Social Media Guidelines: In 7 Schritten zu lebendigen Spielregeln

spielbrett mit figuren und würfeln_anrissBeim Online-Dialog verhält es sich wie beim Gesellschaftsspiel: Bevor die Würfel erstmals fallen, müssen Spielregeln definiert und den Mitspielern kommuniziert werden.

Dieser Beitrag enthält einen Auszug aus unserem aktuellen Anstoss-Newsletter. Dort gibt es über die Social Media Guidelines…

  • die nachfolgend beschriebenen «7 Schritte zu lebendigen Spielregeln»
  • drei Kapitel für den Inhalt
  • und praktische Vorlagen und Beispiele

Ein gemeinsames Verständnis über die Beteiligung am öffentlichen Online-Dialog ist ein Muss, weil Wissensstand, Motivation und Vorgeschichte sich bei allen Akteuren unterscheiden. Hier der Routinier, welcher sich seit Jahren auf allen Plattformen tummelt, dort der Skeptiker mit Distanz und Argwohn. In der Mitte die Organisation mit ihren Werten, Zielen und Inhalten.

Darum müssen wir Grundregeln nicht nur festlegen, sondern auch erklären und einführen. Diese sieben Punkte unterstützen dabei:

  1. Halten Sie die Spielregeln so einfach und kurz wie möglich.
  2. Beteiligen Sie Ihr Team an der Erarbeitung, in Kerngruppen, durch Vernehmlassung.
  3. Erarbeiten und veröffentlichen Sie die Richtlinien vor Ihrem ersten Social Media Auftritt.
  4. Halten Sie sich selbst daran – nur so sind Regeln glaubwürdig.
  5. Informieren Sie intern offen bei Überschreitungen oder Problemen.
  6. Werten Sie Regeln und Probleme jährlich einmal aus, mit Web/HR/Kommunikation.
  7. Korrigieren Sie Regeln, wenn sie veraltet, zu eng oder zu weit gefasst sind.

Das Thema ist wichtig – ergänzend zu unseren Tipps im Anstoss-Newsletter gibt es mehr dazu im neuen Buch «Social Media in der Medienarbeit». Es erscheint Ende September – via den Link kann man es vorbestellen und ein Gratis-Vorabkapitel zum Thema «Online-Monitoring» beziehen.

Links:
weitere bernetblog-Artikel über «Richtlinien»
Linksammlung bei Delicious über «Social Media Guidelines»
alle unsere Anstoss-Newsletters seit 2002 im Überblick
Abo-Link für den Anstoss-Newsletter (E-Mail, ca. 6x jährlich)

Fundraising ohne administrativen Aufwand

Pfandknopf Schweden

Skandinavien ist bekannt für soziales Engagement. In Schweden werden Fundraising-Möglichkeiten in den Alltag integriert – mit einem Knopfdruck kann ich zu einem grünen Afrika beitragen.

Wir alle kennen sie, die lästigen Telefonanrufe oder netten Hinweise auf der Strasse, dass wir wiedermal etwas Gutes tun sollten. Nach langen Erklärungen kommen die Fakten auf den Tisch: Geld wollen wir von euch. In meinen Ferien in Schweden überzeugte mich ein wirkungsvolles Fundraising-System, integriert in den Alltag.

Bei der Flaschen- und Aludosen-Rückgabe im Supermarkt entscheide ich mit einem Knopfdruck, ob ich zu einem grünen Afrika beitragen möchte.

pfand_knopf_se

Das grüne Afrika bedeutet folgendes: Mit der Rückgabe von vier PET-Flaschen (Wert von vier Kronen = 0.60 CHF) spende ich einer Familie einen Leitfaden mit Erklärungen, wie der Anbau die Dürre übersteht. Mit einer Spende von sechs Kronen (0.85 CHF) schenke ich eine Mangopflanze, die bis zu drei Jahre Früchte trägt.

Dass Fundraising im Kleinen beginnt, gefällt mir. Mit einem einzigen Knopfdruck und einem konkreten Produkt werden Spender generiert. Und der administrative Aufwand bleibt für alle enorm klein.

Zensekunden Murmeltier: Ich bin dann mal hier

Die Ferien sind vorbei, auch in Zürich. Alle, die dann mal weg waren, beanspruchen wieder ihren Platz am Bildschirm, in Stau und Warteschlangen. Postkarten-Dankeschön erinnern an vergangene Frei-Tage.

