Facebook: Die Weltwoche über das neue Lagerfeuer

facebook_chFacebook ist in aller Munde und bringt Aufmerksamkeit und Leserzahlen. Die Weltwoche stellt eine Studie vor und sprach mit Marcel Bernet über die Nutzerzahlen.

Die Studie, in Auftrag gegeben von ROD, begleitete 50 Nutzer/innen durch eine einmonatige Facebook-Abstinenz. Die Reaktionen entsprachen von der Akquise der Proband/innen bis zur Auswertung ihrer Erfahrungen dem klassischen Suchtschema: Zuerst die grosse Überwindung oder gar Angst vor dem Ausstieg, gefolgt vom kalten Entzug mit Phantomschmerzen, Gereiztheit und Unverständnis bei der Peer-Group (Mitsüchtige, Community) und schliesslich die Erleichterung bei der Entdeckung von neuen alten (Sucht-) freien Lebensqualitäten.

Viele der Testpersonen – vor allem auch Studierende und Schüler/innen – waren weniger «zerstreut» und konnten sich besser auf die Arbeit oder das Lernen fokussieren. Trotzdem: Ausnahmslos alle fünfzig Teilnehmer kehrten nach den dreissig Tagen zurück ins Social Network – wollen es aber künftig «seltener, bewusster, sinnvoller» einsetzen. Wir werden sehen.

Das Virus Facebook in Zahlen
Der Weltwoche-Artikel wird begleitet von einer Infobox über Netzwerke. Marcel stand der Weltwoche Red und Antwort. Auffällig darin die Grafik mit den Facebook-Nutzerzahlen (Quelle: ROD).

nutzerzahlen schweiz facebook

Bei den 20-jährigen liegt die Abdeckung heute also schon bei nahezu neunzig Prozent. Grosses Potenzial liegt bei den Ü40-ern. Bedenkt man, dass bereits heute vierzig Prozent der Schweizer Facebook-Nutzer/innen über dreissig Jahre alt sind, merkt man: das Netzwerk wird immer erwachsener.

Siehe dazu auch unsere Beiträge über die Facebook-Nutzerzahlen:

Facebook User Schweiz: Zahlen 2009
Facebook – Muss das sein? Schweizer Reichweiten im Vergleich

Alle bernetblog-Beiträge zu Facebook-Zahlen

PR-Trends 2015: Jeder Nische ihren digitalen Kurator

steve_rubel_ausblickWas geschieht in den nächsten zwei bis fünf Jahren im Web? Auf welche Trends müssen sich Unternehmen und Organisationen vorbereiten?

Zum Schluss dieser Interview-Serie (ganze Serie auf einer Seite) passt ein Ausblick. Steve Rubel, Leiter des Digital Team der globalen PR-Agentur Edelman, sieht fünf Trends:

1. Medien werden total digital sein
Auch Zeitungen wird es in fünf bis zehn Jahren nicht mehr gedruckt geben. Das wird in den USA und Asien schneller vor sich gehen, als in Europa.

2. Unternehmen werden Medien
Diese Digitalisierung wird Unternehmen und Organisationen noch stärker die Möglichkeit geben, selbst zu publizieren. Im direkten Austausch mit ihren Zielgruppen, ohne Zwischenschritt über die bisherigen Medienhäuser. Damit ist nicht gesagt, dass das einfach sein wird. Mit dieser Option werden sich Kommunikation und Werbung grundsätzlich verändern.

3. Suchmaschinen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg
Der Kampf um Märkte und Meinungen entscheidet sich über Suchresultate. Google ist das Medium, auf dem Menschen Kaufentscheide fällen. Schon in zwei Jahren sieht Steve den Hauptschauplatz im Kampf um Einfluss bei Google – und vielleicht anderen Suchmaschinen.

4. Soziale Netzwerke sind der zweite Wegweiser
Die weitere Explosion von Inhalten und Plattformen macht das Entdecken von Inhalten immer anspruchsvoller. Steve sieht zwei Pfadfinder, die beim Entdecken des Relevanten helfen: Erstens Suche, zweitens soziale Empfehlung. Über Microblogging, Soziale Netzwerke, weitere Dienste.

5. Jede Nische hat ihren digitalen Kurator
In Zukunft geht es nicht nur darum, Inhalte zu schreiben oder sie zugänglich zu machen. Ebenso interessant ist das Zusammenstellen spezialisierter Inhalte, als Kurator: «Im Web hats Kunst und Mist. Wer trennt mir den Spreu vom Weizen?» Hier sieht Steve eine weitere Chance für seine Kunden: Jede Informationsnische kann ihren eigenen Kurator haben. Wenn dieser die Kompetenz hat und die Ressourcen dafür aufbringen will.

Mit diesen fünf Trends bringt der Social Media Guru auf den Punkt, womit wir uns kommunikativ in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Alles wird einen ganzen Zahn schneller, vielfältiger und herausfordernder werden – in der Umsetzung. Der Kern, die strategischen Grundfragen und damit die Ausrichtung auf Märkte und Meinungen bleiben unverändert.

Gespräche mit Steve Rubel auf einer Seite.
Social-Media-Gespräche mit Richard Binhammer, Dell, auf einer Seite.

Steves Originaltext über den digitialen Nischen-Kurator, der Mist und Kunst trennt:

Social Media Beratung: Die Strategie entscheidet

steve_thumbnail2Was hat sich auf Kundenseite in den letzten zwei Jahren verändert? Social Media-Experte Steve Rubel sieht weniger Berührungsängste und eine immer stärkere Integration in die gesamte Kommunikation.

Die USA sind Europa meistens einige Jahre voraus, was die Adaption von Online-Techniken anbelangt. Und nie kommt alles zu uns nach Europa, dazu sind auch die kulturellen Unterschiede zu gross. Steve Rubel betreut digitale Kampagnen bei Edelman PR (Bloglink). In diesem zweiten Gesprächsauszug äussert er sich zur Veränderung seiner Tätigkeit in den letzten zwei Jahren.

Monitoring, Spezialisten, Integration
«Vor zwei Jahren haben die meisten Kunden noch abgewartet – heute sehe ich in den USA durchs Band Monitoring-Lösungen installiert, die ein schnelles Online-Zuhören ermöglichen.» Daneben sieht Steve mehr Spezialisten-Teams auf Kundenseite, die Social Media-Initiativen vorantreiben und betreuen. Und trotzdem verschwinden langsam die Grenzen zwischen Social Media, Medienarbeit generell, Kommunikation.

