Social Media Gipfel 5: Online-Monitoring in der Praxis

Social Media GipfeliDie wachsende Zahl von Kanälen und Inhalten sorgt bezüglich «Online-Monitoring» für tiefe Stirnfalten bei PR-Profis und Social Media Geeks. Am fünften Social Media Gipfel stellten zwei Praktiker ihre gegensätzlichen Lösungen vor.

Das Zuhören steht im Zentrum jeder Online-Dialogstrategie. Nur wer weiss, welche Inhalte von wem und wann publiziert werden, kann rechtzeitig Trends (oder gar Krisen) erkennen, Massnahmen definieren und allenfalls in den Dialog treten.

Wir erkennen im Agentur-Alltag drei Fraktionen im Umgang mit dem Thema:

  1. «Wir müssten was tun, wissen aber nicht wie.»
  2. «Ich habe für meine Keywords eigene Suchroutinen eingerichtet.»
  3. «Wir arbeiten mit einem spezialisierten Anbieter.»

Am Social Media Gipfel waren alle drei Fraktionen anwesend. Markus Maurer aka Kusito (von Ypsomed, 2. Fraktion) und Oriana Chiandusso von Postfinance (3. Fraktion) demonstrierten ihre Lösungen. Im Publikum sassen wohl auch einige von der 1. Fraktion.

Drittanbieter: umfassend, servicestark, kostenpflichtig
Postfinance hat als Strategie definiert, sich zuerst  im «Zuhören» zu üben – bevor man sich dialogisch engagieren will. Oriana arbeitet mit MBuzz von Meltwater. Das tägliche Alert-Mail liefert ihr einen Überblick über die Präsenz – sie kann die Daten via viele Funktionen verwerten, verteilen und für das monatliche Reporting aufarbeiten. Die Basislizenz kostet jährlich rund 10000 Euro und ergibt einen wöchentlichen Arbeitsaufwand von 10 bis 20 Stellenprozenten – Setup und Entwicklung rund 20 Prozent (Präsi von Oriana am Schluss des Beitrags oder hier).

Manuell: flexibel, einfach, bedingt zuverlässig
Mit zwei einfachen, webbasierten Tools überblickt Markus Maurer die Online-Welt: Für alle seine Keywords hat er Google alerts eingerichtet. Und erhält nach Wahl täglich, wöchentlich oder sofort alle Erscheinungen dazu. Markus hat beste Erfahrungen bezüglich Zuverlässigkeit und Tempo gemacht und lobt die Flexibilität und Bedienbarkeit. Ergänzend nutzt er für Facebook, Twitter und Co. das «Social Media Dashboard» HootSuite. (Präsi von Markus).

Online-Monitoring ist ein Muss
Ob mit pragmatischem oder hochprofessionell systematischem Ansatz: Die Angebote werden sich in den kommenden Monaten rasant weiter entwickeln (was auch bei der Wortmeldung von bluereport-Mann Denis Nordmann zum Ausdruck kam). Es gilt auch hier: dran bleiben, ausprobieren, umsetzen.

Die beiden Präsentation sind anzusehen gleich nachfolgend in diesem Blogbeitrag oder direkt bei Slideshare. Ein Dank für die fotografischen Stimmungsbilder (Link Flickr-Galerie) geht an Michael Schmid!
Der nächste Social Media Gipfel findet am 3. November statt – gleiche Zeit, gleicher Ort. Auf der smgz-Website kann man sich für die Einladung vormerken lassen und Twitter-Kontakt mit @smgzh schadet auch nicht.

Links:
Twitterberichterstattung über den smgzh

alle bernetblog-Berichte über den Social Media Gipfel

Rückblick smgzh 5 bei Amazee-Blog
Foto-Eindrücke bei Flickr (Fotos: Michael Schmid)

.

Internet-Trends 2010

The Way Forward sign in the skyWelches sind die wichtigsten zehn Internet-Themen, die man 2010 im Auge haben sollte? Der Internet-Dienstleister namics weiss Bescheid und legt an der Swiss IT Academy einen Marathon hin, der Untrainierte ausser Atem lässt.

