Marcel Bernet | 03.03.2010

USA: Top-Unternehmen nutzen Blogs und Twitter

Laptop MegaphoneDie grössten amerikanischen Unternehmen bauen ihr Social Media Engagement aus. Twitter wird bereits stärker genutzt als Blogging, Video-Beiträge nehmen stärker zu als Audio-Podcasts.

Die Society for New Communications Research veröffentlicht diverse Studien rund um Online-Kommunikation. Ende Februar publizierte sie die zweite Ausgabe ihrer «Untersuchung zur Entwicklung des Blogging- und Twitter-Einsatzes unter den grössten US-amerikanischen Firmen» (Original-Studie PDF).

Sehr hohes Blogging-Engagement in den USA
Davon kann Europa nur träumen: Knapp ein Viertel der grössten amerikanischen Unternehmen bloggen – das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Interessant ist der Vergleich zwischen Fortune 500 (Wikipedia) und Inc. 500: Das erste Wirtschaftsmagazin misst private und öffentliche Unternehmen nach Umsatz, das zweite nur private Unternehmen nach Wachstum.

Sind die schnell wachsenden, privaten Unternehmen beweglicher, offener für den direkten Dialog mit Blog-Lesenden? Die Zahlen zeigen in diese Richtung, denn in der 500er-Liste von Inc. führen sagenhafte 45 Prozent ein eigenes Blog – gegenüber 39 Prozent im Vorjahr.

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Auch in der Schweiz werden aus meiner Sicht mehr Unternehmen aktuelle, interaktive Inhalte auf ihren Webseiten bieten. Vielleicht heissen sie Blog, vielleicht sind sie einfach ein Online-Magazin. Je grösser ein Unternehmen, desto eher kann es sich den hohen Aufwand für laufend aktuelle, gut recherchierte Beiträge leisten. Und natürlich haben es die amerikanischen Unternehmen wesentlich einfacher, was den Umgang mit Sprachen anbelangt.

Audio und Video aktiviert die Inhalte
Zurück zu den Fortune 500-Unternehmen: Den grössten Anstieg gegenüber 2008 zeigen Video-Beiträge. Auch die Audio-Podcasts wachsen: 19 Prozent der Unternehmensblogs enthalten Ton-Beiträge, gar 31 Prozent setzen auf Web-Videos. Auch das ein Trend in der Unternehmenskommunikation, der sich aus meiner Sicht verstärken wird.

Twitter überholt Blogging
Zum erstenmal erfasst wurden diejenigen Unternehmen, die ein Twitter-Account führen – und zwar aktiv. In den letzten dreissig Tagen «getweetet» haben 173 Unternehmen. Das sind 35 Prozent der erhobenen Firmen – gegenüber einem Blog-Engagement von 22 Prozent bei Fortune 500.

Twittern ist einfacher als Bloggen, deshalb wird die Zahl der schnellen Micro-Texter in Unternehmen immer etwas höher liegen. Trotzdem sehe ich diesen Kanal als ideale Ergänzung einer Inhalts-Strategie, die auf Blog-Beiträge setzt.

Marcel Bernet | 10.11.2009

Twitter-Tipps: So macht man ein Konzept – britische Vorlage

TwitterDie beste Vorlage für ein Twitter-Konzept liefert Neil Williams. Und sie ist nicht nur für Regierungs-Tweets vorbildlich strukturiert.

Denn Neil ist Leiter der «Corporate Digital Channels» im Ministerium für Business, Innovation und Skills BIS. Und er bloggt privat auf Mission Creep mit dem schönen Slogan «Trying to do too much at once». Den Blog habe ich mir abonniert – denn Neil schreibt witzig, klar und teilt sein Wissen grosszügig. So ist denn auch die hier vorgestellte Vorlage auf verschiedenen Plattformen runterzuladen (hier ein direkter PDF-Link) – natürlich auch über Scribd.

Die Vorlage ist so verfasst, dass andere Abteilungen der britischen Regierung sie für ihre Twitter-Vorhaben einsetzen können. Ich empfehle Nicht-Regierungs-Organisationen und Nicht-Brit/innen ein ähnliches Vorgehen: Durchlesen und dadurch interessante Anstösse für die eigene Rahmendefinition mitnehmen. Wieso?

1. Klare Struktur
Gute Konzepte zeichnen sich immer durch einen klaren Ablauf aus. Diese Vorlage liefert die Kapitel für ein stringentes Papier, das verstanden wird und alles Wesentliche klärt. Vielleicht wählen Sie diese Kapitel – vielleicht mixen Sie Neils Idee auch mit den Kapitel-Vorschlägen aus unserem Twitter-Leitfaden. Oder Sie gucken sich wieder mal unser Konzeptrezept an, für Projektpapiere aller Art.

2. Gut gemachte Zielsetzungen samt Erfolgskontrolle
Kapitel 3 «Objectives and metrics» ist erste Sahne. Solche Konzepte würde ich gerne mehr lesen: Klare Zielsetzungen, jeweils verbunden mit der Messmethode. Zahlen sind selbst einzusetzen.

3. Strategie-Teil mit Risiko-Liste abgefangen
Schön dargestellt sind im Kapitel 4 die mit einem Twitter-Einstieg verbundenen Risiken – nicht nur für Regierungsstellen. Und mit welchen Massnahmen man diese Risiken eindämmen, überwachen kann.

4. Praktisches Beispiel für Positionierung, Tonalität
Hier wirds wirklich schön: Endlich kann man mal ganz praktisch lesen, wie ein inhaltliches Konzept eines konkreten Absender aussieht. Wer die Texte zu Namensgebung, Absender, benötigter Zeit und inhaltlichen Prinzipien liest, erhält interessante Eckwerte. Nicht einverstanden bin ich mit der Anonymisierung der Tweets – sie werden «behördlich» abgesetzt – passt für mich nicht zu Twitter.

5. Nicht mehr als 10 pro Tag
Interessant: Maximal 10 Tweets pro Tag, mindestens 30 Minuten Intervalle dazwischen, damit Follower nicht geflutet werden. Mit Ausnahmen für Antworten oder Krisensituationen.

6. Ressourcen geklärt: Mindestens eine Stunde pro Tag
Eine Stunde pro Tag ist realistisch – ohne Konzeption und laufende Evaluation. Da sieht die Vorlage einen Tag alle drei Monate, was aus meiner Sicht aber mit mindestens vier Personen multipliziert werden muss. Sehr spannend ist hier die Seite 18, Beilage C: so viel Zeit setzen ein fürs Twittern:

  • Premier (Downingstreet): 20 Minuten/Tag, 2-3 Tweets/Tag plus etwa 3 Antworten/Tag
  • Ausenministerium (Foreign Office): Weniger als 45 Minuten/Tag
  • Communities und Lokale Behörden (Communities UK): 45 bis 60 Minuten/Tag
  • Digital Policy: 5 bis 10 Minuten/Tag
  • Wirtschaftsförderung (UK Trade & Investment): 5 Minuten bis 2 Stunden/Tag für Twitter und LinkedIN, inklusive Aktives Aufstöbern von relevanten Diskussionen

7. Umgang mit Abonnenten: Automatisches Rück-Followen
Als Regierungsbehörde will man niemanden aktive followen, von sich aus. Das könnte als «Big Brother»-Beobachtung negativ ankommen. Aber alle, die einem Regierungstweet folgen, werden von der Amtsstelle automatisch zurückverfolgt. Weil das zur Twitter-Etikette gehöre. Und man automatisiert das, weils händisch eben zu aufwändig ist. Natürlich sorgt man damit auch für einen stetig wachsenden Strom von Followern – mehr zu diesem Thema im Twitter-Tipp «Wie erreicht man Follower».

8. Praxistipps zu Hashtags, Linkkürzeln, Re-Tweeting und Promotion
Alles da. Einfach erklärt. Einfach zu ergänzen oder auszulassen, je nachdem wofür man sich bei seinem Konzept entscheidet.

