Marcel Bernet | 16.03.2010

News sind sozial

zeitungsleser In den USA werden Nachrichten immer stärker Online und mobil abgerufen. Soziale Netzwerke werden für News-Anbieter so wichtig wie Suchmaschinen – Plattformen wie Facebook werden zum Bazar für News.

Anfang März publizierte das Pew Research Center die lesenswerte Studie «The New News Landscape». Sie zeigt, dass bereits ein Drittel der US-Amerikaner/innen News übers Mobiltelefon lesen. Das Internet ist nach dem Fernsehen die zweitwichtigste Quelle für Nachrichten, die Mehrheit der Befragten nutzt täglich bis zu sechs verschiedene Newszugänge, siehe «Newskonsum: Internet rückt vor» mit einem Vergleich USA/Schweiz. Interessant sind die sozialen Aspekte im Umgang mit Nachrichten:

Soziale Netzwerke auf News-Empfang
Wie werden News empfangen? Ganze drei Viertel der Online-News-Lesenden geben an, dass sie Neuigkeiten via E-Mail und / oder Einträgen auf Sozialen Netzwerken erhalten. Der Austausch via E-Mail und Netzwerke kombiniert ist also sehr gross. Dabei geht es den Empfängern wie uns allen: 38 Prozent lesen alle erhaltenen Sendungen, 37 Prozent einen Teilen, 23 Prozent haben selten die Zeit dazu.

Noch spannender wird diese Zahl: 23 Prozent der Benutzer von Sozialen Netzwerken, die News Online lesen, verfolgen Journalisten oder Medien auf Plattformen wie Facebook.

Die grosse soziale News-Verteilmaschine
Was tun die Empfänger mit Neuigkeiten? Die Hälfte der Internet-Newskonsumenten gibt Inhalte via E-Mail weiter, ein Viertel kommentiert. An dritter Stelle folgen wiederum die Sozialen Netzwerke: 17 Prozent geben an, einen Link zu einer Nachricht erfasst zu haben, ergänzt mit ihren Gedanken. 11 Prozent setzen Tags oder Schlagworte zu Einträgen, kategorisieren sie in ihren Linksammlungen. Nur 9 Prozent schreiben selbst Beiträge, posten eigene Videos oder Bilder. Twitter als kürzeste Form des Weiterleitens von Links und News erreicht 3 Prozent.

was machen internet user mit news

Soziale Netzwerke so wichtig wie Suchmaschinen
Im Vordergrund des Mitmachweb stehen das schnelle Weiterverbreiten und Kommentieren. Soziale Plattformen wie Facebook werden in zunehmenden Masse zum persönlichen Nachrichtenbazar. Hier verbringen Web-Nutzer sowieso viel Zeit, sie lesen also auch noch gleich ihre Lieblingszeitung und die News-Tipps von Freunden. Sie beteiligen sich am Kommentargespräch, geben ihre Sicht der Dinge am liebsten über Links an andere weiter.

News waren schon immer sozial, Märkte schon immer Gespräche. Jetzt werden sie zunehmend Online geführt. Und weil die Teilnehmenden nicht überall präsent sein können, verweilen sie lieber ein wenig länger zwischen E-Mail und Facebook.

Soziale Netzwerke erhalten für den Empfang und die Weiterverbreitung von News eine ähnlich hohe Bedeutung wie Suchmaschinen.

Dominik Allemann | 12.03.2010

WM Südafrika 2010: Kontrollierter Online-Dialog

FIFA_Logo

Es ist das grösste mondiale (Sport-)Ereignis überhaupt. Und findet 2010 erstmals auf dem afrikanischen Kontinent statt. Die PR-Arbeit bleibt Einweg – im Web findet wenig Dialog statt.

Die Mitglieder der Zürcher PR Gesellschaft liessen sich diese Woche exklusiv – und gar von Sepp Blatter himself persönlich begrüsst – in die Geheimnisse der FIFA-PR einweihen (Bildbericht dazu ist in Arbeit). Erste und wichtigste Erkenntnis: Die grösste und mächtigste Sportorganisation kocht auch nur mit (wenn auch mit kostbarem) Wasser. Die grösste Herausforderungen sind logistischer Art: Nicht weniger als 20′000 Medienschaffende werden vor Ort akkreditiert und betreut.

Dialog: ja, aber
Wie geht die FIFA mit dem Online-Dialog um? Die gute Nachricht zuerst: Bereits heute ist mit dem Kapitel «Nachrichten» ein vorbildlicher, umfassender  Newsroom eingerichtet. Mit Nachrichten, Gerüchten («Ballgeflüster»), Foto- und Videogalerie etc.:

fifa newsroom
Offensichtlich bleibt dieser Dialog bewusst auf die unverfänglichen Themen des Spiels und seiner Akteure beschränkt. So können unter «Ihre Meinung zählt» wohl WM-Erinnerungen, Tipps und Analysen ausgetauscht werden – die richtig spannenden Kontroversen wie die Torlinientechnologie oder der harzende Ticketverkauf in Südafrika bleiben aber unangesprochen.

Social Media: noch nicht
Bei der Integration von Social Media Elementen bleibt die FIFA bei Anfrage vage: Es seien erste Massnahmen und Tests geplant – Südafrika sei jedoch noch zu früh für eine umfasssende Integration von Twitter, Facebook und Co.. Interessant der Umgang im Web mit den Medien. Noch vor der WM wird ein umfassendes Online-Mediencenter eingerichtet (heute noch nicht online). Dieses steht allerdings nur akkreditierten Medienschaffenden via LogIn offen – der Bloggergemeinde wird dieser Mediencorner also verschlossen bleiben.

Die FIFA bleibt damit das grosse, mächtige, unantast- und erreichbare Machtzentrum des Fussballs. Das wird gut gehen, solange die Spiele krisenfrei und die Begeisterung ungebrochen bleibt. Langfristig aber würde Dialog und Offenheit der Positionierung des Sportgiganten gut tun. Schliesslich hätte diese Organisation auch die Ressourcen dazu – alleine im Webteam arbeiten 70 Personen (zugegeben: man sieht es der Seite an). Und während ich mich noch auf das südafrikanische Eröffnungsspiel freue, bin ich darum schon gespannt auf die Austragung 2014 in Brasilien.

Lilly Anderegg | 04.03.2010

Vom Social Web zum Erfinder-Web

IdeeKreativität ist ja nicht jedermanns Sache. Eine gute Möglichkeit, den Ideenfluss trotzdem in Gang zu setzen, ist Atizo.

Momentan ist das Internet vor allem eine immer grösser werdende Menge an Informationen. Diese Masse an Daten in neue Ideen umzuwandeln wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre sein, ist Kreativitätsforscher Edward de Bono überzeugt.

Crowdsourcing macht’s möglich
Mit dem Aufschwung des Web 2.0 erlebt der freie Wissenstransfer zwischen Unternehmen und dem Rest der Welt seinen Durchbruch. Soziale Internet-Netzwerke sind in der Lage, Menschen mit ähnlichen Interessen oder schlicht Probleme und Problemlöser zusammenzubringen, siehe Artikel Genies für lau (WirtschaftsWoche). Auf der Schweizer Innovationsplattform Atizo etwa können Unternehmen Fragestellungen ausschreiben. Die Besucher von Atizo antworten mit eigenen Ideen oder bewerten die bereits gesammelten Vorschläge. Zum Beispiel fragt die Kiosk AG wie der Kiosk der Zukunft aussehen könnte, Caotina interessiert sich für die Vermarktung ihres Schokoladendrinks und BioSuisse sammelt Ideen für Convenience-Bioprodukte.

