Dominik Allemann | 23.02.2010

Blogger im Profil: Philips Blog Schweiz

philipsWo sind sie – die erfolgreichen, langfristig und sorgfältig geführten  «Corporate Blogs» der Schweiz? Zahlreich sind sie nicht. Philips-PR-Mann Raphael Wermuth beantwortet die  Fragen aus unserer Blogportrait-Serie.

Philips Schweiz öffnet Schweizer Medienschaffenden (Bereich Consumer Electronics, Lifestyle, Haushalt, …)  und Konsumenten mit dem Philips Schweiz Blog ein Fenster zu ihrer vielfältigen Produktewelt und lässt Raphael Wermuth einen grossen kreativen Freiraum.

Warum bloggen Sie?
Schreiben gehört zu meinem Alltag – als wichtiger Arbeitsinhalt und als persönliche Leidenschaft. Es bereitet mir Spass, mich in Worten, Formulierungen, schriftlichen Gedanken auszudrücken. Und in unserem global tätigen Unternehmen passiert täglich viel Spannendes. Vor etwas mehr als zwei Jahren entstand daraus die Idee, rund zwei bis dreimal die Woche etwas herauszugreifen – für unsere Mitarbeiter. Der Vorläufer des heutigen Philips Schweiz Blog war nur intern. Toll ist, dass die Geschäftsleitung mir die Freiheit gibt, Artikel zu posten, die meine persönliche Meinung oder Erfahrung mit unseren Produkte widerspiegelt.

Was ist Ihre wichtigste Blogerfahrung?
Zwei Dinge: Erstens ist der Blog – zusammen mit Twitter – das schnellste mir zur Verfügung stehende Instrument, um Neuigkeiten aus unserem Haus unter die Leute zu tragen. Ein enorm effizienter Kommunikationsweg, meine ich. Daneben zeigt die Erfahrung, dass bloggen meiner anderen Passion neben dem Schreiben, dem Marathonlaufen, sehr ähnlich ist: Nur wer dran bleibt, wird Erfolg haben. Ganz klassisch: Der Weg ist das Ziel.

Was ist Ihr grösster Blogwunsch?
Viele, viele Kommentare! Nein, Spass beiseite. Ich wünsche mir auf www.blog.philips.ch mehr Interaktion mit den Blog-Lesern. Aber vielleicht ist das nur noch eine Frage der – hoffentlich kurzen – Zeit.

Unser Fazit:
Raphael Wermuth und Philips Schweiz haben mit der umfassenden Social Media Präsenz (Twitter, Flickr, YouTube) und der perfekten Integration in den Blog sehr viel richtig gemacht.  Einzig die Einbindung des Blogs auf der Website gibt Rätsel auf: Der Link ist auf der Pressesite ist schlicht nicht auffindbar. Warum nicht hier die neuesten Blogeinträge an«featuren»? Was mich zum nächsten Gedanken bringt: Der Pressecorner bleibt relativ trocken – wäre es nicht attraktiv, diesen Mediencorner zu einem Social Media Newsroom auszubauen? Den Blog könnte man dort integrieren – vielleicht würde er aber davon auch ganz abgelöst. Fehlen würde dann die persönliche, direkte Prägung durch die Autoren und der Dialog. Diesen bei einem Konsumententhema zu erreichen, ist aber nicht ganz einfach. Aber wie Raphael schreibt: Dranbleiben bringt Erfolg.

Dominik Allemann | 11.12.2009

Bloggerin im Profil: Miriam Meckel

portrait_meckelStehen das schnelle Web und akademischer Tiefgang in unvereinbarem Widerspruch? Nein. Das beweist der Blog von Miriam Meckel, Kommunikationsfachfrau,  Uni-Professorin und umtriebige Webnutzerin.

Warum sich Miriam Meckel zusätzlich noch via Blog und Twitter mitteilt, erklärt sie in den drei Fragen unserer Serie Blogger im Profil:

Warum bloggen Sie?
In meinem Weblog publiziere ich sehr unterschiedliche Texte, manchmal solche die auch in einem anderen Medium veröffentlicht wurden, manchmal Persönliches (nicht Privates), manchmal spontane Gedanken, die mir zu meinem Themenfeld Medien und Kommunikation einfallen und an denen ich weiter dran bleiben möchte. Das geht so nur in einem Blog. Ich verändere auch mein Schreiben im Blog. Das ist zuweilen die Verschriftlichung von Gedanken beim Denken – eine tolle Erfahrung!

Was ist Ihre wichtigste Blogerfahrung?
Ich bin es ja als Wissenschaftlerin gewohnt, dass ich für alles Quellen und Beleg angeben muss. Früher mussten wir dafür komplizierte Fussnotenwerke erstellen. Wenn ich heute einen Beitrag poste, finde ich es immer wieder grandios, wie ich mit Links meinen Leserinnen und Lesern direkt den Zugang zur Quelle erschliessen kann, mit einem Mausklick.

Was ist Ihr grösster Blogwunsch?
Es gibt in der Blogosphäre ebenso wie in der realen Welt leider einige Menschen, die sich immer mit den Nachbarn über den Gartenzaun streiten müssen anstatt sich am Wetter oder an einem gemeinsamen Thema zu erfreuen. Ich wünsche mir manchmal, dass es im Netz weniger Blogwarte und mehr frei denkende, tolerante Schreiber und Kommentatoren gibt.

Nachgefragt…
«Publish or perish» – publiziere oder gehe unter – heisst ein Leitsatz im Wissenschaftsbetrieb. Sollen Professorinnen ihr Wissen auch über das schnelle Web verbreiten? Miriam Meckel dazu: «Natürlich kann und darf man als Professorin bloggen! Ich mache das aus Interesse an den sozialen Medien, aber auch weil das eines meiner Themengebiete ist, bei denen ich einfach wissen muss, was abgeht. Generell gilt aber: Ein Blog kann ein tolles Medium für inhaltliche Vertiefung sein, über das man auch mit den Studenten in Kontakt bleiben kann. Ich glaube, das scheuen manche, den Arbeitsaufwand, der ja doch damit verbunden ist, wenn man regelmässig etwas posten will.»

Und auf die Frage nach der Priorisierung erklärt Meckel: «Für mich ist die Präsenz online und offline gleich wichtig. Ich will ja unterschiedliche Zielgruppen erreichen. Die kriege ich nicht, wenn ich nur für die Zeitung schreibe oder nur blogge.»

Der Online-Besuch bei miriammeckel.de zeigt : Die fleissige Professorin versteht es vorzüglich, «Social Media Relations» aufzubauen. Sie weist hin auf ihre Präsenzen bei Facebook, Twitter oder YouTube (empfehlenswert!). Und ihre regelmässigen Blogbeiträge werden enorm gut kommentiert, was auf eine grosse Reichweite schliessen lässt. Für uns PR-Menschen und Social Media Konsumenten bleibt damit zu hoffen, dass Miriam Meckel auch künftig den Mehraufwand nicht scheut – und ihr Wissen mit uns teilt.

Dominik Allemann | 06.11.2009

Blogger im Profil: sprainTV

sprainTVManuel Reinhard schreibt nicht bloss Textbeiträge für seinen Blog sprain’s. Wöchentlich produziert er einen Internet-Newsclip der sich gewaschen hat.

Der Berner Webentwickler berichtet in zwei- bis dreiminütigen Videos aus dem Schweizer Webdschungel. Seine Antworten auf unsere klassischen drei «Blogger im Profil»-Fragen:

Warum blogst du?
Als Webentwickler bin ich vor allem aus technischem Interesse zum Bloggen gekommen. Über Jahre habe ich meinen Blog öfters mal vernachlässigt, dann wieder reaktiviert, mal geliebt, mal verflucht. Im Oktober 2009 habe ich eine neue berufliche Herausforderung angenommen: Im Ideenlabor !flabs darf ich mit grossen und kleinen Ideen spielen und beobachte, wohin sich die kleinen Geister, die ich da anstossen darf, bewegen. Im Rahmen eines solchen Experiments entstand die erste Folge von sprainTV, dem wöchentlichen rasanten Blick auf das Schweizer Internetgeschehen. Die Sendung stiess auf grosses Echo und wird deshalb bis auf Weiteres regelmässig produziert und in meinem Blog veröffentlicht.

