Marcel Bernet | 16.03.2010

News sind sozial

zeitungsleser In den USA werden Nachrichten immer stärker Online und mobil abgerufen. Soziale Netzwerke werden für News-Anbieter so wichtig wie Suchmaschinen – Plattformen wie Facebook werden zum Bazar für News.

Anfang März publizierte das Pew Research Center die lesenswerte Studie «The New News Landscape». Sie zeigt, dass bereits ein Drittel der US-Amerikaner/innen News übers Mobiltelefon lesen. Das Internet ist nach dem Fernsehen die zweitwichtigste Quelle für Nachrichten, die Mehrheit der Befragten nutzt täglich bis zu sechs verschiedene Newszugänge, siehe «Newskonsum: Internet rückt vor» mit einem Vergleich USA/Schweiz. Interessant sind die sozialen Aspekte im Umgang mit Nachrichten:

Soziale Netzwerke auf News-Empfang
Wie werden News empfangen? Ganze drei Viertel der Online-News-Lesenden geben an, dass sie Neuigkeiten via E-Mail und / oder Einträgen auf Sozialen Netzwerken erhalten. Der Austausch via E-Mail und Netzwerke kombiniert ist also sehr gross. Dabei geht es den Empfängern wie uns allen: 38 Prozent lesen alle erhaltenen Sendungen, 37 Prozent einen Teilen, 23 Prozent haben selten die Zeit dazu.

Noch spannender wird diese Zahl: 23 Prozent der Benutzer von Sozialen Netzwerken, die News Online lesen, verfolgen Journalisten oder Medien auf Plattformen wie Facebook.

Die grosse soziale News-Verteilmaschine
Was tun die Empfänger mit Neuigkeiten? Die Hälfte der Internet-Newskonsumenten gibt Inhalte via E-Mail weiter, ein Viertel kommentiert. An dritter Stelle folgen wiederum die Sozialen Netzwerke: 17 Prozent geben an, einen Link zu einer Nachricht erfasst zu haben, ergänzt mit ihren Gedanken. 11 Prozent setzen Tags oder Schlagworte zu Einträgen, kategorisieren sie in ihren Linksammlungen. Nur 9 Prozent schreiben selbst Beiträge, posten eigene Videos oder Bilder. Twitter als kürzeste Form des Weiterleitens von Links und News erreicht 3 Prozent.

was machen internet user mit news

Soziale Netzwerke so wichtig wie Suchmaschinen
Im Vordergrund des Mitmachweb stehen das schnelle Weiterverbreiten und Kommentieren. Soziale Plattformen wie Facebook werden in zunehmenden Masse zum persönlichen Nachrichtenbazar. Hier verbringen Web-Nutzer sowieso viel Zeit, sie lesen also auch noch gleich ihre Lieblingszeitung und die News-Tipps von Freunden. Sie beteiligen sich am Kommentargespräch, geben ihre Sicht der Dinge am liebsten über Links an andere weiter.

News waren schon immer sozial, Märkte schon immer Gespräche. Jetzt werden sie zunehmend Online geführt. Und weil die Teilnehmenden nicht überall präsent sein können, verweilen sie lieber ein wenig länger zwischen E-Mail und Facebook.

Soziale Netzwerke erhalten für den Empfang und die Weiterverbreitung von News eine ähnlich hohe Bedeutung wie Suchmaschinen.

Sabine Betschart | 10.03.2010

Verweildauer in Sozialen Netzwerken steigt massiv

spinnennetz_soziale_netzwerkeDie monatliche Verweildauer in Sozialen Netzwerken ist sehr hoch.  Die Zahlen sind 2009 weiter angestiegen – Facebook ist die beliebteste soziale Plattform.

The Nielsen Company, führend in Markt- und Marketingforschung in den USA, veröffentlicht Zahlen zur Nutzung von Sozialen Netzwerken. Erfasst wurden dabei Daten zu Facebook, Myspace, LinkedIn, Classmates, Twitter, Blogs, Online Games und Instant Messaging in den USA, England, Australien, Brasilien, Japan, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und der Schweiz.

Monatliche Verweildauer um 82 Prozent gestiegen
Nutzer verweilten 2008 durchschnittlich drei Stunden monatlich auf sozialen Netzwerken. Diese Zahl ist im Dezember 2009 massiv angestiegen auf mehr als fünf Stunden im Monat.

Facebook globale Nummer eins
Die längste Besuchszeit verzeichneten die Sozialen Plattformen und Blogs. Gefolgt von Online Games und Instant Messaging. Dabei liegt Facebook klar auf dem ersten Platz – 67 Prozent aller Nutzer von Sozialen Plattformen besuchten Facebook. Im Dezember 2009 zählte Facebook weltweit 206,9 Millionen Nutzer – das entspricht ungefährt der Einwohnerzahl Brasiliens.

Australier nutzen Soziale Netzwerke am häufigsten
Für die nachstehende Auflistung wurden Anzahl Nutzende und Verweildauer in den Ländern erfasst, bezogen auf Soziale Netzwerke und Blogs. Die USA weist die meisten Nutzende aus:  142 Millionen (fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung). Die Schweiz zählt am wenigsten Aktive: 2,5 Millionen. Am meisten Zeit damit verbringen die Australier, am wenigsten die Japaner. Mehr zu den Schweizer Facebook-Usern und Verweildauer im Beitrag Facebook User Schweiz vom 21.1.2010 .

Unique Visitors und Verweildauer Social Media

Seichte Unterhaltung oder Teilen von interessanten Inhalten?
Mich erstaunt die niedrige Zeitinvestition der Japaner – diese gelten als «immer mobil». Die durchschnittliche Verweildauer von fünfeinhalb Stunden im Monat erscheint mir hoch. Auf einen Tag ausgerechnet sind das elf Minuten Zeitinvestition in Soziale Netzwerke (inklusive Wochenende). Spannend wäre herauszufinden, was Nutzende suchen, entdecken und teilen. Werden die elf Minuten täglich investiert in Voyeurismus oder ins Weiterverbreiten und Teilen von intellektuellen Inhalten?

Vollständiger Artikel auf nielsenwire: Led by Facebook, Twitter, Global Time Spent on Social Media Sites up 82% Year over Year.

Marcel Bernet | 22.02.2010

BBC sagt: Social Media muss sein

@zeichen_schreibmaschDer neue Chef von BBC World Services nimmt kein Blatt vor den Mund: Social Media muss sein. Twitter, Facebook und Blogs verändern Recherche, Publikation und Geschwindigkeit.

In einem Blog-Interview des Guardians verdeutlicht Peter Horrock als neuer Chef der globalen BBC News seine Haltung zum Einsatz von Social Media im Journalismus. Dabei sieht er Blogs, Twitter oder Facebook nicht nur in der Recherche, sondern auch im internen und externen Dialog als unausweichliche Werkzeuge. Dass sie für die Informationsbeschaffung bereits stark verbreitet sind, zeigt eine neue Studie aus den USA.

Wer Social Media nicht einsetzt, kann gehen
Der frühere Chef des Multimedia Newsrooms Peter Horrocks hat die Leitung von BBC World Services Anfang Februar übernommen. Zu seinem Antritt hat er in der internen Hauszeitung klar gemacht, dass Social Media eine wichtige Quelle sind für Recherchen, für die gemeinsame Erarbeitung von Geschichten und deren Verbreitung nach aussen. Der Guardian-Artikel zitiert: «Das ist nicht einfach die Laune eines Technogie-Freaks. Ich befürchte, dass wir unsere Arbeit nicht machen, wenn wir diese Dinge nicht beherrschen. Das ist keine Ermessensfrage. Wer es nicht mag oder wer denkt, dass diese Veränderung oder diese neue Arbeitsweise für ihn zu gross sei, der soll gehen und etwas anderes tun – weil es einfach passieren wird. Niemand kann es aufhalten.»

Recherche, Verbreitung und Dialog
Technologie ändere den Journalismus. Deshalb seien Twitter und RSS-Reader essentielle Werkzeuge für die News-Recherche. BBC-Redaktorinnen und Redaktoren sollen darüber hinaus Twitter und andere Möglichkeiten einsetzen zur Verbreitung ihrer Inhalte samt Links zu den Originalberichten. Und schliesslich sei ein journalistisches Social Media Engagement wesentlich für den direkten Austausch mit Leserinnen und Lesern.

Immer schneller, immer oberflächlicher?
Wir Medienkonsumenten erleben wie die Medienschaffenden eine spannende Veränderung: News werden weltweit immer schneller erfasst und immer schneller publiziert. Im Wettrennen um das erste Bild oder die erste Schlagzeile entscheiden heute Sekunden. Früher konnte man in Sondersituationen ein Extrablatt schreiben und drucken, das erste Foto der Notlandung auf dem Hudson-River gelangte vom Mobiltelefon über Twitter innert Sekunden an die Öffentlichkeit.

