Marcel BernetMarcel Bernet

Inhaber der 1991 gegründeten Agentur.

Betriebsökonom FH, PR-Berater BR/SPRG, internationales Marketing, Einführung Electronic Banking UBS, Agentur- erfahrung in Zürich und New York, journalistische Einsätze, Buchautor, Fachdozent. Ist im Winter am liebsten im Tiefschnee.

Beiträge von Marcel Bernet:

Social Media: Mehr Aussenstellen, mehr Aufwand, mehr Chancen

bild_buch_3-1Jetzt kann man mein neues Buch bestellen – geliefert wird Ende September. Dieser Beitrag zeigt am konkreten Beispiel, wie mehrere Social Media Plattformen fürs Buch eingesetzt werden, mit leicht variierten redaktionellen Konzepten; angepasst auf Zielgruppen und Medium.

Ab heute ist «Social Media in der Medienarbeit» hier über den bernetblog, über unsere Website und auf Facebook bestellbar.

Immer mehr Aussenstellen
Das Buch enthält auch eine Schätzung der für Social Media notwendigen Ressourcen. Dabei musste ich eine Menge von Annahmen treffen und schildern – ich habe vor- und rückwärts gerechnet und bin auf eine bis zwei Stellen gekommen. Manchmal plagten mich Zweifel, ob denn das nicht effizienter gehen könnte. Aber verschiedene Projekte, Gespräche mit Praktikern und nun meine eigene Erfahrung bei der Platzierung des Buches auf allen Plattformen zeigen: Konzeption, Umsetzung und Dialog verschlingen viel Zeit. Denn die Web-Phase, in der wir gerade stecken, bringt viele neue zu bespielende Aussenstellen mit sich. So sieht die Landkarte für unser Buchmarketing aus:

social media vernetzt fuer buch.001-006

Die eigene Website steht immer noch im Mittelpunkt – hier laufen alle Fäden zusammen, hier ist der Kaufprozess hinterlegt; er kann aber auch von anderen Plattformen aus angesprochen werden. Wir haben schon für das erste Buch eine Lösung mit Paypal aufgesetzt, die auch Kreditkarten akzeptiert. Immer noch wichtig bleibt der abonnierte E-Mail-Newsletter. Die graue Fläche steht für die Vernetzung all dieser Inhalts-Filialen, einer der entscheidenden Faktoren. Gelb sind die stärker dialogisch ausgelegten Social Media-Plätze: bernetblog, Twitter, Flickr und natürlich Facebook (Inhalts-Reiter «Buch»). Gerne würde ich auch einen Kurzfilm auf YouTube platzieren, das Drehbuch steht, aber bezüglich Umsetzung bin ich mir noch nicht klar.

Ergänzende, vernetzte und relevante Inhalte
Copy-Paste liegt nicht drin. Die Buch-Infos sind so variiert, dass sie den (angenommenen) Nutzerhaltungen entsprechen: Der Newsletter wird nächste Woche einen einmaligen Akzent zum Thema «Social Media Guidelines» setzen, im bewährten Inhaltskonzept mit schnell lesbaren Tipps. Der bernetblog bringt laufend inhaltlich angepasste Auszüge oder aktuelle Ergänzungen. Twitter vermittelt Ähnliches, aber in viel kürzerer Form und häufiger. Auf Flickr haben wir alle 19 Abbildungen aus dem Buch hinterlegt, das ist ein neuer Versuch. Facebook schliesslich ist wohl die aufwändigste und wichtigste Filiale. Hier setzen wir auf Interaktion: zuoberst auf der von INM (Kunde von uns) programmierten Seite steht die Möglichkeit, Fragen loszuwerden. Mal sehen, ob wir diesmal überrannt werden; die Option hatten wir schon im ersten Facebook-Inhaltskonzept (hier beschrieben), aber der Rücklauf blieb bescheiden. Dazu kommen das laufende Einspielen von News, Rezensionen und natürlich ein Kauf-Link.

Brian Solis hat gerade in einem Harvard Blog-Beitrag gekonnt auf den Punkt gebracht, dass Social Media nicht einfach da sind, um die gleichen Werbebotschaften mehrfach zu platzieren. Sein Konzept heisst einprägsam-amerikanisch: «KISS – keep it significant and shareable».

Richtig social wirds erst bei der Vernissage
Einmal im Jahr laden wir alle zugewandten Orte in unsere Agentur ein, in der Regel zu einer Kunstvernissage. Bald ist es Zeit für die zweite Buchvernissage, die steht aber noch mitten in der Vorbereitung. Denn bei allen Links, Buttons und «Gefällt mir» bleiben die persönlichen Begegnungen immer noch die farbigsten. Infos folgen, natürlich auf allen Kanälen…

Zum Thema:
Was bringt ein Facebook-Auftritt? Aufwand, Abhängigkeit, Aufmerksamkeit
Facebook-Tipps: Was bringt viele «Gefällt mir»?
Social Media ticken anders als klassiche Medien

31.08.2010 | Buch, Social Media

Wir basteln uns ein Buch: Rückblick aufs Schreiben

bild_buch_3-1Ist es nun wirklich so weit? Ende September soll mein zweites Buch erscheinen, im Moment werkle ich fleissig an Website, Facebook und anderem für die Lancierung. Zeit für einen kurzen Rückblick und Einblick in meine Arbeitstechnik.

«Tra il dire e il fare c’e di mezzo il mare» sagen die Italiener so treffend. Dieses Meer des Verschiebens dauerte drei Monate: Im Oktober hatte der VS Verlag/Springer Fachmedien Ja gesagt zum Konzept, wirklich angefangen mit Schreiben habe ich Ende Dezember. Immer kam wieder ein Projekt dazwischen, noch eine Idee, keine Lust. Ich brauchte wohl etwas mehr Druck; so richtig los gings ab Januar. Erst als ich mir ein Schreibatelier eingerichtet hatte, zunächst in einem kleinen Zusatzbüro über unserer Agentur, später zu Hause im Schlafzimmer. So sah mein Arbeitsplatz zu Hause aus. Sehr geschätzt habe ich die Möglichkeit, alles Aktuelle einfach mal rund um die Tastatur und auf dem Boden liegen zu lassen.

buch arbeitsplatz marcel bernet.001-001

Sammeln: Delicoius, Evernote, Server, Papier
Fleissig Artikel gesammelt hatte ich schon länger; das Wichtigste schön in einer Hängeregistratur abgelegt. Da zeigt sich meine Papier-Erziehung alter Schule: Ich bin schneller im Durchsehen und Auffinden relevanter Inputs auf ausgedruckten Seiten. Hier landete nur Ausgesuchtes aus dem grossen Mehr an Delicious-Links, Evernote-PDFs und auf dem eigenen Server abgelegten Dateien. Auch da habe ich noch keine ein-eindeutige Sammeltechnik gefunden. Ganz spannend ist auch, dass ich immer wieder Zeug gesammelt habe, von dem ich später gar nicht mehr wusste, dass es auch noch vorhanden ist.

Notizen: Direkt in die Bücher, auf dem iPhone
Wertvoll waren einige ausgelesene Bücher, die wichtigsten werde ich demnächst vorstellen. Auch so eine Marotte von mir: Auf den ersten Buchseiten viele kleine Notizen mit Seitenvermerk. Auf dem Kindle habe ich das nicht schnell genug hingekriegt, auf dem iPad dann gar nie probiert. Die vielen Ideen für Kapitel und Aussagen, die beim Lesen entstanden, habe ich laufend in Things (Projektmanagement für Mac, hier beschrieben) notiert, gleich auf dem iPhone – da hatte ich einen Notizblock, der immer bei mir war, und der sich leicht durchsuchen liess. Dafür ging das Eintippen nicht soo schnell.

Schreiben: Word, Keynote, ächz
Diesmal wollte der Verlag gleich ein Layout-fähiges Word-Dokument. Damit stieg der Aufwand für mich massiv. Als besonders mühsam erwiesen sich erstens das Erfassen der Links (klappte nur mit www. auch richtig fürs PDF) und das endlose konvertieren von Keynote-Dokumenten auf Powerpoint. Ich liebe es, komplexe Sachverhalte in einfachen Grafiken darzustellen, und das kann ich in Keynote am schnellsten. Bloss gibts dafür keine gescheite Exportfunktion, wenn Druckdaten gefragt sind. Also alles nochmals von vorne in Powerpoint aufgebaut…

Jetzt ist das Buch im Druck. Und ich bin unter Druck fürs Marketing – mehr darüber im nächsten Beitrag.

Wieso überhaupt noch Bücher schreiben? Dazu das erste Zitat aus dem Buch, aus Frank Schirrmachers «Payback» (ja, jedes Kapitel hat wieder ein Startzitat, noch eine Marcel-Bernet-Marotte):
«Papier ist bald das letzte Medium, das ich noch nutzen kann, ohne dass jemand mitliest, der weiss, wo ich gerade bin und mir vorschlägt, was ich noch kaufen soll.»

Alle Artikel zum neuen Buch.

23.08.2010 | Dies & Das, Zensekunden

Zensekunden Murmeltier: Ich bin dann mal hier

Die Ferien sind vorbei, auch in Zürich. Alle, die dann mal weg waren, beanspruchen wieder ihren Platz am Bildschirm, in Stau und Warteschlangen. Postkarten-Dankeschön erinnern an vergangene Frei-Tage.

