Was bringt ein Facebook-Auftritt? Aufwand, Abhängigkeit, Aufmerksamkeit.

bernet_pr_facebookBernet_PR hat jetzt eine eigene Facebook-Seite. Dieser Schritt will gut überlegt sein – hier die wichtigsten Pro/Contra-Argumente, Schweizer Facebook-Zahlen und Einblick in unser Konzept. Als Grundlage für Ihre Strategie.

Seit dreizehn Jahren pflegen wir eine Website – übrigens waren wir 1996 die erste Schweizer PR-Agentur im Netz. Seit genau vier Jahren bloggen wir, der Geburtstags-Beitrag folgt demnächst. Und seit letzter Woche haben wir eine weitere Filiale des Dialogs eröffnet, auf www.facebook.com/bernetpr. Die Entscheidungsfindung birgt grosse Ähnlichkeiten mit den Schritten zu Website oder Blogging: Welche Ziele lassen sich mit einer weiteren Online-Präsenz erreichen?

Wir verkaufen Kommunikationsberatung. Wir schreiben sehr gerne. Wir testen neue Möglichkeiten früh. Deshalb ist unser Facebook-Entscheid nicht einfach auf Ihre Geschäftsrealität umsetzbar. Vielleicht gewinnen Sie aus diesen Hintergrundbetrachtungen Impulse für Ihr eigenes Nein. Denn Facebook muss nicht sein. Und Facebook darf erst dann sein, wenn Sie eine super aktuelle, interaktive, dialogbereite Website führen.

Was spricht gegen Facebook?
Aus unserer Erfahrung sind es vor allem diese vier Punkte:

Die Abhängigkeit von einer externen Plattform: Facebook ändert immer wieder vertragliche Grundbedingungen, Darstellung oder Programmiermöglichkeiten. Das kann dazu führen, dass Sie eine ganze Anwendung neu schreiben müssen. Oder dass Gewinnspiele plötzlich nur noch als Anwendung möglich sind. Oder dass Facebook-User frustriert sind und sich auf ein anderes Netzwerk begeben. Wer sich auf Facebook einlässt, nimmt diese Unsicherheit in Kauf.
Die begrenzten Möglichkeiten: Richten Sie eine Seite ein oder bauen Sie eine Gruppe auf? Wo liegen die Unterschiede? (Ein guter Basisbeitrag dazu von Annette Schwindt, PR-Beraterin mit guten Facebook-Tipps.) Was kann am von Facebook vorgegebenen Raster geändert werden? Welche Änderungen machen Sinn? Facebook erwartet Sie mit einer steilen Lernkurve. Ohne die geniale technische Unterstützung von Serranetga wären wir nicht ans Ziel gekommen.
Die Unerreichbarkeit im geschäftlichen Kontext: Wenn Sie Mitarbeitende von Grossunternehmen ansprechen möchten, dann werden Sie diese nur privat erreichen. Weil der Zugang im Büro gesperrt bleibt. Bernet_PR richtet sich an Entscheidungsträger/innen aus den Bereichen PR, Kommunikation, Medien. Viele werden unseren Facebook-Auftritt nie sehen, auch Blogs werden zunehmend gesperrt und nur auf Antrag freigeschaltet.
Der Aufwand für Monitoring und Pflege: Ernstgemeinte Facebook-Auftritte sind dialogisch ausgerichtet. Deshalb bindet die hier eröffnete Zusatzfiliale Ressourcen: Erst der tägliche Blick auf die Pinnwand zeigt, ob jemand Fragen gestellt hat, Notizen eingefügt oder kommentiert hat. Und diese Dialogangebote sind zu beantworten. Nur wer das mit Hingabe und authentisch tut, der kann einiges von diesen Echos lernen und seine Vernetzung ausbauen.

Was spricht für Facebook?
Den Ausschlag für unser Engagement haben drei Punkte mitgetragen:

Das grosse aktive Publikum in der Schweiz: Facebook hatte im November etwas mehr als 1.8 Millionen Schweizer Benutzer, die sich in den letzten 30 Tagen mindestens einmal eingeloggt hatten. Davon waren rund 34 Prozent 20 – 29 Jahre alt, 36 Prozent über 30 Jahre und nur 20 Prozent jünger als 20. Hier ist ein Publikum zu Hause, das pro Besuch rund 25 Minuten auf Facebook verweilt, 49 Prozent tun dies täglich. Diese Zahlen werden wir im bernetblog noch ausführlicher betrachten.
Die Dialogorientierung dieses Mediums: Es gibt keine andere Plattform, die einen schnellen Austausch mit Freunden, eine schnelle Übersicht von als beliebt gewählten Seiten und vor allem ein ultraschnelles Echo erlaubt. Die kürzeste Form des Online-Dialogs bringt der Klick auf «Gefällt mir.»
Das Erreichen einer kritischen Grösse: Es ist wie bei der ersten Website, dem Aufbau des Blogs, dem Start des Anstoss-Newsletters – eine Portion Wagnis gehört dazu. Facebook hat aus unserer Sicht eine Dimension erreicht, die dieses Wagnis lohnt. Wir gehen von einer gewissen Stabilität aus, hoffen auf weiter wachsende Nutzerzahlen und keine Negativ-Ereignisse für diese Plattform.

Welche Ziele will Bernet_PR erreichen?
Unser Facebook-Auftritt soll
- Bernet PR profilieren als Dialogpartner, Wissenslieferanten und Pionier für Online-PR
- 200 Fans bis Ende 2010 erreichen (wir bleiben zurückhaltend)
- monatlich 5 Kommentare / Notizen / Fragen / Echos auslösen
- Facebook-Traffic auf bernetblog.ch und bernet.ch/wissen oder /anstoss bringen
- die Vernetzung mit Bernet_PR auf  YouTube, Flickr, delicious, Twitter stärken

Welche Zielgruppen stehen im Vordergrund?
Die Bernet_PR-Seite ist in erster Linie ausgerichtet auf den Dialog mit Kommunikationsverantwortlichen (PR / Werbung / Social Media / Marketing), Berater/innen aus entsprechenden Agenturen oder Web-Dienstleistern, Multiplikator/innen aus Web und Medien.