Auch ich habe mir eine Woche gegönnt. Postkarten habe ich kaum vorgefunden nach meiner Rückkehr, Handgeschriebenes bleibt eine Besonderheit im Zeitalter der digitalen «Gefällt mir». Mein Gruss passt zur Neuzeit, endlich habe ich mir wieder mal Zeit für zehn Sekunden Video samt Bearbeitung genommen. Geholfen hat dabei die Stabilisierungsfunktion von iMovie, mein Wackelzoom ist weichgeglättet. Die Murmeltier-Kolonie an den Hängen oberhalb von Zillis zeigte sich zutraulich, auf die Alp Taspegn verirren sich wenige Wanderer. Das hier macht einen Abgang – allen, die zurück im Bau sind, wünsche ich mit Robert Musil einen guten Start:

«Manche Menschen reisen hauptsächlich deshalb in den Urlaub, um Ansichtspostkarten zu kaufen, obwohl es doch vernünftiger wäre, sich diese Karten kommen zu lassen.» (Weitere Zitate zum Thema «Freizeit»)

YouTube-Link zum Film

Mirjam Torres | 18.08.2010 | Dies & Das

Buchempfehlung: Schockierende Fakten im Bild

shocking_global_coverJeden Tag lesen wir Zahlen die uns nachdenklich stimmen oder zum denken anregen. Trotzdem vergessen wir solche Informationen schnell wieder. Ein britisches Design-Buch will dem entgegenwirken.

«Ganze fünf Länder kontrollieren über einen Drittel der Weltbank: Amerika, Japan, Deutschland, Frankreich und England». Bildlich dargestellt ist diese brisante Information im Buch «The little Book of Shocking Global Facts». Auf knapp 200 Seiten veranschaulicht die Publikation alarmierende Fakten zur Weltbevölkerung, Umwelt, Handel und Krieg.
Die Daten stammen beispielsweise von der UNO. Zusammengestellt vom britischen Design Studio «Barnbrook Design» geben die 100 Illustrationen bedenklichen Daten ein Gesicht: «This landmark publication demonstrates compellingly through words and pictures that unfettered globalization is a highly destructive force when used for profit or political power, and that a new compassionate world order needs to be instigated».
Die Symbolik der Bilder reicht von bunt psychodelisch anmutenden Zahlen auf schwarzem Hintergrund bis hin zu indianisch angehauchten Zeichnungen. So regen die provokativen Bilder zum Denken an. Das ist das erklärte Ziel der Autoren: Die Illustrationen sollen das Herz und den Verstand der Betrachter verändern. Die Autoren wollen die Globalisierung hinterfragen. Dies gelingt mit wenigen Informationen kombiniert mit einer treffenden Symbolik.

Link zum Buch bei Amazon (Partner-Link)

Direkte Kommunikation: Ungehörtes wird wiederholt

OhrEin Gespräch dreht sich im Kreis, immer wieder kommen die gleichen Argumente auf den Tisch. Vielleicht weil ein Gesprächsteilnehmer das Gefühl hat, man höre ihn nicht. Wirklich hinhören hilft.

Ob im Interview, in Sitzungen oder privat: Manchmal wird das stets Gleiche wiederholt und wiederholt. Nervig, wenn es um – aus meiner Sicht – Unwichtiges oder einen falschen Standpunkt geht. Und ob privat oder im Fernsehen: Mit einem «Das hast du schon gesagt» oder «Ja,ja, ich hab’s verstanden» treten wir auf der Stelle. Ein ungehörtes Argument wird so lange wiederholt, bis es gehört wird. Gehört aus der subjektiven Sicht des Sendenden.

Sobald mir bewusst wird, und das ist oft das Schwierigste, dass ich in einem Gespräch in der Wiederhol-Schlaufe stecke, versuche ich, auf dieses wiederholte Argument einzugehen. «Sie meinen also, dass wir das auch berücksichtigen müssen. Warum denn?»

Manchmal erfährt man dann etwas Neues, entdeckt ein Missverständnis. Manchmal kann der andere einfach darlegen, was ihm wichtig ist. Ich habe dabei erfahren, dass so ein Ausstieg aus der Schlaufe und oft ein Aufstieg auf eine andere Gesprächsebene möglich ist.

Hilfreiche Trockenübungen für besseres Zuhören und mehr: Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg

Mirjam Torres | 13.07.2010 | Dies & Das

Buchempfehlung: Hotel-Geschichten mit Lachpotential

irving hotel coverDie Sommerferien stehen vor der Tür. John Irvings Buch «Das Hotel New Hampshire» erzählt von einer nicht traditionellen Hoteliers-Familie. Die ideale Sommerlektüre für den ersehnten Tapeten-Wechsel.

