Dominik Allemann | 12.03.2010

WM Südafrika 2010: Kontrollierter Online-Dialog

FIFA_Logo

Es ist das grösste mondiale (Sport-)Ereignis überhaupt. Und findet 2010 erstmals auf dem afrikanischen Kontinent statt. Die PR-Arbeit bleibt Einweg – im Web findet wenig Dialog statt.

Die Mitglieder der Zürcher PR Gesellschaft liessen sich diese Woche exklusiv – und gar von Sepp Blatter himself persönlich begrüsst – in die Geheimnisse der FIFA-PR einweihen (Bildbericht dazu ist in Arbeit). Erste und wichtigste Erkenntnis: Die grösste und mächtigste Sportorganisation kocht auch nur mit (wenn auch mit kostbarem) Wasser. Die grösste Herausforderungen sind logistischer Art: Nicht weniger als 20′000 Medienschaffende werden vor Ort akkreditiert und betreut.

Dialog: ja, aber
Wie geht die FIFA mit dem Online-Dialog um? Die gute Nachricht zuerst: Bereits heute ist mit dem Kapitel «Nachrichten» ein vorbildlicher, umfassender  Newsroom eingerichtet. Mit Nachrichten, Gerüchten («Ballgeflüster»), Foto- und Videogalerie etc.:

fifa newsroom
Offensichtlich bleibt dieser Dialog bewusst auf die unverfänglichen Themen des Spiels und seiner Akteure beschränkt. So können unter «Ihre Meinung zählt» wohl WM-Erinnerungen, Tipps und Analysen ausgetauscht werden – die richtig spannenden Kontroversen wie die Torlinientechnologie oder der harzende Ticketverkauf in Südafrika bleiben aber unangesprochen.

Social Media: noch nicht
Bei der Integration von Social Media Elementen bleibt die FIFA bei Anfrage vage: Es seien erste Massnahmen und Tests geplant – Südafrika sei jedoch noch zu früh für eine umfasssende Integration von Twitter, Facebook und Co.. Interessant der Umgang im Web mit den Medien. Noch vor der WM wird ein umfassendes Online-Mediencenter eingerichtet (heute noch nicht online). Dieses steht allerdings nur akkreditierten Medienschaffenden via LogIn offen – der Bloggergemeinde wird dieser Mediencorner also verschlossen bleiben.

Die FIFA bleibt damit das grosse, mächtige, unantast- und erreichbare Machtzentrum des Fussballs. Das wird gut gehen, solange die Spiele krisenfrei und die Begeisterung ungebrochen bleibt. Langfristig aber würde Dialog und Offenheit der Positionierung des Sportgiganten gut tun. Schliesslich hätte diese Organisation auch die Ressourcen dazu – alleine im Webteam arbeiten 70 Personen (zugegeben: man sieht es der Seite an). Und während ich mich noch auf das südafrikanische Eröffnungsspiel freue, bin ich darum schon gespannt auf die Austragung 2014 in Brasilien.

Marcel Bernet | 24.02.2010

Social Media unterstützt die Recherche

@zeichen_schreibmaschJournalistinnen und Journalisten nutzen Blogs, Twitter und Facebook intensiv als Quelle – mit höherer Anforderung an die Überprüfung.

Schon 2009 hat die Bernet/IAM-Studie «Journalisten im Internet» (alle bernetblog-Artikel zur Studie, samt Grafiken) eine hohe Akzeptanz von Social Media bei Schweizer Medienschaffenden gezeigt. Letzte Woche veröffentlichten der globale PR-Dienstleister Cision und die George Washington University eine neue Studie (Medienmitteilung deutsch, Website GWU englisch).

Social Media als Quelle etabliert – bei tiefer Glaubwürdigkeit
Der Fachbereich Strategic PR der George Washington Universität GWU sandte im Herbst 2009 Fragebogen an 9100 Medienschaffende, ein Rücklauf wird nicht angegeben. 89 Prozent geben an, Blogs für Recherchen zu nutzen, 65 Prozent nutzen dazu Soziale Netzwerke wie Facebook und LinkedIn, 52 Prozent verfolgen Microblogging-Dienste wie Twitter und 61 Prozent setzen auf Wikipedia.

Damit ist klar: Social Media haben sich als wichtige Quelle für Recherchen etabliert. Was auch nicht weiter erstaunlich ist bei dem riesigen Angebot an Informationen, die sich an diesen neuen Web-Lagerfeuern sammeln. Glauben kann man aber nicht gleich alles, was hier herumgereicht wird – zumindest geben die befragten Journalistinnen und Journalisten zu 84 Prozent an, dass Social Media-Quellen «wenig» oder «viel weniger» glaubwürdig sind als traditionelle Medien.

Vergleich Schweiz: Trend ist klar
Die US-amerikanischen Zahlen liegen bis auf die Nutzung von Wikipedia wesentlich höher als in unserer repräsentativen Studie von 2009 – hier der Vergleich:

socialmedia_journalisten_usa_ch

Gerade im Bereich Blogging bietet sich hierzulande auch wesentlich weniger Inhalt als in den USA. Hinzu kommt, dass unsere Befragung (Gratis-Download) nicht einfach die Nutzung abfragt, sondern die Wertigkeit: Ausgewiesen ist nur der Anteil der Medienschaffenden, die zum Beispiel Blogs als «wichtig» oder «sehr wichtig» für ihre Arbeit bezeichnen. Auch mit dieser engeren Auslegung nutzen die Schweizer Wikipedia leicht stärker, dafür war Twitter Mitte 2009 journalistisch unbedeutend bei uns.

Social Media nicht nur als Quelle
Dass Social Media nicht nur für die Recherche ein absolutes Muss ist, zeigt der neue Chef von BBC World News: In einem internen Memo fordert Peter Horrocks den Einsatz für Recherche, die interne Zusammenarbeit und die Verbreitung der Inhalte. Und zwar ultimativ: «Wer es nicht mag oder wer denkt, dass diese Veränderung oder diese neue Arbeitsweise für ihn zu gross sei, der soll gehen und etwas anderes tun…» Mehr dazu im Beitrag «BBC sagt: Social Media muss sein».

Alle bernetblog-Artikel zur Studie
«Journalisten im Internet» mit Grafiken und Tipps

Marcel Bernet | 28.01.2010

PR-Trends 2015: Jeder Nische ihren digitalen Kurator

steve_rubel_ausblickWas geschieht in den nächsten zwei bis fünf Jahren im Web? Auf welche Trends müssen sich Unternehmen und Organisationen vorbereiten?

Zum Schluss dieser Interview-Serie (ganze Serie auf einer Seite) passt ein Ausblick. Steve Rubel, Leiter des Digital Team der globalen PR-Agentur Edelman, sieht fünf Trends:

1. Medien werden total digital sein
Auch Zeitungen wird es in fünf bis zehn Jahren nicht mehr gedruckt geben. Das wird in den USA und Asien schneller vor sich gehen, als in Europa.

2. Unternehmen werden Medien
Diese Digitalisierung wird Unternehmen und Organisationen noch stärker die Möglichkeit geben, selbst zu publizieren. Im direkten Austausch mit ihren Zielgruppen, ohne Zwischenschritt über die bisherigen Medienhäuser. Damit ist nicht gesagt, dass das einfach sein wird. Mit dieser Option werden sich Kommunikation und Werbung grundsätzlich verändern.

