Marcel Bernet | 24.02.2010

Social Media unterstützt die Recherche

@zeichen_schreibmaschJournalistinnen und Journalisten nutzen Blogs, Twitter und Facebook intensiv als Quelle – mit höherer Anforderung an die Überprüfung.

Schon 2009 hat die Bernet/IAM-Studie «Journalisten im Internet» (alle bernetblog-Artikel zur Studie, samt Grafiken) eine hohe Akzeptanz von Social Media bei Schweizer Medienschaffenden gezeigt. Letzte Woche veröffentlichten der globale PR-Dienstleister Cision und die George Washington University eine neue Studie (Medienmitteilung deutsch, Website GWU englisch).

Social Media als Quelle etabliert – bei tiefer Glaubwürdigkeit
Der Fachbereich Strategic PR der George Washington Universität GWU sandte im Herbst 2009 Fragebogen an 9100 Medienschaffende, ein Rücklauf wird nicht angegeben. 89 Prozent geben an, Blogs für Recherchen zu nutzen, 65 Prozent nutzen dazu Soziale Netzwerke wie Facebook und LinkedIn, 52 Prozent verfolgen Microblogging-Dienste wie Twitter und 61 Prozent setzen auf Wikipedia.

Damit ist klar: Social Media haben sich als wichtige Quelle für Recherchen etabliert. Was auch nicht weiter erstaunlich ist bei dem riesigen Angebot an Informationen, die sich an diesen neuen Web-Lagerfeuern sammeln. Glauben kann man aber nicht gleich alles, was hier herumgereicht wird – zumindest geben die befragten Journalistinnen und Journalisten zu 84 Prozent an, dass Social Media-Quellen «wenig» oder «viel weniger» glaubwürdig sind als traditionelle Medien.

Vergleich Schweiz: Trend ist klar
Die US-amerikanischen Zahlen liegen bis auf die Nutzung von Wikipedia wesentlich höher als in unserer repräsentativen Studie von 2009 – hier der Vergleich:

socialmedia_journalisten_usa_ch

Gerade im Bereich Blogging bietet sich hierzulande auch wesentlich weniger Inhalt als in den USA. Hinzu kommt, dass unsere Befragung (Gratis-Download) nicht einfach die Nutzung abfragt, sondern die Wertigkeit: Ausgewiesen ist nur der Anteil der Medienschaffenden, die zum Beispiel Blogs als «wichtig» oder «sehr wichtig» für ihre Arbeit bezeichnen. Auch mit dieser engeren Auslegung nutzen die Schweizer Wikipedia leicht stärker, dafür war Twitter Mitte 2009 journalistisch unbedeutend bei uns.

Social Media nicht nur als Quelle
Dass Social Media nicht nur für die Recherche ein absolutes Muss ist, zeigt der neue Chef von BBC World News: In einem internen Memo fordert Peter Horrocks den Einsatz für Recherche, die interne Zusammenarbeit und die Verbreitung der Inhalte. Und zwar ultimativ: «Wer es nicht mag oder wer denkt, dass diese Veränderung oder diese neue Arbeitsweise für ihn zu gross sei, der soll gehen und etwas anderes tun…» Mehr dazu im Beitrag «BBC sagt: Social Media muss sein».

Alle bernetblog-Artikel zur Studie
«Journalisten im Internet» mit Grafiken und Tipps

Marcel Bernet | 10.11.2009

Twitter-Tipps: So macht man ein Konzept – britische Vorlage

TwitterDie beste Vorlage für ein Twitter-Konzept liefert Neil Williams. Und sie ist nicht nur für Regierungs-Tweets vorbildlich strukturiert.

Denn Neil ist Leiter der «Corporate Digital Channels» im Ministerium für Business, Innovation und Skills BIS. Und er bloggt privat auf Mission Creep mit dem schönen Slogan «Trying to do too much at once». Den Blog habe ich mir abonniert – denn Neil schreibt witzig, klar und teilt sein Wissen grosszügig. So ist denn auch die hier vorgestellte Vorlage auf verschiedenen Plattformen runterzuladen (hier ein direkter PDF-Link) – natürlich auch über Scribd.

Die Vorlage ist so verfasst, dass andere Abteilungen der britischen Regierung sie für ihre Twitter-Vorhaben einsetzen können. Ich empfehle Nicht-Regierungs-Organisationen und Nicht-Brit/innen ein ähnliches Vorgehen: Durchlesen und dadurch interessante Anstösse für die eigene Rahmendefinition mitnehmen. Wieso?

1. Klare Struktur
Gute Konzepte zeichnen sich immer durch einen klaren Ablauf aus. Diese Vorlage liefert die Kapitel für ein stringentes Papier, das verstanden wird und alles Wesentliche klärt. Vielleicht wählen Sie diese Kapitel – vielleicht mixen Sie Neils Idee auch mit den Kapitel-Vorschlägen aus unserem Twitter-Leitfaden. Oder Sie gucken sich wieder mal unser Konzeptrezept an, für Projektpapiere aller Art.

2. Gut gemachte Zielsetzungen samt Erfolgskontrolle
Kapitel 3 «Objectives and metrics» ist erste Sahne. Solche Konzepte würde ich gerne mehr lesen: Klare Zielsetzungen, jeweils verbunden mit der Messmethode. Zahlen sind selbst einzusetzen.

3. Strategie-Teil mit Risiko-Liste abgefangen
Schön dargestellt sind im Kapitel 4 die mit einem Twitter-Einstieg verbundenen Risiken – nicht nur für Regierungsstellen. Und mit welchen Massnahmen man diese Risiken eindämmen, überwachen kann.

4. Praktisches Beispiel für Positionierung, Tonalität
Hier wirds wirklich schön: Endlich kann man mal ganz praktisch lesen, wie ein inhaltliches Konzept eines konkreten Absender aussieht. Wer die Texte zu Namensgebung, Absender, benötigter Zeit und inhaltlichen Prinzipien liest, erhält interessante Eckwerte. Nicht einverstanden bin ich mit der Anonymisierung der Tweets – sie werden «behördlich» abgesetzt – passt für mich nicht zu Twitter.

5. Nicht mehr als 10 pro Tag
Interessant: Maximal 10 Tweets pro Tag, mindestens 30 Minuten Intervalle dazwischen, damit Follower nicht geflutet werden. Mit Ausnahmen für Antworten oder Krisensituationen.

6. Ressourcen geklärt: Mindestens eine Stunde pro Tag
Eine Stunde pro Tag ist realistisch – ohne Konzeption und laufende Evaluation. Da sieht die Vorlage einen Tag alle drei Monate, was aus meiner Sicht aber mit mindestens vier Personen multipliziert werden muss. Sehr spannend ist hier die Seite 18, Beilage C: so viel Zeit setzen ein fürs Twittern:

  • Premier (Downingstreet): 20 Minuten/Tag, 2-3 Tweets/Tag plus etwa 3 Antworten/Tag
  • Ausenministerium (Foreign Office): Weniger als 45 Minuten/Tag
  • Communities und Lokale Behörden (Communities UK): 45 bis 60 Minuten/Tag
  • Digital Policy: 5 bis 10 Minuten/Tag
  • Wirtschaftsförderung (UK Trade & Investment): 5 Minuten bis 2 Stunden/Tag für Twitter und LinkedIN, inklusive Aktives Aufstöbern von relevanten Diskussionen

7. Umgang mit Abonnenten: Automatisches Rück-Followen
Als Regierungsbehörde will man niemanden aktive followen, von sich aus. Das könnte als «Big Brother»-Beobachtung negativ ankommen. Aber alle, die einem Regierungstweet folgen, werden von der Amtsstelle automatisch zurückverfolgt. Weil das zur Twitter-Etikette gehöre. Und man automatisiert das, weils händisch eben zu aufwändig ist. Natürlich sorgt man damit auch für einen stetig wachsenden Strom von Followern – mehr zu diesem Thema im Twitter-Tipp «Wie erreicht man Follower».

8. Praxistipps zu Hashtags, Linkkürzeln, Re-Tweeting und Promotion
Alles da. Einfach erklärt. Einfach zu ergänzen oder auszulassen, je nachdem wofür man sich bei seinem Konzept entscheidet.

