Lilly AndereggLilly Anderegg

Senior Beraterin.

Lic. phil. Publizistik, CAS Professionelle Medienarbeit, Agentur- und Verlagserfahrung, Verantwortliche interne Kommunikation und Kommunikationsanalystin. Sucht Abwechslung und Herausforderung gerne auf Afrikareisen.

Beiträge von Lilly Anderegg:

26.08.2010 | Social Media, Studien

Fummeln im Web

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Wie nutzen die «Digital Native», die bereits mit dem Internet aufgewachsen sind, Social Media? Studien zeigen: Jugendliche fummeln oberflächlich im Web, sie sind keine Experten.

Wir «Alten» halten das Internet für ein revolutionäres Medium, schwärmen von den Segnungen des Blogs und twittern um die Wette. Jugendliche sind happy, wenn ihre Freunde in Reichweite sind und bei YouTube die Videos nie ausgehen. Anders als für die «Digital Immigrants» ist das Internet für Jugendliche weder Faszination noch Lifestyle – sondern einfach Mittel zum Zweck, ein Werkzeug. Statt vom Web sprechen sie von Google, YouTube und Facebook. Sie «gehen» nicht ins Internet, sondern sie sind «on» oder «off» – für ihre Freunde erreichbar oder nicht. Sehr unterhaltsam fasst der Artikel Null Blog auf spiegel.de diese Erkenntnisse aus verschiedenen Studien zur Internetnutzung von Jugendlichen zusammen.

Beziehungspflege steht im Vordergrund
Besonders umfassend hat das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg die Rolle von Web 2.0-Angeboten im Alltag von Jugendlichen untersucht (Zusammenfassung der Studie Heranwachsen mit dem Social Web als PDF-Download oder Präsentation auf Slideshare). Gemäss dieser repräsentativen Studie von 2009 dient das Internet vor allem der Freundschaftspflege. Für die Jugendlichen ist das Beziehungsmanagement in Netzwerken das wichtigste Motiv der Social Web-Nutzung. Sehr selten ist der Typ des experimentierenden Selbstdarstellers (3 Prozent), der kreativ mit dem Social Web umgeht und eigene Inhalte schafft (z.B. Video drehen).

Wenige wollen aktiv mitmachen
So sind die meisten Jugendlichen nicht besonders geschickt im Umgang mit den digitalen Medien. Das Einzige, was Jugendliche den Älteren voraushaben, ist ihre Unbefangenheit am Computer. «Fummeln können sie», zitiert spiegel.de den Hamburger Bildungsforscher Rolf Schulmeister. «Sie bringen jedes Programm zum Laufen, und sie wissen, wo sie sich Musik und Filme besorgen können. Aber wirklich gut darin ist auch nur eine Minderheit.»

Gemäss der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie 2010, die auf Interviews mit 1800 Personen beruht, nutzen gerade mal 9 Prozent der 14- bis 19-Jährigen Twitter «zumindest selten». Die meisten bleiben passiv und melden sich selbst nicht zu Wort auf Twitter, in Blogs, auf Wikipedia oder YouTube. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt das Interesse an aktiver Beteiligung im Internet sogar – in allen Altersklassen. 2009 äusserten noch 13 Prozent der Befragten eine gewisse Bereitschaft, auf Online-Plattformen mitzuwirken; 2010 sind es nur noch 7 Prozent. Unter den 14- bis 19-Jährigen sank die Zustimmung von 49 auf 35 Prozent; bei den 40- bis 49-Jährigen nahm sie sogar von 28 auf 12 Prozent ab (Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie zur Web 2.0-Nutzung als PDF-Download).

ARD/ZDF-Onlinestudie: Web 2.0-Nutzung

ARD/ZDF-Onlinestudie: Web 2.0-Nutzung

Web 2.0 und Museen – geht das?

Tag CloudKaum ein Schweizer Museum nutzt Social Media, dabei gibt es gute internationale Beispiele. Eine kurze Übersicht der Einsatzmöglichkeiten.

Noch sind die Museen im deutschsprachigen Raum verhalten, was den Einsatz von Web-2.0-Elementen betrifft. Gemäss einer Studie nutzt nur das Städel in Frankfurt die ganze Bandbreite der Web-2.0-Funktionalitäten.

Das Städel-Netzwerk als Vorreiter
Neben einem Facebook-Auftritt mit über 2000 Fans integriert die Website des Städel-Museums weitere Web-2.0- und Community-Elemente (siehe auch Video-Beitrag Museum trifft Web 2.0):

Die anderen Museen im deutschsprachigen Raum nutzen die Möglichkeiten von Social Media erst vereinzelt oder nur punktuell für eine Ausstellung oder ein Projekt, so das Fazit der erwähnten Studie. Die Bereitschaft zu einem weitergehenden oder umfassenden Einsatz sei noch nicht gegeben.

Street Museum

Kunstwerke auf Londons Strassen
Eine gute Idee hatte das Museum of London. Ein Programm für das iPhone bringt die verschiedenen Werke des Museums per Geotagging und Augmented Reality in Kontext mit der Stadt. Die Anwendung Street Museum verknüpft die (Landschafts-)Bilder und Fotografien aus dem Museum mit den heutigen realen Orten. Auf einer Stadtkarte werden die Ursprünge der Bilder angezeigt. Ist der Nutzer an einem dieser Orte unterwegs, wird das Kunstwerk auf dem Telefon-Display eingeblendet, sodass er es mit der heutigen Ansicht vergleichen kann.

Brooklyn Museum setzt Benchmark
Mein persönliches Vorzeigebeispiel ist das Brooklyn Museum mit seinem beispielhaften und überwältigenden Einsatz partizipativer Möglichkeiten und dazugehöriger Community – auch virtuell ein Besuch wert.

Studien zum Thema:

Die neu-grüne Welle

Grüne WeltWo treffen sich Non-Profit-Unternehmen, Start-ups und Video-Journalisten? Auf iturn.tv vernetzen sich Umweltaktivisten, Gutmenschen und Unternehmen, die vom LOHAS-Trend profitieren wollen.

iturn.tv ist eine gemeinnützige Schweizer Online-Plattform für Videos, die eine nachhaltige Entwicklung fördern. Die Video-Beiträge werden von Community-Mitgliedern oder der iturn.tv-Redaktion produziert und auf die Plattform geladen. Ich bin versucht, Hobby-Filmer als Zielgruppe aufzuzählen – aber wer hat heute noch ein Hobby? Au contraire: Der moderne Mensch hat keine Hobbys, sondern einen Lifestyle. Gemäss eigener Angaben richtet sich iturn.tv an Menschen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung interessieren, Wert auf Qualität und Design legen und gleichzeitig mit guten Gewissen geniessen wollen – auf Neudeutsch Lohas.

Wer sind Lohas?
Lohas steht für «Lifestyle of Health and Sustainability» und beschreibt eine Zielgruppe von «Kulturkreativen» (unter Zynikern auch «moralische Hedonisten»), die aktiv in den Markt eingreifen und mit ihrem Konsum eine Verbesserung der Welt für nachfolgende Generationen erreichen will (Der politische Konsument im Internet). Der Lohas-Weg soll zu transparenteren Unternehmen führen, die fair und umweltbewusst handeln. Dabei sind sie jedoch weniger politisch-ideologisch als vielmehr sinnlich-ästhetisch orientiert. Es geht nicht um Verzicht, sondern um Genuss mit gutem Gewissen.

Finden Sie raus, ob Sie zu den Lohas zählen: Ein Test auf jetzt.de bringt die Wahrheit ans Licht. Wie verbringen Sie zum Beispiel Ihre Ferien? Ballermann auf Mallorca? Städtetrip nach London? Oder mit dem VW-Bus nach Osteuropa? Und wenn das nicht geht: Interrail? Die richtige Antwort lautet wohl spätestens seit Hape Kerkeling: Jakobsweg.