3. Suchmaschinen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg
Der Kampf um Märkte und Meinungen entscheidet sich über Suchresultate. Google ist das Medium, auf dem Menschen Kaufentscheide fällen. Schon in zwei Jahren sieht Steve den Hauptschauplatz im Kampf um Einfluss bei Google – und vielleicht anderen Suchmaschinen.

4. Soziale Netzwerke sind der zweite Wegweiser
Die weitere Explosion von Inhalten und Plattformen macht das Entdecken von Inhalten immer anspruchsvoller. Steve sieht zwei Pfadfinder, die beim Entdecken des Relevanten helfen: Erstens Suche, zweitens soziale Empfehlung. Über Microblogging, Soziale Netzwerke, weitere Dienste.

5. Jede Nische hat ihren digitalen Kurator
In Zukunft geht es nicht nur darum, Inhalte zu schreiben oder sie zugänglich zu machen. Ebenso interessant ist das Zusammenstellen spezialisierter Inhalte, als Kurator: «Im Web hats Kunst und Mist. Wer trennt mir den Spreu vom Weizen?» Hier sieht Steve eine weitere Chance für seine Kunden: Jede Informationsnische kann ihren eigenen Kurator haben. Wenn dieser die Kompetenz hat und die Ressourcen dafür aufbringen will.

Mit diesen fünf Trends bringt der Social Media Guru auf den Punkt, womit wir uns kommunikativ in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Alles wird einen ganzen Zahn schneller, vielfältiger und herausfordernder werden – in der Umsetzung. Der Kern, die strategischen Grundfragen und damit die Ausrichtung auf Märkte und Meinungen bleiben unverändert.

Gespräche mit Steve Rubel auf einer Seite.
Social-Media-Gespräche mit Richard Binhammer, Dell, auf einer Seite.

Steves Originaltext über den digitialen Nischen-Kurator, der Mist und Kunst trennt:

Marcel Bernet | 27.01.2010

Social Media Beratung: Die Strategie entscheidet

steve_thumbnail2Was hat sich auf Kundenseite in den letzten zwei Jahren verändert? Social Media-Experte Steve Rubel sieht weniger Berührungsängste und eine immer stärkere Integration in die gesamte Kommunikation.

Die USA sind Europa meistens einige Jahre voraus, was die Adaption von Online-Techniken anbelangt. Und nie kommt alles zu uns nach Europa, dazu sind auch die kulturellen Unterschiede zu gross. Steve Rubel betreut digitale Kampagnen bei Edelman PR (Bloglink). In diesem zweiten Gesprächsauszug äussert er sich zur Veränderung seiner Tätigkeit in den letzten zwei Jahren.

Monitoring, Spezialisten, Integration
«Vor zwei Jahren haben die meisten Kunden noch abgewartet – heute sehe ich in den USA durchs Band Monitoring-Lösungen installiert, die ein schnelles Online-Zuhören ermöglichen.» Daneben sieht Steve mehr Spezialisten-Teams auf Kundenseite, die Social Media-Initiativen vorantreiben und betreuen. Und trotzdem verschwinden langsam die Grenzen zwischen Social Media, Medienarbeit generell, Kommunikation.

«Alles ist sozial. Gerade bei den grossen Kunden fällt die Trennung immer stärker weg – das ist Social Media, das nicht. Die Ansätze werden integriert.» Steve mag die Bezeichnung «Social Media» schon nicht mehr. «Ich brauche sie noch, um den Kunden zu erklären, wovon wir sprechen. Wenn alles «social» ist, wieso noch diese Bezeichnung?»

Zuerst die Ausrichtung, dann der Kanal
Wie gehen die Kunden in den USA damit um, dass es immer wieder neue Plattformen gibt? Steve sieht die Kunst darin, über das Neue hinaus zu blicken. Am Anfang stehen aus seiner Sicht die Fragen nach:

  1. Was tun unsere Zielgruppen?
  2. Was erwarten sie von uns?
  3. Was wollen wir erreichen?
  4. Mit welchem Zielgruppen-Engagement erreichen wir dieses Ziel?

Erst mit diesen Antworten können Plattformen, Kanäle, Anwendungen ausgewählt werden.

Damit deckt sich seine Sichtweise mit unserem Ansatz: Zuerst die Strategie, dann ein Ja oder eben auch ein bewusstes Nein zu einer Anwendung. Hype und Hektik verleiten zum Hüftschuss: Erst mal mitmachen, das Konzept schieben wir dann nach. So bleibt auch die Gesamtsicht auf der Strecke und die wachsende Zahl der betreuten Kanäle ist nicht aufeinander abgestimmt.

Alle Steve Rubel-Gesprächs-Ausschnitte auf einer Seite
Tipps für die Facebook-Strategie: «Was bringt ein Facebook-Auftritt»
Der Weg zum Twitter-Konzept: «Leitfaden für gerngelesenes Gezwitscher»

Marcel Bernet | 26.01.2010

PR 2.0: Facebook und Twitter zählen zum Handwerk

steverubel_thumbnailWas wollen Kunden heute? Wie hat sich die PR-Beratung in den letzten zwei Jahren verändert? Steve Rubel sieht bei Edelman PR mehr strategische Tätigkeit und Social Media Expertise auf allen Ebenen.

Steve Rubel (Wikipedia) war schon mit 13 Computer-Enthusiast. Heute ist er Senior Vice President der weltweiten grössten PR-Kette Edelman und dort zuständig für alle Digitalen Aktivitäten. Mit seinem ersten Blog «MicroPersuasion» (wird nicht mehr aktualisiert, ist aber immer noch ein Fundus) hat er sich als Spezialist für Online Marketing etabliert, heute schreibt er seine Beiträge über Posterous auf  SteveRubel.com. Hier der erste von drei Teilen meines Gesprächs vom 10. Dezember 2009 an der LeWeb in Paris.

Top-Themen für Kunden: ROI und Prozesse
Was beschäftigt den vielreisenden Spezial-PR-Berater gerade am stärksten? «Zwei Fragen werden mir von Kundenseite am meisten gestellt: Erfolgsmessung und Prozesse. Wie kann man festhalten, was ein Facebook- oder Twitter-Auftritt wirklich bringt? Und zwar in Worten und Zahlen, die das Top-Management versteht, ohne Detailkenntnisse der Materie?»

Ebenso wichtig seien Fragen rund um den Aufbau von Social Media Expertise: Wo beginnt man damit – im Marketing oder in der PR? Was lassen wir dezentral umsetzen, wo ist eine zentrale Koordination oder Führung zielführend?

All media is social – all social is media
Was hat sich am stärksten verändert in der PR-Beratung? Wie hat der Experte für Digitale Kampagnen einer US-Agentur mit 3100 Angestellten in 51 Ländern die letzten zwei Jahre erlebt?

Als erstes erwähnt Steve eine verstärkte strategische Ausrichtung der Beratung. Kunden würden nicht nur Marketing- oder Kommunikationsfragen mit Edelman besprechen, sondern grundsätzliche Fragen zur Unternehmensausrichtung. Das finde ich persönlich ganz normal – interessant ist die zweite Veränderung:

Alle Medien sind sozial – und alles Soziale ist medial. Mit diesem kernigen Satz definiert Steve Rubel eine PR-Beratung, die Social Media nicht mehr als separate Disziplin betrachtet. «Jede Beraterin, jeder Berater muss Social Media verstehen, anwenden können und bei der Entwicklung von Strategien berücksichtigen.»

