Gedenkstätte online: britische Gefühlskiste

GoneTooSoon

Die Plattform GoneTooSoon ist eine Sammlung virtueller Gedenkstätten. Die Trauernden hinterlassen dort Gefühlsbotschaften – für jeden zugänglich und einsehbar.

Gedenkstätte auf Friedhöfen laden dazu ein, um mit Verstorbenen in Kontakt zu treten. In Grossbritannien kann man sich den Weg zum Friedhof ersparen: es wird virtuell am Bildschirm getrauert. Die Plattform GoneTooSoon unterhält Gedenkseiten für  Verstorbene. Die Eröffnung und Pflege ist jederzeit möglich und einfach. Es braucht keine Blumen, die mühselig angeschleppt und gepflegt werden wollen. Die Pflege beinhaltet Gedanken übermitteln, Ehrungen überbringen, Kerzen anzünden. Zudem kann ein Photoalbum erstellt werden. Für jeden ist einsehbar, was andere überbringen und wie andere trauern. Die Plattform kann auch für verstorbene Tiere genutzt werden.

Eine mir fremde Art sich einem Verstorbenen zuzuwenden und mit ihm in Kontakt zu sein. In meinen Augen kann am Bildschirm nicht die dafür nötige Atmosphäre entstehen. Ich brauche Stille in der Kirche, der Wind im Haar auf dem Friedhof. Es gibt Dinge, wofür der Computer nicht geeignet ist.

Social Media unterstützt die Recherche

@zeichen_schreibmaschJournalistinnen und Journalisten nutzen Blogs, Twitter und Facebook intensiv als Quelle – mit höherer Anforderung an die Überprüfung.

Schon 2009 hat die Bernet/IAM-Studie «Journalisten im Internet» (alle bernetblog-Artikel zur Studie, samt Grafiken) eine hohe Akzeptanz von Social Media bei Schweizer Medienschaffenden gezeigt. Letzte Woche veröffentlichten der globale PR-Dienstleister Cision und die George Washington University eine neue Studie (Medienmitteilung deutsch, Website GWU englisch).

Social Media als Quelle etabliert – bei tiefer Glaubwürdigkeit
Der Fachbereich Strategic PR der George Washington Universität GWU sandte im Herbst 2009 Fragebogen an 9100 Medienschaffende, ein Rücklauf wird nicht angegeben. 89 Prozent geben an, Blogs für Recherchen zu nutzen, 65 Prozent nutzen dazu Soziale Netzwerke wie Facebook und LinkedIn, 52 Prozent verfolgen Microblogging-Dienste wie Twitter und 61 Prozent setzen auf Wikipedia.

Damit ist klar: Social Media haben sich als wichtige Quelle für Recherchen etabliert. Was auch nicht weiter erstaunlich ist bei dem riesigen Angebot an Informationen, die sich an diesen neuen Web-Lagerfeuern sammeln. Glauben kann man aber nicht gleich alles, was hier herumgereicht wird – zumindest geben die befragten Journalistinnen und Journalisten zu 84 Prozent an, dass Social Media-Quellen «wenig» oder «viel weniger» glaubwürdig sind als traditionelle Medien.

Vergleich Schweiz: Trend ist klar
Die US-amerikanischen Zahlen liegen bis auf die Nutzung von Wikipedia wesentlich höher als in unserer repräsentativen Studie von 2009 – hier der Vergleich:

socialmedia_journalisten_usa_ch

Gerade im Bereich Blogging bietet sich hierzulande auch wesentlich weniger Inhalt als in den USA. Hinzu kommt, dass unsere Befragung (Gratis-Download) nicht einfach die Nutzung abfragt, sondern die Wertigkeit: Ausgewiesen ist nur der Anteil der Medienschaffenden, die zum Beispiel Blogs als «wichtig» oder «sehr wichtig» für ihre Arbeit bezeichnen. Auch mit dieser engeren Auslegung nutzen die Schweizer Wikipedia leicht stärker, dafür war Twitter Mitte 2009 journalistisch unbedeutend bei uns.

Social Media nicht nur als Quelle
Dass Social Media nicht nur für die Recherche ein absolutes Muss ist, zeigt der neue Chef von BBC World News: In einem internen Memo fordert Peter Horrocks den Einsatz für Recherche, die interne Zusammenarbeit und die Verbreitung der Inhalte. Und zwar ultimativ: «Wer es nicht mag oder wer denkt, dass diese Veränderung oder diese neue Arbeitsweise für ihn zu gross sei, der soll gehen und etwas anderes tun…» Mehr dazu im Beitrag «BBC sagt: Social Media muss sein».

Alle bernetblog-Artikel zur Studie
«Journalisten im Internet» mit Grafiken und Tipps

Link
Alle bernetblog-Beiträge zu Facebook-Zahlen

Blogger im Profil: Philips Blog Schweiz

philipsWo sind sie – die erfolgreichen, langfristig und sorgfältig geführten  «Corporate Blogs» der Schweiz? Zahlreich sind sie nicht. Philips-PR-Mann Raphael Wermuth beantwortet die  Fragen aus unserer Blogportrait-Serie.

Philips Schweiz öffnet Schweizer Medienschaffenden (Bereich Consumer Electronics, Lifestyle, Haushalt, …)  und Konsumenten mit dem Philips Schweiz Blog ein Fenster zu ihrer vielfältigen Produktewelt und lässt Raphael Wermuth einen grossen kreativen Freiraum.

Warum bloggen Sie?
Schreiben gehört zu meinem Alltag – als wichtiger Arbeitsinhalt und als persönliche Leidenschaft. Es bereitet mir Spass, mich in Worten, Formulierungen, schriftlichen Gedanken auszudrücken. Und in unserem global tätigen Unternehmen passiert täglich viel Spannendes. Vor etwas mehr als zwei Jahren entstand daraus die Idee, rund zwei bis dreimal die Woche etwas herauszugreifen – für unsere Mitarbeiter. Der Vorläufer des heutigen Philips Schweiz Blog war nur intern. Toll ist, dass die Geschäftsleitung mir die Freiheit gibt, Artikel zu posten, die meine persönliche Meinung oder Erfahrung mit unseren Produkte widerspiegelt.

