichtig wird das breite Feld möglicher Botschafter in Foren, Sozialen Netzwerken, auf kleineren Blogs oder Webseiten. In diese Richtung argumentiert auch Brian Solis, PR 20-Guru und Buchautor. Er ist anscheinend nicht zufrieden mit dem kurzen Quote, dass ihm die NY Times nach 90 Minuten Interview bietet und antwortet in einem ebenfalls sehr langen Blogpost. Der enthält ein paar interessante Praxis-Hinweise. Ich verdichte die ganze Geschichte auf:

1. PR gelingt nur mit einer langfristigen Orientierung
2. Sie umfasst mehr als Medienarbeit
3. Sie verlangt eine Gesamtsicht und Verbindung aller eingesetzten Elemente

Sehr gefällt mir dieses Bild aus seinem Post: Es verdeutlicht die Vielzahl der anzusprechenden Multiplikatoren, deren unterschiedliche Reichweite und durch die Verbindung mit dem Wasser eben auch die Fluidität des ganzen Systems.

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Willkommen in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld für PR- und Medienarbeit. Hilfestellungen bieten folgende bernetblog-Artikel:
PR 2.0: Neue Qualitäten

PR 2.0: Wo sind die Meinungsmacher
Social Media Relations: Was denken Schweizer Profis

Dominik Allemann | 02.07.2009

Online-Monitoring: Argus Schweiz beobachtet Twitter

twitterlogoNews, Gerüchte, Hinweise verbreiten sich rasant via Twitter. Grund genug, die Newsquelle im Auge zu behalten. Argus Schweiz bietet neu die «Beobachtung der wichtigsten Schweizer Autoren» an.

Dies gab das traditionsreiche Schweizer Haus heute Mittag in einer Medienmitteilung bekannt. Ich bin gespannt, die ersten Ergebnisse zu sehen. Und gleichzeitig auch noch ein bisschen skeptisch. Wie wird es Argus schaffen, den «Spreu vom Weizen» zu trennen, wie im Communiqué versprochen? Und noch wichtiger: Die Suchbegriffe sind in den Tweets ganz oft gar nicht enthalten. Dieser lautet dann vielleicht: «Heute am HB fast aus den Socken gekippt. Beispiellos schlechter Kundenservice: ». Und erst im Link folgt dann das Suchwort «SBB» oder was auch immer. (Beispiel rein fiktiv

Einen spannenden Beitrag zum Phänomen las ich bei Steve Rubel. Er trägt den Titel «Put your eyes behind your back, monitor URLS on Twitter» und gibt auch Softwaretipps zum Twitter-URL-Monitoring. Hier mein Beispiele für die bernetblog-URL mit BackTweets. Was sind Eure Erfahrungen mit Twitter-Monitoring?

Marcel Bernet | 02.07.2009

Soziale Netzwerke: Die neuen News-Lieferanten?

zeitungsleserMichael Jackson und die Iran-Wahlen dominierten die News der letzten Wochen. Die Quelle: Soziale Netzwerke und Kurznachrichten-Dienste. Sind Facebook und Twitter die aktuellste Bedrohung für die klassischen Medien?

Facebook und Twitter haben die Meldung vom Tod Michael Jacksons am schnellsten übernommen – und verbreitet. Kaum war die Tatsache auf Facebook zu lesen, verdreifachten sich die Kurzkommentare und Statusmeldungen auf den Servern in Palo Alto. Und die Twitter-Postings verdoppelten sich für eine kurze Zeit auf 24′000 Meldungen pro Minute. «Extrablatt, Extrablatt – alle Neuigkeiten auf Facebook und Twitter» beginnt ein Artikel im San Francisco Chronicle, publiziert letzten Samstag.

Journalisten pflegen Amateur-News-Lieferanten
Sind Soziale Netzwerke der bessere Platz für News? Buchautor, Dozent und Blogger Jeff Jarvis setzt aus meiner Sicht die richtigen Akzente: «Die steigende Popularität von Social Media-Websites verändert den Beruf der traditionellen Journalisten.» Er sieht sie als Kuratoren, die News sortieren, in Zusammenhänge stellen. Neu für mich ist sein Vorschlag, dass Journalisten ein Netz von zuverlässigen Amateuren pflegen, die schnell die auftauchenden Meldungen weiterleiten und sie der «Pflege» durch die Profis übergeben.

Inhalte auch auf Facebook stellen
Gleichzeitig weist Jarvis darauf hin, wie wichtig es für die klassischen Medienhäuser ist, ihre Inhalte eben auch auf Facebook, Twitter und anderen relevanten Kanälen zu verbreiten. «Nachrichtenorganisationen können nicht einfach warten, bis das Publikum zu ihnen kommt.» Der grosse Nachteil: Mit den gross aufgebauten Facebook-Seiten verlieren Pioniere wie New York TimesEconomist oder Spiegel Online natürlich wertvolle Clicks und Werbeeinnahmen auf den eigenen Portalen.