Alle Jahre wieder orakelt namics die Top 10 Internet-Trends, dieses Jahr bereits zum zehnten Mal. Nur für mich war es das erste Mal, anlässlich der Swiss IT Academy in der Messehalle Zürich-Oerlikon am 6. Mai. Ich war positiv überrascht von der Professionalität des Auftritts von Marcel Albertin und vor allem Jürg Stuker. namics hat das Unmögliche versucht und über 100 Folien in nur knapp 90 Minuten präsentiert. Nur: Etwas mehr Zeit hätte allen gedient. Denn so rasant das Tempo, so spannend waren die Inhalte. Top 1 Internet-Trend 2010 ist meiner Meinung Social Media Monitoring. Dazu braucht es kein Orakel, zumal das Jahr bereits zur Hälfte vorbei und das Thema in aller Munde ist.

Die Internet-Trends gemäss interner Umfrage bei namics für 2010 – mit meinen Ergänzungen aus der Präsentation (aus Rücksicht je technischer desto weiter unten in der Reihenfolge …):

  1. Social Media Monitoring
    Das Online-Monitoring von Inhalten auf Social Media wie Twitter, Blogs, Facebook wird immer wichtiger für Unternehmen. Social Media ist dynamisch, unstrukturiert und schwierig zu verfolgen. Gleichzeitig hat Social Media einen wesentlichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Ziel ist es, in den Dialog mit den Internet-Usern einzusteigen und von diesen zu lernen respektive Marktwerte zu schaffen.
  2. Realtime Web
    Neu ist der Faktor Zeit, das heisst, alles wird chronologisch sortiert. Nur das Neuste interessiert, wie das Beispiel Twitter zeigt. Neue Suchergebnisse oder News-Meldungen erscheinen umgehend, Geschwindigkeit als Wettbewerbfaktor.
  3. Augmented Reality
    Die Kombination von virtueller und physischer Realität ist interessanter als die voll-virtuelle Welt, deshalb beachtet niemand mehr Second Life. Einsatzgebiete heute sind der PC, das Handy oder die Datenbrille, die Nutzen mit kreativen Ideen verknüpfen, siehe Beispiele von Lego, Postversand, Star-Trek oder BMW-Service.
  4. Phone to Platform
    Handys werden nicht mehr nur zum Telefonieren gebraucht. Heute dient das Handy-Betriebssystem als Basis-Plattform für viele unterschiedliche Geräte, wie zum Beispiel das iPad.
  5. Tablets
    Neue Mobilfunk-taugliche Gerätegeneration mit iPad als Vorreiter. Tablets sind «näher beim Menschen», sie verfügen nur über einen geringen Funktionsumfang (beim Handy erlernt). Die Anwendungen sind simpel und eingebettet in ein gemeinsames Ökosystem, wie zum Beispiel Amazon und Kindle oder iPod und iTunes. Alle Daten sind in der Cloud, sprich im Internet abrufbar.
  6. Prediction Market
    Aggregation von verteiltem Wissen zur Vorhersage zukünftiger Ereignisse, zum Beispiel Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen über die Auswertung von eingegebenen Wetten oder «Vorhersage» der Grippe aufgrund von Suchanfragen zum Thema. Empirische Daten und die Fähigkeit, diese zu interpretieren, sind ein zunehmend wichtiger Wettbewerbsfaktor.
  7. Location Sharing
    Location Sharing basiert auf Geotagging, das heisst meine Position wird einzelnen Elementen wie Bilder oder Nachrichten hinzugefügt oder Bilder automatisch auf Karten angezeigt. Beispiele sind Foursquare, Gowalla, Twitter, Flickr, Tripadvisor.  Mit Location Sharing lassen sich Freunde an den eigenen Aufenthaltsorten finden und Bewegungsprofile erkennen. Unternehmen nutzen die Funktion zur Kundenbindung und Werbung.
  8. Identity 2.x
    Facebook Connect und OpenSocial sind APIs für den Zugriff auf User-Informationen und bieten die Möglichkeit, Profilinformationen und Freunde plattformübergreifend auszutauschen. Damit lassen sich Informationen an andere Netzwerke verteilen oder von ihnen beziehen.
  9. HTML5
    HTML5 ist der Nachfolger von XHTML2 und erweitert HTML zur besseren Unterstützung von Web-Applikationen. HTML5 ist eine Weiterentwicklung in Richtung offener Anwendungen und bringt neue Elemente und APIs für Anwendungen. Damit konkurrenziert HTML die bekannten Technologien zur Applikationsentwicklung wie Flash, Silverlight, Javascript.
  10. NoSQL
    Flache Datenmodelle sind im Trend, ihr Vorteil ist die erhöhte Geschwindigkeit. Skalierbarkeit und Verfügbarkeit sind heute wichtiger als hundertprozentige Transaktionssicherheit.