Welches ist deine wichtigste Blog-Erfahrung?
Denke nie, du kennst deine Leser! Oft schon habe ich etwas gebloggt und erwartet, dass es Kommentare und Reaktionen hageln wird – nichts geschah. Andererseits erhalten Beiträge Resonanz, bei welchen ich nie damit gerechnet hätte. Bloggen erfordert deshalb viel Ausdauer und Freude. Sich über scheinbare Misserfolge aufzuregen lohnt sich nicht. Deshalb blogge ich meist auch nicht berechnend. Ich schreibe, was mich gerade beschäftigt und interessiert – oft auch, um sicher zu sein, die Infos später selbst wiederzufinden. Wenn’s dann auch noch Andere interessiert machts umso mehr Spass.

Was ist dein grösster Blogwunsch?
Toll wäre es, wenn sprainTV noch eine ganze Weile weiterleben darf. Momentan profitiere ich von grosser Unterstützung aus der Blogosphäre. Diese wird wahrscheinlich irgendwann abklingen. Vielleicht zeigt ja eines Tages ein Verlag oder ein Portal Interesse an dem Format und möchte es unterstützen?

Mein Fazit
Was SprainTV ganz zuerst einmal ist: enorm kurzweilig. Wohl durch den rassigen Schnitt, die originelle Bebilderung und den witzigen Kommentar wird der Clip zu einer unterhaltsamen Zusammenfassung des Webgeschehens. Das Format erlaubt nicht allzuviel Tiefgang – kann aber Anstösse geben um selber tiefer zu graben. Eindrücklich ist die aufwändige Machart. Wenn ich weiss, wie viel Zeit nur schon ein Textbeitrag kostet… Ich wünsche ihm und uns, dass er sich diese vielen Stunden auch künftig nehmen kann.

sprainTV, 5. November 2009 from sprain on Vimeo.

Sonja Stieglbauer | 21.09.2009

Blogger im Profil: Sixt Mietwagen Blog

Logo SixtDer Autoverleiher Sixt betreibt seit fast einem Jahr einen  Blog. Und befindet sich damit im Spannungsfeld zwischen Autorenmeinung, kommerziellen Interessen, Werbung sowie Leser- und Kundenbindung.

Die Fragen zum Sixt Mietwagen Blog beantwortete Benjamin Wingerter, Blogger bei Sixt.

Wieso bloggt Sixt?
Die Autovermietung Sixt ist als Dienstleistungsunternehmen primär um die Zufriedenheit der Kunden bemüht. Neben einer kurzen Frage, ob alles mit dem geliehenen Mietwagen in Ordnung gewesen ist, werden natürlich immer wieder Qualitätsbefragungen vorgenommen. Aber um in ungezwungener Form die Meinung und interessante Wünsche unserer Kunden zu erfahren, ist ein Blog die optimale Plattform. Ein paar Diskussionen oder direkte Fragen zu unseren Mietwagenstationen, zu Events und Neuerungen gab es bereits. Klingt vielleicht blöd, aber wir fühlen uns näher am Kunden, als mit einem “Feedback” Formular auf der Website. Wir sind sehr froh, dass wir unser Blog betreiben können.

Ihre wichtigste Blogerfahrung?
Am Sixtblog arbeiten viele Menschen mit. Die wichtigste Erfahrung für jeden Einzelnen ist wahrscheinlich jeweils eine andere. Damit ein Blog lebt, braucht man Mitarbeiter, die Lust und Zeit aufbringen, um neben den normalen täglichen Pflichten regelmässig Artikel zu schreiben. Ohne Leser, die sich trauen ihre Meinung in einem grossen Firmenblog zu hinterlassen, ist aber auch ein toller Artikel nutzlos. Im Endeffekt sind also aktive Menschen auf beiden Seiten eines Blogs wichtig. Als Blogger darf man nicht nachlassen und als Leser muss man sich mutig einbringen.

Ihr grösster Blogwunsch?
Bei uns bloggen fast ein Dutzend Sixt Mitarbeiter. Wir wünschen uns wahrscheinlich alle, einfach etwas aus dem Unternehmen erzählen zu können. Damit teilen wir Informationen aus unserer Arbeit, über unseren Arbeitgeber und unser Insiderwissen aus der Automobil- und Reisebranche. Nicht jede Firma erlaubt ihren Angestellten ein Blog zu betreiben.

Unsere Kollegen in UK nutzen das sixtblog.co.uk sogar noch privater als wir es in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt tun. Aber auch wir fügen zwischen Branchennews gelegentlich einen unterhaltsamen Artikel ein, den man in einem Firmenblog nicht erwartet. So gesehen geht unser grösster Blogwunsch gerade in Erfüllung:

Noch näher am Kunden zu sein auch mal fern ab von Mietwagen. Es ist jetzt für alle im Unternehmen, ganz gleich welche Abteilung, leichter sich an einer öffentlichen Diskussion zu beteiligen. Wir sind durch das Blog und unsere Twitter Accounts kein anonymes Unternehmen mehr, sondern können Sixt ein Gesicht geben und an der Community aktiv teilnehmen.

Mein Fazit
Die Sixt-Bloggerinnen und Blogger haben es geschafft, dass sogar ein Automuffel wie ich ihn liest. Das Themenspektrum ist breit und hat doch Bezug zum Unternehmen. Neben Branchen- und Unternehmensnachrichten findet man Reisetipps, Rechtliches  rund ums (Miet-)Autofahren und immer wieder Mitteilungen zur Corporate Social Responsibility von Sixt. Gerade für Reisefreudige ein interessanter Blog.

Sabine Betschart | 21.08.2009

Bloggerin im Profil: Michèle Binswanger vom Mamablog

michele_binswanger/mamablogSie ist eine von zwei Autorinnen des Mamablogs und schreibt über Kinder, Knatsch und Prosecco. Was sich amüsant liest.

Michèle Binswanger bloggt auf Mamablog seit März 2009. Ihre humorvolle Schreibe spricht nicht nur Mamas an, sondern auch ganz viele Papas und kinderlose Menschen – zahlreiche Kommentaren ergänzen ihre Beiträge. Hier Michèle Binswangers Antworten auf unsere drei Fragen :

Warum bloggst du? Als professionelle Schreiberin spielte ich schon länger mit dem Gedanken, ein eigenes Blog zu schreiben. Als berufstätige Mutter kam ich allerdings nicht wirklich dazu, mich darum zu kümmern. Deshalb war es für mich ein Glücksfall, als Tagesanzeiger.ch mich fragte, ob ich nicht zusammen mit Nicole Althaus den Mamablog schreiben will. Jetzt kann ich professionell bloggen und mein Mutterdasein als Stoff verwenden.

Privat hätte ich wohl keinen Mamablog geschrieben, weil ich meine Familie immer als Privatsache betrachtete und es mich nie interessiert hatte, Artikel über so genannte Mütterthemen zu schreiben. Erst als ich mit bloggen anfing, ging mir auf, dass im Umfeld Familie, Kinder, Beziehung beinahe alle gesellschaftsrelevanten Themen stecken. Und dass man die auch auf einer Ebene abhandeln kann, die nicht nur Mütter anspicht.

Was ist deine wichtigste Blog-Erfahrung?

Zunächst sicher die formale Freiheit, einfach ausprobieren zu können und das direkte Feedback der Leser zu haben. Beim Bloggen kommt man mit einem breiten Publikum in Kontakt. Die Leser im Mamablog sind erstaunlich engagiert, differenziert und äussern sich teilweise sehr persönlich. Das gibt mir als Bloggerin eine neue Sicht auf gewisse Phänomene. Es relativiert die eigene Weltsicht, da man ja dazu neigt, sich selbst und den engeren Freundeskreis für die Allgemeinheit zu halten. Das Bloggen hat mich gelehrt, dass die Meinungen so vielfältig sind, wie die Menschen selbst und dass ich besser daran denke, wenn ich schreibe. Denn eine weitere Erfahrung ist, dass man sehr vorsichtig und gewählt formulieren muss, wenn man richtig verstanden werden möchte, da viele Leute Dinge in meinen Beiträgen lesen, die ich nicht so geschrieben und gemeint habe.

