Social Media Studie Schweiz: Hoher Einsatz, wenig Strategie

62 Prozent der grössten Schweizer Unternehmen sind aktiv auf Facebook, YouTube, Twitter, Blogs & Co. Erst 22 Prozent haben eine Strategie formuliert, nur 30 Prozent evaluieren den Einsatz. Personelle Ressourcen sind hingegen bei 39 Prozent eingerichtet.

Die Social Media Studie Schweiz (#sms_ch) ist entstanden aus der Zusammenarbeit von Bernet_PR und Barbara Kunert. Sie hat die Datenbasis erhoben im Rahmen ihrer Masterarbeit für den MAS Business Communications HWZ. Die Online-Befragung erfasste 142 Unternehmen aus den Grössten-Listen der Handelszeitung. 56 haben alle Fragen beantwortet, die Erhebung erfolgte im Oktober 2010. Alle Details zur Methodik und zahlreiche Grafiken bringt der Download als PDF oder das Lesen auf SlideShare ganz am Schluss dieses Beitrags. Das Wichtigste in Kürze:

Hohes Engagement, Facebook dominiert
Nur 38 Prozent der Schweizer Grossunternehmen pflegen keine Social Media, 62 Prozent oder knapp zwei Drittel sind auf Dialogplattformen aktiv. Die meisten Nennungen erhält Facebook, mit deutlichem Abstand folgen YouTube, Twitter, Blogs und Andere.

Ähnlich wie Deutschland, hinter gobalen Werten
Dieses Engagement lässt sich mit zwei Studien vergleichen: Social Media Governance erfasst deutsche Unternehmen; der Global Social Media Check-up die Fortune 100 Liste der weltweit grössten Unternehmen. Bezüglich Facebook liegt die Schweiz deutlich vor Deutschland, die internationalen Zahlen hingegen zeigen klar in Richtung eines weiteren Ausbaus von Social-Media-Engagements.

Wenig Strategie und Evaluation, mehr Monitoring
Typisch für die aktuelle Phase des schnellen Mitmachens ist das weitgehende Fehlen von Konzeption und Messung. Nur etwas mehr als ein Fünftel hat eine Social Media Strategie formuliert – immerhin planen drei Fünftel ein entsprechendes Papier. Auf die Frage «Evaluiert Ihr Unternehmen die eigenen Social-Media-Aktivitäten?» antworten erst 30 Prozent mit einem Ja. Weiter hingegen ist man punkto Monitoring, hier geben etwas mehr als die Hälfte der Schweizer Grossunternehmen an, Facebook, Twitter, YouTube oder Blogs zu verfolgen.

Hoher Einsatz – ähnlich wie in Deutschland
Über Personalressourcen für die Social-Media-Arbeit verfügen gemäss Studie 39 Prozent der grössten Schweizer Unternehmen, 13 Prozent planen diesen Schritt. Damit liegen die Anteile von «Ja» und «geplant» wie in Deutschland (Social Media Governance) bei knapp über der Hälfte der Befragten. Unsere Studie fragte auch nach externer Unterstützung, 5 Prozent lagern entsprechende Arbeiten aus.

Fazit: Social Media auf dem Weg zur Normalität
Die Studie zeigt: Dialogkanäle zählen zum Repertoire auch bei grossen Schweizer Unternehmen. Ressourcen stehen bereit, das Monitoring etabliert sich. Unschärfe zeigt sich bei der Führung dieser Instrumente: Erst eine Minderheit hat sie strategisch definiert oder mit einer Erfolgskontrolle ergänzt. Das hat viel zu tun mit der Neuheit von Plattformen wie Facebook oder Twitter: Was will man messen, als Ziele definieren?

Wer nur Strategien schreibt, wird nie auf Social Media aktiv. Und wer ohne Strategie in den Social-Media-Dschungel steigt, wird seine Engagements nie mit Erfolg auf- und ausbauen. Denn dieser Dialog will eingebunden sein in eine umfassende Kommunikation, die Online, Print und persönliche Auftritte aufeinander abstimmt.