Namics stellt die Inhalte mit etlichen weiterführenden Links frei zur Verfügung. Aber aufgepasst, so viel geballtes Wissen hat sein Gewicht: Mit 27.7 MB ist die Präsentation ein schwerer Brocken.

Online Monitoring – Selfmade und zum Nulltarif

monitoring-online-auge

Online-Monitoring ist auch für kleinere Unternehmen mit kleinem oder keinem Budget möglich – mit etwas Zeit und einer Prise Geschick am Computer. Unser Gastblogger Ralph Hutter aka Pixelfreund gibt Tipps.

Kernelement der Medienbeobachtung via Internet sind News-Alerts, die hauptsächlich die Nachrichten traditioneller Medienhäuser abdecken sowie Social Media Monitoring Tools, die einen Einblick in Diskussionen von Sozialen Netzwerken, Blogs und Microblogging Diensten geben.

News Alerts – Schlüsselwörter abonnieren
News Alerts werden von den grossen Suchaschinen Google Alerts, Yahoo Alerts, MSN / BING Alerts angeboten – mit grossen qualitativen Unterschieden. Bei allen können Schlüsselwörter als E-Mail oder via RSS Feed abonniert werden. Taucht ein Suchbegriff in Nachrichten, auf Websites, Blogs oder als Beschreibung eines Videos auf, erhält man sofort oder in der täglichen Zusammenfassung einen E-Mail-Alert. Auf diese Art lässt sich einerseits der Summton der etablierten Medien hören (deren News durch Google syndiziert werden, s. auch Beitrag von Marcel), aber auch die Stimmen aus der Blogospäre. Die Unschärfe dieses Monitorings liegt in der Anzahl Titel und Formate, bzw. ob und wieviel von deren Content auch elektronisch durch die Suchmaschinen erfasst werden.

Social Media Monitoring Tools
Die eigene (Online-)Reputation wird aber längst nicht mehr nur von den Printmedien gestaltet. Neue Online Plattformen wie Facebook und Twitter sind in der Masse angekommen. Und auch bereits bekannte Gefässe wie Blogs, Foren werden weiterhin rege genutzt.

Diese Dienste geben Einblick in aktuelle Diskussionen zur eigenen Marke, Person oder über andere Suchbegriffe:

Socialmention.com
Socialmention.com
finde ich grossartig. Der Dienst durchpflügt über 80 Social Media Plattformen: Blogs, Microblogs, (Online) Boomarks, Blog Kommentare, Events, Bilder, News sowie Audio und Video Plattformen. In kurzer Zeit erhält man einen guten Eindruck, wo und was über den jeweiligen Suchbegriff geschrieben und gesprochen wird.

screenshot-socialmention.com

backtype.com
Backtype.com beschreibt sich selbst als “a conversational search engine”. Sie indexieren hauptsächlich Konversationen, die via Kommentare auf Blogs und Social Media Plattformen geführt werden und verknüpfen diese plattformübergreifend. Die Suchbegriffe können ähnlich wie bei den Alerts der Suchmaschinen via Email oder noch praktischer via RSS abonniert werden.

boardtracker.com
Es gibt sie noch, die guten alten Diskussionsforen. Deren Bedeutung hat mit der Verbreitung der sozialen Netzwerke deutlich abgenommen. Doch gibt es weiterhin viele gut frequentierte und etablierte Discussion Boards. Board Tracker ist eine Suchmaschine, welche ausschliesslich Diskussionsforen durchforstet. Der Fokus liegt hautpsächlich auf englischsprachigen Boards und ist daher für den deutschsprachigen Markt weniger attraktiv.

facebook.com/lexicon/
Eine brillante Idee ist das Facebook Lexikon. Wissen, was über die eigene Marke in Facebook auf all den Pinwänden diskutiert und welche Gefühlsregungen mittels Statusupdate in die Online Welt posaunt werden. Die Usability lässt aber stark zu wünschen übrig und nur Suchbegriffe mit einem Minimum an Erwähnungen sind überhaupt auffindbar. Derzeit unbrauchbar für kleine Unternehmen, aber wert im Augenwinkel zu behalten.