Was ist Ihre wichtigste Blogerfahrung?
Zwei Dinge: Erstens ist der Blog – zusammen mit Twitter – das schnellste mir zur Verfügung stehende Instrument, um Neuigkeiten aus unserem Haus unter die Leute zu tragen. Ein enorm effizienter Kommunikationsweg, meine ich. Daneben zeigt die Erfahrung, dass bloggen meiner anderen Passion neben dem Schreiben, dem Marathonlaufen, sehr ähnlich ist: Nur wer dran bleibt, wird Erfolg haben. Ganz klassisch: Der Weg ist das Ziel.

Was ist Ihr grösster Blogwunsch?
Viele, viele Kommentare! Nein, Spass beiseite. Ich wünsche mir auf www.blog.philips.ch mehr Interaktion mit den Blog-Lesern. Aber vielleicht ist das nur noch eine Frage der – hoffentlich kurzen – Zeit.

Unser Fazit:
Raphael Wermuth und Philips Schweiz haben mit der umfassenden Social Media Präsenz (Twitter, Flickr, YouTube) und der perfekten Integration in den Blog sehr viel richtig gemacht.  Einzig die Einbindung des Blogs auf der Website gibt Rätsel auf: Der Link ist auf der Pressesite ist schlicht nicht auffindbar. Warum nicht hier die neuesten Blogeinträge an«featuren»? Was mich zum nächsten Gedanken bringt: Der Pressecorner bleibt relativ trocken – wäre es nicht attraktiv, diesen Mediencorner zu einem Social Media Newsroom auszubauen? Den Blog könnte man dort integrieren – vielleicht würde er aber davon auch ganz abgelöst. Fehlen würde dann die persönliche, direkte Prägung durch die Autoren und der Dialog. Diesen bei einem Konsumententhema zu erreichen, ist aber nicht ganz einfach. Aber wie Raphael schreibt: Dranbleiben bringt Erfolg.

BBC sagt: Social Media muss sein

@zeichen_schreibmaschDer neue Chef von BBC World Services nimmt kein Blatt vor den Mund: Social Media muss sein. Twitter, Facebook und Blogs verändern Recherche, Publikation und Geschwindigkeit.

In einem Blog-Interview des Guardians verdeutlicht Peter Horrock als neuer Chef der globalen BBC News seine Haltung zum Einsatz von Social Media im Journalismus. Dabei sieht er Blogs, Twitter oder Facebook nicht nur in der Recherche, sondern auch im internen und externen Dialog als unausweichliche Werkzeuge. Dass sie für die Informationsbeschaffung bereits stark verbreitet sind, zeigt eine neue Studie aus den USA.

Wer Social Media nicht einsetzt, kann gehen
Der frühere Chef des Multimedia Newsrooms Peter Horrocks hat die Leitung von BBC World Services Anfang Februar übernommen. Zu seinem Antritt hat er in der internen Hauszeitung klar gemacht, dass Social Media eine wichtige Quelle sind für Recherchen, für die gemeinsame Erarbeitung von Geschichten und deren Verbreitung nach aussen. Der Guardian-Artikel zitiert: «Das ist nicht einfach die Laune eines Technogie-Freaks. Ich befürchte, dass wir unsere Arbeit nicht machen, wenn wir diese Dinge nicht beherrschen. Das ist keine Ermessensfrage. Wer es nicht mag oder wer denkt, dass diese Veränderung oder diese neue Arbeitsweise für ihn zu gross sei, der soll gehen und etwas anderes tun – weil es einfach passieren wird. Niemand kann es aufhalten.»

Recherche, Verbreitung und Dialog
Technologie ändere den Journalismus. Deshalb seien Twitter und RSS-Reader essentielle Werkzeuge für die News-Recherche. BBC-Redaktorinnen und Redaktoren sollen darüber hinaus Twitter und andere Möglichkeiten einsetzen zur Verbreitung ihrer Inhalte samt Links zu den Originalberichten. Und schliesslich sei ein journalistisches Social Media Engagement wesentlich für den direkten Austausch mit Leserinnen und Lesern.

Immer schneller, immer oberflächlicher?
Wir Medienkonsumenten erleben wie die Medienschaffenden eine spannende Veränderung: News werden weltweit immer schneller erfasst und immer schneller publiziert. Im Wettrennen um das erste Bild oder die erste Schlagzeile entscheiden heute Sekunden. Früher konnte man in Sondersituationen ein Extrablatt schreiben und drucken, das erste Foto der Notlandung auf dem Hudson-River gelangte vom Mobiltelefon über Twitter innert Sekunden an die Öffentlichkeit.

Der Kampf um das erste Bild, die erste Schlagzeile ist unerbittlich. Wir stehen in eine steigenden Flut von Sofortnachrichten. 2oMinuten bringt mir eine Eilmeldung aufs iPhone? Wieso kann ich die Geschichte noch nicht auf NZZ Online nachlesen? Ich glaube, dass Peter Horrock recht hat: Wer im Nachrichtengeschäft tätig ist, muss beides schaffen: Sehr schnell raus mit Inhalten und so schnell wie möglich die Hintergründe dazu liefern. Dabei helfen Social Media. Und sie können eine wichtige Rolle spielen beim Vermitteln der Inhalte ans Publikum.

Schnell ist immer oberflächlich, das liegt in der Natur der Sache. Ich habe die Eilmeldungen auf meinem iPhone wieder ausgeschaltet. Weil mir der Hintergrund am nächsten Tag wichtiger ist als Störung mitten im Tagesablauf. Die Meldungen, von denen ich mich stören lasse, bleiben in E-Mail und RSS abonniert.

Dieser Beitrag erschien am 25. März auf Marcel Bernets «Extrablog» der NZZ.

bernetblog-Artikel zur Social Media-Nutzung von Schweizer Medien

Politik im Netz: Überblick im Zürcher Wahlbistro

wahlbistro_zhZürich wählt: Am 7. März gibt es Erneuerungswahlen für den Stadt- und Gemeinderat. Das Kandidat/innen-Karussell dreht und es wird diskutiert; auf Podien, am Stammtisch – und im Online-Wahlbistro.