Die Priorisierung von Zielgruppen schärft das inhaltliche Konzept – mehr darüber im nächsten Beitrag: «Bernet_PR auf Facebook: Wie man Inhalte gestaltet»

Link
Alle bernetblog-Beiträge zu Facebook-Zahlen

15 Vorhersagen zur Zukunft des Internets

enter-tastaturWas bringen die nächsten 5 Jahre im Web: Mehr Interaktivität, mehr Inhalte, mehr Web 3.0? Endlich ein intelligenter Artikel zur alten Frage.

Wir nähern uns dem Jahresende und damit der Hochsaison der Auguren. Prinzipiell traue ich weder Auguren, Gurus noch Schlagzeilen. Von zehn Vorhersagen treten mindestens zwei sowieso zufallsbedingt ein. Was die Zukunft im Internet bringt, will ich trotzdem wissen – erst recht wenn die Trends intelligent, kurzweilig und anschaulich dargestellt sind.

Was bringen die nächsten 5 Jahre im Web? Hoffentlich viele so gute Artikel wie diesen von Cameron Chapman:

«The Future Of The Web: Where Will We Be In Five Years?» zeigt 15 Trends – sehr lesenswert, mit einer guten Mischung aus Text und Bild und mit tollen weiterführenden Links.

Interessant finde ich folgende Entwicklungen, eine kleine Auswahl zitiert aus dem genannten Artikel:

  • «Micro-payments will likely be popular among online magazines and news services, as well as other providers of in-depth content. (…) Payment via cell phone opens up whole new area of economic opportunity, particularly in areas where cell phones are more prevalent than computers. Being able to make and receive very small payments, the equivalent of a dollar or less in many cases, via a mobile device paves the way for many in developing nations to participate in the Internet economy in a way that only a few years ago might not have been deemed possible.»
  • «Facial recognition software is improving all the time, and pretty soon using an augmented reality program on your mobile phone to find out who a person is might be possible. You’d just snap a picture of them, and the app would cross-reference it with social networking profiles and photos across the Web, eventually coming across a match. From there, you could see whatever information the person had chosen to make public about him or herself.»
  • «Virtually every new monitor on the market is widescreen. It only makes sense that websites will adapt and make more use of horizontal scrolling in future than vertical, especially websites that have multiple small blocks of content, rather than long stretches of text. (…) A horizontal layout makes a lot more sense for certain kinds of sites, especially portfolios, media galleries and websites that rely more heavily on multimedia than text.»

Wie tief muss ich für Perlen tauchen?
Die meisten Neuerungen werden wir nicht einmal bewusst registrieren, sondern einfach für selbstverständlich nehmen. Und viele der vorgestellten Trends treten wahrscheinlich schon früher ein. Da gehen sich auch die unzähligen Kommentatoren des Artikels einig. Google bietet mit Wave bereits jetzt die Möglichkeit, Anwendungen wie E-Mail, Chat, Wikis, Foren aber auch Dokumente, Fotos, Filme etc. auf einer einzigen Webseite integrativ zu verwalten.

Spannend finde ich diesen Kommentar:
«Our daily lives are already so soaked in the web, that these changes will come without us even noticing. However I do think that socialization has a limit – you do NOT want to be overwhelmed with all sorts of useless social gibberish. That is why I believe that there will be a huge demand for services that help you filter all the garbage and provide you with quality information.»

Der Kommentator macht hier Werbung für seinen eigenen Service. Aber er hat trotzdem Recht. Ich bin gespannt, wie und ob sich hier bald die Tweets, äh Spreu vom Weizen trennen lässt. In wenigen Jahren werden wir die meisten Anwendungen über das Handy steuern und alle Informationen integriert abrufen. Ich jedenfalls würde in fünf Jahren gerne alle Anwendungen mit einem einzigen Gerät und einer einzigen Anwendung bedienen können. Das wäre eine wahre Erleichterung!

Mehr zum Thema im bernetblog:

Wettrennen der Suchmaschinen, 03.06.2009

Anstoss-Newsletter: Mit sich selber befreundet sein

regenschirm_im_schnee_quadratDie Weihnachtstage rücken näher. Erholung vom Ritt auf dem Alltagskarussell ist in Sicht. Eine Gelegenheit, sich in der «Kunst der Lebensführung» zu üben. Der aktuelle «Bernet-Anstoss» darum: philosophisch aber konkret.

Mit unserem E-Mail-Newsletter (Abo, Archiv) geben wir im Zweimonatsrhythmus Anstösse mit Praxistipps. Neben Fachlichem thematisieren wir  auch Philosophisches – zum Beispiel in der November-Ausgabe das «Mit sich selbst befreundet sein – Die Kunst der Lebensführung». Vielleicht lässt uns diese Fertigkeit, oder zumindest die Übung darin, ein wenig zur Ruhe zu finden. Um Kraft zu schöpfen für den schnellen Alltag.

Selbstliebe – wo alles beginnt
Unser Anstoss beschreibt die Kunst des «Loslassens» und die zehn Fächer in der Schulung des Bewusstseins nach Wilhelm Schmid. Und macht Vorschläge für Ihren ganz konkreten Akt der Selbstliebe. Hier ein Auszug:

  • Staunen Sie darüber, was Sie können und erreicht haben. Blicken Sie für einmal zurück auf den bisherigen Weg – anstatt immer nach oben, auf den Gipfel zu starren.
  • Stellen Sie sich vor, ein Geschenk zu sein für sich und andere. Das fällt oft schwer. Denn wir werden dauernd beurteilt, beurteilen andere – und uns selbst am strengsten. Gibt es eine Person, die für Sie ein Geschenk ist? Öffnen Sie sich für die Vorstellung, dass diese Person sie ebenfalls als Geschenk empfindet. Dieser Einstieg kann Ihnen die Selbstakzeptanz erleichtern.
  • Geben Sie Wertschätzung weiter, ohne Erwartung. Sagen Sie anderen, was Sie an ihnen schätzen. Nennen Sie die konkrete Handlung, wie Sie diese erleben, was sie bei Ihnen für Gefühle auslöst. Ohne damit etwas erreichen zu wollen – weder Wohlverhalten noch Dankbarkeit.