1000 Mitarbeitende auf Twitter, 2000 auf Facebook
Das klappt natürlich nur, wenn die Mitarbeitenden sich auf Sozialen Plattformen engagieren dürfen. Sie werden dazu ermutigt, sich auch ganz privat zu engagieren. Am besten in den Spezialgebieten, in denen sie zu Hause sind. Zum Beispiel in der Vernetzung mit Techies, mit Spezialisten aus dem Gesundheitswesen, politischen Plattformen. Steve schätzt, dass 500 bis 1000 Edelman-Angestellte twittern und das mindestens zwei Drittel der Belegschaft auf Facebook aktiv sind.

Kunde muss einverstanden sein, immer transparent
Sobald diese Engagements einen Bezug zur Arbeit haben, müssen sie transparent gemacht werden. Dazu gibt es Social Media Guidelines. Wird auch über Kunden getwittert, gebloggt, facebooked? Klar – mit zwei Regeln:

1. Der Kunde muss vorher damit einverstanden sein
2. Bei jeder Erwähnung muss die Beziehung zu Edelman erwähnt werden – auch wenn das Mandat nur in einem Nebensatz erwähnt ist

Kontrollieren oder überwachen lässt sich dieses grosse Engagement auf Sozialen Plattformen nicht: «Wir versuchen alle, keine Fehler zu machen und ganz einfach ehrlich und offen zu sein.»

Steve’s Statement zur Facebook- und Twitter-Tätigkeit von Edelman PR-Berater/innen:

Marcel Bernet | 13.01.2010

Dell will mehr Kundeninhalte auf der Website

Richard_Binhammer_DellWoran arbeitet Dell im Moment? Wie wird sich die Arbeit von Richard Binhammer in den nächsten zwei Jahren verändern? Ein Social Media-Ausblick zum Abschluss dieser Interview-Serie.

Darf man einen Pionier fragen, wohin die Reise geht? Wichtig ist, dass man weiss: Dieser Pionier steht schon weit vorne in der Online-Landschaft. Und dass er Leiter Public Affairs bei Dell ist, mit besonderer Erfahrung im Bereich Social Media – wie die beiden vorangegangenen Interview-Ausschnitte bereits gezeigt haben: Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einer Seite.

Social Media Inhalte auf die Website integrieren
Eine aktuelle Herausforderung sieht Richard darin, ganz gezielt Benutzer-Inhalte von anderen Plattformen auf die eigene Website zu bringen. Wenn also jemand eine Lösung für ein Computerproblem hat, das andere Benutzer interessiert, dann hätte Richard genau diese Info gerne auf dell.com. Anstatt sie in einem Blog oder auf anderen sozialen Plattformen sozusagen «schlummern» zu lassen.

Damit würde Dell zu einem Aggregator von Inhalten, die für Dell-Kunden von Interesse sein können. Ein sehr interessanter Ansatz der Informationsvermittlung. Mit grossen Herausforderungen an das Auffinden und Selektionieren dieser Inhalte.

Jeder Kommunikator muss Social Media können
Richard ist davon überzeugt, dass Social Media weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das führt dazu, dass jede PR-, Werbe- oder Marketingfachperson Social Media Fähigkeiten haben muss. Trotzdem werden traditionelle Medien – und damit klassische Medienarbeit – nicht verschwinden.

Ich teile Richards Meinung. Und ich weiss, dass ich auch einer von diesen Pionieren bin – alle, die vorne weg rennen, sind immer ein wenig suspekt, was Prognosen anbelangt. Mit dieser Klammerbemerkung sage auch ich: Wer Kommunikation verantwortet, gestaltet oder berät, der muss wissen, wie Blogs, Soziale Netzwerke, dialogische Websites oder Twitter funktionieren. Durch eigene Erfahrung.

Marcel Bernet | 13.01.2010

Wie misst Dell die Effizienz von Social Media?

Richard_Binhammer_DellWie misst Dell die Effizienz von Blogs, Twitter, Netzwerken? Entscheidend sei das Ziel der Anwendung – entsprechend variieren die Messgrössen. Der zweite Teil des Gesprächs mit Richard Binhammer, Leiter Public Affairs bei Dell.

Dell hat mit DellOutlet auf Twitter in zwei Jahren 6.5 Millionen USD Umsatz gemacht. Das ist wenig im Vergleich zu den 61.1 Milliarden USD Gesamtumsatz von 2008. Trotzdem sind es die 6.5 Millionen, die immer wieder als konkretes Beispiel eines Return on Investment für Twitter-Engagements genannt werden. Richard Binhammer hat im ersten Teil des im Dezember in Paris geführten Interviews erklärt, dass Dell die gesamten Social Media-Aktivitäten nicht zentral führt – sondern sehr dezentral überall dort einsetzt, wo es Sinn macht.

Welche Rolle spielt der ROI bei dieser Sinnfrage?

Das Ziel bestimmt den Return
«Es gibt keinen definierten ROI für Social Media. Zuerst muss das Ziel definiert werden, dann die Messgrössen, um Fortschritte auf dem Weg zu messen. Es gibt wirklich hunderte von Möglichkeiten – je nach Zielsetzung.» Dell misst natürlich die Twitter-Umsätze, die in Kommentaren und Einträgen bekundete Einstellung zu Dell, Links aus Social Media-Auftritten zurück zu dell.com oder die Anzahl neuer Ideen auf der Blog-Plattform «IdeaStorm». Wo gemäss Richard über 300 Anregungen gezählt wurden.

Dialog und Monitoring rund um Social Media Plattformen nutzt Dell übrigens auch als Frühwarnsystem. «Wir sehen zwei bis drei Wochen früher als mit herkömmlichen Methoden, wenn zum Beispiel eine bestimmte Treiber-Software einen Update braucht.»

Es ist wie in allen Bereichen der Kommunikation: Die Evaluation bleibt schwierig. Deshalb ist die Orientierung an einer möglichst scharfen Zielsetzung entscheidend. Und hier ist Richard zum erstenmal sehr zentralistisch, er gibt als Vorgabe: Was ist das «Business Modell» einer Social Media-Idee? Was soll sie erreichen und wie wird der Fortschritt gemessen? Denn Aufbau, Monitoring und Pflege eines immer weitere Kreise ziehenden Online-Dialogs verschlingen Ressourcen.

Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einen Blick.

Marcel Bernet | 12.01.2010

Getroffen: Richard Binhammer hält Dell im Dialog

Richard_Binhammer_DellRichard Binhammer ist Leiter Public Affairs bei Dell. Getroffen habe ich ihn am 10. Dezember in Paris, an der LeWeb. Ich habe einen Social Media-Fachmann kennengelernt, der in seinen Erfahrungen Jahre weiter ist, als die meisten Unternehmen hier in Europa.

Für ihn ist alles ganz einfach: «Für die Benutzung des Telefons setzt niemand eine eigene Abteilung ein. Genau so muss es sein für Social Media: Das ist einfach ein Bestandteil der täglichen Arbeit.» Der Blogger mit deutschen Vorfahren hat den grossen Vorteil, dass Dell bereits 2006 mit einer kleinen Social Media-Abteilung angefangen hat. Und dass Dell in einem Geschäft tätig ist, das seit der Gründung auf den computergestützten Kundendialog baut. Was kann man von einem Unternehmen lernen, das in zwei Jahren 6.5 Millionen USD Umsatz (ZDNet) über Twitter macht?