Wer mag sein Twitter-Konzept mit dem bernetblog teilen? A propos: Am 2. Dezember, 0730 in Zürich, wird man live eines erleben können. Mehr darüber bald an dieser Stelle.



Marcel Bernet | 05.11.2009

Auch für PR 2.0: Zwang bringt Nichts

zeichen_schreibmasch1Können PR-Abteilungen zum Schreiben verpflichten? Die NZZ lässt sich auch für LeWeb nicht anbinden. Zwang bringt nichts, es geht um die gegenseitige Abstimmung von Interessen.

Ich bin grundsätzlich gegen bindende Schreibverpflichtungen. Obwohl ich die Veranstalter der Pariser Internet-Konferenz LeWeb09 verstehe. Sie verpflichten die Offiziellen Blogger zu einer Anzahl von Publikationen. Auch der bernetblog gehört zu denen, die für einen Gratis-Eintritt Verpflichtungen eingehen. Wie hier beschrieben nehme ich mir trotzdem die Freiheit aus, nur dann zu schreiben, wenn es mich und mein Publikum interessiert. Ein etabliertes Medium wie die NZZ wird ohne Publikations-Verpflichtung gratis teilnehmen. In diesem Falle ist das Interesse der Veranstalter an einer Teilnahme eben grösser als bei den unzähligen Bloggern. Ich habe Nico Luchsinger befragt, der für die NZZ Online auch dieses Jahr live aus Paris berichten wird.

Wieso gehst du an die LeWeb?
«Weil es die grösste und aus meiner Sicht wichtigste Konferenz zu Web 2.0- und Internet-Themen in Europa ist. Es ist für mich als Journalist, der sich mit diesen Themen beschäftigt, ein guter Ort, um neue Geschichten aufzuspüren, Trends zu entdecken und Kontakte zu knüpfen.»

Bist du eingeladen und sind mit dieser Einladung Verpflichtungen verbunden?
«Ich habe mich in Absprache mit der Redaktion von NZZ Online zu einer Teilnahme entschlossen. Ich bin akkreditiert und bezahle keinen Eintritt. Gegenüber der Konferenz besteht natürlich keine Verpflichtung zur Berichterstattung.»

Warst du als Journalist in anderem Zusammenhang je zum Schreiben verpflichtet?
«Nein, explizit noch nie. Vielleicht gibt es so etwas wie eine implizite Verpflichtung, wenn man zum Beispiel als Reisejournalist drei Tage nach Istanbul in ein Hotel eingeladen wird. Da verstehe ich die Erwartung des Veranstalters, dass die Teilnehmenden etwas schreiben. Wichtig ist, dass man die gegenseitigen Erwartungen vorher deklariert.»

Fazit: Interessen offen darlegen
Das Vorgehen von LeWeb finde ich clever. Trotzdem sind für mich die Verpflichtungen zu eng und zu zwingend formuliert. Wer klassische Journalisten oder neuzeitliche Blogger einlädt, der soll die damit verbundenen Interessen offen legen: Das wünschen wir uns. Als Gast kann ich mir vor Antritt der Reise, Annahme des Geschenks oder Besuch des Anlasses überlegen: Gehe ich diese Verpflichtung ein? Ist sie mir zu eng? Riskiere ich bei Nicht-Einhalten einen Ausschluss beim nächsten Anlass?

Wichtig ist die Offenlegung auch von Seiten der Schreibenden: War man eingeladen, hat das Testgerät geschenkt bekommen? Das wird auch im klassischen Printjournalismus noch viel zu selten deklariert. Die Federal Trade Commission in den USA hat Anfang Oktober neue Richtilinien für Erwähnungen publiziert. Dort wird auch explizit festgehalten, dass Blogger ihre Verbindung zu beschriebenen Produkten oder Unternehmen angeben müssen, falls sie Bargeld oder «vergleichbare» Zuwendungen erhalten haben.

Marcel Bernet | 04.11.2009

Online-PR: Wie LeWeb Blogger auswählt

audienceStephanie Booth betreut die Offiziellen Blogger der LeWeb09. Wie ist sie bei der Auswahl dieser Gruppe vorgegangen? Was heisst das für die eigene Online-PR?

Wie hier berichtet, zähle auch ich zu den 63 erlauchten LeWeb09-Bloggern. Wie alle anderen investiere ich Reise- und Unterkunftskosten samt Zeit für die Teilnahme – die kostenlos ist. Im Gegenzug soll ich über die Konferenz berichten. Dieses Vorgehen lässt sich überall dort anwenden, wo es Web 2.0-Publizist/innen gibt, die sehr interessiert an einer Event-Teilnahme sind. Welche Learnings sind aus dem Vorgehen der LeWeb-Promotoren zu ziehen? Ich habe Stephanie Booth befragt, die schon 2008 die Blogger-Gemeinde für Paris betreut hat.

Wie habt Ihr die Teilnahme ausgeschrieben? Wie viele Anmeldungen gingen ein?
«Wir haben den Einschreibe-Aufruf im September über Twitter und andere Online-Kanäle publiziert – und rund 200 Anmeldungen erhalten. Das ist etwa gleich viel wie im Vorjahr.»

Wie hast Du die 63 ausgewählt?
«Das ist kein einfacher und auch kein wissenschaftlicher Prozess. Wir haben uns auf drei Kriteren gestützt:

  1. Profil: Wir wollen Blogger, die ein breites Zielpublikum erreichen. Wie viele Unique Visitors, RSS-Abonnenten, Twitter-Follower haben sie? Betreuen sie verschiedene Online-Plattformen? Schreiben sie regelmässig Artikel? Mit hoher Qualität?
  2. Diversität: Wir wollen eine möglichst breite Streuung von Ländern und Sprachen. Da haben es natürlich Bewerber/innen aus Finnland leichter als die aus Frankreich, wo es eine sehr grosse Anzahl von Blogs mit hoher Reichweite gibt.
  3. Kontinuität: Waren die Blogger schon einmal dabei? Haben sie geschrieben? Wie oft, wie gut? Haben sie die Vereinbarungen eingehalten?

Natürlich ist das Resultat dieser Wahl immer subjektiv, trotz der Kriterien. Mein Vorteil ist, dass ich die Szene in Europa mittlerweile gut kenne. Wir versuchen einfach, so fair und ausgeglichen wie möglich zu sein.»

Was hat sich gegenüber 2008 verändert?

«Ich sehe eine immer stärkere Vermischung von Blogs und Medien. Aber das ist eine Entwicklung, die schon früher begonnen hat. Heute gibt es Blogs, die haben Reichweiten und sind so professionell oder kommerziell wie klassische Medien. Hier verschwimmt die Grenze zwischen den beiden Kategorien. Wir müssen immer wieder neu entscheiden: Gehört ein Blog in die Medien- oder in die Bloggerkategorie? Dafür gibts keine festen Regeln – wie bei allem, was sich im Bereich Social Media gerade tut.»

Eine spannende Entwicklung. Noch zählt der bernetblog zur zweiten Klasse derjenigen, die kommen dürfen, falls sie schreiben. Im Gegensatz zu Nico Luchsinger von NZZ Online – mehr darüber im nächsten Beitrag: Auch für PR 2.0 – Zwang bringt nichts.

Marcel Bernet | 02.11.2009

LeWeb09 in Paris: Intensive Blog-Einbindung

leweb09_logoDer bernetblog ist «Offizieller Blogger» an der grössten Internet-Konferenz Europas. Ich habe mich für diesen Posten beworben, darf gratis teilnehmen und muss dafür schreiben. Im Gegensatz zur NZZ.

Aufmerksame Beobachter haben das LeWeb-Logo rechts unten auf diesem Blog schon entdeckt. Dessen Online-Schaltung ist Teil des Deals, auf den ich mich eingelassen habe. Und es sorgt für zehn Prozent Anmelderabatt, wenn man unten auf der Anmelde-Seite «Click here to enter a promotional code» klickt und dann «BLOG09» eintippt. Diese zehn Prozent nutzt man gerne, denn mit 1495 Euro ist der Standardpreis für die zwei Tage hoch genug. Ich bin dabei, weil ich Interviews führen will für mein nächstes Buch und natürlich für den bernetblog. Und weil die Referentenliste eindrücklich ist: Sie reicht vom Twitter-Gründer Dorsey über TechCrunch Arrington bis zur Königin von Jordanien.