Wie funktioniert das Public-Online-Brainstorming?

  1. Unternehmen formulieren ein Ideen-Briefing und legen eine Prämie fest.
  2. Die User sammeln möglichst viele Vorschläge, sie diskutieren und bewerten die Einfäll untereinander.
  3. Unternehmen wählen die besten Ideen aus und verteilen die Prämie. Einzelne Vorschläge können bei Bedarf in geschlossenen Teams online weiterentwickelt werden.

Atizio Innovationsprozess

Kreativitätsspritze Atizo
Mir hilft Atizo, selbst auf Ideen zu kommen. Wenn ich mich durch die verschiedenen Projekte und Lösungsvorschläge lese, kommen mir dabei die besten Ideen für meine eigenen Projekte. Das geht auch ohne (kostenlose!) Registrierung.

Start-up aus Bern
Atizo wurde 2008 von Absolventen der Universität Bern gegründet. Seither hat Atizo über 50 Projekte durchgeführt und zählt rund 6’000 registrierte User. Im Unterschied zur Bieler Brainstore findet die Ideensuche bei Atizo nur über das Internet statt.

Weiterführende Artikel:
- Der Bund: Die Ideensammler aus Bern (09.02.10)
- io new management: Die Kreativität steigern: Open Innovation mit Web Communities (21.05.09)

Dominik Allemann | 18.02.2010

Politik im Netz: Überblick im Zürcher Wahlbistro

wahlbistro_zhZürich wählt: Am 7. März gibt es Erneuerungswahlen für den Stadt- und Gemeinderat. Das Kandidat/innen-Karussell dreht und es wird diskutiert; auf Podien, am Stammtisch – und im Online-Wahlbistro.

Das Konzept stammt – da waren sie für einmal schneller – aus Bern. Der Polit-PR-Mann Mark Balsiger hat das Berner Wahlbistro im August 2008 eröffnet (bernetblog hat berichtet). Mit dem Sozialgeograf Michael Hermann hat er sich jetzt an eine Zürcher Filiale gewagt.

Betrieb im Bistro
Natürlich hat das Bistro nicht die Kommunikationskraft eines NZZVotum. Entsprechend ist die Zahl der Beiträge wohl auch etwas tiefer. Was aber gefällt ist, dass sich im Wahlbistro alle Politiker/innen ihr Profil erfassen können. Das gibt einen guten Überblick. Dabei fällt  auf, dass sich die politische Rechte offenbar schwer tut mit dem Online-Debattieren – gerade mal ein Schweizer Demokrat ist anwesend – die SVP fehlt ganz. Immerhin wird unter anderem über Zuwanderung (von Deutschen) diskutiert. Gut präsent sind SP, Grüne, Grünliberale und die FDP.

Anbindung an Social Media
Praktisch sind die Verlinkungen zu den Twitter- und Facebook-Konten der Bistro-Politiker. Und die Anbindung der Plattform an diese Netzwerke (Twitter, Facebook). Darin liegt Potenzial. Im Bistro selber könnte doch beispielsweise ein Twitterchannel (#wahlbistro) eingebaut werden… Es bleibt spannend, wie sich Meinungs-Austausch und -Bildung via Web weiter entwickelt.

Dominik Allemann | 04.02.2010

Amnesty International: Social Media helfen Libyen-Geiseln

Social Media GipfeliFacebook und Twitter bringen inhaltleeres Gequatsche mit zero Alltagsnutzen. Dem widersprechen Amnesty International und die Schweizer Libyen-Geiseln. Sie kämpfen mit «Kerzen nach Libyen» für die Freilassung. Mit grossem Echo.

Diesen Praxisfall stellte AI-Mediensprecher Daniel Graf am zweiten Social Media Gipfel vor. Der Erfolg der Kampagne ist beeindruckend:

  • In nur zwei Wochen wurden 10000 virtuelle Solidaritätskerzen via die Kampagnensite (Konzeption, Produktion, GoingLive in 4 Tagen) angezündet.
  • Die Facebook-Seite zählt heute 6000 Fans (4000 D-CH/2000 W-CH). Tendenz steigend.
  • Es wurden über 50′000 Printpostkarten bestellt. Diese konnten mit persönlichen Nachrichten und per Briefpost an die Geiseln in der Schweizer Botschaft in Tripolis versendet werden.

Hier drei der wichtigsten Erkenntnisse, die wir zusammen mit Amnesty International daraus mitnehmen:

1. Online-Medien sind matchentscheidend
20Minuten hat mitgespielt und die Aktion mit grossen Aufmachern, Bildstrecken und einem (Gratis-)Button begleitet. Die Webstatistik von AI waren deutlich: 75% der Zugriffe kamen von 20min.ch. Daniel Graf in seiner Präsentation dazu:


2. Kampagne als Newsbrücke in die «alten Medien»

Über die Aktion wurde breit berichtet – bis hin zum Newsbeitrag in der SF-Tagesschau. Die Kommunikation über die Art der Kampagne und die grosse Solidarität im Volk hat wie ein «News-Generator» gewirkt.

3. Ressourcen, Ressourcen, Ressourcen
Eine Kampagne ist – mit einer guten Idee im Kopf – schnell angeschoben. Wer aber bewältigt die Folge-Arbeit? Wer pflegt den Dialog? Wer verschickt die Postkarten? «Dialog kennt keine Bürozeiten» weiss darum das AI-Team heute.

Anmesty International Schweiz nimmt eine geballte Ladung an Praxiswissen für die künftige Kampagnenarbeit mit. Und das Bewusstsein, dass diese Social Media Aktivitäten in die Gesamtkommunikation eingepasst werden müssen. Daniel Graf zu den geplanten Aktivitäten:

Links:
Die Präsentation von Daniel Graf «Kerze nach Libyen» auf SlideShare

Website www.socialmediagipfel.ch – nächster Anlass: 7. April 2010, 07.30h
Blogbeitrag über den #smgzh02 von Mathias Möller/Amazee

Bilder vom Anlass:
Flickr-Galerie Social Media Gipfel 2

Tweets via diese Hash-Tags:
#smgzh02 oder #smgzh2 oder #smgzh

Marcel Bernet | 28.01.2010

PR-Trends 2015: Jeder Nische ihren digitalen Kurator

steve_rubel_ausblickWas geschieht in den nächsten zwei bis fünf Jahren im Web? Auf welche Trends müssen sich Unternehmen und Organisationen vorbereiten?

Zum Schluss dieser Interview-Serie (ganze Serie auf einer Seite) passt ein Ausblick. Steve Rubel, Leiter des Digital Team der globalen PR-Agentur Edelman, sieht fünf Trends:

1. Medien werden total digital sein
Auch Zeitungen wird es in fünf bis zehn Jahren nicht mehr gedruckt geben. Das wird in den USA und Asien schneller vor sich gehen, als in Europa.

2. Unternehmen werden Medien
Diese Digitalisierung wird Unternehmen und Organisationen noch stärker die Möglichkeit geben, selbst zu publizieren. Im direkten Austausch mit ihren Zielgruppen, ohne Zwischenschritt über die bisherigen Medienhäuser. Damit ist nicht gesagt, dass das einfach sein wird. Mit dieser Option werden sich Kommunikation und Werbung grundsätzlich verändern.

3. Suchmaschinen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg
Der Kampf um Märkte und Meinungen entscheidet sich über Suchresultate. Google ist das Medium, auf dem Menschen Kaufentscheide fällen. Schon in zwei Jahren sieht Steve den Hauptschauplatz im Kampf um Einfluss bei Google – und vielleicht anderen Suchmaschinen.