Wer mag sein Twitter-Konzept mit dem bernetblog teilen? A propos: Am 2. Dezember, 0730 in Zürich, wird man live eines erleben können. Mehr darüber bald an dieser Stelle.



Lilly Anderegg | 21.10.2009

IT-Luftblasen 2009: Nur zwei von acht werden nicht platzen

IT-Luftblasen 2009Alles alter Wein in neuen Schläuchen? Ernst zu nehmen sind Business Intelligence und (Desktop-)Virtualisierung. Nur heisse Luft sind dagegen Enterprise-mash-ups und Social Software, sagen IT-Experten.

Im September habe ich über den Hype-Cycle von Gartner geschrieben, der regelmässig die IT-Trends bewertet. Im Trend 2009 sind Cloud Computing, Social Software und Green IT. Sind diese Technologien ernst zu nehmen oder nur Luftblasen? Sehr aufschlussreich finde ich dazu die Perspektive von IT-Experten. Laut einer Umfrage unter 311 IT-Freiberuflern und 39 Projektanbietern sind nur zwei von acht IT-Trends wirklich ernst zu nehmen:

  • Business Intelligence (Automatisierung des Reportings)
  • (Desktop-)Virtualisierung (lokales Ausführen von Desktop- oder Server-Anwendungen)

Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und warum gerade diese Technologien mehr als heisse Luft sind, erklärt der Artikel Umfrage-Ergebnis: IT-Luftblasen 2009.

IT-Luftblasen 2009

Gemischte Gefühle bei Cloud Computing und Green IT
Cloud Computing ist für die meisten Umfrageteilnehmer nicht viel mehr als ein Marketing-Buzzword. Überraschend finde ich, dass Green IT so schlecht bewertet wird – dabei ist grüne Informatik aus ökologischer Sicht eine Notwendigkeit. Green IT unterstützt Massnahmen, um ein IT-Produkt über den gesamten Lebenszyklus hinweg so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten und nutzen. Konkrete Massnahmen sind beispielsweise der Einsatz energiesparender Prozessoren, Klimamanagement in Serverräumen und Virtualisierung von Servern sowie die Weiterverwendung der Komponenten und der Recyclingfähigkeit alter Rechentechnik. Dabei stehen nicht immer ökologische Interessen im Vordergrund – auch ökonomische Gesichtspunkte (Kosten sparen) und die Möglichkeit, sich als verantwortungsbewusste Firma zu vermarkten, spielen ebenso eine Rolle.

Und wie halten Sie es mit Social Software?
Erstaunt hat mich auch, dass rund zwei Drittel der IT-Spezialisten Enterprise 2.0 und Social Software – Beispiele sind Twitter, Weblogs und weitere Online-Communities – für nicht zukunftsrelevant halten. Eine Begründung bleibt uns der Artikel Umfrage-Ergebnis: IT-Luftblasen 2009 schuldig. Gemäss der Analysten von Gartner jedenfalls kommt in naher Zukunft kein Unternehmen an Social Software vorbei. Bottom-up statt Top-down sei der grosse Vorteil der Enterprise 2.0: Das Wissen und die Erfahrungen aller Mitarbeiter werden durch sie nutzbar, und das eröffnet dem Unternehmen bessere Entwicklungschancen. Microblogging – wie zum Beispiel über Twitter – ermöglicht Gartner zufolge neue Formen eines schnellen, geistreichen und einfachen Austauschs. Was ist Ihre Meinung?

Mehr zum Thema im bernetblog:

Hype-Cycle: Verliert Facebook den Reiz?, 08.09.2009
Was ist eigentlich: …Cloud Computing?, 11.09.2009

Marcel Bernet | 20.10.2009

Twitter-Tipps: Wie erreicht man Follower?

twitter_voegel_grosskleinWer zwitschert, der will gelesen werden. Für den Weg zu möglichst vielen Followern gibts eine ganze Kiste voll unglaublicher Tricks.  Robert J. Moore hat auch die fiesesten davon getestet.

Die Frage stellt sich bei allen Anwendungen des Social Web: Wollen Sie möglichst viele oder möglichst relevante Kontakte? Wer ganz oben stehen will auf den Hitparaden, die es natürlich auch für Twitterer gibt, der will möglichst hohe Zahlen. Bei den deutschen Twittercharts gehts los mit 66′000 Followern, Philip Hetjens versucht bei seinem Pilotprojekt die Swiss Twittercharts mit einem Algorhythmus etwas schlauer zu machen – so, dass nicht nur die Follower alleine zählen.

Die Lebenskurve der Follower-Statistik
Ich selbst stehe mit 474 Abonnenten noch ganz am Anfang der unten dargestellten Dynamik. Bei den ersten Tausend folgt ein Plateau, das man nur mit inhaltlich glaubwürdigen Posts überwindet – und dem Gewinn eines Promi- oder Guru-Status. Meint Robert J. Moore aufgrund seiner Analysen für die USA. Moore verbindet praktische Tipps mit einer detaillierten Analyse. Und das ist auch sein Hauptgeschäft – RJMetrics verkauft Anwendungen für die schnelle Analyse grosser Datenbestände.

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Erster Schritt: Gute Twitterer auslesen und followen
Jede Twitter-Karriere beginnt mit intelligent ausgewähltem Verfolgen von anderen. Dabei lese ich mir Personen aus, die an meinen Tweets interessiert sein könnten. Weil sie in Zürich zu Hause sind, in der Schweiz. Oder weil sie sich für Medien, Kommunikation, PR interessieren dürften. Oder mich schon persönlich kennen. Die Basis aller weiteren Erfolge legt man mit den ersten Followern. Und die holt man sich am besten bei den Personen, die einen bereits kennen.

Ein schlechter Trick: Folge mir, dann folge ich dir
Es gibt einen interessanten Automatismus bei Twitter, der schamlos genutzt wird: Folge vielen, dann folgen dir viele. Man kann das sogar mit Hilfsprogrammen automatisieren: Jeder neue Follower wird automatisch gegen-abonniert. Drum schaue ich mir immer an, wie das Verhältnis von Followers zu Following, also Abonnenten und selbst abonnierten Tweets aussieht. Das ist dann für mich einer der Faktoren, um die Autorität des Absenders zu beurteilen. Lebt er oder sie vor allem von automatischen Followern? Oder von bewussten Abonnenten?

Echter Dialog braucht Zeit
Moore unterscheidet FreeFollowers (bewusste, freiwillige Abonnenten) und ReFollowers (automatische Abonnenten). Er hat drei Twitter-Tipps und sieben Twitter-Anwendungen beschrieben und vergleicht die dafür eingesetzte Zeit oder dabei entstandene Kosten – hier die Auswertung:

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Zwölf Minuten setzte Moore ein für jeden freiwilligen Follower mit Topical Tweets – das heisst mit Beiträgen zu aktuellen Themen samt gängigem Hashtag (mit dem #-Zeichen versehene Schlagworte im Tweet, siehe Twitter-Leitfaden). Denn nach solchen Hashtags wird in Twitter-Suchmaschinen gesucht, so finden Personen zu den eigenen Tweets, die wirklich an diesen Themen interessiert sind. Auch hier gilt: Kurzfristig kann ich meine Follower massiv erhöhen, wenn ich über ein News-Thema schreibe. Bloss: Passt dieses Thema auch wirklich in mein redaktionelles Konzept? Langfristig wird diese Frage entscheidend sein.

Sieben Minuten investierte Moore durchschnittlich, bis sich jemand aufgrund von direkten @-Tweets bei ihm als Follower registrierte. Und zehn Minuten dauerte es bei Posts über gerade aktuelle Promis. Na ja, die passen überhaupt nicht in mein Twitter-Konzept. Okay, vielleicht müsste ich mehr über Steve Jobs schreiben?