Der Kampf um das erste Bild, die erste Schlagzeile ist unerbittlich. Wir stehen in eine steigenden Flut von Sofortnachrichten. 2oMinuten bringt mir eine Eilmeldung aufs iPhone? Wieso kann ich die Geschichte noch nicht auf NZZ Online nachlesen? Ich glaube, dass Peter Horrock recht hat: Wer im Nachrichtengeschäft tätig ist, muss beides schaffen: Sehr schnell raus mit Inhalten und so schnell wie möglich die Hintergründe dazu liefern. Dabei helfen Social Media. Und sie können eine wichtige Rolle spielen beim Vermitteln der Inhalte ans Publikum.

Schnell ist immer oberflächlich, das liegt in der Natur der Sache. Ich habe die Eilmeldungen auf meinem iPhone wieder ausgeschaltet. Weil mir der Hintergrund am nächsten Tag wichtiger ist als Störung mitten im Tagesablauf. Die Meldungen, von denen ich mich stören lasse, bleiben in E-Mail und RSS abonniert.

Dieser Beitrag erschien am 25. März auf Marcel Bernets «Extrablog» der NZZ.

bernetblog-Artikel zur Social Media-Nutzung von Schweizer Medien

Marcel Bernet | 16.02.2010

Im Facebook-Sofa versinken? Newsreader mit Tücken

facebook_chFacebook preist sich neu auch als idealer Platz fürs Lesen von News an. Das Einrichten hat noch seine Tücken. Die Botschaft «Macht doch alles bei mir» hat Konsequenzen für Ihren Web-Auftritt.

Eine interessante Entwicklung verstärkt sich auf Facebook: Wer hier einloggt, kann bleiben. Wieso das Facebook-Sofa verlassen und rüber ins Twitter-Café hetzen? Mark Zuckerbergs Empfangsteam sagt: Kurznachrichten gibts doch auch bei uns, einfach sitzen bleiben! Und jetzt rösten wir auch den besten News-Kaffee!

Newsreader einrichten mit Tücken
Wie üblich bei Facebook: Wer neue Möglichkeiten wirklich einsetzen will, muss sich erst durch Manuals wälzen – angeregt durch eine Bloganleitung von Facebook und unterstützt durch Annette Schwindts Tipps hier der Schnell-Leitfaden für einen News-Strom auf Facebook.

Neben «Freunden» können auch «Seiten» in Listen sortiert werden. Zuerst oben rechts auf der eigenen Seite «Konto» anklicken, «Freunde bearbeiten» auswählen:

konto

Bei mir sind schon Listen erstellt. In diese Listen können auch Seiten eingeordnet werden – links auf «Seiten» klicken, bei den erscheinenden Seiten können Sie wählen, zu welcher Liste sie gehören sollen. Dabei können Sie gleich auch neue Listen erstellen. Ich habe mir eine Liste «News» geschaffen. Dort hinein ziehe ich Seiten wie AP, Spiegel Online oder gerngelesene Blogs mit Facebook-Auftritten.

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Wenn ich diese, zu Beginn aufwändige Sortierarbeit durchziehe, erhalte ich auf meiner Facebook-Startseite diese Übersicht der laufend eingehenden News. Samt Möglichkeit des direkten Dialogs mit den Absendern, über Facebook-Notizen. Interessanterweise muss ich für diesen «Newsreader» auf «Freunde» klicken.

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Fazit: Bieten Sie Ihre News hier an
Als Leser ist mir dieser Reader zu wenig schnell. Verlockend daran ist die Integration mit der Kommentarmöglichkeit. Und noch etwas: Auf Facebook muss ich sowieso jeden Tag kurz einloggen, meine Nachrichten checken und die Bernet_PR-Seite betreuen. Also könnte ich doch gleich schnell die News hier überfliegen?

Für Anbieter ist klar: Wenn Sie News irgendwo im Web bieten, dann unbedingt auch auf Facebook anzeigen. Denn das Leserpotenzial ist hoch. Und die Menschen sind bequem, genau wie ich. Die Entwicklung in den USA zeigt diese interessante Grafik in einer Analyse von Hitwise. Facebook bringt heute mehr Links zu Newsquellen und Medien als Google News.

Facebook and Google News to News Websites

Google Search bleibt die Quelle Nummer eins für Links zu Medien, vor Yahoo und msn. In diesem Vergleich liegt Facebook auf Platz vier.

Platz nehmen und sitzen bleiben!
Mein amerikanischer Kollege Steve Rubel hat kürzlich festgestellt, dass Facebook einer seiner am meisten besuchten Seiten ist. Er sieht in der laufenden Integration von News, Kurznachrichten, Chat, Kommentierung, Video, Links eine absehbare Dominanz dieser Plattform. In «Facebook could eat the Web» skizziert er eine Zukunft, in Konsumenten und Anbieter sich nur noch auf dieser Plattform austauschen. Wo also Unternehmen auf eine eigene Website ausserhalb dieses Sozialen Netzwerks ganz verzichten. 1-800-Flowers lässt zum Beispiel Kunden direkt aus Facebook Blumen bestellen.

Ich glaube immer noch an die eigene Website als Zentrum aller Online-Aktivitäten. Wo Facebook mit Twitter, Blogs, Buzz und weiteren Tools als Satelliten wirken, die Traffic rüber bringen auf den eigenen Auftritt. Wo Unternehmen und Organisationen die Kontrolle über ihre Kontakte und Inhalte haben und sich nicht dauernd an neue Programmiervorgaben von Facebook oder plötzliche Änderungen der maximalen Freundeszahl undsoweiter anpassen müssen.

Kann sein, dass ich da völlig falsch liege. Wenn alle im Kaffee Facebook sitzen, muss ich meinen Chai wohl auch dort reinbringen.

Dominik Allemann | 29.01.2010

Facebook: Die Weltwoche über das neue Lagerfeuer

facebook_chFacebook ist in aller Munde und bringt Aufmerksamkeit und Leserzahlen. Die Weltwoche stellt eine Studie vor und sprach mit Marcel Bernet über die Nutzerzahlen.

Die Studie, in Auftrag gegeben von ROD, begleitete 50 Nutzer/innen durch eine einmonatige Facebook-Abstinenz. Die Reaktionen entsprachen von der Akquise der Proband/innen bis zur Auswertung ihrer Erfahrungen dem klassischen Suchtschema: Zuerst die grosse Überwindung oder gar Angst vor dem Ausstieg, gefolgt vom kalten Entzug mit Phantomschmerzen, Gereiztheit und Unverständnis bei der Peer-Group (Mitsüchtige, Community) und schliesslich die Erleichterung bei der Entdeckung von neuen alten (Sucht-) freien Lebensqualitäten.

Viele der Testpersonen – vor allem auch Studierende und Schüler/innen – waren weniger «zerstreut» und konnten sich besser auf die Arbeit oder das Lernen fokussieren. Trotzdem: Ausnahmslos alle fünfzig Teilnehmer kehrten nach den dreissig Tagen zurück ins Social Network – wollen es aber künftig «seltener, bewusster, sinnvoller» einsetzen. Wir werden sehen.

Das Virus Facebook in Zahlen
Der Weltwoche-Artikel wird begleitet von einer Infobox über Netzwerke. Marcel stand der Weltwoche Red und Antwort. Auffällig darin die Grafik mit den Facebook-Nutzerzahlen (Quelle: ROD).

nutzerzahlen schweiz facebook

Bei den 20-jährigen liegt die Abdeckung heute also schon bei nahezu neunzig Prozent. Grosses Potenzial liegt bei den Ü40-ern. Bedenkt man, dass bereits heute vierzig Prozent der Schweizer Facebook-Nutzer/innen über dreissig Jahre alt sind, merkt man: das Netzwerk wird immer erwachsener.

Siehe dazu auch unsere Beiträge über die Facebook-Nutzerzahlen:
Facebook User Schweiz: Zahlen 2009
Facebook – Muss das sein? Schweizer Reichweiten im Vergleich

Marcel Bernet | 21.01.2010

Facebook – muss das sein? Schweizer Reichweiten im Vergleich.

facebook_chFacebook erreicht 1.8 Millionen, das Schweizer Fernsehen 2.5 Millionen.  Was bringt dieser Vergleich und muss man als Organisation Facebook einsetzen?

Der Beitrag «Facebook User Schweiz: Zahlen für 2009» zeigt die Entwicklung von Facebook bezüglich Nutzer, Nutzung, Geschlecht, Sprachen und Alter. In welchem Verhältnis stehen diese Zahlen aus der Sicht von Werbung, Marketing, PR?

Facebook ist relevant
Wer sich überlegt, wo er ein Inserat schaltet, der fragt nach den Auflagen. Wie verhält sich die Zahl der aktiven Nutzer von Facebook zu den Reichweiten ausgewählter Medien? Das Schweizer Fernsehen gibt eine durchschnittliche Tages-Zuschauerzahl von 2.907 Mio an. Bei den Online-Medien fällt die Wahl auf den Tages-Anzeiger, NetMetrix zeigt im Dezember 1.407 Millionen Unique Clients. Als gedruckte Tageszeitung gibt schliesslich die NZZ gemäss Mach Basic 2009-2 315′000 Lesende an.

