Sonja StieglbauerSonja Stieglbauer

Senior Beraterin.

Eidg. dipl. PR-Beraterin, Marketingassistentin und Product Manager in der IT, Leiterin Kommunikation bei einem öV-Unternehmen in Bern. Stürzt sich gern ins und aufs Wasser, mit und ohne Wind.

Beiträge von Sonja Stieglbauer:

17.03.2010

Abstimmungskampagnen mit wenig Wirkung

Collage Politische Plakate von politischesplakat.blogsport.deDer Politologe Hanspeter Kriesi hat untersucht, ob und wie Abstimmungskampagnen das Schweizer Stimmvolk beeinflussen. Seine Aussage: «Je intensiver eine Kampagne geführt wird, umso besser orientiert stimmen die Leute ab.»

Kriesi glaubt, dass Fernsehen, Zeitungen, Internet und Inserate das Stimmvolk stärker beeinflussen als Plakate. Umstimmende und manipulierende Effekte stellt er selten fest.

Das für die Kampagne eingesetzte Geld bestimmt den Ausschlag dann, wenn die Volksentscheide knapp gefällt werden. Für den Abstimmungserfolg ist gemäss Kriesi entscheidend, welche Koalitionen dahinter stehen und weniger die Kampagne.

Eine Zwickmühle sind die provokativen Plakate der SVP. Die anderen Parteien können sie ignorieren und «damit stillschweigend legitimieren» oder sich distanzieren und eine öffentliche Diskussion auslösen, wie in der Vergangenheit geschehen.

Ein Trend zu professionell geführten Kampagnen jenseits der SVP zeichnet sich gemäss der Studie nicht ab. Ich vermute, dass Kriesi hier irrt: Über Social Media können professionelle Kampagnen auch von denen betrieben werden werden, denen weniger Geld zur Verfügung steht. Eine Strategie, gute Ideen und Zeit braucht es natürlich weiterhin.

Interview mit Hanspeter Kriesi

01.03.2010

Corporate Social Responsability: Den Verbrauchern egal?

Institut für Marken- und KommunikationsforschungWeil Nachhaltigkeit Mode ist, hat die Corporate Social Responsabilty, CSR, an Bedeutung gewonnen. Forscher der deutschen Justus-Liebig-Universität behaupten nun, dass es den Konsumentinnen und Konsumenten egal ist, ob ein Unternehmen soziale Verantwortung übernimmt.

Beispielsweise wollen in Befragungen 50 Prozent umweltverträgliche Putzmittel. Im Supermarkt entscheiden sich aber nur noch 5 Prozent dafür. Auch bei Telefonen oder Kleidern gilt: Im Laden zählen Design und Preis mehr als Sozial- oder Umweltverträglichkeit.

Ganz für die Katz oder den Regenwald muss CSR trotzdem nicht sein. Die Forscher sehen drei wirkungsvolle Strategien:

  • CSR ist mit der Markenidentität verbunden, wie bei Bodyshop.
  • Gesellschaftliches Engagement wirkt ergänzend; Beispiele sind Volvic oder Krombacher.
  • Es ist den Verantwortlichen eines Unternehmens einfach wichtig, so wie das bei Würth der Fall ist. An Profit im Schraubengeschäft denkt man beim kulturellen oder sozialen Einsatz weniger.

Für mich gibt es noch ein weiteres Argument: Vielleicht bringt es Organisationen nicht viel, sich zu engagieren. Aber es kann teuer werden, sich nicht zu engagieren. Skandale um Lösungsmittel, Kinderarbeit oder abgeholzte Wälder schaden der Reputation nachhaltig. Und ich empfehle nicht, CSR einzig über das Risk Management zu steuern.

14.02.2010

Internationale Verständigung mit Globish

Globish-Logo

Ein französischer Manager war in internationalen Geschäften oft erfolgreicher als seine amerikanischen Kollegen: Sein simples Englisch war verständlicher.

Aus dieser Erkenntnis entwickelte Jean-Paul Nerrière Globish. Damit die Verständigung zwischen Koreanern, Chileninnen und Nigerianern in Globish klappt, beschränkte er den Wortschatz auf rund 1′500 Wörter und setzte einige Regeln fest:

  • kurze Sätze
  • kein Humor, keine Klischees
  • keine Metaphern (Lebensabend, Flussbett)
  • keine Idiome (die Beine in die Hand nehmen)
  • keine Abkürzungen

(Obige Regeln gelten bisweilen auch in der einfachen Kommunikation zwischen Menschen gleicher Sprache, beispielsweise wenn die Zeit oder der Platz knapp sind.)

