News sind sozial

zeitungsleser In den USA werden Nachrichten immer stärker Online und mobil abgerufen. Soziale Netzwerke werden für News-Anbieter so wichtig wie Suchmaschinen – Plattformen wie Facebook werden zum Bazar für News.

Anfang März publizierte das Pew Research Center die lesenswerte Studie «The New News Landscape». Sie zeigt, dass bereits ein Drittel der US-Amerikaner/innen News übers Mobiltelefon lesen. Das Internet ist nach dem Fernsehen die zweitwichtigste Quelle für Nachrichten, die Mehrheit der Befragten nutzt täglich bis zu sechs verschiedene Newszugänge, siehe «Newskonsum: Internet rückt vor» mit einem Vergleich USA/Schweiz. Interessant sind die sozialen Aspekte im Umgang mit Nachrichten:

Soziale Netzwerke auf News-Empfang
Wie werden News empfangen? Ganze drei Viertel der Online-News-Lesenden geben an, dass sie Neuigkeiten via E-Mail und / oder Einträgen auf Sozialen Netzwerken erhalten. Der Austausch via E-Mail und Netzwerke kombiniert ist also sehr gross. Dabei geht es den Empfängern wie uns allen: 38 Prozent lesen alle erhaltenen Sendungen, 37 Prozent einen Teilen, 23 Prozent haben selten die Zeit dazu.

Noch spannender wird diese Zahl: 23 Prozent der Benutzer von Sozialen Netzwerken, die News Online lesen, verfolgen Journalisten oder Medien auf Plattformen wie Facebook.

Die grosse soziale News-Verteilmaschine
Was tun die Empfänger mit Neuigkeiten? Die Hälfte der Internet-Newskonsumenten gibt Inhalte via E-Mail weiter, ein Viertel kommentiert. An dritter Stelle folgen wiederum die Sozialen Netzwerke: 17 Prozent geben an, einen Link zu einer Nachricht erfasst zu haben, ergänzt mit ihren Gedanken. 11 Prozent setzen Tags oder Schlagworte zu Einträgen, kategorisieren sie in ihren Linksammlungen. Nur 9 Prozent schreiben selbst Beiträge, posten eigene Videos oder Bilder. Twitter als kürzeste Form des Weiterleitens von Links und News erreicht 3 Prozent.

was machen internet user mit news

Soziale Netzwerke so wichtig wie Suchmaschinen
Im Vordergrund des Mitmachweb stehen das schnelle Weiterverbreiten und Kommentieren. Soziale Plattformen wie Facebook werden in zunehmenden Masse zum persönlichen Nachrichtenbazar. Hier verbringen Web-Nutzer sowieso viel Zeit, sie lesen also auch noch gleich ihre Lieblingszeitung und die News-Tipps von Freunden. Sie beteiligen sich am Kommentargespräch, geben ihre Sicht der Dinge am liebsten über Links an andere weiter.

News waren schon immer sozial, Märkte schon immer Gespräche. Jetzt werden sie zunehmend Online geführt. Und weil die Teilnehmenden nicht überall präsent sein können, verweilen sie lieber ein wenig länger zwischen E-Mail und Facebook.

Soziale Netzwerke erhalten für den Empfang und die Weiterverbreitung von News eine ähnlich hohe Bedeutung wie Suchmaschinen.

Marcel Bernet | 15.03.2010 | Medien

Newskonsum: Internet rückt vor

zeitungsleser In den USA werden Nachrichten zunehmend online gelesen. Ein Vergleich mit neuesten Schweizer Daten zeigt, dass Zeitungen und Radio weiter Anteile verlieren dürften.

Anfang März publizierte das Pew Research Center die lesenswerte Studie «The New News Landscape», kurz darauf erschien die «Kommtech-Studie 2010» (leider nur in Auszügen veröffentlicht) von Igem und Publica Data. Beide dokumentieren die laufende Veränderung der Mediennutzung und erlauben in Teilbereichen einen interessanten Ländervergleich.

