Besser Schreiben – vier Schritte zum Ziel

In vier Schritten zu einem guten Text – wie geht das? Vier Perspektiven helfen Rohtext zu generieren, zu organisieren, weiterzuentwickeln und den letzten Schliff zu machen. 

Man weiss was man sagen möchte, doch nach ein zwei Sätzen steckt man plötzlich fest – wer kennt das nicht? Die Autorin und Professorin Betty Sue Flowers hat eine interessante Taktik. Sie empfiehlt das Texten aus vier Perspektiven. Jede der Perspektiven steht für einen Beruf: Madmen, Architect, Carpenter und Judge. Man beginnt den Text als Wahnsinniger, wirkt als Architekt, festigt als Zimmermann und finalisiert als Richter. Ich behalte mir vor, die englische Bezeichnung Madmen als erste Perspektive beizubehalten. Es ist so viel charmanter als Berserker oder Wahnsinniger.

Die vier Perspektiven für besseres Texten: 

  1. Madman: Zu Beginn wird recherchiert und gesammelt. Dann lässt man die Energie des Madmen fliessen: Man findet heraus, was einem am Thema interessiert. Was für Fragen und Emotionen löst das aus? Man behandelt das Thema auf Papier wie ein Gespräch mit einem Freund oder Feind, hält Gedankengänge fest, bemerkt, notiert, skizziert ohne Rücksicht auf fertige, korrekte Sätze. Der Schreibfluss spielt hier eine entscheidende Rolle, um den Energiefluss beizubehalten und die Grundidee einzufangen.
  2. Architekt: Im Idealfall beginnt der Architekt seine Arbeit erst einen, zwei Tage nach dem Madmen. Als erstes strukturiert er das Rohmaterial und gliedert es sinnvoll. Die Grundidee wird in drei Sätzen ausgearbeitet. Aus dem wilden Gedankengang des Madmen pickt der Architekt die relevanten und für ihn interessanten Punkte. Vielleicht ist das nur ein Zehntel des Inhalts. Der Architekt ist nicht sentimental – er muss sich nicht darum kümmern, dass Sätze und Ideen des Madmen weggelassen werden. Seine Aufgabe ist es, Stücke des bestehenden «Materials» auszuwählen und anzuordnen. Hier braucht es viel Denkarbeit und Organisationsgeschick. Gedacht wird in Ebenen, der Architekt investiert seine Zeit in den Bauplan des Textes und nicht in den Satzbau.
  3. Zimmermann: Die Satzstruktur ist die Aufgabe des Zimmermanns. Seine Ausgangslage ein Konstrukt von aufeinanderfolgenden Ideenbrocken. Er fügt die  Ideen in logischer Abfolge zusammen und «befestigt» sie aneinander. Jeder Satz wird klar ausformuliert, trägt zum Argument des Absatzes bei und führt logisch und nachvollziehbar zum nächsten Satz. Am Ende ist der Text glatt und wasserfest.
  4. Richter: Nun beginnt die letzte Phase mit überarbeiten und optimieren. Am besten geht das in mehreren Durchgängen mit jeweils nur einem Bearbeitungsschritt wie Rechtschreibung oder Interpunktion. Dann schaltet sich der Richter ein und inspiziert den Text und kümmert sich um alle bisher ausgelassenen Details der Grammatik.

Der Trick ist, dass jeder alle vier Perspektiven in sich hat – doch wenn alle gleichzeitig sprechen, lässt es sich schwer schreiben. Arrangiert man sich aber damit, einer nach dem anderen den Text er- und überarbeiten zu lassen, kann man aus jeder Perspektive das Beste herausholen.

Weiterführende Links: 

- Video-Interview mit Betty Sue Flower zum Schreibprozess
- Mitschrift «Madmen, Architect, Carpenter, Judge: Roles and the writing process by Betty S. Flowers»
- Anstoss-Newsletter «Produktiv schreiben, konstruktiv redigieren»
- Bernetblog Beitrag «Tipps für flüssiges Schreiben: Eine Buchempfehlung»
- Bernetblog Beitrag «Musik zum Arbeiten – was geht?»
- Musik zum Schreiben: Johnny Cash und June Carter «If I Were A Carpenter»

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