Die Globish-Grammatik entspricht dem Standardenglisch, aber es gibt nur sechs Zeiten. Interessant auch, dass ein Wort wie «aunt» in Globish nicht existiert. Denn es kann gut ersetzt werden: Vaters/Mutters Schwester. Zudem unterscheiden viele Kulturen zwischen einer Tante väterlicher- und mütterlicherseits.

Nerrière bezeichnet Globish nicht als Sprache, sondern als Werkzeug. Die kulturellen Sprachen und gerade Standard-Englisch will er damit nicht ersetzen. Auch eigne sich Globish nicht für schwierige Verhandlungen; hier sollen Dolmetscher zum Zuge kommen.

Gerade für uns priviligierte Germanophone ist es interessant, sich den Zugang anderer Zungen zum Englischen bewusst zu machen: Damit wir daran denken, im internationalen Gespräch nicht mit Eleganz, sondern mit Verständlichkeit zu punkten.

Wortschatz Globish
brand eins 12/09

08.02.2010

Gut reden ist Gold: Rhetorik-Tipps

Sprechender MundWir alle kommen in die Situation, in der wir vielleicht nicht müssen, aber doch sollten: Eine Rede halten. Hier Tipps, die eine Rede besser machen.

Vieles an einer guten Rede ist nicht Brillanz, sondern solides Handwerk. Und das ist lernbar.

Inhalt
So persönlich wie möglich. Erzählen Sie eine Geschichte und nicht etwas Allgemeines über die Ehe, das neue Projekt oder das Älterwerden. Welche Ihrer Geschichten steht symbolisch für das Ganze? Wie hat das Team die Schwierigkeiten überwunden? Welches Erlebnis mit der geehrten Person hat Sie am meisten berührt?

Aufbau
Gliedern  Sie Ihre Rede – mit Einleitung und Schluss, Ober- und Unterkapitel. Legen Sie fest, ob Sie vorlesen oder nach Stichworten sprechen. Wenn Sie Mundart reden, erzählen Sie Ihre Rede ohne Manuskript in Mundart (Ihrer Mutter oder dem Göttibueb) und schreiben sie so auf.

Einfachheit
Wenn Sie zu einem gemischten Publikum sprechen, halten Sie sich an die Regel «einem zehnjährigen Kind etwas erklären». Wenn Sie zu einem gebildeten Publikum sprechen: Gehen Sie nicht davon aus, dass alle soviel über Musik, Informatik, Politik, Geschichte oder Sport wissen, wie Sie.

Benutzen Sie so kurze Wörter und Sätze wie möglich (schon im Skript). Es braucht nur wenige längere Wörter und Sätze um Monotonie zu verhindern. Haben Sie keine Angst, sich zu wiederholen. Benutzen Sie immer das gleiche Wort für die gleiche Sache. Wiederholen Sie unbekümmert Wichtiges oder Schwieriges.

Länge
Überschreiten Sie die Zeit nicht. Wenn Sie fünf Minuten Zeit haben, reden Sie vier. Das freut Ihr Publikum. Im besten Fall bedauert es, dass Sie schon fertig sind. Damit Sie die Länge im Griff haben, müssen Sie die Zeit stoppen. Und dann das Unwichtigste streichen, auf Unnötiges verzichten oder sich von einer überflüssigen Pointe verabschieden – meist in mehreren Durchgängen.

Üben
So oft wie möglich. Sie können sich auch selbst anhören. Die meisten Mobiltelefone haben eine Aufnahmefunktion. Aber machen das nur, wenn Sie Ihre Stimme schon von Aufnahmen kennen.

Zu guter Letzt
Sagen und tun Sie nur Dinge, die zu Ihnen passen.

Dieser Blog mit besonderem Dank an die Gruppe des Kurses Rhetorik und Moderation beim MAZ und Thomas Kropf, SR DRS.

Tipps rund ums Präsentieren
Versuche nicht wie Steve zu sein
Lieber Skript als Folien?
Keynote_08
Steve Jobs: Storyteller Nr. 1
Anstoss-Newsletter: Einfache Tipps für bessere Präsentationen

25.01.2010

Kontrolle übers Denken zurückgewinnen

schirrmacher_payback_coverFrank Schirrmacher schreibt in seinem neuesten Buch Payback «Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen.»

Eine Welt ohne Computer kann sich auch Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, nicht vorstellen. In diesem Buch zeigt er, wie wir uns im Google-Facebook-Twitter-Zeitalter ständig ablenken lassen. Dass wir eine emotionale Beziehung zu unseren technischen Begleitern entwickeln. Und dabei laufend Persönliches preisgeben.