Auch ich habe mir eine Woche gegönnt. Postkarten habe ich kaum vorgefunden nach meiner Rückkehr, Handgeschriebenes bleibt eine Besonderheit im Zeitalter der digitalen «Gefällt mir». Mein Gruss passt zur Neuzeit, endlich habe ich mir wieder mal Zeit für zehn Sekunden Video samt Bearbeitung genommen. Geholfen hat dabei die Stabilisierungsfunktion von iMovie, mein Wackelzoom ist weichgeglättet. Die Murmeltier-Kolonie an den Hängen oberhalb von Zillis zeigte sich zutraulich, auf die Alp Taspegn verirren sich wenige Wanderer. Das hier macht einen Abgang – allen, die zurück im Bau sind, wünsche ich mit Robert Musil einen guten Start:

«Manche Menschen reisen hauptsächlich deshalb in den Urlaub, um Ansichtspostkarten zu kaufen, obwohl es doch vernünftiger wäre, sich diese Karten kommen zu lassen.» (Weitere Zitate zum Thema «Freizeit»)

YouTube-Link zum Film

Facebook-Tipps: Was bringt viele «Gefällt mir»?

gefällt mir knopf von facebookVor zehn Jahren lautete die Frage: Was bringt Traffic auf die Website? Heute will man auf Facebook möglichst viele «Gefällt mir». Wie holt man sich diesen Klick auch bei immer mehr Facebook-Seiten? Erste Studien geben Hinweise – entscheidend ist ein klares inhaltliches Konzept, kombiniert mit echtem Dialog.

Das weltweit grösste Soziale Netzwerk ist ein Marktplatz der Meinungen, der bedient sein will – als Ergänzung zur Website. Immer mehr Organisationen unterhalten Facebook-Seiten, der Wettbewerb um Aufmerksamkeit wird intensiver. Gewinnen wird, wer die Interessen seiner Zielgruppen trifft und eine klare Idee bezüglich Ziele, Inhalte und Dialog hat.

Facebooker wollen Exklusives, Interessantes, Gemeinschaft
Allgemein gültige Aussagen über weltweit verstreute 500 Millionen aktive Nutzer sind unmöglich. Erste Fingerzeige für die eigene Inhalts-Strategie bringen US-amerikanische Umfragen:

was gefaellt auf facebook drei us studien

Die Grafik fasst drei Studien zusammen: Die Marketingagentur Razorfish hat 1000 US-Konsumenten befragt und im November 2009 ihre jährliche FEED-Studie veröffentlicht. 1314 waren es bei einer Umfrage des US-Netzwerks MarketingSherpa, veröffentlicht im Januar 2010 und nur als Zusammenfassung bei emarketer frei verfügbar. Etwas über 1500 schliesslich antworteten den beiden Research-Partnern Chadwick Martin Bailey und iModerate in der im Februar publizierten Studie, die als PDF zur Verfügung steht und ebenfalls auf emarketer zusammengefasst ist.

Drei Kern-Bereiche lassen sich ablesen: Erstens Exklusivität – von Sonderangeboten bis zur Erstinfo über neue Produkte. In den USA gibt es die grosse Tradition des Coupons-Sammelns, diese Art des Zugangs zu Aktionen verlagert sich immer mehr auf Facebook oder Twitter. Zweitens Interessantes – das reicht von Unterhaltung über Produkt- und Unternehmensinfos bis zum Kundendienst. «It’s fun and entertaining» bekommt einzig bei Chadwick/iModerate nur 10 Prozent der Nennungen, hier wurden im Gegensatz zu den anderen Umfragen aber auch  mehr Auswahlmöglichkeiten angeboten. Bei MarketingSherpa hiess der Punkt «Entertainment – funny and insightful», bei Razorfish «Interesting or entertaining content». Drittens Gemeinschaft: Mit «Zeigen, dass ich Fan bin» haben Chadwick/iModerate genau die richtige Option geboten, in ihrer Detailauswertung gelangt diese Nennung auf den dritten Platz. Marken und Organisationen, denen ich folge, prägen mein Image auf der Facebook-Bühne. Zu diesem Ausdruck von Gemeinschaft zählt auch die Tatsache, dass ich Kunde bin oder dass Bekannte Fans sind.

Drei Schritte zum Inhalts- und Dialogkonzept
Langfristig interessierte Fans oder Besucher/innen sichert man sich mit den richtigen Inhalten und einem authentischen Dialog. Es genügt nicht, einfach mal dabei zu sein. Wer kein Konzept hat, wird sich verzetteln und allenfalls gewonnene «Gefällt mir» schnell wieder verlieren. Drei Fragen führen zu einem nachhaltigen Auftritt:

1. Was und wen wollen wir erreichen?
Facebook ist eine zusätzliche Aussenstelle der Online-Kommunikation. Vernetzt im Zusammenspiel mit Website, Newsletter, Blogs, Twitter oder anderen Kanälen. Was soll die Investition in dieses Soziale Netzwerk bringen? Wer wird in erster Linie angesprochen? Sind Ziele und Zielgruppen realistisch, erst recht im Vergleich mit dem Auftritt von Konkurrenten oder nahen Meinungsmachern?

2. Was will man von uns? Wo können wir einen Beitrag leisten?
Wenn Kern-Zielgruppen definiert sind – was erwarten sie von Ihrer Organisation? Sind es Sonderangebote, inspirierende Inhalte, emotionale Bindung? Was kann Ihre Organisation inhaltlich und im Dialog bieten, ausgerichtet auf Erwartungen? Antworten erhält man durch längeres Zuhören, das Betrachten anderer Beispiele und eine kreative Sicht der eigenen Möglichkeiten.

3. Wie setzen wir das um, in Inhalt und Dialog?
Den Lackmus-Test für alle Ideen bringt die konkrete Planung von Massnahmen und Ressourcen. Wieviel Zeit ist für das tägliche Aktualisieren von Inhalten einzusetzen? Wo? Wer liest die laufenden Einträge auf der Pinnwand und beantwortet sie sofort?

Facebook-Auftritte sind zusätzliche Webseiten – oder ein ganzes neues Kapitel in ihrem bestehenden Web-Auftritt. Das heisst auch, dass für Facebook zusätzliche Stellenprozente einzusetzen sind, mit einer Gesamtsicht für alle Social Media-Aktivitäten. Die Bedeutung der Facebook-Präsenz wird zunehmen, weil immer mehr Web-Zeit auf diesen blauen Seiten verbracht wird.

Weiterführend:
Facebook-Kurzkonzept von Bernet_PR

Facebook-Handbuch mit Infos, Tricks, Regeln
MAZ-Bernet Social-Media-Seminar 11. Mai 2011

Facebook Zahlen Juni 2010: Wachstum trotz Privatsphären-Diskussion

facebook schweiz logo

Facebook legt auch im zweiten Quartal zu: 474 Millionen aktive Nutzer sind es weltweit, 2.2 Millionen in der Schweiz. Global wächst das Soziale Netzwerk praktisch unverändert, in der Schweiz liegt das Dreimonats-Plus bei 6 Prozent; gegenüber 18 Prozent im ersten Quartal.

Bernet_PR und Serranetga liefern die Schweizer Zahlen alle drei Monate als Gesamtsicht. Die Zahlen zieht Serranetga aus dem AdPlanner von Facebook. Angezeigt werden alle Nutzer/innen, welche die Plattform in den letzten 30 Tagen besucht haben.

Global: 500 Millionen bis August?
Das grosse blaue Sofa – so kommt mir Facebook vor, weil immer mehr Menschen immer mehr Zeit darauf verbringen – wächst auf hohem Niveau: Plus 22 Prozent waren es im ersten Quartal, 15 Prozent im zweiten. Die Diskussion rund um neue Datenschutz-Einstellungen scheint dem Zulauf keinen Abbruch getan zu haben. Die USA blieben im Juni unter den Top-Ten der grössten absoluten Zunahmen, davor liegt Deutschland. Ganz grosse Brocken bringen Länder in Asien, Zentral- und Südamerika wie die Tabelle aus einem Beitrag von InsideFacebook zeigt.

facebook zunahmen global

Wenn nichts dazwischen kommt, dürfte die 500-Millionen-Grenze bis im August durchbrochen werden:

facebook aktive nutzer weltweit jun 10

Facebook Schweiz: 2.2 Millionen Nutzer
Auch wenn das prozentuale Plus im zweiten Quartal drei Mal tiefer liegt, baut Facebook seine Position auch bei uns weiter aus. Abmelde-Wellen sind definitiv keine zu verzeichnen, erstmals zeigt das Werbeplaner-Tool aber Minuszahlen: Die 4′000 im April dürften auf statistische Unschärfen gehen, im Juni liegt die Abnahme bei rund 9′000. Ausgewiesen werden die aktiven Nutzer; wer dem Treiben einen Monat lang fern bleibt, wird nicht mehr gezählt. Ob wir in den Sommermonaten weitere Auf- und Abs erleben werden? Schwankungen sind normal bei dieser hohen Penetration: 29.8 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind auf Facebook aktiv.

facebook aktive nutzer schweiz juni 2010

Anteil der jüngsten Nutzer verdoppelt?
Keine grossen Verschiebungen bringt die Aufteilung nach Geschlecht und Sprachen. Auffällig ist die Verdoppelung der Altersklasse bis 15: Der absolute Wert springt von 90′800 auf 176′860. Ein Fehler des Analyse-Tools? Wir haben die Werte heute nochmals abgefragt – und dieselben erhalten. Trotzdem wollen wir hier noch nicht zu viel reindeuten. Anmelden kann man sich übrigens ab 13 Jahren, wobei die selbst deklarierte Eingabe nicht überprüft wird.

