Kutiman mixt exzellent neu zusammen

ThruYOU KutimanWenn eigenständige Musikvideos neu zusammengemischt werden, entsteht das Musik-Projekt ThruYOU. Und klingt, als ob sie zusammengehören.

Kutiman ist ein israelischer Musiker, Komponist und Produzent. Für sein Online-Musik-Video-Projekt ThruYOU sammelte er Musikvideos auf You Tube und mischte daraus sieben neue Lieder. Beim Anhören kann ich kaum glauben, dass sie nicht gemeinsam entstanden sind – genial wie er die einzelnen Sequenzen mischt. Am besten gefällt mir Lied Nummer 3 «I am New»: geniale Vielfalt der Musikrichtungen. Nicht nur die Töne, sondern auch die Bilder spielen exzellent zusammen.

Für mich ist das Projekt ein schönes Beispiel dafür, was mit Web 2.0 möglich ist.  Zudem gefällt mir die Internetseite, wobei Kutiman die Quellangabe You Tube ins Layout miteinbezieht. Digitaler Globalisierung sei Dank.

PR-Symposium Bern: Kommunikation in Krisenzeiten

pr_suisse Vertrauen und Glaubwürdigkeit als Erfolgsfaktoren für die Kommunikation in «Krisenzeiten»?  Zum Ausdruck brachten die sechs Referent/innen des PR-Symposiums vor allem ihre kommunikative Grundhaltung.

Erstaunlich zahlreich folgten die Schweizer PR-Kräfte der Einladung des PR-Berufsverbandes SPRG. Das Programm war vielversprechend. Vorweg; sie wurden nicht enttäuscht. An meinem Twitter-Liveticker lässt sich der Puls des Nachmittags recht deutlich ablesen. Hier die Höhepunkte aus meiner Sicht und in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Oswald Sigg, Publizist, ehemaliger Bundeshaussprecher
«La Suisse existe. La crise n’existe pas.»
Nach einem inhaltlich einwandfreien, wenn auch ein wenig trockenem Auftakt von Alt-US-Botschafter Alfred Defago («Das politische System ist auf das solide Mittelmass ausgerichtet – das unterstützt ein aktives Krisenmanagement nicht.») brachte Oswald Sigg das Schmunzeln in den Saal. Mit viel Bodenhaftung hinterfragte er Krisenkonzepte und stabsmässig geübte Kommunikations-Szenarien. Ganz zuerst gelte die Verfassung («Der Bundesrat informiert die Bevölkerung rechtzeitig und umfassend…») und darauf aufbauende Verfügungen. Diese seien einfach und forderten unmissverständlich eine einheitliche, frühzeitige und ganzheitliche Kommunikation. Und ganz am Schluss soll man sich nicht immer fragen, WIE etwas zu kommunizieren sei, sondern in erster Linie WAS. Wie heisst’s im Web? Content is King!

Larissa Alghisi Rubner, Head Communications Managem. UBS
«Wenn man nicht plakativ sein kann – besser schweigen. Es gibt heute medial wenig Platz für Grautöne und Differenziertes.»
Die UBS-Kommunikations-Spezialistin Alghisi sprach nach Avenir Suisse Chef Thomas Held und sprang kurzfristig für ihren Kollegen Michael Willi ein. Sie machte das hervorragend. Entgegen aller Lehrbuchmeinungen sprach sie sich für eine gewisse Vorsicht aus im Umgang mit Transparenz und Öffentlichkeit. Die Medien seien nicht auf die Lösung von Problemen aus, sondern auf die Zelebrierung von Konflikten und Kontroversen. Alghisi sprach engagiert, kurzweilig und anregend. Das wünscht man sich von PR-Schaffenden.