…und dann wären da noch – last but not least  – das Twitter Monitoring. Darüber habe ich einen ausführlichen Artikel “7 Tools für Medienbeobachtung – Trend Twitter Monitoring” auf meinem Blog geschrieben. Mehr zum Umgang mit Twitter (inkl. Monitoring-Tipps) übrigens im Leitfaden, der Mitte September hier erscheint.

Das Internet macht es möglich. Selfmade Medienbeobachtung zum Nulltarif. Die Zeit alle Ergebnisse zu lesen und zu interpretieren, muss man sich nach wie vor noch selber nehmen.

Danke für diese pragmatischen Tipps an unseren Gastblogger Ralph Hutter! Er schreibt auf www.pixelfreund.ch über Web 2.0 Trends, Social Media, Netzkultur, geeky Gadgets und neue Medien.

Online-Monitoring: Argus Schweiz beobachtet Twitter

twitterlogoNews, Gerüchte, Hinweise verbreiten sich rasant via Twitter. Grund genug, die Newsquelle im Auge zu behalten. Argus Schweiz bietet neu die «Beobachtung der wichtigsten Schweizer Autoren» an.

Dies gab das traditionsreiche Schweizer Haus heute Mittag in einer Medienmitteilung bekannt. Ich bin gespannt, die ersten Ergebnisse zu sehen. Und gleichzeitig auch noch ein bisschen skeptisch. Wie wird es Argus schaffen, den «Spreu vom Weizen» zu trennen, wie im Communiqué versprochen? Und noch wichtiger: Die Suchbegriffe sind in den Tweets ganz oft gar nicht enthalten. Dieser lautet dann vielleicht: «Heute am HB fast aus den Socken gekippt. Beispiellos schlechter Kundenservice: ». Und erst im Link folgt dann das Suchwort «SBB» oder was auch immer. (Beispiel rein fiktiv

Einen spannenden Beitrag zum Phänomen las ich bei Steve Rubel. Er trägt den Titel «Put your eyes behind your back, monitor URLS on Twitter» und gibt auch Softwaretipps zum Twitter-URL-Monitoring. Hier mein Beispiele für die bernetblog-URL mit BackTweets. Was sind Eure Erfahrungen mit Twitter-Monitoring?

Monitoring: Argus mit Gadgets auf der Website

argus.pngDer Schweizer Medienbeobachter hat die Website aufgefrischt. Darauf gefällt mir ein Gadget ganz gut: die Frontseiteninhalt-Tagcloud. Diese enthält nicht aus dem Web aggregierte Daten – sie wird täglich vom Medienbeobachter selber aus den Schweizer (Print-)Medien «erlesen».

Die Tagcloud enthält die Begriffe, die am häufigsten auf die Titelseiten der Schweizer Medien gedruckt wurden. Je nach Bedeutung und Häufigkeit der Nennung in grösserer oder kleinerer Schrift abgebildet. Als FCZ-ler sehe ich schadenfreudig, dass die FCB-Niederlage gegen den «FC Barcelona» fast ebenso häufig getitelt hat, wie «Finanzkrise» und «Elmar Ledergerber».

tagcloud_argus.png

Die Cloud wird täglich aus dem Argus-Datenmaterial neu aufgesetzt – in einer deutschschweizer und einer welschen Version. Neben dieser Tagcloud ist auch das Primeur-Ranking und eine Übersicht über Medienblogs (hm… ein ganz bestimmter Blog fehlt dort eindeutig…) ganz aufschlussreich.

Auch neu bei Argus: Die Beiträge aus dem Clipping-Management Online (CMO) können via RSS-Reader abonniert werden. Der Einbau ins CMO erfolgt in Kürze (neue Version ab 3.11.).

PR 2.0: Wie Schweizer Agenturen die Zukunft sehen

2 punkt 0Heute habe ich eine Diplomarbeit zur wirtschaftlichen Bedeutung neuer PR-Instrumente für PR-Agenturen erhalten. 41 von 90 angeschriebenen Deutschschweizer Agenturen äussern sich zu Weblogs, Wiki & Co.

Aleksandra Eric hat die schriftliche Befragung im Februar 08 durchgeführt, natürlich haben auch wir mitgemacht. Die Diplomarbeit ist Teil ihrer PR-Beraterausbildung, hier der Link zur Vollversion auf ihrem Weblog. Die Methodik überzeugt, sie hat das Maximum aus der Idee rausgeholt. Ob Berater/innen die richtigen Auguren für die Zukunft der Online-PR sind? Bestimmt handeln Sie für ihre Auftraggeber zuvorderst am Markt.