4. Soziale Netzwerke sind der zweite Wegweiser
Die weitere Explosion von Inhalten und Plattformen macht das Entdecken von Inhalten immer anspruchsvoller. Steve sieht zwei Pfadfinder, die beim Entdecken des Relevanten helfen: Erstens Suche, zweitens soziale Empfehlung. Über Microblogging, Soziale Netzwerke, weitere Dienste.

5. Jede Nische hat ihren digitalen Kurator
In Zukunft geht es nicht nur darum, Inhalte zu schreiben oder sie zugänglich zu machen. Ebenso interessant ist das Zusammenstellen spezialisierter Inhalte, als Kurator: «Im Web hats Kunst und Mist. Wer trennt mir den Spreu vom Weizen?» Hier sieht Steve eine weitere Chance für seine Kunden: Jede Informationsnische kann ihren eigenen Kurator haben. Wenn dieser die Kompetenz hat und die Ressourcen dafür aufbringen will.

Mit diesen fünf Trends bringt der Social Media Guru auf den Punkt, womit wir uns kommunikativ in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Alles wird einen ganzen Zahn schneller, vielfältiger und herausfordernder werden – in der Umsetzung. Der Kern, die strategischen Grundfragen und damit die Ausrichtung auf Märkte und Meinungen bleiben unverändert.

Gespräche mit Steve Rubel auf einer Seite.
Social-Media-Gespräche mit Richard Binhammer, Dell, auf einer Seite.

Steves Originaltext über den digitialen Nischen-Kurator, der Mist und Kunst trennt:

Marcel Bernet | 27.01.2010

Social Media Beratung: Die Strategie entscheidet

steve_thumbnail2Was hat sich auf Kundenseite in den letzten zwei Jahren verändert? Social Media-Experte Steve Rubel sieht weniger Berührungsängste und eine immer stärkere Integration in die gesamte Kommunikation.

Die USA sind Europa meistens einige Jahre voraus, was die Adaption von Online-Techniken anbelangt. Und nie kommt alles zu uns nach Europa, dazu sind auch die kulturellen Unterschiede zu gross. Steve Rubel betreut digitale Kampagnen bei Edelman PR (Bloglink). In diesem zweiten Gesprächsauszug äussert er sich zur Veränderung seiner Tätigkeit in den letzten zwei Jahren.

Monitoring, Spezialisten, Integration
«Vor zwei Jahren haben die meisten Kunden noch abgewartet – heute sehe ich in den USA durchs Band Monitoring-Lösungen installiert, die ein schnelles Online-Zuhören ermöglichen.» Daneben sieht Steve mehr Spezialisten-Teams auf Kundenseite, die Social Media-Initiativen vorantreiben und betreuen. Und trotzdem verschwinden langsam die Grenzen zwischen Social Media, Medienarbeit generell, Kommunikation.

«Alles ist sozial. Gerade bei den grossen Kunden fällt die Trennung immer stärker weg – das ist Social Media, das nicht. Die Ansätze werden integriert.» Steve mag die Bezeichnung «Social Media» schon nicht mehr. «Ich brauche sie noch, um den Kunden zu erklären, wovon wir sprechen. Wenn alles «social» ist, wieso noch diese Bezeichnung?»

Zuerst die Ausrichtung, dann der Kanal
Wie gehen die Kunden in den USA damit um, dass es immer wieder neue Plattformen gibt? Steve sieht die Kunst darin, über das Neue hinaus zu blicken. Am Anfang stehen aus seiner Sicht die Fragen nach:

  1. Was tun unsere Zielgruppen?
  2. Was erwarten sie von uns?
  3. Was wollen wir erreichen?
  4. Mit welchem Zielgruppen-Engagement erreichen wir dieses Ziel?

Erst mit diesen Antworten können Plattformen, Kanäle, Anwendungen ausgewählt werden.

Damit deckt sich seine Sichtweise mit unserem Ansatz: Zuerst die Strategie, dann ein Ja oder eben auch ein bewusstes Nein zu einer Anwendung. Hype und Hektik verleiten zum Hüftschuss: Erst mal mitmachen, das Konzept schieben wir dann nach. So bleibt auch die Gesamtsicht auf der Strecke und die wachsende Zahl der betreuten Kanäle ist nicht aufeinander abgestimmt.

Alle Steve Rubel-Gesprächs-Ausschnitte auf einer Seite
Tipps für die Facebook-Strategie: «Was bringt ein Facebook-Auftritt»
Der Weg zum Twitter-Konzept: «Leitfaden für gerngelesenes Gezwitscher»

Marcel Bernet | 26.01.2010

PR 2.0: Facebook und Twitter zählen zum Handwerk

steverubel_thumbnailWas wollen Kunden heute? Wie hat sich die PR-Beratung in den letzten zwei Jahren verändert? Steve Rubel sieht bei Edelman PR mehr strategische Tätigkeit und Social Media Expertise auf allen Ebenen.

Steve Rubel (Wikipedia) war schon mit 13 Computer-Enthusiast. Heute ist er Senior Vice President der weltweiten grössten PR-Kette Edelman und dort zuständig für alle Digitalen Aktivitäten. Mit seinem ersten Blog «MicroPersuasion» (wird nicht mehr aktualisiert, ist aber immer noch ein Fundus) hat er sich als Spezialist für Online Marketing etabliert, heute schreibt er seine Beiträge über Posterous auf  SteveRubel.com. Hier der erste von drei Teilen meines Gesprächs vom 10. Dezember 2009 an der LeWeb in Paris.

Top-Themen für Kunden: ROI und Prozesse
Was beschäftigt den vielreisenden Spezial-PR-Berater gerade am stärksten? «Zwei Fragen werden mir von Kundenseite am meisten gestellt: Erfolgsmessung und Prozesse. Wie kann man festhalten, was ein Facebook- oder Twitter-Auftritt wirklich bringt? Und zwar in Worten und Zahlen, die das Top-Management versteht, ohne Detailkenntnisse der Materie?»

Ebenso wichtig seien Fragen rund um den Aufbau von Social Media Expertise: Wo beginnt man damit – im Marketing oder in der PR? Was lassen wir dezentral umsetzen, wo ist eine zentrale Koordination oder Führung zielführend?

All media is social – all social is media
Was hat sich am stärksten verändert in der PR-Beratung? Wie hat der Experte für Digitale Kampagnen einer US-Agentur mit 3100 Angestellten in 51 Ländern die letzten zwei Jahre erlebt?

Als erstes erwähnt Steve eine verstärkte strategische Ausrichtung der Beratung. Kunden würden nicht nur Marketing- oder Kommunikationsfragen mit Edelman besprechen, sondern grundsätzliche Fragen zur Unternehmensausrichtung. Das finde ich persönlich ganz normal – interessant ist die zweite Veränderung:

Alle Medien sind sozial – und alles Soziale ist medial. Mit diesem kernigen Satz definiert Steve Rubel eine PR-Beratung, die Social Media nicht mehr als separate Disziplin betrachtet. «Jede Beraterin, jeder Berater muss Social Media verstehen, anwenden können und bei der Entwicklung von Strategien berücksichtigen.»

1000 Mitarbeitende auf Twitter, 2000 auf Facebook
Das klappt natürlich nur, wenn die Mitarbeitenden sich auf Sozialen Plattformen engagieren dürfen. Sie werden dazu ermutigt, sich auch ganz privat zu engagieren. Am besten in den Spezialgebieten, in denen sie zu Hause sind. Zum Beispiel in der Vernetzung mit Techies, mit Spezialisten aus dem Gesundheitswesen, politischen Plattformen. Steve schätzt, dass 500 bis 1000 Edelman-Angestellte twittern und das mindestens zwei Drittel der Belegschaft auf Facebook aktiv sind.