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Stabil bleiben die Aufteilungen nach Geschlecht und Sprache:

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Fazit: Im grossen blauen Sofa versinken immer mehr Menschen. Eine Hegemonie, die für Nutzer und Anbieter von Inhalten durchaus ihre Vorteile hat. Und trotzdem wirkt sie ein wenig beängstigend.

Links
Alle bernetblog-Beiträge zu Facebook-Zahlen
Vergleich Deutschland-Schweiz-Österreich bei Thomas Hutter
Facebook could eat the Web von Steve Rubel

Social Media ticken anders als klassische Medien: emotionaler, schneller, verlinkt

journalistWorüber schreiben Social Media im Vergleich zu traditionellen Medien? Twitter mag Technik, YouTube Lustiges und Blogs Meinungen. News auf Social Media haben eine kurze Haltbarkeit – und schwappen selten in die klassischen Medien, wie eine Langzeitstudie erstmals zeigt. 80 Prozent der Top-Blogstories bezogen sich auf BBC, CNN, New York Times und Washington Post.

Ende Mai hat das Pew Research Center eine weitere Medienanalyse des Project for Excellence in Journalism veröffentlicht. Diese empirische Auswertung bringt erstmals Klarheit bezüglich Themensetzung von Social Media und Übernahme von Inhalten. Ausgewertet wurden Erwähnungen und Links zu den wichtigsten News-Geschichten während 12 Monaten auf Zeitungen, Blogs, YouTube und während 7 Monaten auf Twitter. Icerocket und Technorati wurden für die Blog-Analyse eingesetzt, YouTube direkt, beide vom 19. Januar 2009 bis 15. Januar 2010. Das Twitter-Monitoring erfolgte über Tweetmeme vom 15. Juni 2009 bis 15. Januar 2010. Das unabhängige Studienzentrum wird von einer Stiftung getragen; Pew Research bietet eine Kurzfassung und die ausführlichen Resultate auf journalism.org.

Jede Medienkategorie setzt andere Schwerpunkte
Das analysierte News-Jahr zeigt: Social Media setzen andere Schwerpunkte als die traditionellen Zeitungen. Am nächsten liegen im Themenvergleich die Blogs – ausser im Bereich Technologie. Hier schert auch Twitter aus – und zwar massiv: knapp die Hälfte der News und Links führten zu Techie-Themen. Im Vordergrund standen dabei das Web, Twitter selbst, Apple, Facebook, Microsoft und Google. YouTube brachte am meisten Ausland-Themen und erstaunlich viel Politik. Hier entscheidet weniger der Newsgehalt als vielmehr die Kraft der bewegten Bilder: Angeschaut und geteilt wird, was lustig ist. Nur während 8 von 49 Wochen war das Top-Video identisch mit den Top-News in Zeitungen, in drei dieser acht Wochen ging es um die umstrittene amerikanische Gesundheitsreform, in zwei um die Strassenproteste in Teheran.

Wie werden News von YouTube, Twitter, Blogs und klassischen Medien ausgewählt?

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Es gibt also nicht nur einen Unterschied zur klassischen Zeitung; auch innerhalb der drei analysierten Social Media Plattformen werden News unterschiedlich aufgenommen. Blogger tendieren zu Inhalten, die sich mit persönlichen Kommentaren und Sichtweisen einfärben lassen. Die pointierten Pro- und Contra-Interpretationen hielten sich bei den Top-Themen in etwa die Waage.

Social News kommen und verschwinden sofort
Wenn News in Social Media aufgenommen werden, dann in den ersten Stunden nach deren Veröffentlichung. Nur fünf Prozent der Twitter-News blieben während zwei Wochen in den Top-Meldungen – gegenüber 13 Prozent bei Blogs und 9 Prozent auf YouTube. Ganz anders spielt der klassische Medienraum: Die Hälfte der fünf wichtigsten Geschichten einer Woche schafften es auch nächste Woche in die meist erwähnten.

80 Prozent der Blog-Links aus vier Medien
Es scheint, dass die vielzitierten Beispiele von Krisen, die aus Blogs in traditionelle Medien überspülen, nur schmerzhafte Einzelfälle illustrieren: Eine einzige Geschichte hat es aus der Blogosphäre in Zeitungen geschafft.

Im Gegenzug bauen Blogs stark auf die traditionellen Medien. Über 99 Prozent der in Blogs verlinkten News kamen aus führenden Zeitungen oder TV-Sendern. 80 Prozent gingen auf das Konto von gerade mal vier Medien: BBC, CNN, New York Times und Washington Post. Bei Twitter bezogen sich die Hälfte aller Top-Nachrichten auf klassische Medien.

Blogs und Twitter sind die wichtigsten Online-Multiplikatoren für die Online-Präsenz der klassischen Medien. Was wohl nur weiter so sein wird, wenn sich die Inhalte kostenlos verlinken lassen. Denn was bringt das Weiterreichen, wenn nur Abonnenten klicken können?

Fazit: Heterogene Ausrichtung, mehr Kurzlebigkeit
Auch wenn die Studie sich auf den amerikanischen Markt bezieht und von den in beobachteten Jahr präsenten Themen abhängt – endlich gibt es erste, brauchbare Hinweise auf das Funktionieren der neuen Medienkategorien. Die unterschiedliche Themenausrichtung bestätigt bisherige Annahmen. Erhärtet wird die Technologie-Ausrichtung von Twitter. Neu ist, das Blogs doch wenig Einfluss auf die Themenwahl der klassischen Medien haben. Aus meiner Sicht wird sich die Kurzlebigkeit der Inhalte auf klassische Medien ausweiten; nicht nur für deren Online-Ausgaben.

Weitere Artikel mit interessanten Pew-Studien:
Die Zukunft des Journalismus: Weniger Geld, mehr Meinung
News sind sozial: Wie Inhalte gelesen und geteilt werden
Internetnutzung: US-Teenager lesen News online

18.05.2010 | Buch, Social Media

Social Media in der Medienarbeit: Neues Buch

social media in der medienarbeit titel kleinDer Druck steigt: Jetzt ist mein Buch schon auf Amazon vorbestellbar. Dabei ist der Marathon noch gar nicht zu Ende gelaufen…

Letzten Herbst habe ich mit dem Projekt angefangen – und mich immer wieder ablenken lassen. Richtig einzusteigen schaffte ich erst im Februar – mit vielen Unterbrüchen. Und jetzt stehe ich unter Abschlussdruck. Selbst schuld (-:

Medienarbeit im Netz: Standardwerk
Mein erstes Buch erschien bei Orell Füssli im Herbst 2006. Wer erinnert sich? Eines der längsten Kapitel dreht sich um Weblogs, die waren damals grad etwa so, wie heute Facebook oder Twitter: Was ist das? Muss man das machen? Es hat sich viel verändert seither – und trotzdem sind die Grundaussagen meines ersten Buchs noch gültig. Das hat mich selbst erstaunt. Und trotzdem wird das zweite Buch nicht einfach eine Überarbeitung, ich schreibe etwas Neues. Der Fokus bleibt auf der Medienarbeit.

Social Media in der Medienarbeit: Ziel August
Diesmal publiziert mich der VS Verlag für Sozialwissenschaften der Springer Fachmedien. Der Titel auf Amazon: Social Media in der Medienarbeit. Online PR im Zeitalter von Google, Facebook & Co. Inhaltlich decke ich die ganze Pressearbeit ab, als einen der wichtigsten PR-Bereiche. Natürlich ist die Abgrenzung fliessend – gute Medienmitteilungen werden auch von Kunden gefunden, gelesen und weiter gereicht. Medienarbeit muss sich in die gesamte PR einbringen, PR in die gesamte Kommunikation. Und Social Media ist eine Disziplin, ein Fachwissen, eine Arbeits- und Denkhaltung, die in alle Bereiche der Kommunikation und des Marketing eindringen wird.

social media in der medienarbeit_umschlag

Ganz wichtig ist mir dabei immer wieder das Aufzeigen von strategischen Fragestellungen: Man muss nichts. Aber wenn man etwas tut, dann mit einem klar definierten Willen. Und dem Bewusstsein für die damit verbundenen Konsequenzen. Mehr über den Inhalt wird es in den nächsten Monaten natürlich hier im bernetblog zu lesen geben – alle Beiträge sind mit dem Schlagwort «Social Media Medienarbeit» versehen und dadurch leicht zu finden.

Dann wechsle ich wieder mal von Wordpress in Word und schreibe fleissig weiter. Man soll ja nicht das Finisher-T-Shirt anhimmeln, bevor die Strecke zu Ende gelaufen ist. Wer eine Mail beim Zieleinlauf will, trägt sich hier ein:

Das Formular ist gelöscht – jetzt direkt mehr Infos und Bestellmöglichkeit auf bernetblog.ch/buch.

12.05.2010 | Gipfel, Social Media

Social Media Gipfel: Das schwere Leben des Türstehers

Social Media GipfeliAm 2. Juni findet der vierte Gipfel rund um Social Media statt. Mit SWISS und eReader. Schön wärs, wenn alle Veranstaltungen so begehrt wären.