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Die Tageszeitung bleibt relevant

Hier vergleichen wir oberflächliche Zahlen. Sie messen nicht überall dasselbe – denn Fernseh-Reichweiten basieren auf Hochrechnungen, Unique Clients entsprechen nicht Usern. Hinter den Zahlen stehen weitere wesentliche Punkte: Erstens die Qualität der Interaktion und zweitens die Aufteilung der Gesamt-Reichweite nach soziodemografischen Merkmalen. Die durchschnittliche Verweildauer zum Beispiel liegt auf tagesanzeiger.ch bei 8 Minuten. Diese verbringen Nutzer aber mit einer anderen Intensität und Zielsetzung als die 20 Minuten auf Facebook.

Trotzdem: Organisationen, Unternehmen, Interessengruppen können Facebook nicht abtun als vernachlässigbares Online-Spielzeug. Soziale Netzwerke muss man sich anschauen. Genau so, wie die NZZ. Wen erreiche ich wo und wie?

Muss ich auf Facebook präsent sein? Ja, aber.
Dabei sein muss man heute zum Beobachten und Lernen. Der Schritt zu einer eigenen Seite oder zu Facebook-Inseraten will gut überlegt sein. Er macht Sinn, wenn Sie

  • eine starke, aktuelle, bereits dialogorientierte Website als Ausgangspunkt flankieren wollen
  • Inhalte bieten können, die in den Facebook-Kontext passen (hier wollen sich Benutzer austauschen, überrascht werden, sich involvieren)
  • über die Ressourcen verfügen für Aufbau, stete Aktualisierung und täglichen Dialog

Facebook-Engagements verlangen gute Ideen und ein hohes Engagement. Argumente dafür und dagegen samt Strategie-Beispiel im Beitrag «Was bringt ein Facebook-Auftritt?».

Übersicht aller bernetblog-Facebook-Tipps, samt diesem hier.

Marcel Bernet | 21.01.2010

Facebook User Schweiz: Zahlen für 2009

facebook_ch1.8 Millionen Schweizer sind auf Facebook registriert – je zur Hälfte Frauen und Männer. 40 Prozent davon sind älter als 30 Jahre, den grössten User-Anteil stellen die 20- bis 29-Jährigen. Die Verweildauer liegt bei 25 Minuten. Die Zahlen belegen die hohe Schweizer Reichweite von Facebook – wohin geht die Reise?

Bernet_PR präsentiert diese Auswertung in Zusammenarbeit mit dem Online-Dienstleister Serranetga, der die Daten bei Facebook abruft und aggregiert.

80 Prozent Wachstum, starke Nutzung
Insgesamt konnte die Facebook in der Schweiz erneut um 80 Prozent zulegen – gegenüber einer Vervierfachung der Zahlen im Vorjahr. Remo Prinz, Partner bei Serranetga und verantwortlich für verschiedene Facebook-Kampagnen, erwartet für 2010 ein entschleunigtes Wachstum: «Im letzten Quartal 2009 sahen wir Neu-Anmeldungen von rund 40′000 pro Monat oder 2.5 Prozent. Facebook wächst auf sehr hohem Niveau langsamer. Bei den Jüngeren ist durch die hohe Verbreitung eine Sättigung absehbar. Weiterhin zunehmen dürften Anmeldungen von über Dreissigjährigen.» Weltweit gab Facebook am 1. Dezember 350 Millionen User an. Die von Serranetga/Bernet_PR verwendeten Zahlen beschränken sich auf User, die ihr Konto in den letzten 30 Tagen aktiv genutzt haben.

Facebook gibt eine Schweizer Verweildauer von 25 Minuten an. Zum Vergleich: Die tägliche Mediennutzung für Zeitungen und Zeitschriften lag 2006 in der Schweiz bei 24 Minuten (Time Use Study im Jahresbericht 2006 von mediapulse/SRG). 56 Prozent der Benutzer sind täglich im Sozialen Netzwerk drin, 85 Prozent wöchentlich.

facebook schweiz user entwicklung 2008-09

Ende 2008 lag der Anteil der Frauen bei 53 Prozent, inzwischen haben die Männer aufgeholt: Die Anteile zeigen heute ein sehr ausgeglichenes Verhältnis von 49 Prozent weiblichen zu 51 Prozent männlichen Profilangaben. Die Aufteilung nach Sprachen zeigt 59 Prozent der Nutzung in deutscher Sprache, 22 Prozent französisch, 14 Prozent englisch und 5 Prozent italienisch.

Facebook Schweiz Geschlecht / Sprachen 2009

Jede Altersklasse in ihrer Beziehungswelt
Die weltweit grösste Soziale Plattform wird auch in der Schweiz sehr gemischt genutzt: Legt man die Grenze zwischen Jung und Alt bei 30 Jahren, so liegen 60 Prozent darunter und 40 Prozent darüber. Diese Anteile haben sich im vergangenen Jahr nur unwesentlich verschoben. Diese Durchmischung zeigt mir, dass sich die sehr unterschiedlichen Altersgruppen eigene Beziehungswelten schaffen – und sich trotz der Durchmischung nicht in eigene Nischen zurückziehen. Die hohe Anziehungskraft von Facebook liegt in der Grösse. Hier findet man die meisten Anknüpfungspunkte -  das Betreiben verschiedener Netzwerk-Profile ist zu aufwändig.

Facebook Schweiz Nutzer nach Alter 2009

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Prognose: 2.2 Millionen bis Ende 2010
Wenn Facebook beim Schweizer Plus von 2.5 Prozent des letzten Quartals bleibt, dann ist nicht einmal die 2-Millionen-Grenze zu knacken. Wird 2010 das Jahr der Facebook-Abmeldungen, wie von einer holländischen Künstlergruppe mit der virtuellen Sterbehilfe auf suicidemachine.org propagiert? Ich rechne mit weiteren Neueinsteigern und zunehmender Schweizer Aktivität auf Facebook bei 2.2 Millionen Usern bis Ende 2010. Verbunden mit einem leichten Rückgang ab 2011 – weil Nutzer müde werden und weils bis dann bestimmt wieder was Neues zum Ausprobieren gibt.

Morgen im bernetblog:
«Facebook – muss das sein? Schweizer Reichweiten im Vergleich.»
Externe Links:
Sterbehilfe 2.0 auf Tages-Anzeiger Digital
Internationale Facebook-Statistiken per Ende 2009 von Nick Burcher
Wikipedia zu Facebook

Marcel Bernet | 10.12.2009

«Wie erreiche ich via Facebook oder Twitter Journalisten?»

ohr_blogprofil_bernetpr«Ist es einfach Glück wenn ein Journalist über eine Meldung stolpert oder kann man sie gezielt angehen? Wenn ja, wie?» fragt Patrik Schädler. Man kann sie angehen – aber es darf nicht der Hauptkanal sein.

Auf unserer neuen Facebook-Seite haben wir die Beantwortung von Fragen versprochen. Patrick Schädler, Stv. Geschäftsführer und Marketingleiter bei Liechtenstein Tourismus, wagts als Erster. Die Antwort lautet – wie immer bei Experten: Ja, aber.

Aber: Medieninfo erst in zweiter Linie über Social Media
Beginnen wir mit dem Aber: Twitter und Facebook wird von Medienschaffenden immer noch wesentlich zurückhaltender genutzt, als es der allgemeine Hype um diese Kommunikationsmittel vermuten lässt. Zahlen für die Schweiz liefert unsere Studie «Journalisten im Internet», präsentiert im Juli. Alle bernetblog-Artikel zur Studie über diesen Link.  Als Auszug diejenigen Internet-Angebote, die Schweizer Medienschaffende als «sehr wichtig» oder «wichtig» einstufen. Ja, die grau eingerahmten Angebote haben sich stark nach vorne bewegt – Soziale Netzwerke liegen aber noch am Ende der Hitparade.

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Schwartz PR hat diese Woche eine Studie (PDF) veröffentlicht, die 800 Medienschaffende aus der Schweiz, Österreich und Deutschland befragte. Fazit: Am liebsten hat die Mehrheit noch immer eine klassische E-Mail, Social Media News Release (oder wie immer man diese PR-Innovation benamst, siehe «Was ist eigentlich…») kennt kaum jemand.

Ja: Medien recherchieren auf Sozialen Plattformen
Trotzdem – Medien lassen sich über Facebook und Twitter erreichen. Dazu eine weitere Grafik aus unserer Studie (PDF kostenlos über bernet.ch/studien). Gefragt wurde dieses Frühjahr, geantwortet hat eine repräsentative Stichprobe für die ganze Schweiz. Die Nutzungsanteile dürften heute höher liegen.

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Basics im Griff, Abo anbieten, eventuell Filiale eröffnen
Daraus folgt aus unserer Sicht folgende Handlungsanleitung – für den Status Quo:

1. Grundlagen sichern: Eine Top-Website unterhalten mit einem separaten, immer aktuellen, gut durchsuchbaren Mediencorner. Mehr Tipps und Tricks dazu im Beitrag «Basics für den Mediencorner».