Welches ist dein grösster Blog-Wunsch?
Dass wir auf dem Mamablog noch mehr LeserInnen gewinnen, und zwar solche, wie wir sie schon haben: interessierte, kreative, engagierte Menschen.

Mein Fazit: Das Mamablog zeigt, dass Kinder-Haben viel mehr beinhaltet als «welche Windeln sind die saugfähigsten?» und «wie wärmst du den Brei auf?». Spätestens dann, wenn die Kinder aus dem Brei- und Windelalter heraus sind. Gesellschaftsthemen werden kritisch aufgenommen – mit einer Prise Humor und anregenden Gedanken angereichert. Und Michèle Binswanger überzeugt immer wieder mit ihrer treffenden Wort- und Bildwahl.

Dominik Allemann | 27.07.2009

Blogger im Profil: Stefan Meierhans – Preisüberwacher

smeierhansDer Schweizer Preisüberwacher ist eine Stelle des Bundes. Er «überprüft Preise, welche von Kartellen und von marktmächtigen Unternehmen des privaten und des öffentlichen Rechts festgelegt werden.» Und er bloggt.

Stefan Meierhans bekleidet das viel beachtete Amt in der Schweiz (Details bei Wikipedia) seit Oktober 08. Im Rahmen unserer Serie «Blogger im Profil» haben wir nach den Erfahrungen mit dem Preisüberwacherblog gefragt – Meierhans führt ihn bereits seit Januar 09.

Warum bloggt der Preisübewacher?
Das Blog stellt für mich eine einzigartige Kommunikationsplattform dar. Kein anderes Medium erlaubt es derzeit, so einfach und rasch in den Preisdialog mit dem Preisüberwacher zu treten. Im Gegensatz zum Newsletter der Preisüberwachung (ca. 6 – 8 mal jährlich) kann ich beim Bloggen tagesaktuell agieren und zu Kommentaren direkt Stellung nehmen. Ich bin überzeugt, dass diese Form der Interaktion in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.

Allerdings sind auch institutionelle Grenzen gesetzt: Zum einen gelten eigentliche „Preisbeschwerden“ nur, wenn sie mit Name, Adresse etc. schriftlich eingereicht werden – ein Blog-Posting reicht nicht. So schreibt es das Gesetz vor. Deshalb leiten wir viele Blog-Besucher auf unser Webformular – und haben damit weniger Kommentare auf dem Blog.

Dennoch zeigt die jüngste Erfahrung – wir hatten im ersten Halbjahr 2009 doppelt so viele Preisbeschwerden wie im selben Zeitraum 2008 – dass die Interaktivität gefragt ist.

Welches ist deine wichtigste Blogerfahrung?
Trotz der blogspezifischen Sprache ist und bleibt das Blog des Preisüberwachers ein Teil einer behördlichen Institution. Daraus ergeben sich gewisse Zielkonflikte. Es ist eine grosse Herausforderung, den hohen Erwartungen an den Preisüberwacher einerseits und an ein unkompliziertes und schnell agierendes Blog andererseits gerecht zu werden. Hier gilt es, den richtigen Mix zu finden und sowohl Blogger als auch Unternehmen, Verbände und Medienschaffende mit einem attraktiven Blog anzusprechen.

Welches ist dein grösster Blogwunsch?
Ich wäre der glücklichste Blogger, wenn ich dank Kommentaren, Hinweisen und Feedbacks aus der Bevölkerung für faire Preise in unserem Land sorgen könnte.

Unser Fazit:
Neben Bundesrat Leuenberger ist Meierhans wohl der einzige Angestellte des Bundes mit einem regelmässig gepflegten Blog. Wie ersterer bloggt auch der Preisüberwacher (nur) im Wochenrhythmus. Diesen halten aber beide erstaunlich diszipliniert. Meierhans weiss wie man bloggt. Das zeigen Inhalt und Form seines Blogs: Kurze, persönlich geprägte Beiträge mit anschaulichen Texten und Bildern.  Zu wünschen wäre dem Preisüberwacherblog noch mehr Kommentare. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass das auch eine Frage der Zeit ist.

Sophie Graf | 11.02.2009

Blogger im Profil: blog.persoenlich.com

ackeretSeit ein paar Wochen bloggt die Redaktion von persoenlich.com. Grund genug, einem der Macher unsere drei Fragen zu stellen.

Matthias Ackeret, warum bloggt persoenlich.com?
Die Erfahrungen in den USA zeigen, dass sich dank dem Internet ganz neue Kommunikationsformen ausserhalb der klassischen Medien etablieren können. Das ist faszinierend. Trotzdem traue ich dem neuen Medium immer noch nicht ganz; wichtig sind nicht die technischen Möglichkeiten, sondern die Inhalte, damit das Ganze interessant bleibt.

Welches ist Ihre wichtigste Blog-Erfahrung?
Meine wichtigste Blog-Erfahrung war die Lancierung von TeleBlocher zusammen mit Norbert Neininger, dem Chefredaktor der
Schaffhauser Nachrichten. Die Idee, jede Woche ein Interview mit dem damaligen Bundesrat Christoph Blocher ins Netz zu stellen, löste einen
medialen Taifun aus, welches sogar Thema einer Bundesratssitzung war. Das Bundesamt für Kommunikation BAKOM startete eine Untersuchung über die Rechtmässigkeit der Sendung. Daneben kam auch noch der publizistische Pulverdampf: Die Grosskommunikatoren wie Peter Studer, Ueli Haldimann, Frank A. Meyer und Klaus J. Stöhlker zeigten sich entrüstet über das Internetfernsehen und befürchteten den Untergang der Schweiz. Heute haben sich die Wogen geglättet: TeleBlocher hat rund 70000 regelmässige Zuschauer und dürfte das meistzitierteste Interview unseres Landes sein. Dies zeigt doch, welche Macht das Internet haben kann.

Welches ist Ihr grösster Blog-Wunsch?

Für den persoenlich.com-Blog wünsche ich mir spannende Diskussionen und Kontroversen, die wir in unseren Heften so nicht abhandeln können.

Mein Fazit:
Der
“persoenlich.com”-Newsletter mit Nachrichtenaus aus der Schweizer Kommunikationswirtschaft gehört zum täglichen Lesefutter vieler Kommunikations- und Marketingprofis. Der Blog bietet zusätzliche Unterhaltung. Wo aber ist der Mehrwert? Mir persönlich reicht der Newsletter. Und ich frage mich, ob Gastautoren wie Roger Schawinski, Peter Hartmeier und Peter Röthlisberger dies längerfristig ändern können.

Zu TeleBlocher siehe auch folgende Blogbeiträge:
Politik im Netz: BlocherTV – holzschnittartige Selbstfeier
SF Blocher-Reportage: manipulativ?


Sonja Stieglbauer | 03.12.2008

Bloggerin im Profil: Die Börsenfrau

Die Börsenfrau Gertraud PourheidariHinter der Börsenfrau steckt Gertraud Pourheidari. Ihre Tipps zur Geldanlage habe ich noch nicht umgesetzt; ich bereichere mich vorerst beim Lesen. 

Warum bloggen Sie?
Die Idee dazu entstand kurz nachdem ich meine Website www.dieboersenfrau.com lanciert hatte. Für eine statische Website ist ein Blog eine optimale Ergänzung. Gerade Börsen- und Finanzthemen brauchen aktuelle Inhalte bzw. Kommentierungen. Und besonders gefällt mir, über das Blog in direkten Kontakt mit den Lesern zu treten.  Alles in allem bin ich jedoch keine exzessive Bloggerin. Ich blogge meisten nur ein- bis zweimal die Woche. Das hat zeitliche Gründe, mir fehlen jedoch auch manchmal die Impulse. Doch nun habe ich mich in den letzten Tagen besser mit anderen Bloggern vernetzt. Und das spornt an. Es entwickelt sich sozusagen eine gewisse Dynamik.