Soziales Netzwerken ohne eigene Abteilung
Wie siehts denn mit der Organisation aus? Es gibt keine Social Media-Abteilung, keine zentrale Leitung all dieser Aktivitäten. Dell hat das sozusagen schon hinter sich. Vor drei Jahren waren die Kräfte noch in einem separaten «Brutkasten» gebündelt. Jetzt werden die dort entwickelten Ideen durch das ganze Unternehmen hindurch verbreitet. Das geschehe sehr lose und informell, Richard sieht sich nur am Rande als Koordinator. «Social Media ist einfach ein Bestandteil der Kommunikation. Und des Marketings. Und der Produktentwicklung. Social Media heisst nichts anderes als zuhören, lernen und sich einlassen.» Und das müsse Dell sowieso sehr gut können, und deshalb gehöre die Anwendung von Social Media zu jeder Arbeit.

Ist das wirklich so einfach? Ist für den unternehmensweiten Einsatz von so neuen Anwendungen wie Twitter, Blogging oder Sozialen Netzwerken keine stärkere Koordination nötig? «Social Media heisst ganz einfach, sich verbinden. So, wie wir das mit dem Telefon oder der E-Mail tun. Dazu brauchts keine eigene Abteilung. Haben Sie eine Abteilung fürs Telefon?»

Vom Sonderfall Dell lernen
Stimmt. Bediente Telefonzentralen sind Geschichte. Dass Dell bezüglich Social Media wirklich schon so weit ist, hat mich überrascht. Dahinter stehen aus meiner Sicht drei Gründe:

1. Dell hat schon sehr früh angefangen – auch mit einer eigenen Abteilung.
2. Dell ist Computer-Online-Verkauf – nichts liegt näher als das Ausweiten dieses Dialogs auf Social Media.
3. Dell pflegt eine schnelle, informelle und dezentrale Unternehmenskultur.

Am Ende des Gesprächs gibt auch Richard zu, dass für ihn die grösste Herausforderung darin liegt, dass sich Social Media dauernd verändert. Ganz im Gegensatz zum Telefon. Die meisten Unternehmen und Organisationen stehen noch am Anfang dieser Lernkurve. Und viele werden bezüglich Social Media gar nie so weit gehen, wie es für das Geschäftsmodell von Dell Sinn macht.

Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einen Blick.

Dominik Allemann | 08.01.2010

Was ist eigentlich: … Augmented Reality?

USB SlotsErweitert man menschliche Sinneswahrnehmungen mit computerunterstützten Infoelementen nennt sich das «Augmented (erweiterte) Reality». Bereits heute wird dieser IT-Megatrend immer mehr Teil unseres Alltags.

Mir persönlich begegnen diese «erweiterten Realitäten» bereits in Sportübertragungen: Was diskutierten wir einst noch Freistoss-Distanzen… Heute misst sie die Maschine und blendet sie zentimetergenau ins Fernsehbild ein. Das Einsatzgebiet von «AR-Funktionen» ist breit. Wikipedia listet sie wie folgt:

  • Hilfestellung bei komplexen Aufgaben (Industrie, Medizin)
  • Navigation (Auto, Flugzeug)
  • Militär- und Katastropheneinsatz
  • Hydrologie (Wasserwirtschaft), Geologie (Geländemerkmale), Ökologie
  • Architektur (Visualisierungen im Live-Format)
  • Teamkollaboration
  • und natürlich Unterhaltung, Unterhaltung, Unterhaltung

Grundsätzlich lassen sich alle Sinne virtuell erweitern. Heutige Anwendungen beschränken sich aber weitgehend auf das Sehen. Visualisierungen werden via Bildschirm, Spezialbrille oder gar Iris-Implantat eingeblendet. Gesteuert werden die Informationen durch einen Fingerzeig, einen Blick – und einst vielleicht lediglich via Nervreiz…

Bereits sind im iPhone App Store einige Anwendungen im Angebot, die zeigen wohin es gehen kann. Allerdings beschränken diese sich hauptsächlich auf die Disziplin Navigation, Tourismus. Aber es lohnt sich, ein wenig darin zu stöbern:

10 Amazing Augmented Reality Apps (Mashable, Dezember 09)
17 Best Augmented Reality iPhone Apps (iPhoneNess, Dezember 09)
Augmented Reality auf dem iPhone (Heise, August 09)

Ach ja – ich selber darf auf meinem iPhone  nicht mitmachen bei der «AR»… Dies ermöglicht erst der eingebaute Kompass der iPhone Version 3G.

Weiter Beiträge in der Reihe «Was ist eigentlich: …:
…Cloud Computing?»
…ein Screencast?»
…das Semantic Web?»
…Web Compliance?»
…Twitter?»
…ein Social Press Release?»
…ein Widget?»
…die Craigslist?»

Sonja Stieglbauer | 05.01.2010

Impressum für Webseiten und Social Media

ImpressFür Webseiten und Social Media gibt es in der Schweiz keine Impressumspflicht. Aus PR-Sicht sind die Angaben ein Muss.

In Deutschland wird die Impressumspflicht für Twitter diskutiert. Ich begebe mich nicht aufs rechtliche Glatteis, aber aus Kommunikationssicht finde ich: Webseiten und Social Media-Profile sollen über den Absender informieren.

Dazu gehören mindestens eine physische Anschrift mit Kontaktmöglichkeiten, die Namen von Verantwortlichen und Partnern sowie Rechtliches wie Datenschutz, Copyright, Haftung. Wenn der Name nicht schon eine Erklärung ist, muss der Unternehmenszweck beschrieben sein. Auch bei Blogs sollte man sich die Mühe machen, ein Impressum zu erstellen; hier das Beispiel vom bernetblog. Übrigens: Wer sein Angebot von der Schweiz aus vor allem nach Deutschland richtet, für den ist ein Impressum auch für Elektronisches Pflicht.

Die Pflege eines Impressums ist zwar nicht mit grossem Aufwand verbunden, trotzdem muss es aktualisiert werden. Das neue Jahr ist ein guter Moment, um wieder mal alle Angaben auf der Webseite, dem Blog, auf Twitter, Facebook und weiteren zu überprüfen. Oder man merkt es sich für den Frühling vor, wenn die Geschäftsabschlüsse vorliegen. Spätestens dann ist es auch Zeit, Einträge in Online-Verzeichnissen zu aktualisieren.

Informationen zu Internetauftritt und Twitter bei unseren Checklisten und zum Facebook-Auftritt im bernetblog.

Marcel Bernet | 04.01.2010

PR-Trends: Was uns 2010 beschäftigen wird

ausrufezeichen_würfelWas beschäftigt 2010 PR-Profis und Kommunikationsverantwortliche? Social Media, Beschleunigung, Monitoring, Integration und Fokus.