Das Konzept stammt – da waren sie für einmal schneller – aus Bern. Der Polit-PR-Mann Mark Balsiger hat das Berner Wahlbistro im August 2008 eröffnet (bernetblog hat berichtet). Mit dem Sozialgeograf Michael Hermann hat er sich jetzt an eine Zürcher Filiale gewagt.

Betrieb im Bistro
Natürlich hat das Bistro nicht die Kommunikationskraft eines NZZVotum. Entsprechend ist die Zahl der Beiträge wohl auch etwas tiefer. Was aber gefällt ist, dass sich im Wahlbistro alle Politiker/innen ihr Profil erfassen können. Das gibt einen guten Überblick. Dabei fällt  auf, dass sich die politische Rechte offenbar schwer tut mit dem Online-Debattieren – gerade mal ein Schweizer Demokrat ist anwesend – die SVP fehlt ganz. Immerhin wird unter anderem über Zuwanderung (von Deutschen) diskutiert. Gut präsent sind SP, Grüne, Grünliberale und die FDP.

Anbindung an Social Media
Praktisch sind die Verlinkungen zu den Twitter- und Facebook-Konten der Bistro-Politiker. Und die Anbindung der Plattform an diese Netzwerke (Twitter, Facebook). Darin liegt Potenzial. Im Bistro selber könnte doch beispielsweise ein Twitterchannel (#wahlbistro) eingebaut werden… Es bleibt spannend, wie sich Meinungs-Austausch und -Bildung via Web weiter entwickelt.

Sabine Betschart | 17.02.2010 | Medien

Internetnutzung: US-Teenager lesen News online

breakthroughkid

Wie werden die Digital Natives die Medien beeinflussen und verändern? Eine Studie aus Amerika zeigt: 60 Prozent der 12- bis 17-Jährigen lesen News im Internet.

Das Pew Research Center in Washington betreibt Forschungsarbeit für Politik und Presse. Die soeben erschienenen Ergebnisse zu «Social Media & Mobile Internet Use Among Teens and Young Adults» sind spannend. Hier meinen persönlichen Auszug:

12- bis 29-Jährige: 93 Prozent sind online
Teens (12- bis 17-Jährige) bleiben die am stärksten vertretene Online-Altersgruppe. Die Kurve flacht 2009 ab, denn die Sättigung ist hoch: 93 Prozent aller Jugendlichen nutzen das Internet. Gleich oft online gehen heute in den USA Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren. Alle Altersgruppen über 18 Jahren erreichen mit 74 Prozent eine wesentlich tiefer Nutzung.

Internetnutzung 2000-2009

12 bis 17-Jährige: 62 Prozent lesen News im Netz
Mehr als die Hälfte aller Teens beschaffen sich Nachrichten Online. Warum sollten sie eine Zeitung oder ein Buch zur Hand nehmen? Diese Angewohnheit wird die Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts stark beeinflussen. Mobil und allzeit verfügbar bleibt wichtig: 55 Prozent aller 18- bis 29-Jährigen beschaffen sich mit dem Telefon den Zugang zum Internet.

Die Studie enthält darüber hinaus Angaben zur Blog-Aktivität (die zurückgeht), zur Nutzung von Sozialen Netzwerken (nimmt zu, bei ausgeglichener Altersverteilung) und zu Twitter (wo Jugendliche praktisch nicht aktiv sind).

Mehr zum Thema:
Weist das Medienverhalten der Jungen die Zukunft

Im Facebook-Sofa versinken? Newsreader mit Tücken

facebook_chFacebook preist sich neu auch als idealer Platz fürs Lesen von News an. Das Einrichten hat noch seine Tücken. Die Botschaft «Macht doch alles bei mir» hat Konsequenzen für Ihren Web-Auftritt.

Eine interessante Entwicklung verstärkt sich auf Facebook: Wer hier einloggt, kann bleiben. Wieso das Facebook-Sofa verlassen und rüber ins Twitter-Café hetzen? Mark Zuckerbergs Empfangsteam sagt: Kurznachrichten gibts doch auch bei uns, einfach sitzen bleiben! Und jetzt rösten wir auch den besten News-Kaffee!

Newsreader einrichten mit Tücken
Wie üblich bei Facebook: Wer neue Möglichkeiten wirklich einsetzen will, muss sich erst durch Manuals wälzen – angeregt durch eine Bloganleitung von Facebook und unterstützt durch Annette Schwindts Tipps hier der Schnell-Leitfaden für einen News-Strom auf Facebook.

Neben «Freunden» können auch «Seiten» in Listen sortiert werden. Zuerst oben rechts auf der eigenen Seite «Konto» anklicken, «Freunde bearbeiten» auswählen:

konto

Bei mir sind schon Listen erstellt. In diese Listen können auch Seiten eingeordnet werden – links auf «Seiten» klicken, bei den erscheinenden Seiten können Sie wählen, zu welcher Liste sie gehören sollen. Dabei können Sie gleich auch neue Listen erstellen. Ich habe mir eine Liste «News» geschaffen. Dort hinein ziehe ich Seiten wie AP, Spiegel Online oder gerngelesene Blogs mit Facebook-Auftritten.

news_2_listen

Wenn ich diese, zu Beginn aufwändige Sortierarbeit durchziehe, erhalte ich auf meiner Facebook-Startseite diese Übersicht der laufend eingehenden News. Samt Möglichkeit des direkten Dialogs mit den Absendern, über Facebook-Notizen. Interessanterweise muss ich für diesen «Newsreader» auf «Freunde» klicken.

ansicht_resultat

Fazit: Bieten Sie Ihre News hier an
Als Leser ist mir dieser Reader zu wenig schnell. Verlockend daran ist die Integration mit der Kommentarmöglichkeit. Und noch etwas: Auf Facebook muss ich sowieso jeden Tag kurz einloggen, meine Nachrichten checken und die Bernet_PR-Seite betreuen. Also könnte ich doch gleich schnell die News hier überfliegen?