Offizielle Blogger müssen bloggen
Die Genfer Top-Bloggerin und Web-Pionierin Stephanie Booth koordiniert den Einsatz eines ganzen Heeres von offiziellen Bloggern. Die 63 auserwählten dürften ihre Eignung im langen Fragebogen am besten dargestellt haben. Dort mussten die Reichweite des eigenen Blogs oder zusätzlicher Online-Plattformen deklariert werden und die Motivation für einen LeWeb-Besuch. Auch die Konditionen waren klar – ich habe eingewilligt

  1. mindestens zwei Blogposts bis Ende Oktober zu schreiben (Timing nicht ganz geschafft, zugegeben)
  2. ein LeWeb-Logo mit Anmeldelink zu schalten – bis die Konferenz zu Ende ist
  3. auch auf den «üblichen» Kanälen über die Messe zu berichten – wie Facebook oder Twitter
  4. so viel zu schreiben wie ich will am 9. und 10. Dezember

Liebe bernetblog-Leser/innen, seien Sie also gewarnt: Ich schreibe hier, weil ich mich dazu verpflichtet habe. Aber seien Sie gleichzeitig sicher, dass ich trotzdem neutral und kritisch bleibe. Mit meiner mir eigenen Subjektivität. Deshalb werde ich in einem nächsten Beitrag den Vergleich mit der NZZ machen – die reist nämlich auch nach Paris. Und da habe ich mich für die Konditionen interessiert, die «normalen» Medien geboten werden.

Nachtrag: Seien Sie auch sicher, dass ich nur dann schreibe, wenn ich etwas Interessantes entdecke. Verpflichtet bleibe ich auch bei LeWeb den Inhalten des bernetblog: Online PR, Kommunikation, Medien.

Intelligente Einbindung von Aficionados
Was dieses Beispiel sehr schön zeigt, ist die lohnende Einbindung der vielen neuen Publizisten, die das Web mit sich bringt. Das lohnt sich natürlich erst recht für eine Messe, die genau dieses Medium zum Thema macht. Also wird in den nächsten Tagen auf allen Kanälen ganz schön viel geschrieben werden über LeWeb09.

Mehr über die Auswahl der Blogger im Interview mit Stephanie Booth. Und im Interview mit NZZ Online-LeWeb-Besucher Nico Luchsinger ein Fazit zum Thema Schreibzwang.

Marcel Bernet | 09.09.2009

Journalisten im Internet: Basics für den Mediencorner

zeichen_schreibmasch1Was suchen Journalisten auf der Website einer Organisation? Die Rangliste der wichtigsten Infos zeigt auf, wie Sie die Prioritäten für Ihren Mediencorner setzen müssen.

Auch wenn Online-PR immer komplexer und anspruchsvoller wird: Wichtig ist, dass die Basics stimmen. Die Wichtigkeits-Rangliste der Informationen, welche Medienschaffende auf einer Website erwarten, stellt so einfache Inhalte wie Kontaktinfos an die erste Stelle. Vor lauter Podcast-, Facebook- oder Twitter-Projekten gehen die Grundlagen oft unter.

journ_internet_mediencorner

Erfüllen Sie die Top-Fünf auf dieser Liste. Wenn Sie folgendes im Griff haben, können Sie die nächsten fünf Wunschpunkte angehen:

  1. Kontaktinfos (immer aktuell, mit Funktion/Zuständigkeit, Telefon, Erreichbarkeit, Foto),
  2. Zahlen (die wichtigsten Zahlen in einer übersichtlichen Tabelle, zuoberst sichtbar, immer aktuell),
  3. Hintergrundinfos (mit einem Kurztext über Ihre zentralen Aktivitäten, am besten als Faktenblatt aufgebaut – so, dass ein Journalist sofort alles findet, was er zum Beispiel in einer Infobox zum Artikel einbauen will),
  4. Medienmitteilungen (als Archiv, chronologisch, alles in HTML, nicht in PDF- oder Word-Dateien versteckt) und
  5. Suchfunktion (schnelle Suche nur innerhalb des Mediencorners, nicht über die ganze Website)

Sie sind schon so weit? Checken Sie doch kurz Ihren Mediencorner anhand unseres Webchecks Mediencorner (drittunterste Position auf dieser Seite) durch. Und wenn dann die Basics alle stimmen, dann können Sie weitergehen im weiten Feld des Mediencorners 2.0 oder Social Media Newsrooms.

Alle Blogbeiträge zur Studie «Journalisten im Internet»
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Social Media Newsroom: do-it-yourself
Social Media Newsroom: Best Practice bei Electrolux

Marcel Bernet | 04.09.2009

Journalisten im Internet: Wikipedia und Facebook legen zu

zeichen_schreibmasch1Wikipedia ist für Schweizer Medienschaffende wichtiger als Web-Seiten von Unternehmen und Organisationen. Und Soziale Netzwerke sind wichtiger als Blogs.

Dabei sind Soziale Netzerke wie Facebook wohl erst seit rund einem Jahr ein wirklich ernst zu nehmender Faktor im Medien- und Newsbereich hier in Europa.

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Beide markierten Internet-Angebote wurden mit der aktuellen Studie erstmals abgefragt. Dass sich Wikipedia gleich vor die Unternehmens-Seiten setzt, hat uns überrascht. Doch als Quelle für die schnelle Abklärung von Jahreszahlen, Namen, Fakten bietet das Online-Lexikon unschlagbare Vorteile. Verwaltungs-Seiten wie admin.ch behaupten ihren Wichtigkeitsrang als Anlaufstelle für relevante Infos. Kleine Anteile der Mehrfachnennungen erhalten die Web 2.0-Anwendungen am Schluss der Rangliste – hier hakt die Studie mit einer Zusatzfrage nach:

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Wenn der Fragefokus auf den spezifischen Web 2.0-Anwendungen liegt, steigt deren Wichtigkeit: Mehr als die Hälfte der Schweizer Journalistinnen und Journalisten gibt an, YouTube sei für ihre Arbeit wichtig oder sehr wichtig. Und rund zwei Fünftel setzen auf Facebook oder Podcasts, ein Drittel auf Blogs – deren Kurz-Variante Twitter findet kaum Beachtung. Wie werden die Web 2.0-Möglichkeiten journalistisch genutzt? Hier eine Auswertung der Frage nach Video-Plattformen und Sozialen Netzwerken:

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Ein Fünftel findet Artikel-Ideen oder will Trends aufspüren, auf beiden Plattformen mit denselben Anteilen. Video-Plattformen wie YouTube sind für Zusatzinformationen sehr beliebt neue Perspektiven findet man auf beiden Plätzen.

Pendenzen für Online-Medienarbeiter: Sind die Wikipedia-Inhalte Ihrer Organisation aktuell? Pflegen Sie einen YouTube-Channel mit Ihren Video-Inhalten – oder sind diese nur auf der eigenen Website abgelegt? Schauen Sie sich hie und da wenigstens um auf Facebook?

Alle Blogbeiträge zur Studie «Journalisten im Internet»
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Marcel Bernet | 02.09.2009

Reisejournalismus und Publireportagen: Konzept entscheidet

podium_stwGestern abend haben sich Medien- und PR-Profis über die Zukunft des Reisejournalismus ausgetauscht. Hier meine persönliche Kurzfassung des sehr gut besuchten STW-Podiums, samt Videoausschnitt.

Bin ich wirklich hochkarätig? Wie fühlt sich das an? Nun, die Rekordbeteiligung mit rund 70 Teilnehmenden aus der Medien-, Kommunikations- und Reisebranche spricht dafür, dass die Ankündigung eines «hochkarätigen Podiums» beim Publikum angekommen ist. Ich durfte den lebendigen Austausch mitgestalten. Eingeladen hat der Swiss Travel Writers & Tourism Journalists Club – oder einfacher STW.

Der Reisebund bleibt in der SonntagsZeitung
Christoph Ammann, langjähriger Leiter der Reiseredaktion der SoZ und sehr erfahrener Reisejournalist, ist erleichtert: Letzte Woche hat er von der Verlagsleitung die Mitteilung erhalten, dass der Reisebund erhalten bleibt, trotz Bundreduktion von neun auf acht. Als Leiter des Zeitschriftenbereichs bei Ringier sieht auch Urs Heller eine weiterhin bestehende Nachfrage nach Reise-Seiten: «Journalistische Produkte haben dort Erfolg, wo sie ein Lesebedürfnis und gleichzeitig ein Werbebedürfnis treffen. Wer nur auf eine der beiden Seiten setzt, muss floppen.»