Für eine zukunftsfähige Welt
iturn.tv gibt sich selbst den Claim «Für eine zukunftsfähige Welt». Was auf den ersten Moment anbiedernd klingt, muss so schlecht gar nicht sein. Das Video-Portal schafft eine ehrlichen, sympathischen Auftritt ohne belehrend zu wirken. Es gibt wechselnde Videos der Woche, eine Themen-Auswahl und eine Stichwort-Suche. Unter dem Stichwort «Afrika» finde ich zum Beispiel einen Video-Beitrag von Greenpeace: «Solar Kickoff» in Jericho! Greenpeace Afrika richtete mit Jugendlichen aus dem südafrikanischen Dorf Jericho und lokalen Solarzellen-Herstellern eine solarbetriebene Live-Übertragung der Fussballmeisterschaft auf Grossleinwand ein. (Obwohl: Es geht auch ohne Grossleinwand – in Afrika und anderswo: Fans Watching World Cup.)

Auch eine Kurzanleitung für die Produktion eines Videobeitrags steht auf iturn.tv zur Verfügung – von der Idee über das Storyboad bis zum Schnitt. Viel Wahrheit steckt in diesem Tipp: «Die wichtigste Regel: Halte die Kamera ruhig!». Ziel ist der Erfahrungsaustausch und die «inspirierende Orientierung im Hinblick auf eine gesunde und faire Lebensweise». Jeder darf mitmachen und seinen Tipp für eine bessere Welt als Video auf die Plattform laden. Ob es nützt ist eine andere Frage. Ich frage mich, wie es das Portal schaffen will, eine Community aufzubauen, die die Seite mehr als einmal besucht.

Mediennutzung: Darf’s noch mehr Statistik sein?

Zeitung_auf_Computertastatur1-86x57Flitz Flosch und Karl Kiebitz müssen sich nicht fürchten vor dem Bündner Jäger. Die Auflagen der Schweizer Print-Publikationen, darunter auch das Schülermagazin Spick, sind bei der WEMF abrufbar.

Letztes Mal habe ich über die Nutzerzahlen von Websites und TV-Sendungen geschrieben. Die Auflagen der Schweizer Printmedien will ich Ihnen nicht vorenthalten, obwohl sie sich im Sinkflug befinden im Vergleich zu den elektronischen Medien. Einen Überblick finden Sie im Auflagenbulletin 2009 der WEMF AG für Werbemedienforschung. Das Glossar erklärt auch gleich die Unterschiede zwischen Auflage, Reichweite und Durchschnittskontakt.

Kleinvieh macht auch Mist
Die Grosswetterlage der Schweizer Printmedien ist den meisten bekannt, wir hatten vergangenen Oktober darüber berichtet: Die Gratiszeitungen haben die Nase vorne (Medienlandschaft Schweiz: «Blick am Abend» überflügelt «Blick», 02.10.2009). Interessant finde ich das «Beigemüse», etwa dass der «Bündner Jäger» mit 7′793 verkauften Exemplaren erfolgreicher ist als die Zeitschrift «Musik und Gottesdienst» (verkaufte Auflage: 2′703). Dass es die Steuer Revue nur auf 2′978 Exemplare bringt, wundert mich thematisch nicht – dafür im Monatsrhythmus und mit professionellem Internetauftritt. Die Schweiz ist nicht umsonst bekannt für ihre publizistische Vielfalt.

Spick – das «witzige» Schülermagazin
Besonders gefreut habe ich mich über die Auflage vom Spick mit 32′755 bezahlten Exemplaren – da werden Kindheitserinnerungen wach. Geliebt und immer gleich als erstes gelesen habe ich die Rubrik «Knacknuss» und die Seite mit Witzen in jeder Ausgabe. Die Witze sind auch online abrufbar, darunter zum Beispiel: «Was macht ein Deutscher, wenn er die WM gewinnt? Er schaltet die Play-Station aus.» – bitterböse.

Mediennutzung Schweiz
Weitere statistische Angaben zur Mediennutzung in der Schweiz präsentiert das Bundesamt für Statistik. Darunter die Radio- und Fernsehnutzung nach Programmen oder die Entwicklung der Internetnutzung, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Merkmalen wie Bildung, Einkommen, Nutzungszweck und Nutzungsort. So zeigt die Entwicklung der Internetnutzung in der Schweiz: Das Internet dringt in die Privatsphäre vor und wird zum Alltagsmedium (siehe Abbildung). Bis 2000 wurde das Internet noch häufiger im Büro als zu Hause verwendet. Heute hat jedermann auch zu Hause einen Zugang zum Internet, und sei es damit die Kids die Witze aus dem Spick online lesen können.

Internetnutzung in der Schweiz

17.06.2010 | Medien, Mediennutzung, Tools

Mediennutzungszahlen auf einen Klick

Fernsehbildschirm mit Breaking News

Sie sind in den Medien erwähnt und möchten wissen, wie viele Personen Sie damit erreichen? Zwei Links, die Ihnen Auskunft über die aktuellen Leser- oder Zuschauerzahlen geben.

Gratuliere, Ihr Unternehmen, ein Kunde oder Sie selbst sind prominent in den Medien erwähnt. Die erste Hürde ist geschafft. Aber wer ausser Ihnen sieht den Beitrag potenziell sonst noch? Oder schreit kein Hahn danach? Aufschluss geben zwei Links:

  1. NET-Metrix-Audit misst die Zugriffe auf Websites. Die publizierten Daten sind vergleichbar und von NET-Metrix beglaubigt. Die Daten werden monatlich, jeweils am 6. Arbeitstag, um 15 Uhr publiziert.
  2. Das Medienportal von SF Media Relations bietet – ebenfalls kostenlos – tagesaktuelle Zuschauerzahlen von SF1 und SF2. Als neuer Benutzer müssen Sie sich registrieren, danach stehen Ihnen umfangreiche Informationen zur Verfügung, etwa eine Hitliste mit den Zuschauerzahlen seit 1985. Unübertroffen ist die Sendung «Wetten das …?» vom 12.04.86 mit 1′829′000 Zuschauern.

Schweizer Coup gegen Spanien: 1 Million Zuschauer
Das Spiel Schweiz gegen Spanien der FIFA WM 2010 von gestern, 16 Uhr, hat es gemäss Auswertung immerhin auf eine Reichweite von 1′001′000 Zuschauern gebracht, das entspricht laut Schweizer Fernsehen einem Marktanteil von 74.2 Prozent. War ich denn die einzige, die um diese Zeit gearbeitet hat?

See you soon – mit Doodle oder Zeeyoo

KalenderDoodle kennt jeder, das Zürcher Start-up Zeeyoo ist weniger bekannt. Zeeyoo bietet viele Vorteile gegenüber Doodle, zum Beispiel keine Bikini-Werbung – dafür einen WM-Kalender.

Wir verbringen durchschnittlich zwanzig Stunden pro Monat mit der Koordination von Terminen, schreibt Zeeyoo.com. Das entspricht einer Stunde pro Arbeitstag. Da tut Abhilfe nötig. Meiner Meinung nach wäre ein Zeitmanagement-Kurs die beste Lösung, aber ein guter Online-Terminplaner nützt auch.

Technisch einwandfrei umgesetzt

Zeeyoo.com ist ein werbefreier, kostenloser Online-Terminplaner zur Koordination von Terminen. Zeeyoo steht phonetisch für „see you“ und ging im Juni 2009 an den Start. Der Terminplaner wurde für den Einsatz in Unternehmen konzipiert. Um die Vorbereitung auf ein Meeting zu erleichtern, können Traktandenlisten erfasst und Dokumente hinterlegt werden, die für die Teilnehmer abrufbar sind. Sämtliche Terminumfragen lassen sich in einem Cockpit übersichtlich verwalten (siehe Abbildung). Die Website ist einfach, verständlich und schnörkellos aufgebaut. Nur der Slogan „Mastering Meeting Madness“ wirkt bei so viel trockener Professionalität unpassend – wie ein Anzugträger mit Turnschuhen.