Welches ist die wichtigste Blog-Erfahrung?
Dass es Feedback braucht. Die ersten Monate waren eine Durststrecke. Als es zunächst keine Reaktionen auf die Beiträge gab, sind mir schon Zweifel gekommen. Glücklicherweise zeigte der Feed-Reader, dass da doch Leser sein müssen.

Welches ist Ihr grösster Blog-Wunsch?
Da habe ich mehrere und wohl die üblichen Wünsche. Aber hätte ich nur einen Wunsch frei, dann wäre es vor allem dieser: eine „Blogger-Runde“, in der themenbezogen unter Bloggern und Lesern diskutiert wird. Die Technik bietet dazu so fantastische Möglichkeiten an.

Dominik Allemann | 10.11.2008

Blogger im Profil: SF-Korrespondent André Marty

andremartygazaserendipitythumb.jpgUnlängst näherte ich mich dem Unterschied (Link) zwischen «Journalisten-Blogger oder Blogger-Journalist» und stolperte dabei über ein gelungenes Beispiel. SF-Nahost- Korrespondent André Marty pflegt mit Hingabe sein Blog über Alltägliches und Hintergründiges aus Israel und Palästina.

André beantwortete mir unsere drei Standard-Fragen der bernetblog-Serie «Blogger im Profil»:

Warum bloggst Du?
Journi, lüpf den Hintern: Die klassischen Medien haben sich zum grossen Teil von der kontinuierlichen, Hintergründe und Alltag anbietenden Berichterstattung über und aus dem nahen Osten verabschiedet; middle east does not sell any longer! Also gilt es, die Interessierten anderweitig zu erreichen. Nötigenfalls mit einem privaten, unabhängig von meinem Arbeitgeber gestalteten Blog. Zudem macht es einen Heidenspass, Unspektakuläres in Worte zu fassen, ohne ständig die kurzen 1Minuten30Sekunden eines “Tagesschau”-Beitrages im Hinterkopf haben zu müssen.

Was ist Deine wichtigste Blogerfahrung?
Dass wir Journalisten noch Einiges zu lernen haben und mit Kritik nicht wirklich umgehen können; meist anonym gehaltene, verletztende bis hasserfüllte Kommentare gilt es ebenso zu akzeptieren wie das Schweigen (hoffentlich) vieler stummer Blog-Leser. Den Crossmedia-Gedanken nicht bloss Verlagsmanagern und deren Taschenrechnern zu überlassen, sondern proaktiv mit Inhalten zu überzeugen – das gilt es zügig zu lernen, wollen wir uns nicht von den Auflagenbolzern überrollen lassen.

Was ist Dein grösster Blogwunsch?
Wünsche? Keine. Ich gehe dagegen von einer schleichenden Niveau-Anpassung resp. Gewöhnung der Crossmedia-Nutzer aus, was mich nicht wirklich beruhigt. Insofern wäre zu hoffen, dass die Qualitätsblogger – und davon gibt es erfreulich viele, auch in der Schweiz – einen möglichst langen Atem haben; länger als die Herren Blog-Manager an den potenten Verlagshaus-Adressen. Und wer weiss: Vielleicht gelingt ja irgendwann einmal ein wirklicher Blogger-Zusammenschluss.

Mein Fazit:
Andrés Blog macht deutlich, dass in der Blogosphäre – abseits der Berichterstattung in «kommerziellen» Programmen – die Nische liegt für die etwas anderen Stories. Allerdings mit der grossen Gefahr, dass diese Art von Journalismus in die«privaten» Blogs der Journis abwandert. Letztere werden dafür (noch) nicht bezahlt. Die vielen zuweilen sehr emotionalen oder «politischen» Kommentare in Andrés Blog sind ein eindrückliches Zeichen für das grosse Interesse am Blick hinter die Kulissen – auf die unverstellten Schauplätze des Alltags.

Link zum Blog «André Marty berichtet»

Sabine Betschart | 26.08.2008

Blogger im Profil: Konsumentenschutz

bild-1.pngSeit diesem Juni bloggt der Konsumentenschutz. Hinter dem Blog steckt Sara Stalder, die Geschäftsleiterin der Stiftung. Ihre Botschaft: «Mit unserem Konsumverhalten gestalten wir die Zukunft». Mit ihren Blogeinträgen weckt Stalder begeisterte, erstaunte und zuweilen auch ungehaltene Reaktionen bei der Leserschaft.

Warum bloggen Sie?
1+1=2 oder:Start als Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (April 08) + Aufschalten unserer neuen Website mit dem Blog der Geschäftsleiterin (Juni 08)= regelmässige Blogeinträge
Nie hätte ich vor einem halben Jahr gedacht, dass ich einmal einen Blog unterhalte. Mit meinen Blogeinträgen will ich Punkte ansprechen, die im Konsumalltag aktuell sind oder aber auch Kleinigkeiten, die alle KonsumentInnen jederzeit betreffen. Ausschlaggebend für die Themenwahl ist oft das, was mich persönlich zum Zeitpunkt des Verfassens am meisten beschäftigt.

Welches ist die wichtigste Blog-Erfahrung?
Ich beobachte, höre aufmerksam hin, mache kleine Notizen. Kurz: Im Konsumalltag bin ich viel wacher geworden. Dazu kommen die unzähligen Mails und Briefe, die wir auf der Geschäftsstelle erhalten: Überall hat es kleine, aber wesentliche Punkte. Ich fahre also oft eine «Blog-Antenne» aus, damit kleine Geschichten sich nicht ungehört aus dem Staub machen können. Bis jetzt war dies für mein persönliches Umfeld noch gut zu ertragen. Ich hoffe, dass ich weiterhin an offenen, kritischen Gesprächen mitmachen kann, ohne dass diese Blog-Antenne dabei ein störendes Rauschen verursacht.

Welches ist Ihr grösster Blog-Wunsch?
Wenn der eine oder andere Beitrag dem Leser oder der Leserin für einige Minuten eine Abwechslung vom Alltag beschert, dann habe ich mein Ziel erreicht. Mit Abwechslung meine ich einen Gedanken- (vielleicht sogar Gefühls-?)wechsel im ganzen Spektrum «Freude und Zustimmung» bis «Unmut und Unverständnis».

Verena Paris | 16.07.2008

Blogger im Profil: Kurt Aeschbacher online

aeschbacher.pngEigentlich ist er mit seinem Sommerjob beschäftigt. Aber: Über das Blog ist Kurt Aeschbacher erreichbar. Der Fernsehmann schreibt umgehend zurück und gibt zu, dass er pro Woche mindestens drei Stunden, aber meistens mehr Zeit für sein Blog auf www.sf.tv aufwendet. Schliesslich ist die Fangemeinde gross. Sein Blog wird im Monat von gut 30 000 Besuchern gelesen.

Wer anderen auf den Zahn fühlt, sollte sich auch einmal über die eigenen Schultern blicken lassen. Diese Erklärung ist auf der Internetseite des Schweizer Fernsehens zu finden. Und zwar bei der Frage, warum Kurt Aeschbacher bloggt. Seit zwei Jahren schreibt «Aeschbi» sein Online-Tagebuch. Ich wollte von ihm wissen, wie es sich mit dem Blick über die Schultern leben lässt.

Warum bloggen Sie?

Das Blog ist für mich ganz klar ein Kommunikationsmittel, das mir neben der Arbeit am Bildschirm (das ist ja Einwegkommunikation) einen direkten Kontakt mit einem Teil unseres Publikums erlaubt, den es sonst nicht geben würde. Die Kommentare – auch wenn sie nicht immer schmeichelhaft sind – zeigen mir, wie gewisse Äusserungen und Haltungen von mir durch Dritte reflektiert werden. Damit wird das Blog auch zu einem Wahrnehmungsspiegel. Und: Ich bin der Überzeugung, dass klassisch programmiertes Fernsehen, also das TV-Programm mit einem vorgegebenen Ablauf, von einer jüngeren Generation immer weniger genützt wird. Deshalb legte ich bereits vor Jahren Wert darauf, dass unsere Sendung jederzeit auch auf dem Internet abgerufen und angeschaut werden kann. Es liegt dabei nahe, diesen Kommunikationsweg auch dazu zu nutzen, Hintergründe, Selbstkritisches und Persönliches rund um die Fernseharbeit via Blog zu reflektieren.