Amüsant und gut verständlich ist sein Junkfood-Vergleich. Ohne zu moralisieren erklärt er anhand der Hirnforschung, wie Verführung online funktioniert. Die Online-Welt ist eine «All-you-can-read-Welt». Also müssen wir Wege finden, um uns nicht ständig zu überfressen. Und die gleichzeitige, geistige Mangelernährung verhindern.

Schirrmacher schildert Situationen, die wir Online-Junkies täglich erleben. Er überzeugt, weil er nicht schwurbelige Verschwörungstheorien pflegt, sondern eine Entwicklung aufzeigt, die niemand wirklich kontrolliert.

Infos zu Payback

18.01.2010

Irrationale Spendenbereitschaft

BanknotenManche Organisation erhalten viel Geld, andere kämpfen hart. Die Spenderinnen und Spender entscheiden aus dem Bauch  - oder besser mit dem Herzen.

Das Marktforschungsinstitut YouGovPsychonomics hat für Deutschland herausgefunden, dass Bekanntheit und Sympathie nicht ausreichen, um Spenden zu generieren. Das Wissen über eine Organisation korreliert nicht mit der finanziellen Unterstützung. Beispielsweise ist die Aufgabe von Amnesty International gut bekannt, der ausgelöste Gebe-Impuls ist aber weniger stark als für ein Kinderhilfswerk. Fundraiser müssen die richtigen Emotionen im richtigen Mass wecken.

Die Studie sagt leider nichts über die Höhe gespendeten Beträge. Denn viele Kleinspenden verursachen auch viel administrativen Aufwand. Allerdings verbuchen Organisationen diese als gesellschaftliche Unterstützung ihrer Sache.

Für die Schweiz habe ich keine neuere Untersuchung zur Spendenbereitschaft gefunden. 2007 hat eine Studie des Bundes festgestellt: «Im Gegensatz zu den grossen multinationalen Konzernen zielen die KMU nur selten darauf ab, aus ihrem sozialen Engagement Profit zu schlagen: Es gibt äusserst selten einen direkten Bezug zwischen der Unternehmenstätigkeit und dem Zweck der Spende.»

Wird das Erdbeben in Haiti eine ähnliche Spendenwelle auslösen wie der Tsunami Weihnachten 2004? Eher kaum, das Land ist kein Sympathieträger und keine Feriendestination. Weihnachten ist schon vorbei und zur beliebten Empfängergruppe der Bergbauern mit kleinen Kindern und kleinen Hunden gehören die Überlebenden des Erdbebens nicht.

Zynisch? Ja. Deshalb hier der Link zur Glückskette.

11.01.2010

Pandemie: War die Kommunikation schlecht?

bag-grippe-logoIn einer deutschen Zeitung lese ich, dass die Kommunikation zur Pandemie schlecht war. Auch hier wurde viel gelästert. Beispielsweise über den Spot mit Beat Schlatter zogen Giacobo-Müller oder Peter Schneider her.

Hier meine subjektive Rückschau – zur Diskussion:

War der Zeitpunkt schlecht gewählt? Die BAG-Webseite startet im Juli etwas später als beispielsweise die US-amerikanische Pandemie-Seite. Meiner Meinung nach optimal: Die Grippesaison war noch ein paar Monate entfernt; es gab noch keinen Grund zur Panik. Zudem: Frei wählbar war der Zeitpunkt nicht – Pandemien lassen sich nicht planen.

Die Mittel: Fernsehen, Internet, Plakate – was gab es noch? Die BAG-Webseite ist in 13 Sprachen übersetzt. Solange die Grippe bedrohlich erschien, war Interesse an der Information vorhanden. Nur wenn ich heute die grünen Plakate zum Impfcheck sehe, wirkt das auf mich vorgestrig. (Vielleicht wurde die Plakatstelle nicht mehr verkauft?)

Komplexität: Gerade die Fernsehspots versuchten möglichst einfach zu erklären, um was es geht. Vertiefte Info findet sich auf der BAG-Webseite und natürlich «auf eigene Gefahr» im Web. Dabei ist das Thema Impfsolidarität inhaltlich anspruchsvoll. Die vor ein paar Wochen in der Schweizer Illustrierten befragten Promis, bezogen die Solidarität vor allem auf die eigene Kleinfamilie.

Motivierung zur Impfung: War offensichtlich ungenügend. Liegt das an der Kommunikation? Ich sehe einen anderen Grund: Als immer deutlicher wurde, dass die Krankheit mild verläuft, ging die Impflust zurück. Verspätungen bei der Verteilung des Impfstoffs und das anfängliche Chaos, wer sich wo impfen lassen soll oder darf, trugen weiter zur Impfunlust bei.

Motivierung zu Schutzmassnahmen: Wer Schulkinder kennt, der weiss, dass diese heute wissen, wie man sich die Hände wäscht und wie man in die Armbeuge niest. Und hat sich nicht rund um die Waschbecken die Ausrüstung verbessert?