Schlaue Programme mit schlechter Absicht
Auf den nächsten Positionen folgen interessante Twitter-Anwendungen. Wer die Beschreibungen liest, lernt Interessantes – deshalb hier nochmals der Artikel-Link. Ich staune über die Möglichkeiten, Twitter-Konti nach Stichworten automatisch in Hunderterblöcken zu abonnieren, sie ebenso automatisch nach sieben Tagen wieder raus zu werfen, falls sie mich nicht rück-abonnieren. Oder andere Tricks, die aus meiner Sicht schlussendlich nichts bringen. Ausser eine hohe Follower-Zahl. Und irgendwann ein völlig verkorkstes Twitter-Universum, wo sich alle gegenseitig automatisch oder gegen Bezahlung abonnieren. Aber die Abos eben gar nichts aussagen.

Dominik Allemann | 13.10.2009

Twitter Community Schweiz: Viel Bewegung on- und offline

TwitterEs ist Zeit, hier wieder einmal eine Lanze zu brechen für die sympathische Schweizer Twitter-Community (gibt es DIE Schweizer Twitter-Community?). Da ist nämlich einiges an Bewegung drin. Ein Team rund um Pixelfreund organisiert beispielsweise noch im Oktober einen exklusiven Sportevent…

Als aktiver Mitleser und lernender Zwitscherer begegnen mir die engagiertesten Schweizer Twitterer immer wieder. Und sie sind innovativ: organisieren TwitterBier (zum Beispiel eine Oktoberfest-Version), ein Trashgolf-Turnier im Bündnerland oder – ganz saisonbewusst – ein #twildessen (10.11., mehr dazu folgt hier). Den Coup landet aber im Moment unser Pixelfreund (sein Gast-bernetblog-Beitrag erschien hier kürzlich). Am 24. Oktober (12h – 18h) veranstaltet er im wiederauferstandenen Mysterypark in Interlaken das…

segwaylaubblserpolomysterypark_1_thumb

(Bildquelle: Mysterypark/pixelfreund.ch)

Charmant an dieser Idee ist die Kombination: Segways sind diese drolligen Zweirad-Steh-Fahrzeuge (Google-Bilder) die man sich einfach partout nicht im Alltagsgebrauch vorstellen kann. Und Laubbläser (dito) sind laut, offenbar gesundheitsgefährdend und aus dem Alltag von Hausmeistern (s. YouTube-Film, via Pixelfreund) und Stadtreinigern nicht mehr wegzudenken. Leider. Aber die Verbindung tönt nach Spass. Und hätte ich am 24.10. nicht schon eine Verpflichtung – ich wär glatt dabei als Fan (die Mitspielerplätze waren ratzfatz weg).

Die Organisatoren nennen das «gelebtes Crowdsourcing». Beeindruckend ist für den PR-Menschen tatsächlich, wie in kürzester Zeit etwas (was auch immer) online entstehen kann und offline dann – dezentral und vernetzt – organisiert wird. Und für einige Beteiligte (namentlich Mysterypark, Segway, Stihl-Laubbläser) könnte das doch sogar zu einem ganz netten «viralen» Effekt führen.

Das «SSLP» ist natürlich vorbildlich und integriert vertreten in den Social Media:
bei Facebook, Flickr und Twitter

Lilly Anderegg | 07.10.2009

Lieblings-Mashup: Wie viel Poesie verträgt Twitter?

TwitterÜber den Blog netzwertig.com bin ich auf die Poesie von Twitter aufmerksam geworden. Twyric ist ein kleines Mashup, das die poetische Seite von Twitter erkundet.

Die Internetseite Twyric (Twitter + Lyric = Twyric) sammelt Tweets, die mit Hashtags wie #gedicht, #haiku, #lyric, #limerick, #poem, #poesie versehen sind. Kombiniert werden die Tweets frei assoziativ mit Fotos von Flickr. Die Idee dahinter gefällt mir gut. Sei es für poetische Momente während der Arbeit – für mehr Poesie als 140 Zeichen reicht die Zeit häufig nicht – oder um das Englisch aufzufrischen. Zwar sind die lyrischen Tweets theoretisch in allen Sprachen denkbar, aber Englisch ist mit wenigen Ausnahmen die Lingua franca. Die Geschwindigkeit der Tweet- und Bildwechsel kann gesteuert werden. Und die Poesie lässt sich auch als Screensaver einrichten.

Seltene Perlen
Längst nicht jeder Beitrag ist wahre Lyrik, vieles nicht einmal ansatzweise lyrisch. Aber das Auffinden versteckter Perlen – gerade in der Kombination mit den Fotos von Flickr – macht umso mehr Freude. Aufgefallen sind mir diese Kurzgedichte:

Cold rainy morning
Sparrows splash in shallow puddle
I put on sweater

The shallow waters
Of a mediocre life
Never make a wave.

Morgensonne
Ein Tag bittet um Einlass
Der Abend wartet schon.

Genau. Der Abend wartet schon, darum bleibt auch keine Zeit für eigene Einträge ins Poesiebuch – zum Vorteil der Leserschaft, glauben Sie mir.

Lilly Anderegg | 30.09.2009

Wenn Twitter ein Dorf mit hundert Einwohnern wäre …

bild_twitterstat… wären fünfzig faul und zwanzig bereits tot. Wie sich abstrakte Informationen visualisieren lassen. Eine Auswahl.

Auf informationisbeautiful.net versammeln sich Grafiken, die hervorstechen – thematisch und grafisch. Dahinter steckt David McCandless, ein Freelancer aus London. Seine Berufsbezeichnung ist neu für mich, tönt aber schick (auf Englisch): «Visual & Data Journalist». Kennt jemand die deutsche Übersetzung? Die Mission von David McCandless: «My passion is for visualising information – facts, data, ideas, subjects, issues, statistics, questions – all with the minimum of words.» Und so minimalistisch die Grafiken, so spannend sind die Aussagen dahinter. Lerne: Statistik muss nicht langweilig sein.

Einige Beispiele:

  • Der durchschnittliche Dorfbewohner ist faul
    Wenn Twitter ein Dorf mit hundert Einwohnern wäre, wären fünfzig faul und zwanzig bereits tot. Nur fünf Einwohner wären für 75 Prozent aller Tweets verantwortlich. Die Grafik «If Twitter was 100 People…» basiert auf einer Verhaltensstatistik von Twitter-Nutzern. Um das Ergebnis leichter nachvollziehbar zu machen, wurde es so dargestellt, als würde die Twitter-Community nur aus hundert Personen bestehen. Die Grafik zeigt zudem, an welchen Tagen Twitter am stärksten genutzt wird. Interessant: Dienstags und mittwochs werden die meisten Tweets geschaltet.

informationisbeautiful.net: If Twitter was 100 people ...

  • iPhone an der Spitze digitaler Ablenkungen
    Twitter, Facebook, Flickr, eBay, E-Mails, SMS, ein Anruf auf dem Festnetz oder Handy – das digitale Zeitalter setzt uns zahlreichen Ablenkungen aus. Die Wahl zwischen dem Tippen einer Kurznachricht bei Twitter und dem Griff zum Telefon erfolgt nicht zufällig. Das zeigt die Pyramide «The Hierarchy of Digital Distractions». David McCandless visualisiert hier digitale Ablenkungen und wie wir damit während der Arbeit umgehen. Zuunterst in der Aufmerksamkeitshierarchie steht die tatsächliche Arbeit, sie hat den geringsten Stellenwert (das gilt selbsterklärend nicht für die Autorin). Wesentlich mehr Aufmerksamkeit erhält eine neue Facebook-Message, doch sobald das Telefon klingelt, ist damit auch Schluss. Hierarchisch zuoberst steht das iPhone, getoppt wird es nur noch durch einen Funkunterbruch oder einen ungeduldigen Partner, der das Notebook gewaltvoll schliesst und dem Nutzer dabei die Finger einklemmt.