Für Anbieter ist klar: Wenn Sie News irgendwo im Web bieten, dann unbedingt auch auf Facebook anzeigen. Denn das Leserpotenzial ist hoch. Und die Menschen sind bequem, genau wie ich. Die Entwicklung in den USA zeigt diese interessante Grafik in einer Analyse von Hitwise. Facebook bringt heute mehr Links zu Newsquellen und Medien als Google News.

Facebook and Google News to News Websites

Google Search bleibt die Quelle Nummer eins für Links zu Medien, vor Yahoo und msn. In diesem Vergleich liegt Facebook auf Platz vier.

Platz nehmen und sitzen bleiben!
Mein amerikanischer Kollege Steve Rubel hat kürzlich festgestellt, dass Facebook einer seiner am meisten besuchten Seiten ist. Er sieht in der laufenden Integration von News, Kurznachrichten, Chat, Kommentierung, Video, Links eine absehbare Dominanz dieser Plattform. In «Facebook could eat the Web» skizziert er eine Zukunft, in Konsumenten und Anbieter sich nur noch auf dieser Plattform austauschen. Wo also Unternehmen auf eine eigene Website ausserhalb dieses Sozialen Netzwerks ganz verzichten. 1-800-Flowers lässt zum Beispiel Kunden direkt aus Facebook Blumen bestellen.

Ich glaube immer noch an die eigene Website als Zentrum aller Online-Aktivitäten. Wo Facebook mit Twitter, Blogs, Buzz und weiteren Tools als Satelliten wirken, die Traffic rüber bringen auf den eigenen Auftritt. Wo Unternehmen und Organisationen die Kontrolle über ihre Kontakte und Inhalte haben und sich nicht dauernd an neue Programmiervorgaben von Facebook oder plötzliche Änderungen der maximalen Freundeszahl undsoweiter anpassen müssen.

Kann sein, dass ich da völlig falsch liege. Wenn alle im Kaffee Facebook sitzen, muss ich meinen Chai wohl auch dort reinbringen.

Internationale Verständigung mit Globish

Globish-Logo

Ein französischer Manager war in internationalen Geschäften oft erfolgreicher als seine amerikanischen Kollegen: Sein simples Englisch war verständlicher.

Aus dieser Erkenntnis entwickelte Jean-Paul Nerrière Globish. Damit die Verständigung zwischen Koreanern, Chileninnen und Nigerianern in Globish klappt, beschränkte er den Wortschatz auf rund 1′500 Wörter und setzte einige Regeln fest:

  • kurze Sätze
  • kein Humor, keine Klischees
  • keine Metaphern (Lebensabend, Flussbett)
  • keine Idiome (die Beine in die Hand nehmen)
  • keine Abkürzungen

(Obige Regeln gelten bisweilen auch in der einfachen Kommunikation zwischen Menschen gleicher Sprache, beispielsweise wenn die Zeit oder der Platz knapp sind.)

Die Globish-Grammatik entspricht dem Standardenglisch, aber es gibt nur sechs Zeiten. Interessant auch, dass ein Wort wie «aunt» in Globish nicht existiert. Denn es kann gut ersetzt werden: Vaters/Mutters Schwester. Zudem unterscheiden viele Kulturen zwischen einer Tante väterlicher- und mütterlicherseits.

Nerrière bezeichnet Globish nicht als Sprache, sondern als Werkzeug. Die kulturellen Sprachen und gerade Standard-Englisch will er damit nicht ersetzen. Auch eigne sich Globish nicht für schwierige Verhandlungen; hier sollen Dolmetscher zum Zuge kommen.

Gerade für uns priviligierte Germanophone ist es interessant, sich den Zugang anderer Zungen zum Englischen bewusst zu machen: Damit wir daran denken, im internationalen Gespräch nicht mit Eleganz, sondern mit Verständlichkeit zu punkten.

Wortschatz Globish
brand eins 12/09

Anstoss-Newsletter: Wikipedia – Mitmachen, Mitschreiben, Mitverfolgen

WAnstoss-Newsletter: Wikipediaie schreiben Sie einen Eintrag auf Wikipedia? Was ist relevant für die Online-Enzyklopädie? Unser Anstoss-Newsletter gibt Tipps und Hintergründe zu Wikipedia.

Obwohl sich jeder für die Gruppe der Wiki-Autoren bewerben kann, ist es nicht so einfach, einen Eintrag zu erstellen. So frustrierend das manchmal ist, so wichtig ist dieser Selbststeuerungsprozess, damit Wikipedia überhaupt funktioniert. An welche Regeln Sie sich halten müssen, zeigt der aktuelle Anstoss-Newsletter. Ein Auszug:

In fünf Schritte zum eigenen Eintrag:

1. Werden Sie Wikipedianer
Registrieren Sie sich mit einem Benutzernamen mit transparenter Angabe des Absenders und hinterlassen Sie Spuren. Als aktiver registrierter Benutzer erwerben Sie sich mit der Zeit eine Reputation. Andere Wikipedianer werden eher bereit sein, Sie in Ihren Reihen aufzunehmen.

2. Seien Sie relevant
Beschränken Sie sich auf das Wichtigste und achten Sie auf die Wikipedia-Relevanzkriterien, sozusagen die Bibel von Wikipedia (und interessant zu studieren!). Es gibt spezielle Kriterien für Adelseinträge, Architekten, Brauereien etc. Brauereien sind beispielsweise dann relevant, wenn sie 100 Jahre ununterbrochene Brautätigkeit nachweisen können.

Relevant ist Ihr Unternehmen in jedem Fall, wenn Sie eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

  • Jahresumsatz über 150 Millionen CHF
  • mindestens 1000 Vollzeit-Mitarbeiter
  • mindestens 20 Niederlassungen
  • börsenkotiert

Nichts dabei? Ein Eintrag ist auch gültig, wenn Ihr Unternehmen besonders innovativ ist oder eine marktbeherrschende Stellung hat. Vielleicht hat bereits jemand eine Doktorarbeit oder ein Buch über Ihr Unternehmen geschrieben? Das erhöht Ihre Chancen.