Paola Ghillani, Beraterin
«Don’t ever think a small group of conscious and dedicated people can’t change the world – in fact this is the way it always happens.» Margaret Mead
Die gelernte Apothekerin Ghillani machte sich unter anderem einen Namen mit der Profilierung der Stiftung Max Havelaar. Am meisten beindruckten mich ihre fünf (kommunikativen) Grundsätze – die wohl auch oder gerade in der Krise gelten:

  • der Mensch ist das Ziel
  • Taten statt Worte schaffen Vertrauen und Glaubwürdigkeit
  • Arroganz vermeiden
  • nicht in die Defensive gehen
  • If you can dream it, you can do it

Den Abschluss machte auf äusserst humorvolle Art der Philosoph, Publizist und Persoenlich-Kolumnist Ludwig Hasler. Er schloss mit einem Einstein-Zitat, welches wohl genauso auf PR-Menschen wie auf Physiker zutrifft:

«Ein Physiker der nur von Physik etwas versteht,
versteht auch nichts von Physik.» Albert Einstein

Das Internet wird 40

global_communicationQuadratisch, praktisch und gut ist eine Technologie, die vierzig Jahre Entwicklungszeit hatte: Das Internet. Aus Anlass des 40-jährigen Geburtstags zeigt der Guardian spannende Hintergründe und Videos über die Entwicklung von 1969 bis heute.

Was mag das sein? So beschreibt der Guardian das Internet:

Age: 40.
Appearance:
Flat, rectangular; dimensions vary.
What is it?
An unquantifiable ocean of free-flowing data; a boundless virtual universe that in many respects closely mirrors our own world, but with a lot more porn.
What is it really?
A bunch of computers hooked together.

(Mehr Text unter «It’s 40 years old, but how much do you know about it?»)

Erster Datenaustausch vor 40 Jahren
Vor 40 Jahren bastelten ein paar Wissenschaftler in Kalifornien an der Vernetzung von Computern und legten den Grundstein für das heutige Internet. Am 29. Oktober 1969 werden erstmals Daten zwischen zwei verschiedenen Orten ausgetauscht: zwischen der Universität von Kalifornien, Los Angeles, (UCLA) und dem Stanford Research Institute in Menlo Park, Kalifornien. Das Netz bricht aber nach den ersten beiden Buchstaben des Wortes «logon» zusammen. Heute, 40 Jahre später, steigt die Zahl der weltweiten Internet-Nutzer auf mehr als 1,5 Milliarden. In China alleine sind über 250 Millionen und damit erstmals mehr als in den USA.

guardian.co.uk: The internet at 40

So startet der Guardian die interaktive Geschichte des Internets – natürlich im Internet. Und angepasst an das heutige Benutzerverhalten: wenig Text, viel Bildmaterial und Querverlinkungen zum Durchklicken.

Mehr Text, weniger Bilder und trotzdem gut ist auch folgender Artikel zum Thema: «Das Internet steht vor der Midlife Crisis» auf spiegel.de.

Nachtrag: Was wäre, wenn das Internet an nur einem einzigen Tag entstanden wäre? Die erste E-Mail kommt in Deutschland zwar noch vor der Frühstückspause an, aber bis Facebook und MySpace gegründet werden, dauert es bis nach Einbruch der Dunkelheit … Gerade entdeckt: Geschichte des Internets an einem Tag.

Marcel Bernet | 27.10.2009 | Medien, Tools

Kindle-Test: Quadratisch, praktisch, unübersichtlich

kindle_kurztestSeit einer Woche spiele ich mit Amazons E-Book, das nun auch international verkauft wird. Hier die wichtigsten Erfahrungen aus dem Kurztest, samt Bildern und Video.

Das Fazit vorneweg: Ich werde die FAZ weiterhin auf Papier lesen. Auch das getestete Fachbuch habe ich mir gestern in Papierform nachbestellt – Bildschirmseite für Bildschirmseite erhalte ich einfach viel zu wenig schnell den Durchblick auf das Wesentlichste. Für ein von Anfang bis Ende gelesenes Buch kann ich den Kindle empfehlen. Weil er sehr schnell und bequem geladen ist (auch in der Schweiz, ohne Zusatzkosten), wenig Platz einnimmt und weil das Gerät handlich, schön und batteriesparsam ist. Aber die E-Books müssen auf alle Fälle noch besser werden. Gekostet hat der Kindle International übrigens 259 USD.

Handlich, schön, flach
Schon die Verpackung ist gelungen – so steht zum Beispiel auf der Karton-Aufreisslasche «Once upon a time…». Und das gelieferte Gerät funktioniert tadellos, auch in der Schweiz samt Wireless-Sofortverbindung. Unbemerkt sind das schon vorher bei Amazon bestellte Buch, die ersten Ausgaben der FAZ und der WirtschaftsWoche auf dem Kindle geladen. Auch mit dem Aufladen konnte ich noch eine ganze Weile warten – dazu brauchts übrigens einen Steckeradapter, geliefert wird nur ein US-Stromkabel.