Damit ist schon viel geleistet. Und nur, wenn Sie das wirklich gut leisten, laufend ausbauen, dann können Sie weitergehen. Und dies nur dann, wenn Sie eine integrale Social Media Strategie entwickelt haben – anstatt einfach noch schnell ein paar Texte auf Facebook zu laden.

2. Abo für Twitter anbieten: Heute gehört zu den Auswahlmöglichkeiten neben E-Mail und RSS auch Twitter. Und zwar als dritte Priorität – denn diese Art der Abonnierung ist sehr flüchtig. Wenn die Medienschaffenden nicht schnell auf ihren Twitter-Strom blicken, ist Ihre Mitteilung schon wieder weg. Speisen Sie einfach immer einen Link mit Kurztext auf ein spezielles Medien-Twitterkonto ein, wenn ein neues Communiqué rausgeht.

3. Filiale auf Facebook eröffnen: Dieser letzte Schritt verlangt eine ganze Menge von Zusatzressourcen, überlegen Sie sich ihn gut. Macht es bei einer speziellen Kampagne Sinn? Erhöhen Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer (sowieso unterhaltenen) Facebook-Seite, wenn Sie dort einen Reiter mit Medieninfos anfügen? Sind die Basics zu Ihrem Unternehmen schnell abrufbar und führen Links zurück auf Ihren Mediencorner?

Zum Abschluss eine letzte weiterführende Lektüre: Philipp Fabian hat eine Bachelor-Arbeit zu PR und Social Media geschrieben, die wir im April zusammengefassst haben.

Marcel Bernet | 09.12.2009

LeWeb09: Was wäre, wenn Apple sozial wird?

leweb09_panel_networksAuf dem Panel sassen alle grossen Sozialen Netzwerke, von Facebook über Twitter bis MySpace. Apple fehlt an dieser Konferenz total – wann ist eine Plattform eine Plattform?

Diese Runde unter der Leitung von TechCrunch-Chef Michael Arrington erwartete ich mit Interesse: Da sassen Facebook, Ning (eine offene Plattform zum Aufbau eigener Netzwerke), LinkedIn (Berufsnetzwerk mit zunehmender Beliebtheit auch in Europa), Ustream (Videostreaming-Plattform), Six Apart (Blogging-Plattform die aus mir unklaren Gründen oben sass), MySpace und Twitter. Erwartet hatte ich interessante Anstösse über die weitere Ausrichtung von direkten Konkurrenten wie Facebook, MySpace und Twitter. Leider blieben die Fragen technisch, die Moderation wirkte aus dem Ärmel geschüttelt. Aus dem ganzen Live-Stream picke ich eine interessante Diskussion raus und spekuliere über eine Idee.

Walmart ist eine (soziale) Plattform, Apple auch
Der Erfolg vieler Social Web-Plattformen hängt ab von deren Zusammenarbiet mit Dritt-Entwicklern. Twitter pflegt die Entwickler-Gemeinde sehr intensiv, genauso Google. Facebook geniesst mit den vielen Änderungen ihrer Grundlagen einen etwas zweifelhaften Ruf. Und Apple springt sehr forsch um mit allen, die eine Applikation für iPhone oder iPod entwickeln wollen. Darin ist sich die Runde einig: Apples App Store ist so strategisch, dass man kuscht, um etwas dort reinzubringen. Und Apple ist so dominant, dass sie heute vor diesem Publikum auch gar nicht auftreten müssen.

Mike Jones, Chief Operating Officer von MySpace, ist nicht damit einverstanden, dass die Runde auch den Apple Store als Plattform bezeichnet. Denn da geschehe ja kein sozialer Austausch. Ethan Beard, Chef des Facebook Develober Network, sieht Apple genauso als Plattform wie eine Filiale des US-Detailhändlers Walmart. Wer etwas verkaufen will, der wird sich dorthin bewegen, wo die Konsumenten sind.

Was, wenn Apple sozialer würde?
Nun springt ja Apple auch eher monopolistisch um mit den Konsumenten: Musik austauschen geht nicht. Dafür gibts auch kein Bezahlmodell. Es gibt keinen Dialog untern den unzähligen iTunes-Besucher/innen, kein Weiterempfehlen von Inhalten, Kommentieren, Chatten.

Wie wärs, wenn Apple die Community mit Austausch-Funktionen stärker an sich binden würde?

Eingeloggt sind wir ja eh schon alle. Noch eine Plattform mehr? Oder ist es auch für Apple schlauer, wenn sie sich für solche Funktionen an den grossen Plattformen anhängen? Mashable hat kürzlich über eine Verbindung von iTunes zu Facebook spekuliert.

Die Aussage von Ethan Beard als Video – noch hat meine G11 das Videozoom-Scharfstellen nicht wirklich im Griff.

Marcel Bernet | 07.12.2009

Facebook-Tipps: Sind noch Fragen?

bernet_pr_facebookWer hat Fragen rund um Facebook? Oder zu Twitter, Social Bookmarks, PR generell? Wer diese öffentlich stellen mag, nutzt Bernet_PR auf Facebook.

Als dritter, letzter und kürzester Beitrag zu unseren Erfahrungen rund um Facebook-Seiten laden wir ein zum Fragen. Auf dem Wissen-Reiter von facebook.com/bernetpr bieten wir uns als Antwortgeber an. Voraussetzung für diesen Austausch ist natürlich, dass Sie bereit sind, Ihre Frage öffentlich zu stellen und beantworten zu lassen.

Wir haben uns entschieden, die Fragestellung über eine direkte E-Mail auszulösen. Weil die anderen Möglichkeiten in Facebook – darunter die Diskussionforen – zu wenig interaktiv und versteckt ausgelegt sind. Die Dialoge veröffentlichen wir dann auf der Pinnwand und hier auf dem bernetblog, mit dem Schlagwort «facebookfragen».

Wer wagt eine Anfrage? Karl Heinrich Waggerl, österreichischer Erzähler, meint dazu ermunternd:
«Das Genie entdeckt die Frage, das Talent beantwortet sie.»
(Zitat weitersenden.)

Bisher erschienen:
«Was bringt ein Facebook-Auftritt? Aufwand, Abhängigkeit, Aufmerksamkeit.»
«Bernet_PR auf Facebook: Wie man Inhalte gestaltet.»

Marcel Bernet | 07.12.2009

Bernet_PR auf Facebook: Wie man Inhalte gestaltet

bernet_pr_facebookWer sich für einen Facebook-Auftritt entscheidet, steht vor der Frage: Womit? Wie sind Inhalte zu konzipieren? Hier unsere Antworten aus dem Praxisbeispiel Bernet_PR.

Letzte Woche habe ich Pro und Contra Facebook durchleuchtet. Wir haben uns schliesslich für den Bau und Unterhalt einer weiteren Inhalts-Plattform entschieden – auf www.facebook.com/bernetpr. Im erwähnten Beitrag habe ich die Ziele und Zielgruppen geschildert – wie spiegeln sich diese Vorgaben in unseren Inhalten?

Fokus Wissen bleibt erhalten
Ihre Webpräsenz folgt bestimmt mediengerecht Ihrer Positionierung. Auch der Facebook-Auftritt Ihres Unternehmens oder der Kampagne verfolgt diese Absicht. Angepasst auf die hier präsenten Zielgruppen und deren Verhalten, Erwartungen, Vorlieben.

Bernet_PR will wirksame, kreative und herzliche Kommunikation leisten. Gerade auch im Web legen wir seit 1996 grosses Gewicht auf den medientypischen Dialog. Also haben wir nur am Rande die wichtigsten Fakten zur Agentur eingebaut. Wichtiger waren das Angebot von kostenlosem Wissen und eine interaktive Zitat-Datenbank, sozusagen eine Vorwegnahme von Wikiquote. Später kamen der Anstoss-Newsletter dazu und dieser Blog.

Facebook ist in unserem Falle eine Informations- und Austauschfiliale für Inhalte, die auch auf unserer Website, im Blog, auf Twitter oder Delicious vermittelt werden können. Deshalb ist es nur konsequent, auf einer Facebook-Seite ebenfalls auf Wissensaustausch zu setzen.

Sitemap unter erschwerten Bedingungen: Facebook-Dramaturgie
Sie wissen, was Sie auf Facebook schreiben wollen. Wie platzieren Sie diese Inhalte? Was Sie schreiben und wie Sie das platzieren, muss auf Facebook sehr speziellen Herausforderungen gehorchen.

Ziemlich starres Layout mit einigen Wahlmöglichkeiten: Die linke Spalte ist (ausser bei den selbst programmierten FBML-Seiten, mehr darüber weiter unten) in der Reihenfolge der Elemente und ihrer Gestaltung von Facebook vorgegeben. Sie können Ihre Fans nicht ausblenden oder nur deren Namen ohne Fotos zeigen lassen. Sie können diese Box auch nicht weiter nach unten schieben. Die rechte Spalte gehört ebenfalls Facebook, hier wird Werbung gezeigt, deren Schaltung sie nicht beeinflussen können.