Screenshot Online-Termiplaner Zeeyoo.com

Marktführer bei der Online-Terminierung ist das – ebenfalls Schweizer – Unternehmen Doodle mit weltweit sechs Millionen Nutzern. Im Gegensatz zu Zeeyoo finanziert sich Doodle mit Werbung. Das führt dazu, dass ich bereits geschäftliche Termin-Einladungen kombiniert mit Bikini-Werbung verschicken musste.

Kalender und Kontakte synchronisieren
Zeeyoo ist im Unterschied zu Doodle werbefrei, geht im Service-Umfang deutlich weiter als Doodle und bietet alle Standard-Funktionen kostenlos. Die Finanzierung erfolgt über Jahresbeiträge der Premium-Mitglieder. Premium-Mitglieder profitieren für monatlich 4.90 CHF zusätzlich von der Synchronisation mit Microsoft Outlook/Exchange, Apple iCal oder Google Calender (Google ist Kunde von Bernet_PR), sprich Termine aus einer Online-Terminumfrage können automatisch in den Desktop-Kalender kopiert werden. Zusätzlichen Umsatz will man mit Corporate-Lizenzen generieren.

Rechtzeitig zur Fussball-WM bietet Zeeyoo zudem einen Kalender mit sämtlichen Spielen, die direkt in MS Outlook, Apple iCal oder Google Calender importiert werden können – so lässt sich die Arbeit doch gleich viel besser koordinieren. Ich bin gespannt, welches Modell sich langfristig durchsetzt, die Bikini-Werbung oder das Bezahl-Modell.

Internet-Trends 2010

The Way Forward sign in the skyWelches sind die wichtigsten zehn Internet-Themen, die man 2010 im Auge haben sollte? Der Internet-Dienstleister namics weiss Bescheid und legt an der Swiss IT Academy einen Marathon hin, der Untrainierte ausser Atem lässt.

Alle Jahre wieder orakelt namics die Top 10 Internet-Trends, dieses Jahr bereits zum zehnten Mal. Nur für mich war es das erste Mal, anlässlich der Swiss IT Academy in der Messehalle Zürich-Oerlikon am 6. Mai. Ich war positiv überrascht von der Professionalität des Auftritts von Marcel Albertin und vor allem Jürg Stuker. namics hat das Unmögliche versucht und über 100 Folien in nur knapp 90 Minuten präsentiert. Nur: Etwas mehr Zeit hätte allen gedient. Denn so rasant das Tempo, so spannend waren die Inhalte. Top 1 Internet-Trend 2010 ist meiner Meinung Social Media Monitoring. Dazu braucht es kein Orakel, zumal das Jahr bereits zur Hälfte vorbei und das Thema in aller Munde ist.

Die Internet-Trends gemäss interner Umfrage bei namics für 2010 – mit meinen Ergänzungen aus der Präsentation (aus Rücksicht je technischer desto weiter unten in der Reihenfolge …):

  1. Social Media Monitoring
    Das Online-Monitoring von Inhalten auf Social Media wie Twitter, Blogs, Facebook wird immer wichtiger für Unternehmen. Social Media ist dynamisch, unstrukturiert und schwierig zu verfolgen. Gleichzeitig hat Social Media einen wesentlichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Ziel ist es, in den Dialog mit den Internet-Usern einzusteigen und von diesen zu lernen respektive Marktwerte zu schaffen.
  2. Realtime Web
    Neu ist der Faktor Zeit, das heisst, alles wird chronologisch sortiert. Nur das Neuste interessiert, wie das Beispiel Twitter zeigt. Neue Suchergebnisse oder News-Meldungen erscheinen umgehend, Geschwindigkeit als Wettbewerbfaktor.
  3. Augmented Reality
    Die Kombination von virtueller und physischer Realität ist interessanter als die voll-virtuelle Welt, deshalb beachtet niemand mehr Second Life. Einsatzgebiete heute sind der PC, das Handy oder die Datenbrille, die Nutzen mit kreativen Ideen verknüpfen, siehe Beispiele von Lego, Postversand, Star-Trek oder BMW-Service.
  4. Phone to Platform
    Handys werden nicht mehr nur zum Telefonieren gebraucht. Heute dient das Handy-Betriebssystem als Basis-Plattform für viele unterschiedliche Geräte, wie zum Beispiel das iPad.
  5. Tablets
    Neue Mobilfunk-taugliche Gerätegeneration mit iPad als Vorreiter. Tablets sind «näher beim Menschen», sie verfügen nur über einen geringen Funktionsumfang (beim Handy erlernt). Die Anwendungen sind simpel und eingebettet in ein gemeinsames Ökosystem, wie zum Beispiel Amazon und Kindle oder iPod und iTunes. Alle Daten sind in der Cloud, sprich im Internet abrufbar.
  6. Prediction Market
    Aggregation von verteiltem Wissen zur Vorhersage zukünftiger Ereignisse, zum Beispiel Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen über die Auswertung von eingegebenen Wetten oder «Vorhersage» der Grippe aufgrund von Suchanfragen zum Thema. Empirische Daten und die Fähigkeit, diese zu interpretieren, sind ein zunehmend wichtiger Wettbewerbsfaktor.
  7. Location Sharing
    Location Sharing basiert auf Geotagging, das heisst meine Position wird einzelnen Elementen wie Bilder oder Nachrichten hinzugefügt oder Bilder automatisch auf Karten angezeigt. Beispiele sind Foursquare, Gowalla, Twitter, Flickr, Tripadvisor.  Mit Location Sharing lassen sich Freunde an den eigenen Aufenthaltsorten finden und Bewegungsprofile erkennen. Unternehmen nutzen die Funktion zur Kundenbindung und Werbung.
  8. Identity 2.x
    Facebook Connect und OpenSocial sind APIs für den Zugriff auf User-Informationen und bieten die Möglichkeit, Profilinformationen und Freunde plattformübergreifend auszutauschen. Damit lassen sich Informationen an andere Netzwerke verteilen oder von ihnen beziehen.
  9. HTML5
    HTML5 ist der Nachfolger von XHTML2 und erweitert HTML zur besseren Unterstützung von Web-Applikationen. HTML5 ist eine Weiterentwicklung in Richtung offener Anwendungen und bringt neue Elemente und APIs für Anwendungen. Damit konkurrenziert HTML die bekannten Technologien zur Applikationsentwicklung wie Flash, Silverlight, Javascript.
  10. NoSQL
    Flache Datenmodelle sind im Trend, ihr Vorteil ist die erhöhte Geschwindigkeit. Skalierbarkeit und Verfügbarkeit sind heute wichtiger als hundertprozentige Transaktionssicherheit.

Namics stellt die Inhalte mit etlichen weiterführenden Links frei zur Verfügung. Aber aufgepasst, so viel geballtes Wissen hat sein Gewicht: Mit 27.7 MB ist die Präsentation ein schwerer Brocken.

05.05.2010 | Social Media, Tools

Und plötzlich macht alles Sinn

Meta-Suchmaschine eyePlorer.comeyePlorer.com ist eine visuelle Wissensmaschine, die Informationen und Zusammenhänge darstellt. Dazu verarbeitet eyePlorer.com die englische und deutsche Wikipedia.

Nach Eingabe eines Suchbegriffs zeigt die Website eyePlorer.com Begriffe, die mit dem zentralen Suchbegriff in einem bestimmten Zusammenhang stehen. Worin der Zusammenhang besteht, erfährt man, wenn man mit der Maus über einen Begriff fährt oder klickt. Es öffnet sich ein kleines Fenster, in dem der Zusammenhang mit Fakten belegt wird. Mit einem Doppelklick werden Zusammenhänge zwischen den einzelnen Begriffen dargestellt – dann erscheinen Linien zwischen den Begriffen und ihren assoziierten Nachbarn.

