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Studie Social Media und News 2014: Schnelle Quelle statt Fakten-Check

Wie verändert Social Media die Arbeit von Journalisten und PR-Leuten? Eine Studie beschreibt die ambivalente Beziehung dieser Berufsgruppen zu Social Media. Als News-Quelle wird das Social Web immer wichtiger – obwohl man an Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit zweifelt.

In Auftrag gegeben wurde die Studie vom niederländischen Finanzinstitut ING. Befragt wurden 186 PR-Profis und 165 Journalisten in Holland und international. In den Aussagen der zwei Berufsgruppen liegt eine ambivalente Grundstimmung: Obwohl man die Glaubwürdigkeit der Social Media Kanäle als Infoquelle skeptisch beurteilt, nutzt man sie intensiver und oft ohne Fakten-Check. Gleichzeitig fürchtet man eine Entwertung der News durch sinkende Glaubwürdigkeit. Wie dreht sich diese Spirale weiter?

Fünf wichtige Erkenntnisse aus der Studie:

  • Unglaubwürdige Hauptquelle
    Ein Drittel der Journalisten beurteilen Social Media Posts als nicht glaubwürdig. Gleichzeitig nutzen die Hälfte der Journalisten Social Media als wichtigste Infoquelle.
  • Öffentlichkeit glaubwürdiger als Unternehmen – wenig Faktencheck
    Die Hälfte der Journalisten stufen Konsumenten-Meinungen als wichtiger ein als die Aussagen von Organisationen. Sie nutzen die öffentliche Meinung für die Berichterstattung, machen den Faktencheck aber nicht konsequent.
  • Zeitdruck stoppt den Faktencheck
    Der Zeitdruck fordert seinen Tribut: «Publizieren zuerst – korrigieren später», lautet die Devise. Nur ein Fünftel aller Journalisten prüfen die Fakten konsequent vor der Publikation. Gleichzeitig werden Organisationen gemäss ihren Kommunikations-Verantwortlichen seltener von Journalisten für Faktencheck kontaktiert.
  • Meinung vor Objektivität
    60 Prozent der Medienschaffenden sehen sich in Social Media weniger an die journalistischen Prinzipien gebunden, als in den traditionellen Medien. Sie sind offener beim Teilen ihrer persönlichen Meinung – auch wenn sie damit mit ihrer Rolle als unabhängige Beobachter in Konflikt geraten.
  • PR-Profis noch wenig im Dialog
    Die PR-Profis (aus Holland) sind, verglichen mit Berufsgenossen im Ausland, noch wenig im Online-Austausch. Sie beschränken ihr Social Media Engagement auf das Senden und vernachlässigen den Dialog mit Medienschaffenden und Konsumenten.

Einig sind sich die Berufsgruppen über die wachsende Bedeutung von Social Media für ihren Alltag. Gemäss  Studie sehen sich Journalisten immer weniger als schnelle Informations-Verbreiter und immer mehr als Filter, Beurteiler und Lieferanten von Hintergrundinfos.

PR-Profis glauben, dass sie künftig ihr eigenes Engagement auf den Social Media Kanälen noch verstärken und dass die Unternehmen mehr Ressourcen in die Aufbereitung von Inhalten auf digitalen Kanälen bereitstellen werden (Newsrooms). Sie sehen eine Chance im direkten Kontakt zu ihren Zielgruppen bei gleichzeitig schwindendem Einfluss der Medien.

Die Studie bei Slideshare und in einer Infografik:

Weiterführend:

bernetblog-Beiträge über Studien und Journalismus

 

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