Kunde muss einverstanden sein, immer transparent
Sobald diese Engagements einen Bezug zur Arbeit haben, müssen sie transparent gemacht werden. Dazu gibt es Social Media Guidelines. Wird auch über Kunden getwittert, gebloggt, facebooked? Klar – mit zwei Regeln:

1. Der Kunde muss vorher damit einverstanden sein
2. Bei jeder Erwähnung muss die Beziehung zu Edelman erwähnt werden – auch wenn das Mandat nur in einem Nebensatz erwähnt ist

Kontrollieren oder überwachen lässt sich dieses grosse Engagement auf Sozialen Plattformen nicht: «Wir versuchen alle, keine Fehler zu machen und ganz einfach ehrlich und offen zu sein.»

Steve’s Statement zur Facebook- und Twitter-Tätigkeit von Edelman PR-Berater/innen:

Marcel Bernet | 13.01.2010

Dell will mehr Kundeninhalte auf der Website

Richard_Binhammer_DellWoran arbeitet Dell im Moment? Wie wird sich die Arbeit von Richard Binhammer in den nächsten zwei Jahren verändern? Ein Social Media-Ausblick zum Abschluss dieser Interview-Serie.

Darf man einen Pionier fragen, wohin die Reise geht? Wichtig ist, dass man weiss: Dieser Pionier steht schon weit vorne in der Online-Landschaft. Und dass er Leiter Public Affairs bei Dell ist, mit besonderer Erfahrung im Bereich Social Media – wie die beiden vorangegangenen Interview-Ausschnitte bereits gezeigt haben: Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einer Seite.

Social Media Inhalte auf die Website integrieren
Eine aktuelle Herausforderung sieht Richard darin, ganz gezielt Benutzer-Inhalte von anderen Plattformen auf die eigene Website zu bringen. Wenn also jemand eine Lösung für ein Computerproblem hat, das andere Benutzer interessiert, dann hätte Richard genau diese Info gerne auf dell.com. Anstatt sie in einem Blog oder auf anderen sozialen Plattformen sozusagen «schlummern» zu lassen.

Damit würde Dell zu einem Aggregator von Inhalten, die für Dell-Kunden von Interesse sein können. Ein sehr interessanter Ansatz der Informationsvermittlung. Mit grossen Herausforderungen an das Auffinden und Selektionieren dieser Inhalte.

Jeder Kommunikator muss Social Media können
Richard ist davon überzeugt, dass Social Media weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das führt dazu, dass jede PR-, Werbe- oder Marketingfachperson Social Media Fähigkeiten haben muss. Trotzdem werden traditionelle Medien – und damit klassische Medienarbeit – nicht verschwinden.

Ich teile Richards Meinung. Und ich weiss, dass ich auch einer von diesen Pionieren bin – alle, die vorne weg rennen, sind immer ein wenig suspekt, was Prognosen anbelangt. Mit dieser Klammerbemerkung sage auch ich: Wer Kommunikation verantwortet, gestaltet oder berät, der muss wissen, wie Blogs, Soziale Netzwerke, dialogische Websites oder Twitter funktionieren. Durch eigene Erfahrung.

Marcel Bernet | 12.01.2010

Getroffen: Richard Binhammer hält Dell im Dialog

Richard_Binhammer_DellRichard Binhammer ist Leiter Public Affairs bei Dell. Getroffen habe ich ihn am 10. Dezember in Paris, an der LeWeb. Ich habe einen Social Media-Fachmann kennengelernt, der in seinen Erfahrungen Jahre weiter ist, als die meisten Unternehmen hier in Europa.

Für ihn ist alles ganz einfach: «Für die Benutzung des Telefons setzt niemand eine eigene Abteilung ein. Genau so muss es sein für Social Media: Das ist einfach ein Bestandteil der täglichen Arbeit.» Der Blogger mit deutschen Vorfahren hat den grossen Vorteil, dass Dell bereits 2006 mit einer kleinen Social Media-Abteilung angefangen hat. Und dass Dell in einem Geschäft tätig ist, das seit der Gründung auf den computergestützten Kundendialog baut. Was kann man von einem Unternehmen lernen, das in zwei Jahren 6.5 Millionen USD Umsatz (ZDNet) über Twitter macht?

Soziales Netzwerken ohne eigene Abteilung
Wie siehts denn mit der Organisation aus? Es gibt keine Social Media-Abteilung, keine zentrale Leitung all dieser Aktivitäten. Dell hat das sozusagen schon hinter sich. Vor drei Jahren waren die Kräfte noch in einem separaten «Brutkasten» gebündelt. Jetzt werden die dort entwickelten Ideen durch das ganze Unternehmen hindurch verbreitet. Das geschehe sehr lose und informell, Richard sieht sich nur am Rande als Koordinator. «Social Media ist einfach ein Bestandteil der Kommunikation. Und des Marketings. Und der Produktentwicklung. Social Media heisst nichts anderes als zuhören, lernen und sich einlassen.» Und das müsse Dell sowieso sehr gut können, und deshalb gehöre die Anwendung von Social Media zu jeder Arbeit.

Ist das wirklich so einfach? Ist für den unternehmensweiten Einsatz von so neuen Anwendungen wie Twitter, Blogging oder Sozialen Netzwerken keine stärkere Koordination nötig? «Social Media heisst ganz einfach, sich verbinden. So, wie wir das mit dem Telefon oder der E-Mail tun. Dazu brauchts keine eigene Abteilung. Haben Sie eine Abteilung fürs Telefon?»

Vom Sonderfall Dell lernen
Stimmt. Bediente Telefonzentralen sind Geschichte. Dass Dell bezüglich Social Media wirklich schon so weit ist, hat mich überrascht. Dahinter stehen aus meiner Sicht drei Gründe:

1. Dell hat schon sehr früh angefangen – auch mit einer eigenen Abteilung.
2. Dell ist Computer-Online-Verkauf – nichts liegt näher als das Ausweiten dieses Dialogs auf Social Media.
3. Dell pflegt eine schnelle, informelle und dezentrale Unternehmenskultur.

Am Ende des Gesprächs gibt auch Richard zu, dass für ihn die grösste Herausforderung darin liegt, dass sich Social Media dauernd verändert. Ganz im Gegensatz zum Telefon. Die meisten Unternehmen und Organisationen stehen noch am Anfang dieser Lernkurve. Und viele werden bezüglich Social Media gar nie so weit gehen, wie es für das Geschäftsmodell von Dell Sinn macht.

Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einen Blick.

Dominik Allemann | 17.12.2009

Trend: PR-Schaffende glauben an Social Media Newsroom

20Der Wind dreht: Hatten bis vor kurzem die wenigsten PR-Leute Erfahrung mit der PR 2.0, glauben sie heute ganz deutlich an deren Wichtigkeit. Das zeigt der aktuelle PR-Trendmonitor.

Wie verändert sich unser PR-Beruf in Zeiten von serbelnden Printmedien, YouTube und Facebook? Wie erreichen wir Zielgruppen und Multiplikatoren (Medien), wenn sie permanent von Informationen geflutet werden?