Wie immer mit so konkreten Tipps zur Lebensführung. Es braucht Geduld, bis sie eingesickert sind in das tiefste Innern unserer Gewohnheiten. Aber sind sie dort einmal angekommen… Wir wünschen auf diesem Weg kurzweilige Lektüre des November-Anstosses.

Weitere «philosophische» Bernet-Anstösse:
«Stille – 5 Tipps zum Abschalten», November 2008
«Ausdauertipps  für Arbeit und Freizeit», August 2006

Kommunikationsregeln im Internet

dialog20Die Fachgruppe Social Media des Bundesverbands für Digitale Wirtschaft (BVDW) hat «Social Media Code of Ethics» veröffentlicht. Denn Web 2.0 hat die Spielregeln verändert: Alle können Inhalte veröffentlichen.

Laut dem BVDW soll der öffentliche Dialog zwischen Unternehmen und Internetnutzern sachlich, fair und achtungsvoll sein. Hier ihre sechs herausgegebenen Regeln:

  1. Respekt
. Wir respektieren unsere Nutzer und deren Meinungen und achten auf einen respektvollen Umgang der Akteure untereinander.
  2. Sachlichkeit. Wir begrüssen themenbezogene Inhalte und sachliche Kritik.
  3. Erreichbarkeit. Wir reagieren schnellstmöglich und angemessen auf direkte Fragen, Anregungen und Kritik.
  4. Glaubwürdigkeit
. Wir stehen mit unseren öffentlichen Aussagen und Meinungen nach bestem Wissen und Gewissen für Transparenz und Glaubwürdigkeit.
  5. Ehrlichkeit
. Wir gehen mit Fehlern offen um und verschleiern sie nicht.
  6. Recht. Wir respektieren die Rechte unserer Nutzer sowie die Rechte unbeteiligter Dritter, insbesondere Urheber- und Persönlichkeitsrechte und Datenschutz.

Ich kann die Regeln unterschreiben, nur was ist daran wirklich neu? Und gehören diese nicht zur Selbstverständlichkeit im Umgang mit anderen Menschen, Internetnutzern, Kunden. Ein bisschen schwammig empfinde ich die dritte Regel. Da fehlt mir eine Zeitangabe. Was wird unter schnellstmöglich verstanden? Wird eine Antwort innerhalb einer Stunde oder eines Tages erwartet?

Weitere Meinungen zum Thema auf Namics Weblog, PR-Blogger und mediaclinique.

Storytelling: Unterhaltende Unternehmenskommunikation

Ausschnitt Bild von Gustave Doré

Geschichten-Erzählen gehört heute zur professionellen Kommunikation. Das Tagesseminar «Storytelling» der Text Akademie zeigt, wie es funktioniert.

Das Konzept fürs Storytelling ist für alte Kommunikationshasen nicht neu. Die wichtigsten Fragen sind zuerst zu klären: Um was geht es eigentlich? Was ist das Ziel? Wer ist meine Zielgruppe? Und was ist meine Botschaft?

Bestandteil jeder Geschichte ist, dass sie auf vertraute Muster baut – Gut und Böse, Leben und Tod, Weg und Ziel – diese aber neu erzählt. Hauptgefahr scheint mir das Abschweifen, das Verzetteln im Unwichtigen.

Die Entwicklung der elektronischen Kommunikation und das Aufkommen von Storytelling in der Unternehmenskommunikation fallen nicht zufällig zusammen. Früher waren Organisationen auf die Medien als Mittler angewiesen und übernahmen deren Nachrichtenstil. Heute bieten Unternehmens-Webseiten, Blogs oder Social Media, die Möglichkeit mit Geschichten verschiedene Zielgruppen emotional anzusprechen.

Im äussersten Fall wird sogar der Geschäftsbericht zum Geschichtenbuch. Die Emotionalität steigern lässt sich durch einen Wechsel der Mittel: von Print zum animierten Web, vom Text zum Ton, zum Film.

Und indem man Geschichten zur Geschichte erzählt (Making-of, Buch zum Film) erreicht man zuletzt auch, dass sie nachhaltig werden.

Zensekunden Schattenrot: Einkaufsbummel in welcher Stadt?

zensekundenrotAn diesem Herbstsamstag mitten im November hat sich mir ein Schattenspiel aufgedrängt. Wer kennt diese rote Meile?

Die Kinder waren schnurstracks auf das dort parkierte, ebenfalls rote Auto geklettert. Mit mir wartete ein Vater auf seine Tochter, ich als Onkel hatte Zeit, mich umzuschauen. Denn so schnell würden die zwei nicht wieder runterkommen von dieser eben eroberten Autoskulptur. Eine bekannte Schweizer Künstlerin hat diesen Raum mitgestaltet – nicht nur Kinder schätzen die Spiellust, die ihre Umsetzung prägt.

Bernet zeigt Kunst: Schön war die Vernissage

4dNoch sind da und dort in unserer Agentur die letzten Spuren der gestrigen Vernissage zu sehen. Zahlreich waren die Gäste und sie blieben lange. Immer wieder eine schöne Abwechslung.

Es ist immer erfrischend, die Agentur für eine kurze Zeit in eine Galerie zu verwandeln. Bereits zum vierten Mal durften wir einladen und gingen mit den Holz- und Stahlskulpturen erstmals in die dritte Dimension. Neben den Gastkünstlern Hilmar Jess, Daniel Eggli und Monika Hollenstein stellte erstmals auch Marcel Bernet selber aus. Und freute sich über sehr positives Echo auf seine Werke.

Hilmar musste seine «Stahlwerke» leider bereits wieder nach Deutschland mitnehmen. Die Holzskulpturen bleiben aber noch bis Weihnachten bei uns. Besucht uns und schaut sie in natura an – wir freuen uns!

Hier gibts einen Augenschein und via oder via #Agenturvernissage die Life-Twiterstattung.

Erstbesteigung: Kein Platz mehr auf dem Gipfel

nurknopfHeute morgen mussten wir das Anmeldeformular von der Website nehmen – nach nur drei Tagen haben sich 75 Personen eingetragen.