Die Hauptfiguren sind die fünf Kinder, deren Eltern, der Grossvater und ein alter Hund. Frank, Franny, John, Lilly und Egg heissen die Kinder. Der zweitälteste John übernimmt die Rolle des Erzählers. Zu Beginn des Romans steht die Kennenlern-Romanze der Eltern Win und Mary im Jahr 1939. Sie begegnen sich während eines Ferienjobs im Hotel Artbuthnot. Dort treffen sie den österreichischen Juden Freud und seinen schlecht dressierten Bären. Eine folgenschwere Begegnung, die später mit einem Umzug nach Europa besiegelt wird.

Turbulenzen vorprogrammiert
Die Abenteuerlust des Vaters ist die treibende Kraft des Buchs. Seit seinem Sommerjob faszinieren ihn Hotels. Nie um eine Idee verlegen, kauft er die ehemalige Mädchenschule in Dairy. Dies ist das erste Hotel New Hampshire. Die insgesamt drei Hotels New Hampshire bieten Platz für viele Geschichten. Wer jetzt an Glamour-Parties und High Society-Anlässe denkt, liegt falsch. Die Geschichten handeln von der Kinder- und Jugendzeit der fünf Geschwister. Das Hotel dient als Schauplatz. Die Sichtweisen und die Dynamik zwischen den drei Generationen liefern höchst amüsante Geschichten. Die kleinwüchsige Lilly schreibt um zu wachsen, Frank liebt Uniformen und die Männerwelt. Franny ist die starke Schwester und John ihr grosser Bewunderer. Egg, der jüngste, lebt in seiner eigenen Welt und haucht dem alten Hund Kummer neues Leben ein. Mit der Familie lebt Grossvater Iowa Bob. Er ist der ruhende Pol und auch der fitteste.

Exkurs in die Vergangenheit
Die witzigen Anekdoten, die Fragen und Anmerkungen der Kinder, versetzen mich in meine eigene Kindheit zurück. Der Nachwuchs nennt die Dinge beim Namen. Die Eltern suchen nach vernünftigen Erklärungen. John Irving versteht es, alltägliche Ereignisse mit viel Humor pointiert wieder zu geben. Sein flüssiger und leichter Schreibstil gefällt mir. Die knapp 600 Seiten sind schnell gelesen. Wer die einfach verständliche englische Ausgabe liest, spart 100 Seiten.

Link zum Buch bei Amazon (Partnerlink)

Pflichtlektüre für PR-Profis: Standardwerk «Public Relations»

public relations coverEin Fachbuch für jedes PR-Büchergestell: «Public Relations – Corp. Communications für Kommunikations-, Marketing- und Werbeprofis» ist in überarbeiteter Auflage erschienen. Für Anfänger und Profis.

Die Autoren Bernhard Müller und Angela Kreis-Muzzulini haben mit dem über 500-seitigen PR-Schmöker das Standardwerk neu aufgelegt. In fünf übersichtlichen Kapiteln (Grundlagen, Praxis, Profi-Chech-Up, Checklisten, Anhang) beschreiben sie in klarer, verständlicher und praxisnaher Art das Was, Warum und Wie der Public Relations. Nicht verheimlichen will ich, dass wir von Bernet_PR auch noch einen Gastbeitrag über das «Online-Monitoring» beitragen durften (s. 197 ff.).

Mir gefällt als Übersicht der Profi-Check-Up sehr gut. Via mehr als 160 Fragen aus allen Wissensgebieten der PR lässt sich das eigene Know-how wunderbar testen, auffrischen und ergänzen.

Auf der beigelegten CD-ROM sind diese Fragen auch drauf. Genauso wie Checklisten, Standardverträge und Glossars.

Link zum Buch beim Orell Füssli Verlag.
(Ich hätte gerne auch Amazon verlinkt – aber dort war noch die alte Auflage drin – nicht, dass es noch Enttäuschungen gibt.)

Mirjam Torres | 27.04.2010 | Dies & Das

Fotograf schiesst Bilder – ohne Kamera

mirjam torres webcamEin Foto-Künstler schiesst Bilder ohne eigene Kamera. Weltweit. Machen Sie sich heute ein Bild von mir. Ich ergänze ab sofort das bernetblog-Team.

Kurt Caviezel besitzt ein Fotoarchiv mit über drei Millionen Bildern. Keines hat er selbst geknipst, aber alle selber ausgewählt. Seit zehn Jahren schon besucht  er allgemein zugängliche Webcams, sammelt die Bilder und teilt sie in verschiedene Rubriken ein. Unter Botschaften mitteilen gibt’s Leute mit Zettel-Botschaften, auf Fahrrad hochhalten sieht man Biker mit Gefährt nach getaner Tour. Der Foto-Sammler sagt dazu: «Webcams sind unsere in den Lauf der Dinge eingebetteten Berichterstatter».