1990 habe ich als Korrespondent für Cash und WerbeWoche in New York geschrieben – neben meiner Anstellung in einer PR-Agentur. Auf die Anmeldung zu einer Armani-Medienkonferenz folgte der trockene Hinweis «Sorry, our books are closed.» Der Traum jedes PR-Profis: Medien stehen Schlange, um an eine Medienkonferenz zu kommen.

Was sonst nur Berühmtheiten schaffen, macht unser Social Media Gipfel mit links. Diesmal waren die 100 Plätze 26 Minuten nach dem Versand der E-Mail-Einladungen weg, das ist ein neuer Rekord. Am schnellsten kam der Tweet mit dem Anmeldelink an – so schnell, dass einige Mail-Adressaten trotz sofortigem Empfang nur noch die «Sorry, ausbucht»-Seite zu sehen bekamen.

Ausgebucht zu sein ist schön. Und schade. Jetzt stehen Peter Hogenkamp und ich vor der schweren Aufgabe des Türstehens. Die Schar der Enttäuschten ist gross. Als Trostpflaster bieten wir Livestreaming – beim zweiten Versuch werden wirs schaffen. Und als Alternative bietet sich die Suche eines grösseren Lokals – was doppelt so hohe Kosten mit sich bringt. Sponsoring ausbauen? Eintritt verlangen? Wir Türsteher gucken uns die Optionen nochmals an – nächste Termine sind der 1. September und der 3. November.

social media gipfel stimmungsbild bistro nzz

07.05.2010 | Medien, Online-Medien

US Zeitungen: Bezahlte Links sind grün und gefährlich

bezahlter link la times mia2Nach der Chicago Tribune verkauft jetzt auch die LA Times bezahlte Links. Die sind grün gekennzeichnet – und gefährlich für die Glaubwürdigkeit.

Redaktionelle Seiten sind begehrt – hier ist die Aufmerksamkeit der Lesenden grösser. Medien verkaufen sie gerne, gegen einen Aufpreis und als «Publireportage» gekennzeichnet. Je härter die Zeiten, desto höher die Bereitschaft, sich zu verkaufen. Das letzte Jahr hat auch in der Schweiz immer mehr Werbung gebracht, die sich als Artikel verkleidet – von der gekauften Titelseite bis hin zu Beilagen im Stil der ausgewählten Zeitung.

Links zu kaufen bei LA Times und Chicago Tribune
Einen nächsten Schritt gehen die führenden US-Tageszeitungen in Chicago und Los Angeles. Die Times startete letzte Woche ein Pilotprogramm, in Zusammenarbeit mit der Tribune. Ein internes Memo (siehe zweiter Teil, veröffentlicht im Blogpost von LA Observed) kündigt an, dass «ein E-Commerce Produzent der Chicago Tribune» Links zum TicketNetwork und Amazon in die Artikel einsetzen werde. Grüne Links würde dabei nie über bestehende blaue (redaktionelle) Links gesetzt. Und Redaktoren könnten reklamieren, wenn sie etwas gegen eine nachträglich gesetzte Verknüpfung hätten. Wenn man lange genug auf dem Link verweilt, wird die Meldung «Click to shop» sichtbar:

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In Ordnung – und doch seltsam
Kolumnen und News würden im Pilotprogramm von Werbelinks verschont, sagt das Memo. Der Amazon-Link im oben als Ausschnitt gezeigten Beitrag über die Musikerin M.I.A. stört nicht,  er ist eine Dienstleistung. Dass er grün dargestellt ist, zeigt, dass die LA Times bei einem Kauf Geld bekommt von Amazon. Das ist völlig in Ordnung, lesefreundlich markiert, am Ende der Seite erklärt.

Die Unsicherheit beginnt bei der Anzahl von Links. Werden mehr gesetzt, als leserfreundlich sinnvoll erscheinen, damit mehr Umsatz erreicht wird? Ein Besuch auf der Chicago Tribune zeigt viel mehr Amazon-Links, wie bei diesem Beitrag fehlt am Ende der Seite der Hinweis auf die Bedeutung der grünen Links, die LA Times hält sich daran.

bezahlte links la times disclaimer text

Geradezu weh tut der Satz, dass «die Redaktion in keiner Art und Weise mit den grünen Links zu tun habe». Da gibt es also Stellen in einem von Journalisten gezeichneten Beitrag, mit denen sie nichts zu tun haben?

Alles im grünen Bereich?
Die schleichende Unterwanderung der journalistischen Unabhängigkeit wird zu einem weiteren Verfall der Glaubwürdigkeit von klassischen Medienmarken führen. Dabei hilft es auch nichts, wenn «nur» die Blogbeiträge mit bezahlten Links gespickt werden. Blogs tragen genauso zur Reputation einer Zeitungsmarke bei wie die Online- oder Printseiten der Wirtschaftsredaktion. Und diese Reputation wird darüber entscheiden, ob Konsumenten bereit sind, für Inhalte zu bezahlen.

Wenn die Zeitung redaktionelle Artikel mit teilweise gekauften Links verkauft, dann sind Leserinnen und Leser verunsichert. Dasselbe gilt für Publireportagen ohne klare Kennzeichnung. Oder wenn sie sich zu nahe am redaktionellen Erscheinungsbild als Artikel einschleichen wollen.

Die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion verschwinden. Und damit die Lust, für eine Leistung zu bezahlen, die nicht mehr geboten wird: Unabhängiges Zusammenstellen von Inhalten.

26.04.2010 | Social Media

Banking: Online, Social, Facebook?

dollar-zeichenDas Mitmach-Web schreckt Banker auf: Konkurriert Social Banking die etablierten Institute? Sind Google und Facebook gar die besseren Banken? Oder bleibt alles beim steten Ausbau des Online-Banking?

«Die Bank sind wir» heisst ein auf Mai angekündigtes Buch zu Social Banking. Dass dies kein Hirngespinst ist, zeigen Beispiele: Zopa hat seit 2005 alleine in Grossbritannien 70.5 Millionen Pfund an Darlehen vermittelt. Smava kommt in Deutschland seit 2007 auf 25 Millionen Euro, die von über 10.000 Anlegern an rund 3.500 Kreditnehmer gingen.

Drei Stufen der Evolution bedrohen Margen und Marktanteile der Banken: 1. Online Banking, 2. Social Banking, 3. Facebook, Google, Sonstwer. Die dritte Stufe scheint im Augenblick noch die visionärste, auf Stufe eins startet gleich Wegelin durch und Stufe zwei ist schon ziemlich verbreitet.

1. Online Banking: Wegelin gibt Gas
Wegelin & Co. legt Wert darauf, die älteste Bank der Schweiz zu sein, gegründet 1741. Jetzt setzen die Banquiers das «e» auch vors Private Banking: Am 29. April wird die Nettobank den Medien präsentiert. Die privat haftenden, klassischen Vermögensverwalter verkaufen über diese getrennte Aktiengesellschaft «konsequentes ePrivate Banking». Damit investieren sie ihre Reputation in eine reine Online-Lösung.

Online Banking hat ein Potenzial, das über das heute Verbreitete hinaus reicht. Finanzinstitute werden die Online-Abwicklung und -Beratung weiter ausbauen. Der elektronische geführte Kundendialog und die Online-Präsenzzeiten weiten sich aus. Für die persönliche Begegnung bleibt weniger Zeit. Wo sie noch gesucht ist, gewinnt sie an Bedeutung für Image und Bindung.

2. Social Banking: Tummelfeld für neue Spieler
Öffentliche Kommentare oder direkte Kunden-zu-Kunden-Kommunikation sind nicht gerade das, was etablierten Finanzinstituten einfällt. Deshalb kommen viele Social Banking-Beispiele von Neugründungen. Zu den bekannteren Beispielen zählen Fidor und Noa, beide getragen von umtriebigen Gründern. Matthias Kröner vermittelt die Fidor-Vision in engagierten Vorträgen (Vimeo), François Jozic lächelt auf beinahe jeder Noa-Seite in die Kamera. Website, Blogs, Facebook, Twitter, YouTube und Flickr werden im Verbund eingesetzt für Kundenpflege und -gewinnung.

Unter den etablierten Häusern spielt die GLS Gemeinschaftsbank eine Pionierrolle: Das Institut gilt als Deutschlands führende Ökobank, 1974 von Antroposophen gegründet und heute Teil des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Vorbildliche Twitter-, Blog- und Facebook-Auftritte erweitern den Kunden- und Absatzdialog.

Stark diskutiert wird die Abbildung ganzer Finanzberatungs- oder Abwicklungsprozesse auf Facebook. Auch wenn 411 Millionen Nutzer auf dieser Plattform sitzen: Die Eignung über Dialoge hinaus ist fraglich. Hier warten Sicherheitsprobleme, neue Phishing-Versionen und die Unsicherheit über laufende Systemänderungen seitens Facebook.

3. Wäre Facebook die bessere Bank?
1996 hat Bill Gates mit «Banking is essential, Banks are not» Phantasien über Microsofts Pläne und andere IT-Quereinsteiger angeregt. Seit Mitte 2009 experimentiert Facebook mit «Credits»: Nutzer können via Kreditkarte oder Mobiltelefon Geld hochladen und für Einkäufe auf der Plattform einsetzen. Wie weit weg ist Facebook von der Idee einer eigenen Bank von Freunden? Wäre Google noch besser? Jeff Jarvis hat dieses Thema 2008 in «What Would Google Do?» aufgegriffen (Google ist Kunde von Bernet_PR).