Der erste Social Media Gipfel scheint ein sehr aktuelles Bedürfnis zu treffen. Am Montag haben wir die Ausschreibung mit diesem Beitrag und auf der eigenen Website www.socialmediagipfel.ch gestartet. Ganz sozial und schnell klappte das Weiter-Erzählen auch über Twitter. Hier wirds also am führen Morgen des 2. Dezember ganz schön voll sein:

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Peter und ich haben entschieden, bei 75 zu stoppen – im NZZ Bistro haben 60 Personen Platz, wenns dazu Kaffee und Gipfel geben soll. Dabei wollten wir bleiben. Wir rechnen  mit einigen wenigen No-Shows und können für zusätzliche Stühle improvisieren. Jetzt muss noch schnell eine einfache Sound-Anlage her, damits auch akustisch klappt.

Viele Entscheider dabei, plus Berater und Dienstleister
Wer ist alles dabei? Eine Kurzauswertung der eingetragenen Unternehmen und Funktionen zeigt, dass wir rund 29 Prozent Entscheidungsträger aus Unternehmensbereichen Kommunikation, Marketing, Web erwarten dürfen. Stark vertreten sind Dienstleister aus den Bereichen Kommunikationsberatung und Webtechnologie/-design. Es versteht sich von selbst, dass ich die Blogger zur Kategorie der Medien zähle und schliesslich sind blogwerk und Bernet_PR als Veranstalter ebenso vertreten.

socialmediagipfel_teilnehmer01

Ich bin gespannt auf die beiden Praxis-Beispiele, wie das Format inhaltlich und zeitlich aufgeht. Auf alle Fälle freue ich mich riesig auf die persönlichen Kontakte.

Digitale Mediennutzung Schweiz: Aktuelle Zahlen

digitallife_logoDer «Digital Life Index» misst Online-Aktivitäten. 55 Prozent der Schweizer haben am Vortag Online-Instrumente genutzt. Social Media gewinnt Anteile, Zeitungen bleiben das wichtigste Medium für News.

Die Studie wird halbjährlich von Microsoft Schweiz und der Werbeagentur Publicis veröffentlicht. Die Publikation ist unsäglich: Eine Medienmitteilung (.rtf) würfelt die wichtigsten Erkenntnisse wild durcheinander (gesucht wird das, was Schlagzeilen sichert). Es fehlt der Gesamtbezug. Das Communiqué liefert Screenshots von einer ebenso unsäglichen Flash-Website – auf www.digitallifeindex.ch siehts dann so aus:

digitallifeindex

Gut aufgezeigt sind die fünf Bereiche der Erhebung. Das 0.333 der Indexwert für die Digitalisierung der Schweizer sein soll, leuchtet nicht sofort ein. Der Wert entspricht übrigens 33.3 Prozent, das gilt für alle anderen Werte auch. Befragt werden jeweils rund 1000 Männer und Frauen im Alter von 15 bis 74 aus der deutschen und französischen Schweiz. Eine Stunde Recherche hat zu folgenden zwei Einblicken geführt – den für mich wichtigsten Erkenntnissen:

Zeitungen und Internet gewinnen, TV verliert
«Was ist für Sie das wichtigste Medium, um sich über das tägliche Zeitgeschehen zu informieren?» Die Zeitungen behalten die Pole Position, gefolgt vom Fernsehen, Internet – erstmals vor dem Radio – und Zeitschriften. Der TV-Rückgang zeigt, dass hier nur nach News gefragt wurde. Für mich ist das auch ein Hinweis darauf, dass man bei dieser Frage ungern «Fernsehen» sagt – Zeitungen sind cooler für News und auch Internet darf man heutzutage sagen.

digitallife_medien

Gut die Hälfte kommuniziert täglich, Social Media nimmt zu
«Haben Sie gestern über digitale Wege… komuniziert?» 55 Prozent der Befragten sagen ja, wie bei der ersten Erhebung. Und aus den zur Verfügung gestellten Möglichkeiten wird Mail als erstes genannt. Social Media, Chat und Skype liegen in ähnlichen Bandbreiten, die Sozialen Netzwerke springen am klarsten nach vorne. Der Medientext vertieft: «Am häufigsten genutzt werden [Social Networking Plattformen] im Ostmittelland und in der höchsten Einkommensklasse.»

digitallife_onlinekomm

Mehr Übersicht und mehr Klarheit bringt mehr Resonanz
Der Medientext und die Website haben mir kein klares Gesamtbild der schleichenden Schweizer Digitalisierung vermittelt. Als journalistischer Blogger gehe ich zum Originalmaterial und versuche dort, hinter die erhaltenen Textausschnitte zu blicken. Das machen mir Publicis und Microsoft sehr schwer. Zum Glück habe ich nach vier Verbindungsanläufen Cyrill Schneider bei Publicis erreicht – anders hätte ich den Halbjahresvergleich nicht zusammenstellen können. Nach seinen Angaben soll die Studie später an Kunden verkauft werden, deshalb sei man auch zurückhaltend mit der Darstellung von Detailauswertungen.

Ich wünsche mir mehr Übersicht. Und eine wirklich journalistisch gemachte Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse, mit Zeitachse. Damit würde sich auch die Resonanz erhöhen.

Sabine Betschart | 18.11.2009 | Medien

Quellangaben: Wie gehen Gratisblätter damit um?

QuelleAgenturen sind nützliche Lieferanten für die Medien. Werden diese auch als Quellen genannt und und ist es rechtlich zwingend?

Jüngst ist mir aufgefallen, dass die Autoren SDA oder AP bei 20Minuten-Artikeln nicht genannt werden. Marco Boselli, Chefredaktor 20Minuten reagierte auf meine Anfrage: «Meldungen, die nicht gekennzeichnet sind, stammen immer von SDA oder AP. Sinn des Ganzen: Eigenleistung hervorheben». Ist dies rechtlich zugelassen?

Balz Bruppacher, Chefredaktor von Associated Press AP nimmt Stellung: «Quellangaben in Printmedien sind grundsätzlich sehr wichtig für unsere Arbeit. Im Falle 20Minuten wird oft gekürzt und umgeschrieben, worduch sich die Texte stark vom Agenturoriginal unterscheiden. Auch der Blick schreibt Agenturmaterial auf seine Bedürfnisse um. In diesen Fällen wird korrekterweise auf die Quellangabe verzichtet.»

Die beiden anderen Gratisblätter NEWS und Blick am Abend geben die Agentur-Quellen meist an. Beim Blick am Abend werden die hauseigenen Journalisten sogar mit E-Mail-Adressen genannt – der modernste Ansatz und Dialog öffnend.