Die Autorin zeigt am Ende eine interessante Verbindung von Einsatz und Entwicklungspotenzial neuer Instrumente, dabei entsteht diese Matrix:

einsatz und potenzial neuer pr-instrumente

Der obere rechte Quadrant zeigt, womit man sich als PR-Berater/in auseinandersetzen muss: Hier stehen die neuen PR-Instrumente, die im Urteil der Befragten schon jetzt häufig eingesetzt werden – und die ein hohes Entwicklungspotenzial haben. Das Potenzial von Foto-Communities ist aus meiner Sicht zu tief eingeschätzt. Wenn ich die weiteren Begriffe beurteile, fällt mir eine Unschärfe auf: Wann ist ein Weblog ein Webportal oder eine Community? Die Mischformen bei den Webauftritten werden an Bedeutung gewinnen, die Abgrenzung wird schwieriger.

Aleksandra Eric bietet eine gut gemachte, aktuelle Übersicht neuer PR-Instrumente im Agenturalltag. Mit interessanten Schlussfolgerungen. Im Kapitel Monitoring bin ich noch auf diesen Link gestossen: Scouty als Gratis-Anbieter aus Deutschland. Beim Besuch störte mich die Werbung, aber als low-cost-Radar sicher testenswert.

Online-Monitoring: Meltwater vs. Bluereport

monitoring auge gruen bloggtWas wird im Netz geschrieben? Das Verfolgen von Online-Beiträgen über Personen und Organisationen ist eine Herausforderung. Die dank Dienstleistern ein wenig einfacher wird. Hier ein Vergleich von zwei Online-Spezialisten und der Link zu unserem Anstoss-Newsletter Online-Monitoring.

Ich habe vor einiger Zeit gemeinsam mit namics an einer Monitoring-Lösung gearbeitet. Weil mir schon vor fünf Jahren klar war: Alle PR-Fachleute haben dasselbe Problem. Wie behalte ich den Überblick über all das, was Webseiten, Blogs, Diskussionsforen, Newsportale über mich berichten? Wir haben dann an einem bestimmten Punkt das Projekt begraben, die Programmierarbeit schien zu aufwendig.

Wenn ich mir heute anschaue, wie Meltwater das Problem löst, dann sage ich: Chapeau. Da hätten wir noch eine ganze Weile emsig rumprogrammiert, um auf diesen Stand zu kommen. Bernet_PR arbeitet seit zwei Jahren mit diesem norwegischen Dienstleister. Er beobachtet weltweit rund 70 000 Quellen, davon rund 8 000 im deutschsprachigen Raum, Tendenz steigend. Für die Formulierung der Suchroutinen erhält man eine effiziente Startberatung. So, dass man möglichst genau das bekommt, was einen interessiert – aus den Quellen, die relevant sind. Auch hier ist das Programm vorbildlich: Die Quellen lassen sich sehr fein nach Sprachen, Regionen und Kategorien (Blogs, News etc.) aussortieren.

Die Auslieferung der Treffer erfolgt per HTML-E-Mail. Das Schöne daran sind die direkten Links. Artikel können aus der Mail weitergeleitet oder samt Kommentar in ein Archiv gelegt werden. Die Benutzeroberfläche auf der Website ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, der Mail- oder Telefonsupport aber vorbildlich. Wir zahlen für ein Jahresabonnement rund 6 800 Franken. Dabei haben wir verschiedene Zusatzoptionen nicht aktiviert, hier ein aktuelles Preisblatt als PDF. Als Mindestanforderung sehen wir das Basisabo mit Archivfunktion. Denn Monitoring-Resultate verschwinden nach etwa sechs Monaten von der Datenbank, aus Platzgründen. «Newsletter» steht für einen Pressespiegel samt eigenem Design, «Newsfeed» für einen laufenden Ticker, «Freitextsuche» für die Möglichkeit, das ganze Meltwater-Archiv abzusuchen (auch ausserhalb der eigenen Suchroutinen), «Statistik» bietet verschiedene Auswertungen.

Fazit: Ein nicht ganz günstiger aber schneller und präziser Dienstleister.