Der Foto-Findungs-Prozess unterscheidet sich laut Caviezel kaum von dem eines gewöhnlichen Fotografen: «So eilt man, wie der herkömmliche Fotograf auf der Pirsch, von Cam zu Cam, von Kontinent zu Kontinent und hofft auf Zeit und Ort».

Die Bilder zeigen – in unterschiedlichsten Teilen der Welt aufgenommen – doch immer wieder Ähnliches. Vögel beispielsweise, scheinen auf der ganzen Welt eine Vorliebe für Webcams zu haben. Solche Bilder könnten mit einer herkömmlichen Kamera kaum eingefangen werden.

Als Bloggerin auf der Bernet-Webcam
Seit diesem Monat arbeite ich bei Bernet_PR. Nach vier Jahren New York freue ich mich auf spannende Projekte in der Schweiz. Dieses Bild schoss ich übrigens mit der Webcam meines Computers. Falls Sie mehr über mich erfahren wollen, klicken Sie auf mein Bild im Teambalken und lesen Sie ab heute meine Blog-Einträge.

mirjam torres webcam

Marcel Bernet | 14.04.2010 | Dies & Das

Dalai Lama: Selbstwert führt zu Gemeinsinn

dalai lama in zürichSpezialisten aus Hirnforschung, Psychologie, Soziologie, Wirtschaft und Spiritualität diskutierten dieses Wochenende Egoismus,  Gemeinsinn, persönliche und wirtschaftliche Entwicklung. Vom Besuch nehme ich einen Anstoss zu mehr Übung mit.

Von Freitag bis Sonntag hat der Dalai Lama in Zürich die Konferenz «Altruismus und Mitgefühl in Wirtschaftssystemen» besucht. Durchgeführt wird sie zum zwanzigsten Mal vom Mind and Life Institute, das er mitgegründet hat.

Religionsoberhaupt, Inspiration, Leichtigkeit
Wenn «seine Heiligkeit» den Raum betritt, wird der Saal des Kongresshauses still. Ich sehe im Dalai Lama eine inspirierende Verbindung von religiöser Führungsperson, wachem und offenen Geist mit einer kindlichen Leichtigkeit. Diese drückt sich schon in der Einleitung aus, begleitet von vielen Lachern: Von Geld und Wirtschaft habe er keine Ahnung, aber vom Geist. Und wenn wir zufrieden seien durch Geld, dann beginne das ja immer im Geist, in den Gefühlen. Deshalb könne man Geld und Geist nicht trennen – im Original:

Gemeinsinn beginnt beim Ich
Der Sozialpsychologe Daniel Batson, die Hirnforscherin Tanja Singer und der Psychologe Richard Davidson zeigen am Freitagmorgen auf, dass wir nicht nur vom Egoismus getrieben sind. Gemeinsinn ist in uns angelegt, wird auch unbewusst ausgelöst, hat aber je nach Situation verschiedene selbst-bezogene Barrieren zu überwinden. Gemeinsinn kann man trainieren – wobei rein kognitives Training (nach dem Motto: lerne, dass es gut ist, liebevoll zu sein) gar nichts nützt. Wogegen täglich dreissig Minuten Meditation auch bei völligen Anfängern schon nach zwei Wochen eine messbare Verstärkung von gemeinnütziger Motivation und Handlung erreichen.

Das Loslassen üben
«Selbstzentriertes Streben nach Glück ist völlig in Ordnung,» beginnt der Dalai Lama eine Diskussion. «Das Ich ist immer präsent, in allen. In Buddha. In mir. Um Gemeinsinn zu üben, brauchen wir ein starkes Gefühl von Selbst, Selbstvertrauen, Stärke.» Das Ich habe viele Ebenen. Aus Selbstvertrauen und Stärke könne Zuneigung wachsen, aber auch Hass. Deshalb liege der Schlüssel darin, sich immer wieder zu lösen. Wegzukommen von Ablehnung und Anhaftung, Widerstand und Festhalten. Das brauche Übung. Genauso wie Klavier spielen. «Es kann nicht sein, das Gemeinsinn und Mitgefühl einfach so vorhanden sind, immer, verfügbar – im Gegensatz zu anderen Talenten, die wir erst durch Lernen und tägliches Üben zur vollen Blüte bringen.»

Loslassen üben – leicht gesagt. Aber wenn ich meine Ungeduld mit mir selbst und anderen betrachte, wird mir sofort klar, woran ich arbeiten will.

Marcel Bernet | 08.03.2010 | Dies & Das

Zensekunden: Märzwinter in Zürich

frauschneeAm Samstag zwangen tanzende Schneeflocken die Stadt zur Entschleunigung. Zürich steht vor einer Winterwoche.