Wer sich sechs Minuten Zeit nimmt, kann die wesentlichen Punkte der ersten Testwoche im folgenden Kurzvideo mitverfolgen. Wer lieber liest, der findet meine Haupterkenntnisse samt Screenshots im Nachgang.

Bildschirmlesen wie in den Anfängen des Internet
So sieht das Inhaltsmenu meines Kindle aus – noch ist ganz wenig draufgeladen: Social Media Bible als Fachbuch, die Frankfurter Allgemeine, My Clippings mit selbst gespeicherten Auszügen aus Inhalten, die WirtschaftsWoche, die Kindle Bedienungsanleitung und der New Oxford American Dictionary. Der kommt gratis mit und liefert zu jedem (englischen) Wort eine Erklärung. Der Bildschirm ist gut lesbar, mir ist der Kontrast von (leicht gräulichem) Hintergrund zu Schrift stark genug – bei genügend starker Fremdbeleuchtung. Im Halbdunkel liest sich das Gerät schlecht.

kindle_inhaltsverzeichnis

So ein Inhaltsverzeichnis ist kein Problem – hat ja alles auf einer Seite Platz. Echt schwierig wirds beim Fachbuch, da darf ich mich durch sechs Seiten durchblättern. So kann ich mir kein Gesamtbild des Buchinhalts machen. Und hier steckt für mich das Kernproblem des Kindle: Zu kleiner Bildschirm, zu wenig Infos pro Seite. Es kommt mir vor wie in den Anfängen des Web, vor 13 Jahren. Kleine Bildschirme, wenig Info pro Seite. Und Bildschirmlesen ist halt immer: Seite nach Seite.

kindle_faz_inhalt_artikel

Wenn ich im Kindle-Inhaltsmenu auf die FAZ klicke, wird einfach ein erster Artikel dargestellt, siehe rechtes Bild. Darunter führt ein Link «View Sections List» auf die links eingeblendete Inhaltsübersicht. Wenn ich da zum Beispiel «Wirtschaft» wähle, dann steht wieder einfach der erste Artikel da – anstatt eine Gesamtsicht der Wirtschaftsbeiträge, zu meiner Auswahl. So mag ich Zeitung nicht lesen. Gut, dass man die Zeitungs- und Magazin-Abos innert der ersten 14 Tage kostenlos annullieren kann. Ab heute versuche ichs mal mit der New York Times. Amazon gibt auch an, dass im Moment nur die amerikanischen Medienerzeugnisse mit Bildern ausgeliefert werden können.

Wireless problemlos, kein Surfen, keine Blogs
Man merkt gar nicht, dass der Kindle Online ist – er ist es einfach. Das ist wirklich sehr angenehm, keine Einrichtung, keine Zusatzkosten. Wenn man dann auf einen Link klickt, davon hats zum Beispiel in der Social Media Bible eine ganze Menge, dann öffnet sich ein Browser-Fenster. Mit der Meldung, dass aufgrund «internationaler Restriktionen» leider kein Surfen möglich sei. Den Weg zurück auf die eben verlassene Buchseite finde ich leider nur über das Kindle-Inhaltsmenu.

Amerikanische Blogs preisen auch Kindle-Versionen an. Meine Recherche auf Amazon zeigt, dass wir Europäer noch keine Blog-Inhalte bei Amazon für eine Kindle-Publikation anmelden können.

Abwarten und Papier geniessen
Für oder gegen den internationalen Kindle sprechen nach dieser Testwoche:

kindle_pro_contra

Ich freue mich darauf, die Social Media Bible in Händen zu halten. In zwei Sekunden werde ich wissen, was ich lesen will und was nicht. Randnotizen und Seitenhinweise werde ich schneller reinkritzeln, als sie mit der seltsamen Kindle-Tastatur erfasst sind.

Stiefelwerfen ist Einweg-Kommunikation

StiefelwurfBauern der Gewerkschaft Uniterre bewarfen Bundesrätin Doris Leuthard in Saignelégier mit Stiefeln. Aus Kommunikationssicht war das Symbol gut gewählt, die Aktion aber nicht zu Ende gedacht.