Neu im Markt bewegt sich blueReport von Cognita. Diesen Dienst haben wir erst seit etwa zwei Wochen als Testabo in Betrieb, ich habe also keine Langzeit-Erfahrung. Sehr gut gefällt mir das aufgeräumte Design von HTML-Mails und Website. Bei den Mails kann man im Moment noch nicht direkt archivieren oder weiterleiten, das soll aber demnächst  programmiert werden. Überhaupt stecken noch eine ganze Menge von Optionen in der Vorbereitung. blueReport konzentriert sich auf deutschsprachige Online-News mit rund 12 000 Quellen. Wir haben zwei Test-Suchen aufgesetzt, die sich mit unseren Meltwater-Abos vergleichen lassen. Die Resultate sind schnell und akkurat ausgeliefert. Bei der Zuordnung der Quellen muss noch ein wenig geschliffen werden – ich will zum Beispiel keine Resultate aus Deutschland für bestimmte Suchen.

blueReport ist gemäss Initiant Denis Nordmann ein ETH-Spinoff und steht kurz vor der offiziellen Lancierung. Er verrechnet für ein Basisabo 6900 Franken pro Jahr, hier die PDF-Broschüre (aktualisiert am 4.6.09).

Fazit: Schön, dass es einen zweiten Player gibt, wir werden beide Dienste weiter verfolgen.

Unser aktueller Anstoss-Newsletter setzt sich vertieft mit dem Thema Online-Monitoring auseinander. Dort sind auch Dienstleister verlinkt, die wesentlich günstiger oder wesentlich teurer arbeiten. Und vieles lässt sich auch heute noch von Hand machen – bis zu einem gewissen Grad.

Welche Erfahrungen machen andere Online-Monitorer?

Buchbesprechungen: Online-Kommunikation im Web 2.0

buchtitel online buecherDiese zwei Titel liegen schon lange links von mir und harren ihrer Besprechung. Zwei Bücher von Autorinnen, die aktuelle Orientierungshilfen im ausgreifenden Feld der Online-Möglichkeiten bieten.

Online-Kommunikation (EUR 44.95) von Annette Kielholz ist ein Wälzer. Hut ab vor der Autorin, die auf 321 Seiten das ganze weite Feld abdeckt – von Web 2.0 über Psychologie der Aufmerksamkeitssteuerung, E-Mail, Websiten-Gestaltung, Newsletter, Marketing, PR, Kundenkommunikation bis zur persönlichen Arbeitstechnik. Die Diplompsychologin und heutige Kommunikationsleiterin schafft dabei eine interessante Verknüpfung von strategisch-grundsätzlicher Betrachtung der Online-Phänomene mit praktisch-taktischen Hinweisen zum Einsatz zahlreicher Instrumente.

Zuerst haben mich Titel, Umfang und Breite klar abgeschreckt. Dann war ich erstaunt über die Fülle an praktischen Checklists zu verschiedenen Punkten. Fazit: Ein sehr breites Nachschlagewerk, geeignet für Studierende und Praktiker. Gehört in unsere Agentur-Bibliothek – obwohl ich es lieber kürzer und dichter hätte.

Kommunikation im Web 2.0 (EUR 24.90) von Melanie Huber ist ein Taschenbuch mit 225 Seiten. Die frühere Leiterin der Zeit-Online-Redaktion leitet heute ihre eigene Kommunikationsagentur. Es kommt leicht daher, wirkt aber bei näherem Hinschauen blass. Zum Beispiel zum Thema Social Bookmarking: Die Grundlagen sind sauber recherchiert – ich vermisse aber eine durchaus etwas kritischere, praxiserfahrene Stellungnahme: Wo macht’s Sinn? Wo nicht? Dass dazu ein Interview mit dem PR-Berater des Bookmarking-Dienstleisters Mr. Wong gestellt wird, bringt auch keine praxisreale Bewertung dieser Möglichkeit.

Zuerst habe ich mich gefreut auf die Lektüre. Beim Eintauchen finde ich mehr Zwischenräume als Orientierungspunkte.  Fazit: Ein konzentriertes Web 2.0-Infobuch mit einer Übersicht aller Funktionen, die man sich auch im Web recherchieren kann. Geeignet als leichter Einstieg für Web 2.0-Neulinge.

YouTube-Monitoring: Ein gutes Geschäft

DartpfeilDas Wall Street Journal berichtet von einem Unternehmen, in dem 20 «Video-Analysten» Filmchen auf YouTube monitoren. Für Medienunternehmen wie Viacom, die so ihre Copyrights schützen wollen. Die Arbeit wird ihnen nicht ausgehen.