Willkommen zurück! Nach dem Rückzug in ein paar stille Tage warten Mails, Tweets, Newsletter und – ja, auch das gibt es noch – Gedrucktes auf deren Verarbeitung. Alle schreien «Aufmerksamkeit! Sofort! Du könntest was verpassen!». Doch gemach. Ich gönne mir zuerst einen konzentrierten Blick in die Glaskugel der Verheissungen. Mit einer Gesamtsicht auf die vielen Projekte, die anstehen und auf alles, was ich in den letzten Monaten gelesen, gehört und oft auch hier verarbeitet habe, destilliere ich fünf prägende PR-Themen für 2010:

1. Social Media lernen, aufbauen, verankern
PR-Verantwortliche müssen Facebook und Twitter einordnen können. Sie müssen durch eigenes Zuhören und Mitreden fähig sein, ihre Organisation an diese Plattformen zu führen oder sie bewusst davon fern zu halten. In diesem Jahr werden viele Unternehmen neue Erfahrungen sammeln. Erfolge und Rückschläge legen die Basis für die Verankerung von Social Media-Aktivitäten in Kommunikationsabteilungen.

2. Kürzer, schneller, attraktiver werden
Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit wird grösser. Im weiter anschwellenden Informations-Tsunami gewinnt nur das, was aktuell ist, mich ganz persönlich anspricht, mir sofort seinen Inhalt aufzeigt und ihn danach vielleicht noch vertieft, mich mit Audio, Video, Grafiken auf allen Ebenen anspricht. PR-Verantwortliche werden ihre Online-Textkompetenz und ihre Kompetenz für Multimedia-Inhalte ausbauen.

3. Monitoring verbessern
Das Feld der Anbieter verändert sich konstant, Qualität und Preise sind sehr unterschiedlich. Die Menge der zu überwachenden Kanäle steigt, mit Echtzeit-Auswertungen erhöht sich der Rhythmus. Zu optimieren sind die Monitoring-Methoden und der Umgang mit den erhaltenen Informationen.

4. Ziele schärfen, Integration erhöhen
Jeder Neuauftritt bindet zusätzliche Ressourcen – sie müssen in einem Gesamtverbund auf ein Gesamtziel ausgerichtet sein. Auftraggeber und Agenturen müssen sich immer wieder die Frage stellen: Wohin? Sind die Ziele wirklich klar? Was läuft links und rechts und wie spielt alles zusammen?

5. Immer wieder fokussieren
Während Sie diesen Artikel lesen, warten tausend weitere Aufmerksamkeits-Appelle auf Sie. Mit Echtzeit-Web und noch mehr Social Media-Aktivitäten nimmt die Frequenz der Ablenkungen weiter zu. 2010 werden wir unsere Fähigkeit zur Konzentration wach halten und trainieren müssen. Indem wir nur eine Sache auf einmal tun. Das Twitter-Fenster im Hintergrund des Bildschirms ausblenden. Einen Spaziergang machen. Nichts tun.

Dass Nichtstun unter anderem auch zu einem Stressfaktor werden kann, zeigt die Zeit vom 2. Januar mit «Die Wiederentdeckung der Musse». Diesen Link verdanke ich einem ersten Morgenblick auf die von mir abonnierten Tweets. Die Kurzimpulse des Echtzeit-Web haben auch ihre Vorteile.

In diesem Sinne wünscht der bernetblog allen Leser/innen für 2010 einen erfolgreichen Tanz zwischen Facebook und Fokus!

Dominik Allemann | 17.12.2009

Trend: PR-Schaffende glauben an Social Media Newsroom

20Der Wind dreht: Hatten bis vor kurzem die wenigsten PR-Leute Erfahrung mit der PR 2.0, glauben sie heute ganz deutlich an deren Wichtigkeit. Das zeigt der aktuelle PR-Trendmonitor.

Wie verändert sich unser PR-Beruf in Zeiten von serbelnden Printmedien, YouTube und Facebook? Wie erreichen wir Zielgruppen und Multiplikatoren (Medien), wenn sie permanent von Informationen geflutet werden?

Laut dem PR-Trendmonitor von news aktuell und Faktenkontor stellen sich Agenturen und Medienstellen heute verstärkt diese Fragen. Auch aus meiner Praxis als SPRI-Dozent kann ich sagen: Das Interesse und Verständnis für den Online-Kanal steigt deutlich. Es wird vielen klar: Der direkte Weg via Post, Fax, Mail ist heute verstopft. Informationen kommen auch oder gar besser an via Suchmaschine, Twitter, Facebook, RSS, …

Eine Erkenntnis des Trendmonitors: Rund 75 Prozent aller Agenturen und Medienstellen haben dies erkannt und beschäftigen sich mit dem Thema Social Media Press Release oder Social Media Newsroom.

Was halten Sie von Social Media Press Releases/Newsrooms?
(Klick vergrössert Grafik)

social media umfragestatistik

In der Erkenntnis liegt erst ein kleiner Schritt Richtung Umsetzung. Heute ist es wohl so, dass PR-Verantwortliche selber in den Netzwerken schnuppern, sich testhalber ein Twitter-Profil einrichten und sich an Fachvorträgen informieren. Es braucht aber mehr:

  • Eintauchen und mitleben
    Erst wenn wir deutlich in das Thema engetaucht sind, die Funktionsweisen der PR 2.0 verstanden haben, können wir umsetzen.
  • Strategisch einbinden
    Es braucht  den strategischen Gesamtblick. Wo stützen welche Botschaften auf welchem Kanal meine kommunikativen Ziele?
  • Inhalt und Nutzen
    Welche Inhalte publizieren wir auf welchen Kanälen? Sind sie in der nötigen Qualität und Quantität (8ung: Ressourcen) vorhanden?

Und ganz zuletzt ist es ein kultureller Grundsatzentscheid: Ist unser Unternehmen, unsere Organisation bereit für den Dialog?

Link zum Trendmonitor bei Slideshare

bernetblog-Beiträge:
«Was ist eigentlich: …ein Social Press Release»
«Social Media Newsroom: Best Practice bei Electrolux»

(via mediaquell.com)

Marcel Bernet | 10.12.2009

«Wie erreiche ich via Facebook oder Twitter Journalisten?»

ohr_blogprofil_bernetpr«Ist es einfach Glück wenn ein Journalist über eine Meldung stolpert oder kann man sie gezielt angehen? Wenn ja, wie?» fragt Patrik Schädler. Man kann sie angehen – aber es darf nicht der Hauptkanal sein.

Auf unserer neuen Facebook-Seite haben wir die Beantwortung von Fragen versprochen. Patrick Schädler, Stv. Geschäftsführer und Marketingleiter bei Liechtenstein Tourismus, wagts als Erster. Die Antwort lautet – wie immer bei Experten: Ja, aber.

Aber: Medieninfo erst in zweiter Linie über Social Media
Beginnen wir mit dem Aber: Twitter und Facebook wird von Medienschaffenden immer noch wesentlich zurückhaltender genutzt, als es der allgemeine Hype um diese Kommunikationsmittel vermuten lässt. Zahlen für die Schweiz liefert unsere Studie «Journalisten im Internet», präsentiert im Juli. Alle bernetblog-Artikel zur Studie über diesen Link.  Als Auszug diejenigen Internet-Angebote, die Schweizer Medienschaffende als «sehr wichtig» oder «wichtig» einstufen. Ja, die grau eingerahmten Angebote haben sich stark nach vorne bewegt – Soziale Netzwerke liegen aber noch am Ende der Hitparade.

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Schwartz PR hat diese Woche eine Studie (PDF) veröffentlicht, die 800 Medienschaffende aus der Schweiz, Österreich und Deutschland befragte. Fazit: Am liebsten hat die Mehrheit noch immer eine klassische E-Mail, Social Media News Release (oder wie immer man diese PR-Innovation benamst, siehe «Was ist eigentlich…») kennt kaum jemand.