3. Schreiben Sie objektiv
Texten Sie aus neutralem Standpunkt. Werbefloskeln haben in einer Enzyklopädie nichts zu suchen. Beschönigen Sie nichts. Wikipedia ist weder Ort zur Selbstdarstellung noch die Gelben Seiten. Die Angabe von Postanschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adressen oder Ansprechpartnern ist unerwünscht. Das gilt auch für Anfahrtsbeschreibungen und Öffnungszeiten. Ein Link zur Internetpräsenz ist jedoch üblich.

4. Fakten, Fakten, Fakten
Blosse Behauptungen werden nicht akzeptiert. Belegen Sie Ihre Aussagen mit Fakten, am besten mit einem Verweis auf eine objektive Print- oder Online-Quelle. So wirkt Ihr Text glaubwürdig und wird nicht als Werbebroschüre wahrgenommen.

5. Steter Tropfen höhlt den Stein
Die Gunst der so genannten «Lösch-Trolle» ist mitunter willkürlich. Wenn der Administrator noch nie von Ihrem Unternehmen gehört hat, nützt auch ein Artikel im Spiegel oder in der Neuen Zürcher Zeitung nichts. Versuchen Sie es wieder, diskutieren Sie mit, bleiben Sie hartnäckig. Auf der deutschsprachigen Plattform werden täglich rund 1000 neue Einträge publiziert – und 500 Einträge wieder gelöscht.

Im aktuellen Anstoss-Newsletter lesen Sie weitere Tricks, wie das Mitmach-Lexikon funktioniert und wie Sie relevante Inhalte mitverfolgen. 115 Unternehmen im Raum Zürich sind heute bereits mit eigenem Eintrag auf Wikipedia vertreten – findet man auch Sie bald in der Online-Enzyklopädie?

Sabine Betschart | 10.02.2010 | Tools

Leere E-Mail-Inbox: Traum oder Realität?

thumbnailZählt ihre E-Mail-Inbox 10, 100 oder 1000 E-Mails?  Mit welcher Systematik behalten Sie den nötigen Überblick und werden die E-Mails effizient bearbeitet?

So gehe ich vor: Die wichtigen (beispielsweise Anfragen, damit ein Lieferant weiterarbeiten kann) und die schnell zu bearbeitenden E-Mails erledige ich sofort. Die anderen wandern ab in einen Ordner Aktion oder Zum Lesen. Einmal täglich gehe ich diese beiden Ordner durch, damit nichts vegessen geht. Die grosse Gefahr dabei: ich freue mich über die leere Inbox und blende die anstehenden Arbeiten im Ordner Aktion aus. Manchmal fühle ich mich selbst betrogen – vergleichbar  mit einem geschlossenen Schrank, schön aufgeräumt. Und jedes Mal, wenn ich ihn öffne, fällt mir etwas in den Schoss. Mal grösser, mal kleiner.

Gina Trapani, amerikanische Autorin und Kolumnistin für FastCompany, hat folgende Tipps:

  • keine Anhäufung in der Inbox
  • unrelevante Mails löschen
  • Mails mit Arbeitsaufwand kleiner als zwei Minuten erledigen, andere in Ablage
  • drei Ordner für die Ablage: to do, wait und reference
  • tägliche Ablage in den drei Ordner
  • Mails älter als drei Tage in den Ordner backlog

Schauen Sie selbst Ihre Empfehlungen an. Super gemachtes Video:


Weitere Tipps für den effizienten Umgang mit E-Mail in unserem Anstoss-Newsletter vom März 2005.

Download-Perle: Special Report Social Networking

cover economistEs gibt sie noch: Medientitel, die sich mit INHALT unentbehrlich machen. Der Economist begeistert mit dem «special report on social networking». Viel Know-how: spannend, umfangreich und… gratis.

In der gedruckten Ausgabe war das Spezialheft als Einleger drin. Aber keine Sorge – den «special report» gibts noch immer: via Download (Direktlink PDF/2.7MB) oder direkt im Web. Hier ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis (Klick aufs Bild öffnet Webausgabe):

inhalt economist
Gesammeltes Grundlagen-Wissen
Experten können kritisieren, dass der Report die grossen «Social Networks» Themen (Wachstum, Privatheit, Nutzen, Gefahren, Zukunft) nur sehr oberflächlich behandelt. Tatsächlich geht er kaum ins Detail – erklärt die Entwicklungen aber ausgewogen und detailliert. Gerade in Zeiten, wo viele Kommunikations-Arbeiter/innen interne Überzeugungsarbeit leisten müssen, hilft dieses Papier.

Übrigens – es stehen auch «Economist Special Reports» zu diesen Themen zur Verfügung:
Getting warmer (Globale Erwärmung und CO2-Economy)
Suspended animation (Kunstmarkt)
Getting it together at last (Brasilien-Special: Business und Finanzen)

Gut reden ist Gold: Rhetorik-Tipps

Sprechender MundWir alle kommen in die Situation, in der wir vielleicht nicht müssen, aber doch sollten: Eine Rede halten. Hier Tipps, die eine Rede besser machen.

Vieles an einer guten Rede ist nicht Brillanz, sondern solides Handwerk. Und das ist lernbar.

Inhalt
So persönlich wie möglich. Erzählen Sie eine Geschichte und nicht etwas Allgemeines über die Ehe, das neue Projekt oder das Älterwerden. Welche Ihrer Geschichten steht symbolisch für das Ganze? Wie hat das Team die Schwierigkeiten überwunden? Welches Erlebnis mit der geehrten Person hat Sie am meisten berührt?

Aufbau
Gliedern  Sie Ihre Rede – mit Einleitung und Schluss, Ober- und Unterkapitel. Legen Sie fest, ob Sie vorlesen oder nach Stichworten sprechen. Wenn Sie Mundart reden, erzählen Sie Ihre Rede ohne Manuskript in Mundart (Ihrer Mutter oder dem Göttibueb) und schreiben sie so auf.