Weniger Inserate, mehr Publireportagen
Hochkarätig wird man, so fiel mir ein, wohl erst durchs Alter. Und weil wir fünf so erfahrene Profis sind, schwelgte das Podium kurz in der Erinnerung an tolle Zeiten. Als sich die grossen Reiseanbieter um die Inserate rissen, die Budgets gross waren und noch kein Geld ins Web floss. Heute werden Reise-Seiten immer rarer, die Honorare für freie Autoren immer tiefer.

Um doch noch Werbe-Etats anzuziehen, setzen Verlage verstärkt auf Publireportagen. Und um ihre Zielgruppen in der Flut von Inhalten und Inseraten doch noch zu erreichen, schalten Auftraggeber lieber Publireportagen als Inserate. Diesen Sonntag erscheint in der SonntagsZeitung eine Reise-Beilage mit lauter gekauften Beiträgen. Christoph Ammann sollte dazu ein Editorial schreiben, man hat dann aber darauf verzichtet – er sieht diese Beilage als klar abgegrenztes, kommerzielles Projekt. Und weiss nicht einmal, welche Artikel dort erscheinen werden. Dazu dieses Video:

Publireportagen müssen journalistisch sein
Urs Heller bringt im obigen Video-Ausschnitt seine Sicht der Publireportagen auf den Punkt: Sie müssen spannend sein. Und gut geschrieben, von Journalistinnen oder Journalisten. Gemacht werden sie, weil sie Geld bringen.

Ich persönlich lese bezahlte Artikel immer mit einer gewissen Zurückhaltung. Unseren Kunden empfehlen wir sie selten. Interessant finden wir gerade im Reisebereich die Möglichkeit der Publireportagen auf Online-Plattformen. Wo auch immer: Diese Zwitterform von Werbung und Journalismus muss klar gekennzeichnet sein. Damit weiss ich beim Lesen: Dieser Artikel ist nicht so unabhängig, wie es bei einem redaktionellen Beitrag zumindest möglich ist.

Fazit: Wenn Publireportagen, dann mit sehr guten Aufhängern, nie werberisch und bitteschön sogar mit kritischen Fragen. Und natürlich mit perfekter Service-Box, gerade für den Reisebereich ist das entscheidend, samt allen Online-Links.

Die Zukunft: Qualität ist auch eine Frage des Konzepts
Gibt es in zehn Jahren noch reine Reise-Journalist/innen? Ich glaube nein. Ein guter Reisejournalist ist wohl schon heute auch ein wenig ein Foodjournalist, ein Kulturjournalist, eine Lifestyle-Kennerin. Und weil die Printseiten in den nächsten zehn Jahren weiter schwinden, schwindet auch der Platz für die Spezialisierung auf Reisethemen.

Schade, dass der Reiseteil in vielen Zeitungen und erst recht in den Online-Medienauftritten oft konzeptlos daher kommt. Mal gibt es eine Seite, mal keine. Mal ist sie irgendwo hinten versteckt, mal ganz woanders. In den Online-Auftritten schlummert Reisen unter Lifestyle, Magazin oder anderen nicht transparenten Kapitel-Stichworten.

Als Reisender, Leser, PR-Berater wünsche ich mir Reise-Seiten mit Konzept und Kontinuität. Damit ich mich darauf verlassen kann. Angepasst auf die Budgetmöglichkeiten und Zielsetzungen eines Mediums. Aber die Beliebigkeit, mit der hier und dort ein wenig gespart wird, schadet auch den Verlagen selbst.

Reisen bleibt ein Megathema, eine Wachstumsbranche. Mit guten Konzepten sind Leser und auch Werbetreibende zu gewinnen.

Marcel Bernet | 26.08.2009

Journalisten im Internet: Acht Tipps für Online PR

zeichen_schreibmasch1Medienschaffende setzen aufs Internet – und finden Inhalte vorwiegend über Suchmaschinen. Acht schnelle Tipps, wie Sie Ihre Medienmitteilungen auf Google besser positionieren.

Unsere Studie «Journalisten im Internet» zeigt repräsentativ für Schweizer Medienschaffende: Das Internet ist Arbeitsinstrument Nummer eins, vor dem persönlichen Gespräch und den Tageszeitungen. Und Suchmaschinen sind mit E-Mail das wichtigste Online-Arbeitsinstrument, mit 99.8 Prozent der Nennungen für Google – alle Grafiken dazu im Beitrag «Was Google nicht findet, gibts nicht».

Sind Ihre Medieninhalte gelistet?
Damit dürfen Sie als PR-Profi annehmen, dass Google über Ihr Auftauchen im Rahmen von journalistischen Recherchen entscheidet. Sind Ihre Medienmitteilungen sichtbar? Was geschieht, wenn Sie bei Google «Name_meiner_Organisation» eintippen mit «Cash Flow», «Medienmitteilung», «Jahresbericht» oder «Geschäftsleitung»? Schön, wenn die entsprechenden Inhalte auftauchen. Noch besser, wenn die Top-Suchresultate auch direkt in Ihren Mediencorner verweisen.

Fazit: Suchmaschinenoptimierung für den Mediencorner
Google und andere Suchmaschinen priorisieren Inhalte, die aktuell sind, passende Adressen haben, die richtigen Worte enthalten und stark verlinkt sind. Das heisst für Ihre Online-Medienarbeit:

Medienmitteilungen

  1. mit aussagestarken Titeln versehen
  2. im Text die relevanten Schlüsselworte zu verwenden (ohne Tricks)
  3. diese sofort Online schalten, in HTML (verlinkt mit Ihrem E-Mailversand)
  4. ohne Passwort, für alle zugänglich (auch für Suchmaschinen)

Mediencorner so gestalten, dass

  1. Mitteilungen direkt adressiert sind (nicht hinter Flash versteckt)
  2. die Adresse den Titel der Mitteilung enthält (wie bei Blogs)
  3. das Beifügen von Schlagworten möglich ist
  4. Mitteilungen per Klick verlinkt werden können (Blog, Facebook, Twitter)

Soweit das Wichtigste – gibts Ergänzungen?

Weitere Inputs zum Online-Mediencorner und Schlüsse finden Sie hier
Journalisten im Internet: E-Mail im Vormarsch

Journalisten im Internet: Studie präsentiert
Artikelübersicht zu Mediencorner und Online PR

Marcel Bernet | 25.08.2009

Journalisten im Internet: Was Google nicht findet, gibts nicht

zeichen_schreibmasch1Was Medienschaffende auf Google nicht finden, das gelangt kaum in einen Artikel. Das beweisen drei Grafiken zur Internet-Verwendung im journalistischen Alltag.

Im Juli haben wir die Resultate der dritten Bernet_PR/IAM-Studie «Journalisten im Internet» veröffentlicht (PDF-Download Vollversion, Kurzfassung Newsletter). Für uns PR-Profis lohnt es sich, die folgenden Schlüssel-Grafiken mit auf den Weg zu nehmen. Und daraus Schlüsse bezüglich Online-Medienarbeit zu ziehen.

Internet: Von Platz sechs an die Spitze
Wer erinnert sich ans Internet vor sieben Jahren? 2002 zeigte die Frage nach den wichtigsten Hilfsmitteln Internet und E-Mail erst auf Platz sechs und sieben, weit hinter den bislang bekannten Werkzeugen, vor den elektronischen Medien und dem damals noch vorhandenen Zeitungsarchiv:

journ_internet_2002_hilfsmittel(Bernet PR/ZHW Studie 2002 «Journalisten im Internet»)

Der Vormarsch des Internet liess auch im journalistischen Alltag nicht auf sich warten – 2006 hatte es sich bereits an die dritte Stelle vorgekämpft. Und 2009 stehen die Online-Tools an der Spitze der eingesetzten Hilfsmittel, im eng beieinander liegenden Spitzentrio Web / Tageszeitung / Gespräch:

journ_internet_2009_hilfsmittel

Suchmaschinen: Heissgeliebt
Wie oft tippen Sie eine Internet-Adresse ins Adressfeld und suchen dann dort die Inhalte? Und wie oft tippen Sie das Gesuchte gleich ins Suchmaschinen-Feld des Browsers oder einer Startseite? Medienschaffende verhalten sich wie Sie und ich. Deshalb gelten Suchmaschinen als wichtigstes Internet-Angebot, mit E-Mail:

journ_internet_09_angebote

Sie haben es vermutet: 99.8 Prozent der Befragten geben Google.ch als Suchmaschine ihrer Wahl an, 27.3 Prozent der Mehrfachnennungen ergattert Search.ch, weit abgefallen folgen Yahoo mit 8.2, Altavista mit 6.1 und eine Vielzahl von Nennungen mit insgesamt 1.5 Prozent.