Ja: Medien recherchieren auf Sozialen Plattformen
Trotzdem – Medien lassen sich über Facebook und Twitter erreichen. Dazu eine weitere Grafik aus unserer Studie (PDF kostenlos über bernet.ch/studien). Gefragt wurde dieses Frühjahr, geantwortet hat eine repräsentative Stichprobe für die ganze Schweiz. Die Nutzungsanteile dürften heute höher liegen.

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Basics im Griff, Abo anbieten, eventuell Filiale eröffnen
Daraus folgt aus unserer Sicht folgende Handlungsanleitung – für den Status Quo:

1. Grundlagen sichern: Eine Top-Website unterhalten mit einem separaten, immer aktuellen, gut durchsuchbaren Mediencorner. Mehr Tipps und Tricks dazu im Beitrag «Basics für den Mediencorner».

Damit ist schon viel geleistet. Und nur, wenn Sie das wirklich gut leisten, laufend ausbauen, dann können Sie weitergehen. Und dies nur dann, wenn Sie eine integrale Social Media Strategie entwickelt haben – anstatt einfach noch schnell ein paar Texte auf Facebook zu laden.

2. Abo für Twitter anbieten: Heute gehört zu den Auswahlmöglichkeiten neben E-Mail und RSS auch Twitter. Und zwar als dritte Priorität – denn diese Art der Abonnierung ist sehr flüchtig. Wenn die Medienschaffenden nicht schnell auf ihren Twitter-Strom blicken, ist Ihre Mitteilung schon wieder weg. Speisen Sie einfach immer einen Link mit Kurztext auf ein spezielles Medien-Twitterkonto ein, wenn ein neues Communiqué rausgeht.

3. Filiale auf Facebook eröffnen: Dieser letzte Schritt verlangt eine ganze Menge von Zusatzressourcen, überlegen Sie sich ihn gut. Macht es bei einer speziellen Kampagne Sinn? Erhöhen Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer (sowieso unterhaltenen) Facebook-Seite, wenn Sie dort einen Reiter mit Medieninfos anfügen? Sind die Basics zu Ihrem Unternehmen schnell abrufbar und führen Links zurück auf Ihren Mediencorner?

Zum Abschluss eine letzte weiterführende Lektüre: Philipp Fabian hat eine Bachelor-Arbeit zu PR und Social Media geschrieben, die wir im April zusammengefassst haben.

Marcel Bernet | 02.12.2009

Facebook: Franky Slow Down als Kampagnenbeschleuniger

nurknopfWie beschleunigt man mit Social Media eine Unfallverhütungskampagne? Mit Franky Slow Down, einer Kunstfigur des bfu und seinem Song – auf Platz 5 der Schweizer I-Tunes-Hitparade. Learnings aus dem ersten Social Media Gipfel von heute morgen.

Gestern Nacht um 23.00 habe ich die letzten Slides gemacht für die Startmoderation, heute morgen um 07.00 gings los mit Einrichten im NZZ-Bistro. Noch bin ich ganz Adrenalin-geschubst von diesem gelungenen ersten Gipfeltreffen. Der Aufwand war gross, die Idee funktioniert, das Teamwork mit Peter Hogenkamp lief super flüssig. Hier die Kurzverarbeitung des ersten Referats für alle, die nicht dabei sein konnten.

Langsam sein ist cool – früh aufstehen auch
So sah David Schärer heute morgen um 07.00 aus – und daneben ein Blick ins volle Bistro-Auditorium. Gegen 90 Frühaufsteher/innen machten einen hellwachen Eindruck.

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Ziel der von ROD entwickelten Kampagne für bfu und SVV ist Unfallverhütung. Und die meisten Autounfälle entstehen durch «leichte» Schnellfahrer wie Sie und ich – ein wenig gehetzt, 10 km/h über dem angegebenen Limit. ROD-Mitgründer und -partner David Schärer, erster Gipfel-Erfahrungs-Austauscher: «Wir wollen mit der Kampagne vermitteln, dass Langsamsein cool ist.»

Facebook ja – weil dort das Publikum sitzt
Facebook war von Beginn weg der Kern der Kampagne, die dazu eine eigene, dreisprachige Website pflegt, Plakate stellt, Online-Werbung platziert und Medienarbeit betreibt. Gab es keine internen Widerstände bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu, die als Verwaltung den Facebook-Zugang für die Mitarbeitenden sperrt? «Nein, im Gegenteil. Kampagnen müssen dorthin, wo das Publikum sitzt. Will man viel Aufwand für Traffic auf der eigenen Website treiben – oder besucht man eine Plattform, auf der sich bereits 1.8 Millionen Schweizer tummeln?»

Achtung Kunstfiguren: Bei Spamverdacht wird gesperrt
Das bfu will auf Facebook – und steht mittlerweile bei knapp 14′000 Fans der eigenen Seite mit dem Kampagnen-Namen «Slow down, Take it easy» und bei rund 4′000 Freunden für die Kunstfigur Franky Slow Down. Stolperstein beim Start: «Facebook hat uns beim Kampagnenstart den Account einen Tag gesperrt – weil wir sehr viele Freundesanfragen in kurzer Zeit hatten, fielen wir auf. Erst durch mehrere Kontakte und den Beweis, dass es sich hier nicht um Spam handelt, erreichten wir die Wiederöffnung. Learning: Wer sich für eine Kunstfigur entscheidet, braucht gute Argumente bei Facebook.»

Viel Aufwand für eine Kunstfigur – mit erstaunlichem Echo
Wieso Fanseite und persönliches Profil? «Auf dem persönlichen Profil ist die Bindung stärker – und vor allem ist das Weiterleiten von Inhalten innerhalb der persönlichen Freundesnetzwerke viel höher.» Der Aufwand fürs persönliche Profil ist gross: Hier kann man als Absender nicht einfach ein wenig mitmachen oder automatisiert Meldungen verbreiten. Der Dialog muss ernsthaft durchgespielt werden, auch für eine Kunstfigur. Bei ROD ist Franky Slow Down täglich zwei Stunden online. Er beantwortet Freundschaftsanfragen, schreibt Notizen auf die Pinnwand von Freund/innen, sorgt für einen Dialog.

Dieser Dialog nimmt erstaunliche Formen an: Immer wieder wollen Fans mit dem Franky in den Ausgang. Mich hat die Freude erstaunt, mit welcher das simple Ja zur Facebook-Freundschaft kommentiert wird. Denn ein Ja bekommen doch alle. Und Franky ist doch nur eine Kunstfigur. Oder doch nicht für alle? Reinschauen lohnt sich – auch die Einträge von Franky sind gut gemacht, auf den Song bezogen oder mit top-aktuellen Gas-weg-Tipps zum überraschenden Schneefall vom Montag.

dankefürsaufnehmen

Facebook macht als Mainstream-Plattform Hitparade
Zur Kampagne gehört der Slowdown-Song, der sich gerade gestern Abend auf Platz 5 der Schweizer I-Tunes-Hitparade vorgearbeitet hat. Trotz der normalen CHF 1.50 für einen Download. «Dieser schnelle Erfolg des Lieds ist aus meiner Sicht eine Folge der starken Facebook-Präsenz. Das hätten wir mit klassischer Promotion nicht erreicht.»