«Alles ist sozial. Gerade bei den grossen Kunden fällt die Trennung immer stärker weg – das ist Social Media, das nicht. Die Ansätze werden integriert.» Steve mag die Bezeichnung «Social Media» schon nicht mehr. «Ich brauche sie noch, um den Kunden zu erklären, wovon wir sprechen. Wenn alles «social» ist, wieso noch diese Bezeichnung?»

Zuerst die Ausrichtung, dann der Kanal
Wie gehen die Kunden in den USA damit um, dass es immer wieder neue Plattformen gibt? Steve sieht die Kunst darin, über das Neue hinaus zu blicken. Am Anfang stehen aus seiner Sicht die Fragen nach:

  1. Was tun unsere Zielgruppen?
  2. Was erwarten sie von uns?
  3. Was wollen wir erreichen?
  4. Mit welchem Zielgruppen-Engagement erreichen wir dieses Ziel?

Erst mit diesen Antworten können Plattformen, Kanäle, Anwendungen ausgewählt werden.

Damit deckt sich seine Sichtweise mit unserem Ansatz: Zuerst die Strategie, dann ein Ja oder eben auch ein bewusstes Nein zu einer Anwendung. Hype und Hektik verleiten zum Hüftschuss: Erst mal mitmachen, das Konzept schieben wir dann nach. So bleibt auch die Gesamtsicht auf der Strecke und die wachsende Zahl der betreuten Kanäle ist nicht aufeinander abgestimmt.

Alle Steve Rubel-Gesprächs-Ausschnitte auf einer Seite
Tipps für die Facebook-Strategie: «Was bringt ein Facebook-Auftritt»
Der Weg zum Twitter-Konzept: «Leitfaden für gerngelesenes Gezwitscher»

PR 2.0: Facebook und Twitter zählen zum Handwerk

steverubel_thumbnailWas wollen Kunden heute? Wie hat sich die PR-Beratung in den letzten zwei Jahren verändert? Steve Rubel sieht bei Edelman PR mehr strategische Tätigkeit und Social Media Expertise auf allen Ebenen.

Steve Rubel (Wikipedia) war schon mit 13 Computer-Enthusiast. Heute ist er Senior Vice President der weltweiten grössten PR-Kette Edelman und dort zuständig für alle Digitalen Aktivitäten. Mit seinem ersten Blog «MicroPersuasion» (wird nicht mehr aktualisiert, ist aber immer noch ein Fundus) hat er sich als Spezialist für Online Marketing etabliert, heute schreibt er seine Beiträge über Posterous auf  SteveRubel.com. Hier der erste von drei Teilen meines Gesprächs vom 10. Dezember 2009 an der LeWeb in Paris.

Top-Themen für Kunden: ROI und Prozesse
Was beschäftigt den vielreisenden Spezial-PR-Berater gerade am stärksten? «Zwei Fragen werden mir von Kundenseite am meisten gestellt: Erfolgsmessung und Prozesse. Wie kann man festhalten, was ein Facebook- oder Twitter-Auftritt wirklich bringt? Und zwar in Worten und Zahlen, die das Top-Management versteht, ohne Detailkenntnisse der Materie?»

Ebenso wichtig seien Fragen rund um den Aufbau von Social Media Expertise: Wo beginnt man damit – im Marketing oder in der PR? Was lassen wir dezentral umsetzen, wo ist eine zentrale Koordination oder Führung zielführend?

All media is social – all social is media
Was hat sich am stärksten verändert in der PR-Beratung? Wie hat der Experte für Digitale Kampagnen einer US-Agentur mit 3100 Angestellten in 51 Ländern die letzten zwei Jahre erlebt?

Als erstes erwähnt Steve eine verstärkte strategische Ausrichtung der Beratung. Kunden würden nicht nur Marketing- oder Kommunikationsfragen mit Edelman besprechen, sondern grundsätzliche Fragen zur Unternehmensausrichtung. Das finde ich persönlich ganz normal – interessant ist die zweite Veränderung:

Alle Medien sind sozial – und alles Soziale ist medial. Mit diesem kernigen Satz definiert Steve Rubel eine PR-Beratung, die Social Media nicht mehr als separate Disziplin betrachtet. «Jede Beraterin, jeder Berater muss Social Media verstehen, anwenden können und bei der Entwicklung von Strategien berücksichtigen.»

1000 Mitarbeitende auf Twitter, 2000 auf Facebook
Das klappt natürlich nur, wenn die Mitarbeitenden sich auf Sozialen Plattformen engagieren dürfen. Sie werden dazu ermutigt, sich auch ganz privat zu engagieren. Am besten in den Spezialgebieten, in denen sie zu Hause sind. Zum Beispiel in der Vernetzung mit Techies, mit Spezialisten aus dem Gesundheitswesen, politischen Plattformen. Steve schätzt, dass 500 bis 1000 Edelman-Angestellte twittern und das mindestens zwei Drittel der Belegschaft auf Facebook aktiv sind.

Kunde muss einverstanden sein, immer transparent
Sobald diese Engagements einen Bezug zur Arbeit haben, müssen sie transparent gemacht werden. Dazu gibt es Social Media Guidelines. Wird auch über Kunden getwittert, gebloggt, facebooked? Klar – mit zwei Regeln:

1. Der Kunde muss vorher damit einverstanden sein
2. Bei jeder Erwähnung muss die Beziehung zu Edelman erwähnt werden – auch wenn das Mandat nur in einem Nebensatz erwähnt ist

Kontrollieren oder überwachen lässt sich dieses grosse Engagement auf Sozialen Plattformen nicht: «Wir versuchen alle, keine Fehler zu machen und ganz einfach ehrlich und offen zu sein.»

Steve’s Statement zur Facebook- und Twitter-Tätigkeit von Edelman PR-Berater/innen:

Kontrolle übers Denken zurückgewinnen

schirrmacher_payback_coverFrank Schirrmacher schreibt in seinem neuesten Buch Payback «Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen.»

Eine Welt ohne Computer kann sich auch Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, nicht vorstellen. In diesem Buch zeigt er, wie wir uns im Google-Facebook-Twitter-Zeitalter ständig ablenken lassen. Dass wir eine emotionale Beziehung zu unseren technischen Begleitern entwickeln. Und dabei laufend Persönliches preisgeben.

Amüsant und gut verständlich ist sein Junkfood-Vergleich. Ohne zu moralisieren erklärt er anhand der Hirnforschung, wie Verführung online funktioniert. Die Online-Welt ist eine «All-you-can-read-Welt». Also müssen wir Wege finden, um uns nicht ständig zu überfressen. Und die gleichzeitige, geistige Mangelernährung verhindern.

Schirrmacher schildert Situationen, die wir Online-Junkies täglich erleben. Er überzeugt, weil er nicht schwurbelige Verschwörungstheorien pflegt, sondern eine Entwicklung aufzeigt, die niemand wirklich kontrolliert.