Schwieriger Umgang mit Reitern: In der mittleren Spalte folgt Ihr Inhalt. Der lässt sich in Kapitel aufteilen, mit diesen grauen Reitern. Wir haben uns für sechs Entschieden. Die sieht man grad noch, sonst müsste man auf einen Reiter mit  >> klicken. Die beiden ersten Reiter «Pinnwand» und «Info» sind von Facebook in deren Benamsung, Reihenfolge und Gestaltung vorgegeben.

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Auf dem Reiter «Info» sind die Basisinfos zu Agentur und Leistungen, «Veranstaltungen» ist ebenfalls von Facebook vorgegeben und wir erfassen jeweils die nächsten Termine. «YouTube» und «Flickr» haben wir mit Gratismodulen von involver.com gelöst. Dieses Unternehmen besetzt ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell: Das mühsame Programmieren von Faceook-Seiten wird einem abgenommen. Bloss ist das mit monatlichen USD 99 zu teuer. Zwei Module kann man sich gratis rauspicken – wobei man natürlich abhängig ist von den standardisierten involver-Möglichkeiten. Für uns waren sie besser als die standardisierte Facebook-Seiten-Einbindung.

«Wissen» als einmalige Willkommens-Seite: Man kann eigene Seiten gestalten, in der «Facebook Markup Language» oder «FBML». Das sei einfach, meinen die einen. Wir habens den Profis von Serranetga überlassen.

Diese Seite sieht man automatisch nur beim ersten Besuch auf Bernet_PR, sobald man Fan ist, landet man auf unserer Pinnwand – so bestimmt das Facebook. Die Erstbesuchs-Seite darf man als Anbieter wählen. Auf «Wissen» ist unsere Positonierung umgesetzt:

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Achtung: Ihre Zielgruppen sind auf deren Pinnwand zu Hause
Das heisst, dass sie eigentlich nur bei einem ersten Aufstöbern über die Suche, eine Empfehlung, eine Einladung oder das Klicken auf ein Facebook-Inserat auf Ihrer liebevoll gestalteten Facebook-Seite landen.

Danach läuft alles, wenn überhaupt etwas läuft, über die geliebte Pinnwand. Da bin ich, da sind Ihre Zielgruppen auf Facebook «zu Hause». Inhalte von Freund/innen, abonnierten Gruppen oder als Fan aktivierten Seiten werden auf diese Pinnwand überspielt. Das heisst: Nur, wenn hier was Interessantes, für mich gerade Relevantes auftaucht, fühle ich mich positiv angesprochen. Vielleicht reagiere ich sogar: Besuche die angekündigte Veranstaltungs-Seite, aktiviere den Link, schreibe einen Kommentar oder setze ein Häkchen bei «Gefällt mir». Das heisst auch: Wenn mir hier zuviel und nichts Attraktives eingespielt wird, dann kündige ich mein Abo, melde mich als Fan ab, will nicht mehr Freund einer Person sein.

Die Kunst liegt darin, den richtigen Ton zu finden. Und die richtige Frequenz. Deshalb haben wir bewusst auf ein automatischen Einspielen von Twitter-Meldungen auf unserer Pinnwand verzichtet – sie liegen in der Wissen-Seite und lassen so die Pinnwände unserer Fans in Ruhe.

Monitoring nicht vergessen – und den Dialog pflegen
Leider gibt es noch keine automatische Mitteilung von Facebook, wenn jemand auf Ihrer Seite einen Kommentar absetzt, einen Link oder sonst etwas erfasst. Und Monitoring-Lösungen scheinen uns noch zu teuer oder mangelhaft. Also haben wir auf zwei Arbeitsplätzen die Bernet_PR-Seite als Startseite gesetzt und sichern so ein tägliches Reinschauen.

Zum Reinschauen gehört auch ein aktives Setzen von interessanten Inhalten. Ein besonderer Link, ein kurzes Video. Eine Frage, die gestellt wurde, samt Link oder Text zur Antwort. Da werden wir in den nächsten Monaten noch viel lernen. Durch Ausprobieren und Zuhören.

Marcel Bernet | 02.12.2009

Facebook: Franky Slow Down als Kampagnenbeschleuniger

nurknopfWie beschleunigt man mit Social Media eine Unfallverhütungskampagne? Mit Franky Slow Down, einer Kunstfigur des bfu und seinem Song – auf Platz 5 der Schweizer I-Tunes-Hitparade. Learnings aus dem ersten Social Media Gipfel von heute morgen.

Gestern Nacht um 23.00 habe ich die letzten Slides gemacht für die Startmoderation, heute morgen um 07.00 gings los mit Einrichten im NZZ-Bistro. Noch bin ich ganz Adrenalin-geschubst von diesem gelungenen ersten Gipfeltreffen. Der Aufwand war gross, die Idee funktioniert, das Teamwork mit Peter Hogenkamp lief super flüssig. Hier die Kurzverarbeitung des ersten Referats für alle, die nicht dabei sein konnten.

Langsam sein ist cool – früh aufstehen auch
So sah David Schärer heute morgen um 07.00 aus – und daneben ein Blick ins volle Bistro-Auditorium. Gegen 90 Frühaufsteher/innen machten einen hellwachen Eindruck.

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Ziel der von ROD entwickelten Kampagne für bfu und SVV ist Unfallverhütung. Und die meisten Autounfälle entstehen durch «leichte» Schnellfahrer wie Sie und ich – ein wenig gehetzt, 10 km/h über dem angegebenen Limit. ROD-Mitgründer und -partner David Schärer, erster Gipfel-Erfahrungs-Austauscher: «Wir wollen mit der Kampagne vermitteln, dass Langsamsein cool ist.»

Facebook ja – weil dort das Publikum sitzt
Facebook war von Beginn weg der Kern der Kampagne, die dazu eine eigene, dreisprachige Website pflegt, Plakate stellt, Online-Werbung platziert und Medienarbeit betreibt. Gab es keine internen Widerstände bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu, die als Verwaltung den Facebook-Zugang für die Mitarbeitenden sperrt? «Nein, im Gegenteil. Kampagnen müssen dorthin, wo das Publikum sitzt. Will man viel Aufwand für Traffic auf der eigenen Website treiben – oder besucht man eine Plattform, auf der sich bereits 1.8 Millionen Schweizer tummeln?»

Achtung Kunstfiguren: Bei Spamverdacht wird gesperrt
Das bfu will auf Facebook – und steht mittlerweile bei knapp 14′000 Fans der eigenen Seite mit dem Kampagnen-Namen «Slow down, Take it easy» und bei rund 4′000 Freunden für die Kunstfigur Franky Slow Down. Stolperstein beim Start: «Facebook hat uns beim Kampagnenstart den Account einen Tag gesperrt – weil wir sehr viele Freundesanfragen in kurzer Zeit hatten, fielen wir auf. Erst durch mehrere Kontakte und den Beweis, dass es sich hier nicht um Spam handelt, erreichten wir die Wiederöffnung. Learning: Wer sich für eine Kunstfigur entscheidet, braucht gute Argumente bei Facebook.»

Viel Aufwand für eine Kunstfigur – mit erstaunlichem Echo
Wieso Fanseite und persönliches Profil? «Auf dem persönlichen Profil ist die Bindung stärker – und vor allem ist das Weiterleiten von Inhalten innerhalb der persönlichen Freundesnetzwerke viel höher.» Der Aufwand fürs persönliche Profil ist gross: Hier kann man als Absender nicht einfach ein wenig mitmachen oder automatisiert Meldungen verbreiten. Der Dialog muss ernsthaft durchgespielt werden, auch für eine Kunstfigur. Bei ROD ist Franky Slow Down täglich zwei Stunden online. Er beantwortet Freundschaftsanfragen, schreibt Notizen auf die Pinnwand von Freund/innen, sorgt für einen Dialog.

Dieser Dialog nimmt erstaunliche Formen an: Immer wieder wollen Fans mit dem Franky in den Ausgang. Mich hat die Freude erstaunt, mit welcher das simple Ja zur Facebook-Freundschaft kommentiert wird. Denn ein Ja bekommen doch alle. Und Franky ist doch nur eine Kunstfigur. Oder doch nicht für alle? Reinschauen lohnt sich – auch die Einträge von Franky sind gut gemacht, auf den Song bezogen oder mit top-aktuellen Gas-weg-Tipps zum überraschenden Schneefall vom Montag.

dankefürsaufnehmen

Facebook macht als Mainstream-Plattform Hitparade
Zur Kampagne gehört der Slowdown-Song, der sich gerade gestern Abend auf Platz 5 der Schweizer I-Tunes-Hitparade vorgearbeitet hat. Trotz der normalen CHF 1.50 für einen Download. «Dieser schnelle Erfolg des Lieds ist aus meiner Sicht eine Folge der starken Facebook-Präsenz. Das hätten wir mit klassischer Promotion nicht erreicht.»