BayTSP wurde vor acht Jahren gegründet – die Website ist sehr informativ. Gemäss WSJ arbeiten sie im Filmbereich für über grosse Unternehmen. Viacom ist der einzige Kunden, den sie nennen. Das Startup-Unternehmen gibt an, pro Monat rund eine halbe Million US Dollar zu verrechnen. Dahinter steht das laufende Auffinden von illegalen Software-, Musik-, Spiel- und Video-Inhalten. Dabei entstehen pro Monat mehr als eine Million Entfernungs-Aufforderungen.

Diese Aufforderungen gehen per E-Mail zum Beispiel an YouTube. Das BayTSP-Team sitzt an zwei Bildschirmen und klickt sich durch die Inhaltsflut. Dabei unterstützt sie eine spezielle Software, die das Auffinden potenzieller Copyright-Verletzungen vereinfacht. Auch die Entfernungs-Mail ist automatisch generiert. Diese wird bei YouTube von Angestellten überprüft, bei widerrechtlichem Inhalt wird der Film entfernt.

Wer urheberrechtlich geschütztes Material auf YouTube postet, der versucht solchen Scans zu entgehen. Zum Beispiel mit absichtlich falsch buchstabierten Namen der Künstler. Oder mit dem Wort “Remix” im Titel. Und Filme, die von YouTube entfernt werden, sind gleich wieder raufgeladen. Eine Sisyphus-Arbeit – die BayTSP-Videoanalysten werden auch bei der Anstellung gleich gefragt: «Sind Sie bereit, tagelang die selben Videoclips anzuschauen?»

Ich denke, es wäre an der Zeit, die ganze Urheberrechts-Geschichte ein wenig anders zu sehen. Aber hier ist viel Geld im Spiel – und so werden sich die Medienunternehmen dieses Katz-und-Maus-Spiel noch eine Weile leisten.

Hier der Link zum Original-Text, ohne WSJ-Abo nur lesbar bis 16. August.
Und hier das Ganze als Video, gratis und franko, mit fünf Sekunden Werbevorspann: Besuch bei BayTSP im Silicon Valley.

Praxistag Online-Kommunikation: Fazit, Web 2.0-Fragen und To-Dos

2 punkt 0Gestern lief alles gut über die Bühne, mit kleinen Improvisationen. Hier ein persönliches Resumé des ersten Praxistages Online-Kommunikation: Die wichtigsten Fragen und Web 2.0-To-Dos.

Eine Teilnehmerin sagte zum Schluss: «Ich bin gekommen, um mehr Antworten zu haben – jetzt habe ich mehr Fragen als vorher.» Damit bringt sie auf den Punkt, worum es beim Umgang mit der Online-Kommunikation geht: Die richtigen Fragen zu stellen. Die Antworten ändern sich laufend. Die wichtigsten Fragen:

1. Wohin will ich?
2. Wo sind meine Zielgruppen?
3. Was wollen diese Zielgruppen?

Und daraus kann es sein, dass ich einen bestehenden Online-Kanal optimiere oder einen neuen eröffne. Das entscheidende ist in jedem Fall der Inhalt: Kann meine Organisation den Kanal bespielen? In der Frequenz und Qualität, die gefragt ist? Mit der Dialogintensität, die heute damit verbunden ist?

Damit meine ich: Man kann nicht einfach eine Website aufstellen und aktualisieren. Sondern man muss Echos und Anstösse zulassen, sie lesen, sie beantworten. Und das alles lässt sich nicht an eine externe Agentur delegieren – sonst sind die Reaktionen zu langsam und zu aufgesetzt.

Schliesslich noch eine Folie aus meinem Schlussvotum. Hier zeige ich in sieben Stichworten, was Web 2.0 aus Unternehmenssicht mit sich bringt, und wie man jetzt auf diese Entwicklungen reagieren sollte:

web20_vortragsfolie_bernetblog

Schlagwort/Monitoring: Web 2.0 ist ein Stichwort für eine Entwicklung, so wie es vor zehn Jahren der Daten-Highway war. Da gibt es keine scharfe Definition. Aber die Aufgabe für uns, die damit entstehenden Möglichkeiten, Märkte und Meinungsplätze in einem ausgebauten Monitoring zu verfolgen. Die anderen Stichworte sind ziemlich klar, oder? Mit 3D beziehe ich mich auf virtuelle Plätze wie Second Life.