Infos zu Payback

Facebook – muss das sein? Schweizer Reichweiten im Vergleich.

facebook_chFacebook erreicht 1.8 Millionen, das Schweizer Fernsehen 2.5 Millionen.  Was bringt dieser Vergleich und muss man als Organisation Facebook einsetzen?

Der Beitrag «Facebook User Schweiz: Zahlen für 2009» zeigt die Entwicklung von Facebook bezüglich Nutzer, Nutzung, Geschlecht, Sprachen und Alter. In welchem Verhältnis stehen diese Zahlen aus der Sicht von Werbung, Marketing, PR?

Facebook ist relevant
Wer sich überlegt, wo er ein Inserat schaltet, der fragt nach den Auflagen. Wie verhält sich die Zahl der aktiven Nutzer von Facebook zu den Reichweiten ausgewählter Medien? Das Schweizer Fernsehen gibt eine durchschnittliche Tages-Zuschauerzahl von 2.907 Mio an. Bei den Online-Medien fällt die Wahl auf den Tages-Anzeiger, NetMetrix zeigt im Dezember 1.407 Millionen Unique Clients. Als gedruckte Tageszeitung gibt schliesslich die NZZ gemäss Mach Basic 2009-2 315′000 Lesende an.

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Die Tageszeitung bleibt relevant

Hier vergleichen wir oberflächliche Zahlen. Sie messen nicht überall dasselbe – denn Fernseh-Reichweiten basieren auf Hochrechnungen, Unique Clients entsprechen nicht Usern. Hinter den Zahlen stehen weitere wesentliche Punkte: Erstens die Qualität der Interaktion und zweitens die Aufteilung der Gesamt-Reichweite nach soziodemografischen Merkmalen. Die durchschnittliche Verweildauer zum Beispiel liegt auf tagesanzeiger.ch bei 8 Minuten. Diese verbringen Nutzer aber mit einer anderen Intensität und Zielsetzung als die 20 Minuten auf Facebook.

Trotzdem: Organisationen, Unternehmen, Interessengruppen können Facebook nicht abtun als vernachlässigbares Online-Spielzeug. Soziale Netzwerke muss man sich anschauen. Genau so, wie die NZZ. Wen erreiche ich wo und wie?

Muss ich auf Facebook präsent sein? Ja, aber.
Dabei sein muss man heute zum Beobachten und Lernen. Der Schritt zu einer eigenen Seite oder zu Facebook-Inseraten will gut überlegt sein. Er macht Sinn, wenn Sie

  • eine starke, aktuelle, bereits dialogorientierte Website als Ausgangspunkt flankieren wollen
  • Inhalte bieten können, die in den Facebook-Kontext passen (hier wollen sich Benutzer austauschen, überrascht werden, sich involvieren)
  • über die Ressourcen verfügen für Aufbau, stete Aktualisierung und täglichen Dialog

Facebook-Engagements verlangen gute Ideen und ein hohes Engagement. Argumente dafür und dagegen samt Strategie-Beispiel im Beitrag «Was bringt ein Facebook-Auftritt?».

Übersicht aller bernetblog-Facebook-Tipps, samt diesem hier.

Link
Alle bernetblog-Einträge zu Facebook-Zahlen

Facebook User Schweiz: Zahlen für 2009

facebook_ch1.8 Millionen Schweizer sind auf Facebook registriert – je zur Hälfte Frauen und Männer. 40 Prozent davon sind älter als 30 Jahre, den grössten User-Anteil stellen die 20- bis 29-Jährigen. Die Verweildauer liegt bei 25 Minuten. Die Zahlen belegen die hohe Schweizer Reichweite von Facebook – wohin geht die Reise?

Bernet_PR präsentiert diese Auswertung in Zusammenarbeit mit dem Online-Dienstleister Serranetga, der die Daten bei Facebook abruft und aggregiert.

80 Prozent Wachstum, starke Nutzung
Insgesamt konnte die Facebook in der Schweiz erneut um 80 Prozent zulegen – gegenüber einer Vervierfachung der Zahlen im Vorjahr. Remo Prinz, Partner bei Serranetga und verantwortlich für verschiedene Facebook-Kampagnen, erwartet für 2010 ein entschleunigtes Wachstum: «Im letzten Quartal 2009 sahen wir Neu-Anmeldungen von rund 40′000 pro Monat oder 2.5 Prozent. Facebook wächst auf sehr hohem Niveau langsamer. Bei den Jüngeren ist durch die hohe Verbreitung eine Sättigung absehbar. Weiterhin zunehmen dürften Anmeldungen von über Dreissigjährigen.» Weltweit gab Facebook am 1. Dezember 350 Millionen User an. Die von Serranetga/Bernet_PR verwendeten Zahlen beschränken sich auf User, die ihr Konto in den letzten 30 Tagen aktiv genutzt haben.

Facebook gibt eine Schweizer Verweildauer von 25 Minuten an. Zum Vergleich: Die tägliche Mediennutzung für Zeitungen und Zeitschriften lag 2006 in der Schweiz bei 24 Minuten (Time Use Study im Jahresbericht 2006 von mediapulse/SRG). 56 Prozent der Benutzer sind täglich im Sozialen Netzwerk drin, 85 Prozent wöchentlich.

facebook schweiz user entwicklung 2008-09

Ende 2008 lag der Anteil der Frauen bei 53 Prozent, inzwischen haben die Männer aufgeholt: Die Anteile zeigen heute ein sehr ausgeglichenes Verhältnis von 49 Prozent weiblichen zu 51 Prozent männlichen Profilangaben. Die Aufteilung nach Sprachen zeigt 59 Prozent der Nutzung in deutscher Sprache, 22 Prozent französisch, 14 Prozent englisch und 5 Prozent italienisch.

Facebook Schweiz Geschlecht / Sprachen 2009

Jede Altersklasse in ihrer Beziehungswelt
Die weltweit grösste Soziale Plattform wird auch in der Schweiz sehr gemischt genutzt: Legt man die Grenze zwischen Jung und Alt bei 30 Jahren, so liegen 60 Prozent darunter und 40 Prozent darüber. Diese Anteile haben sich im vergangenen Jahr nur unwesentlich verschoben. Diese Durchmischung zeigt mir, dass sich die sehr unterschiedlichen Altersgruppen eigene Beziehungswelten schaffen – und sich trotz der Durchmischung nicht in eigene Nischen zurückziehen. Die hohe Anziehungskraft von Facebook liegt in der Grösse. Hier findet man die meisten Anknüpfungspunkte -  das Betreiben verschiedener Netzwerk-Profile ist zu aufwändig.