USA: Internet liegt vorne, Zeitung am Schluss
Heute führen viele Wege nach News: Die Hälfte der US-Amerikaner/innen nutzt täglich bis zu sechs verschiedene Medienplattformen. An der Spitze der Nennungen steht dabei im Fernsehland immer noch ein lokaler oder nationaler TV-Sender mit Nennungs-Anteilen von 78 respektive 73 Prozent. Gleich darauf folgt das Internet mit 61 Prozent. Das Radio erreicht nur noch 54 Prozent der Nennungen, die lokale Zeitung 50 und nationale Zeitungen wie USA Today oder die New York Times 17 Prozent.

Damit heisst die Rangfolge für den Newskonsum in den USA: TV, Internet, Radio, Zeitung. In der Schweiz heisst sie: TV, Radio, Zeitung, Internet.

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Noch umgedrehtes Bild in der Schweiz
Die Zahlen der Kommtech-Studie sind leider nicht detailliert zugänglich, im NZZ-Artikel vom 9. März listet Rainer Stadler folgende Zahlen: Als Quelle für tagesaktuelle Infos nennen 77.1 Prozent das Fernsehen, 71.5  das Radio, 68.4 die kostenpflichtige Tageszeitung, 52.7 die Gratiszeitung, 45.6 das Internet und 41.2 den Teletext. So, wie sich in der Schweiz die Mehrfachnennunen für gekaufte und Gratiszeitung nicht addieren lassen, sind auch die lokalen und nationalen Zeitungswerte in den USA nicht summierbar. Deshalb verwendet die Grafik in beiden Fällen den jeweils höheren Wert einer Teilgattung.

Fernsehen und Internet rücken zusammen
Muss die Schweiz den selben Weg gehen wie die USA? Keineswegs. Aber für mich ist ganz klar: Die Richtung Verschiebung ist gegeben. Die gedruckten Zeitungen werden weiterhin Anteile verlieren, das Internet wird sich an die Spitze vordrängen. Interessant wird, wie sich das Fernsehen weiter entwickelt – wenn immer mehr TV übers Mobiltelefon und über Laptops oder Tablets konsumiert wird, dann rücken Fernsehen und Internet für die Benutzer noch näher zusammen. Dasselbe gilt für Fernseher, die surfen können. Werden die TV-Stationen mit ihren ausgebauten News-Angeboten die Doppelnutzer abholen oder die Online-News von klassischen Printverlegern?

Dieser Artikel erschien auch auf meinem Extrablog für NZZ Online.

Bundesratswahl live auf dem iPhone: TA schlägt SF

IMG_0292Heute morgen sitzt die Schweiz vor dem TV, Computer – oder iPhone. Der Tages-Anzeiger bringt Video aufs iPhone, das Schweizer Fernsehen (noch) nicht.

Schon gestern abend dachte ich: Ideal wäre doch mobiles Live-Zuschauen beim Champions-League Duell FCZ – Real Madrid. Auf das Lesen von dauernd eingefütterten Text-Meldungen hatte ich keine Lust; die bisher am meisten verbreitete Live-Berichterstattung fürs iPhone.

Heute morgen spielt mir die iPhone-Applikation des Tages-Anzeigers eine aktuelle Meldung und einen Link zu. Sie haben es fertig gebracht, mit einigen technischen Kniffs das Signal von TeleZüri live einzuspielen. Wer die App installiert hat, kann dem ersten Link auf der Einstiegsseite folgen.

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Beim Schweizer Fernsehen begrüsst mich eine gut gemachte mobile News-Seite. Erst auf der normalen Website ist der Link zum Live-Stream zu finden – der dann tot ist. Apples Flash-Sperre sei dank.

Ich guck dann trotzdem nicht hin. Und lasse mich vom Endresultat überraschen. Wie gestern abend beim Tschutten.

Marcel Bernet | 05.05.2009 | Medien

Bezahlte Tageszeitungen: Das Undenkbare denken?

img_0102_2Gestern abend habe ich an einem Podiumsgespräch am MAZ in Luzern teilgenommen. Trotz des Titels «Neue Medien braucht das Land»: Res Strehle, Jürg Weber und Sylvia Egli von Matt glauben an die Zukunft der bezahlten Tagespresse. Clay Shirky lädt dazu ein, das Gegenteil zumindest zu denken.