Was heisst das für Ihre Online-Medienarbeit? Acht Optimierungstipps bringt der nächste Beitrag.

Weitere Schlüsse und natürlich alle Detailgrafiken finden Sie in der Originalstudie. Oder in diesen Beiträgen:
Journalisten im Internet: E-Mail im Vormarsch
Journalisten im Internet: Studie präsentiert

Marcel Bernet | 08.07.2009

Vodafone PK für alle: Nicht nachhaltig

vodafoneVodafone hat heute mit einer öffentlichen Pressekonferenz eine neue Social-Media-Kampagne gestartet. Und zahlreiche Echos abgeholt – aus meiner Sicht der falsche Weg.

Wie immer in solchen Situationen: Die einen werden sehr zufrieden sein. Mit dem Pseudo-Tabubruch einer öffentlichen Medienkonferenz hat Vodafone zusätzlichen Wirbel ausgelöst. Und zahlreiche Online-Echos, Kommentare, Beurteilungen wie eben auch diese hier. Übrigens bringt Google bei der Suche nach «öffentliche Pressekonferenz» eine ganze Reihe von Beispielen. Ungewohnt ist dieser Schritt für ein Unternehmen.

Damit will man wohl den eher knappen journalistischen Newswert des Anlasses erhöhen. Es ging um die Lancierung der neuen Werbekampagne, die eine ganze Reihe von Social Media-Ansätzen integriert. Eine gute Idee mit interessanten Ansätzen – unter anderem präsentiert auf dem Werbemagazin Horizont oder kritisiert vom Kommunikationsblogger Ralf Schwartz. Die kritischen Kommentare auf Horizont zeigen, dass der neue Auftritt eher Gähnen auslöst.

Gut gemacht an der Kampagnen-Webseite ist die Einbindung der Kommentare mit Facebook: Zwar muss man dort als Benutzer registriert sein. Aber mit dieser Kombination schafft es Vodafone, Kommentare aus dem bestehenden Netzwerk auf beiden Plattformen zu sammeln. Bei mir auf Safari/Mac beginnt der Film nie zu laufen, gut ist die prominente Einblendung der Einbetten-Funktion. Damit möglichst viele Online-Publizisten den Code bei sich einbauen und den Film weiter verbreiten.

vodafone_pkfueralle

Schlecht ist, dass jetzt am Nachmittag die Infos zur Medienkonferenz immer noch nicht aufgeschaltet sind. Das sind die Basics, die man im Griff haben muss: Alle Infos zur PK sofort online verfügbar. Erst dann darf man Zusatzpirouetten drehen.

vodafone_pk_dokunichtlife

Ist das jetzt PR 2.0? Früher wurden die Medien eingeladen, dann kamen führende Blogger dazu, jetzt dürfen alle an die Medienkonferenz? Aus meiner Sicht ein Schwachsinn. Dort, wo wir heute stehen bezüglich Medienarbeit ist das ein Affront gegenüber Journalistinnen und Journalisten. Am besten gefällt mir dazu der Online-Kommentar des Handelszeitungs-Redaktors Thomas Knüwer, bei Klaus Eck entdeckt: «Es ist immerhin schön, dass hier auch Nicht-Journalisten mitbekommen, welche heisse Luft man bei PKs präsentiert bekommt…»

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Nachtrag: Langer, lustiger, angriffiger Blogpost mit der Kampagnen-Kritik von Thomas Knüwer.

Marcel Bernet | 07.07.2009

PR bleibt eine langfristige Aufgabe

20Mit dem Porträt einer PR-Beraterin aus dem Silicon Valley hat die NY Times eine Diskussion ausgelöst. Richtet sich PR nicht mehr an Medien?

Der etwas gar lang ausgefallene Artikel ist eine People-Geschichte über Brooke Hammerling. Mit ihrer PR-Agentur Brew berät sie unter anderem Hi-Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley. Eines der Schlüssel-Argumente: In der neuen Welt des Social Web schreibt man keine Pressemitteilungen an Medien mehr, sondern man lädt ein paar wenige entscheidende Multiplikatoren ein. Die veröffentlichen dann die News auf ihren Blogs, Facebook- oder Twitter-Seiten. Auf dass die klassischen Print-Medien sich dann doch noch melden und schreiben. Der Artikel zeigt dieses Vorgehen unter anderem an der Lancierung der Worte-Sammel-Seite Wordnik, Kunde von Hammerling.

Hatten wir das nicht schon? Multiplikatoren waren schon immer eine wesentliche Ergänzung jeder Kommunikations-Strategie. Eindeutig erhöht hat sich deren Anzahl. Und es wird immer anspruchsvoller, genau die richtigen am richtigen Ort zu erreichen. Dabei spielen nicht nur die A-Blogger eine Rolle, zunehmend wichtig wird das breite Feld möglicher Botschafter in Foren, Sozialen Netzwerken, auf kleineren Blogs oder Webseiten. In diese Richtung argumentiert auch Brian Solis, PR 20-Guru und Buchautor. Er ist anscheinend nicht zufrieden mit dem kurzen Quote, dass ihm die NY Times nach 90 Minuten Interview bietet und antwortet in einem ebenfalls sehr langen Blogpost. Der enthält ein paar interessante Praxis-Hinweise. Ich verdichte die ganze Geschichte auf:

1. PR gelingt nur mit einer langfristigen Orientierung
2. Sie umfasst mehr als Medienarbeit
3. Sie verlangt eine Gesamtsicht und Verbindung aller eingesetzten Elemente

Sehr gefällt mir dieses Bild aus seinem Post: Es verdeutlicht die Vielzahl der anzusprechenden Multiplikatoren, deren unterschiedliche Reichweite und durch die Verbindung mit dem Wasser eben auch die Fluidität des ganzen Systems.

pr20_briansolis

Willkommen in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld für PR- und Medienarbeit. Hilfestellungen bieten folgende bernetblog-Artikel:
PR 2.0: Neue Qualitäten

PR 2.0: Wo sind die Meinungsmacher
Social Media Relations: Was denken Schweizer Profis

Marcel Bernet | 11.06.2009

PR 2.0: Neue Qualitäten

20Wie immer in grossen Umbrüchen geistert wieder mal ein Ende durch den Äther. Diesmal soll Schluss sein mit Konzepten. Und mit PR-Agenturen. Wir sehens anders und bleiben dran.

Wenn sich Dinge grundlegend verändern, dann darf auch das Undenkbare gedacht werden: Dass sie sich nicht nur verändern, sondern ganz von der Bildfläche verschwinden. Für uns als PR-Agentur und Berater/innen ist es wichtig, die Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit kritisch zu pflegen. Auch wenn unser Geschäftsmodell konzeptioneller Beratung und ihrer Zukunft fusst.

PR wird immer wieder totgesagt. Schon Ende 2006 titelten zwei Gastautor/innen im deutschen prblogger «Das Ende der PR-Agenturen». Mit einem Fragezeichen – um ganz am Ende doch noch Chancen zu sehen. Auslöser für den Beitrag war die Kündigung grosser Agentur-Mandate durch die mittlerweile eingestellte Lebensmittelvermarktungsagentur CMA. Ein Auszug: «Konzepte, gerade fertiggestellt, landen aufgrund mangelnder Aktualität direkt im Mülleimer. PR-Agenturen müssen noch näher ran an den Kunden. Sie müssen noch mehr kommunizieren und dürfen sich nicht hinter vermeintlich wichtigen Konzepten verschanzen. Unternehmen brauchen keine maßgefertigten Konzepte für die halbe Ewigkeit. Sie brauchen Berater, die ihnen beibringen, wie sie ehrliche Kommunikation betreiben können, um den rasanten Anforderungen der schnellebigen neuen Medienwelt gerecht zu können. Das braucht Mut, Kraft und Kondition.»