Je strategischer Social Media wird, desto normaler werden diese Plattformen – eine Entwicklung, die zum Beispiel die Website schon hinter sich hat.

Social Media: Echo zur Studie vom Podiumsgespräch
Erste Beurteilungen von Dritten: Marie-Christine Schindler und Thomas Hutter.
Alle Blogbeiträge zur Studie

6 Kommentare zu Social Media Studie Schweiz: Hoher Einsatz, wenig Strategie

  1. Martin Hitz schrieb:

    Vielleicht mache ich ja einen Überlegungsfehler: Aber könnte es sich bei den 56 Firmen, die alle Fragen beantwortet haben, nicht genau um jene handeln, die über dedizierte Ressourcen für die Bewirtschaftung von Social Media verfügen.

    Und könnte deshalb der Anteil der Firmen, die auf Social Media aktiv sind, nicht “übergewichtet” sein? Will sagen: Sind möglicherweise wesentlich weniger als 62% der Schweizer Firmen auf Facebook etc. aktiv?

  2. Marcel Bernet schrieb:

    Zu deinem ersten Punkt: Nein, das ist nicht so. Denn 56 Prozent der 56 Antworten auf die Frage nach dezidierten Ressourcen sagen «Nein, haben wir nicht» (43 %) oder erst «geplant» (13 %).

    Auch die Eingangsfrage zeigt aus meiner Sicht, dass die Stichprobe nicht einseitig auf die Social-Media-willigen gefallen ist: 32 Prozent sind nirgends aktiv (diese Frage haben 60 beantwortet).

    Was ich bei einem nächsten Mal schärfen würde, sind
    1. die Qualität des Engagements (eigene Seite, wieviele Seiten u.ä. – anstatt “aktive Pflege von Informationen”)
    2. den Block “Andere” besser aufteilen – hier können wir nur viel Xing oder anderes erahnen.

    Ist Deine Annahme gut beantwortet?

  3. Spannende Studie, danke dafür! Schade, dass bei der dynamischen Entwicklung von Social Media die Daten erst ein knappes halbes Jahr nach Erhebung freigegeben werden konnten.

  4. Marcel Bernet schrieb:

    Asche auf mein kahles Haupt, hat mich ebenfalls gestresst. Auch wenn andere Studien noch länger warten bis zur Publikation: Bei einem nächsten Mal geht das nicht so.

  5. taka taka schrieb:

    Liebe Medien und Blogs!

    taka taka ist der neue Weg, Nachrichten auf Facebook zu empfangen.

    taka taka sammelt Meldungen aus der ganzen Welt und bereitet diese in Form von einfach verständlichen Schlagzeilen in Status-Update-Länge auf. Die Schlagzeilen, wir nennen sie takas, erscheinen dann automatisch auf der Pinnwand des Facebook Users.

    Schluss mit langen Stories, Hintergründen, komplizierten Verlinkungen und langen Texten; jede Headline erzählt eine Geschichte.

    So gehts: http://www.facebook.com/takatakanews besuchen, Gefällt mir-Knopf klicken, takas auf die Pinnwand erhalten.

    Natürlich freuen wir uns, wenn Sie über taka taka berichten!

    Herzliche Grüsse

    taka taka
    http://www.facebook.com/takatakanews
    Newsheadlines ohne Schnickschnack.
    taka taka ist ein nichtprofitorientiertes, experimentelles Nachrichtenprojekt.

    • Marcel Bernet schrieb:

      Na ja. Ohne Quellenangabe, einfach wild drauflosgetickert. Zum Beispiel am 27.3.2011/1600: Millionen Strahlenwerte Fukushima, eine Stunde später: Messung laut AKW-Betreiber falsch. Halt wie auf Twitter.

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