Marcel Bernet | 11.03.2010

Social Media Gipfel 3: WEF und Augmented Print

Social Media GipfeliAm 7. April ist es wieder so weit: Zum dritten Mal Morgenstress für Social Media-Interessierte. Diesmal mit Matthias Lüfkens, Till Quack und einem Chefredaktor. Heute wird die Einladung live geschaltet.

Vor dem Morgenstress der Anmeldestress – die Ausschreibung sollte heute nach 12 Uhr live gehen, falls alles klappt. Dann kann man sich auf www.socialmediagipfel.ch anmelden. Auch diesmal werden die 80 Plätze im NZZ Bistro an der Falkenstrasse schnell ausgebucht sein. Kaffee und Gipfeli sind offeriert von der Migros – herzlichen Dank! Die Inhalte:

«Social Media für Grossveranstaltungen: Was bringts?»
Matthias Luefkens, Associate Director World Economic Forum, koordiniert unter anderem alle Social Media Aktivitäten für das jährliche Treffen in Davos. 200′000 User haben auf Facebook mitdiskutiert, eindrückliche YouTube-, Twitter-, Flickr-, MySpace- und Livestream-Resultate listet der Forumblog.

Was will das WEF mit diesem Einsatz erreichen? Wie wird er strategisch ausgerichtet und koordiniert? Wieviele Leute arbeiten daran und was kostet das alles?

«Augmented Print: Mit Bilderkennung vom Papier zu Social Media.»
Till Quack, CTO und Mitgründer kooaba, und der Chefredaktor einer führenden Schweizer Online-Zeitung nutzen den Social Media Gipfel zur Vorstellung eines neuen Dienstes. Und weil das dann alles ganz neu ist, bleibt der Co-Referent noch geheim. kooaba ist ein Spinoff der ETH und zählt zu den Pionieren im Bereich Augmented Reality.

Wo liegen die heute umsetzbaren und zielführenden Anwendungen für Augmented Reality? Welche Ziele will die Online-Zeitung damit erreichen, was sind die Learnings aus der Entwicklungsphase?

Der Social Media Gipfel ist eine gemeinsame Initiative von Peter Hogenkamp, blogwerk, und Marcel Bernet, Bernet_PR.
bernetblog-Beiträge zu den bisherigen Gipfel-Inhalten.

Dominik Allemann | 04.02.2010

Amnesty International: Social Media helfen Libyen-Geiseln

Social Media GipfeliFacebook und Twitter bringen inhaltleeres Gequatsche mit zero Alltagsnutzen. Dem widersprechen Amnesty International und die Schweizer Libyen-Geiseln. Sie kämpfen mit «Kerzen nach Libyen» für die Freilassung. Mit grossem Echo.

Diesen Praxisfall stellte AI-Mediensprecher Daniel Graf am zweiten Social Media Gipfel vor. Der Erfolg der Kampagne ist beeindruckend:

  • In nur zwei Wochen wurden 10000 virtuelle Solidaritätskerzen via die Kampagnensite (Konzeption, Produktion, GoingLive in 4 Tagen) angezündet.
  • Die Facebook-Seite zählt heute 6000 Fans (4000 D-CH/2000 W-CH). Tendenz steigend.
  • Es wurden über 50′000 Printpostkarten bestellt. Diese konnten mit persönlichen Nachrichten und per Briefpost an die Geiseln in der Schweizer Botschaft in Tripolis versendet werden.

Hier drei der wichtigsten Erkenntnisse, die wir zusammen mit Amnesty International daraus mitnehmen:

1. Online-Medien sind matchentscheidend
20Minuten hat mitgespielt und die Aktion mit grossen Aufmachern, Bildstrecken und einem (Gratis-)Button begleitet. Die Webstatistik von AI waren deutlich: 75% der Zugriffe kamen von 20min.ch. Daniel Graf in seiner Präsentation dazu:


2. Kampagne als Newsbrücke in die «alten Medien»

Über die Aktion wurde breit berichtet – bis hin zum Newsbeitrag in der SF-Tagesschau. Die Kommunikation über die Art der Kampagne und die grosse Solidarität im Volk hat wie ein «News-Generator» gewirkt.

3. Ressourcen, Ressourcen, Ressourcen
Eine Kampagne ist – mit einer guten Idee im Kopf – schnell angeschoben. Wer aber bewältigt die Folge-Arbeit? Wer pflegt den Dialog? Wer verschickt die Postkarten? «Dialog kennt keine Bürozeiten» weiss darum das AI-Team heute.

Anmesty International Schweiz nimmt eine geballte Ladung an Praxiswissen für die künftige Kampagnenarbeit mit. Und das Bewusstsein, dass diese Social Media Aktivitäten in die Gesamtkommunikation eingepasst werden müssen. Daniel Graf zu den geplanten Aktivitäten:

Links:
Die Präsentation von Daniel Graf «Kerze nach Libyen» auf SlideShare

Website www.socialmediagipfel.ch – nächster Anlass: 7. April 2010, 07.30h
Blogbeitrag über den #smgzh02 von Mathias Möller/Amazee

Bilder vom Anlass:
Flickr-Galerie Social Media Gipfel 2

Tweets via diese Hash-Tags:
#smgzh02 oder #smgzh2 oder #smgzh

Marcel Bernet | 02.02.2010

Ich poste – also bin ich: Schöne neue Medienwelt

Communication Summit Februar 2010 Panel / ©bernetblogRekordbeteiligung am Gipfeltreffen von Medien- und PR-Schaffenden. Die Paneldiskussion brachte wenig Erhellendes. Interessant war das Plädoyer für bezahlschrankenfreie Qualität des Spiegels.

Setting und Titel erinnerten an die Dreikönigstagung der Schweizer Verleger (Bericht vom 6. Januar). Und das Thema «Schöne neue Medienwelt – ratlose Branche» zieht – mit rund 400 Teilnehmenden war das Auditorium Maximum rekordvoll. Mathias Müller von Blumencron war acht Jahre lang Chef von Spiegel Online und ist seit 2008 Co-Chefredaktor der gedruckten Ausgabe. Hier die wichtigsten Passagen aus seinem Eingangsreferat. Alle Teilnehmenden des anschliessenden Podiums sind auf der ZPRG-Seite gelistet.

Communication Summit Februar 2010 Panel / ©bernetblog

PR-Branche in der Steinzeit
Den wohl relevantesten Bezug zur stark vertretenen PR-Branche brachte Moderator Reto Lipp in der Anmoderation:  «Wenn ich heute noch gewisse Communiqués lese – dann frage ich mich schon, ob die PR-Branche ein bisschen in der Steinzeit verweilt.» Ratlos sind zuweilen nicht nur die Verlage. Aber näher diskutiert wurde dieses heisse Thema dann doch nicht. A propos Steinzeit: Mathias Müller von Blumencron erinnerte an eine zentrale Forderung des damaligen Online-Projektleiters beim Spiegel, formuliert Mitte der Neunziger Jahre: «Ich bestehe auf wöchentlichen Updates». Das waren noch Zeiten.

Es läuft nicht so, wie die Verlage wollen
Der Spiegel-Chef ist überzeugt, dass wir trotz der grossen Umwälzungen der letzten drei Jahre erst am Anfang stehen. «Jetzt haben wir uns 15 Jahre Online abgerackert, haben hohe Reichweiten, machen 20 Millionen Gewinn mit Spiegel Online und einen mickrigen Gewinn. Doch mit der Printausgabe erreichen wir zehn mal soviel Umsatz und ein Vielfaches an Erfolg. Ist die digitale Welt nichts für uns Verlage?»

Qualitätsjournalismums habe eine Chance. Aber die Verlage müssten endlich aufgeben mit allen Versuchen, die Online-Welt ihren Bedürfnissen anzupassen: «Wir leben in einer Welt des ‘Ich poste, also bin ich.’ Die Welle schwillt an und ab. Mal ist sie furchtbar genial, mal total banal. Mal sind es intime Details, mal politische Ereignisse. Dieses gewaltige Gemurmel droht, uns Verleger ein Stückchen mehr an den Rand zu drücken. Bestehen können wir nur dann, wenn wir Bestandteil dieser digitalen Welt bleiben.»

Relevant sein heisst: findbar sein
Bei aller Diskussion um Google plädiert der deutsche Chefredaktor mit Schweizer Wurzeln resolut gegen Bezahlambitionen der Verlage. Der Spiegel löst das Problem durch ein Spiel zwischen täglich aktueller Online-Plattform und wöchentlichem Druckmagazin. Die Titelgeschichten sind Online nur gegen Micropayments verfügbar, nach drei Wochen kommen sie dann kostenlos ins Archiv. «Um relevant zu sein, müssen wir findbar sein.»