Wie weiter? Wird Franky bald sterben? Was passiert dann mit den Fans? «Wir haben einen Kampagnenhorizont von drei Jahren. Verschiedene Sachen sind noch in der Pipeline. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht – vielleicht ist Facebook dann nicht mehr die Mainstream-Plattform. Vielleicht doch.»

Artikel zum zweiten Gipfel-Beitrag:
Railservice als inoffizieller SBB-Kundendienst

Übrigens habe ich bei diesem Blogpost gemerkt, dass unsere bevorzugte Plattform Scribd keine Keynote oder Powerpoint akzeptiert. Zu doof. Also habe ich den Account auf Slideshare re-aktiviert und Davids Folien so eingebunden:

Sonja Stieglbauer | 23.11.2009

Storytelling: Unterhaltende Unternehmenskommunikation

Ausschnitt Bild von Gustave Doré

Geschichten-Erzählen gehört heute zur professionellen Kommunikation. Das Tagesseminar «Storytelling» der Text Akademie zeigt, wie es funktioniert.

Das Konzept fürs Storytelling ist für alte Kommunikationshasen nicht neu. Die wichtigsten Fragen sind zuerst zu klären: Um was geht es eigentlich? Was ist das Ziel? Wer ist meine Zielgruppe? Und was ist meine Botschaft?

Bestandteil jeder Geschichte ist, dass sie auf vertraute Muster baut – Gut und Böse, Leben und Tod, Weg und Ziel – diese aber neu erzählt. Hauptgefahr scheint mir das Abschweifen, das Verzetteln im Unwichtigen.

Die Entwicklung der elektronischen Kommunikation und das Aufkommen von Storytelling in der Unternehmenskommunikation fallen nicht zufällig zusammen. Früher waren Organisationen auf die Medien als Mittler angewiesen und übernahmen deren Nachrichtenstil. Heute bieten Unternehmens-Webseiten, Blogs oder Social Media, die Möglichkeit mit Geschichten verschiedene Zielgruppen emotional anzusprechen.

Im äussersten Fall wird sogar der Geschäftsbericht zum Geschichtenbuch. Die Emotionalität steigern lässt sich durch einen Wechsel der Mittel: von Print zum animierten Web, vom Text zum Ton, zum Film.

Und indem man Geschichten zur Geschichte erzählt (Making-of, Buch zum Film) erreicht man zuletzt auch, dass sie nachhaltig werden.

Dominik Allemann | 17.11.2009

Bildung im Internet: Social Media Nutzung Teil 1

schulbank_klein.jpgWer ist näher dran an den Social Medias als die «Digital Natives», die Lernenden und Studierenden? Wie nutzen sie diese Kanäle? Und wie gehen Bildungsinstitute mit Social Media um? Eine mehrteilige Annäherung.

Recherchen im Bildungsumfeld zeigen: Hochschulen sind (im deutschsprachigen Raum) noch nicht dort angekommen, wo sich ihre Zielgruppe täglich stundenlang rumtreibt. Anders bei Institutionen im Ausland. Mehr dazu in einem nächsten Beitrag dieses Mehrteilers.

Als inspirativer Einstieg ins Thema hier ein Film einer Klasse der Kansas State University (hier der YouTube-Kanal von Dr. Michael Wesch – gute Beiträge und entsprechend viele Abonnenten: 14653!). So sehen die Studierenden sich selber als «Digital Natives».

Sonja Stieglbauer | 16.11.2009

Info im Web: Bitte sofort, bitte alles, bitte gratis

TTWVor einem halben Jahr wurde eine Studie von Prof. Dr. Christian Laesser, Universität St. Gallen, angekündigt. Damals glaubte ich, die Studie «Internet knickt die Reisebüros? Mitnichten!» gäbe es sofort zu lesen.

Im Frühling handelte es sich aber erst um einen Teaser für den TTW (Travel Trade Workshop, Tourismus Fachmesse der Schweiz). Also habe ich mir Anfang November für die erneute Websuche vorgemerkt. Doch ich erfahre immer noch nicht, warum das Internet doch keine Gefahr für die Reisebüros sein soll.

Denn weder der TTW noch die Uni St. Gallen noch sonst jemand  hat eine Zusammenfassung oder die ganze Studie online veröffentlicht. Zwar konnte ich auf der Webseite der Uni St. Gallen meine E-Mail-Adresse für eine «Volltextanfrage beim Autor» hinterlegen, aber das erscheint mir langsam und umständlich.

Rund um die Suche nach diesem Vortrag stelle ich zweierlei fest: Der TTW vergibt sich Chancen. Gehaltvolle Vorträge oder Zusammenfassungen davon sind gut für den Ruf und damit gut für die Besucherzahlen.

Und meine Erwartungen werden mir bewusst: Ich will Information sofort, vollständig und gratis. Macht das Internet masslos?

Lilly Anderegg | 11.11.2009

Kommunikation und Sprache im Web 2.0

The Way ForwardDas Web 2.0 hat die Modalitäten der Kommunikation wesentlich verändert. Statt pseudo-objektiver Information sind Transparenz und authentische Darstellung gefragt.

Vor ein paar Tagen habe ich den Workshop Digital Publishing – die Medienrevolution 2.0? besucht. Die Frage im Titel wurde zu Beginn beantwortet: Die klassischen Regeln der Informations-Aufbereitung gelten nicht mehr. Das dialogische Web verlangt andere Stil-Prinzipien als der gewohnte objektive Nachrichtenstil.

Ivo Hajnal, Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Innsbruck, beschreibt sehr treffend die neuen Modalitäten für ein erfolgreiches Digital Publishing:

Webkommunikation ist profiliert statt oberflächlich:

  • Weblogs verzichten auf die Trennung von Nachricht und Meinung und die Gegenüberstellung von gegensätzlichen Quellen.
  • Sie vermitteln ihren Nutzern exklusive Informationen und Einschätzungen abseits der normierten Informationsströme.

Webkommunikation ist authentisch statt uniform:

  • Die Themen von Weblog-Einträgen sind nicht zwingend nach den journalistischen Nachrichtenfaktoren gewählt und inszeniert. Vielmehr entsprechen sie den individuellen Beobachtungsmustern der Verfasser und wirken deshalb authentisch.
  • Zur Steigerung der Authentizität dienen sprachliche Stilmittel (Ich-Person und expressive, umgangssprachliche Formulierungen).

Webkommunikation ist engagiert statt distanziert:

  • Weblog-Einträge verzichten auf journalistische Distanz. Vielmehr bemühen sie sich, den Rezipienten klare Vorteile zu ermöglichen – ihnen zum Beispiel Einblick ins Unternehmen oder Insider-Tipps zu geben.
  • Gleichzeitig reagieren ihre Verfasser unmittelbar auf Nutzer-Feedbacks. Die Beiträge wirken deshalb glaubwürdig.

Klartext statt leere Worte
Die Sprache von Unternehmen hat sich nach diesen neuen Stil-Prinzipien zu richten. Was bedeutet das? Kurz: Unternehmen, die sich im Web positionieren möchten, müssen selber Position beziehen. Wichtigtuerei und Oberflächigkeiten wie zum Beispiel «Wir streben die Marktführerschaft für xyz an» lassen keine Position erkennen. Vielmehr braucht es echte Werte, eine Portion Bescheidenheit, direkte Worte und eine klare Aussage. Und ja, es braucht Mut, Klartext zu reden.