In der Rück- und als Vorschau: Was muss bei der nächsten Pandemie anders kommuniziert werden?

05.01.2010

Impressum für Webseiten und Social Media

ImpressFür Webseiten und Social Media gibt es in der Schweiz keine Impressumspflicht. Aus PR-Sicht sind die Angaben ein Muss.

In Deutschland wird die Impressumspflicht für Twitter diskutiert. Ich begebe mich nicht aufs rechtliche Glatteis, aber aus Kommunikationssicht finde ich: Webseiten und Social Media-Profile sollen über den Absender informieren.

Dazu gehören mindestens eine physische Anschrift mit Kontaktmöglichkeiten, die Namen von Verantwortlichen und Partnern sowie Rechtliches wie Datenschutz, Copyright, Haftung. Wenn der Name nicht schon eine Erklärung ist, muss der Unternehmenszweck beschrieben sein. Auch bei Blogs sollte man sich die Mühe machen, ein Impressum zu erstellen; hier das Beispiel vom bernetblog. Übrigens: Wer sein Angebot von der Schweiz aus vor allem nach Deutschland richtet, für den ist ein Impressum auch für Elektronisches Pflicht.

Die Pflege eines Impressums ist zwar nicht mit grossem Aufwand verbunden, trotzdem muss es aktualisiert werden. Das neue Jahr ist ein guter Moment, um wieder mal alle Angaben auf der Webseite, dem Blog, auf Twitter, Facebook und weiteren zu überprüfen. Oder man merkt es sich für den Frühling vor, wenn die Geschäftsabschlüsse vorliegen. Spätestens dann ist es auch Zeit, Einträge in Online-Verzeichnissen zu aktualisieren.

Informationen zu Internetauftritt und Twitter bei unseren Checklisten und zum Facebook-Auftritt im bernetblog.

14.12.2009

IT-Sicherheit: Nützliches bei InfoSurance

Logo-InfoSuranceDer Verein InfoSurance informiert Private und KMUs zum Thema IT-Sicherheit: Die Tipps und Checklisten sind hilfreich und sie sind kostenlos.

Überschaubar ist die Webseite des Vereins und rasch findet man das Wichtigste: Die 5 Tipps für Private, die 10 Tipps für KMUs und die Checkliste.

Die Tipps für Private habe ich zuerst angesehen. Vieles ist  banal, aber gerade deswegen gilt: «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es». Bei mir heisst das: Wieder mal meine privaten Daten zu sichern und dafür zu sorgen, dass der Verantwortliche für unsere Home-IT sich um den Rest kümmert.  ;-)

Überzeugt hat mich die Checkliste für KMUs. Auch hier Grundsätzliches wie «Werden nicht mehr benötigte Papierdokumente und Notizen mit sensiblen Daten sicher vernichtet?». Hat nicht genau diese Frage die Aussenpolitische Kommission bei der letzten Libyen-Sitzungen übersprungen? Andere Fragen bereiten sicher nicht nur Politikern und KMUs Bauchweh, beispielsweise «Führen Sie eine Liste darüber, welche Updates wo installiert sind?»

Wertvoll finde ich die Tipps zu Firewalls und Anti-Virenprogrammen. Wie viele Anwender habe ich weder das Wissen noch die Motivation, hier selbst Vergleiche anzustellen.

Eigentlich schade, dass der Verein InfoSurance nicht viel mehr Mitglieder hat – ich wünsche sie ihm.

08.12.2009

Rail Service: Inoffizieller öV-Twitterdienst

Social Media Gipfeli

Die Rail Service Tweets überzeugen selbst Skeptiker von der Nützlichkeit des Twitterns. Den professionell gemachten Dienst betreiben drei junge öV-Profis/-Freaks in Eigenregie.

Am Social Media Gipfel  vom 2. Dezember standen sich Chris Leduc, einer der drei Initianten, und  Patrick Comboeuf, Director E-Business SBB, zum ersten Mal gegenüber.

Den öV-Nutzenden unter den Anwesenden musste Christian Leduc den Service nicht lange erklären. Der Nutzen ist offensichtlich: Wer im Zug von einer Unbill betroffen ist oder wissen will, wo man im ICN Strom fürs Laptop findet, postet einen Tweet. Kurz darauf kommt die 140-Zeichen-Antwort. Nachfragen ist selbstverständlich möglich. Nico Luchsinger hat den Service auf seinem BetaBlog bereits gut beschrieben.