informationisbeautiful.net: Hierarchy of Distractions

  • Kaffeefahrten auf der Zeitachse
    Ganz neue Zusammenhänge für SF-Fans erfasst die Grafik «Timelines: Time Travel in Popular Film and TV» (mit Hintergrundinfos). Treffen sich Marty McFly (Zurück in die Zukunft) und die Crew von Star Teck auf ihren Zeitreisen, und kämpfen sie gemeinsam gegen Terminator? Fragen, die die Welt bewegen.
  • Nicht zu empfehlen bei Flugangst
    Sehenswert, aber auch etwas beängstigend – zumal ich im Dezember (!) einen Flug mit Air France (!) gebucht habe: «Reduce Your Odds of Dying in a Plane Crash». Es scheint: Ich lebe wild und gefährlich. Immerhin sitze ich in den hinteren Reihen, das erhöht meine Überlebenschance. Ich muss nur noch den Fensterplatz gegen einen Gangplatz tauschen …

Mehr zum Thema im bernetblog:

Kontrollierter Webkonsum dank Diätpyramide, 24.07.2009
Lasst Grafiken sprechen, 17.07.2009

Marcel Bernet | 17.09.2009

Twitter-Leitfaden: Tipps für Tester und Profis

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Ist Twitter relevant? Ja, als Teil einer Online-Gesamtstrategie. Finden Sie es selbst raus – unser neuer Leitfaden unterstützt Ihre erste Probefahrt und bringt Optimierungs-Ideen für erfahrene Microblogger.

Heute schalten wir auf unserer grossen Know-how-Plattform www.bernet.ch/wissen eine neue Gratis-Checklist auf: «Gern gelesenes Gezwitscher – Leitfaden Corporate Twittering» ist 23 Seiten kurz und dient als schnelle Einstiegs- und Optimierungshilfe. Eine noch stärker verdichtete Kurzversion bietet unser Anstoss-Newsletter «Twitter fürs Geschäft: Entscheidung, Umsetzung, Leitfaden».

Cross-Publishing auf Scribd
Zum erstenmal veröffentlichen wir eine unserer Publikationen gleichzeitig auf Scribd. Aus den vielen Möglichkeiten von Sozialen Dokument-Plattformen haben wir uns für diese Option entschieden. Hier haben wir übrigens den Konkurrenten issuu beschrieben – auch dort ist der Leitfaden mal geladen – mir erscheint die Plattform aber eher für Magazine geeignet.

Innert 24 Stunden seit dem Scribd-Upload waren bereits über 600 Interessenten auf dem Dokument zu Besuch, 25 haben es auf ihre Festplatte geholt. Wir hatten die Existenz dieses Files noch gar nicht kommuniziert. Dank Scribd können Sie auch gleich hier im bernetblog durch die vielen Anstösse spazieren (das Symbol rechts aussen im Titelbalken startet die Bildschirm-Vollansicht, blättern klappt mit ->).

Relevant? Monitoring muss sein.
Macht es für Unternehmen, Organisationen, Kampagnen Sinn, mit 140-Zeichen-Info-Schnipseln um sich zu werfen? Die Zahl der Twitter-User wächst rasant, Webevangelisten.de meldet 220′000 deutschsprachige Accounts per August 09 und Nielsen USA misst 21 Millionen Unique Visitors pro Monat für Juni 09. Bernet_PR empfiehlt: Twitter unbedingt anschauen, ins Monitoring einbeziehen, nur zielgerichtet und fallweise in eine Gesamt-Dialog-Strategie einbauen.

Links:
Anstoss-Newsletter als Kürzestfassung
Ganzer Leitfaden als PDF-Download (auf Download klicken, Kreuz zu Copyright setzen, E-Mail angeben)

Lilly Anderegg | 08.09.2009

Hype-Cycle: Verliert Facebook den Reiz?

kiss_valentineDer Tages-Anzeiger diskutiert den Tod von Facebook. Und sitzt damit dem neusten Hype auf. Facebook wird erwachsen, gestorben ist es noch lange nicht.

Lange haben die Medien Facebook bejubelt. Das zieht nicht mehr. Jetzt wird das Netzwerk zu Tode verurteilt. «Wir langweilen uns gegenseitig: Der Tod des hippen Facebook», titelt der Tages-Anzeiger Online. Spannend sind die Kommentare, die der Artikel auslöst. Und ja, ich merke selbst, wie Facebook für mich an Attraktivität verliert, seit sich dort auch meine Schwiegermutter in spe, Arbeitgeber und Kunden tummeln. Für mich hat Facebook heute einen Stellenwert wie Xing vor fünf Jahren. Es ist wichtig, dabei zu sein – aber hip ist Facebook nicht (mehr).

Der Reiz des Neuen ist vorbei
Trotzdem: Ist es nicht völlig normal, dass der Hype mit der Zeit nachlässt? Die gesteigerten Erwartungen münden in Enttäuschung, die «hippe» Technologie wird zum Mainstream. Mir kommt es fast vor, als sei es der neuste Hype, den Tod von Facebook zu verkünden. Die Stichwort-Kombination «Tired of Facebook» erreicht auf Google bereits 300′000 Treffer, die ersten Einträge datieren von 2007. Web 2.0 durchläuft gerade eine Phase der Desillusionierung, wie auch die Marktforscher von Gartner in ihrem Hype-Cycle feststellen. Und was kommt danach?

Hype-Cycle

Der lange Weg zum «Plateau der Produktivität»
Der Hype-Cycle von Gartner bewertet regelmässig die IT-Trends. Im Trend 2009 sind zum Beispiel Cloud Computing, E-Books und Internet-TV. Social Software und Microblogging haben gemäss Gartner den Zenit bereits überschritten. Gartner geht dabei von einem gleich bleibenden Zyklus aus, den neue Technologien durchlaufen. Auf den Hype folgt die Ernüchterung, und langsam wird erkannt, wo eine neue Technologie realistisch einsetzbar ist. In der nächsten Phase wird die Technologie zunehmend eingesetzt, bis sie zuletzt zum Alltag gehört und die Produktivität steigert. Gartner bezeichnet die Phasen des Hype-Cycle als «Technology Trigger», «Peak of Inflated Expectations», «Through Disillusionment», «Slope of Enlightment» und «Plateau of Productivity». Unterschiedlich ist lediglich die Zeitspanne, die die Technologien in den einzelnen Phasen verbringen. Die Studie ist bei Gartner nicht frei zugänglich; eine Zusammenfassung gibt computerwoche.de.

Geht es nach Gartner, erreicht Web 2.0 in weniger als zwei Jahren die Phase der Produktivität. Ich bin gespannt. Und ich frage mich, was Gartner alles zu Web 2.0 zählt. Persönlich konnte ich zum Beispiel meine Produktivität dank Facebook  (noch) nicht steigern – im Gegenteil. Spass macht es trotzdem, den weltweit 250 Millionen registrierten Usern durchs Schlüsselloch zu schauen. Im Artikel des Tages-Anzeigers lese ich, dass Bill Gates sein Profil auf Facebook gelöscht hat – er hatte einfach zu viele Freunde, heisst es. Vielleicht waren es die falschen Freunde?

Online Monitoring – Selfmade und zum Nulltarif

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Online-Monitoring ist auch für kleinere Unternehmen mit kleinem oder keinem Budget möglich – mit etwas Zeit und einer Prise Geschick am Computer. Unser Gastblogger Ralph Hutter aka Pixelfreund gibt Tipps.

Kernelement der Medienbeobachtung via Internet sind News-Alerts, die hauptsächlich die Nachrichten traditioneller Medienhäuser abdecken sowie Social Media Monitoring Tools, die einen Einblick in Diskussionen von Sozialen Netzwerken, Blogs und Microblogging Diensten geben.