Einfachheit
Wenn Sie zu einem gemischten Publikum sprechen, halten Sie sich an die Regel «einem zehnjährigen Kind etwas erklären». Wenn Sie zu einem gebildeten Publikum sprechen: Gehen Sie nicht davon aus, dass alle soviel über Musik, Informatik, Politik, Geschichte oder Sport wissen, wie Sie.

Benutzen Sie so kurze Wörter und Sätze wie möglich (schon im Skript). Es braucht nur wenige längere Wörter und Sätze um Monotonie zu verhindern. Haben Sie keine Angst, sich zu wiederholen. Benutzen Sie immer das gleiche Wort für die gleiche Sache. Wiederholen Sie unbekümmert Wichtiges oder Schwieriges.

Länge
Überschreiten Sie die Zeit nicht. Wenn Sie fünf Minuten Zeit haben, reden Sie vier. Das freut Ihr Publikum. Im besten Fall bedauert es, dass Sie schon fertig sind. Damit Sie die Länge im Griff haben, müssen Sie die Zeit stoppen. Und dann das Unwichtigste streichen, auf Unnötiges verzichten oder sich von einer überflüssigen Pointe verabschieden – meist in mehreren Durchgängen.

Üben
So oft wie möglich. Sie können sich auch selbst anhören. Die meisten Mobiltelefone haben eine Aufnahmefunktion. Aber machen das nur, wenn Sie Ihre Stimme schon von Aufnahmen kennen.

Zu guter Letzt
Sagen und tun Sie nur Dinge, die zu Ihnen passen.

Dieser Blog mit besonderem Dank an die Gruppe des Kurses Rhetorik und Moderation beim MAZ und Thomas Kropf, SR DRS.

Tipps rund ums Präsentieren
Versuche nicht wie Steve zu sein
Lieber Skript als Folien?
Keynote_08
Steve Jobs: Storyteller Nr. 1
Anstoss-Newsletter: Einfache Tipps für bessere Präsentationen

Was ist eigentlich: … ein/e PR-Berater/in?

cover chancen

«Papi, was arbeitest du?» Immer wieder fragen das meine Töchter (9 und 6). Dann beginnt das Ringen um die kindgerechte Erklärung. Einfacher machte es mir das schriftliche Berufsportrait über den «PR-Berater».

Es wurde Ende 2009 im Themen-Magazin «Chancen in Beruf und Arbeit – Marketing, Werbung, PR» (Link Bestellung, PDF-Auszug via Scribd s. auch unten) veröffentlicht. Darin abgebildet mein Werdegang und die persönliche Berufssicht als eine Facette unseres spannenden Arbeitsfeldes. Ein Zitat wird hervorgehoben: «Wir sind das Sprachrohr eines Unternehmens». Aus Sicht des externen Beraters stimmt dies nur bedingt. Das «Sprachrohr» sitzt im Idealfall ja im Unternehmen selber.

Ergänzend sehe ich heute diese drei Fähigkeiten als «Muss» für PR-Berater/innen:

Zuhören
Was braucht mein Gegenüber (egal ob Autraggebende, Medienschaffende oder andere Dialoggruppe)? Wo liegt «des Pudels Kern»? Was interessiert die relevante Bezugsgruppe? Was ist wichtig für den strategischen Gesamtblick?

Eindampfen
Immer wieder – nicht nur im Bernetblog – kochen wir eine Fülle von Infozutaten zur würzigen Bouillon ein. Und hoffen, dass diese unseren Gästen (inklusive Auftraggebern) schmeckt. Und dass sie der Sache gut tut. Wer was vom (Ein)Kochen versteht weiss, wie schwer das sein kann.

Umsetzen
Kommunikation ist Handwerk. Wir müssen die wichtigen Kniffs und Tricks aus dem Effeff beherrschen. Beim (Web)Texten, Layouten, Webdesignen, Schulen, undsofort. Ich mag diesen praktisch pragmatischen Teil.

Meine Kinder werden wohl auch in 20 Jahren noch ein verschwommenes Berufsbild ihres Vaters haben. Und nicht nur sie – selbst für uns «Betroffene» ist das Tempo des Wandels so rasend, dass die Konturen mitunter verschwimmen. Es bleibt spannend.

Amnesty International: Social Media helfen Libyen-Geiseln

Social Media GipfeliFacebook und Twitter bringen inhaltleeres Gequatsche mit zero Alltagsnutzen. Dem widersprechen Amnesty International und die Schweizer Libyen-Geiseln. Sie kämpfen mit «Kerzen nach Libyen» für die Freilassung. Mit grossem Echo.

Diesen Praxisfall stellte AI-Mediensprecher Daniel Graf am zweiten Social Media Gipfel vor. Der Erfolg der Kampagne ist beeindruckend:

  • In nur zwei Wochen wurden 10000 virtuelle Solidaritätskerzen via die Kampagnensite (Konzeption, Produktion, GoingLive in 4 Tagen) angezündet.
  • Die Facebook-Seite zählt heute 6000 Fans (4000 D-CH/2000 W-CH). Tendenz steigend.
  • Es wurden über 50′000 Printpostkarten bestellt. Diese konnten mit persönlichen Nachrichten und per Briefpost an die Geiseln in der Schweizer Botschaft in Tripolis versendet werden.

Hier drei der wichtigsten Erkenntnisse, die wir zusammen mit Amnesty International daraus mitnehmen:

1. Online-Medien sind matchentscheidend
20Minuten hat mitgespielt und die Aktion mit grossen Aufmachern, Bildstrecken und einem (Gratis-)Button begleitet. Die Webstatistik von AI waren deutlich: 75% der Zugriffe kamen von 20min.ch. Daniel Graf in seiner Präsentation dazu:


2. Kampagne als Newsbrücke in die «alten Medien»

Über die Aktion wurde breit berichtet – bis hin zum Newsbeitrag in der SF-Tagesschau. Die Kommunikation über die Art der Kampagne und die grosse Solidarität im Volk hat wie ein «News-Generator» gewirkt.

