Journalisten im Web: Arthur Honegger, US-Korrespondent SRF und Bürochef SRG in Washington

Arthur Honegger bietet als SRF-Korrespondent Einblicke in die politischen und gesellschaftlichen Themen der USA. Angesichts der Grösse des Landes findet er aber am TV kaum genügend Raum für die vielfältigen Themen. Via Social Media – und vor allem Twitter — macht er eine interessierte Community auf Themen und Zusammenhänge aufmerksam, die im News-Alltag keinen Platz finden. 

Die bernetblog-Serie «Journalisten im Web» portraitiert Redaktorinnen und Redaktoren und ihren Alltag im Social Web im Rahmen einer qualitativen Studie von Bernet_PR und der ZHAW. Der Hashtag zur Studie: #jstudie.

Für Arthur Honegger gehören Social Media zur journalistischen Tätigkeit: «Ich habe auf Twitter über 8’500 Tweets verschickt (Stand Februar 15, die Red.). Meist zu Dingen, die ich sehe und interessant finde. Es ist also nicht immer selbst generierter Content. Sondern Dinge, die ich im Radio höre oder im TV sehe und die zu Hause das Verständnis zu einem US-Thema erhöhen. Dazu kommen gewisse Kommentare von meiner Seite, knappe Einordnungen.» Was gut ankommt und auch für Reaktionen sorge, seien interaktive Geschichten, Fotos, und persönliche Einordnungen.

Journalistische Erweiterung für die interessierte Community

Via Twitter (@honegger) bedient Honegger über seine journalistischen Gefässe hinaus frei und so umfangreich wie er will, eine interessierte Community. «Bei Twitter bildet sich schnell eine Community, die sich für ein Thema interessiert. Im Gegensatz zu Facebook. Facebook nutze ich praktisch nur privat für die Kontaktpflege in die Schweiz.» Seine Follower kommen wie erwartet grossmehrheitlich aus der Schweiz. Darunter sind nicht nur Privatleute, weiss Honegger. Er habe auch schon Tweets von ihm in Schweizer Medien wiedergefunden. Überraschender ist das Geschlechterverhältnis: 74 Prozent der Follower sind männlich.

Der Massenkanal bringt Offenheit für Kritik und Nähe zum Publikum

Die Interaktion ist nicht immer nur positiv. Follower äussern sich via Twitter gerne auch kritisch zu Beiträgen oder Aussagen von Honegger. Manchmal muss er auch herhalten, um anti-amerikanische Gefühle von Followern über sich ergehen zu lassen. «Leute, die finden, in den USA laufe etwas falsch, schreiben das gerne mal mir.»

Honeggers Engagement auf Twitter wird von seinen Chefs gern gesehen, so seine Einschätzung. «Weil sie sehen, dass es eine gute Möglichkeit ist, sich mit unserem Publikum auszutauschen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Das wird zunehmend wichtig.» Regeln gäbe es zwar, aber «…es wäre übertrieben, wenn ich sagen würde, dass ich die kenne. Eigentlich gibt es nur eine Regel, die man beachten sollte: Man ist in der gleichen Rolle, wie als Korrespondent am Sender. Ich werde nicht anfangen, politische Ansichten zu beurteilen oder private Dinge zu erzählen. Es ist halt auch ein Massenmedium.» Auch wenn es nicht der Kanal der SRG, sondern derjenige von Arthur Honegger ist.

Twitter als Sensor für Aktualität

Twitter ist aber auch ein Recherche-Tool: «Twitter ist eine meiner Informationsquellen, die ich den ganzen Tag offen habe. Es ist gut, um einen Feed oder das Rauschen im Kanal zu verfolgen. Ich weiss was geht, sehe Themen die aufkommen und interessieren.» Der Aufwand sei beträchtlich: «Ich folge 531 Leuten, hauptsächlich US-Kollegen, Journalisten, aber auch Leuten aus der Politik oder von Thinktanks.»

Damit er trotzdem die Übersicht nicht verliert, strukturiert er die Twitter-Quellen wie eine persönliche Ablage. «Ich fasse die Twitterer in Listen zusammen. Ich habe zum Beispiel eine dazu, was gerade in Washington diskutiert wird. Ich habe eine, die mehr Richtung Wirtschaft geht, eine Richtung Medien etc. Und wenn ich aktuell was mache, stelle ich eine entsprechende Liste zusammen. Wenn ich zum Beispiel etwas zum Supreme Court mache, stelle ich eine entsprechende Liste zusammen. Oder mache sehr spezifische Listen wie Ukraine oder ISIS.»

«Man kann auf Social Media auch zuviel machen»

Neben Twitter nutzt Honegger zwar andere Social-Media-Plattformen, aber nie im gleichen Ausmass. LinkedIn und Xing nutzt er zur Kontaktpflege. Dort nimmt er auch jede Freundschaftsanfrage an. Im Gegensatz zu Facebook, das für ihn privat bleibt. Und obwohl fotografieren ein Hobby von ihm ist, betreibt er keine Foto-Plattform auf Social Media, sondern vertwittert höchstens ab und zu ein Bild. Und weshalb nicht auf Flickr oder Instagram? «Man kann auf Social Media auch zu viel machen», sagt Honegger.

Steckbrief

  • Alter: 35
  • Journalist seit 2001
  • in der jetzigen Funktion seit 2008
  • neue Funktion als 10vor10 Moderator ab Herbst 2015
  • Nutzt Facebook seit 2007
  • Twitter seit 2009

Weiterbildung besucht zu Social Media?
«Ich habe mal eine Twitter-Schulung für Korrespondenten gegeben. Aber gemacht habe ich nie eine. Es wäre vielleicht gar nicht schlecht. Man muss aber auch selbst herausfinden, wie man Social Media einsetzt.»

Weitere Blogbeiträge aus unserer Studie «Journalisten im Web»:

alle Portraits der Serie «Journalisten im Web»

(Bilder Arthur Honegger: SRF)

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