News Alerts – Schlüsselwörter abonnieren
News Alerts werden von den grossen Suchaschinen Google Alerts, Yahoo Alerts, MSN / BING Alerts angeboten – mit grossen qualitativen Unterschieden. Bei allen können Schlüsselwörter als E-Mail oder via RSS Feed abonniert werden. Taucht ein Suchbegriff in Nachrichten, auf Websites, Blogs oder als Beschreibung eines Videos auf, erhält man sofort oder in der täglichen Zusammenfassung einen E-Mail-Alert. Auf diese Art lässt sich einerseits der Summton der etablierten Medien hören (deren News durch Google syndiziert werden, s. auch Beitrag von Marcel), aber auch die Stimmen aus der Blogospäre. Die Unschärfe dieses Monitorings liegt in der Anzahl Titel und Formate, bzw. ob und wieviel von deren Content auch elektronisch durch die Suchmaschinen erfasst werden.

Social Media Monitoring Tools
Die eigene (Online-)Reputation wird aber längst nicht mehr nur von den Printmedien gestaltet. Neue Online Plattformen wie Facebook und Twitter sind in der Masse angekommen. Und auch bereits bekannte Gefässe wie Blogs, Foren werden weiterhin rege genutzt.

Diese Dienste geben Einblick in aktuelle Diskussionen zur eigenen Marke, Person oder über andere Suchbegriffe:

Socialmention.com
Socialmention.com
finde ich grossartig. Der Dienst durchpflügt über 80 Social Media Plattformen: Blogs, Microblogs, (Online) Boomarks, Blog Kommentare, Events, Bilder, News sowie Audio und Video Plattformen. In kurzer Zeit erhält man einen guten Eindruck, wo und was über den jeweiligen Suchbegriff geschrieben und gesprochen wird.

screenshot-socialmention.com

backtype.com
Backtype.com beschreibt sich selbst als “a conversational search engine”. Sie indexieren hauptsächlich Konversationen, die via Kommentare auf Blogs und Social Media Plattformen geführt werden und verknüpfen diese plattformübergreifend. Die Suchbegriffe können ähnlich wie bei den Alerts der Suchmaschinen via Email oder noch praktischer via RSS abonniert werden.

boardtracker.com
Es gibt sie noch, die guten alten Diskussionsforen. Deren Bedeutung hat mit der Verbreitung der sozialen Netzwerke deutlich abgenommen. Doch gibt es weiterhin viele gut frequentierte und etablierte Discussion Boards. Board Tracker ist eine Suchmaschine, welche ausschliesslich Diskussionsforen durchforstet. Der Fokus liegt hautpsächlich auf englischsprachigen Boards und ist daher für den deutschsprachigen Markt weniger attraktiv.

facebook.com/lexicon/
Eine brillante Idee ist das Facebook Lexikon. Wissen, was über die eigene Marke in Facebook auf all den Pinwänden diskutiert und welche Gefühlsregungen mittels Statusupdate in die Online Welt posaunt werden. Die Usability lässt aber stark zu wünschen übrig und nur Suchbegriffe mit einem Minimum an Erwähnungen sind überhaupt auffindbar. Derzeit unbrauchbar für kleine Unternehmen, aber wert im Augenwinkel zu behalten.

…und dann wären da noch – last but not least  – das Twitter Monitoring. Darüber habe ich einen ausführlichen Artikel “7 Tools für Medienbeobachtung – Trend Twitter Monitoring” auf meinem Blog geschrieben. Mehr zum Umgang mit Twitter (inkl. Monitoring-Tipps) übrigens im Leitfaden, der Mitte September hier erscheint.

Das Internet macht es möglich. Selfmade Medienbeobachtung zum Nulltarif. Die Zeit alle Ergebnisse zu lesen und zu interpretieren, muss man sich nach wie vor noch selber nehmen.

Danke für diese pragmatischen Tipps an unseren Gastblogger Ralph Hutter! Er schreibt auf www.pixelfreund.ch über Web 2.0 Trends, Social Media, Netzkultur, geeky Gadgets und neue Medien.

Marcel Bernet | 05.08.2009

Newsablauf Online bis Print: Übersicht

velorotschnellWo entstehen News? Wie verändert sich dieser Ablauf durch Online Medien und Soziale Netzwerke. Versuch einer Übersicht, Version 2.

Mitten in den Recherchen für eine neue Twitter-Checklist (im September kommt sie raus, wer dann eine Mail-Benachrichtigung will, in der rechten Blogspalte voranmelden) wollte ich diese Grafik anpassen. Das erstemal war sie zu sehen am Ende des Beitrags «Soziale Medien, die neuen Newslieferanten?».

bernetblog_socialmedia_news2

Das erste Foto auf Twitter
Sie ist der Versuch einer Übersicht, schematisch, vereinfacht: Wo entstehen News? Von der vielzitierten Landung im Hudson war zuerst auf Twitter zu lesen. Sofortnachrichten, von Handys abgesetzt, sind ideal für die schnelle Weiterverbreitung. Egal, ob das nun auf Twitter oder mit Facebook-Meldungen geschieht.

Lieber schnell als richtig
Und weils schnell geht, sind die beiden Dienste auch oberflächlich. Falschmeldungen gehören zur Realität. Lieber mal schnell was reinhauen und «dabei sein», als Inhalte zu überprüfen – dazu auch die Süddeutsche in «Gezwitscher ohne Fakten». Das gilt ganz besonders auch für die zahlreichen Re-Tweets und Weiterleitungen von Falschmeldungen.

Neu habe ich auf der Zeitachse die Online-Medien vor die Blogs gesetzt. Weil die hier zitierte Studie zum letzten US-Wahlkampf gezeigt hat, dass die Online-Medien in der Regel einen Zwei-Stunden-Vorsprung auf Weblogs hatten. Das wird so lange noch gelten, wie Online-Medien näher an den meisten offiziellen Informationsquellen sitzen. Und in fünf Jahren wird diese Unterscheidung wohl immer weniger gemacht: qualitativ gute Blogs setzen sich als Online-Medien durch, heissen nicht mehr Blogs.

Stirbt das Einordnen aus?
Online-Medien und Blogs stehen aufgrund des hohen Aktualitätsdrucks so halb zwischen oberflächlich und vertieft. Erstens können sie Informationen oft erst später gegenchecken und in der Regel bleibt keine Zeit für vertiefte Zusatzrecherchen. Ich weiss: Auch die Tages- und Wochenpresse steht unter Zeitdruck, Stellen werden gestrichen, die  Redaktorinnen auf unabhängiger Recherche sterben langsam aus. Trotzdem liegt ihre einzige Chance in der Zusatzinfo, dem ersten Interview vor Ort, einer besser gemachten Grafik, dem Einordnen des am Vortag online gelesenen.

Einspruch?

Lilly Anderegg | 27.07.2009

Ich werde geklickt, also bin ich

AnnouncementDie Blogosphäre gilt als Albtraum der Kontrolleure und Kulturkritiker. Viel wird geschrieben, viel davon ist belanglos. Was bleibt?

Journalist und Blogger David Bauer ruft in der SonntagsZeitung das Ende der Blogs als Jedermann-Medium aus.  Wer jetzt noch schreibe, habe Ausdauer oder Erfolg – die breite Masse steigt auf Facebook oder Twitter um:

«Dank des Blogs konnte erstmals jeder kinderleicht Dinge im Netz publizieren – aber können konnte eben doch nicht jeder. Wenn Bloggen so einfach ist, warum gehen dann mehr Blogs ein als Restaurants, fragte die New York Times kürzlich lakonisch. Viele mussten inzwischen feststellen: Es fehlt an Ideen, an Zeit, sich welche auszudenken, oder an der Disziplin, sie regelmässig aufzuschreiben. Blogs waren für die breite Masse das richtige Medium, solange es kein besseres gab. Eines, das bietet, was vielen reicht: Mal schnell dies und das der Welt erzählen. Die Statusmeldungen sind das neue Zuhause für all jene, die unbedingt mit der Welt kommunizieren müssen, aber eigentlich nicht viel zu erzählen haben.»