Rund ums Banking gibts eine Reihe von weltweit unterschiedlichen Regulierungsfragen, die den Markteintritt erschweren. Wer würde sein Geld einem Technologiekonzern oder einer Sozialen Plattform anvertrauen? Vielleicht ist das auch eine Generationenfrage. Oder der richtigen Verbindung von Technologie und Reputation.

Weitere Links:
The Independent über Zopa, 8.3.2010
Ratenkredit-Anbieter.de zu Smava 30.3.2010
Lothar Lochmaier zu Banken auf Facebook 15.2.2010
Dirk Eisner zu Web 2.0/Finanzbranche 23.3.2010

20.04.2010 | Social Media

Ustream schlägt YouTube: Video-Upload ohne Grenzen?

FernseherAuf YouTube werden jede Minute Videos in der Gesamtlänge von 34 Stunden hochgeladen. Bei Ustream sinds 53. Wo wird das alles gespeichert?

Im Rahmen einer Recherche habe ich aktuelle Zahlen rund um Social Media gesucht. Und bin auf der Suche nach YouTube-Upload-Werten auf einen interessanten Vergleich gestossen: Fierceonlinevideo.com stellt fest, dass die beiden Streaming-Anbieter Livestream und Ustream YouTube locker in den Schatten stellen. Bei diesen Mengen fragt sich der Laie: Wo stehen denn die ganzen Speicher, um diese in den Himmel wachsenden Daten zu speichern?

video uploads pro minute youtube livestream ustream

14.04.2010 | Dies & Das

Dalai Lama: Selbstwert führt zu Gemeinsinn

dalai lama in zürichSpezialisten aus Hirnforschung, Psychologie, Soziologie, Wirtschaft und Spiritualität diskutierten dieses Wochenende Egoismus,  Gemeinsinn, persönliche und wirtschaftliche Entwicklung. Vom Besuch nehme ich einen Anstoss zu mehr Übung mit.

Von Freitag bis Sonntag hat der Dalai Lama in Zürich die Konferenz «Altruismus und Mitgefühl in Wirtschaftssystemen» besucht. Durchgeführt wird sie zum zwanzigsten Mal vom Mind and Life Institute, das er mitgegründet hat.

Religionsoberhaupt, Inspiration, Leichtigkeit
Wenn «seine Heiligkeit» den Raum betritt, wird der Saal des Kongresshauses still. Ich sehe im Dalai Lama eine inspirierende Verbindung von religiöser Führungsperson, wachem und offenen Geist mit einer kindlichen Leichtigkeit. Diese drückt sich schon in der Einleitung aus, begleitet von vielen Lachern: Von Geld und Wirtschaft habe er keine Ahnung, aber vom Geist. Und wenn wir zufrieden seien durch Geld, dann beginne das ja immer im Geist, in den Gefühlen. Deshalb könne man Geld und Geist nicht trennen – im Original:

Gemeinsinn beginnt beim Ich
Der Sozialpsychologe Daniel Batson, die Hirnforscherin Tanja Singer und der Psychologe Richard Davidson zeigen am Freitagmorgen auf, dass wir nicht nur vom Egoismus getrieben sind. Gemeinsinn ist in uns angelegt, wird auch unbewusst ausgelöst, hat aber je nach Situation verschiedene selbst-bezogene Barrieren zu überwinden. Gemeinsinn kann man trainieren – wobei rein kognitives Training (nach dem Motto: lerne, dass es gut ist, liebevoll zu sein) gar nichts nützt. Wogegen täglich dreissig Minuten Meditation auch bei völligen Anfängern schon nach zwei Wochen eine messbare Verstärkung von gemeinnütziger Motivation und Handlung erreichen.

Das Loslassen üben
«Selbstzentriertes Streben nach Glück ist völlig in Ordnung,» beginnt der Dalai Lama eine Diskussion. «Das Ich ist immer präsent, in allen. In Buddha. In mir. Um Gemeinsinn zu üben, brauchen wir ein starkes Gefühl von Selbst, Selbstvertrauen, Stärke.» Das Ich habe viele Ebenen. Aus Selbstvertrauen und Stärke könne Zuneigung wachsen, aber auch Hass. Deshalb liege der Schlüssel darin, sich immer wieder zu lösen. Wegzukommen von Ablehnung und Anhaftung, Widerstand und Festhalten. Das brauche Übung. Genauso wie Klavier spielen. «Es kann nicht sein, das Gemeinsinn und Mitgefühl einfach so vorhanden sind, immer, verfügbar – im Gegensatz zu anderen Talenten, die wir erst durch Lernen und tägliches Üben zur vollen Blüte bringen.»

Loslassen üben – leicht gesagt. Aber wenn ich meine Ungeduld mit mir selbst und anderen betrachte, wird mir sofort klar, woran ich arbeiten will.

13.04.2010 | Social Media

Nestlé, Greenpeace und Facebook: Lernen aus der Krise

stop nestle by greenpeace_co_ukGreenpeace gegen Kitkat: Ein böses Video, Orang-Utans und Urwald sind der Mix, den Nestlé zu neuen Palmöl-Lieferanten bringen soll. Eine Social Media Krise mit vorerst drei Lernsätzen.

«Märkte sind Gespräche» definiert das Cluetrain Manifest schon 1999. Die Idee einer Öffnung des Dialogs im Internet, weg von den üblichen Publikationsmonopolen, hat seine Vorteile und seine Tücken.  «Erst mal Zuhören» lautet der erste Tipp aller Social Media Berater – das braucht Nerven, wenn man so zugeschrien wird, wie Nestlé in den letzten Wochen.

Greenpeace: Sympathieträger mit integraler Strategie
Auf der einen Seite steht David, seine Steinschleuder heisst virale Kampagne. Das Video dazu verleiht dem Kitkat-Werbespot ein unappetitliches Ende. Es ist eingebunden auf YouTube, mehreren Greenpeace- und einer Kampagnen-Seite. Mit den Codes für die schnelle Weiterleitung oder das Einbetten auf allen Social Media. Als die Websites stehen, folgen Facebook und Twitter. Die Botschaft: Nestlé kauft Palmöl von einem Lieferanten, der Indonesiens Urwald rodet. Der schnelle Ausbau von Palm-Anbauflächen tötet dort lebende Orang-Utans.

Nestlé: Goliath verlangt Gesprächsregeln
Auf der anderen Seite steht ein Weltkonzern als ideale Projektions- und Angriffsfläche. Nestlés Frage-/Antwort-Sammlung zeigt, dass das Unternehmen gar kein Palmöl vom kritisierten Produzenten bezieht. Greenpeace sagt, dass einfach ein Zwischenhändler eingeschaltet werde. Nestlé sagt, dass sie bis 2015 alles Palmöl von «zertifiziert nachhaltigen Lieferanten» beziehen wollen – noch sei auf dem Weltmarkt zu wenig von dieser Qualität verfügbar. Nestlé kauft 0.7 Prozent der Weltproduktion.

Nestlé beruft sich auf Regeln. Zuerst lässt man das Video auf YouTube entfernen, wegen Verletzung der Urheberrechte. Für Daniela Montalto, Greenpeace Forest Campaign Head, war das der Wendepunkt: «Internet-Nutzer waren empört und haben begonnen, das Video in ihrem Netzwerk und auf anderen Plattformen zu verteilen.» (Interview mit France 24, 2.4.2010.) Die Protestwelle wächst.

Die Zahl der Facebook-Fans steigt auf über 90′000 – und die Pinnwand ist voll von Links und mehrheitlich gehässigen Texten. Das Social Media Team reagiert gereizt, wenn Fans als Profilbild ein verändertes Nestlé-Logo verwenden. Zum Beispiel «Killer» statt «Kitkat», wie man es auch von der britischen Greenpeace-Seite runterziehen kann. Einmal wird der Nestlé-Administrator auf Facebook zu ruppig, was zu einem erneuten Anschwellen des Protests führt – die Details der Auseinandersetzung auf Social Media Influence.

Social Media Krise: Viel zu lernen
Märkte sind Dialoge – die Menge auf Facebook und Twitter schreit. Wer es wagt, KitKat zu mögen, wird als Sympathisant zugedeckt. Die Facebook-Moderation entschuldigt sich etwas später für den Eclat rund um Kommentare und Logos mit der Bemerkung, «Wir haben noch viel zu lernen». Nestlé verabschiedet sich für einige Tage aus der Diskussion – und wird dann doch irgendwie vermisst. Die Pinnwand sieht immer schlimmer aus, bis sie über Ostern aufgeräumt wird: Fans können keine Links und Videos mehr posten und die Kommentare werden in einem Fenster gesammelt, das man erst aufmachen muss.

facebook nestle und kitkat seiten

Was lässt sich aus der Geschichte grundsätzlich lernen?