Welches ist die wichtigste Blog-Erfahrung?

Blogging funktioniert nur dann richtig, wenn man sehr diszipliniert und regelmässig mit neuen Einträgen und Bildern präsent ist. Dabei soll man auch konsequent keine Romane publizieren, sondern das Blog als eine Art elektronisches Tagebuch mit Gedankenskizzen bedienen. Und: Man muss sich auch Kritik gefallen lassen, solange sie der Nettiquette entspricht.

Welches ist Ihr grösster Blog-Wunsch?

Mein grösster Wunsch wäre, dass die Besucher noch öfters miteinander über Kommentare aktiv ins Gespräch kommen.

Verena Paris | 28.05.2008

Blogger im Profil: swiss-miss – Internet sei Dank

swissmiss.pngDas «Schweizer Fräulein», wie Tina Roth Eisenberg in einem NZZ-Artikel von Matthias Daum betitelt wird, führt seit drei Jahren ihr eigenes Blog. Was als visuelles Archiv begann, ist heute ein viel besuchtes Portal. www.swiss-miss.com verzeichnet 13 000 Besucher pro Tag! «Tina is my hero», tönt es aus der Fangemeinde. Unter Bloggern ist ihr swiss-miss-Blog längst als «major blog» bekannt. Ich persönlich vergleiche es mit einer Window-Shopping-Tour, auf der ich garantiert immer auf Trouvaillen stosse.

Warum bloggst du?
Ich habe mein Blog als persönliches, visuelles Archiv gestartet. Meine «bookmark folders» waren am Überquellen und es war schwierig für mich, Produkte und Seiten nur mit dem Namen wiederzufinden. Ich brauchte ein «visuelles» Lesezeichen. Nach einigen Monaten habe ich festgestellt, dass ich ganz schön viele Leser habe. Und so hat es sich dann halt entwickelt: Inzwischen habe ich ungefähr 13 000 unique Leser pro Tag.

Deine wichtigste Blog-Erfahrung?
Wer etwas gibt, erhält zurück! Ich habe schon vielen Jungunternehmern, Produktedesigner, Künstlern beim Start helfen können, indem ich das Produkt meiner grossen Leserschaft präsentiert habe. Einigen ist der Durchbruch gelungen. Das freut. Und ich erhalte ja so viel zurück. Dank meines Blogs habe ich auf der ganzen Welt unglaublich viele spannende Menschen kennengelernt. Und: Die meisten Kunden von meinem Design Studio sind aufgrund meines Blogs auf mich gekommen.

Dein grösster Blog-Wunsch?
Von meinem Blog leben zu können!

Und in einem Nachfass-E-Mail verrät die «Swiss-Designerin gone NYC», dass sie es eigentlich schon fast kann – vom Blog leben. «Aber es merkt ja keiner!»

Jürg Meier | 23.05.2008

Blogger im Profil: Nico Luchsinger

signet-150-worte.pngSeit einem Jahr schreibt Nico Luchsinger einen Blog, dessen Beiträge nicht länger sind als 150 Worte. Trotz ambivalenten Erfahrungen ist er überzeugt: Blogs haben viel Potenzial, zum Beispiel als Wachhunde in der Medienlandschaft.

Laut Luchsinger verweist sein Blog «vorläufig konzeptlos» auf spannende Geschichten und Artikel. Schwerpunkte der Beiträge sind Politik und Medien. So findet man auf www.150Worte.ch einen Hinweis auf eine Webseite, die den amerikanischen Präsidentschaftsbewerber John McCain veräppelt, aber auch Nützliches wie Links zu neuen Studien und interessanten Webseiten.

Einiges Echo hat ein Beitrag unter dem Titel «Lebenslauf 2.0» ausgelöst. Darin stellt sich Nico die Frage, wie er seine über die Jahre gesammelten Erfahrungen in der virtuellen Welt in seinen Lebenslauf einbringen könnte. Wo könne er zum Beispiel festhalten, dass er nicht nur einen Blog schreibe, sondern auch viele andere lese? Und dass er wisse, wie Twitter funktioniere, und del.icio.us, und coComment? Für diese Informationen sei in einem klassischen Lebenslauf zwischen Berufserfahrungen, Sprachkenntnissen und Hobbys kein Platz.

Nico ist 25 und studiert Geschichte, Volkswirtschaft und Politologie in Zürich. Zudem arbeitet er als freier Autor für die NZZ. Ernsthaft am bloggen ist er seit einem Jahr.

Wieso bloggst du?

Erstens aus Neugier. Alle redeten von Blogs, doch ich hatte keine Ahnung davon, was ein Blog eigentlich ist. Zweitens geht es mir darum, mir eine “digitale Identität” zu schaffen. Ich blogge über Dinge, von denen ich eine Ahnung habe – und meine Leser sollen merken, dass ich davon eine Ahnung habe. Anfangs stellte ich nur Links zu interessantem Material auf den Blog. Unterdessen sage ich auch einmal meine Meinung zu einem Thema. Das ist der entscheidende Punkt, wenn man will, dass der eigene Blog gelesen wird. Drittens blogge ich zur Informationsbeschaffung. Ich stelle meinen Lesern immer wieder einmal Fragen, um an Informationen zu gelangen. Allerdings muss das in beide Richtungen funktionieren: Meine Leser geben mir nur dann etwas, wenn sie das Gefühl haben, sie erhalten auch etwas zurück. Viertens schliesslich ist mein Blog eine Art digitaler Notizblock. Ich erinnere mich viel eher an ein interessantes Thema, wenn ich darüber gebloggt habe.

Was ist deine wichtigste Blog-Erfahrung?

Ich habe mit meinem Blog insgesamt ambivalente Erfahrungen gemacht. Es ist zwar erstaunlich einfach und wenig aufwendig, Informationen zu verbreiten und Kontakte zu knüpfen. Wenn man aber ein grösseres Publikum erreichen will, muss man sich sehr viel Mühe geben und sehr viel Zeit aufwenden. Ich habe inzwischen eine Balance zwischen Aufwand und Ertrag gefunden, aber am Anfang fühlte ich mich als einsamer Rufer in der Wüste, dem niemand zuhört. Eine andere wichtige Erfahrung ist es, wie unterschiedlich Leute aus meinem Umfeld auf den Blog reagieren. Manche Leute in meinem Freundeskreis interessieren sich überhaupt nicht für meinen Blog. Hätte ich ein Buch veröffentlicht, dann würde alle zumindest den Klappentext lesen. Das Schreiben eines Blogs gilt noch nicht als Leistung – obwohl es eine Leistung ist.

Dein grösster Blog-Wunsch?

Mehr Konversation. Und ich wünsche mir, dass die Schweizer Medien Blogs stärker wahrnehmen. Dass es daran mangelt, liegt allerdings zum Teil auch an den Blogs selber: Viele von ihnen sind nur auf sich selber bezogen. Das ist schade, denn Blogs haben meiner Meinung viel Potenzial. Sie könnten zu Wachhunden werden, welche die Arbeit der Medien kritisch begleiten.

Dominik Allemann | 16.05.2008

Blogger im Profil: Der Tagi-Digitalk

schuessler_zedi.jpgDiesmal stelle ich in unserer Serie Blogger-im-Profil einen Podcast vor: Der Digitalk ist das einzige Podcast-Angebot des Tages-Anzeigers und wird mit viel Leidenschaft produziert von den Tagi-Redaktoren Matthias Schüssler und Roger Zedi (im Bild links beim Anstossen auf eine Jubiläums-Sendung).