Vergleich Schweiz – Europa
Die Schweizer Zeitungen (ebenso wie die Deutschen) verhalten sich in Sachen Quellangabe vorbildlich und leisten einen Beitrag zum Wettbewerb unter den Agenturen. Im Gegensatz zu Frankreich oder Italien: Laut Balz Bruppacher müssen dort Agenturen Sensationsnachrichten liefern, damit sie in der Zeitung erwähnt werden.

Bildung im Internet: Social Media Nutzung Teil 1

schulbank_klein.jpgWer ist näher dran an den Social Medias als die «Digital Natives», die Lernenden und Studierenden? Wie nutzen sie diese Kanäle? Und wie gehen Bildungsinstitute mit Social Media um? Eine mehrteilige Annäherung.

Recherchen im Bildungsumfeld zeigen: Hochschulen sind (im deutschsprachigen Raum) noch nicht dort angekommen, wo sich ihre Zielgruppe täglich stundenlang rumtreibt. Anders bei Institutionen im Ausland. Mehr dazu in einem nächsten Beitrag dieses Mehrteilers.

Als inspirativer Einstieg ins Thema hier ein Film einer Klasse der Kansas State University (hier der YouTube-Kanal von Dr. Michael Wesch – gute Beiträge und entsprechend viele Abonnenten: 14653!). So sehen die Studierenden sich selber als «Digital Natives».

Social Media Gipfel: Erstbesteigung mit bfu und SBB

nurknopfAm 2. Dezember gibts Social Media-Praxis zum Frühstück – mitten in Zürich. Mit bfu-Facebook- und SBB-Twitter-Erfahrung aus erster Hand. Ausverkauft: Unten eintragen für nächste Termine!

Geht es Ihnen wie mir? Sie arbeiten an einem Blog-, Facebook- oder Twitter-Projekt und fragen sich: Wie geht das? Wie machen das andere? Beispiele gibts ja genug, nur spielen sich die irgendwo in den fernen USA ab. Was läuft in der Schweiz?

Das wollte ich schon immer mal wissen. Und weil ich mit Bernet_PR schon seit 1995 Wissen auf dem Web teile, gibts jetzt den Social Media Gipfel. Zum erstenmal am 2. Dezember, von 07.30 bis 09.00 Uhr. Mein Kletterpartner auf dieser Erstbesteigung ist Peter Hogenkamp – alleine hätte ich es nicht gewagt. Denn das Ganze ist keine kommerzielle Sache, wir beide stemmen das so nebenbei. Und mit Peter machts einfach Spass. Wer erklimmt mit uns die Fredy-Hiestand-Gipfeli aus dem NZZ Bistro beim Bahnhof Stadelhofen? Das Programm:

07.30 – 08.00
Facebook: Ganz schnell auf 4′000 Fans – mit Jacky Slowdown.
David Schärer, Partner der Werbeagentur ROD, zeigt die Erkenntnisse aus der aktuellen Slow-Down-Kampagne für bfu und SVV. facebook.com/SlowDown.TakeItEasy

08.00 – 08.30
Twitter: RailService zeigt, wie man Kunden ernst nimmt.
Die beste Schweizer Twitter-Lösung ist das Werk freiwilliger Mitarbeiter – was sagt die SBB dazu? Chris Leduc, Initiant, und Patrick Comboeuf, Director E-Business, begegnen sich bei uns zum ersten Mal. twitter.com/railservice

08.30 – 09.00
Praxisaustausch, Schlusspunkt, Gipfelrast.
Wer kann, bleibt länger.

Die Inhalte werden auf netzwertig.com und natürlich hier im bernetblog zusammengefasst. Als zentrale Website für diese Soziale Kooperation von Peter und mir funktioniert www.socialmediagipfel.ch – als Hashtag #smgzh.

Anmeldung
Mussten wir heute, 19. November rausnehmen – leider schon ausgebucht. Tragen Sie sich für spätere Anlässe (Februar, April, Juni 2010) ein, wir werden Sie frühzeitig informieren:


Sie haben am 2. Dezember keine Zeit? Tragen Sie sich in unseren Newsletter ein, um über kommende Termine informiert zu sein:

E-Mail*:
Vorname:
Name:

Info im Web: Bitte sofort, bitte alles, bitte gratis

TTWVor einem halben Jahr wurde eine Studie von Prof. Dr. Christian Laesser, Universität St. Gallen, angekündigt. Damals glaubte ich, die Studie «Internet knickt die Reisebüros? Mitnichten!» gäbe es sofort zu lesen.

Im Frühling handelte es sich aber erst um einen Teaser für den TTW (Travel Trade Workshop, Tourismus Fachmesse der Schweiz). Also habe ich mir Anfang November für die erneute Websuche vorgemerkt. Doch ich erfahre immer noch nicht, warum das Internet doch keine Gefahr für die Reisebüros sein soll.

Denn weder der TTW noch die Uni St. Gallen noch sonst jemand  hat eine Zusammenfassung oder die ganze Studie online veröffentlicht. Zwar konnte ich auf der Webseite der Uni St. Gallen meine E-Mail-Adresse für eine «Volltextanfrage beim Autor» hinterlegen, aber das erscheint mir langsam und umständlich.

Rund um die Suche nach diesem Vortrag stelle ich zweierlei fest: Der TTW vergibt sich Chancen. Gehaltvolle Vorträge oder Zusammenfassungen davon sind gut für den Ruf und damit gut für die Besucherzahlen.

Und meine Erwartungen werden mir bewusst: Ich will Information sofort, vollständig und gratis. Macht das Internet masslos?

Sabine Betschart | 13.11.2009 | Tools

Zigerflitz: Wi dr Blitz i Zigerschlitz

Adieu GlarusEin Exil-Glarner programmiert ein handliches Tool für die Strecke Glarus-Zürich oder umgekehrt: zigerflitz.ch sucht mir die nächsten Züge des Glarner-Sprinters raus, natürlich optimiert fürs iPhone.