In dieser Aussage liegt für mich der ganze Widerspruch der laufenden Diskussion. Je schneller, sozialer, mitwirkender das Web wird, umso stärker wird das Ende der PR-Berater und der PR-Konzepte reklamiert. Da steckt eine Prise Wahrheit dahinter. Und trotzdem: Gerade jetzt sind klare Konzepte gefordert. Wir brauchen ganz einfach neue Qualitäten für die PR-Beratung durch Agenturen oder interne Fachstellen.

Hier mein Versuch einer konzisen, knappen Gegenüberstellung. Ich freue mich auf Echos und wir bleiben am Thema dran.

pr_beratung_201

Weiterführend:
PR 2.0: Wo sind die neuen Meinungsmacher mit konzeptionellen Anstössen im dritten Teil (Bernet_PR-Modell Idee, Inhalt, Integration)
Konzepttechnik: Anstoss in drei Schritten, aus unserem Newsletter
Getroffen: Stück für Stück oder die ganze Torte Informatiker Hannes Gassert von liip mag keine Konzepte
Auf der Suche nach dem PR-Mitarbeiter 2.0 im Mai 09 auf prblogger
PR is not dead im August 2008 bei Brian Solis

Marcel Bernet | 04.06.2009

PR 2.0: Wo sind die Meinungsmacher?

Laptop MegaphoneHeute nachmittag halte ich einen Vortag am Praxisworkshop des BR/SPRG. Die Kernfrage: Wie richtet sich PR auf die neuen Online-Realitäten aus?

Natürlich habe auch ich nicht die definitive Antwort auf diese Frage.  Aber in den 15 Minuten Impulsreferat samt anschliessendem Workshop lote ich aus, wie sich die Realität für PR-Schaffende heute präsentiert. Und zeige mit konkreten Beispielen, wohin die Richtung geht. Hier das PDF des Handouts und ein Video des Vortrags.

Die Kernaussagen:

Wir stehen mitten in einem grossen Umbruch – wer jetzt schon weiss, wohin es geht, der lügt. Wie vor 600 Jahren, gleich nach der Einführung der Gutenbergschen-Drucktechnik. Im Rückblick wissen wir, was geschah. Aber was der Sturz des kirchlichen Druckmonopols alles mit sich brachte war im Geschehen selbst nicht voraussehbar.

Vor uns steht ein wachsendes, sich schnell wandelndes Web-Umfeld – mit immer wieder neuen Kanälen, die es in einem PR-Dialog zu lesen, auszuloten und zu beliefern gilt. Von Wikis über Blogs bis zu Sozialen Netzwerken. Und dabei führt der Weg immer mehr auch an den klassischen Medien vorbei. Denn die neuen Meinungsmacher sind dort, wo sie unsere Zielgruppen suchen und finden. Duch die Mittlerfunktion wird Google sozusagen zum entscheidenden Meinungsmacher.

Interessante Beispiele neuer Meinungsmacher bieten Mini-Microsoft (ein anonymer Microsoft-Mitarbeiter wird durch sein vielbeachtetes Blog zum Multiplikator nach aussen), Stop-Starbucks (der US-Dokumentarfilmer und Aktivist Robert Greenwald zeigt, wie man Web 2.0-Kampagnen fährt, genial orchestriert von einer zentralen Website aus mit Einbettung in Facebook, Twitter, Mail, Youtube, Flickr, MySpace) und Teleblocher (wie ein Schweizer Politstar sich direkt an seine Fans und Gegner wendet, mit 20 bis 80000 Downloads seiner wöchentlichen Interviews).

Entscheidend für die Zukunft ist die Verbindung von Intention, Inhalt und Integration. Intention steht für die Verbindung von Vision, Kernbotschaften und konkreten Taten. Noch so interaktive Kampagnen laufen auf Grund, wenn dieser Kern nicht stimmt. Inhalte werden schneller, vernetzter und dialogischer. Und verlangen nach dem sehr anspruchsvollen Akt der Integration, in Anbetracht der vielen zu bedienenden Kanäle und Empfänger eine Meisterleistung.

A propos Meisterleistung: Das mit dem Video war eine grössere Übung: Keynote bietet die super Möglichkeit, eine Präsentation aufzuzeichnen. Wichtiger Tipp für den Export: Unbedingt für «CD-ROM mittel» auswählen, anstatt «Webfilm klein». Ich hatte zuerst die zweite Option gewählt, mit lausiger Qualität und nur gerade 10 Megabyte weniger Umfang. Die zweite Überraschung präsentierte mir Youtube, nach langem Upload: Video abgelehnt. Länger als zehn Minuten liegt nicht drin. Also weiter auf iMovie, 30 Sekunden rausgeschnitten und dann rauf auf Youtube (-:

Marcel Bernet | 02.06.2009

Tagi-Extrablatt: Strassenaktion im Rückblick

daniel_suter_tagi_perskommVor einer Woche gingen Tagi-Mitarbeitende auf die Strasse. In der Zwischenzeit sind die Kündigungen ausgesprochen. Ein kurzes Interview mit Daniel Suter, der vor einer Woche Flugblätter verteilt hat und inzwischen zu den Entlassenen zählt. Weitere Aktionen sind zu erwarten.

An jenem Dienstagmorgen nehme ich am Bahnhof Stadelhofen das beidseitig bedruckte A4-Blatt entgegen, erwarte einen Sonderdruck zu einem Grossereignis. Und sehe schnell: Es handelt sich um eine gut gemachte Strassenaktion der Tages-Anzeiger-Personalkommission. Deren Präsident Daniel Suter trägt ein Tagi-T-Shirt samt Tagi-Mütze und ist einverstanden, wenn ich ihn fotografiere. Ich haste weiter auf den Zug und er ist in den folgenden Tagen kaum erreichbar. So findet denn unser Kurzinterview erst heute morgen telefonisch statt. In der Zwischenzeit ist Daniel Suter entlassen worden, zusammen mit 50 Kolleginnen und Kollegen, siehe dazu auch Zürcher Presseverein mit einer Meldung vom Donnerstag.

daniel_suter_tagi_perskomm

Daniel Suter, wie fühlen Sie sich? «Den Umständen entsprechend, danke. Gerade habe ich sehr viel zu tun als Präsident der Personalkommission. Ich war bei allen Gesprächen als Vertreter der Arbeitnehmerseite dabei, jetzt stehen die Verhandlungen über den Sozialplan an.»

Hat die Strassen-Flugblatt-Aktion etwas gebracht? «Das direkte Echo war sehr gut – wir haben 10′000 Flugblätter (Flugblatt-PDF) unter die Leute gebracht, mit 15 Kolporteurinnen und Kolporteuren. Viele haben gesagt, so kann man das nicht machen: 52 Personen in der Redaktion und 7 Personen in der Druckerei entlassen bei den ersten roten Zahlen nach 116 Jahren.»

Sind Sie verwarnt worden, weil Sie mit Tagi-Logo ein Tagi-Extrablatt verteilt haben? «Nein nein. Ich bin nicht zitiert worden, es gab keine Verwarnung, ich habe ja nichts Illegales gemacht. Wenn die entlassenen Mitarbeitenden der UBS sich auf der Strasse engagiert hätten, dann würden sie das doch auch mit UBS-Logos tun. Ich bin mir wegen meines Engagements auch nicht besonders mutig vorgekommen – für mich ist diese Art der kritischen Auseinandersetzung eine Frage der Ethik, der Fairness.»

Sind Sie wegen Ihres Engagements auf der Entlassungsliste? «Ich würde sagen, das war nicht der Auslöser, aber bestimmt auch kein Hinderungsgrund.»

Planen Sie weitere Aktionen? «Jetzt empfehlen wir zuerst allen Betroffenen, ihre Kündigung anzufechten. Denn es fehlen individualisierte Angaben von Kündigungsgründen. Auch bin ich enttäuscht darüber, dass die Unternehmensleitung ihre Ankündigung von frühzeitigen Pensionierungen nicht eingehalten hat. Ich werde im August 60, auch mir wurde einfach gekündigt. Jetzt geht es um die Verhandlung des Sozialplans. Falls der unfair ausfällt, müssen wir wieder etwas machen. Auch bei der gemeinsamen Demonstration vom letzten Dienstag (tagi.ch) hat sich klar gezeigt: Es gibt eine starke Solidarität unter allen TA-Mitarbeitenden und wir werden bestimmt nochmals gemeinsam auftreten.»