Ich hatte diese Woche die Gelegenheit dem Digitalk mit LeShop-CEO Christian Wanner beizuwohnen (und verstosse damit gegen unsere Blog-Regel, nicht über eigene Mandate zu bloggen). Dabei fiel mir das grosse Engagement und die persönliche Prägung der beiden Hosts auf. Schüssler und Zedi haben mir unsere 3 Bloggerprofil-Fragen beantwortet:

Wieso podcastet Ihr?
Schüssler: Wir hatten vier Gründe, als wir uns im Oktober 2006 auf das Abenteuer eingelassen haben:

1. Pioniere sein
Wir wollten diese neue, tolle technische Möglichkeit nicht ungenutzt lassen. Das war eine spannende Chance für ein Pionierprojekt, bei dem nicht alle schon ganz genau wissen, wie es geht.

2. Einen neuen Kanal öffnen
Es ist ein neuer, sehr direkter Kanal zu unserem Publikum: Podcast-Hörer sind äusserst interessiert, engagiert und neuen Technologien aufgeschlossen. Podcasts persönlicher und emotionaler als die Zeitung, wo wir zu Nüchternheit und Sachlichkeit verpflichtet sind. Gerade sehr technische Themen können wir hier «menschlicher» abhandeln als in einem trockenen Artikel.

3. Konzeptionelle Abgrenzung zum Print
Die «Digital»-Seiten im Tages-Anzeiger wurde in die «Leben»-Seite integriert. Damit mussten wir unser Konzept anpassen: Die Artikel wurden kürzer und die technischen Themen passten nicht in den Mix mit Reisen, Lifestyle und den Sozialthemen. Diese können wir jetzt im Podcast abhandeln – wir können sie noch ausführlicher und intensiver beackern.

4. Ein neuer Blickwinkel
Wir gehen die Theme anders an: Freier, informeller, fragmentarischer, subjektiver – es ist kein Problem, im News-Teil des Podcasts ein Ereignis kurz anzudiskutieren und die wesentlichen Dinge aufs Tapet zu bringen.

Zedi: Ich podcaste, weil ich selber ein grosser Podcast-Fan bin – auf meinem iPod bestreiten Podcasts (und Hörbücher) sicher 90 Prozent meines Konsums. Zudem ist es eine willkommene Abwechslung zum Schreiben.

Was ist die wichtigste Podcast-Erfahrung?
Schüssler: Wie wichtig Vorbereitung und wie gross der Aufwand ist. Dass wir mit dem Tagi im Rücken nicht drauflos dilettieren können, war uns klar. Darum haben wir uns von Anfang an um Qualität bemüht. Trotzdem denkt man am Anfang, wenn man es nur schafft, ein locker-flockiges Gespräch in Gang zu bringen, hätte man einen perfekten Podcast auf sicher. Falsch; der Aufwand bei für Vorbereitung, Gespräch und Postproduktion ist beachtlich.

Zedi: Dass ein Interview zu führen etwas ganz anderes ist, wenn man es anschliessend schriftlich produziert, als wenn man es (nahezu) 1:1 als Audiodatei auf die Welt los lässt. Dass meine Stimme nicht ganz so schlimm ist, wie ich früher dachte. Dass eine Episode nur so gut ist, wie die Vorbereitung und die Gäste, also dass ein guter Digitalk immer eine Teamleistung ist.

Euer grösste Podcast-Wunsch?
Schüssler: Noch mehr Hörer! Aus unserer Sicht ist bedauerlich, dass Radio und Fernsehen das Medium Podcast dominieren, indem sie mit Sendungen ins Netz stellen, die sie (mit Gebührengeldern) produzieren. Aus dieser Flut herauszustechen, ist schwierig. Auch weckt das bei den Hörern teilweise überzogene Qualitätsansprüche. Wir haben technisch viel gelernt, klingen aber nie so perfekt wie eine SRG-Studio-Produktion.

Zedi: Für unseren Podcast noch mehr Hörer, für den Tagi noch mehr Podcasts. Und für Podcasts generell, dass sie das Medium noch etwas mehr ausnutzen, also Bilder integrieren, Kapitel setzen (darauf bin ich besonders stolz am Digitalk) und Web-Links integrieren.

Mein Fazit:
Der Digitalk hat wachsenden Erfolg. Der Podcast wird regelmässig von hunderten von treuen HörerInnen heruntergeladen. Rekord-Sendungen brachten es gar in den niedrigen 5-stelligen Bereich. Mir zeigt der Digitalk, was für Profilierungs-Möglichkeiten in diesem Kanal steckt: gerade für eine «Special Interest»-Redaktion. Es zeigt aber auch, dass erfolgreiches Podcasting viel Zeit und Kraft braucht. Und dass jeder Podcast ein sauberes Konzept und viel Vorbereitung braucht. Als Highlight erwähnt Matthias Schüssler die Zuhörer-Aktion mit «Fotos beim Anhören des Podcasts».

Verena Paris | 15.04.2008

Blogger im Profil: Stephan Pörtner

stpoertner.pngStephan Pörtner ist Schriftsteller. Der Zürcher hat verschiedene Bücher, vor allem Krimis, veröffentlicht. «Köbi Santiago» ist sein jüngstes Werk. Doch: Wer Stephan Pörtner lesen will, muss nicht zwangsläufig seine Bücher kaufen. Es geht auch online: Der 43-Jährige hat sein Tagebuch auf der Homepage offensichtlich durchgestrichen und unterhält seit einiger Zeit einen Weblog. (Weil einer im «Web log …» )

Warum bloggen Sie?

Ich habe vor acht Jahren damit angefangen, als ich in Amerika war. Ich wollte einfach meine Eindrücke loswerden. Es ist ein Gefäss für Texte, die sonst nirgendwo Platz haben, die spontan entstehen.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Gute und schlechte – es gab schöne Rückmeldungen, Fanpost und Kontakte. Aber ich habe teils auch sehr unreflektiert gewettert in meinem Blog und das hat entsprechende Reaktionen ausgelöst. Das ist aber auch okay, als Schreibender hat man ja sonst nur ein sehr verzögertes Echo. Es hat mich gelehrt, umgänglicher und nachsichtiger zu sein.

Wann bloggen Sie?

Viel zu selten. Ich nehme immer wieder Anläufe, zur Zeit laufen Geschichten, die aus 100 Wörtern bestehen. Aber nachdem die ersten 30 flott veröffentlicht wurden, herrscht jetzt schon wieder Flaute. Ziemlich unregelmässig also. Sehr unregelmässig.

Stephan Pörtner bloggt nach dem Lustprinzip. Und trotzdem schreibt er ihm auch Marketingfunktionen zu: «Es hat schon Leute gegeben, die durch die Google-Suche in meinem Blog gelandet sind. So haben sich Kontakte ergeben.»

Dominik Allemann | 08.04.2008

Blogger im Profil: Die Uni Zürich bloggt

uni zürich jubiläumslogoDie Uni Zürich feiert den 175. Geburtstag. Neben der eindrücklichen Ausstellung, die Marcel hier beschrieben hat, öffnet sich die Uni auch in der Blogosphäre und will dort Wissen teilen: Seit Anfang März 2008 bloggen 14 AutorInnen aus 12 Themen.

Roger Stupf, Leiter der Abteilung Online der Uni, beantwortete (Danke!) uns die 3 Profilfragen zum Uniblog:

Wieso bloggt die Uni?
«Das Motto der 175-Jahr-Feier der Universität Zürich (UZH) lautet «Wissen teilen». Als wir den Webauftritt konzipierten, war uns klar, dass ein Blog sich hervorragend eignet, dieses Motto zeitgemäss im Web umzusetzen (dies fanden wir übrigens auch kürzlich durch den Artikel von Matthias Daum in der NZZ bestätigt, wo er über das Medium Blog schreibt : «Wissen wird angesammelt, ausgetauscht, vermehrt».) Wir haben deshalb zwölf Professorinnen und Professoren der UZH angefragt, ob sie über ihr Fachgebiet und ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit bloggen. Die Idee war, auf eine persönliche Art die Diversität der UZH zu zeigen und die verschiedenen Wissensgebiete der Öffentlichkeit näher zu bringen, eben das Wissen der UZH zu teilen.

