#ICCOSummit: der Britische Lord über PR und tote Hamster

«The wheel is spinning but the Hamster is dead.» Wenn der PR-Doyen in einer furiosen Rede den Untergang prophezeit, applaudieren die Todgeweihten und bleiben nachdenklich zurück. Wer dreht das Rad? Wer ist der Hamster? Wie tot ist er wirklich? Und – wer will schon ins Rad? 

Lord Chadlington hat sein ganzes Leben kommuniziert. Er ist ein Doyen unserer Branche: Der 70-jährige war Journalist, Gründer der PR-Agentur Shandwick, Unternehmer und Politiker. Er spricht klar, grade und mit Witz. Man hört ihm gerne zu. Er erzählt, erklärt, vergleicht und provoziert. Wie kürzlich am jährlichen ICCO*-Summit, dem Weltkongress der PR-Agenturen. «In Kürze seid ihr alle tot – ausser jene, die Reputation Online gestalten und messen können.»

Der Lord hat recht, aber…

Die Hamster-Metapher ist verwirrend. Das Rad steht für eine Anstrengung, wohl auch für eine vermeintlich erfolgreiche, letztlich aber vergebliche. Jetzt liegt der Hamster gar tot neben dem Rad. Es dreht weiter – ihn braucht es in all seiner vergeblichen Mühe nicht mehr.

Der Weckruf Lord Chadlingtons ist angebracht: Die Kommunikations-Branche besucht Konferenzen, bespricht und sorgt sich. Mit kaltem Schauern sieht sie auf ein ganzes Leichenfeld von Hamstern: Foto- und Musikindustrie, Medien, Telekom, Finanzen oder Detailhandel – wer ist jetzt dran?

Das Rad dreht sich weiter, weil sich die Generation Z einen Deut schert um alte Kommunikations-Wege. Sie verlässt ausgetretene Pfade und nutzt das digitale Angebot als Selbstverständlichkeit. Die Einflüsterer und Spindoctors verlieren mit den etablierten Medien auch Generationen von Stakeholdern. Die Botschaften werden in der ganzen Wertschöpfung – von Analyse über Gestaltung bis Distribution – von Nerds und Servern «gemanaged».

… was gibt es abseits von Hamsterrad und Tod?

Liegt die einzige Überlebens-Chance für Kreative, Vernetzer und Strategen im Bückling vor Daten und Maschinen? Jein. Der Hamster überlebt, wenn er lernt und agiert. Und er muss sich seinen sinn- und profitstiftenden Lebensraum abseits vom Rad suchen – und zwar schnell. Diese Erkenntnisse helfen:

  • Es zählt die Verbindung von Online und Offline
    Das «Public» von PR wird unwichtig. Weil «die Öffentlichkeit» sich nicht mehr unterhalten lässt wie in den 80ern. Jetzt braucht es Experten, um die Daten aufzubereiten und sie Online zu gestalten und mit Offline-Massnahmen zu verknüpfen. Damit die «Relations» in der PR funktionieren.
  • Der Mensch lebt nicht von den Daten allein
    Die Zukunftsforschung weiss: Im postdigitalen Zeitalter ist «Digital» alltäglich, ja wird sich Technologie mit dem menschlichen Körper verbinden. Neben High-Tech wird High-Touch (bernetblog vom GDI-Zukunftstag) wichtig: Begegnungen, Berührungen und physische Erlebnisse.
  • Mit Neugier: Lernen, Denken, Reflektieren, Kreativ sein
    Auch darauf verweist Chadlington: Neue Kanäle verführen zu endlosem E-Mail-Management und Plattform-Prokrastination. Es leidet die Metaebene. Gewinnen werden jene, die sich diesem Hamsterrad entziehen. Und einen Schritt weiter und tiefer denken und den Dialog suchen mit Bezugspersonen und Experten ausserhalb der PR-Bubble. Das Unvorhersehbare, die Kreativität wird ihre Kraft behalten.

ICCO ist die weltweite Organisation der PR-Agenturen. In der Delegation vom Bund der Schweizer PR Agenturen BPRA besuchte der Autor den jährlichen Kongress in Oxford Ende September. Mehr darüber in der Zusammenfassung von ICCO-Vizepräsidentin Elise Mitchell.

Weiterführend: 
bernetblog-Beitrag zur GDI-Zukunftstagung im März 2016
Tweets rund um den #ICCOSummit
bernetblog-Beiträge rund um unser Engagement beim Internationalen Netzwerk ECCO

Bild: Flickr, Courtney Bennett «Wheel in Room», Creative Commons CC BY-NC-ND 2.0

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