Der Glarner-Sprinter, seit Dezember 2004 in Betrieb, verbindet das Glarnerland mit Zürich. In einer Stunde erreichen Zugfahrende von Glarus Zürich oder umgekehrt. Die Zuglinie, unterstützt vom Kanton, erschliesst das Tal für Pendelnde, Touristen und HeimwehglarnerInnen (wozu ich mich offen bekenne). Unter der Woche bedient der Sprinter die beiden Bahnhöfe alle zwei Stunden, an den Wochenenden ist der Fahrplan auf Morgen- und Abendfahrten ausgerichtet.

Damit die lästige Fahrplansucherei ein Ende hat, steht nun Zigerflitz zu unseren Diensten. Mit Hilfe einer manuellen Startortwahl gebe ich den Ausgangsbahnhof ein und die nächsten Sprinter-Verbindungen werden mir angezeigt:

Bild 1

(Danke Memi für deinen Programmier-Einsatz und das schöne Foto).

Bei dieser Gelegenheit möchte ich euch unbedingt das Glanerland schmackhaft machen. Lohnenswert für einen Wochenendausflug in die Berge: Kunsthaus Glarus, das verkehrsfreie Braunwald oder einen Spaziergang am malerischen Klöntalersee.

Marcel Bernet | 12.11.2009 | Dies & Das

Bernet zeigt Kunst – Einladung zur Vernissage

4dHeute in einer Woche wird die Agentur zur Galerie. Diesmal zeigen wir Skulpturen aus vier Dimensionen.

Die vierte Dimension, so weiss Wikipedia, entzieht sich der «normalen» menschlichen Wahrnehmung. Häufig wird diese Ebene mit der Zeit gleichgesetzt. Die höhere Mathematik und die Physik erforschen diese Räume, die Beschreibung und die Definition derselben bleibt schwierig. Zumindest für mich. Trotzdem habe ich unsere anstehende Ausstellung unter das Motto «4D» gestellt. Wieso?

Weil wir zu viert ausstellen: Daniel Eggli ist Künstler und Werklehrer in Rheineck, Hilmar Jess Eisenplastiker in Hannover, Monika Hollenstein Dekorationsgestalterin in Arbon und ich selbst bin diesmal auch dabei.

4d_objekte

Weil für mich eine neue Dimension aufgegangen ist: Das Bearbeiten von Holzblöcken mit der Motorsäge. Dabei entstehen Gebilde wie mit einem dicken Pinsel gezeichnet. Grob, skizzenhaft, andeutend. Gelernt habe ich das bei Daniel an einem zweiwöchigen Seminar, wo wir vier uns zum erstenmal getroffen haben. In der Scuola di Marmo in Peccia, weit hinten im Maggiatal.

Weil die vierte Dimension ganz individuelle Vorstellungsmöglichkeiten öffnet. Zu deren Entdeckung laden wir ein. In der Begegnung mit vier Ausstellenden, dem ganzen Bernet-Team, vielen Objekten aus Holz und Stahl und einem herbstlichen Buffet der besonderen Art. Per E-Mail kann man sich anmelden. Auf Flickr hats noch mehr Bilder:

Kommunikation und Sprache im Web 2.0

The Way ForwardDas Web 2.0 hat die Modalitäten der Kommunikation wesentlich verändert. Statt pseudo-objektiver Information sind Transparenz und authentische Darstellung gefragt.

Vor ein paar Tagen habe ich den Workshop Digital Publishing – die Medienrevolution 2.0? besucht. Die Frage im Titel wurde zu Beginn beantwortet: Die klassischen Regeln der Informations-Aufbereitung gelten nicht mehr. Das dialogische Web verlangt andere Stil-Prinzipien als der gewohnte objektive Nachrichtenstil.

Ivo Hajnal, Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Innsbruck, beschreibt sehr treffend die neuen Modalitäten für ein erfolgreiches Digital Publishing:

Webkommunikation ist profiliert statt oberflächlich:

  • Weblogs verzichten auf die Trennung von Nachricht und Meinung und die Gegenüberstellung von gegensätzlichen Quellen.
  • Sie vermitteln ihren Nutzern exklusive Informationen und Einschätzungen abseits der normierten Informationsströme.

Webkommunikation ist authentisch statt uniform:

  • Die Themen von Weblog-Einträgen sind nicht zwingend nach den journalistischen Nachrichtenfaktoren gewählt und inszeniert. Vielmehr entsprechen sie den individuellen Beobachtungsmustern der Verfasser und wirken deshalb authentisch.
  • Zur Steigerung der Authentizität dienen sprachliche Stilmittel (Ich-Person und expressive, umgangssprachliche Formulierungen).

Webkommunikation ist engagiert statt distanziert:

  • Weblog-Einträge verzichten auf journalistische Distanz. Vielmehr bemühen sie sich, den Rezipienten klare Vorteile zu ermöglichen – ihnen zum Beispiel Einblick ins Unternehmen oder Insider-Tipps zu geben.
  • Gleichzeitig reagieren ihre Verfasser unmittelbar auf Nutzer-Feedbacks. Die Beiträge wirken deshalb glaubwürdig.

Klartext statt leere Worte
Die Sprache von Unternehmen hat sich nach diesen neuen Stil-Prinzipien zu richten. Was bedeutet das? Kurz: Unternehmen, die sich im Web positionieren möchten, müssen selber Position beziehen. Wichtigtuerei und Oberflächigkeiten wie zum Beispiel «Wir streben die Marktführerschaft für xyz an» lassen keine Position erkennen. Vielmehr braucht es echte Werte, eine Portion Bescheidenheit, direkte Worte und eine klare Aussage. Und ja, es braucht Mut, Klartext zu reden.

Der gemeinsam von der ZPRG und der Schweizerischen Text Akademie organisierte Workshop hat mir sehr gefallen, er war gut moderiert und das Beste: Er macht Freude auf mehr authentische und ehrliche PR, die wirklich etwas zu sagen hat. Jetzt gilt es nur noch, die Kunden davon zu überzeugen, dass Klartext mehr bringt als Plattitüden – auch wenn (oder gerade weil) man sich hinter Worthülsen besser verstecken kann.

Dominik Allemann | 11.11.2009 | Medien

Medientalk Uni Zürich: Sonntagsmedien wohin?

uni_zuerichGesund sind die sonntäglichen Printtitel – im Gegensatz zu den Tageszeitungen mit düsteren Prognosen und sinkenden Zahlen. Wo liegen die Herausforderungen?