Wie weiter? Wird Franky bald sterben? Was passiert dann mit den Fans? «Wir haben einen Kampagnenhorizont von drei Jahren. Verschiedene Sachen sind noch in der Pipeline. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht – vielleicht ist Facebook dann nicht mehr die Mainstream-Plattform. Vielleicht doch.»

Artikel zum zweiten Gipfel-Beitrag:
Railservice als inoffizieller SBB-Kundendienst

Übrigens habe ich bei diesem Blogpost gemerkt, dass unsere bevorzugte Plattform Scribd keine Keynote oder Powerpoint akzeptiert. Zu doof. Also habe ich den Account auf Slideshare re-aktiviert und Davids Folien so eingebunden:

Marcel Bernet | 30.11.2009

Was bringt ein Facebook-Auftritt? Aufwand, Abhängigkeit, Aufmerksamkeit.

bernet_pr_facebookBernet_PR hat jetzt eine eigene Facebook-Seite. Dieser Schritt will gut überlegt sein – hier die wichtigsten Pro/Contra-Argumente, Schweizer Facebook-Zahlen und Einblick in unser Konzept. Als Grundlage für Ihre Strategie.

Seit dreizehn Jahren pflegen wir eine Website – übrigens waren wir 1996 die erste Schweizer PR-Agentur im Netz. Seit genau vier Jahren bloggen wir, der Geburtstags-Beitrag folgt demnächst. Und seit letzter Woche haben wir eine weitere Filiale des Dialogs eröffnet, auf www.facebook.com/bernetpr. Die Entscheidungsfindung birgt grosse Ähnlichkeiten mit den Schritten zu Website oder Blogging: Welche Ziele lassen sich mit einer weiteren Online-Präsenz erreichen?

Wir verkaufen Kommunikationsberatung. Wir schreiben sehr gerne. Wir testen neue Möglichkeiten früh. Deshalb ist unser Facebook-Entscheid nicht einfach auf Ihre Geschäftsrealität umsetzbar. Vielleicht gewinnen Sie aus diesen Hintergrundbetrachtungen Impulse für Ihr eigenes Nein. Denn Facebook muss nicht sein. Und Facebook darf erst dann sein, wenn Sie eine super aktuelle, interaktive, dialogbereite Website führen.

Was spricht gegen Facebook?
Aus unserer Erfahrung sind es vor allem diese vier Punkte:

Die Abhängigkeit von einer externen Plattform: Facebook ändert immer wieder vertragliche Grundbedingungen, Darstellung oder Programmiermöglichkeiten. Das kann dazu führen, dass Sie eine ganze Anwendung neu schreiben müssen. Oder dass Gewinnspiele plötzlich nur noch als Anwendung möglich sind. Oder dass Facebook-User frustriert sind und sich auf ein anderes Netzwerk begeben. Wer sich auf Facebook einlässt, nimmt diese Unsicherheit in Kauf.
Die begrenzten Möglichkeiten: Richten Sie eine Seite ein oder bauen Sie eine Gruppe auf? Wo liegen die Unterschiede? (Ein guter Basisbeitrag dazu von Annette Schwindt, PR-Beraterin mit guten Facebook-Tipps.) Was kann am von Facebook vorgegebenen Raster geändert werden? Welche Änderungen machen Sinn? Facebook erwartet Sie mit einer steilen Lernkurve. Ohne die geniale technische Unterstützung von Serranetga wären wir nicht ans Ziel gekommen.
Die Unerreichbarkeit im geschäftlichen Kontext: Wenn Sie Mitarbeitende von Grossunternehmen ansprechen möchten, dann werden Sie diese nur privat erreichen. Weil der Zugang im Büro gesperrt bleibt. Bernet_PR richtet sich an Entscheidungsträger/innen aus den Bereichen PR, Kommunikation, Medien. Viele werden unseren Facebook-Auftritt nie sehen, auch Blogs werden zunehmend gesperrt und nur auf Antrag freigeschaltet.
Der Aufwand für Monitoring und Pflege: Ernstgemeinte Facebook-Auftritte sind dialogisch ausgerichtet. Deshalb bindet die hier eröffnete Zusatzfiliale Ressourcen: Erst der tägliche Blick auf die Pinnwand zeigt, ob jemand Fragen gestellt hat, Notizen eingefügt oder kommentiert hat. Und diese Dialogangebote sind zu beantworten. Nur wer das mit Hingabe und authentisch tut, der kann einiges von diesen Echos lernen und seine Vernetzung ausbauen.

Was spricht für Facebook?
Den Ausschlag für unser Engagement haben drei Punkte mitgetragen:

Das grosse aktive Publikum in der Schweiz: Facebook hatte im November etwas mehr als 1.8 Millionen Schweizer Benutzer, die sich in den letzten 30 Tagen mindestens einmal eingeloggt hatten. Davon waren rund 34 Prozent 20 – 29 Jahre alt, 36 Prozent über 30 Jahre und nur 20 Prozent jünger als 20. Hier ist ein Publikum zu Hause, das pro Besuch rund 25 Minuten auf Facebook verweilt, 49 Prozent tun dies täglich. Diese Zahlen werden wir im bernetblog noch ausführlicher betrachten.
Die Dialogorientierung dieses Mediums: Es gibt keine andere Plattform, die einen schnellen Austausch mit Freunden, eine schnelle Übersicht von als beliebt gewählten Seiten und vor allem ein ultraschnelles Echo erlaubt. Die kürzeste Form des Online-Dialogs bringt der Klick auf «Gefällt mir.»
Das Erreichen einer kritischen Grösse: Es ist wie bei der ersten Website, dem Aufbau des Blogs, dem Start des Anstoss-Newsletters – eine Portion Wagnis gehört dazu. Facebook hat aus unserer Sicht eine Dimension erreicht, die dieses Wagnis lohnt. Wir gehen von einer gewissen Stabilität aus, hoffen auf weiter wachsende Nutzerzahlen und keine Negativ-Ereignisse für diese Plattform.

Welche Ziele will Bernet_PR erreichen?
Unser Facebook-Auftritt soll
- Bernet PR profilieren als Dialogpartner, Wissenslieferanten und Pionier für Online-PR
- 200 Fans bis Ende 2010 erreichen (wir bleiben zurückhaltend)
- monatlich 5 Kommentare / Notizen / Fragen / Echos auslösen
- Facebook-Traffic auf bernetblog.ch und bernet.ch/wissen oder /anstoss bringen
- die Vernetzung mit Bernet_PR auf  YouTube, Flickr, delicious, Twitter stärken

Welche Zielgruppen stehen im Vordergrund?
Die Bernet_PR-Seite ist in erster Linie ausgerichtet auf den Dialog mit Kommunikationsverantwortlichen (PR / Werbung / Social Media / Marketing), Berater/innen aus entsprechenden Agenturen oder Web-Dienstleistern, Multiplikator/innen aus Web und Medien.

Die Priorisierung von Zielgruppen schärft das inhaltliche Konzept – mehr darüber im nächsten Beitrag: «Bernet_PR auf Facebook: Wie man Inhalte gestaltet»

Marcel Bernet | 16.11.2009

Social Media Gipfel: Erstbesteigung mit bfu und SBB

nurknopfAm 2. Dezember gibts Social Media-Praxis zum Frühstück – mitten in Zürich. Mit bfu-Facebook- und SBB-Twitter-Erfahrung aus erster Hand. Ausverkauft: Unten eintragen für nächste Termine!

Geht es Ihnen wie mir? Sie arbeiten an einem Blog-, Facebook- oder Twitter-Projekt und fragen sich: Wie geht das? Wie machen das andere? Beispiele gibts ja genug, nur spielen sich die irgendwo in den fernen USA ab. Was läuft in der Schweiz?

Das wollte ich schon immer mal wissen. Und weil ich mit Bernet_PR schon seit 1995 Wissen auf dem Web teile, gibts jetzt den Social Media Gipfel. Zum erstenmal am 2. Dezember, von 07.30 bis 09.00 Uhr. Mein Kletterpartner auf dieser Erstbesteigung ist Peter Hogenkamp – alleine hätte ich es nicht gewagt. Denn das Ganze ist keine kommerzielle Sache, wir beide stemmen das so nebenbei. Und mit Peter machts einfach Spass. Wer erklimmt mit uns die Fredy-Hiestand-Gipfeli aus dem NZZ Bistro beim Bahnhof Stadelhofen? Das Programm:

07.30 – 08.00
Facebook: Ganz schnell auf 4′000 Fans – mit Jacky Slowdown.
David Schärer, Partner der Werbeagentur ROD, zeigt die Erkenntnisse aus der aktuellen Slow-Down-Kampagne für bfu und SVV. facebook.com/SlowDown.TakeItEasy

08.00 – 08.30
Twitter: RailService zeigt, wie man Kunden ernst nimmt.
Die beste Schweizer Twitter-Lösung ist das Werk freiwilliger Mitarbeiter – was sagt die SBB dazu? Chris Leduc, Initiant, und Patrick Comboeuf, Director E-Business, begegnen sich bei uns zum ersten Mal. twitter.com/railservice

08.30 – 09.00
Praxisaustausch, Schlusspunkt, Gipfelrast.
Wer kann, bleibt länger.