3. Ressourcen, Ressourcen, Ressourcen
Eine Kampagne ist – mit einer guten Idee im Kopf – schnell angeschoben. Wer aber bewältigt die Folge-Arbeit? Wer pflegt den Dialog? Wer verschickt die Postkarten? «Dialog kennt keine Bürozeiten» weiss darum das AI-Team heute.

Anmesty International Schweiz nimmt eine geballte Ladung an Praxiswissen für die künftige Kampagnenarbeit mit. Und das Bewusstsein, dass diese Social Media Aktivitäten in die Gesamtkommunikation eingepasst werden müssen. Daniel Graf zu den geplanten Aktivitäten:

Links:
Die Präsentation von Daniel Graf «Kerze nach Libyen» auf SlideShare

Website www.socialmediagipfel.ch – nächster Anlass: 7. April 2010, 07.30h
Blogbeitrag über den #smgzh02 von Mathias Möller/Amazee

Bilder vom Anlass:
Flickr-Galerie Social Media Gipfel 2

Tweets via diese Hash-Tags:
#smgzh02 oder #smgzh2 oder #smgzh

Marcel Bernet | 02.02.2010 | Medien

Ich poste – also bin ich: Schöne neue Medienwelt

Communication Summit Februar 2010 Panel / ©bernetblogRekordbeteiligung am Gipfeltreffen von Medien- und PR-Schaffenden. Die Paneldiskussion brachte wenig Erhellendes. Interessant war das Plädoyer für bezahlschrankenfreie Qualität des Spiegels.

Setting und Titel erinnerten an die Dreikönigstagung der Schweizer Verleger (Bericht vom 6. Januar). Und das Thema «Schöne neue Medienwelt – ratlose Branche» zieht – mit rund 400 Teilnehmenden war das Auditorium Maximum rekordvoll. Mathias Müller von Blumencron war acht Jahre lang Chef von Spiegel Online und ist seit 2008 Co-Chefredaktor der gedruckten Ausgabe. Hier die wichtigsten Passagen aus seinem Eingangsreferat. Alle Teilnehmenden des anschliessenden Podiums sind auf der ZPRG-Seite gelistet.

Communication Summit Februar 2010 Panel / ©bernetblog

PR-Branche in der Steinzeit
Den wohl relevantesten Bezug zur stark vertretenen PR-Branche brachte Moderator Reto Lipp in der Anmoderation:  «Wenn ich heute noch gewisse Communiqués lese – dann frage ich mich schon, ob die PR-Branche ein bisschen in der Steinzeit verweilt.» Ratlos sind zuweilen nicht nur die Verlage. Aber näher diskutiert wurde dieses heisse Thema dann doch nicht. A propos Steinzeit: Mathias Müller von Blumencron erinnerte an eine zentrale Forderung des damaligen Online-Projektleiters beim Spiegel, formuliert Mitte der Neunziger Jahre: «Ich bestehe auf wöchentlichen Updates». Das waren noch Zeiten.

Es läuft nicht so, wie die Verlage wollen
Der Spiegel-Chef ist überzeugt, dass wir trotz der grossen Umwälzungen der letzten drei Jahre erst am Anfang stehen. «Jetzt haben wir uns 15 Jahre Online abgerackert, haben hohe Reichweiten, machen 20 Millionen Gewinn mit Spiegel Online und einen mickrigen Gewinn. Doch mit der Printausgabe erreichen wir zehn mal soviel Umsatz und ein Vielfaches an Erfolg. Ist die digitale Welt nichts für uns Verlage?»

Qualitätsjournalismums habe eine Chance. Aber die Verlage müssten endlich aufgeben mit allen Versuchen, die Online-Welt ihren Bedürfnissen anzupassen: «Wir leben in einer Welt des ‘Ich poste, also bin ich.’ Die Welle schwillt an und ab. Mal ist sie furchtbar genial, mal total banal. Mal sind es intime Details, mal politische Ereignisse. Dieses gewaltige Gemurmel droht, uns Verleger ein Stückchen mehr an den Rand zu drücken. Bestehen können wir nur dann, wenn wir Bestandteil dieser digitalen Welt bleiben.»

Relevant sein heisst: findbar sein
Bei aller Diskussion um Google plädiert der deutsche Chefredaktor mit Schweizer Wurzeln resolut gegen Bezahlambitionen der Verlage. Der Spiegel löst das Problem durch ein Spiel zwischen täglich aktueller Online-Plattform und wöchentlichem Druckmagazin. Die Titelgeschichten sind Online nur gegen Micropayments verfügbar, nach drei Wochen kommen sie dann kostenlos ins Archiv. «Um relevant zu sein, müssen wir findbar sein.»

Für die nahe Zukunft sieht er drei Faktoren: Erstens werde das gedruckte Produkt Kern des Schaffens bleiben, nicht zu verschenken sondern eher noch teurer anzubieten. Zweitens würden immer mehr Leser mobil auf Inhalte zugreifen – und im mobilen Bereich seien Verrechnungsmöglichkeiten eher da, wenn auch zu minimalen Preisen. Drittens schliesslich erlebten wir eine «Explosion der Gerätschaften» mit neuen Möglichkeiten für die «kraftvolle und emotionale Platzierung von Inhalten, vor allem für Zeitschriften». Hier müssten die Verlage Ideen und Geld investieren in die neue Aufbereitung von Inhalten.

Guter Journalismus – mit weniger Rendite
Müller von Blumencron ist klar, dass er damit kein Patentrezept in der Hand hält für seine Branche, die weiterhin von grosser Unsicherheit geprägt sein wird. Nachdem sie «über Jahrzehnte so verdammt verwöhnt war. Die Traumrendite früherer Jahre ist dahin – guter Journalismus aber nicht.»

Marcel Bernet | 02.02.2010 | Medien

Die Macht der Einfachheit: Apple gegen alle?

jobs_ipadNur ein Sturm im Wasserglas? Oder waren es die überhörten Glocken einer Revolution? Apples neues iPad ist ein genialer Schachzug im Kampf um die ungeteilte Aufmerksamkeit der Konsumenten.

