Medientalk Uni Zürich: Sonntagsmedien wohin?
Gesund sind die sonntäglichen Printtitel – im Gegensatz zu den Tageszeitungen mit düsteren Prognosen und sinkenden Zahlen. Wo liegen die Herausforderungen?
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Medientalk» des Publizistischen Instituts der Uni Zürich sprachen gestern Abend Felix Müller, NZZ am Sonntag und Professor Heinz Bonfadelli, Uni Zürich unter der Leitung des NZZ-Redaktors Thomas Ribi. Hier zusammengefasst die Hauptaussagen:
Der Markt
In den letzten Jahren haben die Sonntagstitel stets Leser dazu gewonnen. Diese verteilen sich heute aber bereits auf fünf Titel (neu: Sonntag, Südostschweiz, Zentralschweiz). Damit ist der Lesermarkt wohl ausgeschöpft – ein wirtschaftlich (und redaktionell?) harter Verdrängungskampf ist die Folge. Felix Müller hält mittelfristig Zusammenschlüsse für durchaus möglich. Und sind die heute in UK stark sinkenden Sonntagsauflagen ein Indiz für die Schweizer Entwicklung (Prof. Bonfadelli)?
Die Inhalte
Durch die grosse Online-Konkurrenz wandern immer mehr Hintergrundberichte in den Tagesjournalismus. Der Tagi will gar eine «tägliche Wochenzeitung» sein. Damit einher geht ein schleichender Bedeutungsverlust der Politik zu Gunsten von weicheren Themen (Lifestyle, Reisen, Kultur). Wie können sich also NZZaSo und ihre Pendants weiter entwickeln – und im Spannungsfeld zwischen Leser- und Werbemarkt attraktiv bleiben? Bonfadelli rät, bezüglich Themensetting von den Gratiszeitungen (hauptsächlich 20Minuten) zu lernen – und Bildung, Multimedia/neue Medien oder Gesundheit verstärkt zu bearbeiten.
Die Leser
Wir alle konsumieren immer mehr Inhalte mit einer flackernden, unsteten Aufmerksamkeit (Bonfadelli). Die Sonntagsmedien dagegen befinden sich auf einer Art Insel. An ihrem Erscheinungstag nehmen sich die Leute mehr Zeit, wollen sich gemütlich zurück ziehen und Inhalte mit grösserer Konzentration geniessen. Diese Lektüre hat in der Schweiz den Messgang ersetzt.
Ein kluger und kurzweiliger Abend, gut geführt von Gesprächsleiter Ribi. Ich bedaure die ersten beiden Abenden der Veranstaltungsreihe verpasst zu haben (zum Beispiel Zukunft der Leitmedien am 29. September). Und bin gespannt auf den Abend vom 1. Dezember, wenn es um die Konvergenz zwischen Print- und Onlinemedien geht (hier die Koordinaten).
Beim ersten Talk zum Thema Medien, Macht und Qualität mit Markus Spillmann war der bernetblog dabei, samt Kurzvideo: Beitrag vom September 2008.










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