Wer sich einsetzt, setzt sich aus. Hätte ich selbst den Mut gehabt, mich in dieser Situation als Angestellter auszusetzen? Vielleicht bin ich selbständig, damit mich nur Kunden entlassen können. Die Aktion und das Flugblatt sind sympathisch gemacht, sinnvoll wäre aus meiner Sicht eine online-Flankierung. Noch ist auf Facebook nichts sichtbar. Ich drücke dem gehenden und dem bleibenden Teil des Tagi-Teams die Daumen für hoffentlich bessere Zeiten.

Marcel Bernet | 14.05.2009

Dialog 2.0: Was Barack macht, könnte Pascal auch?

healthreform_logoBeim täglichen Scannen der Morgenmails flutscht mir eine von President Barack Obama auf den Schirm. Erste Reaktion: Achtung Spam oder Phishing. Zweite Erkenntnis: Wann öffnet sich Pascal Couchepin für einen breiten Dialog rund ums Gesundheitswesen?

Unser System ist noch ein wenig gesünder als das amerikanische, wir stehen aber auch vor grossen Problemen. Sind Schweizerinnen und Schweizer bereit für einen breiten, öffentlich geführten Verbesserungsdialog? Oder überlassen wir das lieber den Experten?

Ich bin überzeugt davon, dass wir immer mehr in die Richtung eines Online geführten Interessensaustausches gehen werden. Aber der funktioniert nur, wenn die Absender es wirklich ernst meinen mit Dialog: das heisst Zuhören, Antworten, in der Umsetzung auch wirklich erhaltene Anstösse aufnehmen. Meint Barack es ernst? Mir zumindest erscheinen die E-Mail und die damit verknüpfte Online-Plattform glaubwürdig. Hier einige Bilder aus der sehr aufwändig und vorbildlich gemachten Dialog-Initiative.

E-Mail für Abonnenten
Die Mail ist als Brief gelayoutet, kommt als HTML an. Schon im ersten Satz wird mir klar, wieso ich auf diesem Verteiler bin – ich wusste gar nicht mehr, dass ich mich auf der Regierungsseite registiert hatte. Auch vorbildlich: im ersten Abschnitt wird in wenigen Worten gesagt, was die Mail soll. (Alle Bilder lassen sich durch Anklicken vergrössern.)

mail_obama_healthcare

Webpage mit viel Inhalt und Dialog
Erst ganz am Ende der Mail steht der Link zur neuen Plattform healthreform.gov – wo mich gleich eine ganze Menge von Inhalten erwarten. Für mich ist das ganze ein wenig überladen, ich bin ja aber auch nur interessierter Zaungast, nicht direkt betroffen. Die Grafik entspricht dem bei Obama etablierten, klaren Auftritt.

healthreform_gov_home

Stark gepusht wird die Möglichkeit, sich ganz schnell als Supporter/in der präsidialen Initiative einzutragen. Hier will der Absender Druck aufbauen, den er in der politischen Arbeit für seine Anliegen einsetzen kann. Etwas weiter suchen muss man, bis man seine eigenen Ideen eingeben kann. Diese Dialogbox folgt erst nach einem Scrollen, unten links am Schirm. Ganz klar: Das Senden von Botschaften in multimedialer Form steht an erster Stelle.

Vertrauen entsteht durch Taten
Entscheidend für die ganze Kampagne wird erstens sein, wie stark diese Plattform weiterhin gepflegt wird. Werden Fragen beantwortet? Entsteht schon hier ein wirklich offener Zweiweg-Dialog? Und schliesslich wird es die Nachhaltigkeit sein, mit welcher neue Schritte zur Reform des Gesundheitswesens umgesetzt werden. Sind einige davon aus dem eingeladenen Publikum gewachsen? Und bringen sie auch wirklich Verbesserungen?

Womit wir bei der Durchtrennung des gordischen Knotens landen. Fürs Schweizer Gesundheitswesen versuchts Pascal Couchepin. Vielleicht wäre es eben doch nachhaltiger, er würde Ideen in die Publikumsdiskussion senden. Die Medien tuns sowieso für ihn.

Dominik Allemann | 20.03.2009

Medienarbeit: Argus lanciert neue Mediendatenbank

argus.pngDie Mediendatenbank «MediaContact» macht einen guten Eindruck. Sie wurde diese Woche vom marktführenden Schweizer Medienbeobachter Argus neu lanciert.

Wir selber arbeiten seit vielen Jahren mit unserer eigenen Mediendatenbank. Und pflegen sie mit viel Aufwand, Sorgfalt und Engagement (Danke Regula!). Auf FileMaker-Basis verwalten wir Adressen, führen Kontakt-Historien mit Notizen, versenden personifizierte Gruppen-E-Mails, steuern direkt das Telefon an und Vieles mehr. Was bleibt, ist das Sichten und Mutieren von neuen oder ändernden Medien-Adressen.

Das neue Argus-Produkt «MediaContact» kann dabei unterstützen:

Mediendatenbank, Verteilerlisten, Selektion
Mehr als 2200 Adressen von Schweizer Medien und über 4400 Kontakte aus Redaktionen und von Medienschaffenden sind enthalten. Für die Erarbeitung eigener Verteilerlisten stehen verschiedene Suchfunktionen und -Kriterien zur Verfügung. Der Test überzeugt: Sogar mein Lieblings-Fussballheft «Zwölf» wird gefunden – alles sehr intuitiv und stabil in der Handhabung. Die Listen lassen sich als Excel-Datei exportieren. 

Individuelle Kontaktdaten
Die Adressen können mit eigenen Notizen, Handy-Nummern, Privatadressen oder Notizen ergänzt werden. Hier sind wir mit der eigenen Datenbank besser bedient. Mit verschiedenen Kontaktnotizen (Telefongespräch, Treffen, Einladung, E-Mail, …) können wir deutlicher und übersichtlicher über die Kontakte Buch führen. 

E-Mail-Versand
Mit dem Zusatzmodul «Kontaktmanager» lassen sich direkt aus der Plattform E-Mails versenden. Mit Anhängen (wenn gewünscht), Logos, Bildern etc.

Fazit: Vor vielen Jahren gründete auch unsere Datenbank auf einem von Argus gekauften Medien-Adressstamm. Bis heute haben wir sehr viel Zeit in die Weiterentwicklung und Pflege gesteckt. Sicher werden wir das Tool ausprobieren zur Erleichterung bei der Recherche und beim Aufspüren von neuen oder geänderten Kontakten. Diese pflegen wir aber in unser eigenes System ein und führen sie dort weiter.

Für den Neuaufbau einer Datenbank und den sofortigen Gebrauch ist das Produkt aber zweifellos wertvoll und ausgereift. Empfehlenswert.

Marcel Bernet | 28.01.2009

Kein Bonus, kein Jet: Staatshilfe wirkt lähmend

endoftunnelkleinGestern hat die Citigroup die Bestellung eines Firmenjets rückgängig gemacht. Der Druck aus Politik und Medien wurde zu gross. Macht die UBS ihre Bonuszahlungen rückgängig? Wie frei sind teil-verstaatlichte Unternehmen in ihrem Handeln und in ihrer Kommunikation?

Die UBS-Bonusabsichten werden uns noch eine ganze Weile auf den Titelseiten beschäftigen, siehe auch unseren gestrigen Beitrag. Die Emotionen branden hoch, wenn ein ganzes Volk sich als Mit-Träger eines Unternehmens sieht. Da gibt es plötzlich Dinge, die man als Unternehmer nicht mehr tun darf. Der Stammtisch entscheidet, was drin liegt. Darauf hat sich das Handeln und die Kommunikation der Unternehmen auszurichten, die staatliche Hilfe annehmen.

Und der Stammtisch entscheidet emotional. Die Meinungen sind schnell gemacht. Gerade, wenn die eigene Stelle gefährdet, der eigene Lohn viel tiefer ist, man keinen 13. bekommt. Medien und Politiker spielen mit diesen Emotionen, differenzierte Sichtweise und Fakten verlieren an Bedeutung.