Patrick Combeuf, Chris Leduc, Peter Hogenkamp

Gespannt waren die Teilnehmenden auf das erste Zusammentreffen von Chris Leduc und Patrick Comboeuf, Direktor E-Business SBB. Entgegen meinen Erwartungen zeigte sich Patrick Comboeuf begeistert vom unabhängigen Rail Service-Twitterdienst. Er vertritt damit aber seine persönliche Meinung. Die offiziellen SBB haben im Moment (noch) kein Interesse, sondern vor allem ein Problem mit der Benutzung ihrer Logos durch die Twitterer. Zugegeben, Gleis 7 ist nicht ganz geglückt.

Twitter-Logos GA, Halbtax, Gleis 7, Rail Service

Warum kommunizieren die SBB ihre Störungsmeldungen eigentlich nicht auch auf  Twitter?  Für das interaktive Element müsste dann der Kundendienst in Brig sorgen. Ein Tweet ist auf jeden Fall schneller geschrieben, als eine telefonische Anfrage beantwortet. Und die Reichweite ist erst noch grösser. Liegt es daran, dass die Rail Service-Nummern kosten, Twittern an sich aber gratis ist?

Ich bin gespannt, ob und wer bei Rail Service in einem oder zwei Jahren zwitschert. Wie die Tweets heute aussehen, zeigt die Präsentation von Chris Leduc.

Hintergründe zum Zusammentreffen, von Peter Hogenkamp auf blogwerk
Weitere bernetblog-Beiträge zum ersten Gipfel:
Facebook: Franky Slow Down als Kampagnenbeschleuniger
Social Media Gipfel 01: Impressionen, Idee, Initianten

23.11.2009

Storytelling: Unterhaltende Unternehmenskommunikation

Ausschnitt Bild von Gustave Doré

Geschichten-Erzählen gehört heute zur professionellen Kommunikation. Das Tagesseminar «Storytelling» der Text Akademie zeigt, wie es funktioniert.

Das Konzept fürs Storytelling ist für alte Kommunikationshasen nicht neu. Die wichtigsten Fragen sind zuerst zu klären: Um was geht es eigentlich? Was ist das Ziel? Wer ist meine Zielgruppe? Und was ist meine Botschaft?

Bestandteil jeder Geschichte ist, dass sie auf vertraute Muster baut – Gut und Böse, Leben und Tod, Weg und Ziel – diese aber neu erzählt. Hauptgefahr scheint mir das Abschweifen, das Verzetteln im Unwichtigen.

Die Entwicklung der elektronischen Kommunikation und das Aufkommen von Storytelling in der Unternehmenskommunikation fallen nicht zufällig zusammen. Früher waren Organisationen auf die Medien als Mittler angewiesen und übernahmen deren Nachrichtenstil. Heute bieten Unternehmens-Webseiten, Blogs oder Social Media, die Möglichkeit mit Geschichten verschiedene Zielgruppen emotional anzusprechen.

Im äussersten Fall wird sogar der Geschäftsbericht zum Geschichtenbuch. Die Emotionalität steigern lässt sich durch einen Wechsel der Mittel: von Print zum animierten Web, vom Text zum Ton, zum Film.

Und indem man Geschichten zur Geschichte erzählt (Making-of, Buch zum Film) erreicht man zuletzt auch, dass sie nachhaltig werden.

16.11.2009

Info im Web: Bitte sofort, bitte alles, bitte gratis

TTWVor einem halben Jahr wurde eine Studie von Prof. Dr. Christian Laesser, Universität St. Gallen, angekündigt. Damals glaubte ich, die Studie «Internet knickt die Reisebüros? Mitnichten!» gäbe es sofort zu lesen.

Im Frühling handelte es sich aber erst um einen Teaser für den TTW (Travel Trade Workshop, Tourismus Fachmesse der Schweiz). Also habe ich mir Anfang November für die erneute Websuche vorgemerkt. Doch ich erfahre immer noch nicht, warum das Internet doch keine Gefahr für die Reisebüros sein soll.

Denn weder der TTW noch die Uni St. Gallen noch sonst jemand  hat eine Zusammenfassung oder die ganze Studie online veröffentlicht. Zwar konnte ich auf der Webseite der Uni St. Gallen meine E-Mail-Adresse für eine «Volltextanfrage beim Autor» hinterlegen, aber das erscheint mir langsam und umständlich.

Rund um die Suche nach diesem Vortrag stelle ich zweierlei fest: Der TTW vergibt sich Chancen. Gehaltvolle Vorträge oder Zusammenfassungen davon sind gut für den Ruf und damit gut für die Besucherzahlen.

Und meine Erwartungen werden mir bewusst: Ich will Information sofort, vollständig und gratis. Macht das Internet masslos?