Was ist Ihre wichtigste Blog-Erfahrung?
«Eine sehr schöne Erfahrung war, dass die Professorinnen und Professoren auf unsere Anfrage sehr positiv reagierten und fast ausnahmslos zusagten und nun motiviert mitmachen. Die andere Erfahrung war, dass wir selber ein ganz anderes, persönlicheres Bild der Tätigkeit unserer ForscherInnen an der UZH erhalten haben – nicht zuletzt auch durch die Videoporträts, die wir von den BloggerInnen gemacht haben, in denen sie sich vorstellen. Wir denken, dass durch den Blog die UZH mit ihren vielfältigen Wissensgebieten auch für eine breitere Öffentlichkeit greifbarer wird, sprichwörtlich ein Gesicht (oder Gesichter) bekommt. Und nicht zuletzt hat uns gefreut, dass der Jubiläumsblog die am meisten besuchte Seite der Jubiläumswebsite ist.»

Ihr grösster Blog-Wunsch?
«Wir hoffen, dass der Blog als Kommunikationsinstrument der UZH weitergeführt und etabliert werden kann – der Jubiläumsblog war auch als Experiment und Lernwiese gedacht. Für den Blog selber wünschen wir uns noch mehr Austausch, einerseits natürlich mehr Kommentare von den Lesenden, aber auch vermehrten Dialog zwischen den BloggerInnen der einzelnen Disziplinen – Interdisziplinarität also auch in der UZH-Blogsphäre.»

Mein Fazit: Wünschenswert, dass die Uni dieses Blogfenster auch nach dem Geburtstag offen lässt und dass diese Wissenschafter weiter bloggen. Weil: Das Format Weblog zwingt die AutorInnen in absoluter Reduktion ihre komplizierten Themen zu erklären. Für uns Laien öffnen sich so spannende Einblicke auf anschauliche Art. Man spürt die Leidenschaft, den persönlichen Antrieb der Forschenden. Was wiederum für die Uni eine grosse Chance ist, sich bei einer breiteren Bevölkerung zu «profilieren». Gerade auch in den Video-Podcasts gelingt dies sehr gut. Eine prima Gelegenheit, sich ein Bild zu machen, wer an unserer Uni an was forscht. Gleichermassen erstaunlich und enttäuschend ist hingegen die Anzahl der Kommentare auf die mittlerweile rund 60 Beiträge. Vielleicht ist der Respekt der LeserInnen und der Tausenden von StudentInnen vor den ForscherInnen dann doch zu gross…

Dominik Allemann | 10.04.2007

Blogger im Profil: Beat Temperli für Gymiblog.ch

gymiblog.ch.pngRegeln sind da, um sie zu brechen. Ausnahmsweise. So zum Beispiel unsere Bernetblog-Regel, nie über unsere **Kunden oder Mandate zu bloggen.

Heute gebe ich nämlich in unserer Reihe Blogger im Profil Beat Temperli das Wort. Er wird in wenigen Wochen am Gymnasium Unterstrass in Zürich sein Matura-Zeugnis entgegen nehmen. Darin enthalten auch eine Abschlussarbeit, wie sie heute jedeR MaturandIn zum Schulschluss ausarbeiten darf/muss. Er setzte darin für seine Schule den ersten Gymiblog der Schweiz um. Wir hatten diesen im Rahmen einer sanften Web-Renovation vorgeschlagen und konzipiert.

Wieso bloggst Du?
«ich blogge auf gymiblog.ch, ein portal vom gymnasium unterstrass.edu. wenn jemand dort bloggt, ist es, weil er sich persönlich an diesem virtuellen pausenplatz beteiligen will. es ist ein platz, auf dem die neusten news aus dem gymi ausgetauscht werden. wer dort dabei ist, weiss immer das neuste über die aktuellsten gerüchte über mitschülerInnen und lehrer. natürlich kann ich dort auch selber gerüchte in die welt setzen. als administrator ist man aber eher damit beschäftigt, zu schauen dass die schlechten und sinnlosen beiträge nicht die oberhand gewinnen. ich blogge, weil ich so das neuste aus der onlinecommunity des gymnasiums schnell und einfach erfahren kann.»

Was ist deine wichtigste Blogerfahrung?
«gymiblog.ch ist mein erster blog, den ich im rahmen meiner maturarbeit erstellt habe und nun freiwillig weiterführe. das erstellen dieses blogs, die programmierarbeit [das programm wordpress verstehen, lernen und anpassen] war der hauptaspekt meiner arbeit – und bis jetzt die wichtigste blogerfahrung.»

Was ist dein grösster Blogwunsch?
«zu beginn meiner maturarbeit habe ich noch nicht einmal gewusst, was ein blog ist. jetzt, ein knappes jahr später, habe ich einen “eigenen” blog. seit einem monat ist der blog jetzt online. die erwartungen von meinem betreuerteam und mir an die besucherfrequenz bei der veröffentlichung waren vorsichtig. umso glücklicher macht es mich, dass bereits bei beginn eine so grosse kundschaft, hauptsächlich schülerinnen und schüler, auf dem blog anzutreffen ist. mein wunsch ist, dass diese besucherströme auch in zukunft nicht verschwinden…»

Beats Worten kann ich nur beipflichten. Das Engagement von den Unterstrass-SchülerInnen ist erfreulich, viele Beiträge und Kommentare sind gelungen und auch Rektor Jürg Schoch und einige Lehrer haben den Ball aufgenommen und erkennen die Chance des neuen Kommunikations-Kanals. Mein persönlicher Wunsch an das Gymiblog: Dass aus dem Blog-Redaktions-Team (LehrerInnen, Schulleitung, SchülerInnen) und von Lehrenden und Lernenden noch mehr interessante, redaktionell gut aufgearbeitete Inhalte kommen. Themen, die über den Pausenplatzklatsch hinaus gehen und darum LeserInnen ausserhalb der Schule anziehen und interessieren. Ich bin sehr gespannt, wie sich Gymiblog.ch entwickeln wird.

** von wegen Kunden: Im Jahr 2001 durften wir den Neuauftritt des Gymnasiums und Institut der Pädagogischen Hochschule Zürich unterstrass.edu begleiten und betreuen seitdem die Kommunikation des sympathischen Bildungs-Ortes.

Sabine Betschart | 09.03.2007

Blogger im Profil: Roman Hanhart

Yoda

Unter dem fiktiven Star-Wars-Charakter «Yoda» betreibt Roman Hanhart sein Blog. Yodas Charaktereigenschaften «weise» und «leistungsfähig» stimmen mit Roman Hanhart überein. Zurzeit gönnt er sich eine Blogger-Pause – ab dem 13. März verfasst er wieder vermischte Meldungen aus der Blogosphäre, Politik, Computerwelt. Seine Schreiblust ist sehr gross, mehrmals täglich lässt er von sich hören. Persönlich treffen kann man ihn jeweils am letzten Freitag im Monat, am sogenannten Bloggy Friday , im Hauptbahnhof in Zürich.


Wieso bloggen Sie?

Einer der Gründe ist mein Ego. Gäbe es dies nicht, so würde ich nicht bloggen. Ich will mich präsentieren, von der besten Seite darbieten, zeigen was ich weiss oder zu wissen glaube. Ebenso suche ich die Bestätigung. Ich will nicht nur intuitiv spüren, dass ich mein Fach kenne, mein Ego will es wissen. Ich will herausfinden, wer und was ich bin. Und dazu benutze ich die Reflektion der Blogosphäre. Das tönt vielleicht trivial – dieser Vorgang ist jedoch hoch interessant! Letztlich bleibt jedem von uns nur das, was man hier gelernt hat. Ich meine im menschlichen Sinne. Und da kann uns das Internet einen guten Dienst erweisen, weil es rasch und günstig ein Netzwerk bereitstellt, das früher nicht existierte.
Die Bloggosphäre ist besser als ihr Ruf. Ich entdecke darin viel Gutes. Gerade weil sie aus individuellen Persönlichkeiten besteht, die gemeinsam etwas bewirken wollen. Dies ist nebst meinem Ego und seinem Drang nach Wunscherfüllung der wahre Grund meiner Aktivität. Meine Vision ist es, Einzelkämpfer zu vereinen. Diese Vision verfolge ich mit Begeisterung, Leidenschaft und viel Energie. Ich greiffe dabei auf ein vorhandenes Netzwerk zu und trage meinen Teil bei swissblogpress bei. Sollte sich der Verein von seinem missglückten Start erholen, sehe ich gute Chancen, dass sich daraus etwas Erfreuliches entwickelt.