Keine Angst: Dieser Beitrag bringt keine uneingeschränktes Lob, keine Was-noch-fehlt-Liste und keine Analyse von Apples Kommunikation. Nachdem sich die Wogen ein wenig geglättet haben, interessiert die Gesamtsicht: Was vollzieht sich mit diesem Endgerät und des damit verbundenen Ausbaus von iTunes und AppStore?

Geräte und Plattformen binden Kunden
«Closest to the consumer is the best place to be.» Auf diesen einfachen Nenner brachte UCLA-Professor Uday Karmakar das Thema Medienkonvergenz schon 2008, in einem Vortrag in Zürich. Heute sitzen die Konsumenten einen grossen Teil ihrer Arbeits- und Freizeit an Bildschirmen. In dieses Puzzle von Endgeräten fügt sich der iPad ein. Matchentscheidend ist die Anbindung dieses Endgeräts an eine Inhalts-Plattform – iTunes verzeichnet weltweit 140 Millionen Nutzer.

So einfach wie möglich
Mehrheiten wollen einfache Geräte und einfache, sichere Plattformen. Das iPad ist das im Moment wohl simpelste Endgerät – ohne Tastatur, ohne Multitasking, mit wenig Optionen. iTunes ist die im Moment einfachste Plattform für den gleichzeitigen Einkauf von Musik, Videos, Podcasts, Büchern und über den AppStore Programmen oder Spielen. Einfach heisst für die Mehrheit: Einfaches Bezahlmodell, nur einmal registrieren, sichere Inhalte, grosse Auswahl.

Ein weiteres Element der Einfachheit zeigt sich in dieses Schema: Tablets, Smartphones und TV-Konsolen können von verschiedensten Anbietern kommen – wer sich für Apple entscheidet, muss sich nur an ein System, einen Login, einen Backup «gewöhnen».

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Die Grenzen dieses einfachen, aber geschlossenen Systems zeigen sich bei MobileMe und Möglichkeiten für den sozialen Austausch. Bei den mobilen Datenspeichern ist die Konkurrenz der kostenlosen Möglichkeiten gross. Und Soziale Netzwerke wie Facebook werden klar bevorzugt – weltweit waren dort am 1. Dezember 350 Millionen User registriert. Die Macht der Einfachheit zeigt sich auch bei Facebook: Je grösser eine Plattform ist, desto einfacher wird es für die Benutzer, mit einem Login Kontakte zu erreichen und sich dabei an die Eigenheiten eines Systems zu gewöhnen.

Der Preis der Einfachheit
Die Masse will ein einfaches System. Das führt in der Regel zu einem Standard. Siehe Microsoft für Betriebssysteme, Google für Suchresultate, Kleenex für Taschentücher. Wird Apple zum Standard für Endgeräte und Inhalts-Plattformen? Der Preis, den wir für die von Apple etablierte Einfachheit bezahlen, liegt in der geschlossenen Plattform. Es ist ein Eintrittspreis, den Konsumenten für die Einfachheit bezahlen – und dafür gewisse Austausch-Einschränkungen in Kauf nehmen. Auf der anderen Seite stehen Inhaltslieferanten wie Verlage, Musikproduzenten oder Programmierer Schlange. Sie entrichten gerne 30 Prozent ihrer Verkaufseinnahmen als Obolus an Apple, um damit Zugang zu den Käufern zu erhalten.

Das Spiel läuft. Das iPad wird dabei in der genialen Integration mit allen anderen Apple-Geräten und -Plattformen eine wichtige Rolle spielen. Gerätehersteller, Web-Anbieter und Inhaltslieferanten werden sich weiterhin um den Kuchen streiten. Bei diesem Spiel sitzen die klassischen Inhaltslieferanten leider etwas in der zweiten Reihe. Die grossen Spieler im inneren Zirkel werden versuchen, möglichst alle Felder von Gerät bis Plattform zu kontrollieren.

Medienkonvergenz – Uday Kamarkar (Juni 2008)
Die Zukunft des Online-Journalismus (Oktober 2009)

Sabine Betschart | 01.02.2010 | Tools

Concentrate: Aufmerksam im Arbeitsalltag

getconcentrating.comArbeiten Sie trotz Handy, Mail und Twitter konzentriert und fokussiert? Concentrate ist eine Software (für Mac), die Ablenkung fernhält. Fühlt sich an wie ein nützliches Geschenk.

Wir werden ständig unterbrochen und die Störfaktoren nehmen zu. Bis ich mich abends frage, mit was ich mich heute beschäftigt habe, ausser Chats beantworten, Mails und SMS lesen sowie twittern (trifft in meinem Fall glücklicherweise noch nicht zu). Wie schaffe ich es dennoch an einem Morgen konzentriert an einem Text zu schreiben? Getconcentrating hat für diesen Fall eine Software entwickelt – schnell und einfach installiert. Ideal auch für Studierende, die am Computer lernen und einzelne Internetseiten gebrauchen.

Individuell programmierbar
Mit dem Programm kann ich einfach «Aktivitäten» erstellen. Dabei lege ich fest, welche Programme, Dokumente und Webseiten ich brauche und welche ausgeblendet werden. Das individuelle Einrichten geht soweit, dass ich mir jede Stunde (sozusagen als Belohnung fürs konzentrierte Arbeiten) einen Sound einspielen lassen kann. Oder eine Stimme aktiviere, die mich alle 30 Minuten lobt und sensibilisiert. Zudem tickt im Hintergrund eine Uhr, womit ich meine Zeitinvestition überprüfe. Ich bin überzeugt, dass ich damit meine Produktivität steigern und überwachen kann.

Vor ziemlich genau einem Jahr beschäftigte mich dieses Thema bereits. Entstanden ist damals einen Beitrag zur Software Freedom.

Weitere Beiträge zum Thema:
Kontrolle übers Denken zurückgewinnen

Technische Geräte und Nutzer in Symbiose

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