#10JahreBlog

Blog-Design: Kein Start bei der Startseite

Blog-Startseiten verdienen ihren Namen nicht. Die Besucher kommen auf anderen Wegen: meistens via Google oder Direktlinks. Und sie steigen meist direkt auf einer Artikelseite ein.  Das zeigt eine Spielerei mit den bernetblog-Zahlen von 2012.

Die Leser finden Inhalte im Web direkt. Diese Geschichte habe ich im August letzten Jahres schon einmal erzählt, damals mit Blick auf die Startseiten von grossen US-Zeitungen (Blogpost) und gestützt auf eine Umfrage des Nieman Journalism Lab. Der Blogpost von Robert Basic mit dem Titel «Die umsonstige Startseite der Blogs» hat mich zu einer Spielerei mit den Zahlen des bernetblogs animiert. Die Frage im Hinterkopf: Welches sind die wirklichen Einstiegsseiten, welche Seiten animieren zum Bleiben, wo springen die Leser ab?

bernetblog.ch: 92 Prozent kommen durch die Seitentür

Der bernetblog zählte 2012 insgesamt knapp 200’000 Besuche. Der grösste Teil – mehr als 90 Prozent – stieg auf einer Artikelseite ein. Die Startseite dient nur bei knapp acht Prozent der Besuche als Einstiegsseite.

bernetblog.ch Einstieg via Startseite oder Artikelseite

Jede Seite ist eine Startseite

Die Grafik zeigt, was eigentlich alle wissen, vielen aber trotzdem nicht bewusst ist: Jede Artikelseite ist eine Startseite. Wer den Leser halten will, muss ihn von hier auf weitere Seiten locken. Wir tun das ganz klassisch: Mit weiterführenden Artikeln, Tags, Kategorien und manuell ausgewählten Beitrags-Anrissen. Wie wirkt sich das aus? Bei jedem zehnten Besuch mit Einstieg via Artikelseite klicken die bernetblog-Leser weiter. Spannend ist hier, welche Wege diejenigen wählen, die dabei bleiben: drei von vier Besuche entfallen direkt auf einen weiteren Artikel, also via Anriss oder die verlinkten weiterführenden Artikel:

bernetblog.ch Besuche von zweiten Seiten

Ein Detail: Wer einen zweiten Artikel anklickt, bei dem ist auch die Chance höher, dass er noch einen dritten liest. Die Absprungrate von der zweiten zur dritten Seite ist bedeutend kleiner als von der ersten zur zweiten. Wer also einmal ins Schmöckern gerät, bleibt gerne auch länger.

Ziel: zum Weiterlesen verleiten

Hohe Absprungraten bei Blogs sind bekannt und entsprechen dem Leseverhalten. Wir sehen einen Blogpost, lesen oder überfliegen ihn und gehen wieder. Das Ziel muss trotzdem sein, die Leser zum Bleiben zu verführen. Wir gewinnen damit nicht nur eine intensivere Aufmerksamkeit, sondern beeinflussen auch die Attraktivität des Blogs für Suchmaschinen, welche bei der Bewertung von Seiten auch die Absprungrate miteinbeziehen. Also was tun, damit die Leser weiterklicken? Bieten Sie Köder, Teaser, Lassos:

  • Anrisse mit guten Bildern: Artikelseiten mit attraktiv gestaltenen Anrissen auf andere Artikel ausstatten. Die Anrissbilder müssen dabei auch kleinformatig aussagekräftig sein und gut aussehen. Mashable macht dies perfekt.
  • Bessere Titel: Ein guter Titel braucht Zeit. Es zahlt sich aus, diese zu Investieren. Gute Beispiele finden Sie in der Rubrik «Meistgelesen» auf den grossen Newsportalen.
  • Treffende Kategorien: Die Leser sind gekommen, weil Sie nach Informationen zu einem bestimmten Thema gesucht haben. Die häufigsten Suchbegriffen lassen sich mit Google Analytics eruieren, und die Kategorien entsprechend gestalten.

Bis jetzt haben nur die Zahlen über euch bernetblog-Leser gesprochen. Deshalb frage ich direkt: Liebe Leser, wann bleibt ihr bei uns hängen? Was hält euch vom Weiterlesen ab? Ich freue mich auf Echos!

Weiterführende Artikel:

US-Studie: Startseiten verlieren an Traffic
Was ist eigentlich…: Information Foraging?

2 Kommentare zu Blog-Design: Kein Start bei der Startseite

  1. Stephanie Grupe schrieb:

    Hallo Herr Walther!
    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel! Gerne beantworte ich Ihre Leser-Frage:
    Auf den Bernet-Blog bin ich durch Twitter aufmerksam geworden. Beim ersten Besuch eines Blogs stöbere ich immer etwas länger, um den Umfang und die Qualität der gebotenen Fachinformation einzuschätzen. Bei positivem Urteil abonniere ich den Blog per RSS-Feed und habe ihn damit ständig als Lesefutter präsent. Danach entscheiden die Headlines im Reader, ob mich das Thema zum Weiterlesen animiert. Hat sich ein PR-Fachblog bewährt, nehme ich ihn in die Blogroll auf meiner Webseite für PR-Studenten auf – wie auch im Fall des Bernet-Blogs :-)
    Hoffe, ich habe Ihre Frage zur Zufriedenheit beantwortet!
    Herzliche Grüße in die Schweiz von
    Stephanie Grupe

    • Michael Walther schrieb:

      Hallo Frau Grupe

      Schön, dass Sie uns lesen – und dass Sie uns über meinen Lieblingskanal Twitter gefunden haben!

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