Egal ob Blog, Twitter oder Facebook: Aus meiner Sicht sind sie alle ein Tummelplatz für mitteilungslustige Leute. Entsprechend gross ist die Zahl belangloser Beiträge. Die wenigen Beiträge, die mich tatsächlich vom Hocker reissen, beziehen sich interessanterweise auf Zeitungsartikel. Und der Rest? Im besten Fall Blabla. Nützt es nichts, schadet es nichts.

Bloggen als kultureller Selbstverständigungsprozesses
Letzte Woche bin ich in diesem Zusammenhang über den Artikel «Alles sagen, allen Leuten» in der Welt am Sonntag gestolpert. Darin stellt Alan Posener das Buch «Say Everything: How Blogging Began, What It’s Becoming, and Why It Matters» von Scott Rosenberg vor, Blogger und Mitbegründer des Internetmagazins salon.com. Zum ersten Mal leben wir in einer Welt, in der jeder alles sagen kann, schreibt Rosenberg. Was bedeutet das? Für Rosenberg besteht der Grundfehler bei der Betrachtung Neuer Medien in der Annahme, sie würden den Menschen etwas antun. Ein weiterer Fehler, so Rosenberg, liegt in der Vorstellung ein Blog sei ein Einwegmedium, wie die Zeitung, das Radio, das Fernsehen. Bloggen müsse man sich eher wie Telefonieren vorstellen. Wer keine Online-Kommentare zulasse, verschliesse sich der Diskussion. Das sei wie ein Telefonat, bei dem der Partner nur angeschrien wird: Irgendwann wird er auflegen.

Zu den interessantesten Bemerkungen Rosenbergs gehört der Hinweis auf die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben. Jeder Journalist kenne das Phänomen, dass er erst beim Schreiben erkennt, was er sagen will – das weiss auch Posener: «Millionen Blogger bedeuten deshalb Millionen Menschen, die sich immerhin die Zeit nehmen, darüber klar zu werden, was sie eigentlich denken. Der Gewinn für den mentalen Aggregatszustand des Planeten dürfte immens sein.» Ich hoffe, ich konnte heute meinen Beitrag dazu leisten …

Lilly Anderegg | 23.07.2009

Zählen Sie schon die Tweets bis zum Wochenende?

Immer erreichbar: Manager in den FerienKönnen Sie erst einschlafen, wenn Sie darüber getwittert haben? Wie wir verlernen, mit uns selbst alleine zu sein.

Wenn das Handy mal keine Verbindung hat, blicken wir garantiert alle zwei Minuten auf das Display, ob sich das jetzt geändert hat. Wenn die Internetverbindung nicht funktioniert, werden wir nervös und fühlen uns ausgeschlossen. Verzweifelt suchen wir nach einer Möglichkeit, doch noch «reinzukommen». Vielleicht sollten wir zwischendurch einfach wieder mal üben, alleine zu sein.

Handy und Mail als Nuckelflasche
Nachdenklich gemacht hat mich der Artikel «Jenseits der Stille» auf sueddeutsche.de. Alex Rühle beschreibt darin Handy und Mail als «Nuckelflasche, aus der man sich seinen süssen Brei holt, das Gefühl, gebraucht, geliebt, angesprochen zu werden. Sobald der Blackberry in der Hosentasche vibriert, gibt es null Aufschub, muss man sofort nachschauen, wer da was Leckeres geschrieben hat.» Nicht umsonst trägt der Blackberry den Spitznamen Crackberry. Egal ob iPhone oder Blackberry: Allein die Aussicht, es könnte keiner anrufen, treibt dazu, selbst loszusimsen. Das Gefühl kenne ich selbst, ich geb’s zu.

«Wir haben uns verwandelt von einer Gesellschaft, die den einsamen Typen auf dem Rücken eines Pferdes feierte, zu einer Gesellschaft, der es am wichtigsten wurde, möglichst viele Datenströme zu verwalten», erklärt der New Yorker Sozialprofessor Dalton Conley in «Elsewhere, U.S.A.: How We Got from the Company Man, Family Dinners, and the Affluent Society to the Home Office, BlackBerry Moms, and Economic Anxiety». Ein lesenswertes Interview mit Conley gibt’s übrigens auf salon.com.


Ständige Erreichbarkeit

Conley schreibt, wir seien keine Individuen mehr, die nach Authentizität streben, sondern «Intraviduen», die gehetzt einen konstanten Strom von Messages, Anrufen, Kontakten und Daten zu managen versuchen. Heute würden alle, vom einfachen Arbeiter bis zur Führungskraft, permanent von dem Gefühl gejagt, zu wenig Zeit zu haben und zu wenig zu arbeiten. Weshalb eben alle versuchten, permanent erreichbar zu sein, am Wochenende genauso wie in den Ferien. Warum nicht schnell den Termin koordinieren und einen Flug buchen? Und wenn man am Sonntag zehn Mails beantwortet, muss man das nicht mehr am Montagmorgen im Büro machen.

Kein Wunder, dass immer mehr Menschen Meditationswochen in Entschleunigungsoasen buchen – aber bitte mit Internetanschluss und Sat-TV.

Lilly Anderegg | 01.07.2009

Twizept: Auch in der Kürze liegt viel Würze

twizeptDie Schweizer Kochplattform waskochen.ch stellt sich der Herausforderung von Twitter auf kreative Art und serviert Rezepte, die höchstens 140 Zeichen lang sind. Trotzdem stellt sich die Frage: Wer soll das lesen?

Die Markforscher von Nielsen haben in einer Studie herausgefunden, dass 60 Prozent aller neuen Benutzer von Twitter die Seite im zweiten Monat nicht mehr nutzen. Nach einem Jahr halten nur noch 30 Prozent der Nutzer Twitter die Treue. Im direkten Vergleich schneiden Facebook und MySpace viel besser ab.

Retention Twitter

(Bildquelle: Nielsen)

Und trotzdem ist Twitter in aller Munde. Jeder will mitmachen, am besten schon gestern. Ich persönlich glaube ja, Twitter wird mit steigenden Nutzungszahlen immer unattraktiver. Denn mit wachsender Popularität steigt auch der Anteil wertloser Tweets – und wer hat die Zeit, das zu lesen?

Rezeptesammlung für Twitter
Mit Twizept reagiert waskochen.ch kreativ auf den Twitter-Hype. Die Kochplattform erfindet mit Twizept eine neue Rezeptkategorie und sammelt unter twitter.com/twizept Kochrezepte mit maximal 140 Zeichen Länge. Das liest sich dann etwa so:

4Ossibuchi einmehlen, i 80g Burro braten; 1 Zwiebl + 1 Carot hacken,mitdünsten; 2dl Wwein dazu,aufkochen; m. 150g Pelati, S+P, 1Std. köcheln.

… und funktioniert auch für Vegetarier:
Morcheln 20Min in MilchH2O einlegen, abtropfen, in 4EL Butter dünsten, Pelati dazu, S+P, 5Min köcheln – mit Nudeln und Parmesan servieren.

Kein schöner Anblick für Verfechter der korrekten Schreibweise, doch mir gefällt die kreative Spielerei mit der Sprache, Kochrezepten und letztlich Twitter. Und weil die Twizepte so kurz sind, sind sie wohl auch im Handumdrehen zubereitet. Ich fürchte, Kochen muss man trotzdem können, einmal um die Twizepte zu verstehen, zweitens um den Rezepten zusätzlichen Pfiff zu geben. Aber ein Versuch ist es wert. Die Tweets können übrigens auf twitter.com/twizept abonniert werden.

Marcel Bernet | 18.06.2009

Web 2.0: Ich unterbreche, also bin ich

fischspringtauswasser«Cogitus inerruptus» titelte die NZZ am Sonntag kürzlich. Wie oft lassen Sie sich unterbrechen? Kaum sind wir im Netz, regt sich die Versuchung.