Schnee war angesagt, aber mit so viel hatte niemand gerechnet: Die einen klagten über das Verkehrschaos und ausfallende Busse, ich genoss einen Winterspaziergang. Die Stadt mit ihrer ganzen Hektik erschien plötzlich als ruhige, gemütliche Schneelandschaft. Der Schnee wird uns diese Woche erhalten bleiben, bei Sonne und tiefen Temperaturen. Als kurzes Intermezzo vor der nächsten Runde Richtung Frühling.

In der Nähe unserer Büros blicken seit 1935 zwei Damen auf den Platz, wo damals der Kartoffelmarkt stattfand. An der Ecke Rämistrasse / Waldmannstrasse – mehr zum Schalenbrunnen auf Wikipedia.

Gedenkstätte online: britische Gefühlskiste

GoneTooSoon

Die Plattform GoneTooSoon ist eine Sammlung virtueller Gedenkstätten. Die Trauernden hinterlassen dort Gefühlsbotschaften – für jeden zugänglich und einsehbar.

Gedenkstätte auf Friedhöfen laden dazu ein, um mit Verstorbenen in Kontakt zu treten. In Grossbritannien kann man sich den Weg zum Friedhof ersparen: es wird virtuell am Bildschirm getrauert. Die Plattform GoneTooSoon unterhält Gedenkseiten für  Verstorbene. Die Eröffnung und Pflege ist jederzeit möglich und einfach. Es braucht keine Blumen, die mühselig angeschleppt und gepflegt werden wollen. Die Pflege beinhaltet Gedanken übermitteln, Ehrungen überbringen, Kerzen anzünden. Zudem kann ein Photoalbum erstellt werden. Für jeden ist einsehbar, was andere überbringen und wie andere trauern. Die Plattform kann auch für verstorbene Tiere genutzt werden.

Eine mir fremde Art sich einem Verstorbenen zuzuwenden und mit ihm in Kontakt zu sein. In meinen Augen kann am Bildschirm nicht die dafür nötige Atmosphäre entstehen. Ich brauche Stille in der Kirche, der Wind im Haar auf dem Friedhof. Es gibt Dinge, wofür der Computer nicht geeignet ist.

Kontrolle übers Denken zurückgewinnen

schirrmacher_payback_coverFrank Schirrmacher schreibt in seinem neuesten Buch Payback «Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen.»

Eine Welt ohne Computer kann sich auch Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, nicht vorstellen. In diesem Buch zeigt er, wie wir uns im Google-Facebook-Twitter-Zeitalter ständig ablenken lassen. Dass wir eine emotionale Beziehung zu unseren technischen Begleitern entwickeln. Und dabei laufend Persönliches preisgeben.

Amüsant und gut verständlich ist sein Junkfood-Vergleich. Ohne zu moralisieren erklärt er anhand der Hirnforschung, wie Verführung online funktioniert. Die Online-Welt ist eine «All-you-can-read-Welt». Also müssen wir Wege finden, um uns nicht ständig zu überfressen. Und die gleichzeitige, geistige Mangelernährung verhindern.

Schirrmacher schildert Situationen, die wir Online-Junkies täglich erleben. Er überzeugt, weil er nicht schwurbelige Verschwörungstheorien pflegt, sondern eine Entwicklung aufzeigt, die niemand wirklich kontrolliert.

Infos zu Payback

Marcel Bernet | 20.01.2010 | Dies & Das

Zensekunden Schneeschuhschatten

zensekunden_oberalpEndlich wieder mal so ein Querschläger hier im bernetblog: Zensekunden auf dem Weg zum Pazolastock.

Aufgenommen habe ich dieses Schattenspiel am letzten Samstag – aber es behält dank der anhaltenden Nebeldecke seine Aktualität. Beim Aufbruch zu dieser Tour mit Brett auf dem Rücken hatte ich noch genug Pfuus, um die Kamera einigermassen ruhig zu halten. Mehr Bilder vom wunderbaren Aufstieg auf meiner Facebook-Seite.

Zürcher PR Gesellschaft: Die Branche feiert das Neujahr

triofromhellDie PR im Jahr 2010 ist ehrlich, authentisch, direkt. Und so war der ZPRG Neujahrsapéro mit Programm und Location der etwas anderen Art.