Für die nahe Zukunft sieht er drei Faktoren: Erstens werde das gedruckte Produkt Kern des Schaffens bleiben, nicht zu verschenken sondern eher noch teurer anzubieten. Zweitens würden immer mehr Leser mobil auf Inhalte zugreifen – und im mobilen Bereich seien Verrechnungsmöglichkeiten eher da, wenn auch zu minimalen Preisen. Drittens schliesslich erlebten wir eine «Explosion der Gerätschaften» mit neuen Möglichkeiten für die «kraftvolle und emotionale Platzierung von Inhalten, vor allem für Zeitschriften». Hier müssten die Verlage Ideen und Geld investieren in die neue Aufbereitung von Inhalten.

Guter Journalismus – mit weniger Rendite
Müller von Blumencron ist klar, dass er damit kein Patentrezept in der Hand hält für seine Branche, die weiterhin von grosser Unsicherheit geprägt sein wird. Nachdem sie «über Jahrzehnte so verdammt verwöhnt war. Die Traumrendite früherer Jahre ist dahin – guter Journalismus aber nicht.»

Marcel Bernet | 06.01.2010

Medien: Ratlosigkeit auf der Kommandobrücke

DK_Bild_03Am Dienstag trafen sich die Kapitäne der Schweizer Medientanker zu ihrer jährlichen Dreikönigstagung. Den König hatte zum erstenmal niemand im traditionellen Kuchen gefunden. Die Kronen im Kampf um die Lesergunst werden von neuen Mitspielern verteilt.

Die Ratlosigkeit auf den Kommandobrücken der etablierten Informations-Tanker ist verständlich: Niemand weiss, wie die neuen Geschäftsmodelle für Produktion und Verkauf von Inhalten aussehen. Und wie NYU-Professor Clay Shirky in «Thinking the Unthinkable» sagte: Wer mitten in grossen Umbrüchen behauptet, er wisse, wie es weiter geht – der lügt. Hier meine wichtigsten Eindrücke vom Treffen auf der Kommandobrücke:

Romanus Otte, Chef Welt Online: Reichweite dank Integration

2006 hat sich die Welt-Gruppe in den Newsroom aufgemacht – zur Integration von Welt, Welt am Sonntag, Welt Kompakt, Welt Online und Berliner Morgenpost Print und Online. «Die Reichweite haben wir massiv ausgebaut – am Umbau der Abläufe und der Denkkultur arbeiten wir noch.» Otte sieht den integrierten Newsroom ganz pragmatisch als besten Weg, knappe Ressourcen produktiver einzusetzen. Um sicher zu stellen, dass die verschiedenen bedienten Blätter nicht alle Themen gleich behandeln, gibt es im Pool getrennte Chefredaktoren, Stellvertreter und Blattmacher. Die können in der Matrix-Organisation eigene Akzente setzen.

…Google und Apple greifen nach den Kunden
Welt und Morgenpost haben gerade Schlagzeilen gemacht mit der Einführung von Bezahlschranken. Otte will Erfahrungen sammeln, «in den Etats für 2010 sind noch keine fixen Einnahmen budgetiert». Reichweite sei die Vorausseztung für Monetarisierung. Aber es fehlt an Verrechnungs-Systemen, an gescheiten CRM-Datenbanken, an einer Verbindung von Print-Kundendaten mit Online-Kundendaten. Auf den springenden Punkt kommt der agile und undogmatische Manager mit dieser Aussage: «Google und Apple versuchen, den Verlegern die Kundenbeziehung abspenstig zu machen. Und das ist die grosse Gefahr für die Verleger.»

Definitiv. Entscheidend für den Verkauf von Inhalten werden die Endgeräte und die damit verbundenen Inhalte-Aggregations und -Bezahlsysteme. Systeme, die über nationale und Verlagsgrenzen hinaus funktionieren. Werden Verleger so etwas hinkriegen?

Frédéric Filloux, Redaktor & Blogger: Das Ende der Konkurrenz
Der frühere Chefredaktor von Libération arbeitet heute für Schibsted und teilt wöchentlich seine Medien-Analysen auf «Monday Note». In einem Schnellvortrag postuliert er radikales Umarmen – denn die Zeit der geschützten Märkte sei zu Ende. «Der Wettbewerb unter Verlagen darf nur in den Redaktionsräumen geführt werden. Für alle industriellen Bereiche wie Produktion und Vertrieb müssen sie zusammen arbeiten. Es braucht einen gemeinsamen Ansatz um mit Google zu verhandeln und mit der ganzen Werbebranche.» Seine Präsentation enthielt drastische Zahlen zur Dokumentation der aktuellen Situation.

Der durchschnittliche Online-Besucher verbringt gerade mal 15 Minuten pro Monat bei Le Monde und schaut sich dort 19 Seiten an. Im Gegensatz zum französischen Facebook-Durchschnitt von 2 Stunden und 400 Seiten pro Monat. Soviel zum Thema Attraktivität des klassischen News-Konsums. Ebenso schockierend war ein Vergleich der durchschnittlichen Werbe-Einnahmen pro Leser: Ein Online-Leser bringt im Schnitt 16 mal weniger Ertrag als ein Print-Leser.

Ebenso aufschlussreich war Filloux’ Kategorisierung von News: Es gibt aus seiner Sicht Standard-News, Gemeinschaftsklatsch und Qualitätsnischen. Für Standard-News muss man keine Zeitungen mehr drucken, die gibts schneller und gratis auf Twitter oder sonstwo. Gemeinschaftsklatsch entsteht in sozialen Netzwerken, er lebt nicht von Genauigkeit und Tiefgang sondern durch die zumindest projizierte Nähe unter den Absendern. Qualitätsjournalismus rettet sich in die Qualitätsnischen, wo sich wohl auch Print weiter halten wird.

Andreas Schönenberger, CEO Google Schweiz: 1 Milliarde für Verleger
Die Kapitäne haben den Piraten zur Sitzung eingeladen – der mittlerweile auf dem grösseren und erfolgreicheren Tanker sitzt. Hier zeigte sich die Schwäche der Veranstaltung am stärksten: Es gab keinen Dialog zwischen Publikum und (den viel zu zahlreichen) Referenten. Gerne hätte man mehr erfahren über das auch von Schönenberger skizzierte Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit mit den Verlegern. In seinen Ausführungen sprach er davon, dass 2009 eine Milliarde US Dollar von Google an Verleger ging – verglichen mit einem zu erwartenden Gesamtumsatz für 2009 von rund 23 Milliarden USD. Dazu erwähnte Schönenberger eine Milliarde Clicks für Verleger/Newslieferanten aus GoogleNews und drei Milliarden aus GoogleSearch.

…ein Gerät das mich kennt
30 Prozent des Medienkonsums erfolgen heute Online. Vor diesem Hintergrund skizzierte Schönenberger seine Vision intelligenter Endgeräte – am gleichen Abend wurde das erste Google-Phone vorgestellt: «2015 habe ich ein mobiles Gerät. Damit sehe ich Bilder, Videos, alles gestochen scharf und schnell geladen. Das Gerät kennt mich, meine Vorlieben und es weiss, was ich schon gelesen habe. Es schlägt mir Artikel vor, ich bewerte seine Vorschläge und mache damit die Informationsauswahl immer besser. Wenn es um die Bezahlung der Inhalte geht, dann könnte es so sein, dass ein Grundbedarf durch ein Monatsabo bezahlt wird. Darüber hinaus gehende Abrufe werden auf meinem Konto belastet, andere Inhalte könnten durch Werbung finanziert sein.»

Google kann so etwas global lancieren, Verleger wohl höchstens in nationalen Verbänden. Doch die werden wichtig sein, wenn Amazon, Apple, Google oder andere Geräte- und Plattform-Pioniere sich die Verlagsrosinen als Partner sichern wollen.

…mindestens fünf harte Jahre – und gute Fragen
Schönenberger glaubt, dass es noch mindestens fünf Jahre dauert, bis neue Medien-Geschäftsmodelle erfolgreich etabliert sind. «Deshalb ist es für Google sehr wichtig, gemeinsam Leserschaften an der Stange zu halten und damit Einnahmen zu generieren.» Diese fünf Jahre des Übergangs werden sehr schmerzhaft sein. Und es gebe nicht eine einzige richtige Antwort, sondern eine ganze Menge von Fragen: Wie werden News gezeigt? Auf welchen Plattformen? Zu welchem Preis? Wie sieht die Nachfrage nach lokalen versus regionalen und nationalen Inhalten aus? Google sieht einen sehr grossen Anteil von lokalen Suchanfragen. Welche mobilen Plattformen werden sich durchsetzen? Wo öffnen sich Optionen für massgeschneiderte Inhalte?