Der Abendanlass war sehr gut besucht, die Diskussion am Podium und mit dem Publikum anregend. Hier die für mich interessanten Punkte meiner Mit-Panelisten, ergänzt durch Auszüge aus den Gedanken von Clay Shirky, Professor an der New York University und Medienberater.

MAZ: Zehn Thesen zum Journalismus
Sylvia Egli von Matt ist MAZ-Direktorin und in verschiedenen Gremien engagiert, die sich mit der Qualität und der Zukunft des Journalismus auseinandersetzen. Ihre  zum Einstieg präsentierten Thesen: Journalismus wird multimedial-mobil-konvergent, schneller, dialogischer, segmentierter, lokaler, erzählender, visueller, erhält neue Erscheinungsformen. Schönes Praxisbeispiel des Wandels: Ein grosses dänisches Medienhaus habe einen «Media Conductor» – er steht mitten im integrierten Redaktionsraum und entscheidet, wo Geschichten gespielt werden, von Radio über Print bis Online.

LZ Medien: Regional rentabel
Jürg Weber ist Geschäftsleiter der Neue LZ AG und damit verantwortlich für diesen Zentralschweizer Verbund von Radio, TV, Print, Online. Dieser hat dank tiefer Kosten operativ auch im letzten Jahr noch sehr gut gearbeitet, wegen eines Finanzverlusts war dann das Ergebnis doch nicht so gut. Im Online-Bereich setzt er vor allem auf lokale News, eine Zusammenarbeit mit NZZ Online wird anscheinend diskutiert. zisch.ch-Inhalte werden auch auf den news1-Verbund gespielt. Wohin führt diese Strategie? Muss eine regionale Plattform wirklich mit nationalen Plattformen konkurrieren um Banners zu erhalten?

Tagi: Im September neu
Res Strehle ist seit dem 1. Mai Co-Chefredaktor des Tages-Anzeigers. Er freut sich nicht über den gestern angekündigten .ch-Rückzug, ist aber erleichtert. Damit verbessert sich die Ausgangslage für den Verbund Tages-Anzeiger / News. News habe tiefere Kosten und könne im Verbund mit dem Tages-Anzeiger günstigere Inseratetarife anbieten, was im härteren Werbemarkt ausschlaggebend sei. Irgendwann zwischen 1. und 30. September verspricht er den Neuauftritt des Tagis mit einem reinen Vierbund-Konzept. Wo es hie und da noch Beilagen geben werde.

Die Zukunft der bezahlten Tageszeitung
Alle drei sind übereugt: Die bezahlte Tageszeitung wird es auch in Zukunft geben. Ob sie wirklich bezahlt sein wird? Ob sie wirklich täglich erscheint? Da bin ich nicht so sicher. Damit stimme ich kein Grabeslied an, im Gegenteil: Persönlich schätze ich Tageszeitungen sehr und ich bezahle auch dafür. Aber schon meine Kinder und zahlreiche Kollegen sehen das ganz anders. Und lesen News gratis online. Vielleicht wäre es gut, wenn Medien auch mal das Undenkbare denken, wie es Clay Shirky im März in seinem Blogbeitrag betitelt.

Seine Grundthese: Journalismus braucht es weiterhin. Aber keine Zeitungen. Seit Mitte der 90er Jahre verkünden alle Verleger, wie sie ihr altes Geschäftsmodell beibehalten in einer Welt der kostenlosen, einfachen Kopien. Es gibt aber ganz einfach kein Modell, welches das durchs Internet eben grad zerstörte ersetzt. Die davor komplexe, aufwändige und schwierige Aufgabe des Publizierens ist heute ein Kinderspiel. Grips braucht es weiterhin – für gescheite Inhalte. Und wie immer in grossen Umbrüchen: Wir leben in einer Zeit des Ausprobierens, der Fehlschläge und unerwarteten Erfolge.

Erst in zwanzig Jahren wird man zurückblicken und sagen: Ja klar, genau so musste es kommen. Grad noch stecken wir mitten im Nebel.