Die Inhalte werden auf netzwertig.com und natürlich hier im bernetblog zusammengefasst. Als zentrale Website für diese Soziale Kooperation von Peter und mir funktioniert www.socialmediagipfel.ch – als Hashtag #smgzh.

Anmeldung
Mussten wir heute, 19. November rausnehmen – leider schon ausgebucht. Tragen Sie sich für spätere Anlässe (Februar, April, Juni 2010) ein, wir werden Sie frühzeitig informieren:


Sie haben am 2. Dezember keine Zeit? Tragen Sie sich in unseren Newsletter ein, um über kommende Termine informiert zu sein:

E-Mail*:
Vorname:
Name:
Lilly Anderegg | 08.09.2009

Hype-Cycle: Verliert Facebook den Reiz?

kiss_valentineDer Tages-Anzeiger diskutiert den Tod von Facebook. Und sitzt damit dem neusten Hype auf. Facebook wird erwachsen, gestorben ist es noch lange nicht.

Lange haben die Medien Facebook bejubelt. Das zieht nicht mehr. Jetzt wird das Netzwerk zu Tode verurteilt. «Wir langweilen uns gegenseitig: Der Tod des hippen Facebook», titelt der Tages-Anzeiger Online. Spannend sind die Kommentare, die der Artikel auslöst. Und ja, ich merke selbst, wie Facebook für mich an Attraktivität verliert, seit sich dort auch meine Schwiegermutter in spe, Arbeitgeber und Kunden tummeln. Für mich hat Facebook heute einen Stellenwert wie Xing vor fünf Jahren. Es ist wichtig, dabei zu sein – aber hip ist Facebook nicht (mehr).

Der Reiz des Neuen ist vorbei
Trotzdem: Ist es nicht völlig normal, dass der Hype mit der Zeit nachlässt? Die gesteigerten Erwartungen münden in Enttäuschung, die «hippe» Technologie wird zum Mainstream. Mir kommt es fast vor, als sei es der neuste Hype, den Tod von Facebook zu verkünden. Die Stichwort-Kombination «Tired of Facebook» erreicht auf Google bereits 300′000 Treffer, die ersten Einträge datieren von 2007. Web 2.0 durchläuft gerade eine Phase der Desillusionierung, wie auch die Marktforscher von Gartner in ihrem Hype-Cycle feststellen. Und was kommt danach?

Hype-Cycle

Der lange Weg zum «Plateau der Produktivität»
Der Hype-Cycle von Gartner bewertet regelmässig die IT-Trends. Im Trend 2009 sind zum Beispiel Cloud Computing, E-Books und Internet-TV. Social Software und Microblogging haben gemäss Gartner den Zenit bereits überschritten. Gartner geht dabei von einem gleich bleibenden Zyklus aus, den neue Technologien durchlaufen. Auf den Hype folgt die Ernüchterung, und langsam wird erkannt, wo eine neue Technologie realistisch einsetzbar ist. In der nächsten Phase wird die Technologie zunehmend eingesetzt, bis sie zuletzt zum Alltag gehört und die Produktivität steigert. Gartner bezeichnet die Phasen des Hype-Cycle als «Technology Trigger», «Peak of Inflated Expectations», «Through Disillusionment», «Slope of Enlightment» und «Plateau of Productivity». Unterschiedlich ist lediglich die Zeitspanne, die die Technologien in den einzelnen Phasen verbringen. Die Studie ist bei Gartner nicht frei zugänglich; eine Zusammenfassung gibt computerwoche.de.

Geht es nach Gartner, erreicht Web 2.0 in weniger als zwei Jahren die Phase der Produktivität. Ich bin gespannt. Und ich frage mich, was Gartner alles zu Web 2.0 zählt. Persönlich konnte ich zum Beispiel meine Produktivität dank Facebook  (noch) nicht steigern – im Gegenteil. Spass macht es trotzdem, den weltweit 250 Millionen registrierten Usern durchs Schlüsselloch zu schauen. Im Artikel des Tages-Anzeigers lese ich, dass Bill Gates sein Profil auf Facebook gelöscht hat – er hatte einfach zu viele Freunde, heisst es. Vielleicht waren es die falschen Freunde?

Marcel Bernet | 04.09.2009

Journalisten im Internet: Wikipedia und Facebook legen zu

zeichen_schreibmasch1Wikipedia ist für Schweizer Medienschaffende wichtiger als Web-Seiten von Unternehmen und Organisationen. Und Soziale Netzwerke sind wichtiger als Blogs.

Dabei sind Soziale Netzerke wie Facebook wohl erst seit rund einem Jahr ein wirklich ernst zu nehmender Faktor im Medien- und Newsbereich hier in Europa.

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Beide markierten Internet-Angebote wurden mit der aktuellen Studie erstmals abgefragt. Dass sich Wikipedia gleich vor die Unternehmens-Seiten setzt, hat uns überrascht. Doch als Quelle für die schnelle Abklärung von Jahreszahlen, Namen, Fakten bietet das Online-Lexikon unschlagbare Vorteile. Verwaltungs-Seiten wie admin.ch behaupten ihren Wichtigkeitsrang als Anlaufstelle für relevante Infos. Kleine Anteile der Mehrfachnennungen erhalten die Web 2.0-Anwendungen am Schluss der Rangliste – hier hakt die Studie mit einer Zusatzfrage nach:

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Wenn der Fragefokus auf den spezifischen Web 2.0-Anwendungen liegt, steigt deren Wichtigkeit: Mehr als die Hälfte der Schweizer Journalistinnen und Journalisten gibt an, YouTube sei für ihre Arbeit wichtig oder sehr wichtig. Und rund zwei Fünftel setzen auf Facebook oder Podcasts, ein Drittel auf Blogs – deren Kurz-Variante Twitter findet kaum Beachtung. Wie werden die Web 2.0-Möglichkeiten journalistisch genutzt? Hier eine Auswertung der Frage nach Video-Plattformen und Sozialen Netzwerken:

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Ein Fünftel findet Artikel-Ideen oder will Trends aufspüren, auf beiden Plattformen mit denselben Anteilen. Video-Plattformen wie YouTube sind für Zusatzinformationen sehr beliebt neue Perspektiven findet man auf beiden Plätzen.

Pendenzen für Online-Medienarbeiter: Sind die Wikipedia-Inhalte Ihrer Organisation aktuell? Pflegen Sie einen YouTube-Channel mit Ihren Video-Inhalten – oder sind diese nur auf der eigenen Website abgelegt? Schauen Sie sich hie und da wenigstens um auf Facebook?

Alle Blogbeiträge zur Studie «Journalisten im Internet»
Studien-Download, Kurzfassung-Newsletter

Marcel Bernet | 26.08.2009

Journalisten im Internet: Acht Tipps für Online PR

zeichen_schreibmasch1Medienschaffende setzen aufs Internet – und finden Inhalte vorwiegend über Suchmaschinen. Acht schnelle Tipps, wie Sie Ihre Medienmitteilungen auf Google besser positionieren.

Unsere Studie «Journalisten im Internet» zeigt repräsentativ für Schweizer Medienschaffende: Das Internet ist Arbeitsinstrument Nummer eins, vor dem persönlichen Gespräch und den Tageszeitungen. Und Suchmaschinen sind mit E-Mail das wichtigste Online-Arbeitsinstrument, mit 99.8 Prozent der Nennungen für Google – alle Grafiken dazu im Beitrag «Was Google nicht findet, gibts nicht».

Sind Ihre Medieninhalte gelistet?
Damit dürfen Sie als PR-Profi annehmen, dass Google über Ihr Auftauchen im Rahmen von journalistischen Recherchen entscheidet. Sind Ihre Medienmitteilungen sichtbar? Was geschieht, wenn Sie bei Google «Name_meiner_Organisation» eintippen mit «Cash Flow», «Medienmitteilung», «Jahresbericht» oder «Geschäftsleitung»? Schön, wenn die entsprechenden Inhalte auftauchen. Noch besser, wenn die Top-Suchresultate auch direkt in Ihren Mediencorner verweisen.

Fazit: Suchmaschinenoptimierung für den Mediencorner
Google und andere Suchmaschinen priorisieren Inhalte, die aktuell sind, passende Adressen haben, die richtigen Worte enthalten und stark verlinkt sind. Das heisst für Ihre Online-Medienarbeit:

Medienmitteilungen

  1. mit aussagestarken Titeln versehen
  2. im Text die relevanten Schlüsselworte zu verwenden (ohne Tricks)
  3. diese sofort Online schalten, in HTML (verlinkt mit Ihrem E-Mailversand)
  4. ohne Passwort, für alle zugänglich (auch für Suchmaschinen)

Mediencorner so gestalten, dass

  1. Mitteilungen direkt adressiert sind (nicht hinter Flash versteckt)
  2. die Adresse den Titel der Mitteilung enthält (wie bei Blogs)
  3. das Beifügen von Schlagworten möglich ist
  4. Mitteilungen per Klick verlinkt werden können (Blog, Facebook, Twitter)

Soweit das Wichtigste – gibts Ergänzungen?