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Medientalk» des Publizistischen Instituts der Uni Zürich sprachen gestern Abend Felix Müller, NZZ am Sonntag und Professor Heinz Bonfadelli, Uni Zürich unter der Leitung des NZZ-Redaktors Thomas Ribi. Hier zusammengefasst die Hauptaussagen:

Der Markt
In den letzten Jahren haben die Sonntagstitel stets Leser dazu gewonnen. Diese verteilen sich heute aber bereits auf fünf Titel (neu: Sonntag, Südostschweiz, Zentralschweiz). Damit ist der Lesermarkt wohl ausgeschöpft – ein wirtschaftlich (und redaktionell?) harter Verdrängungskampf ist die Folge. Felix Müller hält mittelfristig Zusammenschlüsse für durchaus möglich. Und sind die heute in UK stark sinkenden Sonntagsauflagen ein Indiz für die Schweizer Entwicklung (Prof. Bonfadelli)?

Die Inhalte
Durch die grosse Online-Konkurrenz wandern immer mehr Hintergrundberichte in den Tagesjournalismus. Der Tagi will gar eine «tägliche Wochenzeitung» sein. Damit einher geht ein schleichender Bedeutungsverlust der Politik zu Gunsten von weicheren Themen (Lifestyle, Reisen, Kultur). Wie können sich also NZZaSo und ihre Pendants weiter entwickeln – und im Spannungsfeld zwischen Leser- und Werbemarkt attraktiv bleiben? Bonfadelli rät, bezüglich Themensetting von den Gratiszeitungen (hauptsächlich 20Minuten) zu lernen – und Bildung, Multimedia/neue Medien oder Gesundheit verstärkt zu bearbeiten.

Die Leser
Wir alle konsumieren immer mehr Inhalte mit einer flackernden, unsteten Aufmerksamkeit (Bonfadelli). Die Sonntagsmedien dagegen befinden sich auf einer Art Insel. An ihrem Erscheinungstag nehmen sich die Leute mehr Zeit, wollen sich gemütlich zurück ziehen und Inhalte mit grösserer Konzentration geniessen. Diese Lektüre hat in der Schweiz den Messgang ersetzt.

Ein kluger und kurzweiliger Abend, gut geführt von Gesprächsleiter Ribi. Ich bedaure die ersten beiden Abenden der Veranstaltungsreihe verpasst zu haben (zum Beispiel Zukunft der Leitmedien am 29. September). Und bin gespannt auf den Abend vom 1. Dezember, wenn es um die Konvergenz zwischen Print- und Onlinemedien geht (hier die Koordinaten).

Beim ersten Talk zum Thema Medien, Macht und Qualität mit Markus Spillmann war der bernetblog dabei, samt Kurzvideo: Beitrag vom September 2008.

Twitter-Tipps: So macht man ein Konzept – britische Vorlage

TwitterDie beste Vorlage für ein Twitter-Konzept liefert Neil Williams. Und sie ist nicht nur für Regierungs-Tweets vorbildlich strukturiert.

Denn Neil ist Leiter der «Corporate Digital Channels» im Ministerium für Business, Innovation und Skills BIS. Und er bloggt privat auf Mission Creep mit dem schönen Slogan «Trying to do too much at once». Den Blog habe ich mir abonniert – denn Neil schreibt witzig, klar und teilt sein Wissen grosszügig. So ist denn auch die hier vorgestellte Vorlage auf verschiedenen Plattformen runterzuladen (hier ein direkter PDF-Link) – natürlich auch über Scribd.

Die Vorlage ist so verfasst, dass andere Abteilungen der britischen Regierung sie für ihre Twitter-Vorhaben einsetzen können. Ich empfehle Nicht-Regierungs-Organisationen und Nicht-Brit/innen ein ähnliches Vorgehen: Durchlesen und dadurch interessante Anstösse für die eigene Rahmendefinition mitnehmen. Wieso?

1. Klare Struktur
Gute Konzepte zeichnen sich immer durch einen klaren Ablauf aus. Diese Vorlage liefert die Kapitel für ein stringentes Papier, das verstanden wird und alles Wesentliche klärt. Vielleicht wählen Sie diese Kapitel – vielleicht mixen Sie Neils Idee auch mit den Kapitel-Vorschlägen aus unserem Twitter-Leitfaden. Oder Sie gucken sich wieder mal unser Konzeptrezept an, für Projektpapiere aller Art.

2. Gut gemachte Zielsetzungen samt Erfolgskontrolle
Kapitel 3 «Objectives and metrics» ist erste Sahne. Solche Konzepte würde ich gerne mehr lesen: Klare Zielsetzungen, jeweils verbunden mit der Messmethode. Zahlen sind selbst einzusetzen.

3. Strategie-Teil mit Risiko-Liste abgefangen
Schön dargestellt sind im Kapitel 4 die mit einem Twitter-Einstieg verbundenen Risiken – nicht nur für Regierungsstellen. Und mit welchen Massnahmen man diese Risiken eindämmen, überwachen kann.

4. Praktisches Beispiel für Positionierung, Tonalität
Hier wirds wirklich schön: Endlich kann man mal ganz praktisch lesen, wie ein inhaltliches Konzept eines konkreten Absender aussieht. Wer die Texte zu Namensgebung, Absender, benötigter Zeit und inhaltlichen Prinzipien liest, erhält interessante Eckwerte. Nicht einverstanden bin ich mit der Anonymisierung der Tweets – sie werden «behördlich» abgesetzt – passt für mich nicht zu Twitter.

5. Nicht mehr als 10 pro Tag
Interessant: Maximal 10 Tweets pro Tag, mindestens 30 Minuten Intervalle dazwischen, damit Follower nicht geflutet werden. Mit Ausnahmen für Antworten oder Krisensituationen.

