Journalisten im Web: Simone Luchetta, SonntagsZeitung und Tages-Anzeiger

Simone Luchetta ist Journalistin bei der SonntagsZeitung und dem Tages-Anzeiger und schreibt über Technologie und Digitalisierung. Social Media nutzt sie punktuell – um direkt an spannende Leute zu gelangen. Sie bedauert, dass die Twitter-Nutzerschaft so begrenzt ist.

Die Serie «Journalisten im Web» portraitiert Redaktorinnen und Redaktoren und ihren Alltag im Social Web im Rahmen einer qualitativen Studie von Bernet_PR und der ZHAW. Die Zusammenfassung und Auswertung der Studie erfolgt (bereits zum zweiten Mal nach 2015) im Herbst 2017. Der Hashtag zur Studie: #jstudie.

Ihr Arbeitstag beginne mit einem kurzen Blick auf Twitter, sagt Simone Luchetta. Sie achte darauf, nur ausgewählte Tweets zu teilen, «einfach weil ich finde, es hat sowieso schon so viele Informationen da draussen». Für den täglichen Blick in die News verwende sie Feedly – «völlig altmödig» – aber praktisch, weil sie dort ausgewählte Quellen habe, die sie vorziehe, um informiert zu sein.

Themen erkennen, bevor sie in den Medien sind

Social Media würden für ihre Arbeit eine neue Qualität bringen, sagt Simone Lucchetta. «Man gelangt direkt an die Leute. Auch an Unternehmer, wobei die ja nicht immer ihre Tweets selber absetzen. Es ist ein Vorteil, dass man diesen Zugang hat. Es ist informell, aber sehr effektiv.» Das bringe manchmal den entscheidenden Zeitvorteil, zum Beispiel bei Geschichten aus der Forschung. «Es ist immer gut, wenn man einen Schritt vor den anderen auf etwas Interessantes stösst. «Wenn die Forscher auf Twitter aktiv sind, dann hast du die Möglichkeit, früher einzusteigen und auf jemanden oder ein Thema zuzugehen, bevor es offiziell in den Medien ist.»

Sie bedauert aber auch, dass sie ganz viele spannende Leute auf Twitter nicht erreichen kann – weil sie sich selber zu wenig promoten «Frauen zum Beispiel, kannst du mit wenige Ausnahmen vergessen. Wenn sie nicht in PR arbeiten oder selber Journalistin sind.»

Dinge auf Twitter wirken grösser, als sie sind

Zugleich relativiert sie – insbesondere Twitter – als Kanal: «Hier tauscht sich eine ziemliche Szene miteinander aus. Es ist eigentlich ein kleiner Kreis, der sich gegenseitig befeuert. Die Szene läuft deswegen auch in Gefahr, sich selbst oder was auf Twitter geschieht, zu überschätzen. Man muss zwischendurch einen Schritt zurück machen und das alles richtig einordnen.»

Der Sog der Geschwindigkeit

Auf Stoff aus Social Media greife sie für eigene Geschichten kaum zurück. «Es ist selten, dass ich an einer aktuellen Geschichte bin und einen Tweet einbaue. Das hat sich im Print, wo ich hauptsächlich schreibe, aber auch noch nicht durchgesetzt. Aber ich finde schon; das ist ein grosses Problem dieses Mediums. Und jetzt zeigt es sich endlich. Eine Herausforderung wird sein, hier einen neuen Takt zu finden, damit wir Medien glaubwürdig bleiben.»

Steckbrief

  • Simone Luchetta, (50)
  • Journalistin seit: 20 Jahren
  • Auf Facebook seit: März 2008
  • Auf Twitter seit: Oktober 2007
  • Auf Snapchat seit: Februar 2017
  • Auf Instagram seit: Dezember 2013
  • Auf Xing und LinkedIn seit: 2012

Weiterführend

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