Das sieht dann so aus:

eyePlorer.com: Zusammenhänge rund um das Stichwort Weblog

Mir gefällt die Anwendung – bunt wie Smarties und trotzdem macht alles plötzlich Sinn. Mit den Farben auf der Scheibe werden einzelne Kategorien, denen sich die Begriffe zuordnen lassen, unterschieden. So finden sich Personen in einer Kategorie, Länder in einer anderen, Organisationen in einer dritten etc.

Informationen sammeln und ordnen
Interessante Fakten, Begriffe und auch vollständige Kategorien können per Drag & Drop auf einen Notizblock gezogen und dort gesammelt werden. Von dort kann man sie in die Zwischenablage kopieren oder verschicken. Über Tabs lassen sich Sammlungen zu unterschiedlichen Themen verwalten. Damit die gesammelten Informationen nicht verloren gehen und über das Internet von jedem PC zugänglich sind, werden sie unter persönlichen Kennungen sicher in Datenbanken gespeichert. Die Anmeldung und Benutzung ist kostenlos.

Die Suche geht weiter …
eyePlorer.com ist eine Suchmaschine mehr und bestimmt nicht die letzte. Im Alltag ist sie kein Ersatz für Google, Bing etc. Vielmehr konkurrenziert eyePlorer.com mit Meta-Suchmaschinen, die sich der Herausforderug stellen, Informationen aus bestehenden Suchmaschinen zu sammeln,  intelligent zu verknüpfen und strukturiert darzustellen. Was für eyePlorer.com spricht, ist die gute Idee dahinter und die benutzerfreundliche Bedienung. Da hat sich zur Abwechslung wer etwas überlegt dabei. Besonders gefallen hat mir das Testimonial von Franziska, 9 Jahre, auf der Website. Sie nutzt eyePlorer.com, weil sie dann die Sätze aus Wikipedia nicht abschreiben muss. Wenn das kein schlagendes Argument ist.

(Google ist Kunde von Bernet_PR.)

28.04.2010 | Kommunikation

Konzentrationskiller E-Mail

Das Bild zeigt eine Leselupe über dem Wort Focus.

Mehr als 210 Milliarden E-Mails werden täglich verschickt. Wie wirkt sich die E-Mail-Flut auf die Konzentration aus, und was können Sie dagegen tun?

Ein Artikel im Harvard Business Manager beschreibt in drei Teilen, wie Sie sich selbst und Ihren Mitarbeitern beim täglichen Kampf mit E-Mail & Co. helfen. Beschrieben wird der alltägliche Stress von Mitarbeitern, die sich mit E-Mails, Newslettern etc. überfordert fühlen.

Ein paar Zahlen aus dem erwähnten Artikel Das Recht auf Ruhe, die nachdenklich stimmen:

  • Eine Studie, die AOL 2008 unter 4000 E-Mail-Nutzern in den Vereinigten Staaten durchgeführt hat, ergab: 46 % der Befragten waren E-Mail-süchtig.
    Fast 60 % der Nutzer riefen ihre E-Mails im Bad ab, 15 % in der Kirche. Und 11 % hatten heimlich die Nachrichten ihres Ehepartners oder eines anderen Familienmitglieds gelesen (was wohl mehr mit Eifer-Sucht zu tun hat als mit E-Mail-Sucht …).
  • Laut einer Studie von Microsoft-Mitarbeitern, die die E-Mail Gewohnheiten ihrer Kollegen studierten, dauerte es durchschnittlich 24 Minuten nach einer Unterbrechung durch eine E-Mail-Benachrichtigung, bis die vorherige Aufgabe wieder aufgenommen wurde.
  • Intel-Forscher Nathan Zeldes und zwei seiner Kollegen haben berechnet, dass sich bei Intel die Kosten, die durch die Bearbeitung unnötiger E-Mails, die Rückkehr zur eigentlichen Arbeit und die dadurch verringerte Leistungsfähigkeit entstehen, auf fast 1 Million Dollar belaufen.

Bemailt oder bekifft?
Focus Online berichtet von einem Experiment, an dem ich auch gerne teilgenommen hätte: Um zu wissen, welche Auswirkungen die digitalen Dauerbotschaften auf die Konzentration haben, liessen Forscher des Londoner King’s College die eine Hälfte ihrer Versuchspersonen Marihuana rauchen, die andere eingehende E-Mails bearbeiten. Ergebnis: Die bekifften Probanden schnitten beim Lösen von Aufgaben weitaus besser ab als die bemailten. Einen temporären Verlust von rund zehn IQ-Punkten durch den Konzentrationskiller E-Mail hält der Psychologe Glenn Wilson für «äusserst realistisch».

Maximal fünf Sätze
Was nun? Paul Hemp, Autor von Ein Recht auf Ruhe hält nicht zurück mit Rat und Abhilfe. Am besten gefallen haben mir diese Tipps:

  • Eine Firma könnte einen E-Mail-freien Vormittag einführen. Ein Verbot von internen, jedoch nicht externen E-Mails (und vielleicht Anrufen, Instant Messaging und Gelegenheitsbesuchen im Büro). Das Ziel: einen längeren Zeitraum zu schaffen, in dem relativ ungestört gearbeitet werden kann.
  • Oder Five.sentences.es: Diese Website enthält nur eine Botschaft an die Menschheit. Sie hilft, E-Mails künftig ohne Verzögerung zu beantworten. Dort wird gefordert, sich persönlich aufzuerlegen, dass alle E-Mail-Antworten, egal wer der Empfänger ist oder zu welchem Thema, maximal fünf Sätze enthalten dürfen.

Mehr zum Thema:

Mehr Erfolg mit E-Mailings, Checkliste Bernet_PR

25.03.2010 | Social Media

In Zukunft alles gratis?

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Was sind die Implikationen und Grenzen des Gratis-Trends? Welches sind die Bedingungen der «Freeconomy»? Die 6th European Consumer Trend Conference versuchte eine Antwort.

Für jüngere Generationen wurde alles billiger: Reisen, Kommunikation, Mode, Essen – alles zum Schnäppchenpreis. Für die noch jüngeren, die Digital Natives, wird nun der Nulltarif normal. Preise werden fliessend, die dynamische Preisgestaltung löst die statische ab. Was sind die Implikationen und Grenzen des Gratis-Trends? Welches sind die Bedingungen der Freeconomy? Die Gratis-Mentalität der virtuellen Märkte beeinflusst unser Verhalten dramatisch. Denn «free» ist mehr als nur ein neues Geschäftsmodell, «free» ist ein neuer Denk- und Lebensstil – so das Fazit der 6th European Consumer Trend Conference vom 17. März am GDI Gottlieb Duttweiler Institute.

Am besten gefallen haben mir an der ganztägigen Konferenz die Beiträge von David Bosshart und Peter Wippermann, neben der überraschend professionellen Moderation durch Kurt Aeschbacher – hier zeigt sich, dass der Moderator im seinem früheren Leben Ökonomie studiert hat.

Initiationsrituale nach Generationen

Alles ist Echtzeit
Gemäss David Bosshart, CEO des GDI Gottlieb Duttweiler Institute, hat die digitale Welt unser Preisbewusstsein nachhaltig verändert. Heute treibt die virtuelle Welt die reale Welt und beeinflusst die gewohnten Strukturen. Das verändert die Art und Weise, Wissen, Projekte und die Zukunft zu organisieren sowie Beziehungen zu beginnen und zu beenden. Einstiegsbarrieren für Kooperationen sinken, es ist leichter geworden, global zusammenzuarbeiten. Die Massen-Selbstkommunikation verdrängt die Massenkommunikation von Radio, TV, Print. Unser Umgang mit Informationen ändert sich, wir gehen spielerisch damit um, weil sie gratis sind. Das macht es einfach, Informationen zu teilen, weiterzugeben. Jugendliche haben sich heute bereits daran gewöhnt, dass alles gratis ist, das ist für sie selbstverständlich. Selbstverständlich ist auch, dass Informationen sofort erhältlich sind, ohne Zeitverzögerung – denn jeder ist vernetzt, 24 Stunden am Tag. Wer Informationen hortet, verliert Macht, wer Informationen teilt, gewinnt Macht. Erstaunlich nur, dass David Bosshart den Eintritt zur Konferenz nicht gratis gemacht hat … Dafür gibt es das Freeconomy-Manifest kostenlos als PDF.