Womit wir wieder beim Einstieg wären. Es geht um das Stellen der richtigen Fragen. Wer heute antwortet, der lügt. Dass sich einige Schweizer Verleger auch mal Fragen gemeinsam stellen, zeigt die angekündigte Kooperation mit Swisscom für ein E-Readerformat. Wenn unternehmerische Marktgrenzen abbröckeln, verbündet man sich national. Bis auch diese wegbrechen.

Marcel Bernet | 15.12.2009

LeWeb Rückblick: Voller, schneller, kurzatmiger

Plenum der Plattform-GigantenDas Web wird noch voller, schneller und kurzatmiger. Das ist mein wichtigstes Fazit aus zwei Tagen Internet-Konferenz. Was halten Sie von kürzeren Blogbeiträgen?

Der Besuch hat sich gelohnt. Obwol mir Europas grösste Internet-Konferenz zwischendurch etwas zu Techie-orientiert war. Mein Fazit: Das Web wird nochmals eine ganze Drehung voller, schneller und kurzatmiger. Mit weitreichenden Konsequenzen für uns alle als Informationsempfänger oder -publizisten. Und natürlich erst recht für PR- und Kommunikationsprofis. Inhalte müssen

- noch kürzer werden
- noch relevanter sein für immer stärker aufgesplittete Zielgruppen
- alle Möglichkeiten des Online-Dialogs und der viralen Verbreitung nutzen

Mehr dazu im Januar auch in den Interviews, die ich mit Steve Rubel von Edelman PR und Richard Binhammer von Dell führen konnte. Von Steve nehme ich mit, dass dieser Beitrag jetzt knapp über 500 Zeichen hat. Ursprünglich wollte ich den Rückblick in 2000 Zeichen abhandeln – jetzt habe ich daraus drei Beiträge gemacht.

Steve ist bei Edelman PR zuständig für alle digitalen Aspekte von PR-Kampagnen. Er meint, 500 Zeichen sei heute das Maximum. Dieser hier hat 1′000. Wie beurteilen bernetblog-Leser/innen die Länge unserer Beiträge?

Wie sind bernetblog-Beiträge generell?

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Marcel Bernet | 15.12.2009

LeWeb: CNN schreibt Steno

Barry schreibt StenoVon der 1558 entwickelten Kurzschrift zum journalistisch gemachten Online-Beitrag: Barry Neild von CNN schlägt in der Not eine interessante Brücke.

Ich unterhielt mich mit Katrin Weber, Deutsche Telekom, und Christian Leumund, Starblogger aus der Schweiz, bei den Lunch-Häppchen, als Barry Neild, Digital Producer bei  CNN Online uns interviewte. In guter alter journalistischer Manier machte er sich Notizen – in Stenografie. Interessanterweise beschreibt Wikipedia diese 1558 in der heutigen Form entwickelte Kurzschrift als «geeignet, um Ideen in Echtzeit zu notieren». Was ja perfekt zum Anlass passt. Denn So schlägt Barry eine Brücke vom 16. Jahrhundert in die Gegenwart.

In seinem Beitrag «How paper and pen caused a stir at major Web event» erklärt Barry, dass er notgedrungen zu dieser Technik griff. Denn sein Blackberry sei zu alt, der Computer zu langsam, die Kamera unbrauchbar und das Dictaphone «mürrisch». Mir hat er Eindruck gemacht – denn schlussendlich geht es im Journalismus genau darum: Schnell sein, unabhängig von der Technik, sich Notizen machen und dann reflektieren, schreiben.

Was bei den 25′000 Tweets wohl weniger der Fall war…

Marcel Bernet | 15.12.2009

Der Kongress sendet: 3000 Geräte online

Nicolas Charbonnier, Gadget-Geek«Echtzeit-Web» lautete das LeWeb09. Echt dabei waren die wenigsten, denn es wurde wie wild publiziert. Was man daraus für Events lernen kann.

Da  sich diese Konferenz mit den neuesten Online-Möglichkeiten beschäftigt, konnte man hier gut mitverfolgen, wohin sich Veranstaltungen generell bewegen. Das begann schon mit der Einbindung der ganzen Blogger-Szene in die Berichterstattung («Online-PR:  Wie LeWeb Blogger einbindet»). Und es setzte sich am Anlass selbst fort mit einem dauernd laufenden Twitterstream (LeWeb spricht von 25′000 Tweets) oder knapp 200′000 Zuschauern auf dem live ausgestrahlten Videostream (Ustream). Und einem Publikum, das dauernd schreibt, fotografiert, filmt und natürlich publiziert.

So werden Konferenzen in Zukunft generell durchgeführt und flankiert werden. In Paris waren übrigens 3000 Geräte gleichzeitig online, das Gratis-WLAN von British Telecom war super schnell und immer verfügbar.

«Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht voran» meinte ein belgischer Teilnehmer des Wiener Kongress von 1814. Heute senden die Kongresse, was das Zeug hält. Und man fragt sich, wer noch Zeit hat zum Zuhören – im Saal selbst und draussen in der weiten Welt des Web, wo all die Info-Schnipsel ankommen sollen.

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Marcel Bernet | 09.12.2009

LeWeb09: Was wäre, wenn Apple sozial wird?

leweb09_panel_networksAuf dem Panel sassen alle grossen Sozialen Netzwerke, von Facebook über Twitter bis MySpace. Apple fehlt an dieser Konferenz total – wann ist eine Plattform eine Plattform?

Diese Runde unter der Leitung von TechCrunch-Chef Michael Arrington erwartete ich mit Interesse: Da sassen Facebook, Ning (eine offene Plattform zum Aufbau eigener Netzwerke), LinkedIn (Berufsnetzwerk mit zunehmender Beliebtheit auch in Europa), Ustream (Videostreaming-Plattform), Six Apart (Blogging-Plattform die aus mir unklaren Gründen oben sass), MySpace und Twitter. Erwartet hatte ich interessante Anstösse über die weitere Ausrichtung von direkten Konkurrenten wie Facebook, MySpace und Twitter. Leider blieben die Fragen technisch, die Moderation wirkte aus dem Ärmel geschüttelt. Aus dem ganzen Live-Stream picke ich eine interessante Diskussion raus und spekuliere über eine Idee.

Walmart ist eine (soziale) Plattform, Apple auch
Der Erfolg vieler Social Web-Plattformen hängt ab von deren Zusammenarbiet mit Dritt-Entwicklern. Twitter pflegt die Entwickler-Gemeinde sehr intensiv, genauso Google. Facebook geniesst mit den vielen Änderungen ihrer Grundlagen einen etwas zweifelhaften Ruf. Und Apple springt sehr forsch um mit allen, die eine Applikation für iPhone oder iPod entwickeln wollen. Darin ist sich die Runde einig: Apples App Store ist so strategisch, dass man kuscht, um etwas dort reinzubringen. Und Apple ist so dominant, dass sie heute vor diesem Publikum auch gar nicht auftreten müssen.

Mike Jones, Chief Operating Officer von MySpace, ist nicht damit einverstanden, dass die Runde auch den Apple Store als Plattform bezeichnet. Denn da geschehe ja kein sozialer Austausch. Ethan Beard, Chef des Facebook Develober Network, sieht Apple genauso als Plattform wie eine Filiale des US-Detailhändlers Walmart. Wer etwas verkaufen will, der wird sich dorthin bewegen, wo die Konsumenten sind.

Was, wenn Apple sozialer würde?
Nun springt ja Apple auch eher monopolistisch um mit den Konsumenten: Musik austauschen geht nicht. Dafür gibts auch kein Bezahlmodell. Es gibt keinen Dialog untern den unzähligen iTunes-Besucher/innen, kein Weiterempfehlen von Inhalten, Kommentieren, Chatten.

Wie wärs, wenn Apple die Community mit Austausch-Funktionen stärker an sich binden würde?

Eingeloggt sind wir ja eh schon alle. Noch eine Plattform mehr? Oder ist es auch für Apple schlauer, wenn sie sich für solche Funktionen an den grossen Plattformen anhängen? Mashable hat kürzlich über eine Verbindung von iTunes zu Facebook spekuliert.

Die Aussage von Ethan Beard als Video – noch hat meine G11 das Videozoom-Scharfstellen nicht wirklich im Griff.