Barack Obamas Team habe sich profiliert mit einem Anruf bei der Citibank, wie die ABC News gestern Dienstag meldeten. Man hätte verlangt, dass die Citigroup ihre Bestellung eines 50 Millionen US Dollar Jets storniere. Vor dem Hintergrund von 45 Milliarden US Dollar Staatshilfe sei das nicht opportun. Am Montag hatte die New York Post den Luxusjet genüsslich beschrieben, der erst noch in Frankreich bestellt worden war. Überraschend: Der erste von 186 Kommentaren warnt vor einer schnellen Verurteilung – der Mann arbeitet für eine US-Firma, welche die Inneneinrichtungen dieser Flugzeute herstellt. Und sein Arbeitsplatz sei durch die Annulation vieler Bestellungen gefährdet.

Die New York Times stellt keine Verbindung zu Obamas Team her. Sie berichtet weniger aufgeregt und zitiert zwei Senatoren, die Einspruch gegen die Flugzeugbeschaffung erhoben haben. Ein schönes Beispiel dafür, wie stark sich die Politik in diesem Spiel profiliert. Die Citigroup hatte den Jet 2005 bestellt um «die Flotte zu reduzieren und wirtschaftlichere Flugzeuge einzusetzen». Und sie warnte in ersten Stellungnahmen vor den Millionen, die sie bei einer Annullation der Bestellung bezahlen müsste. Doch dann wurde der Druck zu gross, die Citigroup verzichtet auf die Beschaffung.

Fazit: Wer staatliche Hilfe beansprucht, hat nicht nur den Staat selbst, sondern alle Steuerzahler und die ganze Politik als Stakeholder. Die unternehmerische Freiheit ist in vielen Bereichen faktisch auf Null reduziert. Man sitzt im Glashaus und kann eigentlich nur noch alles falsch machen.

Dominik Allemann | 22.02.2008

Timing Medienmitteilungen: Best Practice

mail.jpgWann ist der beste Zeitpunkt für den (elektronischen) Versand von Medienmitteilungen? Wie handhaben das Schweizer PR-Profis in Kommunikations-Abteilungen und PR-Agenturen? Welches Timing bringt die beste Abdeckung? Was sind Rahmenbedingungen, die das Timing beeinflussen?

Meine kleine Umfrage unter Berufskolleg/innen bietet eine Übersicht:

Krankenkasse:
«Bei uns gehen Mitteilungen üblicherweise um 10h raus – dann, wenn auch eine PK zu Ende gehen würde. So haben die Redaktionen Zeit zu recherchieren, Interviews zu machen, Kritik zu formulieren. Zu berücksichtigen: die schnelleren Online-Medien. Aber: gerade bei Wirtschaftsmeldungen spiel «Online» eine entscheidende Rolle und hat höchstes Vertrauen bei den Zielgruppen.»

PR-Agentur, Schwergewicht MarKom:
«Ich gehe morgens zwischen 7 und 10 Uhr raus, damit die Mittags- und Abendausgaben reagieren können (sowohl print wie auch Radio und TV für Mittags- oder Abendausgabe). Ideal sind sicher Montag oder Dienstag wegen den Redaktions-Sitzungen. Der Freitag fällt weg.»

Kleineres Unternehmen des öffentlichen Verkehrs:
«Wir öV-Priviligierten müssen uns keine Sorgen machen – die Medien übernehmen unsere Mitteilungen. Um 6Uhr versenden, finde ich nur dann gut, wenn die Erreichbarkeit gewähleistet ist. Aber: Aus Rücksicht auf die Medienschaffenden versuche ich immer so früh wie möglich zu schicken. Jahreszeitlich habe ich einen Trick: In den Sommerferien oder in der Altjahrswoche werden auch mal Themen aufgenommen, die sonst keinen Platz finden.

Bundesamt:

«Unser Bundesamt publiziert um 10Uhr und um 14Uhr. Bei Bundesratssitzungen warten wir bis Sitzungsschluss oder bis das Traktandum besprochen wurde. Interviews werdeb keine gegeben, bis die Pressekonferenz des Bundesrates vorbei ist. Bei ausserordentlichen Medienmitteilungen (Bsp. öffentliche Warnung), stellen wir die Verfügbarkeit von Fachexperten und Mediensprecher sicher.»

Regionalbank:
«Je früher der Versand am Vormittag, desto rascher und umfangreicher sind wir in den Medien. Bei unserer Regionalbank mit vielen regionalen und lokalen Medien spielt die Versandzeit weniger eine Rolle.

PR Agentur, Schwerpunkt Public Affairs:
Ein Aussand im frühen Morgen lohnt sich. Bei ad hoc Publizität ist das eh Pflicht. Schlussendlich sende ich Communiqués so, wie ich sie platziert will. Morgens, Mittags, Abends in den elektronischen Medien und wenns was Spannendes ist, kommts am nächsten Tag auch noch im Print.

Fazit:
Frühzeitiger Versand lohnt sich sehr. Die Erfahrung zeigt: Versand um 0600h, um 06.55h ist der Text (mit schlaufe via Presse-Agentur) bereits in den Online-Medien. Wichtige Voraussetzung: Die Ansprechpersonen sind telefonisch erreichbar. Text- und Bildmaterial stehen im Online-Mediencorner zur Verfügung.

Weitere Erfahrungen?

Dominik Allemann | 20.09.2007

Medienarbeit: Nimmt Coop LOHAS ernst?

coop-naturaplan.gifGut, wenn sich Marketingleute Gedanken über neue Tendenzen, Trends machen. Schlecht, wenn die damit verknüpften Ideen, Werte, Qualitäten dabei vergessen und verloren gehen. Schade, wenn aus dieser Nullnummer auch noch ein Communiqué entsteht.

Mir scheint, Coop schlägt einen wahnsinnig hohen Takt an, was Neu-Lancierungen, Sortimentsverbreiterung, Kooperationen angeht. Darin steckt die Gefahr der Lieblosigkeit. So entdeckt in der Medienmitteilung zum neuesten Streich, dem Angriff auf die LOHAS:

«…LOHAS steht für «Lifestyle of Health and Sustainability» und markiert einen neuen Lebensstil- bzw. Konsumententyp, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert. Nachhaltiges Leben ohne Verzicht auf Genuss oder gar Luxus ist im Trend. LOHAS verbinden egoistische Motive (Gesundheit, Genuss) mit altruistischen Motiven (Gerechtigkeit): Sie wollen sich selbst verwöhnen und gleichzeitig die Welt retten…»

Dabei besonders zu beachten: «… und gleichzeitig die Welt retten.» Das grenzt schon stark an Zynismus. Da fühl ich mich als LOHAS gar nicht ernst genommen. Beachtenswert auch die gewaltige Sortimentsbreite von 9 (neun!) Produkten, die Coop den LOHAS anbietet: 3 probiotische Fruchtdrinks (in Bioqualität eine Weltneuheit, gemäss Communiqué), 4 Smoothies (Fruchtgetränk) und vervollständigt (nochmals lesen: ja hm – vervollständigt) wird das Angebot von 2 Lachs- bzw. Roastbeef-Bagels, extrem nachhaltig verpackt in Karton. Jawoll! Lasst uns die Welt retten!

Das Beispiel zeigt: hier will man sich zwar ein potentes Kundensegment erschliessen, tut dies aber ohne Tiefgang und Überzeugung, sondern unter Zeitdruck und ohne «Fleisch am Knochen». Wahrscheinlich war hier der Einfluss der PR-Abteilung auf Zeitpunkt und Inhalt gering. Als Coop-PR-Mensch würd ich hier gerne beratend intervenieren: «Halt – lasst uns damit noch warten. Weder Medienschaffende noch KonsumentInnen haben Zeit und Interesse an Info-Leergut. Wir bringen es dann, wenn es fertig und wertig ist.» Und ich wünsche mir, dass mir die interne Qualitäts-Sicherung bei soviel Info-Luft auf die Füsse stehen würde.

PS:
LOHAS finde ich eine schwierige Bezeichnung. Wie lautet die Mehrzahl on LOHAS? Lohasen? Wenn schon, dann gefallen mir die LOVOS (Lifestyles Of Voluntary Simplicity) fast noch besser.

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