Der Berner Physiker und Philosoph hat sein Essay am 31. Mai in der NZZ am Sonntag veröffentlicht. Für mich einer der anregendsten, praktischen Beiträge in der immer wieder anlaufenden «Das-Web-lenkt-ab»-Diskussion. Mir wurde wieder mal klar, wie ich mich selbst verhalte. Und dass der Bildschirm eine sehr verlockende Büchse der Pandora ist, ein Eingang mit tausend Toren zu unglaublich viele Möglichkeiten.

Multitasking mit gesetztem Anker
Seit meinem Einstieg in Twitter beginnt der Tag mit einem kurzen Blick auf Tweetdeck. Dieses Programm erleichtert wie viele andere das Lesen, Beantworten und Durchsuchen der Kurznachrichten. Aha, hier ein interessanter Link, nur kurz anschauen. Oooh, das muss ich mir merken, ich lese nachher weiter oder schreibe gar einen Blogbeitrag dazu. Aber jetzt doch zuerst die Mails anschauen, die sind ja viel wichtiger. Aber eigentlich wollte ich doch heute morgen die Präsentation schreiben. Na ja, zuerst Mails checken muss sein. Ah – da poppt was Neues auf auf Twitter und jemand aus dem Büro sendet mir eine Sofortnachricht.

Sie alle könnten ihre eigene Multitasking-Kurzgeschichte veröffentlichen. Was gibt es für Gegenstrategien? Aus meiner Sicht nur eine: Sich immer wieder in sich selbst verankern. Das ist extrem schwierig im Büro, am Bildschirm. Und aus dieser inneren Verankerung, mit Distanz, bewusst Prioritäten setzen. Sich mal ausklinken. Einfach gesagt, schwierig umgesetzt, ich weiss.

Technikprägung bewusst machen
Eduard Kaeser ergänzt meine bisherige Sicht um eine interessante Betrachtung: Abschalten alleine ist keine Option. Geräte richten ab auf Gewohnheiten. Und die bleiben selbst dann, wenn ich das Gerät ausschalte.  «Technik ist eine Lebensform, die uns prägt bis in die verstecktesten Nischen der Seele.» Diese Prägung erfolgt unbewusst. Es geht darum, diese Prägung bewusst zu machen, meint der Autor.

Das erinnert mich daran, dass ich in beschleunigten Phasen oft zum Büro rausgehe und sofort überlege: Wen könnte ich jetzt noch schnell anrufen, bis ich zu Hause bin? Anstatt ganz bewusst im Jetzt zu gehen, Bäume zu sehen, Vögel zu hören. Ich muss diese fünf Tipps zum Abschalten aus unserem Newsletter wieder mal lesen.

Lilly Anderegg | 10.06.2009

Warum lange, wenn es auch kurz geht?

lupe_on_httpDienste wie TinyURL machen lange Internetadressen kurz. Damit lässt sich auch mühelos ein Buchhinweis auf Amazon twittern. Doch was passiert, wenn ein solcher Dienst eingestellt wird?

Erst gestern wollte ich jemandem das Buch «Was würde Google tun?» von Jeff Jarvis empfehlen. Dazu schrieb ich eine E-Mail mit einem Link auf die entsprechende Buchbesprechung bei Amazon:

http://www.amazon.de/Was-w%C3%BCrde-Google-Erfolgsstrategien-Internet-Giganten/dp/3453155378/ref=sr_1_4?ie=UTF8&s=books&qid=1244401813&sr=8-4.

Dieser Link umfasst 141 Zeichen und nimmt mehrere Zeilen einer E-Mail ein. Es bleibt das Vergnügen des Empfängers die einzelnen Zeilen wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammen zu fügen. Für das soziale Netzwerk Twitter, das den Versand von Kurztexten bis zu einer Länge von 140 Zeichen ermöglicht, wären die 141 Zeichen bereits ein Zeichen zu viel.

Kürzer geht es mit kostenlosen Diensten, die für beliebig lange Internetadressen einen kurzen Alias bilden, der direkt auf die Originaladresse verlinkt. Etabliert haben sich:

Der Kurzlink auf Jeff Jarvis’ Buch zum Beispiel umfasst mit TinyURL nur gerade 25 Zeichen, kann also auch über Twitter verschickt werden: http://tinyurl.com/m2utsd. Das Buch empfehle ich übrigens allen, die noch eine Antwort suchen auf die Frage, wie man im Internet Geld verdient und wie sich Web 2.0-Anwendungen strategisch nutzen lassen.

Alias ohne Hinweis auf Ziel-URL
Apropos erfolgreich im Internet: Zurzeit bringen TinyURL und ähnliche Dienste ihren Anbietern wohl kein grosses Geld ein. So lange sie trotzdem angeboten werden, ist dagegen nichts einzuwenden. Stellt ein Anbieter den Dienst jedoch aus beliebigen Gründen ein, funktioniert der Alias nicht mehr länger und gibt auch keinen Hinweis auf die Zielseite. Glücklicherweise sind die meisten Twittereinträge und Buchhinweise auf Facebook oder per E-Mail nicht für die Ewigkeit gedacht – oder doch?

P.S.: Auf Traficmaxx habe ich gerade gelesen, dass Google von TinyURL maskierte Links trotz des verwendeten 301-Redirects nicht verfolgt und kein PageRank vererbt. Ein wichtiger Hinweis, falls Sie sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen!

Dominik Allemann | 30.03.2009

bernetblog: neues Tool zum «Weitersagen» eingebaut

2.0Unsere Blogbeiträge per Mail weiter empfehlen kann man längst. Jetzt haben wir ausgebaut. Via wenige Mausklicks können jetzt Lesezeichen gesetzt werden – und mehr. 

«One button – your content everywhere.» So der Slogan des Tools «AddThis». Wir haben es jetzt in unseren Blog eingebaut – siehe in der Fusszeile des Beitrags unter «Teilen» – und zum Start 11 verschiedene Angebote ausgewählt: Neben der E-Mail-Weiterleitung gibt es den Zugang zu Twitter, Facebook, MySpace aber auch zu Social Bookmarking Plattformen wie Delicious oder Digg. 

AddThis stellt total 47 Anwendungen zur Verfügung (auf der Website via «try it» und «more» die ganze Liste einsehbar). Welche Anwendung fehlt Euch? Was sollen wir noch ergänzen?

addthis

Marcel Bernet | 12.02.2009

Twitterer im Profil: Acht Unternehmen aus Deutschland

twitterlogoDer Blog des deutschen Medienmonitoring-Dienstes ethority porträtiert acht Beispiele von Unternehmen, die twittern. Von der Gemeinschaftsbank über die Hannoversche Allgemeine Zeitung bis Greenpeace.

Der Beitrag «Corporate Twitter in Deutschland» ist wirklich gut gemacht – er stellt allen acht Kurznachrichten-Pionieren die selben Fragen. Die unterschiedlich ausführlich beantwortet werden. Darunter auch die Frage nach dem Nutzen für die eigene Organisation und besonderen Twitter-Erlebnissen von

Sehr gut gemacht und für mich überraschend das Beispiel der Gemeinschaftsbank. Allesamt ein interessantes Panoptikum für alle, die sich Zwitschern im Rahmen ihrer Online-Vernetzung anschauen wollen. Drauf gekommen bin ich übrigens dank einem Follower meiner Tweets. Danke @lgraef, habe mich gleich auch bei dir angehängt.

Ach ja und für allen, denen hier langsam zuviel gezwitschert wird: Ich hab nächste Woche Tourenferienschnee-Blogpause (-:

Marcel Bernet | 12.02.2009

Twitter: Es ist, was du draus machst

twitterlogoIn den letzten zwei Wochen bin ich ein besserer Twitterer geworden. Hier meine Learnings, die Empfehlung von Tweetdeck und ein NYT-Artikel.