Rebellion war gestern, Networking ist heute
Peter Wippermann, Gründer und CEO des Trendbüros in Hamburg, geht detailliert auf die kulturellen Unterschiede zwischen den Digital Natives und Digital Immegrants ein. Freiheit wird laut Wippermann heute anders diskutiert. Früher war Freiheit die Möglichkeit, in andere Länder zu reisen. Heute steht Freiheit für den Zugang zu interaktiven Medien.

Ich bin meine Daten
Die Bereitschaft, jederzeit «on» zu sein, verändert auch die Arbeitsmodelle. Arbeitszeit und Freizeit werden nicht mehr getrennt, Digital Natives integrieren beides. Die neue Währung heisst Anerkennung. Während die Baby Boomer am Auto bastelten und die Generation X am PC bastelte, pflegt die heutige Generation ihr soziales Netzwerk und bastelt an der Online-Reputation. Facebook markiert den Starpunkt der Erkenntnis: Ich bin meine Daten. Meine Daten sind mein Kapital, ich entscheide, welche ich weitergebe. Digitial Natives vermarkten ihre Privatsphäre. Digital Immigrants hingegen verteidigen ihre Privatsphäre und fremden dadurch – ähnlich wie Immigranten in einem fremden Land.

90 Prozent «millennial» – ohne Tattoo
Wollen Sie selber testen, wie alt Sie in Bits und Bytes sind? Das Quiz How millennial are you? gibt Ihnen nach 14 Fragen die Antwort. Was für eine Erleichterung: Ich habe 90 von 100 Punkten erreicht und bin «millennial» – auch ohne Tattoo und Piercing.

Quiz: How millennial are you?

Was bedeutet diese Entwicklung für die PR von Unternehmen? Drei Schlussfolgerungen aus der Konferenz:

  1. Geduld ist heute kaum mehr strapazierbar. Es reicht nicht innert 48 Stunden auf Anfragen zu antworten, Unternehmen müssen heute gleich Antworten liefern. Heute wartet keiner mehr auf Briefe oder Faxe. Die Antwort wird sofort verlangt, entsprechend wird geplant. Wer nicht gleich reagiert, ist selber schuld – oder tot.
  2. Künftig steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht die anonyme Verbrauchermasse. Die Kunden verlangen mehr Transparenz, mehr Ethik. Neue Generationen von Unternehmen sind in Sachen Nachhaltigkeit bewusster. Sie sind mit Facebook aufgewachsen und wissen: Nichts lässt sich verheimlichen.
  3. Die Hierarchien ändern sich. Wusste früher der Anbieter mehr als der Kunde, so sind heute die Beziehungen symmetrisch. Unternehmen müssen sich im Bazar behaupten, den das Internet darstellt. Entscheidend ist es, die Sprache des Zielpublikums zu treffen.

Mehr zum Thema im bernetblog:

Kommunikation und Sprache im Web 2.0, 11.11.2009

23.03.2010 | Kommunikation

Hört Ihre Katze auf den Namen Firefox?

Die Katze lässt das Mausen nichtSchon mal von E-Mail-Apnoe gehört? Offenbar gibt es Menschen, deren Atmung beim Bearbeiten ihrer E-Mails aussetzt. Wie Sie erkennen, ob Sie E-Mail-süchtig sind.

E-Mail-süchtig tönt irgendwie lachhaft. Das ist die harmloseste Sucht, von der ich je gehört habe. Und doch ertappe ich mich selbst dabei: Ich prüfe nervös alle Minuten den Posteingang, wenn ich eine Antwort erwarte oder eine anstehende Arbeit herauszögere. Die Unternehmensberaterin und Soziologin Marsha Egan beschreibt meine Angewohnheiten als typische Suchtsymptome:

  • You email yourself if you haven’t received email for several minutes, just to make sure the email system hasn’t gone down.
  • You look up EVERY time your computer «BRRRINGS» to announce an email.
  • You name your pets Mozilla, Firefox and Google.
  • You get upset if you don’t receive a response to your email message in an hour.
  • You refer to yourself as your email address when someone asks your name.
  • You email someone who has thanked you, thanking him or her for thanking you.
  • You stop what you are doing to answer an «easy» email, even though it might not be the most important, JUST to knock it off the list.
  • You check your email the minute you get outa bed. Even if it is the middle of the night.
  • You ask new acquaintances for their email addresses, not their phone numbers.
  • You open your email first, before doing anything else.
  • You sleep with your Blackberry nestled under your arm.
  • You keep more than 1000 items in your inbox at all times.
  • You click «send/receive» just to make sure you haven’t «missed» any email.
  • You check your spam filters hourly (or less) to make sure you’re not missing anything.
  • You email the person sitting in the desk next to you, rather than turn around to ask the question.

Das hört sich alles ziemlich vertraut an – bis auf die Namen meiner Haustiere. Die heissen Bing und Safari …

Sollte ich mir Sorgen machen? Die Forscherin und ehemalige Apple-Mitarbeiterin Linda Stone beobachtet eine Art E-Mail-Apnoe: Sie meint damit das unbewusste Aussetzen der Atmung, während Menschen ihre E-Mails bearbeiten. Es besteht Hoffnung, trotz erster Suchtsymptome atme ich noch immer stetig und regelmässig. Auch beim Bearbeiten meiner E-Mails. Apropos: Gleich mal Checken, ob ich neue Nachrichten habe …

Wie wirkt sich die E-Mail-Flut auf die Konzentration aus, und was können Sie dagegen tun? Fortsetzung folgt demnächst.

Mehr zum Thema im bernetblog:

Leere E-Mail-Inbox: Traum oder Realität?, 10.02.2010

09.03.2010 | Kommunikation

Fasten fürs Gehirn

SprechblaseWir haben es verlernt, uns zu konzentrieren. Still zu sitzen und zu denken, ohne für eine Maschine erreichbar zu sein, ist fast unmöglich geworden.

Wir reagieren auf das klingelnde Handy, auf Gespräche, auf alles, was um uns herum passiert. Nichts müssen, aber alles können – damit hat Ikea vor Jahren Werbung gemacht. Der Spruch ist mir geblieben, das «müssen» leider auch. Aber ich bin nicht alleine. Immer häufiger stosse ich auf Stimmen, die Ferien vom Lärm und Entschleunigung einfordern.

Spannend daran finde ich den Gedanken, dass Kreativität und Entwicklung nur in Phasen der Ruhe möglich sind. Geht es nur mir so, dass ich mich vom Datenstrom abhängig fühle wie eine Süchtige: gleichsam gereizt und gehetzt? Um Sie nicht zu überfordern, setze ich darum hier und jetzt einen Punkt. Und lasse andere weiterreden, während ich mich mit Ohropax zurückziehe. Ruhe.

Die spannendsten Zitate zum Thema:

Frank Schirrmacher (Tages-Anzeiger, 29.11.2009):

  • Multitasking ist die schlimmste Praxis unserer Zeit. Sie vermanscht das Gehirn.
  • Wenn Sie keine SMS mehr schreiben und kein Internet mehr benutzen, dann partizipieren Sie nicht mehr an der Welt.
  • Das Lesen auf dem Papier wird eine ganz neue Rolle bekommen: Es wird eine therapeutische Funktion haben – in der Wirkung das Hirn verbessern.

Ernst Pöppel (Zeit Online, 18.02.2010):

  • Viele Menschen haben es verlernt, die Stille als das zu begrüssen, was sie ist: eine Erholungsreise für das Gehirn.
  • Wenn ganz Deutschland jeden Tag für eine Stunde nicht kommunizieren würde, dann hätten wir den grössten Innnovations- und Kreativitätsschub, den man sich vorstellen kann.