Facebook Schweiz Nutzer nach Alter 2009

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Prognose: 2.2 Millionen bis Ende 2010
Wenn Facebook beim Schweizer Plus von 2.5 Prozent des letzten Quartals bleibt, dann ist nicht einmal die 2-Millionen-Grenze zu knacken. Wird 2010 das Jahr der Facebook-Abmeldungen, wie von einer holländischen Künstlergruppe mit der virtuellen Sterbehilfe auf suicidemachine.org propagiert? Ich rechne mit weiteren Neueinsteigern und zunehmender Schweizer Aktivität auf Facebook bei 2.2 Millionen Usern bis Ende 2010. Verbunden mit einem leichten Rückgang ab 2011 – weil Nutzer müde werden und weils bis dann bestimmt wieder was Neues zum Ausprobieren gibt.

Morgen im bernetblog:
«Facebook – muss das sein? Schweizer Reichweiten im Vergleich.»

Externe Links:
Sterbehilfe 2.0
auf Tages-Anzeiger Digital
Internationale Facebook-Statistiken
per Ende 2009 von Nick Burcher
Wikipedia
zu Facebook

Link:
Alle bernetblog-Einträge zu Facebook-Zahlen

Marcel Bernet | 20.01.2010 | Dies & Das

Zensekunden Schneeschuhschatten

zensekunden_oberalpEndlich wieder mal so ein Querschläger hier im bernetblog: Zensekunden auf dem Weg zum Pazolastock.

Aufgenommen habe ich dieses Schattenspiel am letzten Samstag – aber es behält dank der anhaltenden Nebeldecke seine Aktualität. Beim Aufbruch zu dieser Tour mit Brett auf dem Rücken hatte ich noch genug Pfuus, um die Kamera einigermassen ruhig zu halten. Mehr Bilder vom wunderbaren Aufstieg auf meiner Facebook-Seite.

Mindmaps online erstellen

MindomoÜber die Website mindomo.com lassen sich unkompliziert Mindmaps erstellen, editieren und austauschen.

Als Prüfungsvorbereitung, für ein Inhaltsverzeichnis oder eine Projektarbeit – es gibt Leute, die schwören auf Mindmaps. Ich gehöre nicht dazu. Doch manchmal komme ich auch nicht darum, zum Beispiel beim Erstellen einer Seitenstruktur für ein Internetprojekt. Dabei bin ich auf Mindomo gestossen – wahrscheinlich die beste kostenlose Software, um online Mindmaps zu erstellen und zu nutzen. Und wenn ich das sage, wie muss es da erst heavy Mindmap-Usern gehen … Jedenfalls bedient sich das Tool sehr intuitiv und einfach, man braucht dazu nur eine Internetverbindung. Anordnungen, Formen, Farben, zusätzliche Verbindungen usw. sind frei veränderbar. Fotos, Grafiken, Links und auch längere Textnotizen können einfach eingefügt werden.

Funktionalitäten von Mindomo im Überblick

Ich verwende die kostenlose Basic-Version von Mindomo, das reicht bereits für die meisten Zwecke (die Premium-Version kostet 6 USD pro Monat).

Funktionsumfang Basic-Version:

  • 7 Private Mindmaps können abgespeichert werden (Registration erforderlich)
  • Export als Bild (gif, jpg, png), PDF oder URL
  • Benötigt den Adobe Flash-Player

Mit meinem Benutzernamen und Passwort kann ich überall unkompliziert auf das Programm und meine abgespeicherten Mindmaps zugreifen. Ein grosser Vorteil von Mindomo bei der Projektarbeit liegt darin, dass ich weitere Personen berechtigen kann, auf meine Mindmaps zuzugreifen (und sie zu bearbeiten). Das ermöglicht das Erstellen von Mindmaps online im Team – unabhängig von Ort und Zeit. Mindomo müsste nur noch das Design der Benutzeroberfläche attraktiver gestalten, und ich entwickle mich doch noch zum heavy Mindmap-User.

Sabine Betschart | 19.01.2010 | Tools

Webdesign: neue Erkenntnisse Leseverhalten

heatmapWerden Texte am Bildschirm gelesen oder ausgedruckt? Wie hat sich das Leseverhalten verändert und wie werden Webseiten wahrgenommen?

Am Bildschirm werden Texte gescannt. Trifft diese Aussage 2010 noch zu? Hat sich im Zeitalter von Blogs, Twitter und Facebook das Leseverhalten verändert? Diese Fragen stellte sich eResult und führte eine Studie mit 600 Personen durch. Fazit daraus: Formal gut gestaltete und klar strukturierte Texte werden von 83% am Bildschirm gelesen. Sechs von zehn Webnutzern lesen immer öfters am Bildschirm. Meine Gedanken: Den mobilen Geräten stehen keine Drucker zur Verfügung – dies ein Grund für die wachsende Lesebereitschaft am Bildschirm?

Weiterführende Antworten könnten nachstehende Erkenntisse einer Studie liefern. Von MediaAnalyzer «Wie werden Websites wahrgenommen»:

Bild vor Text-Effekt
Im Durchschnitt bestehen Webseiten aus 63% Text und 37% Grafik. Beide Inhalte erhalten ungefährt 50% aller Klicks. Bilder werden demzufolge mehr beachtet als Texte. Wobei nach ungefähr fünf Sekunden der Text verstärkt beachtet wird.

Geographische Analyse
Menschen beachten auf Webseiten besonders stark die linken und oberen Regionen. Informationen, die rechts oder unten stehen, werden übersehen. Nachstehend eine Darstellung des Zeitverlaufs/Klickhäufigkeit von den 150 Probanden. Der rote Punkt zeigt die Augenführung und Fixpunkte auf einer Webseite (blau):

Augenführung Webseite
Geschlechterunterschied

Frauen achten stärker auf die Navigation und Text, Männer stärker auf Fotos.

Demzufolge werden von Männern auf den iPhones vorallem Fotos angeschaut und von Frauen kurze Texte gelesen. Können Sie das bestätigen?

Irrationale Spendenbereitschaft

BanknotenManche Organisation erhalten viel Geld, andere kämpfen hart. Die Spenderinnen und Spender entscheiden aus dem Bauch  - oder besser mit dem Herzen.

Das Marktforschungsinstitut YouGovPsychonomics hat für Deutschland herausgefunden, dass Bekanntheit und Sympathie nicht ausreichen, um Spenden zu generieren. Das Wissen über eine Organisation korreliert nicht mit der finanziellen Unterstützung. Beispielsweise ist die Aufgabe von Amnesty International gut bekannt, der ausgelöste Gebe-Impuls ist aber weniger stark als für ein Kinderhilfswerk. Fundraiser müssen die richtigen Emotionen im richtigen Mass wecken.