Weitere Inputs zum Online-Mediencorner und Schlüsse finden Sie hier
Journalisten im Internet: E-Mail im Vormarsch

Journalisten im Internet: Studie präsentiert
Artikelübersicht zu Mediencorner und Online PR

Marcel Bernet | 05.08.2009

Newsablauf Online bis Print: Übersicht

velorotschnellWo entstehen News? Wie verändert sich dieser Ablauf durch Online Medien und Soziale Netzwerke. Versuch einer Übersicht, Version 2.

Mitten in den Recherchen für eine neue Twitter-Checklist (im September kommt sie raus, wer dann eine Mail-Benachrichtigung will, in der rechten Blogspalte voranmelden) wollte ich diese Grafik anpassen. Das erstemal war sie zu sehen am Ende des Beitrags «Soziale Medien, die neuen Newslieferanten?».

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Das erste Foto auf Twitter
Sie ist der Versuch einer Übersicht, schematisch, vereinfacht: Wo entstehen News? Von der vielzitierten Landung im Hudson war zuerst auf Twitter zu lesen. Sofortnachrichten, von Handys abgesetzt, sind ideal für die schnelle Weiterverbreitung. Egal, ob das nun auf Twitter oder mit Facebook-Meldungen geschieht.

Lieber schnell als richtig
Und weils schnell geht, sind die beiden Dienste auch oberflächlich. Falschmeldungen gehören zur Realität. Lieber mal schnell was reinhauen und «dabei sein», als Inhalte zu überprüfen – dazu auch die Süddeutsche in «Gezwitscher ohne Fakten». Das gilt ganz besonders auch für die zahlreichen Re-Tweets und Weiterleitungen von Falschmeldungen.

Neu habe ich auf der Zeitachse die Online-Medien vor die Blogs gesetzt. Weil die hier zitierte Studie zum letzten US-Wahlkampf gezeigt hat, dass die Online-Medien in der Regel einen Zwei-Stunden-Vorsprung auf Weblogs hatten. Das wird so lange noch gelten, wie Online-Medien näher an den meisten offiziellen Informationsquellen sitzen. Und in fünf Jahren wird diese Unterscheidung wohl immer weniger gemacht: qualitativ gute Blogs setzen sich als Online-Medien durch, heissen nicht mehr Blogs.

Stirbt das Einordnen aus?
Online-Medien und Blogs stehen aufgrund des hohen Aktualitätsdrucks so halb zwischen oberflächlich und vertieft. Erstens können sie Informationen oft erst später gegenchecken und in der Regel bleibt keine Zeit für vertiefte Zusatzrecherchen. Ich weiss: Auch die Tages- und Wochenpresse steht unter Zeitdruck, Stellen werden gestrichen, die  Redaktorinnen auf unabhängiger Recherche sterben langsam aus. Trotzdem liegt ihre einzige Chance in der Zusatzinfo, dem ersten Interview vor Ort, einer besser gemachten Grafik, dem Einordnen des am Vortag online gelesenen.

Einspruch?

Marcel Bernet | 08.07.2009

Vodafone PK für alle: Nicht nachhaltig

vodafoneVodafone hat heute mit einer öffentlichen Pressekonferenz eine neue Social-Media-Kampagne gestartet. Und zahlreiche Echos abgeholt – aus meiner Sicht der falsche Weg.

Wie immer in solchen Situationen: Die einen werden sehr zufrieden sein. Mit dem Pseudo-Tabubruch einer öffentlichen Medienkonferenz hat Vodafone zusätzlichen Wirbel ausgelöst. Und zahlreiche Online-Echos, Kommentare, Beurteilungen wie eben auch diese hier. Übrigens bringt Google bei der Suche nach «öffentliche Pressekonferenz» eine ganze Reihe von Beispielen. Ungewohnt ist dieser Schritt für ein Unternehmen.

Damit will man wohl den eher knappen journalistischen Newswert des Anlasses erhöhen. Es ging um die Lancierung der neuen Werbekampagne, die eine ganze Reihe von Social Media-Ansätzen integriert. Eine gute Idee mit interessanten Ansätzen – unter anderem präsentiert auf dem Werbemagazin Horizont oder kritisiert vom Kommunikationsblogger Ralf Schwartz. Die kritischen Kommentare auf Horizont zeigen, dass der neue Auftritt eher Gähnen auslöst.

Gut gemacht an der Kampagnen-Webseite ist die Einbindung der Kommentare mit Facebook: Zwar muss man dort als Benutzer registriert sein. Aber mit dieser Kombination schafft es Vodafone, Kommentare aus dem bestehenden Netzwerk auf beiden Plattformen zu sammeln. Bei mir auf Safari/Mac beginnt der Film nie zu laufen, gut ist die prominente Einblendung der Einbetten-Funktion. Damit möglichst viele Online-Publizisten den Code bei sich einbauen und den Film weiter verbreiten.

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Schlecht ist, dass jetzt am Nachmittag die Infos zur Medienkonferenz immer noch nicht aufgeschaltet sind. Das sind die Basics, die man im Griff haben muss: Alle Infos zur PK sofort online verfügbar. Erst dann darf man Zusatzpirouetten drehen.

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Ist das jetzt PR 2.0? Früher wurden die Medien eingeladen, dann kamen führende Blogger dazu, jetzt dürfen alle an die Medienkonferenz? Aus meiner Sicht ein Schwachsinn. Dort, wo wir heute stehen bezüglich Medienarbeit ist das ein Affront gegenüber Journalistinnen und Journalisten. Am besten gefällt mir dazu der Online-Kommentar des Handelszeitungs-Redaktors Thomas Knüwer, bei Klaus Eck entdeckt: «Es ist immerhin schön, dass hier auch Nicht-Journalisten mitbekommen, welche heisse Luft man bei PKs präsentiert bekommt…»

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Nachtrag: Langer, lustiger, angriffiger Blogpost mit der Kampagnen-Kritik von Thomas Knüwer.

Marcel Bernet | 07.07.2009

PR bleibt eine langfristige Aufgabe

20Mit dem Porträt einer PR-Beraterin aus dem Silicon Valley hat die NY Times eine Diskussion ausgelöst. Richtet sich PR nicht mehr an Medien?

Der etwas gar lang ausgefallene Artikel ist eine People-Geschichte über Brooke Hammerling. Mit ihrer PR-Agentur Brew berät sie unter anderem Hi-Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley. Eines der Schlüssel-Argumente: In der neuen Welt des Social Web schreibt man keine Pressemitteilungen an Medien mehr, sondern man lädt ein paar wenige entscheidende Multiplikatoren ein. Die veröffentlichen dann die News auf ihren Blogs, Facebook- oder Twitter-Seiten. Auf dass die klassischen Print-Medien sich dann doch noch melden und schreiben. Der Artikel zeigt dieses Vorgehen unter anderem an der Lancierung der Worte-Sammel-Seite Wordnik, Kunde von Hammerling.

Hatten wir das nicht schon? Multiplikatoren waren schon immer eine wesentliche Ergänzung jeder Kommunikations-Strategie. Eindeutig erhöht hat sich deren Anzahl. Und es wird immer anspruchsvoller, genau die richtigen am richtigen Ort zu erreichen. Dabei spielen nicht nur die A-Blogger eine Rolle, zunehmend wichtig wird das breite Feld möglicher Botschafter in Foren, Sozialen Netzwerken, auf kleineren Blogs oder Webseiten. In diese Richtung argumentiert auch Brian Solis, PR 20-Guru und Buchautor. Er ist anscheinend nicht zufrieden mit dem kurzen Quote, dass ihm die NY Times nach 90 Minuten Interview bietet und antwortet in einem ebenfalls sehr langen Blogpost. Der enthält ein paar interessante Praxis-Hinweise. Ich verdichte die ganze Geschichte auf:

1. PR gelingt nur mit einer langfristigen Orientierung
2. Sie umfasst mehr als Medienarbeit
3. Sie verlangt eine Gesamtsicht und Verbindung aller eingesetzten Elemente

Sehr gefällt mir dieses Bild aus seinem Post: Es verdeutlicht die Vielzahl der anzusprechenden Multiplikatoren, deren unterschiedliche Reichweite und durch die Verbindung mit dem Wasser eben auch die Fluidität des ganzen Systems.

pr20_briansolis

Willkommen in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld für PR- und Medienarbeit. Hilfestellungen bieten folgende bernetblog-Artikel:
PR 2.0: Neue Qualitäten

PR 2.0: Wo sind die Meinungsmacher
Social Media Relations: Was denken Schweizer Profis

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