Marcel Bernet | 09.12.2009

LeWeb09: Morgenstimmung

leweb_introfotoHier sitze ich also. Mit über 2000 Teilnehmenden aus 46 Ländern. Und starre auf meinen Bildschirm. Am Echtzeit-Socialweb-Predigerkongress.

Ja, so sozial kann das Web sein – und ich schliesse mich bei dieser etwas ironischen Betrachtung keineswegs aus. Denn eigentlich könnte ich jetzt ganz sozial mit anderen interessanten Web-Enthusiasten einen Kaffee trinken. Aber nein, ich machs wie Robert Scoble (habe ihn früher für mein Buch interviewt) und blicke angestrengt auf meinen Bildschirm. Echtzeit-Socialweb-Asozial, sozusagen. Schliesslich bin ich Korrrespondent hier, offizieller Blogger. Liebes Publikum, hier erste Impressionen von der LeWeb09, fast ganz live aus Paris. 40′000 Personen hätten übrigens letztes Jahr den Livestream mitverfolgt.

Ethernet für Frühaufsteher
Der Tag beginnt wie am Skilift. Hätte ich die Tageskarte – besser: den Official-Blogger-Pass – schon, dann könnte ich wie andere am «Pöbel» vorbeispazieren und rein ginge es. Pech gehabt – und Glück zugleich. Denn dank frühem Aufstehen bin ich zuvorderst in der wachsenden Schlange. Auch die nächste Hürde nehme ich mit Grazie, denn beim Badge-Chaos helfen mir Glück und Insistieren. Alex Barrera aus Madrid (gestern Abend kennengelernt, Co-Blogger und Startupper) einen Platz in der zweiten Reihe reserviert, samt Ethernet-Anschluss. Wow, gleich hinter den reservierten Plätzen für TechCrunch. Die können locker eintrudeln.

leweb09_intro

Live vom Predigerkongress
Das Thema dieser zwei Tage ist das Echtzeit-Web. Etwas ironisch nenne ich das hier «Predigerkongress». Das gilt natürlich für alle Kongresse – wo sich immer diejenigen treffen, die an einem Thema besonders interessiert sind und es vorantreiben. Hier bin ich sozusagen als Jünger unter den Predigern des sozialen Echtzeitwebs. Alles soll noch dialogischer, schneller, echter werden. Die Referentenliste umfasst Facebook, Twitter, Nokia, Microsoft und weitere Schwergewichte. Also, wenn ich jetzt von hier zu stark «Hurra, alles wird gut» schrei(b)e, bitte ich um Nachsicht. Und kritische Kommentare.

Echtzeit ist im Web immer fast echt. Wir bewegen uns im Sekundenbereich was publizieren, lesen, finden anbelangt – Google hat mit der Realtime-Lancierung dieser Woche (Reuters-Artikel) einen weiteren Schritt hierhin getan. Ganz echt ist Zeit wohl immer nur im persönlichen Austausch. Und ganz selten merken wir, dass Jetzt Jetzt ist.

Mit predigenden Grüssen gehe ich jetzt doch noch Kaffee holen. Wer etwas Kongress-Morgenstimmung einfangen mag, schaut sich dieses Video an.

Sonja Stieglbauer | 08.12.2009

Rail Service: Inoffizieller öV-Twitterdienst

Social Media Gipfeli

Die Rail Service Tweets überzeugen selbst Skeptiker von der Nützlichkeit des Twitterns. Den professionell gemachten Dienst betreiben drei junge öV-Profis/-Freaks in Eigenregie.

Am Social Media Gipfel  vom 2. Dezember standen sich Chris Leduc, einer der drei Initianten, und  Patrick Comboeuf, Director E-Business SBB, zum ersten Mal gegenüber.

Den öV-Nutzenden unter den Anwesenden musste Christian Leduc den Service nicht lange erklären. Der Nutzen ist offensichtlich: Wer im Zug von einer Unbill betroffen ist oder wissen will, wo man im ICN Strom fürs Laptop findet, postet einen Tweet. Kurz darauf kommt die 140-Zeichen-Antwort. Nachfragen ist selbstverständlich möglich. Nico Luchsinger hat den Service auf seinem BetaBlog bereits gut beschrieben.

Patrick Combeuf, Chris Leduc, Peter Hogenkamp

Gespannt waren die Teilnehmenden auf das erste Zusammentreffen von Chris Leduc und Patrick Comboeuf, Direktor E-Business SBB. Entgegen meinen Erwartungen zeigte sich Patrick Comboeuf begeistert vom unabhängigen Rail Service-Twitterdienst. Er vertritt damit aber seine persönliche Meinung. Die offiziellen SBB haben im Moment (noch) kein Interesse, sondern vor allem ein Problem mit der Benutzung ihrer Logos durch die Twitterer. Zugegeben, Gleis 7 ist nicht ganz geglückt.

Twitter-Logos GA, Halbtax, Gleis 7, Rail Service

Warum kommunizieren die SBB ihre Störungsmeldungen eigentlich nicht auch auf  Twitter?  Für das interaktive Element müsste dann der Kundendienst in Brig sorgen. Ein Tweet ist auf jeden Fall schneller geschrieben, als eine telefonische Anfrage beantwortet. Und die Reichweite ist erst noch grösser. Liegt es daran, dass die Rail Service-Nummern kosten, Twittern an sich aber gratis ist?

Ich bin gespannt, ob und wer bei Rail Service in einem oder zwei Jahren zwitschert. Wie die Tweets heute aussehen, zeigt die Präsentation von Chris Leduc.

Hintergründe zum Zusammentreffen, von Peter Hogenkamp auf blogwerk
Weitere bernetblog-Beiträge zum ersten Gipfel:
Facebook: Franky Slow Down als Kampagnenbeschleuniger
Social Media Gipfel 01: Impressionen, Idee, Initianten

Marcel Bernet | 02.12.2009

Social Media Gipfel 01: Impressionen, Idee, Initianten

nurknopfDer erste Social Media Gipfel ist erfolgreich über die Bühne des NZZ Bistro gegangen. Ein persönlicher Rückblick auf diesen Morgen mit einigen Eindrücken und Kurzvideo.

Die Zusammenfassung der Facebook-Learnings für Unfallverhütung ist online – wie wirs versprochen hatten. Dieser Gipfel bringt nicht nur Impulse für die Anwesenden, sondern in verdichteter Form auch durch unsere Nachbearbeitung. Gestaunt habe ich darüber, dass wirs heute in die Top-Themen der deutschsprachigen Tweets geschafft haben. Natürlich wirds wieder ruhiger werden, hier der laufend aktualisierte Twittertrend für den Hashtag / das Twitter-Schlagwort #smgzh. Am Anlass habe ich selbst laufend Erkenntnisse getweetet – das nächstemal nehme ich diese Frequenz ein wenig runter. Denn die Zusammenfassung in einem Blogpost bringt zwar weniger Aktualität, dafür mehr Tiefgang und Gesamtsicht.

Drei Ziele hatten sich Peter Hogenkamp und ich mit diesem Format gesetzt:

1. Kontakten: Menschen kennenlernen, die ebenfalls unterwegs sind irgendwo im Bereich Social Media.
2. Verdichten: Dies in einem effizienten, komprimierten Rahmen mit viel Raum für Diskussion.
3. Lernen: Impulse erhalten aus den Antworten und Fragen anderer.

Diese Ziele erhalten im folgenden Video die persönliche Färbung von mir und von Peter. Wir haben auf dem Weg hierher gelernt, was es alles braucht, um so eine Idee steigen zu lassen. Und wir möchten weiterhin einfach bleiben: Kostenloser Eintritt, eigene Konsumation, alle zwei Monate zwei Praktiker zu Gast, maximal 80 Gäste. Und das ganze getragen von zwei markanten Köpfen mit einem engagierten Team im Hintergrund, bei blogwerk und Bernet_PR. Ein herzliches Dankeschön an alle Helfer!

Marcel Bernet | 02.12.2009

Facebook: Franky Slow Down als Kampagnenbeschleuniger

nurknopfWie beschleunigt man mit Social Media eine Unfallverhütungskampagne? Mit Franky Slow Down, einer Kunstfigur des bfu und seinem Song – auf Platz 5 der Schweizer I-Tunes-Hitparade. Learnings aus dem ersten Social Media Gipfel von heute morgen.

Gestern Nacht um 23.00 habe ich die letzten Slides gemacht für die Startmoderation, heute morgen um 07.00 gings los mit Einrichten im NZZ-Bistro. Noch bin ich ganz Adrenalin-geschubst von diesem gelungenen ersten Gipfeltreffen. Der Aufwand war gross, die Idee funktioniert, das Teamwork mit Peter Hogenkamp lief super flüssig. Hier die Kurzverarbeitung des ersten Referats für alle, die nicht dabei sein konnten.