1. Der Angegriffene hat nie Recht: Es ist sehr unangenehm für ein Unternehmen und alle Mitarbeitenden, so am Pranger zu stehen. Der Angreifer hat einen Überraschungsvorteil, aus der Defensive kann man keine Regeln setzen. Während Greenpeace die Strategie definiert hat, muss Nestlé sich erst mal orientieren. Wobei die Sympathiepunkte von Beginn weg ungleichmässig verteilt sind.
2. Taten sind wichtiger als Worte:
Die Beschleunigungs- und Multiplikationseffekte von Social Media führen die öffentliche Diskussion auf eine neue Ebene. Trotzdem zählen am Ende des Tages die konkreten Taten. Mir erscheinen die von Nestlé dokumentierten Schritte nachhaltig. Obwohl im Hin und Her der Argumente noch keine wirkliche Übersicht möglich ist.
3. Worte brauchen eine Stimme: Wer sich als Unternehmen im öffentlichen Dialog exponiert, braucht eine starke Stimme. Auf der eigenen Website und – entsprechende Ressourcen vorausgesetzt – auf Sozialen Netzwerken. Der Aufwand für gut gemachte Inhalte, das Lesen und Beantworten von Kommentaren, das Sicherstellen von hoher Präsenz in Krisen verlangt ein sehr hohes, konstantes Engagement.

Wer sich als Unternehmen sagt: Nein, das lass ich lieber – der wird besucht. Die oben rechts abgebildete inoffizielle Kitkat-Facebook-Seite zählt 767′000 Fans. Die von Nestlé klinisch rein gehaltene Kitkat-UK-Facebook-Seite versammelt 128′000.

12.04.2010 | Gipfel, Social Media

Social Media Gipfel: Fotos, Learning

Social Media GipfeliIm Dezember haben wir mir Blogwerk den Social Media Gipfel lanciert – hier ein Learning, Fotos und Videos nach dem geglückten dritten Anlass vom letzten Mittwoch.

Wir haben einen Nerv getroffen: Das frühmorgendliche Format nervt alle Morgenmuffel und macht die Anreise schwierig. Aber die Anwesenden schätzen die Tatsache, dass der Tag danach noch offen bleibt. Entscheidend bleibt der Inhalt. Social Media Erfahrungen sind eine sehr gesuchte Währung. Und mit dem kostenlosen, unprätentiösen Konzept haben Peter Hogenkamp und ich etwas umgesetzt, was wir beide mögen. Genau wie die 100 Personen, die sich innert einer Stunde nach der Ausschreibung auf die vorhandenen Plätze setzen. Die eingebetteten Fotos sind von kooaba-CEO Herbert Bay, @hebay – weitere Bilder bei Michael Schmid, @schnitzel86.

Hier die ganze Präsentation mit den Folien von Matthias Lüfkens und Till Quack (ohne Videos):

Mehr Fragen, mehr Erfahrungen
Am 3. April hatten wir mit dem WEF (Beitrag vom 9.4.2010) und der Lancierung des Paperboys (Beitrag vom 7.4.2010) wiederum anregende und interessante Inhalte zu bieten. Fürs nächste Mal wünsche ich mir mehr konkrete Social Media Erfahrungen, Fallstricke und Stolpersteine. Und bissige Fragen aus dem Publikum. Hier kann man sich auf die E-Mail-Liste für die nächste Ausschreibung setzen.

Video-Ausschnitte, bearbeitet von CorpMedia:
Matthias Lüfkens/ WEF zu Twitter und Facebook
Till Quack zu Augmented Reality und zur neuen Anwendung Paperboy

06.04.2010 | Social Media

Facebook Zahlen Schweiz: 2 Millionen überschritten

facebook schweiz logoDie Bernet PR/Serranetga-Auswertung zeigt einen markanten Anstieg der aktiven Schweizer Facebook Nutzer. Im ersten Quartal 2010 sind 325′820 dazu gekommen, das Total erreicht 2.115 Millionen. Etwas stärker wachsen die Altersgruppen über 20.

Ich kam mir ja schon richtig mutig vor, als ich im Beitrag vom 21.1. die Schweizer Dezember-Zahlen mit einer Prognose von 2.2 Millionen bis Ende 2010 abschloss. Auf Ende 2009 wurde die Kurve ziemlich flach, ich sah eine Sättigung voraus. Asche auf mein Haupt, hier die wichtigsten Fakten und Charts in Kürze. Die Quelle aller Daten liegt bei unserem Daten-Partner Serranetga, sie sammeln und aggregieren die Schweizer Fakten direkt bei Facebook.

Schweizer mögen Facebook: Grosser Sprung im Februar
Die Grafik zeigt das zaghafte Wachstum ab August 2009 – der Jahresanstieg erreichte 90 Prozent. Dann ein grosser Sprung im Februar; müsste Facebook eine Dankeskarte an Simon Ammann und Carlo Janka senden?

facebook aktive nutzer schweiz märz 2010

Diese Werte berücksichtigen im Gegensatz zu anderen Quellen nur diejenigen Profilinhaber, die ihre Seiten in den letzten dreissig Tagen besucht haben. Facebook gelingt damit auch in der Schweiz der Ausbau als grosser Web-Treffpunkt. International werden auf der Presseseite immer noch 400 Millionen Nutzer gemeldet.

Zunahme eher über Zwanzig
Eine Grafik der Weltwoche (siehe bernetblog vom 29.1.) zeigt, dass Facebook bei den Jüngeren schon aus demografischen Gründen nicht mehr stark wachsen kann. Ein Profil anlegen darf man übrigens ab 13.

Die 18 Prozent Wachstum im ersten Quartal 2010 verteilen sich deshalb etwas stärker auf die Kuchenschnitze ab 20 Jahren. Facebook bleibt eine breit abgestützte Plattform für unterschiedliche Altersklassen mit sehr unterschiedlichen Interessen.

facebook nutzer schweiz nach alter

Geschlecht und Sprachen stabil
Praktisch unverändert bleiben die Anteile der Männer und Frauen – die Nutzerinnen gehen um 1 Prozent zurück, die Balance bleibt trotzdem gewahrt. Deutsch bleibt mit 60 Prozent die meistgewählte Profileinstellung, gefolgt von Französisch, Englisch und Italienisch.

facebook nutzer schweiz geschlecht und sprache

Verweildauer 7, 25 oder 55 Minuten pro Tag?
Sehr unterschiedlich sind die Daten zur Verweildauer. Per Ende Dezember hatte Serranetga noch Daten zur Schweizer Verweildauer erhalten. 25 Minuten sagte Facebook, jetzt sind sie nicht mehr verfügbar. Auf der Presseseite spricht Facebook von 55 Minuten, die der Durchschnittsnutzer bei ihnen sitzen bleibe. Nielsen gibt aufgrund von Befragungen einen globalen Schnitt von 5.5 Stunden pro Monat an, Büro- und private Nutzung kombiniert. Sogar ein Schweizer Wert ist ausgewiesen: 3 Stunden 26 Minuten für den privaten Zugang.  Das wären bei 30 Tagen dann nur etwas mehr als 7 Minuten täglich.

Wo liegt die Wahrheit? Dass immer mehr Menschen immer mehr Zeit auf Facebook verbringen, bleibt unbestritten. Um den mittlerweile grössten Web-Versammlungsplatz kommt niemand mehr herum. Sogar Apple gibt die eigene Monopol-Strategie auf und pusht seit kurzem die iPhone-Apps auf einer speziellen Facebook-Seite. Noch ist sie zugeschnitten auf den amerikanischen Markt.

Link
Alle bernetblog-Beiträge zu Facebook-Zahlen

26.03.2010 | Medien

Blick im Newsroom: Schön, schnell, hierarchisch

blick newsroom wallGestern Abend lud der ZPV zu einer Besichtigung des neuen Blick-Newsrooms. Schön ist er geworden, Journalismus wird noch schneller und bleibt hierarchisch.

Edi Estermann, Projektleiter des dreijährigen Unterfangens für 15 Millionen Franken, führte eloquent und offen durch die Idee und den Raum selbst. Leider war dann abends um 1830 Uhr nicht mehr ganz so viel los – hier arbeiten 200 Mitarbeitende von 0600 bis 0030 Uhr für Blick, Blick am Abend, Sonntagsblick, Blick Online.

Schön – aber verschachtelt
10 Millionen der Investition gingen in den Umbau des Gebäudes – Edi Estermann zitiert Michael Ringier: «Journalismus gehört in die Stadt». Deshalb habe man nicht im Hagenholz gebaut, wo Ringier TV sitzt, sondern im teuren Zentrum. Man merkts: Aus Platzgründen sitzen nicht alle 200 auf derselben Etage, sondern auf zwei Stockwerken. Die Räume sind sehr schön gestaltet, die riesige Monitorwand im Zentrum ist ein Blickfang und auch für Führungen ist man bestens eingerichtet.

blick newsroom zentrum

Schnell – weniger Textübergaben, weniger Abteilungen
Viel Zeit hat Ringier in die Analyse und Optimierung der Abläufe investiert. Texte wurden im Schnitt über elf Stationen gereicht, bis sie publiziert werden konnten – heute liegt diese Zahl bei sechs. Früher gabs dabei sieben Korrekturmöglichkeiten, heute noch fünf. Um die täglichen Redaktionssitzugen am Stehpult in der Mitte des Schaltzentrums auf maximal eine Stunde zu drücken, müssen alle Themenvorschläge von den Ressorts vorher im Planungssystem erfasst werden. Edi Estermann: «Die Eingaben werden vorher gelesen, pro Ressort gibts dann nur noch zehn Minuten Diskussion.»