Im Auftrag und als Teil des ZPRG-Vorstandes durfte ich als «Tätschmeister» die Verantwortung für diesen speziellen Jahresauftakt tragen. Die weit über 100 erschienenen ZPRG-ler feierten dann am vergangenen Dienstag ganz ausgelassen im famosen Zürcher Musikklub Helsinki. Musikalisch begleitet vom «Aad Hollander Trio from Hell», verköstigt von den Störköchen der «Cucina Paradiso» (empfehlenswert: flexibel, kreativ, sympathisch).

helsinki
(Fotos Markus Senn)

Das Helsinki und seine Hausband («Hier spielen wir jeden verdammten Sonntag – seit fünf Jahren!») haben sich mit schnörkelloser, aber äusserst charmanten Art in die Herzen vieler Musikliebhaber/innen gespielt – und es so zur Bekanntheit bis weit über die Landesgrenzen gebracht. Und so schwangen auch einige der ZPRG-Mitglieder das Tanzbein zum Blues, Polka, Rockabilly und Boogie des Trios.

Link Bildbericht auf der ZPRG-Website (wer findet das Bernet_PR-Team?)

Neu Online: Postkartenarchiv der Zürcher ETH

seegfrörni_archivWer liebt das nicht: Uralt-Postkarten mit Ansichten von vertrauten Umgebungen. Ein Riesenschatz liegt im Bildarchiv der ETH Zürich – und ist neu online verfügbar.

Wie war das bei der Seegfrörni 1929? Wie sah die gigantische «Schwebegleitbahn» über dem Zürichsee anlässlich der Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung 1947 aus (s. Bild unten)? Wir waren nicht dabei, stöbern aber gerne in den Fotoalben unserer Vorfahren. Dies ist seit Dezember möglich im riesigen (Online-)Archiv der ETH (Pressemitteilung vom 8.12.). Von besonders grossem Reiz ist die Postkartensammlung des Unternehmers und Fotografen Adolf Feller (1876 – 1931), auffindbar via http://ba.e-pics.ethz.ch, unter «Bestände»das Stichwort «Postkartensammlung Adolf Feller» anklicken.

ZUKA

Ein Wermutstropfen für Archiv-Wühlmäuse ist die etwas holprige Usability des Archivs. Es empfiehlt sich mit möglichst klaren Suchbegriffen zu agieren, anstatt in den verschiedenen Sammlungen zu «wühlen». Viel Spass.

Beitrag zum Thema im Online-Tagi vom 9. Dezember 09

Was ist eigentlich: … Augmented Reality?

USB SlotsErweitert man menschliche Sinneswahrnehmungen mit computerunterstützten Infoelementen nennt sich das «Augmented (erweiterte) Reality». Bereits heute wird dieser IT-Megatrend immer mehr Teil unseres Alltags.

Mir persönlich begegnen diese «erweiterten Realitäten» bereits in Sportübertragungen: Was diskutierten wir einst noch Freistoss-Distanzen… Heute misst sie die Maschine und blendet sie zentimetergenau ins Fernsehbild ein. Das Einsatzgebiet von «AR-Funktionen» ist breit. Wikipedia listet sie wie folgt:

  • Hilfestellung bei komplexen Aufgaben (Industrie, Medizin)
  • Navigation (Auto, Flugzeug)
  • Militär- und Katastropheneinsatz
  • Hydrologie (Wasserwirtschaft), Geologie (Geländemerkmale), Ökologie
  • Architektur (Visualisierungen im Live-Format)
  • Teamkollaboration
  • und natürlich Unterhaltung, Unterhaltung, Unterhaltung

Grundsätzlich lassen sich alle Sinne virtuell erweitern. Heutige Anwendungen beschränken sich aber weitgehend auf das Sehen. Visualisierungen werden via Bildschirm, Spezialbrille oder gar Iris-Implantat eingeblendet. Gesteuert werden die Informationen durch einen Fingerzeig, einen Blick – und einst vielleicht lediglich via Nervreiz…

Bereits sind im iPhone App Store einige Anwendungen im Angebot, die zeigen wohin es gehen kann. Allerdings beschränken diese sich hauptsächlich auf die Disziplin Navigation, Tourismus. Aber es lohnt sich, ein wenig darin zu stöbern:

10 Amazing Augmented Reality Apps (Mashable, Dezember 09)
17 Best Augmented Reality iPhone Apps (iPhoneNess, Dezember 09)
Augmented Reality auf dem iPhone (Heise, August 09)

Ach ja – ich selber darf auf meinem iPhone  nicht mitmachen bei der «AR»… Dies ermöglicht erst der eingebaute Kompass der iPhone Version 3G.

Weiter Beiträge in der Reihe «Was ist eigentlich: …:
…Cloud Computing?»
…ein Screencast?»
…das Semantic Web?»
…Web Compliance?»
…Twitter?»
…ein Social Press Release?»
…ein Widget?»
…die Craigslist?»