Langsam sein ist cool – früh aufstehen auch
So sah David Schärer heute morgen um 07.00 aus – und daneben ein Blick ins volle Bistro-Auditorium. Gegen 90 Frühaufsteher/innen machten einen hellwachen Eindruck.

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Ziel der von ROD entwickelten Kampagne für bfu und SVV ist Unfallverhütung. Und die meisten Autounfälle entstehen durch «leichte» Schnellfahrer wie Sie und ich – ein wenig gehetzt, 10 km/h über dem angegebenen Limit. ROD-Mitgründer und -partner David Schärer, erster Gipfel-Erfahrungs-Austauscher: «Wir wollen mit der Kampagne vermitteln, dass Langsamsein cool ist.»

Facebook ja – weil dort das Publikum sitzt
Facebook war von Beginn weg der Kern der Kampagne, die dazu eine eigene, dreisprachige Website pflegt, Plakate stellt, Online-Werbung platziert und Medienarbeit betreibt. Gab es keine internen Widerstände bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu, die als Verwaltung den Facebook-Zugang für die Mitarbeitenden sperrt? «Nein, im Gegenteil. Kampagnen müssen dorthin, wo das Publikum sitzt. Will man viel Aufwand für Traffic auf der eigenen Website treiben – oder besucht man eine Plattform, auf der sich bereits 1.8 Millionen Schweizer tummeln?»

Achtung Kunstfiguren: Bei Spamverdacht wird gesperrt
Das bfu will auf Facebook – und steht mittlerweile bei knapp 14′000 Fans der eigenen Seite mit dem Kampagnen-Namen «Slow down, Take it easy» und bei rund 4′000 Freunden für die Kunstfigur Franky Slow Down. Stolperstein beim Start: «Facebook hat uns beim Kampagnenstart den Account einen Tag gesperrt – weil wir sehr viele Freundesanfragen in kurzer Zeit hatten, fielen wir auf. Erst durch mehrere Kontakte und den Beweis, dass es sich hier nicht um Spam handelt, erreichten wir die Wiederöffnung. Learning: Wer sich für eine Kunstfigur entscheidet, braucht gute Argumente bei Facebook.»

Viel Aufwand für eine Kunstfigur – mit erstaunlichem Echo
Wieso Fanseite und persönliches Profil? «Auf dem persönlichen Profil ist die Bindung stärker – und vor allem ist das Weiterleiten von Inhalten innerhalb der persönlichen Freundesnetzwerke viel höher.» Der Aufwand fürs persönliche Profil ist gross: Hier kann man als Absender nicht einfach ein wenig mitmachen oder automatisiert Meldungen verbreiten. Der Dialog muss ernsthaft durchgespielt werden, auch für eine Kunstfigur. Bei ROD ist Franky Slow Down täglich zwei Stunden online. Er beantwortet Freundschaftsanfragen, schreibt Notizen auf die Pinnwand von Freund/innen, sorgt für einen Dialog.

Dieser Dialog nimmt erstaunliche Formen an: Immer wieder wollen Fans mit dem Franky in den Ausgang. Mich hat die Freude erstaunt, mit welcher das simple Ja zur Facebook-Freundschaft kommentiert wird. Denn ein Ja bekommen doch alle. Und Franky ist doch nur eine Kunstfigur. Oder doch nicht für alle? Reinschauen lohnt sich – auch die Einträge von Franky sind gut gemacht, auf den Song bezogen oder mit top-aktuellen Gas-weg-Tipps zum überraschenden Schneefall vom Montag.

dankefürsaufnehmen

Facebook macht als Mainstream-Plattform Hitparade
Zur Kampagne gehört der Slowdown-Song, der sich gerade gestern Abend auf Platz 5 der Schweizer I-Tunes-Hitparade vorgearbeitet hat. Trotz der normalen CHF 1.50 für einen Download. «Dieser schnelle Erfolg des Lieds ist aus meiner Sicht eine Folge der starken Facebook-Präsenz. Das hätten wir mit klassischer Promotion nicht erreicht.»

Wie weiter? Wird Franky bald sterben? Was passiert dann mit den Fans? «Wir haben einen Kampagnenhorizont von drei Jahren. Verschiedene Sachen sind noch in der Pipeline. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht – vielleicht ist Facebook dann nicht mehr die Mainstream-Plattform. Vielleicht doch.»

Artikel zum zweiten Gipfel-Beitrag:
Railservice als inoffizieller SBB-Kundendienst

Übrigens habe ich bei diesem Blogpost gemerkt, dass unsere bevorzugte Plattform Scribd keine Keynote oder Powerpoint akzeptiert. Zu doof. Also habe ich den Account auf Slideshare re-aktiviert und Davids Folien so eingebunden:

Marcel Bernet | 19.11.2009

Erstbesteigung: Kein Platz mehr auf dem Gipfel

nurknopfHeute morgen mussten wir das Anmeldeformular von der Website nehmen – nach nur drei Tagen haben sich 75 Personen eingetragen.

Der erste Social Media Gipfel scheint ein sehr aktuelles Bedürfnis zu treffen. Am Montag haben wir die Ausschreibung mit diesem Beitrag und auf der eigenen Website www.socialmediagipfel.ch gestartet. Ganz sozial und schnell klappte das Weiter-Erzählen auch über Twitter. Hier wirds also am führen Morgen des 2. Dezember ganz schön voll sein:

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Peter und ich haben entschieden, bei 75 zu stoppen – im NZZ Bistro haben 60 Personen Platz, wenns dazu Kaffee und Gipfel geben soll. Dabei wollten wir bleiben. Wir rechnen  mit einigen wenigen No-Shows und können für zusätzliche Stühle improvisieren. Jetzt muss noch schnell eine einfache Sound-Anlage her, damits auch akustisch klappt.

Viele Entscheider dabei, plus Berater und Dienstleister
Wer ist alles dabei? Eine Kurzauswertung der eingetragenen Unternehmen und Funktionen zeigt, dass wir rund 29 Prozent Entscheidungsträger aus Unternehmensbereichen Kommunikation, Marketing, Web erwarten dürfen. Stark vertreten sind Dienstleister aus den Bereichen Kommunikationsberatung und Webtechnologie/-design. Es versteht sich von selbst, dass ich die Blogger zur Kategorie der Medien zähle und schliesslich sind blogwerk und Bernet_PR als Veranstalter ebenso vertreten.

socialmediagipfel_teilnehmer01

Ich bin gespannt auf die beiden Praxis-Beispiele, wie das Format inhaltlich und zeitlich aufgeht. Auf alle Fälle freue ich mich riesig auf die persönlichen Kontakte.

Marcel Bernet | 16.11.2009

Social Media Gipfel: Erstbesteigung mit bfu und SBB

nurknopfAm 2. Dezember gibts Social Media-Praxis zum Frühstück – mitten in Zürich. Mit bfu-Facebook- und SBB-Twitter-Erfahrung aus erster Hand. Ausverkauft: Unten eintragen für nächste Termine!

Geht es Ihnen wie mir? Sie arbeiten an einem Blog-, Facebook- oder Twitter-Projekt und fragen sich: Wie geht das? Wie machen das andere? Beispiele gibts ja genug, nur spielen sich die irgendwo in den fernen USA ab. Was läuft in der Schweiz?

Das wollte ich schon immer mal wissen. Und weil ich mit Bernet_PR schon seit 1995 Wissen auf dem Web teile, gibts jetzt den Social Media Gipfel. Zum erstenmal am 2. Dezember, von 07.30 bis 09.00 Uhr. Mein Kletterpartner auf dieser Erstbesteigung ist Peter Hogenkamp – alleine hätte ich es nicht gewagt. Denn das Ganze ist keine kommerzielle Sache, wir beide stemmen das so nebenbei. Und mit Peter machts einfach Spass. Wer erklimmt mit uns die Fredy-Hiestand-Gipfeli aus dem NZZ Bistro beim Bahnhof Stadelhofen? Das Programm:

07.30 – 08.00
Facebook: Ganz schnell auf 4′000 Fans – mit Jacky Slowdown.
David Schärer, Partner der Werbeagentur ROD, zeigt die Erkenntnisse aus der aktuellen Slow-Down-Kampagne für bfu und SVV. facebook.com/SlowDown.TakeItEasy

08.00 – 08.30
Twitter: RailService zeigt, wie man Kunden ernst nimmt.
Die beste Schweizer Twitter-Lösung ist das Werk freiwilliger Mitarbeiter – was sagt die SBB dazu? Chris Leduc, Initiant, und Patrick Comboeuf, Director E-Business, begegnen sich bei uns zum ersten Mal. twitter.com/railservice

08.30 – 09.00
Praxisaustausch, Schlusspunkt, Gipfelrast.
Wer kann, bleibt länger.