Laut dem PR-Trendmonitor von news aktuell und Faktenkontor stellen sich Agenturen und Medienstellen heute verstärkt diese Fragen. Auch aus meiner Praxis als SPRI-Dozent kann ich sagen: Das Interesse und Verständnis für den Online-Kanal steigt deutlich. Es wird vielen klar: Der direkte Weg via Post, Fax, Mail ist heute verstopft. Informationen kommen auch oder gar besser an via Suchmaschine, Twitter, Facebook, RSS, …

Eine Erkenntnis des Trendmonitors: Rund 75 Prozent aller Agenturen und Medienstellen haben dies erkannt und beschäftigen sich mit dem Thema Social Media Press Release oder Social Media Newsroom.

Was halten Sie von Social Media Press Releases/Newsrooms?
(Klick vergrössert Grafik)

social media umfragestatistik

In der Erkenntnis liegt erst ein kleiner Schritt Richtung Umsetzung. Heute ist es wohl so, dass PR-Verantwortliche selber in den Netzwerken schnuppern, sich testhalber ein Twitter-Profil einrichten und sich an Fachvorträgen informieren. Es braucht aber mehr:

  • Eintauchen und mitleben
    Erst wenn wir deutlich in das Thema engetaucht sind, die Funktionsweisen der PR 2.0 verstanden haben, können wir umsetzen.
  • Strategisch einbinden
    Es braucht  den strategischen Gesamtblick. Wo stützen welche Botschaften auf welchem Kanal meine kommunikativen Ziele?
  • Inhalt und Nutzen
    Welche Inhalte publizieren wir auf welchen Kanälen? Sind sie in der nötigen Qualität und Quantität (8ung: Ressourcen) vorhanden?

Und ganz zuletzt ist es ein kultureller Grundsatzentscheid: Ist unser Unternehmen, unsere Organisation bereit für den Dialog?

Link zum Trendmonitor bei Slideshare

bernetblog-Beiträge:
«Was ist eigentlich: …ein Social Press Release»
«Social Media Newsroom: Best Practice bei Electrolux»

(via mediaquell.com)

Sonja Stieglbauer | 08.12.2009

Rail Service: Inoffizieller öV-Twitterdienst

Social Media Gipfeli

Die Rail Service Tweets überzeugen selbst Skeptiker von der Nützlichkeit des Twitterns. Den professionell gemachten Dienst betreiben drei junge öV-Profis/-Freaks in Eigenregie.

Am Social Media Gipfel  vom 2. Dezember standen sich Chris Leduc, einer der drei Initianten, und  Patrick Comboeuf, Director E-Business SBB, zum ersten Mal gegenüber.

Den öV-Nutzenden unter den Anwesenden musste Christian Leduc den Service nicht lange erklären. Der Nutzen ist offensichtlich: Wer im Zug von einer Unbill betroffen ist oder wissen will, wo man im ICN Strom fürs Laptop findet, postet einen Tweet. Kurz darauf kommt die 140-Zeichen-Antwort. Nachfragen ist selbstverständlich möglich. Nico Luchsinger hat den Service auf seinem BetaBlog bereits gut beschrieben.

Patrick Combeuf, Chris Leduc, Peter Hogenkamp

Gespannt waren die Teilnehmenden auf das erste Zusammentreffen von Chris Leduc und Patrick Comboeuf, Direktor E-Business SBB. Entgegen meinen Erwartungen zeigte sich Patrick Comboeuf begeistert vom unabhängigen Rail Service-Twitterdienst. Er vertritt damit aber seine persönliche Meinung. Die offiziellen SBB haben im Moment (noch) kein Interesse, sondern vor allem ein Problem mit der Benutzung ihrer Logos durch die Twitterer. Zugegeben, Gleis 7 ist nicht ganz geglückt.

Twitter-Logos GA, Halbtax, Gleis 7, Rail Service

Warum kommunizieren die SBB ihre Störungsmeldungen eigentlich nicht auch auf  Twitter?  Für das interaktive Element müsste dann der Kundendienst in Brig sorgen. Ein Tweet ist auf jeden Fall schneller geschrieben, als eine telefonische Anfrage beantwortet. Und die Reichweite ist erst noch grösser. Liegt es daran, dass die Rail Service-Nummern kosten, Twittern an sich aber gratis ist?

Ich bin gespannt, ob und wer bei Rail Service in einem oder zwei Jahren zwitschert. Wie die Tweets heute aussehen, zeigt die Präsentation von Chris Leduc.

Hintergründe zum Zusammentreffen, von Peter Hogenkamp auf blogwerk
Weitere bernetblog-Beiträge zum ersten Gipfel:
Facebook: Franky Slow Down als Kampagnenbeschleuniger
Social Media Gipfel 01: Impressionen, Idee, Initianten

Marcel Bernet | 07.12.2009

Facebook-Tipps: Sind noch Fragen?

bernet_pr_facebookWer hat Fragen rund um Facebook? Oder zu Twitter, Social Bookmarks, PR generell? Wer diese öffentlich stellen mag, nutzt Bernet_PR auf Facebook.

Als dritter, letzter und kürzester Beitrag zu unseren Erfahrungen rund um Facebook-Seiten laden wir ein zum Fragen. Auf dem Wissen-Reiter von facebook.com/bernetpr bieten wir uns als Antwortgeber an. Voraussetzung für diesen Austausch ist natürlich, dass Sie bereit sind, Ihre Frage öffentlich zu stellen und beantworten zu lassen.

Wir haben uns entschieden, die Fragestellung über eine direkte E-Mail auszulösen. Weil die anderen Möglichkeiten in Facebook – darunter die Diskussionforen – zu wenig interaktiv und versteckt ausgelegt sind. Die Dialoge veröffentlichen wir dann auf der Pinnwand und hier auf dem bernetblog, mit dem Schlagwort «facebookfragen».

Wer wagt eine Anfrage? Karl Heinrich Waggerl, österreichischer Erzähler, meint dazu ermunternd:
«Das Genie entdeckt die Frage, das Talent beantwortet sie.»
(Zitat weitersenden.)

Bisher erschienen:
«Was bringt ein Facebook-Auftritt? Aufwand, Abhängigkeit, Aufmerksamkeit.»
«Bernet_PR auf Facebook: Wie man Inhalte gestaltet.»

Marcel Bernet | 07.12.2009

Bernet_PR auf Facebook: Wie man Inhalte gestaltet

bernet_pr_facebookWer sich für einen Facebook-Auftritt entscheidet, steht vor der Frage: Womit? Wie sind Inhalte zu konzipieren? Hier unsere Antworten aus dem Praxisbeispiel Bernet_PR.

Letzte Woche habe ich Pro und Contra Facebook durchleuchtet. Wir haben uns schliesslich für den Bau und Unterhalt einer weiteren Inhalts-Plattform entschieden – auf www.facebook.com/bernetpr. Im erwähnten Beitrag habe ich die Ziele und Zielgruppen geschildert – wie spiegeln sich diese Vorgaben in unseren Inhalten?

Fokus Wissen bleibt erhalten
Ihre Webpräsenz folgt bestimmt mediengerecht Ihrer Positionierung. Auch der Facebook-Auftritt Ihres Unternehmens oder der Kampagne verfolgt diese Absicht. Angepasst auf die hier präsenten Zielgruppen und deren Verhalten, Erwartungen, Vorlieben.

Bernet_PR will wirksame, kreative und herzliche Kommunikation leisten. Gerade auch im Web legen wir seit 1996 grosses Gewicht auf den medientypischen Dialog. Also haben wir nur am Rande die wichtigsten Fakten zur Agentur eingebaut. Wichtiger waren das Angebot von kostenlosem Wissen und eine interaktive Zitat-Datenbank, sozusagen eine Vorwegnahme von Wikiquote. Später kamen der Anstoss-Newsletter dazu und dieser Blog.