Alain de Botton (The School of Life, 01.03.2010):

  • To sit still and think, without succumbing to an anxious reach for a machine, has become almost impossible.
  • We are continuously challenged to discover new works of culture – and in the process don’t allow any one of them to assume a weight in our minds.
  • The need to diet is something we have to relearn in relation to knowledge, people and ideas. We require periods of fast in the life of our minds no less than in that of our bodies.

Fühlen Sie sich von der unendlichen Fülle an Informationen unter Druck gesetzt, weil Sie glauben, Sie müssen sie alle aufnehmen, um in Ihrem Job Schritt zu halten? Erfahren Sie nächste Woche an dieser Stelle, ob Sie E-Mail-süchtig sind – und was sie dagegen tun können.

Mehr zum Thema im bernetblog:

Kontrolle übers Denken zurückgewinnen, 25.01.2010
Zählen Sie schon die Tweets bis zum Wochenende?, 23.07.2009
Stille: 5 Tipps zum Abschalten, Anstoss-Newsletter, 11.2008

04.03.2010 | Social Media, Tools

Vom Social Web zum Erfinder-Web

IdeeKreativität ist ja nicht jedermanns Sache. Eine gute Möglichkeit, den Ideenfluss trotzdem in Gang zu setzen, ist Atizo.

Momentan ist das Internet vor allem eine immer grösser werdende Menge an Informationen. Diese Masse an Daten in neue Ideen umzuwandeln wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre sein, ist Kreativitätsforscher Edward de Bono überzeugt.

Crowdsourcing macht’s möglich
Mit dem Aufschwung des Web 2.0 erlebt der freie Wissenstransfer zwischen Unternehmen und dem Rest der Welt seinen Durchbruch. Soziale Internet-Netzwerke sind in der Lage, Menschen mit ähnlichen Interessen oder schlicht Probleme und Problemlöser zusammenzubringen, siehe Artikel Genies für lau (WirtschaftsWoche). Auf der Schweizer Innovationsplattform Atizo etwa können Unternehmen Fragestellungen ausschreiben. Die Besucher von Atizo antworten mit eigenen Ideen oder bewerten die bereits gesammelten Vorschläge. Zum Beispiel fragt die Kiosk AG wie der Kiosk der Zukunft aussehen könnte, Caotina interessiert sich für die Vermarktung ihres Schokoladendrinks und BioSuisse sammelt Ideen für Convenience-Bioprodukte.

Wie funktioniert das Public-Online-Brainstorming?

  1. Unternehmen formulieren ein Ideen-Briefing und legen eine Prämie fest.
  2. Die User sammeln möglichst viele Vorschläge, sie diskutieren und bewerten die Einfäll untereinander.
  3. Unternehmen wählen die besten Ideen aus und verteilen die Prämie. Einzelne Vorschläge können bei Bedarf in geschlossenen Teams online weiterentwickelt werden.

Atizio Innovationsprozess

Kreativitätsspritze Atizo
Mir hilft Atizo, selbst auf Ideen zu kommen. Wenn ich mich durch die verschiedenen Projekte und Lösungsvorschläge lese, kommen mir dabei die besten Ideen für meine eigenen Projekte. Das geht auch ohne (kostenlose!) Registrierung.

Start-up aus Bern
Atizo wurde 2008 von Absolventen der Universität Bern gegründet. Seither hat Atizo über 50 Projekte durchgeführt und zählt rund 6’000 registrierte User. Im Unterschied zur Bieler Brainstore findet die Ideensuche bei Atizo nur über das Internet statt.

Weiterführende Artikel:
- Der Bund: Die Ideensammler aus Bern (09.02.10)
- io new management: Die Kreativität steigern: Open Innovation mit Web Communities (21.05.09)

11.02.2010 | Kommunikation

Anstoss-Newsletter: Wikipedia – Mitmachen, Mitschreiben, Mitverfolgen

WAnstoss-Newsletter: Wikipediaie schreiben Sie einen Eintrag auf Wikipedia? Was ist relevant für die Online-Enzyklopädie? Unser Anstoss-Newsletter gibt Tipps und Hintergründe zu Wikipedia.

Obwohl sich jeder für die Gruppe der Wiki-Autoren bewerben kann, ist es nicht so einfach, einen Eintrag zu erstellen. So frustrierend das manchmal ist, so wichtig ist dieser Selbststeuerungsprozess, damit Wikipedia überhaupt funktioniert. An welche Regeln Sie sich halten müssen, zeigt der aktuelle Anstoss-Newsletter. Ein Auszug:

In fünf Schritte zum eigenen Eintrag:

1. Werden Sie Wikipedianer
Registrieren Sie sich mit einem Benutzernamen mit transparenter Angabe des Absenders und hinterlassen Sie Spuren. Als aktiver registrierter Benutzer erwerben Sie sich mit der Zeit eine Reputation. Andere Wikipedianer werden eher bereit sein, Sie in Ihren Reihen aufzunehmen.

2. Seien Sie relevant
Beschränken Sie sich auf das Wichtigste und achten Sie auf die Wikipedia-Relevanzkriterien, sozusagen die Bibel von Wikipedia (und interessant zu studieren!). Es gibt spezielle Kriterien für Adelseinträge, Architekten, Brauereien etc. Brauereien sind beispielsweise dann relevant, wenn sie 100 Jahre ununterbrochene Brautätigkeit nachweisen können.

Relevant ist Ihr Unternehmen in jedem Fall, wenn Sie eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

  • Jahresumsatz über 150 Millionen CHF
  • mindestens 1000 Vollzeit-Mitarbeiter
  • mindestens 20 Niederlassungen
  • börsenkotiert

Nichts dabei? Ein Eintrag ist auch gültig, wenn Ihr Unternehmen besonders innovativ ist oder eine marktbeherrschende Stellung hat. Vielleicht hat bereits jemand eine Doktorarbeit oder ein Buch über Ihr Unternehmen geschrieben? Das erhöht Ihre Chancen.

3. Schreiben Sie objektiv
Texten Sie aus neutralem Standpunkt. Werbefloskeln haben in einer Enzyklopädie nichts zu suchen. Beschönigen Sie nichts. Wikipedia ist weder Ort zur Selbstdarstellung noch die Gelben Seiten. Die Angabe von Postanschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adressen oder Ansprechpartnern ist unerwünscht. Das gilt auch für Anfahrtsbeschreibungen und Öffnungszeiten. Ein Link zur Internetpräsenz ist jedoch üblich.

4. Fakten, Fakten, Fakten
Blosse Behauptungen werden nicht akzeptiert. Belegen Sie Ihre Aussagen mit Fakten, am besten mit einem Verweis auf eine objektive Print- oder Online-Quelle. So wirkt Ihr Text glaubwürdig und wird nicht als Werbebroschüre wahrgenommen.

5. Steter Tropfen höhlt den Stein
Die Gunst der so genannten «Lösch-Trolle» ist mitunter willkürlich. Wenn der Administrator noch nie von Ihrem Unternehmen gehört hat, nützt auch ein Artikel im Spiegel oder in der Neuen Zürcher Zeitung nichts. Versuchen Sie es wieder, diskutieren Sie mit, bleiben Sie hartnäckig. Auf der deutschsprachigen Plattform werden täglich rund 1000 neue Einträge publiziert – und 500 Einträge wieder gelöscht.

Im aktuellen Anstoss-Newsletter lesen Sie weitere Tricks, wie das Mitmach-Lexikon funktioniert und wie Sie relevante Inhalte mitverfolgen. 115 Unternehmen im Raum Zürich sind heute bereits mit eigenem Eintrag auf Wikipedia vertreten – findet man auch Sie bald in der Online-Enzyklopädie?

20.01.2010 | Social Media, Tools

Mindmaps online erstellen

MindomoÜber die Website mindomo.com lassen sich unkompliziert Mindmaps erstellen, editieren und austauschen.