Die Studie sagt leider nichts über die Höhe gespendeten Beträge. Denn viele Kleinspenden verursachen auch viel administrativen Aufwand. Allerdings verbuchen Organisationen diese als gesellschaftliche Unterstützung ihrer Sache.

Für die Schweiz habe ich keine neuere Untersuchung zur Spendenbereitschaft gefunden. 2007 hat eine Studie des Bundes festgestellt: «Im Gegensatz zu den grossen multinationalen Konzernen zielen die KMU nur selten darauf ab, aus ihrem sozialen Engagement Profit zu schlagen: Es gibt äusserst selten einen direkten Bezug zwischen der Unternehmenstätigkeit und dem Zweck der Spende.»

Wird das Erdbeben in Haiti eine ähnliche Spendenwelle auslösen wie der Tsunami Weihnachten 2004? Eher kaum, das Land ist kein Sympathieträger und keine Feriendestination. Weihnachten ist schon vorbei und zur beliebten Empfängergruppe der Bergbauern mit kleinen Kindern und kleinen Hunden gehören die Überlebenden des Erdbebens nicht.

Zynisch? Ja. Deshalb hier der Link zur Glückskette.

Zürcher PR Gesellschaft: Die Branche feiert das Neujahr

triofromhellDie PR im Jahr 2010 ist ehrlich, authentisch, direkt. Und so war der ZPRG Neujahrsapéro mit Programm und Location der etwas anderen Art.

Im Auftrag und als Teil des ZPRG-Vorstandes durfte ich als «Tätschmeister» die Verantwortung für diesen speziellen Jahresauftakt tragen. Die weit über 100 erschienenen ZPRG-ler feierten dann am vergangenen Dienstag ganz ausgelassen im famosen Zürcher Musikklub Helsinki. Musikalisch begleitet vom «Aad Hollander Trio from Hell», verköstigt von den Störköchen der «Cucina Paradiso» (empfehlenswert: flexibel, kreativ, sympathisch).

helsinki
(Fotos Markus Senn)

Das Helsinki und seine Hausband («Hier spielen wir jeden verdammten Sonntag – seit fünf Jahren!») haben sich mit schnörkelloser, aber äusserst charmanten Art in die Herzen vieler Musikliebhaber/innen gespielt – und es so zur Bekanntheit bis weit über die Landesgrenzen gebracht. Und so schwangen auch einige der ZPRG-Mitglieder das Tanzbein zum Blues, Polka, Rockabilly und Boogie des Trios.

Link Bildbericht auf der ZPRG-Website (wer findet das Bernet_PR-Team?)

Neu Online: Postkartenarchiv der Zürcher ETH

seegfrörni_archivWer liebt das nicht: Uralt-Postkarten mit Ansichten von vertrauten Umgebungen. Ein Riesenschatz liegt im Bildarchiv der ETH Zürich – und ist neu online verfügbar.

Wie war das bei der Seegfrörni 1929? Wie sah die gigantische «Schwebegleitbahn» über dem Zürichsee anlässlich der Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung 1947 aus (s. Bild unten)? Wir waren nicht dabei, stöbern aber gerne in den Fotoalben unserer Vorfahren. Dies ist seit Dezember möglich im riesigen (Online-)Archiv der ETH (Pressemitteilung vom 8.12.). Von besonders grossem Reiz ist die Postkartensammlung des Unternehmers und Fotografen Adolf Feller (1876 – 1931), auffindbar via http://ba.e-pics.ethz.ch, unter «Bestände»das Stichwort «Postkartensammlung Adolf Feller» anklicken.

ZUKA

Ein Wermutstropfen für Archiv-Wühlmäuse ist die etwas holprige Usability des Archivs. Es empfiehlt sich mit möglichst klaren Suchbegriffen zu agieren, anstatt in den verschiedenen Sammlungen zu «wühlen». Viel Spass.

Beitrag zum Thema im Online-Tagi vom 9. Dezember 09

Dell will mehr Kundeninhalte auf der Website

Richard_Binhammer_DellWoran arbeitet Dell im Moment? Wie wird sich die Arbeit von Richard Binhammer in den nächsten zwei Jahren verändern? Ein Social Media-Ausblick zum Abschluss dieser Interview-Serie.

Darf man einen Pionier fragen, wohin die Reise geht? Wichtig ist, dass man weiss: Dieser Pionier steht schon weit vorne in der Online-Landschaft. Und dass er Leiter Public Affairs bei Dell ist, mit besonderer Erfahrung im Bereich Social Media – wie die beiden vorangegangenen Interview-Ausschnitte bereits gezeigt haben: Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einer Seite.

Social Media Inhalte auf die Website integrieren
Eine aktuelle Herausforderung sieht Richard darin, ganz gezielt Benutzer-Inhalte von anderen Plattformen auf die eigene Website zu bringen. Wenn also jemand eine Lösung für ein Computerproblem hat, das andere Benutzer interessiert, dann hätte Richard genau diese Info gerne auf dell.com. Anstatt sie in einem Blog oder auf anderen sozialen Plattformen sozusagen «schlummern» zu lassen.

Damit würde Dell zu einem Aggregator von Inhalten, die für Dell-Kunden von Interesse sein können. Ein sehr interessanter Ansatz der Informationsvermittlung. Mit grossen Herausforderungen an das Auffinden und Selektionieren dieser Inhalte.

Jeder Kommunikator muss Social Media können
Richard ist davon überzeugt, dass Social Media weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das führt dazu, dass jede PR-, Werbe- oder Marketingfachperson Social Media Fähigkeiten haben muss. Trotzdem werden traditionelle Medien – und damit klassische Medienarbeit – nicht verschwinden.

Ich teile Richards Meinung. Und ich weiss, dass ich auch einer von diesen Pionieren bin – alle, die vorne weg rennen, sind immer ein wenig suspekt, was Prognosen anbelangt. Mit dieser Klammerbemerkung sage auch ich: Wer Kommunikation verantwortet, gestaltet oder berät, der muss wissen, wie Blogs, Soziale Netzwerke, dialogische Websites oder Twitter funktionieren. Durch eigene Erfahrung.

Wie misst Dell die Effizienz von Social Media?

Richard_Binhammer_DellWie misst Dell die Effizienz von Blogs, Twitter, Netzwerken? Entscheidend sei das Ziel der Anwendung – entsprechend variieren die Messgrössen. Der zweite Teil des Gesprächs mit Richard Binhammer, Leiter Public Affairs bei Dell.