Facebook ist in unserem Falle eine Informations- und Austauschfiliale für Inhalte, die auch auf unserer Website, im Blog, auf Twitter oder Delicious vermittelt werden können. Deshalb ist es nur konsequent, auf einer Facebook-Seite ebenfalls auf Wissensaustausch zu setzen.

Sitemap unter erschwerten Bedingungen: Facebook-Dramaturgie
Sie wissen, was Sie auf Facebook schreiben wollen. Wie platzieren Sie diese Inhalte? Was Sie schreiben und wie Sie das platzieren, muss auf Facebook sehr speziellen Herausforderungen gehorchen.

Ziemlich starres Layout mit einigen Wahlmöglichkeiten: Die linke Spalte ist (ausser bei den selbst programmierten FBML-Seiten, mehr darüber weiter unten) in der Reihenfolge der Elemente und ihrer Gestaltung von Facebook vorgegeben. Sie können Ihre Fans nicht ausblenden oder nur deren Namen ohne Fotos zeigen lassen. Sie können diese Box auch nicht weiter nach unten schieben. Die rechte Spalte gehört ebenfalls Facebook, hier wird Werbung gezeigt, deren Schaltung sie nicht beeinflussen können.

Schwieriger Umgang mit Reitern: In der mittleren Spalte folgt Ihr Inhalt. Der lässt sich in Kapitel aufteilen, mit diesen grauen Reitern. Wir haben uns für sechs Entschieden. Die sieht man grad noch, sonst müsste man auf einen Reiter mit  >> klicken. Die beiden ersten Reiter «Pinnwand» und «Info» sind von Facebook in deren Benamsung, Reihenfolge und Gestaltung vorgegeben.

fb_reiter_bernetpr

Auf dem Reiter «Info» sind die Basisinfos zu Agentur und Leistungen, «Veranstaltungen» ist ebenfalls von Facebook vorgegeben und wir erfassen jeweils die nächsten Termine. «YouTube» und «Flickr» haben wir mit Gratismodulen von involver.com gelöst. Dieses Unternehmen besetzt ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell: Das mühsame Programmieren von Faceook-Seiten wird einem abgenommen. Bloss ist das mit monatlichen USD 99 zu teuer. Zwei Module kann man sich gratis rauspicken – wobei man natürlich abhängig ist von den standardisierten involver-Möglichkeiten. Für uns waren sie besser als die standardisierte Facebook-Seiten-Einbindung.

«Wissen» als einmalige Willkommens-Seite: Man kann eigene Seiten gestalten, in der «Facebook Markup Language» oder «FBML». Das sei einfach, meinen die einen. Wir habens den Profis von Serranetga überlassen.

Diese Seite sieht man automatisch nur beim ersten Besuch auf Bernet_PR, sobald man Fan ist, landet man auf unserer Pinnwand – so bestimmt das Facebook. Die Erstbesuchs-Seite darf man als Anbieter wählen. Auf «Wissen» ist unsere Positonierung umgesetzt:

fb_startseite_wissen_bernetpr

Achtung: Ihre Zielgruppen sind auf deren Pinnwand zu Hause
Das heisst, dass sie eigentlich nur bei einem ersten Aufstöbern über die Suche, eine Empfehlung, eine Einladung oder das Klicken auf ein Facebook-Inserat auf Ihrer liebevoll gestalteten Facebook-Seite landen.

Danach läuft alles, wenn überhaupt etwas läuft, über die geliebte Pinnwand. Da bin ich, da sind Ihre Zielgruppen auf Facebook «zu Hause». Inhalte von Freund/innen, abonnierten Gruppen oder als Fan aktivierten Seiten werden auf diese Pinnwand überspielt. Das heisst: Nur, wenn hier was Interessantes, für mich gerade Relevantes auftaucht, fühle ich mich positiv angesprochen. Vielleicht reagiere ich sogar: Besuche die angekündigte Veranstaltungs-Seite, aktiviere den Link, schreibe einen Kommentar oder setze ein Häkchen bei «Gefällt mir». Das heisst auch: Wenn mir hier zuviel und nichts Attraktives eingespielt wird, dann kündige ich mein Abo, melde mich als Fan ab, will nicht mehr Freund einer Person sein.

Die Kunst liegt darin, den richtigen Ton zu finden. Und die richtige Frequenz. Deshalb haben wir bewusst auf ein automatischen Einspielen von Twitter-Meldungen auf unserer Pinnwand verzichtet – sie liegen in der Wissen-Seite und lassen so die Pinnwände unserer Fans in Ruhe.

Monitoring nicht vergessen – und den Dialog pflegen
Leider gibt es noch keine automatische Mitteilung von Facebook, wenn jemand auf Ihrer Seite einen Kommentar absetzt, einen Link oder sonst etwas erfasst. Und Monitoring-Lösungen scheinen uns noch zu teuer oder mangelhaft. Also haben wir auf zwei Arbeitsplätzen die Bernet_PR-Seite als Startseite gesetzt und sichern so ein tägliches Reinschauen.

Zum Reinschauen gehört auch ein aktives Setzen von interessanten Inhalten. Ein besonderer Link, ein kurzes Video. Eine Frage, die gestellt wurde, samt Link oder Text zur Antwort. Da werden wir in den nächsten Monaten noch viel lernen. Durch Ausprobieren und Zuhören.

Dominik Allemann | 04.12.2009

bernetblog.ch: Erkenntnisse zum 4. Geburtstag

geburtstag_4Der bernetblog feiert Geburtstag! Hätten wir den Schritt gewagt, im Wissen um die vielen Schreibstunden? Wohl doch – die Zahlen und unsere persönlichen Resumées sind positiv.

Geburts- oder Feiertage sind auch Momente des Rückblicks, des Erinnerns. Seit November 2005 haben wir 1049 Beiträge geschrieben und 2016 Kommentare erhalten. Regelmässig üben wir intern «Blogkritik», besprechen Themen, koordinieren unseren «Redaktionsplan». Und werfen einen Blick auf die Nutzerzahlen. Hier die Kurve seit Einsatz von «Google Analytics» im September 2007:

unique_visitors_bernetblog_07_09

In den ersten beiden Jahren lasen uns also monatlich 3300 «Unique Visitors» (Anzahl unterschiedlicher Besucher). Dies verdreifachte sich bis heute auf  rund 10000 Unique Visitors monatlich. Verantwortlich für diese Steigerung war neben dem sauberen Themenfokus wohl auch die Qualität der Beiträge. Vier Jahre des Lernens haben – zum Glück – Spuren hinterlassen. Wenn ich gewisse Beiträge aus der Anfangszeit lese…

Persönlicher Rückblick der bernetblogger/innen
«Das Ziel des Schreibens ist, andere Sehen zu machen.», schrieb der Autor Joseph Conrad. Der/die Autor/in offenbart stets ein grosses Stück seiner Denke, des Wissens oder gar des Fühlens. Hier der ganz persönliche Rückblick der bernetblogger/innen (jeweils mit Link auf ihre Beitrags-Sammlung):

Sonja Stieglbauer, bloggt seit Oktober 2008
«Bloggen ist für mich von der Pflicht zur Kür geworden. Ich schätze die Freiheit oder besser die lange Leine bei Themen und Sprache. Als PR-Beraterin schreibe ich Texte aus der Position des Kunden, beim Bloggen aus meiner.»