Früher arbeitete einzig der Sport für alle Titel, jeder Blick hatte seine eigene Nachrichten-, Wirtschafts-, Politik-, Lifestyle- und People-Redaktion. Heute arbeiten alle Ressorts für alle Ausgaben. Einzig das Magazin des Sonntagsblick ist teilweise separat bestückt. «Die grosse Herausforderung liegt in der Abstimmung der Ressourcen, dem zeit-, themen- und lesergerechten Bespielen aller Blick-Ausgaben.»

Chefs müssen sein – stark inszeniert
Dieses Abstimmen verlangt Austausch und Führung. Dass die Redaktionssitzungen im Plenum und nicht mehr in einem geschlossenen Raum stattfinden, betrachtet Estermann als Fortschritt. Doch nur, wer ganz nahe sitzt, bekommt etwas mit von den «öffentlichen» Diskussionen. Und das sind die Ressortleiter auf den Arbeitsplätzen gleich rund um das zentrale Stehpult.

Fünf Chefs sind im Halbrund platziert, auf den einzigen schwarzen Tischen auch optisch abgehoben. Diese Inszenierung wirkt etwas aufgesetzt. Eine Leitung brauchts, sie gehört ins Zentrum. Und trotzdem wird hier etwas unterstrichen, was der Gesamtidee des Newsrooms irgendwie widerspricht. Aber vielleicht schwingt hier nur der Neid des externen Betrachters mit, der wohl auch am liebsten an dieser Banane sitzen würde.

24.03.2010 | Social Media

Website für iPhone: Sind Ihre Inhalte mobil?

baustelleMobiles Surfen wird stark zunehmen, meint unter anderem Morgan Stanley. Wie sehen Ihre Inhalte auf Smartphone-Bildschirmen aus? Hier die Learnings aus der Mobil-Anpassung des bernetblog.

In den letzten Wochen haben wir den bernetblog für mobile Zugriffe optimiert. Ich hatte mich über den eher langsamen Seitenaufbau und die fehlende Schnellübersicht geärgert. Und die vielen guten Mobil-Ansichten von 20Minuten, NZZ Online (nur verfügbar über die iPhone-Apps), netzwertig.com oder mashable.com hatten mich inspiriert.

Immer mehr Mobil-Zugriffe
Eine Auswertung der bernetblog-Zugriffe in den letzten beiden Monaten zeigt zwar eine klare Dominanz der Desktop-Betriebssysteme:

bernetblog analytics q1 10

Immerhin steht das iPhone schon auf Platz 4 – aber gerade mal 1.25 Prozent der Seitenabrufe. Schön, wir werden auch von der Playstation gelesen – aber Blackberry-User scheinen nicht gerade starke Surfer zu sein? Habe ich hier also nur einem persönlichen Hobby gefrönt? 12 Prozent der Schweizer surfen mobil, nur 5 Prozent besitzen ein iPhone, 12 Prozent sinds gemäss IGEM-Studie (PDF) in der Führungsetage.

Diese Zahlen werden sich ändern: Swisscom gibt bei der Ankündigung des schnelleren LTE-Netzes an, dass jedes dritte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone sei. Und dass sich der mobile Datenverkehr alle acht Monate verdopple. Morgan Stanley sieht im Bericht «Economy Trends» (Web 2.0 Summit, Oktober 2009, PDF) die Zunahme der mobilen Internet-Nutzung als einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Das Argument wird unter anderem begründet mit einem Vergleich der Nutzer-Entwicklung. iPhone und iPod Touch erreichten nach rund zwei Jahren geschätzte 57 Millionen Käufer, AOL in derselben Zeit 7 Millionen.

morgan stanley mobile internet outpaces desktop

Gutes Basisthema anpassen
In der Zusammenarbeit mit elixir haben wir uns für das Carrington Mobile Theme entschieden. Es setzt auf Wordpress auf und bietet eine total reduzierte Sofort-Umsetzung (Testseite) der Seiteninhalte.  Marco Malacarne von elixir war froh, dass dieses Theme «schlau» programmiert ist: «Die Optimierungen im Layout und für die richtige Übernahme von Bildern waren aufwändig – deshalb ist wichtig, dass die Basis sauber und offen programmiert ist.»

Nun sind wir fit für die gängigen Smartphone-Bildschirme von iPhone, Blackberry, Android, Nokia. Wobei es von Objekt zu Objekt leichte Abweichungen geben kann. In den Tests haben wir sogar Mikro-Unterschiede von iPhone zu iPhone festgestellt.

Schnell, schön und praktisch im Layout
Bei den Anpassungen mussten wir immer wieder wählen zwischen schöner Grafik und schneller Lesbarkeit. Nach mehreren Tests haben wir uns für diesen Einstieg entschieden – der Zugriff klappt übrigens über die normale Web-Adresse www.bernetblog.ch.

bernetblog startseite mobil

Wichtig war uns auch eine einfache Navigation von Beitrag zu Beitrag – also nicht nur von «oben» aus dem Inhaltsverzeichnis. Die Weiterleitungs-Funktionen haben wir mit AddThis gebaut, wie auf der Standardansicht.

bernetblog funktionen mobil


Zum Glück sind www.bernet.ch und unser Schnellzugriffsportal schon ganz praktisch lesbar auf den kleinen Bildschirmen. Doch zurück zu unseren Zahlen aus Google Analytics: Hätten wir die rund 5000 Franken an externer Entwicklung (also ohne interne Projektleitung) besser erst später investiert?  Unsere monatlich rund 160 mobil-Gäste freuen sich hoffentlich über das Redesign.

19.03.2010 | Medien

Die Zukunft des Journalismus: Weniger Geld, mehr Meinung

qualitätsjournalistEine US-amerikanische Analyse des Medienjahrs 2009 zeigt den drastischen Rückgang von Inseraten, Auflagen und Arbeitsplätzen. Diese Tendenz setzt sich 2010 fort. Wohin das alles führt, weiss  niemand genau – drei Bewegungsrichtungen sind klar.

Das Pew Research Center bietet eine vorbildliche Sammlung von Daten rund um Medien und Journalismus – in einer Qualität, die auch für die Schweiz wünschenswert ist. Das Zentrum bezeichnet sich auf der Website als «überparteilicher Fakten-Tank», getragen von den gemeinnützigen Pew Charitable Trusts. Über die jährliche Studie «State of the News Media» hat der bernetblog schon anfangs 2009 berichtet: «Wo versteckt sich die Rendite?» bleibt auch in der Studie 2010 Kernthema. Die wichtigsten Daten von 2009 samt den Trends, wie sie durchaus auch für Europa und die Schweiz gelten:

1. Das Geld geht aus
Die Zahlen sind dramatisch: US-Zeitungen haben 2009 in Online und Print zusammen 26 Prozent Werbeumsatz verloren. Der kumulierte Rückgang der letzten drei Jahre liegt damit bei 43 Prozent. Immer noch kommen 90 Prozent der Zeitungseinnahmen aus dem Printbereich. Einzig das Kabelfernsehen konnte im letzten Jahr ein minimales Umsatzplus verzeichnen:

pewresearch change in ad revenue by medium 08-09

Im Vergleich dazu liegen Schweizer Zahlen nur für Print vor. Die Erhebungen von Schweizer Presse/VSW/Wemf zeigen für 2009 2010 [Korrigenda: Das ist ja nur ein Monat kumuliert - die 2009er Zahlen besorge ich für einen nächsten Artikel] ein kumuliertes Minus von 17 Prozent für Print, mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen nach Titeln, Regionen und Art der Inserate. Dieser Auszug ist der Wemf-Januarstatistik (PDF-Link) entnommen:

wemf inseratestatistik januar 2010

Es geht uns also noch deutlich besser als den Verlagskollegen in den USA – trotzdem steckt in diesem Fazit der Autoren die Wahrheit auch für Europa: «Die Industrie muss ein neues Geschäftsmodell finden, bevor das Geld ganz zu Ende geht.»

2. Mehr Plattformen, weniger Aufmerksamkeit
Diesbezüglich ist die Entwicklung in den USA ein ganzes Stück weiter – und wird uns Europäern mit den vielen sprachregionalen Abgrenzungen und den kleinräumigeren Märkten immer voraus bleiben. Immer mehr nicht-klassische-Verleger drängen mit Inhalten aufs Web. Auf einer Seite des Spektrums stehen mitschreibende User mit privaten oder politischen Interessen, früher nur als «Leserin und Leser» bekannt. Auf der anderen buhlen journalistisch ausgerichtete Plattformen wie Politico, Huffington Post, ProPublica, Kaiser Health News oder Global Post um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Irgendwo dazwischen stehen Aggregatoren von Yahoo über MSN bis GoogleNews.

Da weiss der geneigte Leser nicht mehr, wohin gucken. Von der beschränkten Zeit wird überall ein bisschen weniger verteilt, niemand mehr hat einen einzigen bevorzugten News-Kanal – siehe dazu auch den Beitrag «Newskonsum: Internet rückt vor». Das drückt auf die Anzeigenpreise und die Auflagen – dazu eine letzte schlimme Kurve zu Tages- und Sonntagszeitungen in den USA:

pewresearch newspaper circulation 03-09

3. Mehr Meinung, mehr Sofortberichte
Die Pew-Studie zeigt auf, dass der Mehrinhalt auf diesen Plattformen vor allem mehr Meinung bringt. Original recherchierte Artikel kommen immer noch in erster Linie aus den Online-Angeboten der traditionellen Verlage. «Unsere langfristige Auswertung von mehr als einer Million Blogs und Social Media Seiten zeigt zum Beispiel das 80 Prozent der dortigen Links auf die Online-Seiten klassischer Medienhäuser führen.» Meinung verdrängt die Recherche, bezieht sich aber gleichzeitig gerne auf die inhaltlichen Vorleistungen.