6. Ressourcen geklärt: Mindestens eine Stunde pro Tag
Eine Stunde pro Tag ist realistisch – ohne Konzeption und laufende Evaluation. Da sieht die Vorlage einen Tag alle drei Monate, was aus meiner Sicht aber mit mindestens vier Personen multipliziert werden muss. Sehr spannend ist hier die Seite 18, Beilage C: so viel Zeit setzen ein fürs Twittern:

  • Premier (Downingstreet): 20 Minuten/Tag, 2-3 Tweets/Tag plus etwa 3 Antworten/Tag
  • Ausenministerium (Foreign Office): Weniger als 45 Minuten/Tag
  • Communities und Lokale Behörden (Communities UK): 45 bis 60 Minuten/Tag
  • Digital Policy: 5 bis 10 Minuten/Tag
  • Wirtschaftsförderung (UK Trade & Investment): 5 Minuten bis 2 Stunden/Tag für Twitter und LinkedIN, inklusive Aktives Aufstöbern von relevanten Diskussionen

7. Umgang mit Abonnenten: Automatisches Rück-Followen
Als Regierungsbehörde will man niemanden aktive followen, von sich aus. Das könnte als «Big Brother»-Beobachtung negativ ankommen. Aber alle, die einem Regierungstweet folgen, werden von der Amtsstelle automatisch zurückverfolgt. Weil das zur Twitter-Etikette gehöre. Und man automatisiert das, weils händisch eben zu aufwändig ist. Natürlich sorgt man damit auch für einen stetig wachsenden Strom von Followern – mehr zu diesem Thema im Twitter-Tipp «Wie erreicht man Follower».

8. Praxistipps zu Hashtags, Linkkürzeln, Re-Tweeting und Promotion
Alles da. Einfach erklärt. Einfach zu ergänzen oder auszulassen, je nachdem wofür man sich bei seinem Konzept entscheidet.

Wer mag sein Twitter-Konzept mit dem bernetblog teilen? A propos: Am 2. Dezember, 0730 in Zürich, wird man live eines erleben können. Mehr darüber bald an dieser Stelle.



axpo: Greenpeace muss sich gratulieren lassen

Inserat der axpoDie ganzseitige Anzeige in der Sonntagszeitung überrascht mich. Zuerst, weil ich vom Jubiläum noch nichts gehört hatte.  Dann wegen des Absenders: Die axpo gratuliert Greenpeace?

Unten auf der Seite erläutert sie, dass man verschiedener Meinung sein kann und trotzdem «ein gemeinsames Ziel verfolgen: zum Beispiel eine CO2-freie Energiezukunft.»

Ist es einfach eine Geste der axpo oder existiert eine Partnerschaft zwischen der axpo und Greenpeace? Von Partnerschaft findet sich auf den Webseiten keine Spur, auch nicht unter www.axpo.ch/energiedialog. Und das Jubiläum von Greenpeace Schweiz hat keinen prominenten Platz auf www.greenpeace.ch.

Grundsätzlich finde ich es sympathisch, wenn eine Organisation die Konkurrenz oder den politischen Gegner respekt- oder humorvoll behandelt. Diese Gratulation wirkt aber aus der Luft gegriffen: Das Greenpeace-Jubiläum ist bisher kein Thema gewesen; es fehlt der Aktualitätsbezug. Auch sprachlich ist es irreführend.  «Ein gemeinsames Ziel verfolgen» liegt nahe bei «gemeinsam ein Ziel verfolgen». Dabei handelt es sich in diesem Fall eher um «das gleiche Ziel».

Ich bin gespannt, ob weitere axpo-Inserate folgen.

Blogger im Profil: sprainTV

sprainTVManuel Reinhard schreibt nicht bloss Textbeiträge für seinen Blog sprain’s. Wöchentlich produziert er einen Internet-Newsclip der sich gewaschen hat.

Der Berner Webentwickler berichtet in zwei- bis dreiminütigen Videos aus dem Schweizer Webdschungel. Seine Antworten auf unsere klassischen drei «Blogger im Profil»-Fragen:

Warum blogst du?
Als Webentwickler bin ich vor allem aus technischem Interesse zum Bloggen gekommen. Über Jahre habe ich meinen Blog öfters mal vernachlässigt, dann wieder reaktiviert, mal geliebt, mal verflucht. Im Oktober 2009 habe ich eine neue berufliche Herausforderung angenommen: Im Ideenlabor !flabs darf ich mit grossen und kleinen Ideen spielen und beobachte, wohin sich die kleinen Geister, die ich da anstossen darf, bewegen. Im Rahmen eines solchen Experiments entstand die erste Folge von sprainTV, dem wöchentlichen rasanten Blick auf das Schweizer Internetgeschehen. Die Sendung stiess auf grosses Echo und wird deshalb bis auf Weiteres regelmässig produziert und in meinem Blog veröffentlicht.

Welches ist deine wichtigste Blog-Erfahrung?
Denke nie, du kennst deine Leser! Oft schon habe ich etwas gebloggt und erwartet, dass es Kommentare und Reaktionen hageln wird – nichts geschah. Andererseits erhalten Beiträge Resonanz, bei welchen ich nie damit gerechnet hätte. Bloggen erfordert deshalb viel Ausdauer und Freude. Sich über scheinbare Misserfolge aufzuregen lohnt sich nicht. Deshalb blogge ich meist auch nicht berechnend. Ich schreibe, was mich gerade beschäftigt und interessiert – oft auch, um sicher zu sein, die Infos später selbst wiederzufinden. Wenn’s dann auch noch Andere interessiert machts umso mehr Spass.

Was ist dein grösster Blogwunsch?
Toll wäre es, wenn sprainTV noch eine ganze Weile weiterleben darf. Momentan profitiere ich von grosser Unterstützung aus der Blogosphäre. Diese wird wahrscheinlich irgendwann abklingen. Vielleicht zeigt ja eines Tages ein Verlag oder ein Portal Interesse an dem Format und möchte es unterstützen?

Mein Fazit
Was SprainTV ganz zuerst einmal ist: enorm kurzweilig. Wohl durch den rassigen Schnitt, die originelle Bebilderung und den witzigen Kommentar wird der Clip zu einer unterhaltsamen Zusammenfassung des Webgeschehens. Das Format erlaubt nicht allzuviel Tiefgang – kann aber Anstösse geben um selber tiefer zu graben. Eindrücklich ist die aufwändige Machart. Wenn ich weiss, wie viel Zeit nur schon ein Textbeitrag kostet… Ich wünsche ihm und uns, dass er sich diese vielen Stunden auch künftig nehmen kann.

sprainTV, 5. November 2009 from sprain on Vimeo.

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