Twitter lenkt ab, keine Frage. Morgens schaue ich mir die eingegangenen Meldungen an, parallel zur E-Mail. Das Ablenkunspotenzial ist riesig, damit verbunden aber auch das Lern-, Austausch- und Vernetzungspotenzial. Doch der Reihe nach:

Mein Twitter-Konzept: Vernetzung, Nützliches, Fokus
Inspiriert durch den PR-Blogger (siehe Klaus Eck hat ein Konzept) habe ich mir endlich selbst Gedanken gemacht, wohin ich mit Twitter überhaupt will. Denn eingestiegen bin ich in diesen Dienst mit grosser Zurückhaltung. Muss das auch noch sein? In der Zwischenzeit habe ich gemerkt: Ja. Mit meinem Konzept, Version 0.1 Beta.

  1. Ziele: Vernetzen, Neues erfahren, Lernen. Über Twitter will ich mich mit Personen vernetzen, die im Bereich Online-Kommunikation, Web-Trends, Medien engagiert sind. Fachleuten, die etwas zu diesen Themen zu sagen haben. Ich lese deren Mitteilungen, ich beantworte oder kommentiere ihre Meldungen – pflege den Dialog.
  2. Inhalt: Nützliches und Dialog. Ich schreibe möglichst nur Tweets (Twitter-Kurzmeldungen), die meinen Mit-Lesern (Followern) einen Nutzen bringen. Sehr oft sind das Links zu interessanten Web-Inhalten. Dazu kommen seltene Status-Meldungen, wenn ich grad weg bin (da kann ich mich noch verbessern) und Antworten auf Fragen oder eigene Fragen.
  3. Fokus: Sehr gezielter Einsatz. Für mich bleibt Twitter etwa an vierter Stelle der täglichen Kommunikationsprioritäten. Nach persönlichen Gesprächen, Telefon, E-Mail. Ich will meinen Fokus zwischendurch auch ganz gezielt auf Arbeiten legen, mich also auch mal abmelden aus sämtlicher Kommunikation. In diesem Sinne werde ich wohl auch nie einer der Vieltwitterer werden, mit Stolz auf die bereits abgesetzten Kurzmeldungen.

Twitter-Domain besetzen, Tweetdeck nutzen
Aufgrund von Feedbacks anderer Twitterer habe ich letzte Woche meinen Twitter-Namen von twitter.com/bernetblog geändert auf twitter.com/marcelbernet. Weil Mit-Leser nicht wussten, wer von uns fünf Autor/innen hinter bernetblog steckt. Diese Adresse nutzen wir in Zukunft für Kurzmeldungen jedes Blog-Beitrags. Auf /marcelbernet schreibe ich persönlich.

Der Wechsel der Domain ist auf Twitter einfach – vorausgesetzt die neue Adresse ist frei. Tipp an alle: Die eigene Domain auf twitter.com/… besetzen, bevor es andere tun. Mehr geturnt habe ich nach der Umstellung mit meinem Twitter-Programm. Man kann die Twitter-Einträge auch im Browser lesen und schreiben – aber Zusatzprogramme wie Twitterific, Twhirl oder Tweetdeck machens wesentlich leichter. Mir gefallen Funktionalität und Design von Tweetdeck am besten: Links alle aktuellen Meldungen, in der Mitte Antworten, rechts Direktmeldungen (die sehe nur ich und der Direktpartner). Mein grösstes Learning: Wenn ich von einem Twitter-Account ins nächste wechseln will, ganz oben rechts aus- und wieder einloggen.

tweetdeck

New York Times: Twitter ist das, was du draus machst
Diesen Blogbeitrag ausgelöst hat Aurel Hosennen – danke für Deinen Tweet-Link zum NY-Times-Artikel. David Pogue bringt sehr schön auf den Punkt, wie es Twitter-Einsteigern geht. Auch er ist widerwillig dazu gestossen. Muss das sein? Noch ein Ego-Instant-Chatting-Social-Network-Tool? Überzeugt hat ihn dann, mit welcher Geschwindigkeit und Kompetenz ihm eine Frage auf Twitter beantwortet wurde. Jeder kann daraus machen, was er oder sie will – «eine Gechäftsanwendung, eine Zeitverschwendung für Teenager, einen Recherche-Assistent, eine Newsquelle». Sein Fazit: Twitter ist was für «geeks and early-adopters», aber man muss es ausprobieren, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

A propos ausprobieren: Was sind die besten Twitter-Hilfsmittel? Ich teste grad Tweetscan fürs Monitoring. Mobil habe ich noch nichts installiert, dauernd mag ich nicht twittern. Erfahrungen? Anstösse?

Kurzerklärung samt Film: Twitter vom elektrischen Reporter (Dez 08)
Gastblogger Nico Luchsinger: Was ist eigentlich Twitter (Juni 08)

Marcel Bernet | 04.02.2009

Twitter: Klaus Eck hat ein Konzept

twitterlogoImmerhin schreibe ich zwei bis drei Tweets pro Tag. Aber immer mit dem Gefühl, das könnte ich besser machen. Da liefert PR-Blogger Klaus Eck mit seinem Twitter-Konzept praktischen Nachhilfeunterricht.

Der Online-Experte aus München hat kurz zusammengefasst, wie er selbst Twitter einsetzt. Und was das ihm schon an Nutzen gebracht hat – auch neue Kunden sind über diesen Kanal auf ihn gekommen. Wer mag, kann den Original-Beitrag nachlesen – hier die wichtigsten Erkenntnisse, die ich für mich mitnehme:

  1. Setze ein Ziel: Was soll über Twitter erreicht werden? Das bestimmt dann auch, wie ich es einsetze.
  2. Schreibe gezielt: Klaus Eck nutzt den Dienst, um sein Wissen zu verbreiten und seine Reputation vernetzt zu stärken. Also hat er sich entschieden, auf Kurzmeldungen im Sinne von «Ich bin jetzt grad am Bahnfahren» zu verzichten. Sondern er will nach einer morgendlichen Begrüssung seine 2480 Follower (aber hoppla) vor allem mit Anstössen und Ideen bedienen.
  3. Gib Links weiter: Mit maximal 140 Zeichen können die Anstösse nur sehr kurz sein – mehr zum Thema liefert dann eine Internet-Adresse. Die kann von Dritten sein oder als Eigenpromo gleich auf den eigenen Blog führen.
  4. Nutze Tags: Mit dem # (Alt-3) Zeichen werden Worte in der Kurzmeldung zu Tags – nach denen man dann archivierte Tweets wieder durchsuchen kann.
  5. Führe einen Dialog: Wer mein Gezwitscher mitlesen will, den gebe ich per Klick frei. In der Regel schaue ich kurz auf den Eintrag – mir ist wichtig, dass ich weiss, wer sich als Follower einträgt. Aus diesen Followern wähle ich regelmässig diejenigen, die ich ebenso gerne lesen möchte. Wichtig ist es, Einträge zu lesen, zu beantworten – für direkte Botschaften mit dem @-Zeichen oder mit einem «D» vor dem Namen des anderen Twitterers.
  6. Mach auch mal Pause. Twittern heisst nicht, dauernd Meldungen abzufeuern. Klaus Eck gibt deshalb auch durch, wenn er für eine bestimmte Zeit an Besprechungen oder sonstwie unerreichbar ist.
  7. Lerne und staune. Ich werde immer wieder dazu lernen, Twitter noch effizienter einsetzen. Gestaunt habe ich kürzlich darüber, wie schnell eine Anfrage in meinem kleinen Twitter-Universum beantwortet wurde. Ich hatte die Schweizer Facebook-Userzahl gesucht und nach zwei Minuten lieferten mir zwei wissende Twitterkollegen (danke an Leumund und Halbluchs)  die Antwort.

Nun, ich stecke immer noch in Twitter-Anfängerschuhen. Gelobe mich zu bessern. Also gleich noch was zu diesem Beitrag twittern…

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