Der gemeinsam von der ZPRG und der Schweizerischen Text Akademie organisierte Workshop hat mir sehr gefallen, er war gut moderiert und das Beste: Er macht Freude auf mehr authentische und ehrliche PR, die wirklich etwas zu sagen hat. Jetzt gilt es nur noch, die Kunden davon zu überzeugen, dass Klartext mehr bringt als Plattitüden – auch wenn (oder gerade weil) man sich hinter Worthülsen besser verstecken kann.

Marcel Bernet | 05.11.2009

Auch für PR 2.0: Zwang bringt Nichts

zeichen_schreibmasch1Können PR-Abteilungen zum Schreiben verpflichten? Die NZZ lässt sich auch für LeWeb nicht anbinden. Zwang bringt nichts, es geht um die gegenseitige Abstimmung von Interessen.

Ich bin grundsätzlich gegen bindende Schreibverpflichtungen. Obwohl ich die Veranstalter der Pariser Internet-Konferenz LeWeb09 verstehe. Sie verpflichten die Offiziellen Blogger zu einer Anzahl von Publikationen. Auch der bernetblog gehört zu denen, die für einen Gratis-Eintritt Verpflichtungen eingehen. Wie hier beschrieben nehme ich mir trotzdem die Freiheit aus, nur dann zu schreiben, wenn es mich und mein Publikum interessiert. Ein etabliertes Medium wie die NZZ wird ohne Publikations-Verpflichtung gratis teilnehmen. In diesem Falle ist das Interesse der Veranstalter an einer Teilnahme eben grösser als bei den unzähligen Bloggern. Ich habe Nico Luchsinger befragt, der für die NZZ Online auch dieses Jahr live aus Paris berichten wird.

Wieso gehst du an die LeWeb?
«Weil es die grösste und aus meiner Sicht wichtigste Konferenz zu Web 2.0- und Internet-Themen in Europa ist. Es ist für mich als Journalist, der sich mit diesen Themen beschäftigt, ein guter Ort, um neue Geschichten aufzuspüren, Trends zu entdecken und Kontakte zu knüpfen.»

Bist du eingeladen und sind mit dieser Einladung Verpflichtungen verbunden?
«Ich habe mich in Absprache mit der Redaktion von NZZ Online zu einer Teilnahme entschlossen. Ich bin akkreditiert und bezahle keinen Eintritt. Gegenüber der Konferenz besteht natürlich keine Verpflichtung zur Berichterstattung.»

Warst du als Journalist in anderem Zusammenhang je zum Schreiben verpflichtet?
«Nein, explizit noch nie. Vielleicht gibt es so etwas wie eine implizite Verpflichtung, wenn man zum Beispiel als Reisejournalist drei Tage nach Istanbul in ein Hotel eingeladen wird. Da verstehe ich die Erwartung des Veranstalters, dass die Teilnehmenden etwas schreiben. Wichtig ist, dass man die gegenseitigen Erwartungen vorher deklariert.»

Fazit: Interessen offen darlegen
Das Vorgehen von LeWeb finde ich clever. Trotzdem sind für mich die Verpflichtungen zu eng und zu zwingend formuliert. Wer klassische Journalisten oder neuzeitliche Blogger einlädt, der soll die damit verbundenen Interessen offen legen: Das wünschen wir uns. Als Gast kann ich mir vor Antritt der Reise, Annahme des Geschenks oder Besuch des Anlasses überlegen: Gehe ich diese Verpflichtung ein? Ist sie mir zu eng? Riskiere ich bei Nicht-Einhalten einen Ausschluss beim nächsten Anlass?

Wichtig ist die Offenlegung auch von Seiten der Schreibenden: War man eingeladen, hat das Testgerät geschenkt bekommen? Das wird auch im klassischen Printjournalismus noch viel zu selten deklariert. Die Federal Trade Commission in den USA hat Anfang Oktober neue Richtilinien für Erwähnungen publiziert. Dort wird auch explizit festgehalten, dass Blogger ihre Verbindung zu beschriebenen Produkten oder Unternehmen angeben müssen, falls sie Bargeld oder «vergleichbare» Zuwendungen erhalten haben.

Marcel Bernet | 04.11.2009

Online-PR: Wie LeWeb Blogger auswählt

audienceStephanie Booth betreut die Offiziellen Blogger der LeWeb09. Wie ist sie bei der Auswahl dieser Gruppe vorgegangen? Was heisst das für die eigene Online-PR?

Wie hier berichtet, zähle auch ich zu den 63 erlauchten LeWeb09-Bloggern. Wie alle anderen investiere ich Reise- und Unterkunftskosten samt Zeit für die Teilnahme – die kostenlos ist. Im Gegenzug soll ich über die Konferenz berichten. Dieses Vorgehen lässt sich überall dort anwenden, wo es Web 2.0-Publizist/innen gibt, die sehr interessiert an einer Event-Teilnahme sind. Welche Learnings sind aus dem Vorgehen der LeWeb-Promotoren zu ziehen? Ich habe Stephanie Booth befragt, die schon 2008 die Blogger-Gemeinde für Paris betreut hat.

Wie habt Ihr die Teilnahme ausgeschrieben? Wie viele Anmeldungen gingen ein?
«Wir haben den Einschreibe-Aufruf im September über Twitter und andere Online-Kanäle publiziert – und rund 200 Anmeldungen erhalten. Das ist etwa gleich viel wie im Vorjahr.»

Wie hast Du die 63 ausgewählt?
«Das ist kein einfacher und auch kein wissenschaftlicher Prozess. Wir haben uns auf drei Kriteren gestützt:

  1. Profil: Wir wollen Blogger, die ein breites Zielpublikum erreichen. Wie viele Unique Visitors, RSS-Abonnenten, Twitter-Follower haben sie? Betreuen sie verschiedene Online-Plattformen? Schreiben sie regelmässig Artikel? Mit hoher Qualität?
  2. Diversität: Wir wollen eine möglichst breite Streuung von Ländern und Sprachen. Da haben es natürlich Bewerber/innen aus Finnland leichter als die aus Frankreich, wo es eine sehr grosse Anzahl von Blogs mit hoher Reichweite gibt.
  3. Kontinuität: Waren die Blogger schon einmal dabei? Haben sie geschrieben? Wie oft, wie gut? Haben sie die Vereinbarungen eingehalten?

Natürlich ist das Resultat dieser Wahl immer subjektiv, trotz der Kriterien. Mein Vorteil ist, dass ich die Szene in Europa mittlerweile gut kenne. Wir versuchen einfach, so fair und ausgeglichen wie möglich zu sein.»

Was hat sich gegenüber 2008 verändert?

«Ich sehe eine immer stärkere Vermischung von Blogs und Medien. Aber das ist eine Entwicklung, die schon früher begonnen hat. Heute gibt es Blogs, die haben Reichweiten und sind so professionell oder kommerziell wie klassische Medien. Hier verschwimmt die Grenze zwischen den beiden Kategorien. Wir müssen immer wieder neu entscheiden: Gehört ein Blog in die Medien- oder in die Bloggerkategorie? Dafür gibts keine festen Regeln – wie bei allem, was sich im Bereich Social Media gerade tut.»

Eine spannende Entwicklung. Noch zählt der bernetblog zur zweiten Klasse derjenigen, die kommen dürfen, falls sie schreiben. Im Gegensatz zu Nico Luchsinger von NZZ Online – mehr darüber im nächsten Beitrag: Auch für PR 2.0 – Zwang bringt nichts.

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