Als Prüfungsvorbereitung, für ein Inhaltsverzeichnis oder eine Projektarbeit – es gibt Leute, die schwören auf Mindmaps. Ich gehöre nicht dazu. Doch manchmal komme ich auch nicht darum, zum Beispiel beim Erstellen einer Seitenstruktur für ein Internetprojekt. Dabei bin ich auf Mindomo gestossen – wahrscheinlich die beste kostenlose Software, um online Mindmaps zu erstellen und zu nutzen. Und wenn ich das sage, wie muss es da erst heavy Mindmap-Usern gehen … Jedenfalls bedient sich das Tool sehr intuitiv und einfach, man braucht dazu nur eine Internetverbindung. Anordnungen, Formen, Farben, zusätzliche Verbindungen usw. sind frei veränderbar. Fotos, Grafiken, Links und auch längere Textnotizen können einfach eingefügt werden.

Funktionalitäten von Mindomo im Überblick

Ich verwende die kostenlose Basic-Version von Mindomo, das reicht bereits für die meisten Zwecke (die Premium-Version kostet 6 USD pro Monat).

Funktionsumfang Basic-Version:

  • 7 Private Mindmaps können abgespeichert werden (Registration erforderlich)
  • Export als Bild (gif, jpg, png), PDF oder URL
  • Benötigt den Adobe Flash-Player

Mit meinem Benutzernamen und Passwort kann ich überall unkompliziert auf das Programm und meine abgespeicherten Mindmaps zugreifen. Ein grosser Vorteil von Mindomo bei der Projektarbeit liegt darin, dass ich weitere Personen berechtigen kann, auf meine Mindmaps zuzugreifen (und sie zu bearbeiten). Das ermöglicht das Erstellen von Mindmaps online im Team – unabhängig von Ort und Zeit. Mindomo müsste nur noch das Design der Benutzeroberfläche attraktiver gestalten, und ich entwickle mich doch noch zum heavy Mindmap-User.

16.12.2009 | Dies & Das, Medien

Je mehr Klicks, desto mehr $?

dollar-zeichenHeute muss ja alles messbar sein, wir PR-Leute können ein Lied davon singen. Mit ValuateMySite.com lässt sich jetzt auch der Geldwert von beliebigen Internetseiten berechnen.

Haben Sie sich jemals gefragt, wie viel Ihre Internetseite wert ist? ValuateMySite.com berechnet den Wert von Internetseiten:

  • Amazon.com: 340,512,336 USD
  • Facebook.com: 340,512,336
  • Blick.ch: 572,027 USD
  • Tagesanzeiger.ch: 383,656 USD
  • NZZ.ch: 284,273 USD
  • Bernet.com: 49,383 USD

Interessant, dass Blick.ch deutlich mehr wert ist als der Internetauftritt des Tages-Anzeigers oder der Neuen Zürcher Zeitung. Das unser eigener Auftritt immerhin knapp 50′000 USD erreicht, schmeichelt natürlich.

ValuateMySite.com nutzt dazu laut eigenen Angaben mathematische und statistische Methoden. Die Anwendung misst die Anzahl Besucher einer Internetseite und analysiert die vorhandenen Informationen im Internet über die Seite. Das ist natürlich alles relativ. Wie immer, wenn es darum geht, einen immateriellen Wert zu messen. Einfacher noch ist es, zu schauen, wie viele Treffer die Internetseite auf Google erreicht:

  • Blick.ch: 995′000 Treffer
  • Tagesanzeiger.ch: 574′000 Treffer
  • NZZ.ch: 494′000 Treffer

Die Rangfolge bleibt jedenfalls dieselbe. Wieder einmal ist alles nur eine Frage der Suchmaschinen-Optimierung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr zum Thema im bernetblog:

Journalisten im Internet: Acht Tipps für Online PR, 26.08.2009
Barrierefrei = Suchmaschinen-optimiert, 11.05.2007
Suchmaschinen-Optimierung, 16.02.07

01.12.2009 | Dies & Das, Tools

Die besten Online-Adventskalender

Frohe Adventszeit!Für alle die heute noch kein Törchen öffnen durften, habe ich eine kleine Auswahl Online-Adventskalender zusammengestellt. Frohe Adventszeit!

Ich liebe es, jeden Tag eine Überraschung zu erhalten. Meinetwegen könnte es einen 365-Tage-Adventskalender geben. Gleich vorweg muss ich eingestehen, dass ich das Angebot online sehr bescheiden finde. Ich hoffe, mit meiner Auswahl habe ich die Rosinen erwischt!

Sue-Ann’s Adventskalender:
Der liebevollste Adventskalender, umfangreich mit Gedichten, Geschichten und Rezepten

Uli Stein Adventskalender:
Jeden Tag ein anderer Cartoon von Uli Stein

Adventskalender vom Schweizer Fernsehen:
Der professionellste Adventskalender mit Bonbons aus dem SF-Archiv

Pixelfreund-Adventskalender:
Geheimtipps aus dem Blogarchiv und den Favoriten von Pixelfreund

Sandmänchen-Adventskalender:
Herziger Adventskalender mit Sandmännchen-Filmen für Nostalgiker

24 Sinnessprüche zum Nachdenken:
Der besinnliche Adventskalender – jeden Tag ein Bild und ein Gedanke

Der Adventskalender vom Vorjahr:
Lustgier Adventskalender mit Sprüchen, Rätseln und Catoons aus 2008

Max Havelaar-Adventskalender:
Der nachhaltige Adventskalender für Shopaholics mit Gewinnspiel

Twitter-Adventskalender:
Virtuelle Bescherung mit anonymen Twichtel-Tweets

Ich freue mich über witzige Ergänzungen. Dieses Jahr ist es zu spät, aber vielleicht ist das ja genug Anregung, um es nächstes Jahr selbst besser zu machen!

Wer hat’s erfunden?
Die wohl früheste Form des Adventskalenders stammt übrigens aus dem Jahr 1851 – so alt ist der Brauch also noch gar nicht. Und er wurde von Beginn an als Handelsartikel entworfen und kommerziell genutzt – also nicht erst heute! Das erste gedruckte Exemplar verdankt seine Existenz den Kindheitserlebnissen des schwäbischen Pfarrersohnes Gerhard Lang (1881-1974) aus Maulbronn. Seine Mutter zeichnete 24 Kästchen auf einen Karton, auf jedes war ein «Wibele» genäht. Gerhard Lang (später Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang) druckte 1908 in München den ersten Adventskalender, dabei verzichtete er auf die Gebäckstücke und verwendete stattdessen farbenprächtige Zeichnungen. Arme Familien konnten sich im 19. Jahrhundert keinen Adventskalender leisten. Sie machten Kreidestriche an die Tür und wischten täglich einen weg. Oder die Kinder durften bis zum heilligen Abend jeden Tag einen Strohhalm in die Krippe legen, um dem Christkind ein weiches Bett zu bereiten.

15 Vorhersagen zur Zukunft des Internets

enter-tastaturWas bringen die nächsten 5 Jahre im Web: Mehr Interaktivität, mehr Inhalte, mehr Web 3.0? Endlich ein intelligenter Artikel zur alten Frage.

Wir nähern uns dem Jahresende und damit der Hochsaison der Auguren. Prinzipiell traue ich weder Auguren, Gurus noch Schlagzeilen. Von zehn Vorhersagen treten mindestens zwei sowieso zufallsbedingt ein. Was die Zukunft im Internet bringt, will ich trotzdem wissen – erst recht wenn die Trends intelligent, kurzweilig und anschaulich dargestellt sind.

Was bringen die nächsten 5 Jahre im Web? Hoffentlich viele so gute Artikel wie diesen von Cameron Chapman:

«The Future Of The Web: Where Will We Be In Five Years?» zeigt 15 Trends – sehr lesenswert, mit einer guten Mischung aus Text und Bild und mit tollen weiterführenden Links.