Dell hat mit DellOutlet auf Twitter in zwei Jahren 6.5 Millionen USD Umsatz gemacht. Das ist wenig im Vergleich zu den 61.1 Milliarden USD Gesamtumsatz von 2008. Trotzdem sind es die 6.5 Millionen, die immer wieder als konkretes Beispiel eines Return on Investment für Twitter-Engagements genannt werden. Richard Binhammer hat im ersten Teil des im Dezember in Paris geführten Interviews erklärt, dass Dell die gesamten Social Media-Aktivitäten nicht zentral führt – sondern sehr dezentral überall dort einsetzt, wo es Sinn macht.

Welche Rolle spielt der ROI bei dieser Sinnfrage?

Das Ziel bestimmt den Return
«Es gibt keinen definierten ROI für Social Media. Zuerst muss das Ziel definiert werden, dann die Messgrössen, um Fortschritte auf dem Weg zu messen. Es gibt wirklich hunderte von Möglichkeiten – je nach Zielsetzung.» Dell misst natürlich die Twitter-Umsätze, die in Kommentaren und Einträgen bekundete Einstellung zu Dell, Links aus Social Media-Auftritten zurück zu dell.com oder die Anzahl neuer Ideen auf der Blog-Plattform «IdeaStorm». Wo gemäss Richard über 300 Anregungen gezählt wurden.

Dialog und Monitoring rund um Social Media Plattformen nutzt Dell übrigens auch als Frühwarnsystem. «Wir sehen zwei bis drei Wochen früher als mit herkömmlichen Methoden, wenn zum Beispiel eine bestimmte Treiber-Software einen Update braucht.»

Es ist wie in allen Bereichen der Kommunikation: Die Evaluation bleibt schwierig. Deshalb ist die Orientierung an einer möglichst scharfen Zielsetzung entscheidend. Und hier ist Richard zum erstenmal sehr zentralistisch, er gibt als Vorgabe: Was ist das «Business Modell» einer Social Media-Idee? Was soll sie erreichen und wie wird der Fortschritt gemessen? Denn Aufbau, Monitoring und Pflege eines immer weitere Kreise ziehenden Online-Dialogs verschlingen Ressourcen.

Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einen Blick.

Getroffen: Richard Binhammer hält Dell im Dialog

Richard_Binhammer_DellRichard Binhammer ist Leiter Public Affairs bei Dell. Getroffen habe ich ihn am 10. Dezember in Paris, an der LeWeb. Ich habe einen Social Media-Fachmann kennengelernt, der in seinen Erfahrungen Jahre weiter ist, als die meisten Unternehmen hier in Europa.

Für ihn ist alles ganz einfach: «Für die Benutzung des Telefons setzt niemand eine eigene Abteilung ein. Genau so muss es sein für Social Media: Das ist einfach ein Bestandteil der täglichen Arbeit.» Der Blogger mit deutschen Vorfahren hat den grossen Vorteil, dass Dell bereits 2006 mit einer kleinen Social Media-Abteilung angefangen hat. Und dass Dell in einem Geschäft tätig ist, das seit der Gründung auf den computergestützten Kundendialog baut. Was kann man von einem Unternehmen lernen, das in zwei Jahren 6.5 Millionen USD Umsatz (ZDNet) über Twitter macht?

Soziales Netzwerken ohne eigene Abteilung
Wie siehts denn mit der Organisation aus? Es gibt keine Social Media-Abteilung, keine zentrale Leitung all dieser Aktivitäten. Dell hat das sozusagen schon hinter sich. Vor drei Jahren waren die Kräfte noch in einem separaten «Brutkasten» gebündelt. Jetzt werden die dort entwickelten Ideen durch das ganze Unternehmen hindurch verbreitet. Das geschehe sehr lose und informell, Richard sieht sich nur am Rande als Koordinator. «Social Media ist einfach ein Bestandteil der Kommunikation. Und des Marketings. Und der Produktentwicklung. Social Media heisst nichts anderes als zuhören, lernen und sich einlassen.» Und das müsse Dell sowieso sehr gut können, und deshalb gehöre die Anwendung von Social Media zu jeder Arbeit.

Ist das wirklich so einfach? Ist für den unternehmensweiten Einsatz von so neuen Anwendungen wie Twitter, Blogging oder Sozialen Netzwerken keine stärkere Koordination nötig? «Social Media heisst ganz einfach, sich verbinden. So, wie wir das mit dem Telefon oder der E-Mail tun. Dazu brauchts keine eigene Abteilung. Haben Sie eine Abteilung fürs Telefon?»

Vom Sonderfall Dell lernen
Stimmt. Bediente Telefonzentralen sind Geschichte. Dass Dell bezüglich Social Media wirklich schon so weit ist, hat mich überrascht. Dahinter stehen aus meiner Sicht drei Gründe:

1. Dell hat schon sehr früh angefangen – auch mit einer eigenen Abteilung.
2. Dell ist Computer-Online-Verkauf – nichts liegt näher als das Ausweiten dieses Dialogs auf Social Media.
3. Dell pflegt eine schnelle, informelle und dezentrale Unternehmenskultur.

Am Ende des Gesprächs gibt auch Richard zu, dass für ihn die grösste Herausforderung darin liegt, dass sich Social Media dauernd verändert. Ganz im Gegensatz zum Telefon. Die meisten Unternehmen und Organisationen stehen noch am Anfang dieser Lernkurve. Und viele werden bezüglich Social Media gar nie so weit gehen, wie es für das Geschäftsmodell von Dell Sinn macht.

Alle Dell-Interviews mit Richard Binhammer auf einen Blick.

Pandemie: War die Kommunikation schlecht?

bag-grippe-logoIn einer deutschen Zeitung lese ich, dass die Kommunikation zur Pandemie schlecht war. Auch hier wurde viel gelästert. Beispielsweise über den Spot mit Beat Schlatter zogen Giacobo-Müller oder Peter Schneider her.

Hier meine subjektive Rückschau – zur Diskussion:

War der Zeitpunkt schlecht gewählt? Die BAG-Webseite startet im Juli etwas später als beispielsweise die US-amerikanische Pandemie-Seite. Meiner Meinung nach optimal: Die Grippesaison war noch ein paar Monate entfernt; es gab noch keinen Grund zur Panik. Zudem: Frei wählbar war der Zeitpunkt nicht – Pandemien lassen sich nicht planen.

Die Mittel: Fernsehen, Internet, Plakate – was gab es noch? Die BAG-Webseite ist in 13 Sprachen übersetzt. Solange die Grippe bedrohlich erschien, war Interesse an der Information vorhanden. Nur wenn ich heute die grünen Plakate zum Impfcheck sehe, wirkt das auf mich vorgestrig. (Vielleicht wurde die Plakatstelle nicht mehr verkauft?)