Lilly Anderegg, bloggt seit Mai 2009
«Ein Chrampf und Zeitaufwand, der anderswo fehlt. Aber der Einsatz lohnt, nicht nur für die Online-Reputation:  Jeder Blogbeitrag zwingt auch zur aktiven Auseinandersetzung mit Themen und bedeutet für mich Wissenszuwachs und -austausch.»

Sabine Betschart, bloggt seit Januar 2006
«Ich habe Schreibroutine entwickelt – das spontane Schreiben fällt mir leichter. Gleichzeitig übte ich die journalistische Herangehensweise an ein Thema. Mit einem Ohr und einem Auge bin ich ständig auf der Pirsch nach Blogthemen.»

Marcel Bernet, bloggt seit November 2005
«Der bernetblog ist heute fester Bestandteil unseres Agenturalltags. Ich bin noch schneller geworden im Aufbereiten von Texten, Grafiken, Videos. Da wäre noch so viel Interessantes, was ich aus Zeitgründen nicht aufarbeiten kann. Für das spontane aber auch oberflächliche Weiterleiten von News setze ich  heute auf Twitter. Immer wieder frage ich mich: Liegen wir richtig mit den Themen? Was kommt an? Die Kommentare und die Besucherzahlen sind dafür ein schönes Indiz. Heute bin ich froh, dass wir den Aufbruch ins Abenteuer Blogging gewagt haben. Recherchieren und Schreiben hält uns wach, der Dialog bringt mehr Nähe zu unserem Umfeld.»

Dominik Allemann, bloggt seit November 2005
«Hätte ich all die Vorträge, Symposien, Blogcamps besucht ohne meinen «journalistischen» Auftrag? Hätte ich die Wirkung des dialogischen Webs, der Social Media gelebt und verstanden? Hätten wir dem rasanten Entwicklungstempo folgen können? Wir ahnten nicht, wie weit die Konsequenzen dieses «Going Live» reichen werden. Heute sind wir froh drum – dass wirs nicht wussten und trotzdem wagten.»

Was wir wohl beim 10. Geburtstag schreiben werden?

Weitere Geburtstagsbeiträge im bernetblog:
bernetblog.ch: Die schnelle Schwester (der allererste Beitrag)
Ein Jahr bernetblog.ch – Die Schnelle Schwester braucht viel Benzin…
Happy Birthday – Der bernetblog wird zwei Jahre alt
Happy Birthday bernetblog – mit Wettbewerb (3. Geburtstag)

Marcel Bernet | 16.11.2009

Social Media Gipfel: Erstbesteigung mit bfu und SBB

nurknopfAm 2. Dezember gibts Social Media-Praxis zum Frühstück – mitten in Zürich. Mit bfu-Facebook- und SBB-Twitter-Erfahrung aus erster Hand. Ausverkauft: Unten eintragen für nächste Termine!

Geht es Ihnen wie mir? Sie arbeiten an einem Blog-, Facebook- oder Twitter-Projekt und fragen sich: Wie geht das? Wie machen das andere? Beispiele gibts ja genug, nur spielen sich die irgendwo in den fernen USA ab. Was läuft in der Schweiz?

Das wollte ich schon immer mal wissen. Und weil ich mit Bernet_PR schon seit 1995 Wissen auf dem Web teile, gibts jetzt den Social Media Gipfel. Zum erstenmal am 2. Dezember, von 07.30 bis 09.00 Uhr. Mein Kletterpartner auf dieser Erstbesteigung ist Peter Hogenkamp – alleine hätte ich es nicht gewagt. Denn das Ganze ist keine kommerzielle Sache, wir beide stemmen das so nebenbei. Und mit Peter machts einfach Spass. Wer erklimmt mit uns die Fredy-Hiestand-Gipfeli aus dem NZZ Bistro beim Bahnhof Stadelhofen? Das Programm:

07.30 – 08.00
Facebook: Ganz schnell auf 4′000 Fans – mit Jacky Slowdown.
David Schärer, Partner der Werbeagentur ROD, zeigt die Erkenntnisse aus der aktuellen Slow-Down-Kampagne für bfu und SVV. facebook.com/SlowDown.TakeItEasy

08.00 – 08.30
Twitter: RailService zeigt, wie man Kunden ernst nimmt.
Die beste Schweizer Twitter-Lösung ist das Werk freiwilliger Mitarbeiter – was sagt die SBB dazu? Chris Leduc, Initiant, und Patrick Comboeuf, Director E-Business, begegnen sich bei uns zum ersten Mal. twitter.com/railservice

08.30 – 09.00
Praxisaustausch, Schlusspunkt, Gipfelrast.
Wer kann, bleibt länger.

Die Inhalte werden auf netzwertig.com und natürlich hier im bernetblog zusammengefasst. Als zentrale Website für diese Soziale Kooperation von Peter und mir funktioniert www.socialmediagipfel.ch – als Hashtag #smgzh.

Anmeldung
Mussten wir heute, 19. November rausnehmen – leider schon ausgebucht. Tragen Sie sich für spätere Anlässe (Februar, April, Juni 2010) ein, wir werden Sie frühzeitig informieren:


Sie haben am 2. Dezember keine Zeit? Tragen Sie sich in unseren Newsletter ein, um über kommende Termine informiert zu sein:

E-Mail*:
Vorname:
Name:
Lilly Anderegg | 11.11.2009

Kommunikation und Sprache im Web 2.0

The Way ForwardDas Web 2.0 hat die Modalitäten der Kommunikation wesentlich verändert. Statt pseudo-objektiver Information sind Transparenz und authentische Darstellung gefragt.

Vor ein paar Tagen habe ich den Workshop Digital Publishing – die Medienrevolution 2.0? besucht. Die Frage im Titel wurde zu Beginn beantwortet: Die klassischen Regeln der Informations-Aufbereitung gelten nicht mehr. Das dialogische Web verlangt andere Stil-Prinzipien als der gewohnte objektive Nachrichtenstil.

Ivo Hajnal, Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Innsbruck, beschreibt sehr treffend die neuen Modalitäten für ein erfolgreiches Digital Publishing:

Webkommunikation ist profiliert statt oberflächlich:

  • Weblogs verzichten auf die Trennung von Nachricht und Meinung und die Gegenüberstellung von gegensätzlichen Quellen.
  • Sie vermitteln ihren Nutzern exklusive Informationen und Einschätzungen abseits der normierten Informationsströme.

Webkommunikation ist authentisch statt uniform:

  • Die Themen von Weblog-Einträgen sind nicht zwingend nach den journalistischen Nachrichtenfaktoren gewählt und inszeniert. Vielmehr entsprechen sie den individuellen Beobachtungsmustern der Verfasser und wirken deshalb authentisch.
  • Zur Steigerung der Authentizität dienen sprachliche Stilmittel (Ich-Person und expressive, umgangssprachliche Formulierungen).

Webkommunikation ist engagiert statt distanziert:

  • Weblog-Einträge verzichten auf journalistische Distanz. Vielmehr bemühen sie sich, den Rezipienten klare Vorteile zu ermöglichen – ihnen zum Beispiel Einblick ins Unternehmen oder Insider-Tipps zu geben.
  • Gleichzeitig reagieren ihre Verfasser unmittelbar auf Nutzer-Feedbacks. Die Beiträge wirken deshalb glaubwürdig.

Klartext statt leere Worte
Die Sprache von Unternehmen hat sich nach diesen neuen Stil-Prinzipien zu richten. Was bedeutet das? Kurz: Unternehmen, die sich im Web positionieren möchten, müssen selber Position beziehen. Wichtigtuerei und Oberflächigkeiten wie zum Beispiel «Wir streben die Marktführerschaft für xyz an» lassen keine Position erkennen. Vielmehr braucht es echte Werte, eine Portion Bescheidenheit, direkte Worte und eine klare Aussage. Und ja, es braucht Mut, Klartext zu reden.