Interessant finde ich folgende Entwicklungen, eine kleine Auswahl zitiert aus dem genannten Artikel:

  • «Micro-payments will likely be popular among online magazines and news services, as well as other providers of in-depth content. (…) Payment via cell phone opens up whole new area of economic opportunity, particularly in areas where cell phones are more prevalent than computers. Being able to make and receive very small payments, the equivalent of a dollar or less in many cases, via a mobile device paves the way for many in developing nations to participate in the Internet economy in a way that only a few years ago might not have been deemed possible.»
  • «Facial recognition software is improving all the time, and pretty soon using an augmented reality program on your mobile phone to find out who a person is might be possible. You’d just snap a picture of them, and the app would cross-reference it with social networking profiles and photos across the Web, eventually coming across a match. From there, you could see whatever information the person had chosen to make public about him or herself.»
  • «Virtually every new monitor on the market is widescreen. It only makes sense that websites will adapt and make more use of horizontal scrolling in future than vertical, especially websites that have multiple small blocks of content, rather than long stretches of text. (…) A horizontal layout makes a lot more sense for certain kinds of sites, especially portfolios, media galleries and websites that rely more heavily on multimedia than text.»

Wie tief muss ich für Perlen tauchen?
Die meisten Neuerungen werden wir nicht einmal bewusst registrieren, sondern einfach für selbstverständlich nehmen. Und viele der vorgestellten Trends treten wahrscheinlich schon früher ein. Da gehen sich auch die unzähligen Kommentatoren des Artikels einig. Google bietet mit Wave bereits jetzt die Möglichkeit, Anwendungen wie E-Mail, Chat, Wikis, Foren aber auch Dokumente, Fotos, Filme etc. auf einer einzigen Webseite integrativ zu verwalten.

Spannend finde ich diesen Kommentar:
«Our daily lives are already so soaked in the web, that these changes will come without us even noticing. However I do think that socialization has a limit – you do NOT want to be overwhelmed with all sorts of useless social gibberish. That is why I believe that there will be a huge demand for services that help you filter all the garbage and provide you with quality information.»

Der Kommentator macht hier Werbung für seinen eigenen Service. Aber er hat trotzdem Recht. Ich bin gespannt, wie und ob sich hier bald die Tweets, äh Spreu vom Weizen trennen lässt. In wenigen Jahren werden wir die meisten Anwendungen über das Handy steuern und alle Informationen integriert abrufen. Ich jedenfalls würde in fünf Jahren gerne alle Anwendungen mit einem einzigen Gerät und einer einzigen Anwendung bedienen können. Das wäre eine wahre Erleichterung!

Mehr zum Thema im bernetblog:

Wettrennen der Suchmaschinen, 03.06.2009

Kommunikation und Sprache im Web 2.0

The Way ForwardDas Web 2.0 hat die Modalitäten der Kommunikation wesentlich verändert. Statt pseudo-objektiver Information sind Transparenz und authentische Darstellung gefragt.

Vor ein paar Tagen habe ich den Workshop Digital Publishing – die Medienrevolution 2.0? besucht. Die Frage im Titel wurde zu Beginn beantwortet: Die klassischen Regeln der Informations-Aufbereitung gelten nicht mehr. Das dialogische Web verlangt andere Stil-Prinzipien als der gewohnte objektive Nachrichtenstil.

Ivo Hajnal, Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Innsbruck, beschreibt sehr treffend die neuen Modalitäten für ein erfolgreiches Digital Publishing:

Webkommunikation ist profiliert statt oberflächlich:

  • Weblogs verzichten auf die Trennung von Nachricht und Meinung und die Gegenüberstellung von gegensätzlichen Quellen.
  • Sie vermitteln ihren Nutzern exklusive Informationen und Einschätzungen abseits der normierten Informationsströme.

Webkommunikation ist authentisch statt uniform:

  • Die Themen von Weblog-Einträgen sind nicht zwingend nach den journalistischen Nachrichtenfaktoren gewählt und inszeniert. Vielmehr entsprechen sie den individuellen Beobachtungsmustern der Verfasser und wirken deshalb authentisch.
  • Zur Steigerung der Authentizität dienen sprachliche Stilmittel (Ich-Person und expressive, umgangssprachliche Formulierungen).

Webkommunikation ist engagiert statt distanziert:

  • Weblog-Einträge verzichten auf journalistische Distanz. Vielmehr bemühen sie sich, den Rezipienten klare Vorteile zu ermöglichen – ihnen zum Beispiel Einblick ins Unternehmen oder Insider-Tipps zu geben.
  • Gleichzeitig reagieren ihre Verfasser unmittelbar auf Nutzer-Feedbacks. Die Beiträge wirken deshalb glaubwürdig.

Klartext statt leere Worte
Die Sprache von Unternehmen hat sich nach diesen neuen Stil-Prinzipien zu richten. Was bedeutet das? Kurz: Unternehmen, die sich im Web positionieren möchten, müssen selber Position beziehen. Wichtigtuerei und Oberflächigkeiten wie zum Beispiel «Wir streben die Marktführerschaft für xyz an» lassen keine Position erkennen. Vielmehr braucht es echte Werte, eine Portion Bescheidenheit, direkte Worte und eine klare Aussage. Und ja, es braucht Mut, Klartext zu reden.

Der gemeinsam von der ZPRG und der Schweizerischen Text Akademie organisierte Workshop hat mir sehr gefallen, er war gut moderiert und das Beste: Er macht Freude auf mehr authentische und ehrliche PR, die wirklich etwas zu sagen hat. Jetzt gilt es nur noch, die Kunden davon zu überzeugen, dass Klartext mehr bringt als Plattitüden – auch wenn (oder gerade weil) man sich hinter Worthülsen besser verstecken kann.

28.10.2009 | Kommunikation, Medien

Das Internet wird 40

global_communicationQuadratisch, praktisch und gut ist eine Technologie, die vierzig Jahre Entwicklungszeit hatte: Das Internet. Aus Anlass des 40-jährigen Geburtstags zeigt der Guardian spannende Hintergründe und Videos über die Entwicklung von 1969 bis heute.

Was mag das sein? So beschreibt der Guardian das Internet:

Age: 40.
Appearance:
Flat, rectangular; dimensions vary.
What is it?
An unquantifiable ocean of free-flowing data; a boundless virtual universe that in many respects closely mirrors our own world, but with a lot more porn.
What is it really?
A bunch of computers hooked together.

(Mehr Text unter «It’s 40 years old, but how much do you know about it?»)

Erster Datenaustausch vor 40 Jahren
Vor 40 Jahren bastelten ein paar Wissenschaftler in Kalifornien an der Vernetzung von Computern und legten den Grundstein für das heutige Internet. Am 29. Oktober 1969 werden erstmals Daten zwischen zwei verschiedenen Orten ausgetauscht: zwischen der Universität von Kalifornien, Los Angeles, (UCLA) und dem Stanford Research Institute in Menlo Park, Kalifornien. Das Netz bricht aber nach den ersten beiden Buchstaben des Wortes «logon» zusammen. Heute, 40 Jahre später, steigt die Zahl der weltweiten Internet-Nutzer auf mehr als 1,5 Milliarden. In China alleine sind über 250 Millionen und damit erstmals mehr als in den USA.

guardian.co.uk: The internet at 40

So startet der Guardian die interaktive Geschichte des Internets – natürlich im Internet. Und angepasst an das heutige Benutzerverhalten: wenig Text, viel Bildmaterial und Querverlinkungen zum Durchklicken.

Mehr Text, weniger Bilder und trotzdem gut ist auch folgender Artikel zum Thema: «Das Internet steht vor der Midlife Crisis» auf spiegel.de.

Nachtrag: Was wäre, wenn das Internet an nur einem einzigen Tag entstanden wäre? Die erste E-Mail kommt in Deutschland zwar noch vor der Frühstückspause an, aber bis Facebook und MySpace gegründet werden, dauert es bis nach Einbruch der Dunkelheit … Gerade entdeckt: Geschichte des Internets an einem Tag.

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