Der Gedankenstrich – Effekthascher oder effizienter Ruhestifter?

Der Gedankenstrich setzt Akzente – er betont, trennt und baut Spannung auf. Oft ist er eine abwechslungsreiche Alternative zum Komma und wird als Stilmittel eingesetzt. Zuviele Gedankenstriche unterbrechen den Textfluss, der Leser verliert das Interesse. Hier steht, wie man den Effekt nicht überreizt und wo sich der Einsatz lohnt.

Der Gedankenstrich (–) tritt länger auf als der Bindestrich (-) und wird anders eingesetzt: Der Bindestrich zeigt die Zusammengehörigkeit von Wortteilen, der Gedankenstrich setzt Akzente. Mit einem Gedankenstrich erzielt man einen Effekt beim Leser. Je nach Verwendung wird ein anderes Satzzeichen wie Komma, Klammer oder Doppelpunkt ersetzt. Zudem steht sowohl vor wie nach dem Gedankenstrich immer ein Leerzeichen. Mit alt und 0150 (Windows) und alt und – (iOS) bekommt er das richtige Format.

Der Gedankenstrich: 5 Effekte 

  • Überraschen: Der Gedankenstrich baut Spannung auf,  die sich anschliessend in einer oft überraschenden Wendung auflöst. Die Ankündigung von etwas Unerwartetem spornt den Leser an, weiter zu lesen. Auch ein Komma oder ein Doppelpunkt kann eingesetzt werden.
    Plötzlich – tosender Applaus!
    Sie dachte nur noch dieses eine Mal – was für ein verhängnisvoller Entscheid.
  • Betonen: Mit einem Gedankenstrich kann man Teile des Satzes explizit betonen und dem Inhalt zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.
    Ich kann dir schon folgen – aber ich bin da ganz anderer Meinung.
  • Schweigen: Der Gedankenstrich kann für einen unfertigen Gedanken stehen. Er kennzeichnet, wenn der Inhalt nicht zu Ende gebracht wurde.
    Das hätte ich nie von dir gedacht, du – !
  • Wechseln: Zwischen den Sätzen zeigt der Gedankenstrich einen Gedankensprung des Sprechers an. So erleichtert er den abrupten Themenwechsel. Auch wenn es einen Sprecherwechsel gibt hilft ein Gedankenstrich.
    «Das wollte ich schon immer von dir wissen, ich bin froh hast du das mit mir besprochen. – Hast du übrigens noch Milch gekauft?»
    «Ist hier noch frei?» – «Ja bitte, nehmen Sie Platz.»
  • Ergänzen: Eine Erklärung oder ein Nachtrag wird mit dem Gedankenstrich vom Rest des Satzes abgetrennt. Hier tritt der Gedankenstrich im Doppel – paarig – auf. Der Einschub ergänzt den Text ähnlich wie ein Komma oder Klammern.
    Diese Ausgabe des Buches – die gebundene und ergänzte Auflage – ist bereits wieder vergriffen.
    Diese Ausgabe des Buches, die gebundene und ergänzte Auflage, ist bereits wieder vergriffen.
    Diese Ausgabe (die gebundene und ergänzte Auflage) ist bereits wieder vergriffen.

Korrekter Umgang mit anderen Satzzeichen 
Satzzeichen bei Einschüben oder Nachträgen werden trotz Gedankenstrich konsequent gesetzt. Einzig Punkte fallen durch den Gedankenstrich weg. Der Gedankenstrich hat durchaus Effekt, darf die Zeichensetzung des Satzes aber nicht beeinflussen.
Damals  kannst du dich überhaupt erinnern?  wäre das undenkbar gewesen.
Er hat  endlich! – realisiert, dass dies sehr sinnvoll ist.
Sie brachte ein Buch und eine Zeitung, die Sonntagszeitung, – wobei ich lieber Bücher lese  an den gemeinsamen Ausflug mit.

Guter Begleiter – sparsam eingesetzt
Ich mag ihn  den Gedankenstrich. Er gibt Texten Ruhe, weil er oft dort verwendet wird, wo man beim Sprechen eine Pause macht. Gezielt eingesetzt ist er ein guter Helfer, unterstützt den Lesefluss und sorgt für Spannung. Achtung: Zu viele Einschübe stören den Textfluss und machen den Leser sprunghaft, statt zu vereinfachen und Abwechslung zu bringen.

Weiterführende Links
- Bernetblog Beitrag «Kommas setzen leicht gemacht» 

Wählen Sie, wie der Kommentar veröffentlicht werden soll:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>