Marcel Bernet | 10.03.2009 | Medien

Zeitungen: Clay Shirky sieht Schwarz

Print In einem Handelsblatt-Interview am Rande der Cebit macht der NYU-Professor Clay Shirky interessante Aussagen zur Zukunft der Tageszeitung. Für Inhalte wurde noch nie bezahlt – und in fünf Jahren wird das Erstellen und Verteilen von News von Unternehmen geleistet, die es vor 2000 noch nicht gab.

Aber hoppla. Es macht Spass, den Ausführungen des Beraters, Autors und Dozenten zu folgen, hier seine Bio. Er formuliert schnell, klar und vertritt eindeutige Positionen. Der Handelsblatt-Redaktor und Blogger Thomas Knüwer hat das Interview am 3. März online gestellt. Den Hintergrund zu Shirkys Aussagen bietet sein Grundsatzartikel «Newspapers and thinking the unthinkable» (danke Marco für den Kommentar-Link). Meine Schlüssel-Erkenntnisse aus dem Interview, Video am Schluss:

Für Inhalt wurde noch nie bezahlt
Die ganze Diskussion darum, dass man für Inhalte bezahlen müsse, ist für Shirky total daneben. Denn für Inhalte hätten wir noch nie bezahlt: «Wir zahlten für Bücher, LPs, Zeitungen. Aber nie für deren Inhalt, sondern für die Dienstleistung. Fürs Drucken, Verteilen, im Buchladen oder Kiosk bereit halten.» Früher war die Dienstleistung an das Gerät, die Platte, die CD, die Zeitung gebunden. Heute haben wir dafür einen Computer, der ist Radio, Fernseher, Zeitung in einem. Und niemand will mehr für die Inhalte bezahlen.

Gute Inhalte wurden immer subventioniert
Von Regierungen, Stiftungen, den Werbern. Nie haben die Benutzer voll und ganz für die Inhalte bezahlt. Wieso sollen sie das jetzt tun?

Bezahl-Inhalte: Langsamer Zerfall, aber Bedeutungslosigkeit
Zeitungen, die ihre Inhalte hinter einer «Bezahlwand» verstecken, werden damit den eigenen Untergang etwas aufhalten. Aber sie bezahlen für diesen Aufschub mit der Aufgabe ihres News-Potenzials. Wer eine top-aktuelle, globale Geschichte mit grossem Aufmerksamkeitspotenzial nur den Abonnenten zur Verfügung stellt, wird im grossen globalen Online-Pool nicht mehr wahrgenommen.

In fünf Jahren schreiben und verteilen Startups die News
Vor einigen Jahren sei er noch ganz positiv gewesen, was den Fortbestand der etablierten News-Verlage betreffe. Heute sei er davon überzeugt, dass das Web tolle Chancen für Startups im Newsbereich biete. Shirky meint apokalyptisch, dass in fünf Jahren das Sammeln und Verteilen von News für den Online-Bereich von Unternehmen geleistet werde, die erst nach 2000 gegründet wurden.

Soweit nur das wichtigste, interpretiert von mir. Hingucken lohnt sich. Ach ja – und trotz aller Schwärze wird es eine Marke wie die New York Times immer geben. Aber sie wird ganz anders produziert und vermarktet werden, meint der frühere Partner eines Startup-Investors.

Marcel Bernet | 15.09.2008 | Medien

Black Monday: Wer schreibt online am besten?

endoftunnelklein.jpgHeute abend habe ich eine kurze Tour de Web-News gemacht, um mich über die aktuellen Berichte rund um die Finanzkrise zu informieren. Die NZZ ist informativer als der Tages Anzeiger, NY Times und WSJ schreiben rund um die Uhr, Kommentare sind mir zu viel.

Montage waren schon immer die schwarzen Tage – börsentechnisch. Denn am Wochenende wird in Notfallsitzungen zu retten versucht, was sich noch kitten lässt. Diese Einsicht verdanke ich David Gaffens Blog Marketbeat auf dem Wall Street Journal – hier sein gestriger Eintrag zur «Mother of all Mondays». Hier liegt aus meiner Sicht einer der grossen Unterschiede USA / Schweiz: Die klassischen Printmedien setzen in ihren Online-Auftritten stärker auf Blogs, auch bei anspruchsvollen Themen. Ein anderes Beispiel bietet Floyd Norris, Chief Financial Correspondent der  New York Times: Er hat gleich den «Lehman Monday Blog» eröffnet, dort drin berichtet er den ganzen Tag über die Ereignisse. Start war kurz vor 6 Uhr morgens, jetzt ist gerade kurz nach Mittag bei ihm.