09.11.2009

axpo: Greenpeace muss sich gratulieren lassen

Inserat der axpoDie ganzseitige Anzeige in der Sonntagszeitung überrascht mich. Zuerst, weil ich vom Jubiläum noch nichts gehört hatte.  Dann wegen des Absenders: Die axpo gratuliert Greenpeace?

Unten auf der Seite erläutert sie, dass man verschiedener Meinung sein kann und trotzdem «ein gemeinsames Ziel verfolgen: zum Beispiel eine CO2-freie Energiezukunft.»

Ist es einfach eine Geste der axpo oder existiert eine Partnerschaft zwischen der axpo und Greenpeace? Von Partnerschaft findet sich auf den Webseiten keine Spur, auch nicht unter www.axpo.ch/energiedialog. Und das Jubiläum von Greenpeace Schweiz hat keinen prominenten Platz auf www.greenpeace.ch.

Grundsätzlich finde ich es sympathisch, wenn eine Organisation die Konkurrenz oder den politischen Gegner respekt- oder humorvoll behandelt. Diese Gratulation wirkt aber aus der Luft gegriffen: Das Greenpeace-Jubiläum ist bisher kein Thema gewesen; es fehlt der Aktualitätsbezug. Auch sprachlich ist es irreführend.  «Ein gemeinsames Ziel verfolgen» liegt nahe bei «gemeinsam ein Ziel verfolgen». Dabei handelt es sich in diesem Fall eher um «das gleiche Ziel».

Ich bin gespannt, ob weitere axpo-Inserate folgen.

03.11.2009

Regelmässig Rechtschreiben

DudenDer Duden-Newsletter behandelt alle 14 Tage Stolperfallen und Knacknüsse der deutschen Rechtschreibung und Grammatik.

Durch die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Reform der Rechtschreibung ist uns heute bewusst, dass Orthografie eine Konvention und nichts Absolutes ist. Wir wissen seit der Reform auch, dass Rechtschreibung, also die stets gleiche Schreibweise, das Lesen erleichtert.

Wer beruflich recht und richtig schreiben muss, dem nützt der Duden-Newsletter. Die Themen reichen von den klassischen Schwierigkeiten der deutschen Sprache wie Gross- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung und Kommasetzung bis zur Schreibweise von Fremdwörtern, Pluralbildungen und Herkunftserklärungen. Schweizer und andere Ausnahmen werden erwähnt. Mir passen bei diesem Newsletter auch Häufigkeit und Länge: alle zwei Wochen etwa eine Seite.

Die übrigen Online-Angebote von Duden sprechen mich weniger an. Die Podcasts sind mir zu kurz: Bei weniger als vier Minuten Hörzeit ist der Grundaufwand fürs Hören unverhältnismässig. Die Website finde ich unübersichtlich, immer wieder lande ich in einer «Bezahlen-Sackgasse» und machmal ist der Weg auf die Startseite versperrt. Ich nehme mir aber vor, die neuerdings kostenlose Rechtschreibprüfung künftig einzusetzen, wenn ich wieder einmal «Word» nicht traue.

Nachtrag: Auf dem Bernet-Portal führt die Rechtschreibprüfung ebenfalls direkt auf die Duden-Seite (rechts oben).

Screenshot www.bernet.ch/portal

26.10.2009

Stiefelwerfen ist Einweg-Kommunikation

StiefelwurfBauern der Gewerkschaft Uniterre bewarfen Bundesrätin Doris Leuthard in Saignelégier mit Stiefeln. Aus Kommunikationssicht war das Symbol gut gewählt, die Aktion aber nicht zu Ende gedacht.

Der Schuhwurf nach Präsident Bush hat den irakischen Journalisten Muntaser el Saidi 2008 berühmt gemacht. Schuhwerfen ist eine deutliche und eher ungefährliche Sprache. Bei der Inszenierung geht es ums Werfen, nicht ums Treffen.

Deswegen fand ich das Symbol (Land-Gummistiefel?) gut gewählt. Den Punkt vergab die Uniterre aber wieder: Weil die Bauern es so weit trieben, dass Leuthard ihre Rede abbrechen musste und weil sie das Gesprächsangebot ablehnten. Beides bringt ihnen in der Öffentlichkeit keine Sympathien.

Der Käseolympiade im Jura hat es immerhin Medienresonanz gebracht.

17.10.2009

Kurzfilm: Vom Bleistift zum Web 2.0

Digital ethnographyDer Anthropologe Michael Wesch erforscht den Einfluss neuer Medien auf die menschliche Interaktion. In seinem Film «The machine is us/ing us» beschreibt er die Entwicklung von der Bleistiftnotiz zum Web. 2.0.