Der gemeinsam von der ZPRG und der Schweizerischen Text Akademie organisierte Workshop hat mir sehr gefallen, er war gut moderiert und das Beste: Er macht Freude auf mehr authentische und ehrliche PR, die wirklich etwas zu sagen hat. Jetzt gilt es nur noch, die Kunden davon zu überzeugen, dass Klartext mehr bringt als Plattitüden – auch wenn (oder gerade weil) man sich hinter Worthülsen besser verstecken kann.

Dominik Allemann | 22.10.2009

Jack Wolfskin: Wasserglassturm bringt Learnings

Jack Wolfskin_logoDer deutsche Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin hat in kürzester Zeit seiner (Web-)Reputation deutlich geschadet. Mit einer Abmahnaktion sorgte er in der Social Web-Community für viel Geheul. Darauf war er – und sein Mediencorner – nicht vorbereitet.

Die Geschichte ist kurz und einfach: Einer der grössten Outdoor-Artikel-Hersteller Europas verklagt Kleinunternehmen die ihre Produkte mit einem Tatzenmuster versehen via Abmahnung auf mittelgrosse Geldbeträge. Auch Hobbybastler bekamen Post von den Anwälten. Der Aufschrei via Social Media’s (Google Blogsearch) war gehörig und schwappte – wie das halt so läuft – in die Online-Medien über (Die Zeit, Spiegel-Online, TAZ). Jack Wolfskin hingegen zeigte sich unbeirrt – und hielt ( rechtlich gesehen wohl korrekterweise) am Markeneigentum fest. Das Rudel heult weiter: Unaufhaltsam steigt die Anzahl Blog-Kommentare und Tweets.

Hohe Schwelle für (Social) Medienschaffende
Sicher haben einige Medienschaffende, Blogger oder ganz einfach Interessierte auf der Wolfskinschen Website ein Statement gesucht. Fehlanzeige: Der Pressecorner ist mit Passwortschutz verriegelt.

jack wolfskin_mediencorner

OK – kurz ein Passwort angefordert und ich bin drin. Denkste. Zwar muss in einem Online-Formular die ganze Personalie angegeben werden. Ein Dialog wird damit aber nicht ausgelöst: «Ihre Anfrage wird beantwortet». Ich habe gar keine gestellt, sondern bei «Ihre Frage:» einen Platzhalter gesetzt. Weil ich lediglich im Pressebereich das Communiqué lesen wollte (hier via Werbeblogger).

Die Lehren aus dem Wasserglas-Orkänchen
Für uns PR-Schaffende gibts zweifelsfrei ein paar Schlüsse daraus. Eigentlich sogar recht viele – hier ein Auszug:

  • KEINE LOG-INs bei Mediencornern
  • Unterschätze die Kraft der Social Medias nicht
  • Pflege deine Web-Reputation – gerade als Anbieter von Konsumgütern

Die Geschichte ist gerade mal eine Woche alt – die Auswirkungen sind beachtlich. Der Wikipedia-Eintrag über das Unternehmen wurde bereits angepasst. Auch die Online-Börsen haben reagiert und nutzen das Skandälchen und die vielen Suchanfragen für ihre Google-Adwords Kampagnen. Hier der Text unter dem Online-Artikel der Zeit:

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Marcel Bernet | 29.09.2009

Neuer Tages-Anzeiger: Dialog mit dem Chefredaktor

titel_neuSchon vor der Neulancierung hat der Tages-Anzeiger die Leserschaft zum Dialog aufgefordert – die «Reklamations-Nummer» führt heute morgen zur Chefredaktion.

Für meine Kurzkritik zur neuen Optik habe ich ein Test-Telefon gestartet. Nach mehrmaligem Besetzt-Zeichen meldet sich ein Herr Eisenhut unter der Lob- und Tadel-Nummer. Ja, es ist der Co-Chefredaktor Markus Eisenhut persönlich. Er sitzt von 9 bis 11 an der Leitung, gemeinsam mit der stellvertretenden Chefredaktorin Daniela Decurtins und zwei Verlagsleuten.

Tagi hört zu, Meinungen gehen weit auseinander
Bravo, das nenn ich echten Dialog. Der Tages-Anzeiger interessiert sich wirklich für die Meinung des Publikums. Wie heiss läuft die Leitung? Markus Eisenhut hat bestimmt heisse Ohren: «Das Echo ist sehr intensiv, wir sind dauernd besetzt – in der ersten Stunde konnten wir wohl über 80 Anrufe bewältigen.» Die Meinungen gingen sehr weit auseinander. Einige sähen den Tagi jetzt ganz nahe an der NZZ, die anderen dagegen näher an einer Regionalzeitung wie der Luzerner Zeitung. Einige seien sehr zufrieden, andere gar nicht. Doch insgesamt sei das Echo positiv und die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Meinungen bringe wichtige Anregungen.

Interview und Meinung mit Flattersatz
Wie ist das eigentlich mit dem Flattersatz und der Spaltentrennung? «Bei Interviews und in Meinungsbeiträgen wechseln wir auf Flattersatz – und setzen die Trennstriche zwischend den Spalten ein.» Aha, wieder was gelernt. Eisenhut interessiert sich für meine Meinung. Mir hats zu viele Elemente, der neue Tagi spielt mir zu aggressiv mit Titelzeilen, Textkästen, Textauszügen, vielen Schriftvarianten. Ich werde mich daran gewöhnen, mehr dazu im vorher gehenden Beitrag. Und mehr zur Philosophie des Umbaus sagt Markus Eisenring in der zweiten Hälfte dieses persönlich-Beitrags.

Sonja Stieglbauer | 28.09.2009

Mobile Marktforschung: Bald selbstverständlich?

MobiltelefonMan kann die mobile Marktforschung als Erweiterung der online Marktforschung bezeichnen. Ihre Vorteile sind die Erreichbarkeit der Befragten und die Unmittelbarkeit der Eindrücke.

Eine SMS-Einladung zum Ausfüllen eines Fragebogens auf dem Mobiltelefon und ein paar kurze Fragen zur Beantwortung an der Tramhaltestelle. Oder die laufende Befragung von Probanden während eines Tests. So könnte Marktforschung in Zukunft aussehen.

Es gibt gute Gründe für mobile Befragungen: Immer mehr Menschen sind für Marktforscher gar nicht mehr daheim erreichbar. Sei es, weil sie unterwegs sind, sei es, weil es das telefonische «Daheim» als Fixnet-Anschluss nicht mehr gibt. Und in Entwicklungsgesellschaften ist das mobile System oft das einzige funktionierende.

Für mobile Befragungen spricht auch die Unmittelbarkeit der Eindrücke. Direkt nach einer Fernsehsendung, nach dem Genuss oder auch nach der Krise sind die Eindrücke noch frisch.

Hürden sind derzeit noch die Technik – jedes Mobiltelefon stellt etwas andere Anforderungen. Und nicht alle Zielgruppen besitzen ein internetfähiges Mobiltelefon. Neben dem Zugang zu den Zielgruppen, braucht es deren Bereitschaft sich befragen zu lassen. Die Kosten sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Weitere Informationen rund um mobile Marktforschung finden sich in den Präsentationen der Mobile Research Conference. Bereits ein Blick auf die Titel verrät, welches Feld sich hier auftut. Meine Meinung: Mobile Marktforschung kommt langsam, aber sie kommt.

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