Komplexität: Gerade die Fernsehspots versuchten möglichst einfach zu erklären, um was es geht. Vertiefte Info findet sich auf der BAG-Webseite und natürlich «auf eigene Gefahr» im Web. Dabei ist das Thema Impfsolidarität inhaltlich anspruchsvoll. Die vor ein paar Wochen in der Schweizer Illustrierten befragten Promis, bezogen die Solidarität vor allem auf die eigene Kleinfamilie.

Motivierung zur Impfung: War offensichtlich ungenügend. Liegt das an der Kommunikation? Ich sehe einen anderen Grund: Als immer deutlicher wurde, dass die Krankheit mild verläuft, ging die Impflust zurück. Verspätungen bei der Verteilung des Impfstoffs und das anfängliche Chaos, wer sich wo impfen lassen soll oder darf, trugen weiter zur Impfunlust bei.

Motivierung zu Schutzmassnahmen: Wer Schulkinder kennt, der weiss, dass diese heute wissen, wie man sich die Hände wäscht und wie man in die Armbeuge niest. Und hat sich nicht rund um die Waschbecken die Ausrüstung verbessert?

In der Rück- und als Vorschau: Was muss bei der nächsten Pandemie anders kommuniziert werden?

Was ist eigentlich: … Augmented Reality?

USB SlotsErweitert man menschliche Sinneswahrnehmungen mit computerunterstützten Infoelementen nennt sich das «Augmented (erweiterte) Reality». Bereits heute wird dieser IT-Megatrend immer mehr Teil unseres Alltags.

Mir persönlich begegnen diese «erweiterten Realitäten» bereits in Sportübertragungen: Was diskutierten wir einst noch Freistoss-Distanzen… Heute misst sie die Maschine und blendet sie zentimetergenau ins Fernsehbild ein. Das Einsatzgebiet von «AR-Funktionen» ist breit. Wikipedia listet sie wie folgt:

  • Hilfestellung bei komplexen Aufgaben (Industrie, Medizin)
  • Navigation (Auto, Flugzeug)
  • Militär- und Katastropheneinsatz
  • Hydrologie (Wasserwirtschaft), Geologie (Geländemerkmale), Ökologie
  • Architektur (Visualisierungen im Live-Format)
  • Teamkollaboration
  • und natürlich Unterhaltung, Unterhaltung, Unterhaltung

Grundsätzlich lassen sich alle Sinne virtuell erweitern. Heutige Anwendungen beschränken sich aber weitgehend auf das Sehen. Visualisierungen werden via Bildschirm, Spezialbrille oder gar Iris-Implantat eingeblendet. Gesteuert werden die Informationen durch einen Fingerzeig, einen Blick – und einst vielleicht lediglich via Nervreiz…

Bereits sind im iPhone App Store einige Anwendungen im Angebot, die zeigen wohin es gehen kann. Allerdings beschränken diese sich hauptsächlich auf die Disziplin Navigation, Tourismus. Aber es lohnt sich, ein wenig darin zu stöbern:

10 Amazing Augmented Reality Apps (Mashable, Dezember 09)
17 Best Augmented Reality iPhone Apps (iPhoneNess, Dezember 09)
Augmented Reality auf dem iPhone (Heise, August 09)

Ach ja – ich selber darf auf meinem iPhone  nicht mitmachen bei der «AR»… Dies ermöglicht erst der eingebaute Kompass der iPhone Version 3G.

Weiter Beiträge in der Reihe «Was ist eigentlich: …:
…Cloud Computing?»
…ein Screencast?»
…das Semantic Web?»
…Web Compliance?»
…Twitter?»
…ein Social Press Release?»
…ein Widget?»
…die Craigslist?»

Marcel Bernet | 06.01.2010 | Medien

Medien: Ratlosigkeit auf der Kommandobrücke

DK_Bild_03Am Dienstag trafen sich die Kapitäne der Schweizer Medientanker zu ihrer jährlichen Dreikönigstagung. Den König hatte zum erstenmal niemand im traditionellen Kuchen gefunden. Die Kronen im Kampf um die Lesergunst werden von neuen Mitspielern verteilt.

Die Ratlosigkeit auf den Kommandobrücken der etablierten Informations-Tanker ist verständlich: Niemand weiss, wie die neuen Geschäftsmodelle für Produktion und Verkauf von Inhalten aussehen. Und wie NYU-Professor Clay Shirky in «Thinking the Unthinkable» sagte: Wer mitten in grossen Umbrüchen behauptet, er wisse, wie es weiter geht – der lügt. Hier meine wichtigsten Eindrücke vom Treffen auf der Kommandobrücke:

Romanus Otte, Chef Welt Online: Reichweite dank Integration

2006 hat sich die Welt-Gruppe in den Newsroom aufgemacht – zur Integration von Welt, Welt am Sonntag, Welt Kompakt, Welt Online und Berliner Morgenpost Print und Online. «Die Reichweite haben wir massiv ausgebaut – am Umbau der Abläufe und der Denkkultur arbeiten wir noch.» Otte sieht den integrierten Newsroom ganz pragmatisch als besten Weg, knappe Ressourcen produktiver einzusetzen. Um sicher zu stellen, dass die verschiedenen bedienten Blätter nicht alle Themen gleich behandeln, gibt es im Pool getrennte Chefredaktoren, Stellvertreter und Blattmacher. Die können in der Matrix-Organisation eigene Akzente setzen.

…Google und Apple greifen nach den Kunden
Welt und Morgenpost haben gerade Schlagzeilen gemacht mit der Einführung von Bezahlschranken. Otte will Erfahrungen sammeln, «in den Etats für 2010 sind noch keine fixen Einnahmen budgetiert». Reichweite sei die Vorausseztung für Monetarisierung. Aber es fehlt an Verrechnungs-Systemen, an gescheiten CRM-Datenbanken, an einer Verbindung von Print-Kundendaten mit Online-Kundendaten. Auf den springenden Punkt kommt der agile und undogmatische Manager mit dieser Aussage: «Google und Apple versuchen, den Verlegern die Kundenbeziehung abspenstig zu machen. Und das ist die grosse Gefahr für die Verleger.»

Definitiv. Entscheidend für den Verkauf von Inhalten werden die Endgeräte und die damit verbundenen Inhalte-Aggregations und -Bezahlsysteme. Systeme, die über nationale und Verlagsgrenzen hinaus funktionieren. Werden Verleger so etwas hinkriegen?