Die Inhalte werden auf netzwertig.com und natürlich hier im bernetblog zusammengefasst. Als zentrale Website für diese Soziale Kooperation von Peter und mir funktioniert www.socialmediagipfel.ch – als Hashtag #smgzh.

Anmeldung
Mussten wir heute, 19. November rausnehmen – leider schon ausgebucht. Tragen Sie sich für spätere Anlässe (Februar, April, Juni 2010) ein, wir werden Sie frühzeitig informieren:


Sie haben am 2. Dezember keine Zeit? Tragen Sie sich in unseren Newsletter ein, um über kommende Termine informiert zu sein:

E-Mail*:
Vorname:
Name:
Dominik Allemann | 11.11.2009

Medientalk Uni Zürich: Sonntagsmedien wohin?

uni_zuerichGesund sind die sonntäglichen Printtitel – im Gegensatz zu den Tageszeitungen mit düsteren Prognosen und sinkenden Zahlen. Wo liegen die Herausforderungen?

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Medientalk» des Publizistischen Instituts der Uni Zürich sprachen gestern Abend Felix Müller, NZZ am Sonntag und Professor Heinz Bonfadelli, Uni Zürich unter der Leitung des NZZ-Redaktors Thomas Ribi. Hier zusammengefasst die Hauptaussagen:

Der Markt
In den letzten Jahren haben die Sonntagstitel stets Leser dazu gewonnen. Diese verteilen sich heute aber bereits auf fünf Titel (neu: Sonntag, Südostschweiz, Zentralschweiz). Damit ist der Lesermarkt wohl ausgeschöpft – ein wirtschaftlich (und redaktionell?) harter Verdrängungskampf ist die Folge. Felix Müller hält mittelfristig Zusammenschlüsse für durchaus möglich. Und sind die heute in UK stark sinkenden Sonntagsauflagen ein Indiz für die Schweizer Entwicklung (Prof. Bonfadelli)?

Die Inhalte
Durch die grosse Online-Konkurrenz wandern immer mehr Hintergrundberichte in den Tagesjournalismus. Der Tagi will gar eine «tägliche Wochenzeitung» sein. Damit einher geht ein schleichender Bedeutungsverlust der Politik zu Gunsten von weicheren Themen (Lifestyle, Reisen, Kultur). Wie können sich also NZZaSo und ihre Pendants weiter entwickeln – und im Spannungsfeld zwischen Leser- und Werbemarkt attraktiv bleiben? Bonfadelli rät, bezüglich Themensetting von den Gratiszeitungen (hauptsächlich 20Minuten) zu lernen – und Bildung, Multimedia/neue Medien oder Gesundheit verstärkt zu bearbeiten.

Die Leser
Wir alle konsumieren immer mehr Inhalte mit einer flackernden, unsteten Aufmerksamkeit (Bonfadelli). Die Sonntagsmedien dagegen befinden sich auf einer Art Insel. An ihrem Erscheinungstag nehmen sich die Leute mehr Zeit, wollen sich gemütlich zurück ziehen und Inhalte mit grösserer Konzentration geniessen. Diese Lektüre hat in der Schweiz den Messgang ersetzt.

Ein kluger und kurzweiliger Abend, gut geführt von Gesprächsleiter Ribi. Ich bedaure die ersten beiden Abenden der Veranstaltungsreihe verpasst zu haben (zum Beispiel Zukunft der Leitmedien am 29. September). Und bin gespannt auf den Abend vom 1. Dezember, wenn es um die Konvergenz zwischen Print- und Onlinemedien geht (hier die Koordinaten).

Beim ersten Talk zum Thema Medien, Macht und Qualität mit Markus Spillmann war der bernetblog dabei, samt Kurzvideo: Beitrag vom September 2008.

Marcel Bernet | 02.11.2009

LeWeb09 in Paris: Intensive Blog-Einbindung

leweb09_logoDer bernetblog ist «Offizieller Blogger» an der grössten Internet-Konferenz Europas. Ich habe mich für diesen Posten beworben, darf gratis teilnehmen und muss dafür schreiben. Im Gegensatz zur NZZ.

Aufmerksame Beobachter haben das LeWeb-Logo rechts unten auf diesem Blog schon entdeckt. Dessen Online-Schaltung ist Teil des Deals, auf den ich mich eingelassen habe. Und es sorgt für zehn Prozent Anmelderabatt, wenn man unten auf der Anmelde-Seite «Click here to enter a promotional code» klickt und dann «BLOG09» eintippt. Diese zehn Prozent nutzt man gerne, denn mit 1495 Euro ist der Standardpreis für die zwei Tage hoch genug. Ich bin dabei, weil ich Interviews führen will für mein nächstes Buch und natürlich für den bernetblog. Und weil die Referentenliste eindrücklich ist: Sie reicht vom Twitter-Gründer Dorsey über TechCrunch Arrington bis zur Königin von Jordanien.

Offizielle Blogger müssen bloggen
Die Genfer Top-Bloggerin und Web-Pionierin Stephanie Booth koordiniert den Einsatz eines ganzen Heeres von offiziellen Bloggern. Die 63 auserwählten dürften ihre Eignung im langen Fragebogen am besten dargestellt haben. Dort mussten die Reichweite des eigenen Blogs oder zusätzlicher Online-Plattformen deklariert werden und die Motivation für einen LeWeb-Besuch. Auch die Konditionen waren klar – ich habe eingewilligt

  1. mindestens zwei Blogposts bis Ende Oktober zu schreiben (Timing nicht ganz geschafft, zugegeben)
  2. ein LeWeb-Logo mit Anmeldelink zu schalten – bis die Konferenz zu Ende ist
  3. auch auf den «üblichen» Kanälen über die Messe zu berichten – wie Facebook oder Twitter
  4. so viel zu schreiben wie ich will am 9. und 10. Dezember

Liebe bernetblog-Leser/innen, seien Sie also gewarnt: Ich schreibe hier, weil ich mich dazu verpflichtet habe. Aber seien Sie gleichzeitig sicher, dass ich trotzdem neutral und kritisch bleibe. Mit meiner mir eigenen Subjektivität. Deshalb werde ich in einem nächsten Beitrag den Vergleich mit der NZZ machen – die reist nämlich auch nach Paris. Und da habe ich mich für die Konditionen interessiert, die «normalen» Medien geboten werden.

Nachtrag: Seien Sie auch sicher, dass ich nur dann schreibe, wenn ich etwas Interessantes entdecke. Verpflichtet bleibe ich auch bei LeWeb den Inhalten des bernetblog: Online PR, Kommunikation, Medien.

Intelligente Einbindung von Aficionados
Was dieses Beispiel sehr schön zeigt, ist die lohnende Einbindung der vielen neuen Publizisten, die das Web mit sich bringt. Das lohnt sich natürlich erst recht für eine Messe, die genau dieses Medium zum Thema macht. Also wird in den nächsten Tagen auf allen Kanälen ganz schön viel geschrieben werden über LeWeb09.

Mehr über die Auswahl der Blogger im Interview mit Stephanie Booth. Und im Interview mit NZZ Online-LeWeb-Besucher Nico Luchsinger ein Fazit zum Thema Schreibzwang.

Dominik Allemann | 29.10.2009

PR-Symposium Bern: Kommunikation in Krisenzeiten

pr_suisse Vertrauen und Glaubwürdigkeit als Erfolgsfaktoren für die Kommunikation in «Krisenzeiten»?  Zum Ausdruck brachten die sechs Referent/innen des PR-Symposiums vor allem ihre kommunikative Grundhaltung.

Erstaunlich zahlreich folgten die Schweizer PR-Kräfte der Einladung des PR-Berufsverbandes SPRG. Das Programm war vielversprechend. Vorweg; sie wurden nicht enttäuscht. An meinem Twitter-Liveticker lässt sich der Puls des Nachmittags recht deutlich ablesen. Hier die Höhepunkte aus meiner Sicht und in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Oswald Sigg, Publizist, ehemaliger Bundeshaussprecher
«La Suisse existe. La crise n’existe pas.»
Nach einem inhaltlich einwandfreien, wenn auch ein wenig trockenem Auftakt von Alt-US-Botschafter Alfred Defago («Das politische System ist auf das solide Mittelmass ausgerichtet – das unterstützt ein aktives Krisenmanagement nicht.») brachte Oswald Sigg das Schmunzeln in den Saal. Mit viel Bodenhaftung hinterfragte er Krisenkonzepte und stabsmässig geübte Kommunikations-Szenarien. Ganz zuerst gelte die Verfassung («Der Bundesrat informiert die Bevölkerung rechtzeitig und umfassend…») und darauf aufbauende Verfügungen. Diese seien einfach und forderten unmissverständlich eine einheitliche, frühzeitige und ganzheitliche Kommunikation. Und ganz am Schluss soll man sich nicht immer fragen, WIE etwas zu kommunizieren sei, sondern in erster Linie WAS. Wie heisst’s im Web? Content is King!