Advents-Lesetipp: Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte

austerWer erinnert sich an den Zigarrenverkäufer Auggie Wren in Paul Austers Filmen «Smoke» und «Blue in the Face»? Ursprung der Filmklassiker ist eine kleine Weihnachtsgeschichte.

Sie erschien erstmals am Weihnachtstag 1990 in der New York Times. Und lieferte Regisseur Wayne Wang den Spielfilm-Stoff. Der kleine schöne Einband aus dem Rowohlt Verlag ist in 20 Minuten gelesen. Illustriert ist er mit stimmigen Brooklyn-Schwarz/Weiss-Impressionen. Ein wunderbares Adventsmitbringsel für Möchtegern-Heimweh-New Yorker…

Aus dem Klappentext:
Auggie Wren arbeitet als Verkäufer in einem Zigarrengeschäft an der Court Street in Brooklyn. Hier kauft Paul immer die kleinen holländischen Zigarren, die er so gerne raucht. Jahrelang hat Paul keinen Gedanken an den seltsamen kleinen Mann im blauen Kapuzenshirt verschwendet. Bis Auggie ihn eines Tages fragt, ob er bereit sei, sich seine Fotografien anzusehen. Als Paul mehr über Auggies grosse Leidenschaft, das Fotografieren, erfahren will, erzählt dieser ihm eine Geschichte: von einem Ladendiebstahl, einer verlorenen Geldbörse und dem kleinen Schwindel, den er einer alten, blinden Frau vorspielt. Eine echte Weihnachtsgeschichte eben …

Paul Auster «Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte» bei Amazon

Je mehr Klicks, desto mehr $?

dollar-zeichenHeute muss ja alles messbar sein, wir PR-Leute können ein Lied davon singen. Mit ValuateMySite.com lässt sich jetzt auch der Geldwert von beliebigen Internetseiten berechnen.

Haben Sie sich jemals gefragt, wie viel Ihre Internetseite wert ist? ValuateMySite.com berechnet den Wert von Internetseiten:

  • Amazon.com: 340,512,336 USD
  • Facebook.com: 340,512,336
  • Blick.ch: 572,027 USD
  • Tagesanzeiger.ch: 383,656 USD
  • NZZ.ch: 284,273 USD
  • Bernet.com: 49,383 USD

Interessant, dass Blick.ch deutlich mehr wert ist als der Internetauftritt des Tages-Anzeigers oder der Neuen Zürcher Zeitung. Das unser eigener Auftritt immerhin knapp 50′000 USD erreicht, schmeichelt natürlich.

ValuateMySite.com nutzt dazu laut eigenen Angaben mathematische und statistische Methoden. Die Anwendung misst die Anzahl Besucher einer Internetseite und analysiert die vorhandenen Informationen im Internet über die Seite. Das ist natürlich alles relativ. Wie immer, wenn es darum geht, einen immateriellen Wert zu messen. Einfacher noch ist es, zu schauen, wie viele Treffer die Internetseite auf Google erreicht:

  • Blick.ch: 995′000 Treffer
  • Tagesanzeiger.ch: 574′000 Treffer
  • NZZ.ch: 494′000 Treffer

Die Rangfolge bleibt jedenfalls dieselbe. Wieder einmal ist alles nur eine Frage der Suchmaschinen-Optimierung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr zum Thema im bernetblog:

Journalisten im Internet: Acht Tipps für Online PR, 26.08.2009
Barrierefrei = Suchmaschinen-optimiert, 11.05.2007
Suchmaschinen-Optimierung, 16.02.07

Die besten Online-Adventskalender

Frohe Adventszeit!Für alle die heute noch kein Törchen öffnen durften, habe ich eine kleine Auswahl Online-Adventskalender zusammengestellt. Frohe Adventszeit!

Ich liebe es, jeden Tag eine Überraschung zu erhalten. Meinetwegen könnte es einen 365-Tage-Adventskalender geben. Gleich vorweg muss ich eingestehen, dass ich das Angebot online sehr bescheiden finde. Ich hoffe, mit meiner Auswahl habe ich die Rosinen erwischt!