Frédéric Filloux, Redaktor & Blogger: Das Ende der Konkurrenz
Der frühere Chefredaktor von Libération arbeitet heute für Schibsted und teilt wöchentlich seine Medien-Analysen auf «Monday Note». In einem Schnellvortrag postuliert er radikales Umarmen – denn die Zeit der geschützten Märkte sei zu Ende. «Der Wettbewerb unter Verlagen darf nur in den Redaktionsräumen geführt werden. Für alle industriellen Bereiche wie Produktion und Vertrieb müssen sie zusammen arbeiten. Es braucht einen gemeinsamen Ansatz um mit Google zu verhandeln und mit der ganzen Werbebranche.» Seine Präsentation enthielt drastische Zahlen zur Dokumentation der aktuellen Situation.

Der durchschnittliche Online-Besucher verbringt gerade mal 15 Minuten pro Monat bei Le Monde und schaut sich dort 19 Seiten an. Im Gegensatz zum französischen Facebook-Durchschnitt von 2 Stunden und 400 Seiten pro Monat. Soviel zum Thema Attraktivität des klassischen News-Konsums. Ebenso schockierend war ein Vergleich der durchschnittlichen Werbe-Einnahmen pro Leser: Ein Online-Leser bringt im Schnitt 16 mal weniger Ertrag als ein Print-Leser.

Ebenso aufschlussreich war Filloux’ Kategorisierung von News: Es gibt aus seiner Sicht Standard-News, Gemeinschaftsklatsch und Qualitätsnischen. Für Standard-News muss man keine Zeitungen mehr drucken, die gibts schneller und gratis auf Twitter oder sonstwo. Gemeinschaftsklatsch entsteht in sozialen Netzwerken, er lebt nicht von Genauigkeit und Tiefgang sondern durch die zumindest projizierte Nähe unter den Absendern. Qualitätsjournalismus rettet sich in die Qualitätsnischen, wo sich wohl auch Print weiter halten wird.

Andreas Schönenberger, CEO Google Schweiz: 1 Milliarde für Verleger
Die Kapitäne haben den Piraten zur Sitzung eingeladen – der mittlerweile auf dem grösseren und erfolgreicheren Tanker sitzt. Hier zeigte sich die Schwäche der Veranstaltung am stärksten: Es gab keinen Dialog zwischen Publikum und (den viel zu zahlreichen) Referenten. Gerne hätte man mehr erfahren über das auch von Schönenberger skizzierte Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit mit den Verlegern. In seinen Ausführungen sprach er davon, dass 2009 eine Milliarde US Dollar von Google an Verleger ging – verglichen mit einem zu erwartenden Gesamtumsatz für 2009 von rund 23 Milliarden USD. Dazu erwähnte Schönenberger eine Milliarde Clicks für Verleger/Newslieferanten aus GoogleNews und drei Milliarden aus GoogleSearch.

…ein Gerät das mich kennt
30 Prozent des Medienkonsums erfolgen heute Online. Vor diesem Hintergrund skizzierte Schönenberger seine Vision intelligenter Endgeräte – am gleichen Abend wurde das erste Google-Phone vorgestellt: «2015 habe ich ein mobiles Gerät. Damit sehe ich Bilder, Videos, alles gestochen scharf und schnell geladen. Das Gerät kennt mich, meine Vorlieben und es weiss, was ich schon gelesen habe. Es schlägt mir Artikel vor, ich bewerte seine Vorschläge und mache damit die Informationsauswahl immer besser. Wenn es um die Bezahlung der Inhalte geht, dann könnte es so sein, dass ein Grundbedarf durch ein Monatsabo bezahlt wird. Darüber hinaus gehende Abrufe werden auf meinem Konto belastet, andere Inhalte könnten durch Werbung finanziert sein.»

Google kann so etwas global lancieren, Verleger wohl höchstens in nationalen Verbänden. Doch die werden wichtig sein, wenn Amazon, Apple, Google oder andere Geräte- und Plattform-Pioniere sich die Verlagsrosinen als Partner sichern wollen.

…mindestens fünf harte Jahre – und gute Fragen
Schönenberger glaubt, dass es noch mindestens fünf Jahre dauert, bis neue Medien-Geschäftsmodelle erfolgreich etabliert sind. «Deshalb ist es für Google sehr wichtig, gemeinsam Leserschaften an der Stange zu halten und damit Einnahmen zu generieren.» Diese fünf Jahre des Übergangs werden sehr schmerzhaft sein. Und es gebe nicht eine einzige richtige Antwort, sondern eine ganze Menge von Fragen: Wie werden News gezeigt? Auf welchen Plattformen? Zu welchem Preis? Wie sieht die Nachfrage nach lokalen versus regionalen und nationalen Inhalten aus? Google sieht einen sehr grossen Anteil von lokalen Suchanfragen. Welche mobilen Plattformen werden sich durchsetzen? Wo öffnen sich Optionen für massgeschneiderte Inhalte?

Womit wir wieder beim Einstieg wären. Es geht um das Stellen der richtigen Fragen. Wer heute antwortet, der lügt. Dass sich einige Schweizer Verleger auch mal Fragen gemeinsam stellen, zeigt die angekündigte Kooperation mit Swisscom für ein E-Readerformat. Wenn unternehmerische Marktgrenzen abbröckeln, verbündet man sich national. Bis auch diese wegbrechen.

Impressum für Webseiten und Social Media

ImpressFür Webseiten und Social Media gibt es in der Schweiz keine Impressumspflicht. Aus PR-Sicht sind die Angaben ein Muss.

In Deutschland wird die Impressumspflicht für Twitter diskutiert. Ich begebe mich nicht aufs rechtliche Glatteis, aber aus Kommunikationssicht finde ich: Webseiten und Social Media-Profile sollen über den Absender informieren.

Dazu gehören mindestens eine physische Anschrift mit Kontaktmöglichkeiten, die Namen von Verantwortlichen und Partnern sowie Rechtliches wie Datenschutz, Copyright, Haftung. Wenn der Name nicht schon eine Erklärung ist, muss der Unternehmenszweck beschrieben sein. Auch bei Blogs sollte man sich die Mühe machen, ein Impressum zu erstellen; hier das Beispiel vom bernetblog. Übrigens: Wer sein Angebot von der Schweiz aus vor allem nach Deutschland richtet, für den ist ein Impressum auch für Elektronisches Pflicht.

Die Pflege eines Impressums ist zwar nicht mit grossem Aufwand verbunden, trotzdem muss es aktualisiert werden. Das neue Jahr ist ein guter Moment, um wieder mal alle Angaben auf der Webseite, dem Blog, auf Twitter, Facebook und weiteren zu überprüfen. Oder man merkt es sich für den Frühling vor, wenn die Geschäftsabschlüsse vorliegen. Spätestens dann ist es auch Zeit, Einträge in Online-Verzeichnissen zu aktualisieren.

Informationen zu Internetauftritt und Twitter bei unseren Checklisten und zum Facebook-Auftritt im bernetblog.

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