Weiter nutze ich das Bloggen zum Austauschen von News und Meinungen. Persönlicher, fachlicher, politischer, wissenschaftlicher, sportlicher oder allgemeiner Natur.

Was ist Ihre wichtigste Blog-Erfahrung?

Aus einer virtuellen Gemeinschaft haben sich konkrete Freundschaften entwickelt. Menschen, die ich teilweise persönlich treffe, um mit ihnen eine Idee weiter zu entwickeln.

Ihr grösster Blog-Wunsch?

Die Erfüllung meiner Vision und ein paar Wünsche materieller Natur: Vorteile aus dem Bloggen herausziehen, die meine Lebensqualität erhöhen. Nicht nur der Lerneffekt, sondern auch finanzielle Vorteile. Nicht mehr hundert Prozent arbeiten zu müssen: dann hätte ich Zeit für all die spannenden Dinge, die man als Mensch erleben kann.

Sophie Graf | 28.02.2007

Blogger im Profil: Andreas Göldi

RTEmagicC_a_goeldi_small.jpg.jpgEin Blog ein Mann? Nicht so bei Andreas Göldi. Der Mitbegründer von Blogwerk führt sowohl einen deutschen als auch einen englischsprachigen Blog zum Thema Medienkonvergenz. Im Blog neuerdings geht es – etwas profaner – um die neusten technischen Entwicklungen von PCs, Handys und anderen Geräten. Unsere drei Fragen an den zurzeit in Boston weilenden Schweizer.

Wieso bloggen Sie?
«Ich habe mein Blog ursprünglich als reines Experiment angefangen, um zu sehen, wie schnell sich so etwas nur mit den Mechanismen des Internet verbreiten kann. Darum habe ich auch niemandem (ausser meiner Frau) davon erzählt. Ich war sehr erstaunt, als ich schon nach zwei Monaten hunderte von Lesern hatte und regelmässig darauf angesprochen wurde.

Inzwischen betreibe ich mein Blog, weil ich so zum öffentlichen Diskurs über ein für mich wichtiges Thema beitragen kann. Es ist sehr spannend, wo man überall zitiert und verlinkt wird und was für interessante Kommentare man oft erhält. Man lernt da wirklich jeden Tag viel dazu, entdeckt neue Perspektiven und lernt interessante Leute kennen.

Ausserdem bin ich auch Mitgründer der Firma Blogwerk AG, die derzeit ein Netzwerk themenspezifischer Blogs aufbaut. Auch dort schreibe ich gelegentlich mit. Ich glaube, dass Blogs absolut ihre Berechtigung als eigene Mediengattung haben und es eine Marktlücke gibt für Firmen, die das professionell machen.»

Was ist Ihre wichtigste Blog-Erfahrung?
«Ich hatte schon mehrere Fälle, wo sich Leute beklagt haben, wenn ich in meinen Ferien mal ein paar Wochen nicht gebloggt habe. Die treuen Leser wollen also ständig neues Material auf meinem Blog finden, und das motiviert mich natürlich zum Schreiben. Ein Blog ist eine gute Motivation, sich ständig mit den neusten Entwicklungen in einem Gebiet auseinanderzusetzen — aus eigenem Antrieb, aber auch, weil man plötzlich ein Publikum hat. Es ist schon ein gutes Gefühl, dass meine Blog-Artikel inzwischen von einigen tausend Leuten gelesen werden.

Andererseits kann das aber auch zur Belastung werden, denn man steht praktisch unter einem impliziten Publikationszwang. Zudem müssen Blogposts gut recherchiert sein, denn Fehler werden meistens sehr schnell von Kommentatoren angemahnt. Bloggen ist also eine sehr ambivalente Tätigkeit: Sehr motivierend und befriedigend einerseits, manchmal aber auch stressig.»

Ihr grösster Blog-Wunsch?
«Drei, wenn ich darf: Erstens wünsche ich mir, dass die Diskussion in der Blogosphäre (mindestens) so lebendig bleibt wie sie ist. Zweitens wäre es schön, wenn unter Bloggern weniger auf Ranglisten und Verlinkungsstatistiken geschielt würde und stattdessen die Qualität der Inhalte mehr im Vordergrund stehen würde. Und drittens würde ich mir wünschen, dass die klassischen Medien ihre Distanz gegenüber Blogs ablegen und diese neue Mediengattung akzeptieren würden.»

Mein Eindruck:
Wie verhalten sich neue und alte Medien zueinander? Wo gibt es Schnittstellen, Symbiosen, Wechselwirkungen? «Medienkonvergenz» ist für mich ein wissenschaftlich anmutendes Wort für ein spannendes Phänomen. Andreas Göldis Beiträge sind für Blog-Verhältnisse ungewöhnlich lang, präzis und zweisprachig. Ohne Zweifel: Hier steckt viel Arbeit dahinter!

Sophie Graf | 08.12.2006

Blogger im Profil: Martin Hitz

Bild 7.pngPointiert, gut recherchiert: Das Weblog „Medienspiegel“ wirft ein kritisches Auge auf die neusten Entwicklungen in der Schweizer und internationalen Medienszene. Hauptthema dieses Blogs ist die Schnittstelle zwischen alten und neuen Medien. Unsere drei Fragen an Martin Hitz, freier Journalist, Berater und “Medienspiegel”-Blogger.

Wieso bloggen Sie?
«Begonnen hat alles aus purer Neugier. Anfang 2003 wollte ich herausfinden, was denn dieses Weblog-Ding, von dem in den USA so viel die Rede war, überhaupt ist. Und dann hat eins das andere ergeben. In den ersten Monaten habe ich auf dem Medienspiegel vor allem auf medienrelevante Artikel verwiesen und mich so hauptsächlich als Informationsvermittler betätigt. Fast unmerklich bin ich dann aber allmählich auch dazu übergegangen, die eine oder andere persönliche Bemerkung anzubringen, und heute wage ich es durchaus auch, pointiert Stellung zu beziehen und “Ratschläge” zu erteilen. Ein Stück weit hat mir das Weblog so auch als Spielwiese gedient, die es mir ermöglicht, mit unterschiedlichen journalistischen “Genres” zu experimentieren.

Das Bloggen zwingt mich aber auch dazu, in meinem Fachbereich am Ball zu bleiben (siehe Beitrag ich bin jetzt ja auch ein Consultant!). Inzwischen kommt dem Medienspiegel aber auch eine gewisse Marketingfunktion zu. Den einen oder anderen Job bzw. Auftrag dürfte ich nicht zuletzt dank des Blogs erhalten haben. Nicht zuletzt setze ich den Weblog aber auch nach wie vor im ursprünglichen Sinn des Wortes ein, nämlich als Logbuch, das es mir erlaubt, interessante Links schnell und einfach festzuhalten.»

Was ist Ihre wichtigste Blog-Erfahrung?
«Erfreulich, erstaunlich, aber auch ein wenig erschreckend zugleich: Man wird offenbar gelesen!»

Ihr grösster Blog-Wunsch?
«Dass mir die Puste nicht ausgehen möge, denn sehr viel Zeit, Energie und Herzblut stecken inzwischen im Medienspiegel. Nicht schlecht wäre zudem, vom Bloggen leben zu können. Vielleicht in hundert Jahren?»

Mein persönlicher Eindruck: Guter Blog mit hohem Anspruch und interessanten Kolumnisten. Absolut lesenswert!

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