Sue-Ann’s Adventskalender:
Der liebevollste Adventskalender, umfangreich mit Gedichten, Geschichten und Rezepten

Uli Stein Adventskalender:
Jeden Tag ein anderer Cartoon von Uli Stein

Adventskalender vom Schweizer Fernsehen:
Der professionellste Adventskalender mit Bonbons aus dem SF-Archiv

Pixelfreund-Adventskalender:
Geheimtipps aus dem Blogarchiv und den Favoriten von Pixelfreund

Sandmänchen-Adventskalender:
Herziger Adventskalender mit Sandmännchen-Filmen für Nostalgiker

24 Sinnessprüche zum Nachdenken:
Der besinnliche Adventskalender – jeden Tag ein Bild und ein Gedanke

Der Adventskalender vom Vorjahr:
Lustgier Adventskalender mit Sprüchen, Rätseln und Catoons aus 2008

Max Havelaar-Adventskalender:
Der nachhaltige Adventskalender für Shopaholics mit Gewinnspiel

Twitter-Adventskalender:
Virtuelle Bescherung mit anonymen Twichtel-Tweets

Ich freue mich über witzige Ergänzungen. Dieses Jahr ist es zu spät, aber vielleicht ist das ja genug Anregung, um es nächstes Jahr selbst besser zu machen!

Wer hat’s erfunden?
Die wohl früheste Form des Adventskalenders stammt übrigens aus dem Jahr 1851 – so alt ist der Brauch also noch gar nicht. Und er wurde von Beginn an als Handelsartikel entworfen und kommerziell genutzt – also nicht erst heute! Das erste gedruckte Exemplar verdankt seine Existenz den Kindheitserlebnissen des schwäbischen Pfarrersohnes Gerhard Lang (1881-1974) aus Maulbronn. Seine Mutter zeichnete 24 Kästchen auf einen Karton, auf jedes war ein «Wibele» genäht. Gerhard Lang (später Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang) druckte 1908 in München den ersten Adventskalender, dabei verzichtete er auf die Gebäckstücke und verwendete stattdessen farbenprächtige Zeichnungen. Arme Familien konnten sich im 19. Jahrhundert keinen Adventskalender leisten. Sie machten Kreidestriche an die Tür und wischten täglich einen weg. Oder die Kinder durften bis zum heilligen Abend jeden Tag einen Strohhalm in die Krippe legen, um dem Christkind ein weiches Bett zu bereiten.

Anstoss-Newsletter: Mit sich selber befreundet sein

regenschirm_im_schnee_quadratDie Weihnachtstage rücken näher. Erholung vom Ritt auf dem Alltagskarussell ist in Sicht. Eine Gelegenheit, sich in der «Kunst der Lebensführung» zu üben. Der aktuelle «Bernet-Anstoss» darum: philosophisch aber konkret.

Mit unserem E-Mail-Newsletter (Abo, Archiv) geben wir im Zweimonatsrhythmus Anstösse mit Praxistipps. Neben Fachlichem thematisieren wir  auch Philosophisches – zum Beispiel in der November-Ausgabe das «Mit sich selbst befreundet sein – Die Kunst der Lebensführung». Vielleicht lässt uns diese Fertigkeit, oder zumindest die Übung darin, ein wenig zur Ruhe zu finden. Um Kraft zu schöpfen für den schnellen Alltag.

Selbstliebe – wo alles beginnt
Unser Anstoss beschreibt die Kunst des «Loslassens» und die zehn Fächer in der Schulung des Bewusstseins nach Wilhelm Schmid. Und macht Vorschläge für Ihren ganz konkreten Akt der Selbstliebe. Hier ein Auszug:

  • Staunen Sie darüber, was Sie können und erreicht haben. Blicken Sie für einmal zurück auf den bisherigen Weg – anstatt immer nach oben, auf den Gipfel zu starren.
  • Stellen Sie sich vor, ein Geschenk zu sein für sich und andere. Das fällt oft schwer. Denn wir werden dauernd beurteilt, beurteilen andere – und uns selbst am strengsten. Gibt es eine Person, die für Sie ein Geschenk ist? Öffnen Sie sich für die Vorstellung, dass diese Person sie ebenfalls als Geschenk empfindet. Dieser Einstieg kann Ihnen die Selbstakzeptanz erleichtern.
  • Geben Sie Wertschätzung weiter, ohne Erwartung. Sagen Sie anderen, was Sie an ihnen schätzen. Nennen Sie die konkrete Handlung, wie Sie diese erleben, was sie bei Ihnen für Gefühle auslöst. Ohne damit etwas erreichen zu wollen – weder Wohlverhalten noch Dankbarkeit.

Wie immer mit so konkreten Tipps zur Lebensführung. Es braucht Geduld, bis sie eingesickert sind in das tiefste Innern unserer Gewohnheiten. Aber sind sie dort einmal angekommen… Wir wünschen auf diesem Weg kurzweilige Lektüre des November-Anstosses.

Weitere «philosophische» Bernet-Anstösse:
«Stille – 5 Tipps zum Abschalten», November 2008
«Ausdauertipps  für Arbeit und Freizeit», August 2006

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