Die Blogs sind interessant, wenn man etwas mehr Zeit hat und Zusatzinfos links und rechts verarbeiten mag. Ich bevorzuge Artikel, welche unter einem klaren Titel die wesentlichsten Ereignisse zusammenfassen und interpretieren. Genauso wie im Print: Ich will schnell wissen, was geschehen ist – und dazu hätte ich gerne eine fundierte Gesamtsicht. Wie ordnen sich die Ereignisse ins Umfeld ein? Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Zuerst war ich beim Tages Anzeiger online – weil mir das Layout gefällt, weil ich eine leicht zu lesende, schnelle Geschichte erwartete. «Schockwelle erreicht Wall Street» setzt in Titel und Bild ein starkes emotionales Zeichen.  Die wesentlichen Ereignisse dieses Montags sind extrem kurz zusammengefasst. Aber Hintergründe fehlen. Nach dem Artikel geht es gleich in die Kommentare, die sind einfach zu prominent platziert. Die ersten drei habe ich deshalb gescannt, und mich dann geärgert über die damit verlorene Zeit.

Weil ich mehr wissen wollte, war die NZZ als nächstes dran. Hier ist die Auswahl grösser, auch über die «Milliardenspritzen» von Notenbanken und Grossbanken erfahre ich erst hier etwas. Gut gemacht am Ende die Links zu den weiteren Themenbeiträgen. Schlecht gemacht das Impulse Video – nein, nicht inhaltlich. Aber der Film stottert, bleibt stehen und der Download-Link funktioniert nicht.

Dann wollte ich noch wissen, wie denn andere Quellen die Situation kommentieren. Wall Street Journal und New York Times interessierten mich. Hier sieht man, mit welchem grossen Aufwand die Online-Redaktionen arbeiten.  Die wesentlichen Fakten sind in kurzen Beiträgen erfasst und mit Hintergrund kommentiert. Für diese Hintergründe bin ich dann auf den beiden Blogs gelandet. Die Links werden nicht als Blog-Links deklariert, die Inhalte sind ganz normal bei den Startartikeln verknüpft. Und hier lese ich dann auch viel länger, bis ich auf wirklich interessante Infos stosse. Wie wenn ich mir die Zeit für ein Magazin nehme. Zum Abschluss ein Auszug aus dem Lehman-Monday-Blog von Floyd Norris, der mir zu denken gegeben hat. Heute abend werden wir am Fernsehen auch wieder einige interessante Vergleiche und Prognosen zu hören bekommen…

10:20 a.m.
Robert Bruner, the dean of the Business School at the University of Virginia, is one who did see this coming. His book on the Panic of 1907, published last year, saw parallels between then and now.

When I checked in with him this morning, he sounded like he wanted to be optimistic.

“What we have seen in all previous crises is that the bottom is marked by the collapse or rescue of major institutions that were thought to be beyond the reach of the crisis.

“If this crises follows that, the events of the past 10 days may mark the nadir.”

Yes, but will it follow that pattern? He’s not confident.

“I’ll give you 50-50 odds that this is the bottom. I am concerned about the spread of the crisis offshore, and to other markets. If the crisis is contained, then I think the odds are dramatically improved that this is the bottom.

“But if Russia fails to refinance the debts coming due by the end of the year, if consumers dramatically pull back on their spending, and if corporate investing really pulls back, we’re in for more heavy weather.”

Marcel Bernet | 25.03.2008 | Medien

USA-Studie: Noch zehn Prozent wählen die Zeitung

JournalistWas ist Ihre wichtigste Quelle für News und Informationen? Ich bin immer noch süchtig nach der morgendlichen Zeitung. Und natürlich ist bei uns noch alles ganz anders als in den USA. Und Studien sind nichts als Studien. Diese Zahlen haben mich aber doch erschreckt.