Larissa Alghisi Rubner, Head Communications Managem. UBS
«Wenn man nicht plakativ sein kann – besser schweigen. Es gibt heute medial wenig Platz für Grautöne und Differenziertes.»
Die UBS-Kommunikations-Spezialistin Alghisi sprach nach Avenir Suisse Chef Thomas Held und sprang kurzfristig für ihren Kollegen Michael Willi ein. Sie machte das hervorragend. Entgegen aller Lehrbuchmeinungen sprach sie sich für eine gewisse Vorsicht aus im Umgang mit Transparenz und Öffentlichkeit. Die Medien seien nicht auf die Lösung von Problemen aus, sondern auf die Zelebrierung von Konflikten und Kontroversen. Alghisi sprach engagiert, kurzweilig und anregend. Das wünscht man sich von PR-Schaffenden.

Paola Ghillani, Beraterin
«Don’t ever think a small group of conscious and dedicated people can’t change the world – in fact this is the way it always happens.» Margaret Mead
Die gelernte Apothekerin Ghillani machte sich unter anderem einen Namen mit der Profilierung der Stiftung Max Havelaar. Am meisten beindruckten mich ihre fünf (kommunikativen) Grundsätze – die wohl auch oder gerade in der Krise gelten:

  • der Mensch ist das Ziel
  • Taten statt Worte schaffen Vertrauen und Glaubwürdigkeit
  • Arroganz vermeiden
  • nicht in die Defensive gehen
  • If you can dream it, you can do it

Den Abschluss machte auf äusserst humorvolle Art der Philosoph, Publizist und Persoenlich-Kolumnist Ludwig Hasler. Er schloss mit einem Einstein-Zitat, welches wohl genauso auf PR-Menschen wie auf Physiker zutrifft:

«Ein Physiker der nur von Physik etwas versteht,
versteht auch nichts von Physik.» Albert Einstein

Dominik Allemann | 09.06.2009

Corporate Social Responsability: Vergebliche Liebesmüh?

david_vogelIst Corporate Social Responsability das Feigenblatt für globale Player? Oder ein Muss für nachhaltigen Unternehmenserfolg? David Vogel – Professor für «Business Ethics» in Berkeley/Kalifornien verdutzte beim gestrigen Auftritt in Zürich die Anwesenden.

Vogel war Gast der «MScom Excellence-in-Communications-Lecture», organisiert von der Alumni-Organisation des MScom/Lugano und dem Harbour Club. Seine Keynote-Rede – erfrischenderweise powerpointfrei vorgetragen – warf ein kritisches Licht auf den Hype rund um die Programme der «sozialen Verantwortung» von Unternehmen.

«CSR-Programme zahlen sich nicht aus!»
Vogels Aussagen verblüfften die anwesenden PR-Profis: Entgegen dem Kanon seien CSR-Programme irrelevant für längerfristigen Unternehmenserfolg. Weil die Konsumenten kaum eine Verbindung zwischen den CSR-Projekten und ihrem Kaufverhalten herstellen. Und weil erwiesenermassen engagierte Unternehmen nicht profitabler arbeiten als ihre kaltblütigen Mitbewerber – im Gegenteil. Diese provokative These beschreibt David Vogel auch im Artikel «The Low Value Of Virtue» (Harward Business Review, Juni 2005).

Soweit, so neu – weil Vogel nicht in das gleiche Horn von wegen «wer nicht mitmacht, bleibt draussen» bläst. Erfrischend waren dann die Anregungen von Thomas Scheiwiller, Partner bei PricewaterhouseCoopers und Leiter «Global Sustainability». Aus dem Gespräch zwischen ihm, David Vogel und dem Publikum blieben mir diese Aussagen besonders hängen:

Trend: Vom Storytelling zum Reporting (*s. auch Nachtrag)
PR-Profis empfehlen: «Tu Gutes und sprich darüber». Laut Scheiwiller geht der Trend aber vom Storytelling hin zum Reporting. Was heisst das konkret? Verstanden habe ich, dass in Zeiten von Corporate Governance grösstmögliche Transparenz und Offenlegung genauso wichtig sind wie Stories über die Unterstützung von Kaffeebauern oder Kinderhütedienste.
Ich meine: Gute Geschichten sind immer noch von unschätzbarem Wert – aber sie müssen wahr und authentisch sein. Gerade in Zeiten von «Naming and Shaming» via Weblogs, Twitter, Facebook und Co.

«CSR meets R&D» (Research & Development)
Gutes und erfolgreiches Unternehmertum (neudeutsch «Entrepreneurship», s. Wikipedia) erkennt neue Bedürfnisse der Gesellschaft und findet Antworten darauf. In diesem Sinne wäre die CSR-Verantwortung am besten in der Abteilung Forschung+Entwicklung eingelagert. Damit sinnvolle Engagements kongruent sind mit neuen gesellschaftlichen Trends. Beispiel: Heute sind diejenigen Autobauer im Marktvorteil, die früh genug in die Entwicklung von neuen Technologien (Hybrid etc.) investiert haben.

Strategie und Umsetzung
Noch wichtiger als bündeldicke Strategiepapiere der CSR sind unternehmensnahe (und vielleicht auch geographisch nahe) Umsetzungen. Was sind unsere Businessziele? Was tun wir für unsere Zielerreichung? Gibt es CSR-Projekte, die quasi am Wegrand warten und mitgenommen werden können? Am Schluss zählt eine starke Umsetzung.

Und schliesslich ist die ganze CSR-Geschichte Ausdruck einer menschlichen und auch unternehmerischen Grundhaltung mit einer starken Ausstrahlung auf alle Stakeholders, insbesonders auch auf bestehende und potenzielle Mitarbeitende. Diese Liebesmüh rendiert langfristig definitiv.

*Nachtrag:
Kurz nach Abschluss dieses Beitrags hielt ich eine Beilage des Migros-Magazins in den Händen – notabene mit weit über 1 Mio. gedruckten Exemplaren eine der grössten Zeitungen der Schweiz. Migros hat ihr ein 30 Seiten starkes Infomagazin «Nachhaltigkeit 2009» (PDF-Download, 6,91 MB) beigelegt. Und stark mein ich wortwörtlich: In guten Geschichten, emotional bebildert erzählt es vom Engagement des grössten Schweizer Detailhändlers im In- und Ausland. Hier wurde das Reporting im besten Sinne wieder zum Storytelling.

Marcel Bernet | 04.06.2009

PR 2.0: Wo sind die Meinungsmacher?

Laptop MegaphoneHeute nachmittag halte ich einen Vortag am Praxisworkshop des BR/SPRG. Die Kernfrage: Wie richtet sich PR auf die neuen Online-Realitäten aus?

Natürlich habe auch ich nicht die definitive Antwort auf diese Frage.  Aber in den 15 Minuten Impulsreferat samt anschliessendem Workshop lote ich aus, wie sich die Realität für PR-Schaffende heute präsentiert. Und zeige mit konkreten Beispielen, wohin die Richtung geht. Hier das PDF des Handouts und ein Video des Vortrags.

Die Kernaussagen:

Wir stehen mitten in einem grossen Umbruch – wer jetzt schon weiss, wohin es geht, der lügt. Wie vor 600 Jahren, gleich nach der Einführung der Gutenbergschen-Drucktechnik. Im Rückblick wissen wir, was geschah. Aber was der Sturz des kirchlichen Druckmonopols alles mit sich brachte war im Geschehen selbst nicht voraussehbar.

Vor uns steht ein wachsendes, sich schnell wandelndes Web-Umfeld – mit immer wieder neuen Kanälen, die es in einem PR-Dialog zu lesen, auszuloten und zu beliefern gilt. Von Wikis über Blogs bis zu Sozialen Netzwerken. Und dabei führt der Weg immer mehr auch an den klassischen Medien vorbei. Denn die neuen Meinungsmacher sind dort, wo sie unsere Zielgruppen suchen und finden. Duch die Mittlerfunktion wird Google sozusagen zum entscheidenden Meinungsmacher.