Newssucht oder unzensierter Schnellaustausch
Nicht mehr wegdiskutieren lässt sich die Tatsache, dass das Publikum News sofort will. Das war wohl schon immer so. Was, Jackson ist tot? Blocher abgewählt? Ich persönlich finde diese Newssucht oft unnötig. Aber sie ist ein sozialer, psychologischer Fakt. Und im allerersten Moment ist “neu” wichtiger als “richtig”. Es gibt genügend Beispiele von Fehlmeldungen auf Twitter. Aber natürlich auch in Agenturmeldungen, Tages- oder Wochenzeitungen, die unter Zeitdruck auf Falschinformationen reingefallen sind.

Eine ganz andere Rolle spielen Facebook und Twitter natürlich in einem Umfeld, wo die klassischen Medien zensiert sind. Und wo es die Regimes noch nicht geschafft haben, Web-Netzwerke ebenso zu überwachen.

News und ihre Verbreitung – Versuch eines Modells
Der Diskurs rund um die zukünftige Rolle von Medien und Journalisten bleibt spannend. Mit folgender Grafik versuche ich, die Zusammenhänge vereinfacht darzustellen. Rot eingefärbt sind die Schnellverbreiter Twitter und Facebook, wo “Weiterleiten” vor “Überprüfen” steht. Nicht zufällig sind auch Agenturen und klassische Medien mit einem Teil im oberen, oberflächlichen Sektor platziert. Vielleicht müsste ich heute den Kreis für Twitter und Facebook grösser gestalten, als denjenigen für die Printmedien?

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Lilly Anderegg | 01.07.2009

Twizept: Auch in der Kürze liegt viel Würze

twizeptDie Schweizer Kochplattform waskochen.ch stellt sich der Herausforderung von Twitter auf kreative Art und serviert Rezepte, die höchstens 140 Zeichen lang sind. Trotzdem stellt sich die Frage: Wer soll das lesen?

Die Markforscher von Nielsen haben in einer Studie herausgefunden, dass 60 Prozent aller neuen Benutzer von Twitter die Seite im zweiten Monat nicht mehr nutzen. Nach einem Jahr halten nur noch 30 Prozent der Nutzer Twitter die Treue. Im direkten Vergleich schneiden Facebook und MySpace viel besser ab.

Retention Twitter

(Bildquelle: Nielsen)

Und trotzdem ist Twitter in aller Munde. Jeder will mitmachen, am besten schon gestern. Ich persönlich glaube ja, Twitter wird mit steigenden Nutzungszahlen immer unattraktiver. Denn mit wachsender Popularität steigt auch der Anteil wertloser Tweets – und wer hat die Zeit, das zu lesen?

Rezeptesammlung für Twitter
Mit Twizept reagiert waskochen.ch kreativ auf den Twitter-Hype. Die Kochplattform erfindet mit Twizept eine neue Rezeptkategorie und sammelt unter twitter.com/twizept Kochrezepte mit maximal 140 Zeichen Länge. Das liest sich dann etwa so:

4Ossibuchi einmehlen, i 80g Burro braten; 1 Zwiebl + 1 Carot hacken,mitdünsten; 2dl Wwein dazu,aufkochen; m. 150g Pelati, S+P, 1Std. köcheln.

… und funktioniert auch für Vegetarier:
Morcheln 20Min in MilchH2O einlegen, abtropfen, in 4EL Butter dünsten, Pelati dazu, S+P, 5Min köcheln – mit Nudeln und Parmesan servieren.

Kein schöner Anblick für Verfechter der korrekten Schreibweise, doch mir gefällt die kreative Spielerei mit der Sprache, Kochrezepten und letztlich Twitter. Und weil die Twizepte so kurz sind, sind sie wohl auch im Handumdrehen zubereitet. Ich fürchte, Kochen muss man trotzdem können, einmal um die Twizepte zu verstehen, zweitens um den Rezepten zusätzlichen Pfiff zu geben. Aber ein Versuch ist es wert. Die Tweets können übrigens auf twitter.com/twizept abonniert werden.

Sonja Stieglbauer | 26.06.2009

Ohne oder gegen Social Media?

Schiefertafel

Aus (der) Stein(-zeit) ist die Schiefertafel meiner Nachbarn. Ihr Herz am Hauseingang erinnert an die Zeit als Notizblöcke neben der Türe zur aufgeschlossenen Wohn- oder Familiengemeinschaft gehörten.

Wer schaut heute noch irgendwo vorbei ohne vorher eine SMS zu schicken oder sich über Facebook zu verabreden? Mit der Ausbreitung dieser Plattformen hat auch die Kritik an ihnen zugenommen. Zufällig bin ich heute auf drei Anti-Filme gestossen:

Auf Twitter zielen LePost und Twitter Cops. Ein fröhlicher Protestsong ist die Facebook Hymne.

Dabei müssen wir uns gar nicht auf die Dafür- oder Dagegen-Seite schlagen: Der Inhalt entscheidet, nicht der Kanal. Und der beste Kanal ist der, über den ich meine Zielgruppe erreiche.

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