In den letzten Wochen gingen die Resultate (hier die Medienmitteilung von Zogby) durch die Blogosphäre, ich hatte sie bei Andreas Göldi (Beitrag) entdeckt. Und mich dann ins Originalmaterial vertieft. Präsentiert wurden die Zahlen am «We Media Forum» in Miami. Dieses Treffen für «Innovation und Vernetzung in der Medienwelt» wird vom Medien-Think Tank ifocos getragen und es hat zum zweitenmal stattgefunden.

Diese Online-Befragung Studie [Präzisierung nach untigem Kommentar von dago] bringt verschiedene Details, unter anderem auch über die Beurteilung journalistischer Qualität durch die Befragten. Mich haben vor allem diese Zahlen irritiert:

newsquellen usa

Befragt wurden 1979 Personen in den ganzen USA, die Fehlerbandbreite liegt bei plusminus 2.2 Prozent. Dass die Zeitungen derart abgeschlagen rangieren, überrascht mich sehr. Vor einem Jahr lag das Internet noch bei 40 Prozent. Bei der Altersgruppe 18-29 liegt der Anteil gar bei 55, bei dem über 65-jährigen sinkt er auf 35 Prozent. Der selbe Graben zeigt sich auch bei den Zeitungen: Nur 7 Prozent der 18 bis 29-jährigen nennen sie als primäre Quelle, gegenüber 17 Prozent der über 65-jährigen.

Fazit: Das Internet wird zur Nummer 1 für News und Informationen. TV, Radio und Zeitungen müssen im Web sehr präsent sein, sich dort mit vielen neuen Mitbewerbern messen und vernetzen.

Google News erlaubt Kommentare – in den USA, nur selektiv.

google news logoDiese Woche schrieb Google im Unternehmensblog über die neu eingeführte Möglichkeit, die eigenen News zu kommentieren. Und verkauft das Ganze wie üblich als visionär neue Idee. Noch dürfen nur Personen kommentieren, die im News-Beitrag vorkommen.

Die Blog- und Medienszene fragt sich, wohin diese Entwicklung führen wird. Mich erstaunt die Tatsache, dass Google im ersten Schritt nur Kommentare von an der Story Beteiligten zulässt. Im Google-Blog selbst versprechen die Software Engineers Dan Meredith und Andy Golding, dass später jederfrau und -mann kommentieren dürfe. Wieso dieser Zwischenschritt? Das Wall Street Journal schreibt, dass Google-Angestellte die Identität der Absender aufgrund von E-Mail oder Telefon-Nummern überprüfen werde – wie sinnvoll und sicher ist das?

Einige Medien haben keine Freude daran, dass Google die von ihren Journalisten erarbeiten News auf news.google.com zur Verfügung stellt – trotz des damit verbundenen Links auf die Originalstory. Mit der Kommentarfunktion auf der eigenen Plattform (zum geborgten Inhalt) macht Google Wind für ihre News. Die Leser werden sich dann entscheiden müssen: Sind die Kommentare wichtig für mich? Will ich sie auf Google lesen oder bei der NYTimes? Und als Kommentator kann ich mich fragen: Wo bringt mir meine Bemerkung am meisten Visibilität?

Hier ein guter Hintergrund aus BetaNews mit weiteren Links. Von dort stammt auch dieses konkrete Beispiel eines GoogleNews-Eintrags mit Kommentaren. Von McDonalds und dem befragten Experten. Will Google den von Geschichten Betroffenen die Möglichkeit zur Korrektur, Rechtfertigung, Verlängerung geben? Ist das interessant für Leser? Der wohl entscheidende Punkt: Jede Online-Zeitung sollte diese Möglichkeit jedem Leser geben, sowieso.

Das Magazin online: Information Architects, Basics zu Online-News

thefutureofnews.pngVia E-Mail bin ich auf die Macher der Online Magazin-Ausgabe gestossen. Ein Besuch auf der Homepage der Information Architects in Japan lohnt sich für alle Online-News-Macher. In einem Kommentar bringt CEO Oliver Reichenstein auf den Punkt, was die Online-Ausgabe einer Zeitung eigentlich erreichen soll. Für die ausführliche Version empfiehlt sich sein Booklet «The Future of News».