Der Film wurde in der Blogosphäre ohne Ausnahme (ich habe jedenfalls keine gefunden) gelobt. Ich schliesse mich dem Lob an. Allerdings habe ich zum Kommentar von Jan Johannsen bei der netzwelt.de einen Einwand:  Tags sind im Internet-Dschungel nicht einfach unsere rettenden Wegweiser. Unsere Sprache/n bietet/en unzählige Möglichkeiten Dinge zu benennen. Und damit unzählige Möglichkeiten Dinge zu suchen. Der taggende Mensch stellt nur ein paar Wegweiser mehr in seiner Sprache auf.

Und weil mir das Laden des Films als embedded object für diesen Blog heute fast nicht gelingen wollte, ist es eindeutig: The machine was using me.

16.10.2009

Mac oder Mostindien: Markenstreit um den Apfel

ApfelDer Kanton Thurgau wirbt mit einem Apfel – passt ja zu Mostindien. Ob es Absicht war, mit dem Apfel Apple herauszufordern und den Thurgau ins Gespräch zu bringen?

Mir gefällt die Thurgau-Kampagne und ich habe nicht an Mac gedacht, als ich auf dem Perron im Bahnhof Stadelhofen einem Plakat gegenüberstand. Aber ich habe hingesehen, mich gefragt, um was es geht. Wenn es vielen so geht, ist ein Plakat/Inserat erfolgreich.

Es lässt sich darüber streiten, wie ähnlich der Thurgau-Apfel einem Mac-Apfel ist. Und den Apfel im Bikini haben wir auch schon als Kartoffel gesehen. Aber muss man den Apfel jedes Mal anders erfinden?

Apfel II

Dass Apple bei Äpfeln empfindsam ist, zeigt sich beim Woolworth-Logo. Die Diskussion um Plagiat oder nicht Plagiat ist im Gange, auch auf fontblog.de. Meine Meinung ist klar: Wer von allen Vorteilen eines Ursymbols wie dem Apfel profitiert, kann dieses nicht für sich beanspruchen. Warum freut sich der Computer-Hersteller nicht einfach, wenn die Leute vor lauter Mac den Apfel nicht mehr sehen?

Apfel III

Ein Apfel ist ein Apfel war ein Apfel.

12.10.2009

Mashup: Kitzbüheler Alpen netz-authentisch

Frau Holles Welt

Die Touristiker der Kitzbüheler Alpen betreiben neben einer konventionellen Webseite die Plattform «Frau Holles Welt». Hier werden laufend Informationen Dritter aus und über die Region zusamengestellt.

Die Infos stammen aus Blogs, Social Networks oder aus den Medien. Die Themen reichen über den touristischen Standard hinaus: Wer nicht mehr für den Skihersteller Atomic arbeitet und wer Hansi Hinterseer entdeckt hat. Ein Velofahrer sucht einen Zeitmesser und auf Flickr sind zwei Sportwagen in Kitzbühel zu sehen oder die Brass Connection Tirol.

Etwas umständlich ist der Name www.frauholleswelt.at. (War «www.frauholle.at schon besetzt?) Positiv  fällt mir auf, wie viele Einträge das heutige Datum tragen – auf der Seite tut sich was. Technisch werden die Infos alle 15 Minuten automatisch aktualisiert. Wie lange die menschengemachte Selektion dauert, weiss ich allerdings nicht. Für mich sind die ungeschönten Infos aber eine gute Ergänzung zum «Reiseprospekt» auf www.kitzalps.com.

05.10.2009

Blogger im Profil: viamalaBlog

viamalaBlogIn Graubünden schreibt der erste Regionalblog, der viamalaBlog. Unsere Fragen zum Blog hat Caspar Nicca, Geschäftsleiter der regioViamala, beantwortet.

Wieso bloggen Sie?
Unser Blog ist ein Experiment. Als Gemeindeverband in einer kleinen Region mit 12′000 Einwohnern verteilt auf 33 Gemeinden, wovon die kleinste nur gerade 22 Einwohner zählt, sind wir für die Umsetzung der Neuen Regionalpolitik verantwortlich. Es geht dabei darum, unsere Unternehmer und unsere Behörden dazu zu animieren innovativer zu werden, sich zu vernetzen und neue NRP-Projekte zu schaffen. Um diese Ziele zu erreichen ist Diskussion und für diese ist der Input von Gedankenanstössen nötig.
Wir suchen also mit Hilfe des Blogs den Kontakt und den Austausch mit der Bevölkerung um Dinge anzustossen und Veränderung auszulösen. Wir übrigens, das sind 13 Blogautoren, die Beiträge im viamalaBlog schreiben.
Ich persönlich habe als ehemaliger Radiojournalist eine Affinität zu allen Kommunikationskanälen und es macht mir Spass zu schreiben. Bloggen ist eines dieser erfrischendsten Kanäle: Es ist direkt, erlaubt einem die verschieden Medien (Ton, Video, Bild und Sprache) zusammenzubringen und beim Schreiben kann man die Erlebnisse zudem gleich noch besser einordnen. Und wenn man das beruflich machen kann, umso besser.

