360-Grad-Bilder selber machen – zwei Budget-Varianten im Test

360-Grad-Bilder schiessen und publizieren ist einfach geworden. Google macht es mit Cardboard und der entsprechenden App schon länger für Jedermann möglich. Nun bietet auch Facebook 360-Grad-Bilder im Feed. Schiessen lassen sich die Panoramas bereits mit bezahlbarer Technik – oder mit dem Smartphone.

Am Social Media Gipfel haben Mammut und die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi eindrückliche Beispiele für 360°-Grad-Drehs gezeigt. Der technische Aufwand dafür ist beträchtlich. Es geht aber auch einfacher – und ganz neu: Seit Freitag 10. Juni lassen sich 360-Grad-Bilder auch auf Facebook teilen.

Die Funktion ist aus Mobile-Sicht eigentlich nichts als logisch: Je nachdem, wohin ich das Telefon bewege, sehe ich einen anderen Ausschnitt des Bildes. Mit VR-Brillen wie der Samsung Gear oder dem günstigeren Google Cardboard erleben wir 360-Grad-Bilder und Videos noch unmittelbarer, weil für beide Augen ein separates Bild berechnet und angezeigt wird.

Aufnehmen kann man solche Bilder mit 360-Grad-Kameras – oder mit einem Smartphone plus einer Panorama-App.

Variante 1: Pano-Bild per Handy

Die einfachste Variante kennen wohl die meisten: Einfach per Panorama-Funktion auf dem iPhone (oder mit der Cardboard-Camera für Android-Telefone) ein 360-Grad-Bild aufnehmen. Dann wie gewohnt ein Bild zum Posten bei Facebook auswählen. Ist es 360-Grad-tauglich, wird das mit einem kleinen Sphären-Symbol angezeigt. Der Nachteil: Die Bilder werden in der Regel stark komprimiert, sie werden unscharf, was mit VR-Brillen sehr unschön wirkt. Und: Im Unterschied zu 360-Grad-Kameras zeichnen sie nur einen Streifen auf und keine Sphäre. Oben und unten bleibt also ein Bereich unsichtbar.

Beispiel: Cardboard-Camera (Sony Xperia Z3 Compact)

360-Grad Panoramabild Eingang Bernet

Variante 2: 360-Grad-Kamera Ricoh Theta S

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Diese kleine Kamera ist wohl die günstigste Variante (ca. 420 Franken), hochaufgelöste 360-Grad-Bilder zu schiessen. Wir haben sie ausprobiert (danke fürs Ausleihen, liebes Amazee-Labs-Team!). Sie kann Full-HD-Video (Sequenzen bis zu 25′) und Fotos, passt in eine Jackentasche und hat zwei Fischaug-Objektive. Die beiden Bilder rechnet sie zu einem fast flächendeckenden sphärischen Bild zusammen.

Beispiel: Ricoh Theta S

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Die Bilder lassen sich per Taste am Gerät selber aufnehmen oder mit Vorschau via App auf dem Smartphone. Die Verbindung funktioniert via WLAN. In der App lässt sich die Kamera bedienen wie eine Kompaktkamera: Dinge wie ISO oder Blende lassen sich manuell einstellen, daneben gibt es verschiedene Voreinstellungen.

Screenshot App Ricoh Theta S

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Bilder und Szenen planen

Beim Ausprobieren hat sich gezeigt – die 360-Grad-Perspektive bringt ganz neue Herausforderungen:

  • Kamerastandort als einziges Gestaltungsmittel: Mit 360-Grad-Kameras wählt der Betrachter den Ausschnitt. Den Blick auf etwas Konkretes zu lenken, wird also schwieriger. Das ist ungewohnt, denn genau das tun wir beim Fotografieren sonst ganz bewusst. Gestalten lassen sich Bilder aber mit dem Kamerastandort. Wo befindet sie sich im Raum? In der Mitte? Oder bewusst in der Nähe eines Objektes? Und ist sie auf Augenhöhe, in der Frosch- oder der Vogelperspektive?
  • Wo ist der Fotograf? Löst man die Bilder mit der Taste an der Kamera aus, gibts es zwangsläufig immer auch ein Selfie. Sonst drängt sich ein Stativ, die Fern-Auslösung via App und ein Versteck für den Fotografen auf.
  • Wie anzeigen? Die Bilder machen nur dann Sinn, wenn man sie auf dem Mobile oder sogar mit einer Brille ansehen kann. Wer solche Bilder für die eigene Kommunikation einsetzen will, muss auch an den User denken: Benötigt dieser eine Zusatz-App, ist die Chance gross, dass die Bilder die meisten Leute verfehlt. Facebook hat die 360-Grad-Funktion vor kurzem in der Standard-App lanciert. Die Youtube-App zeigt seit längerem 360-Grad-Filme an. Google+ zeigt 360-Grad-Bilder ebenfalls im Scroll-Modus an. Für WordPress haben wir bis jetzt noch keine funktionierende Lösung gefunden. Flickr zeigt die Bilder im Schwenk-Modus, wenn sie einzeln eingebettet werden. Als Album funktioniert die noch nicht.

Beispiele: Weitblick oder Details?

Beim Ausprobieren ist uns aufgefallen: Nicht Landschafts-Bilder (obwohl schön), sondern Bilder mit Details sind spannend. Die 360-Grad-Perspektive lässt den Blick schweifen und Details entdecken. Diese Bilder geben einen Eindruck der Bildqualitäten und der Möglichkeiten. Idee: Vielleicht stehen Sie ja für ihr nächstes Teambild im Kreis.

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Und Videos?

Natürlich kann die Ricoh Theta S auch sehr einfach Videos aufzeichnen. Kurze Sequenzen lassen sich so gut publizieren, sei es via Youtube oder via Facebook. Etwas komplizierter wird es, sobald Schnitte und Einblender notwendig sind. Spezialisiert auf die Produktion von ganzen 360-Grad-Filmen hat sich die Agentur Bandara. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi hat mit ihr einen eindrücklichen Film gedreht. Zusammen mit Christian Gisi von Mammut erzählten sie am letzten Social Media Gipfel (hier unser Rückblick), worauf es bei Planung und Dreh von 360-Grad-Filmen ankommt.

Und dann? 360-Grad-Video-Streaming

Der nächste Schritt ist wohl schon bald 360-Grad-Video-Streaming. Ricoh bietet offenbar bereits eine (wohl abgespeckte) Möglichkeit dazu. Youtube hat die Funktion bereits angekündigt (Artikel in The Verge) und ein Auftritt von Dawn live gestreamt. Spannend wird diese Funktion dann auch für die Online-Medienarbeit: Mit deinem 360-Grad-Einblick per Knopfdruck lassen sich Dinge anders präsentieren: Sportanlässe, Restaurants, Verteilzentren, Gebäude (Hotels, Museen) oder sogar grosse Maschinen. Wer gute Beispiele kennt: Wir freuen uns über Links im Kommentarbereich.

Weiterführend

TED-Talk: Virtual Reality als Empathie-Maschine
Social Media Gipfel zu 360-Grad-Videos

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