Ebenso bedrängt wird die Recherche vom Echtzeit-Rausch der Absender und Empfänger. Jedes Medium will die News zuerst im Web haben, da bleibt keine Zeit für Rückfragen. Flatterhafte News-Empfänger wechseln ihre Favoriten, wenn der Bericht über eine Unternehmensfusion auf der einen Plattform zuerst steht. Zu recht sieht Pew als Folge immer mehr Instant-News, die unreflektiert aus PR-Quellen oder Social Media Diskussionen übernommen werden.

Die «Alten» sind noch die Grössten – wie weiter?
Alle diese Beobachtungen blicken auf einen vorbei ziehenden Lavastrom. Noch ist er keineswegs erkaltet. Er zerstört lieb gewordene Denkmuster, Geschäftsmodelle und journalistische Praktiken. Das Neue, das aus dieser Zerstörung wachsen wird, erscheint ungewiss bezüglich Finanzierung und Akzeptanz. Interessant ist, dass bei aller Aufmerksamkeit für das Neue die klassischen Medienanbieter immer noch eine herausragende Rolle spielen: 67 Prozent der meistbesuchten News-Seiten gehören «alten» Verlegern.

Die Zeit läuft aus, das Geld wird knapp. Gespart und rationalisiert wird in der Produktion von Inhalten. Journalismus wird schneller, meinungsorientierter und in vielen Fällen unreflektierter, näher an den Newsquellen aus Wirtschaft, Kultur, Politik, Tagesgeschehen. Es macht wenig Sinn, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen. In der Grundrichtung wird sie sich durchsetzen.

Nischen für Qualität und mehr Kooperation
Verleger tun gut daran, Gefässe für Recherche und Reflektion weiterhin zu pflegen – in Nischen werden diese Inhalte sehr gefragt sein und sie werden als Orientierungs-Leuchtfeuer dienen. Denn der Newskonsument von morgen wird noch überforderter sein in seiner Quellenwahl als er es heute ist. Sprunghaft wird er trotzdem bleiben. Von eminenter Bedeutung ist die Zusammenarbeit der Verleger in allen Bereichen, die über den Redaktionsraum hinausreichen. Das verlangt ein schmerzhaftes Umdenken. In diese Richtung weisen das E-Reader-Projekt von Swisscom, NZZ, Ringier, tamedia und Orell Füssli oder die im Aufbau befindliche Online-Bezahlplattform Journalism Online in den USA.

Dieser Artikel erschien auch auf NZZ Online / Extrablog.

16.03.2010 | Medien, Social Media

News sind sozial

zeitungsleser In den USA werden Nachrichten immer stärker Online und mobil abgerufen. Soziale Netzwerke werden für News-Anbieter so wichtig wie Suchmaschinen – Plattformen wie Facebook werden zum Bazar für News.

Anfang März publizierte das Pew Research Center die lesenswerte Studie «The New News Landscape». Sie zeigt, dass bereits ein Drittel der US-Amerikaner/innen News übers Mobiltelefon lesen. Das Internet ist nach dem Fernsehen die zweitwichtigste Quelle für Nachrichten, die Mehrheit der Befragten nutzt täglich bis zu sechs verschiedene Newszugänge, siehe «Newskonsum: Internet rückt vor» mit einem Vergleich USA/Schweiz. Interessant sind die sozialen Aspekte im Umgang mit Nachrichten:

Soziale Netzwerke auf News-Empfang
Wie werden News empfangen? Ganze drei Viertel der Online-News-Lesenden geben an, dass sie Neuigkeiten via E-Mail und / oder Einträgen auf Sozialen Netzwerken erhalten. Der Austausch via E-Mail und Netzwerke kombiniert ist also sehr gross. Dabei geht es den Empfängern wie uns allen: 38 Prozent lesen alle erhaltenen Sendungen, 37 Prozent einen Teilen, 23 Prozent haben selten die Zeit dazu.

Noch spannender wird diese Zahl: 23 Prozent der Benutzer von Sozialen Netzwerken, die News Online lesen, verfolgen Journalisten oder Medien auf Plattformen wie Facebook.

Die grosse soziale News-Verteilmaschine
Was tun die Empfänger mit Neuigkeiten? Die Hälfte der Internet-Newskonsumenten gibt Inhalte via E-Mail weiter, ein Viertel kommentiert. An dritter Stelle folgen wiederum die Sozialen Netzwerke: 17 Prozent geben an, einen Link zu einer Nachricht erfasst zu haben, ergänzt mit ihren Gedanken. 11 Prozent setzen Tags oder Schlagworte zu Einträgen, kategorisieren sie in ihren Linksammlungen. Nur 9 Prozent schreiben selbst Beiträge, posten eigene Videos oder Bilder. Twitter als kürzeste Form des Weiterleitens von Links und News erreicht 3 Prozent.

was machen internet user mit news

Soziale Netzwerke so wichtig wie Suchmaschinen
Im Vordergrund des Mitmachweb stehen das schnelle Weiterverbreiten und Kommentieren. Soziale Plattformen wie Facebook werden in zunehmenden Masse zum persönlichen Nachrichtenbazar. Hier verbringen Web-Nutzer sowieso viel Zeit, sie lesen also auch noch gleich ihre Lieblingszeitung und die News-Tipps von Freunden. Sie beteiligen sich am Kommentargespräch, geben ihre Sicht der Dinge am liebsten über Links an andere weiter.

News waren schon immer sozial, Märkte schon immer Gespräche. Jetzt werden sie zunehmend Online geführt. Und weil die Teilnehmenden nicht überall präsent sein können, verweilen sie lieber ein wenig länger zwischen E-Mail und Facebook.

Soziale Netzwerke erhalten für den Empfang und die Weiterverbreitung von News eine ähnlich hohe Bedeutung wie Suchmaschinen.

15.03.2010 | Medien

Newskonsum: Internet rückt vor

zeitungsleser In den USA werden Nachrichten zunehmend online gelesen. Ein Vergleich mit neuesten Schweizer Daten zeigt, dass Zeitungen und Radio weiter Anteile verlieren dürften.

Anfang März publizierte das Pew Research Center die lesenswerte Studie «The New News Landscape», kurz darauf erschien die «Kommtech-Studie 2010» (leider nur in Auszügen veröffentlicht) von Igem und Publica Data. Beide dokumentieren die laufende Veränderung der Mediennutzung und erlauben in Teilbereichen einen interessanten Ländervergleich.

USA: Internet liegt vorne, Zeitung am Schluss
Heute führen viele Wege nach News: Die Hälfte der US-Amerikaner/innen nutzt täglich bis zu sechs verschiedene Medienplattformen. An der Spitze der Nennungen steht dabei im Fernsehland immer noch ein lokaler oder nationaler TV-Sender mit Nennungs-Anteilen von 78 respektive 73 Prozent. Gleich darauf folgt das Internet mit 61 Prozent. Das Radio erreicht nur noch 54 Prozent der Nennungen, die lokale Zeitung 50 und nationale Zeitungen wie USA Today oder die New York Times 17 Prozent.

Damit heisst die Rangfolge für den Newskonsum in den USA: TV, Internet, Radio, Zeitung. In der Schweiz heisst sie: TV, Radio, Zeitung, Internet.

newskonsum_usa_ch_2010_bernetblog

Noch umgedrehtes Bild in der Schweiz
Die Zahlen der Kommtech-Studie sind leider nicht detailliert zugänglich, im NZZ-Artikel vom 9. März listet Rainer Stadler folgende Zahlen: Als Quelle für tagesaktuelle Infos nennen 77.1 Prozent das Fernsehen, 71.5  das Radio, 68.4 die kostenpflichtige Tageszeitung, 52.7 die Gratiszeitung, 45.6 das Internet und 41.2 den Teletext. So, wie sich in der Schweiz die Mehrfachnennunen für gekaufte und Gratiszeitung nicht addieren lassen, sind auch die lokalen und nationalen Zeitungswerte in den USA nicht summierbar. Deshalb verwendet die Grafik in beiden Fällen den jeweils höheren Wert einer Teilgattung.

Fernsehen und Internet rücken zusammen
Muss die Schweiz den selben Weg gehen wie die USA? Keineswegs. Aber für mich ist ganz klar: Die Richtung Verschiebung ist gegeben. Die gedruckten Zeitungen werden weiterhin Anteile verlieren, das Internet wird sich an die Spitze vordrängen. Interessant wird, wie sich das Fernsehen weiter entwickelt – wenn immer mehr TV übers Mobiltelefon und über Laptops oder Tablets konsumiert wird, dann rücken Fernsehen und Internet für die Benutzer noch näher zusammen. Dasselbe gilt für Fernseher, die surfen können. Werden die TV-Stationen mit ihren ausgebauten News-Angeboten die Doppelnutzer abholen oder die Online-News von klassischen Printverlegern?

Dieser Artikel erschien auch auf meinem Extrablog für NZZ Online.

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