Aurel Hosennen von Microsoft hat sich umgehend bei mir gemeldet (Danke!) mit dem Link zu Information Architects, den Köpfen hinter www.dasmagazin.ch. Schon ein kurzer Besuch auf deren Website bringt einen Reichtum an Ideen, Konzepten und für mich erfrischender Offenheit. Information Architects oder iA hat in Zürich angefangen, heute arbeitet das Team in Japan, mehr über die Geschichte am Ende dieser Seite.

Der kurze Reader «The Future of News» (PDF-Download) bringt eine interessante Abhandlung der Chancen und Gefahren von Online-Medien. iA setzt voll auf Wikis und sieht die Zukunft in einer starken Mitwirkung der Leser: «Zeitungen werden ihren Lesern erlauben, Artikel vor und nach deren Erscheinen zu beeinflussen.» iA sieht gedruckte Ausgaben als Luxusprodukt, als Konzentrat der besten Informationen, die zuerst Online geschaffen wurden. Super sind die Design-Richtlinien auf Seite 16 des PDF: Gross schreiben, Weissraum schaffen, weniger Absätze und Untertitel, weniger Zusatzinfos und Banner reinpacken, einfach schreiben und das Wichtigste in den ersten Sätzen.

Unter anderem hat iA die Washington Post als Wiki-Ausgabe entworfen – als Beispiel, wie man es machen könnte. Mit sehr viel Web-Echo, hier der Eintrag. In den Kommentaren habe ich folgende Aussage von Oliver Reichenstein gefunden, die knapp und konzis auf den Punkt bringt, was eine Online-Ausgabe zu einer gedruckten Zeitung als Ergänzung bieten soll:

- get user feedback before printing, and improve the quality
- get high end user contributions from professionals from all sorts of places
- simplify the editing and data collection and publishing planning process
- make the production process transparent – to give additional space for texts and pictures that didn’t have enough space to print.
- increase search engine performance
- get users more active and involved

Spannend. Freue mich auf mehr Umsetzungen, die in diese Richtung gehen. Hintergründe zum Magazin-Launch in den Kommentaren zu diesem iA-Beitrag.

(Dieser Beitrag ist ein Nachtrag zu «Das Magazin online: Schöne Kombination von Web 1.0 bis 2.0)

Der mobile Nachrichtenkiosk ist lanciert

mobile-tv.jpgFür moderne Menschen ist das Handy längst mehr als nur ein mobiles Telefon, denn es ist zugleich auch Computer, Foto- und Filmkamera und Fernseher. Und: Immer weniger Menschen besitzen kein Handy und tragen es nicht ständig mit sich herum. Ein Trend, an dem sich auch die Medienbranche vermehrt orientiert: Nachrichten werden mobiler, individueller und multimedialer. Warum also nicht auch Nachrichten auf dem Handy lesen? So bieten – neben vielen anderen – neuerdings auch NZZ und Cash verschiedene Services fürs Handy an. Und auch die SDA, grösste Schweizer Nachrichtenagentur, plant verschiedene Projekte in Richtung mobile Nachrichten. So wird in Zusammenarbeit mit den Behörden zurzeit ein SMS-Nachrichtendienst für Katastrophenfälle (z.B. bei Hochwassern oder Stromausfällen) entwickelt. Als kommerzielle Variante wird es wohl schon im nächsten Jahr selektive mobile Dienste für bestimmte Zielgruppen geben. Beispiele von möglichen SDA-News-Abonnenten: Ein PR-Berater, Firmensprecher oder Parlamentarier nutzt den mobilen Nachichtendienst, um auch von unterwegs aus taktisch handeln zu können, ein Broker fällt (Ver)-Kaufsentscheide aufgrund von laufend aktuellen Handy-Meldungen, ein Tourist verschafft sich einen einen schnellen Überblick über kulturelle Veranstaltungen im Gastland. Nachrichten per SMS – ein Trend, der auch das PR-Geschäft vermehrt beeinflussen könnte.

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