Interessante Beispiele neuer Meinungsmacher bieten Mini-Microsoft (ein anonymer Microsoft-Mitarbeiter wird durch sein vielbeachtetes Blog zum Multiplikator nach aussen), Stop-Starbucks (der US-Dokumentarfilmer und Aktivist Robert Greenwald zeigt, wie man Web 2.0-Kampagnen fährt, genial orchestriert von einer zentralen Website aus mit Einbettung in Facebook, Twitter, Mail, Youtube, Flickr, MySpace) und Teleblocher (wie ein Schweizer Politstar sich direkt an seine Fans und Gegner wendet, mit 20 bis 80000 Downloads seiner wöchentlichen Interviews).

Entscheidend für die Zukunft ist die Verbindung von Intention, Inhalt und Integration. Intention steht für die Verbindung von Vision, Kernbotschaften und konkreten Taten. Noch so interaktive Kampagnen laufen auf Grund, wenn dieser Kern nicht stimmt. Inhalte werden schneller, vernetzter und dialogischer. Und verlangen nach dem sehr anspruchsvollen Akt der Integration, in Anbetracht der vielen zu bedienenden Kanäle und Empfänger eine Meisterleistung.

A propos Meisterleistung: Das mit dem Video war eine grössere Übung: Keynote bietet die super Möglichkeit, eine Präsentation aufzuzeichnen. Wichtiger Tipp für den Export: Unbedingt für «CD-ROM mittel» auswählen, anstatt «Webfilm klein». Ich hatte zuerst die zweite Option gewählt, mit lausiger Qualität und nur gerade 10 Megabyte weniger Umfang. Die zweite Überraschung präsentierte mir Youtube, nach langem Upload: Video abgelehnt. Länger als zehn Minuten liegt nicht drin. Also weiter auf iMovie, 30 Sekunden rausgeschnitten und dann rauf auf Youtube (-:

Marcel Bernet | 08.05.2009

Blogwerk, Post, Stadtwanderer: Erfahrungsberichte

fliegerWelche Learnings präsentieren zwei Dienstleister und der zweitgrösste Arbeitgeber der Schweiz? Hier ein Querschnitt aus ihren Beiträgen am gestrigen Corporate Blogging Seminar.

Es war ein dichter und sehr produktiver Tag am MAZ, mit interessanten Beiträgen auch aus der Teilnehmerrunde. Von den drei Gastrednern nehme ich folgendes mit:

Peter Hogenkamp: Totgesagte leben länger
Der Gründer und Mitbesitzer von Blogwerk, Blog-Dienstleister und Betreiber von Themenblogs, glaubt an die Zukunft von Blogs. Zwar werden die nicht mehr so heissen oder als Blogs angepriesen. Aber aktuelle, persönlich gefärbte Inhalte mit Dialogfunktion bleiben relevant. In Facebook und Twitter sieht er die im Moment interessanteste Weiterentwicklung der ursprünglichen Blogidee.

Das präsentierte Bye-Bye-Billag-Beispiel zeigte auf, wie Facebook sehr effizient für die schnelle Verbreitung einer Kampagne aufgesetzt wurde. Und zwar von ehrenamtlich tätigen Initianten, die Unterschriften für eine Initiative sammeln gegen diesen Eintreiber von Radio- und Fernsehgebühren. Die Entwicklung der Fan-Zahlen entwickelt sich sehr stark in Zusammenhang mit der Berichterstattung in den klassischen Medien. Heute steht die Hauptgruppe bei 41000 Fans.

Was ich gelernt habe: Domains / Namen für Gruppen und Personen sind auf Facebook nicht eindeutig reservierbar. So kann man also auch weitere Bye-Bye-Billag-Gruppen eröffnen – seltsamerweise gibt es denn auch eine zweite mit knapp 20′000 Fans und etwas anderen Administrator-Namen. Und noch ein paar dazu. Und Facebook lässt Gruppen-Mailversände an maximal 5000 Empfänger zu. Aus beiden Gründen unterhalten die Initianten auch eine eigene Internet-Website auf byebyebillag.ch und sammeln dort fleissig E-Mail-Adressen. Gemäss Peter sind sie dort aber erst bei rund 8′000 Einträgen.

Christian Schenkel, Pascal Lorenzini: Interner Guerilla-Dialog
Christian (mit eigenem Dialogblog) ist verantwortlich für die interne Online-Kommunikation, Pascal für die ganze interne Kommunikation bei der Post. Sie richten sich dreisprachig an 50′000 Mitarbeitende aus 119 Nationen, von denen nur rund die Hälfte mit dem PC arbeitet. Deshalb bleibt Print wichtig. Mit verschiedenen Beispielen zeigten sie auf, wie sich Print und Online kombinieren lassen und wie sie ihr Anliegen eines verstärkten Dialogs Schritt für Schritt umsetzen konnten.

So stellt die monatliche Mitarbeiterzeitung eine «Frage des Monats» – angekündigt auch über die Intranet-News. Antworten werden auf dem Postweg und übers Intranet gesammelt. Dazu kommt ein einfacher Magazin-Blog, wo die Inhalte angerissen sind und natürlich auch die Frage zur Kommentar-Diskussion offen steht. Interessant ist die Grundhaltung von Christian und Pascal: Sie mischen sich nicht in den Dialog ein – Korrekturen sollen durch Gegenmeinungen direkt aus den betroffenen Linien oder von Mitarbeitenden entstehen. Wichtig ist, dass für diesen Dialog von Beginn weg Richtlinien kommuniziert wurden – damit in Extremfällen auf der entsprechenden Basis auch mal ein Kommentar gelöscht werden kann.

Intern durchgekommen sind die beiden mit dem schrittweisen Einbau von Dialogmöglichkeiten und mittlerweile 13 internen Blogs und 12 internen Wikis, weil sie unter anderem nie von Blogs gesprochen haben. Das führe immer zu einer Abwehrhaltung. Wenn sie dagegen «dialogische Online-Kommunikation» vorschlagen, dann fragt das Gegenüber mit grosser Offenheit: Was ist damit gemeint? Ebenso wichtig für ihren Erfolg war ein schrittweises Vorgehen, Austesten verbunden mit einer leisen Guerilla-Taktik. Worauf dann die Resultate das Vorgehen bestätigt haben.

Claude Longchamp: Als Stadtwanderer ins Fernsehen?
Claude habe ich nach einer langen Online-Bekanntschaft zum erstenmal persönlich getroffen, wohl typisch für das Zeitalter der Social Media (-: Er hat in einem kurzen Abriss aufgezeigt, dass der Stadtwanderer-Blog mehr zufällig, aus persönlicher Neugier und Mitteilungslust entstanden ist. Und aus diesem Spieltrieb ist Schritt für Schritt etwas gewachsen, was sehr weite Kreise zieht und heute eingebettet ist in die Gesamtinteressen und Aktivitäten des Meinungsforschers, Dozenten und Historikers.

Zu seinem Blog-Wirkungskreis zählen auch noch zoonpoliticon (Politikwissenschaften) und der kommunikationsblog (gfs Institut). Beide stehen in ihrer Leserschaft weit hinter dem Stadtwanderer, werden aber auf 2010 mit einem Redesign weitergeführt. Den Erfolg des Stadtwanderers führt er auf die kontinuierlich hohe Frequenz von Beiträgen und die breit interessierende Thematik zurück. Beides hat denn auch dazu geführt, dass schon früh in klassischen Medien über ihn berichtet wurde, was den Leserkreis Schritt für Schritt ausgeweitet hat. Bis hin zu einem Fernseh-Interview über die geschichtliche Entwicklung der Schweiz. Welches übrigens heute noch von Schulen bestellt werde und aufgrund des hohen Interesses vielleicht sogar zu einer TV-Sendung führen könnte.

Viele Besucher landen auf dem Stadtwanderer, weil sie bei Google ein Bild suchen. Und dann bleiben sie bei ihm. Obwohl Claude seine Fotos als gar nicht so spektakulär einstuft. Aber er hat gute Ideen, fügt sie laufend ein und versieht sie immer mit einer Bildlegende – die Suchmaschine greift auf den bildnahen Text zurück, um ihre Resultate anzuzeigen.

Claude ist für mich das blendende Beispiel eines motivierten Publizisten. Hinter seinem Erfolg steht viel Fleiss: 21 Minuten wollte er täglich ins Bloggen investieren, heute liegt er bei 61 Minuten. Und weil er so schnell ist, hat er auch gleich heute über seinen maz-Auftritt gebloggt. Danke für die Blumen, Claude.

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