Ihre wichtigste Blogerfahrung?
Unser Blog ist noch frisch, so dass wir noch nicht wirkliche Erfahrungen gesammelt haben. Aber wir können jetzt schon sagen, dadurch, dass wir eine öffentlich-rechtliche Organisation sind, werden wir gelesen und die ersten Reaktionen zeigen, dass eine Diskussion in Gang kommen kann.
Die Moderation des Bloges könnte anspruchsvoll sein. Die 13 Autoren müssen je nach Autor mehr oder weniger animiert werden auch tatsächlich Beiträge zu schreiben.
Um Einheit in die Vielfalt der Autoren zu bringen, ist die Konsequenz im Layout des Blogs für uns wiederum wichtig. Darum ist z.B. jeder Beitrag entsprechend bebildert.

Die Gefahr beim Bloggen in und für eine kleine Region ist, dass man ganz einfach nicht oder nur von ein paar Insidern wahrgenommen wird. Darum suchen wir beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit den traditionellen Medien, den Zeitungen. Für grössere Regionen könnte aber ein Regionalblog durchaus ein sinnvoller Weg sein um die Bevölkerung in Entwicklungsprozesse einzubinden.

Gerade in der Regionalentwicklung wäre es auf jeden Fall an der Zeit, den «normalen» Menschen in diese Entwicklung einzubinden, nicht alles hinter verschlossenen Türen zu entscheiden, transparenter zu werden und für solche basisdemokratischen Entwicklungsansätze eignet sich die Blogosphäre wirklich gut.

Ihr grösster Blogwunsch?
Mein Wunsch ergibt sich aus unseren Zielen: Ich wünsche mir, dass Diskussion entsteht. Ich möchte also nicht unbedingt der ganzen Welt meine Sicht der Dinge darlegen, sondern viel lieber die Reaktion auf die Inputs in unserem Blog lesen können. Die Reaktion ist mir wichtiger als die Aktion. Und dass sich der Blog auf das «richtige» Leben auswirkt, dass mehr Menschen in unserer Region sich mit der Regionalentwicklung befassen und dabei mitreden wollen.

Mein Fazit
Gerade in einer weitläufigen Region wie der Viamala kann ein Blog informieren und verbinden. Das gilt um so mehr, als die Lokalberichterstattung der Tageszeitungen oft nur wenig abdeckt. Dem viamalaBlog wünsche ich viel Engagement von allen Autorinnen, Autoren und den Leserinnen und Lesern.

Zum elektronischen Lokaljournalismus in Graubünden  siehe auch meinen Blog über die Online-Regionalzeitung vilan24.

28.09.2009

Mobile Marktforschung: Bald selbstverständlich?

MobiltelefonMan kann die mobile Marktforschung als Erweiterung der online Marktforschung bezeichnen. Ihre Vorteile sind die Erreichbarkeit der Befragten und die Unmittelbarkeit der Eindrücke.

Eine SMS-Einladung zum Ausfüllen eines Fragebogens auf dem Mobiltelefon und ein paar kurze Fragen zur Beantwortung an der Tramhaltestelle. Oder die laufende Befragung von Probanden während eines Tests. So könnte Marktforschung in Zukunft aussehen.

Es gibt gute Gründe für mobile Befragungen: Immer mehr Menschen sind für Marktforscher gar nicht mehr daheim erreichbar. Sei es, weil sie unterwegs sind, sei es, weil es das telefonische «Daheim» als Fixnet-Anschluss nicht mehr gibt. Und in Entwicklungsgesellschaften ist das mobile System oft das einzige funktionierende.

Für mobile Befragungen spricht auch die Unmittelbarkeit der Eindrücke. Direkt nach einer Fernsehsendung, nach dem Genuss oder auch nach der Krise sind die Eindrücke noch frisch.

Hürden sind derzeit noch die Technik – jedes Mobiltelefon stellt etwas andere Anforderungen. Und nicht alle Zielgruppen besitzen ein internetfähiges Mobiltelefon. Neben dem Zugang zu den Zielgruppen, braucht es deren Bereitschaft sich befragen zu lassen. Die Kosten sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Weitere Informationen rund um mobile Marktforschung finden sich in den Präsentationen der Mobile Research Conference. Bereits ein Blick auf die Titel verrät, welches Feld sich hier auftut. Meine Meinung: Mobile Marktforschung kommt langsam, aber sie kommt.

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