CASHdaily über Weblogs und Unternehmen. Wie wärs mit mehr Dialog?

Heute widmet sich CASHdaily auf der Frontseite den unternehmerischen Aspekten von Weblogs. Der Autor Nando Nussbaumer hat ein kurzes Interview mit mir geführt und sich unter anderen bei Reto Hartinger, Jürg Stuker, Swisscom informiert. Hier das Wichtigste und ein Wunsch nach mehr CASHdaily-Autorendialog.

«In drei Jahren wird es zu jedem Thema ein Blog geben» meint Reto Hartinger. Auch ich glaube, dass es für Schweizer Unternehmen immer noch Gelegenheit gibt, interessante Themen jetzt zu besetzen. Wenn sie den Aufwand nicht scheuen – beziehungsweise den damit verbundenen Nutzen sehen.

Eine grosse Hürde in der Schweiz für CEO-Blogs grosser Unternehmen ist die Dreisprachigkeit – da ist praktisch eine Simultanübersetzung gefragt. Oder sprachregionale Autoren / Ausgaben, was aus meiner Sicht sowieso besser ist.

Bloggen oder nicht Bloggen – wichtig bleibt das Monitoring. Haben Sie heute schon geschaut, wer was über Sie schreibt?

Was mich übrigens erstaunt bei CASHdaily ist die Tatsache, dass die Autoren nicht mit vollem Namen und E-Mail-Adresse angegeben sind. Interaktivität wird ja wirklich gross geschrieben – aber wieso macht man den Dialog so schwer? Selbst in der gut gemachten Live-Ausgabe wimmelt es von Buttons für Audio- und Video-Podcasts – aber ein Knopf für eine Direktmail an den Autoren fehlt. Das steht nur das Kürzel NUN und wenn man draufklickt, vergrössert sich einfach der Artikelausschnitt…

cashdaily_80207.png

Weblogs und Reputation – heute in der Handelszeitung

handelszeitung.pngAuf der Kommunikations-Seite der aktuellen Handelszeitung äussere ich mich in einer kurzen Kolumne über das Reputationsrisiko von Weblogs. Nachzulesen mit Papierrascheln auf Seite 20 oder als PDF und hier die wichtigsten Fakten.

Meinen Eintrag zu den Problemen mit der Swisscom-Tagesschau auf dem Handy hat die Swisscom noch am selben Tag erkannt – und einen Kommentar dazu geschrieben. Vorbildlich: Hier ist ein Monitoring installiert, das funktioniert. Schade: Der Kommentar-Eintrag der Swisscom war zunächst mit “Tagesschau” statt dem konkreten Namen des Absenders eingegeben. Und auf die weiteren eingehenden Kommentare und Fragen hat die Swisscom überhaupt nicht reagiert.

Wer seine Reputation in der Blogosphäre pflegen will, der muss erstens ein Monitoring aufbauen, zweitens die Relevanz von Blogs beurteilen können und drittens den Dialog mit Blogs aktiv suchen und kontinuierlich pflegen.

Fürs Monitoring setzen wir auf das Abo von RSS-Feeds zu spezifischen Sucheinträgen in Technorati (Achtung: Für Abos muss man sich kostenlos registrieren), Icerocket und Googlealert (das strukturierteste Angebot, kostet etwas, einfache Benutzerschnittstelle).

Die Relevanz eines Blogs lässt sich heute nur über die Anzahl der Links messen, die auf ihn zeigen. Blogug bringt hier eine gute Übersicht der Top-100-Blogs in der Schweiz. Aber Achtung: Links sind nicht alles. Und auch ein wenig beachtetes Weblog kann unter Umständen genau die Zielgruppe ansprechen, die für Sie entscheidend ist.

Tja, und der Dialog ist aufwändig. Weil dazu gehört, dass man weiss, worüber der Blogger jeweils schreibt, weil man den Faden nicht abbrechen lassen soll. In diesem Sinne freue ich mich auf viele Kommentare (-:

|

Blog abonnieren

Sofortmail oder Wochenschau auswählen:

Social Media in der Medienarbeit:
Online-PR im Zeitalter von
Google, Facebook & Co.

CHF 37.90 / EUR 24.95
inkl. Porto

Erst reinschauen
Alle Beiträge zum Buch