Der Schuhwurf nach Präsident Bush hat den irakischen Journalisten Muntaser el Saidi 2008 berühmt gemacht. Schuhwerfen ist eine deutliche und eher ungefährliche Sprache. Bei der Inszenierung geht es ums Werfen, nicht ums Treffen.

Deswegen fand ich das Symbol (Land-Gummistiefel?) gut gewählt. Den Punkt vergab die Uniterre aber wieder: Weil die Bauern es so weit trieben, dass Leuthard ihre Rede abbrechen musste und weil sie das Gesprächsangebot ablehnten. Beides bringt ihnen in der Öffentlichkeit keine Sympathien.

Der Käseolympiade im Jura hat es immerhin Medienresonanz gebracht.

Das spezielle Webcomic: Romantik in der Drehung

angular-momentumZum Wochenabschluss hier mit einfachem Strich gezeichnete Romantik. «xkdc» heisst die Seite für Webcomics «of romance, sarcasm, math, and language».

Ganz unvergleichlich finde ich diese ultrakurzen Strichwerke. Hier das wunderbare Gedicht um den «romantischen Drehmoment». Der Text alleine wäre schon Ausdruck genug.

angular_momentum

Danke an Pongo Zimmermann und Gerda Müller für den Hinweis in ihrem Blog. Auf der xkdc-Website gibt es übrigens – ganz unten – eine Linkliste mit weiteren Webcomic-Entdeckungen.

Jack Wolfskin: Wasserglassturm bringt Learnings

Jack Wolfskin_logoDer deutsche Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin hat in kürzester Zeit seiner (Web-)Reputation deutlich geschadet. Mit einer Abmahnaktion sorgte er in der Social Web-Community für viel Geheul. Darauf war er – und sein Mediencorner – nicht vorbereitet.

Die Geschichte ist kurz und einfach: Einer der grössten Outdoor-Artikel-Hersteller Europas verklagt Kleinunternehmen die ihre Produkte mit einem Tatzenmuster versehen via Abmahnung auf mittelgrosse Geldbeträge. Auch Hobbybastler bekamen Post von den Anwälten. Der Aufschrei via Social Media’s (Google Blogsearch) war gehörig und schwappte – wie das halt so läuft – in die Online-Medien über (Die Zeit, Spiegel-Online, TAZ). Jack Wolfskin hingegen zeigte sich unbeirrt – und hielt ( rechtlich gesehen wohl korrekterweise) am Markeneigentum fest. Das Rudel heult weiter: Unaufhaltsam steigt die Anzahl Blog-Kommentare und Tweets.

Hohe Schwelle für (Social) Medienschaffende
Sicher haben einige Medienschaffende, Blogger oder ganz einfach Interessierte auf der Wolfskinschen Website ein Statement gesucht. Fehlanzeige: Der Pressecorner ist mit Passwortschutz verriegelt.

jack wolfskin_mediencorner

OK – kurz ein Passwort angefordert und ich bin drin. Denkste. Zwar muss in einem Online-Formular die ganze Personalie angegeben werden. Ein Dialog wird damit aber nicht ausgelöst: «Ihre Anfrage wird beantwortet». Ich habe gar keine gestellt, sondern bei «Ihre Frage:» einen Platzhalter gesetzt. Weil ich lediglich im Pressebereich das Communiqué lesen wollte (hier via Werbeblogger).

Die Lehren aus dem Wasserglas-Orkänchen
Für uns PR-Schaffende gibts zweifelsfrei ein paar Schlüsse daraus. Eigentlich sogar recht viele – hier ein Auszug:

  • KEINE LOG-INs bei Mediencornern
  • Unterschätze die Kraft der Social Medias nicht
  • Pflege deine Web-Reputation – gerade als Anbieter von Konsumgütern

Die Geschichte ist gerade mal eine Woche alt – die Auswirkungen sind beachtlich. Der Wikipedia-Eintrag über das Unternehmen wurde bereits angepasst. Auch die Online-Börsen haben reagiert und nutzen das Skandälchen und die vielen Suchanfragen für ihre Google-Adwords Kampagnen. Hier der Text unter dem Online-Artikel der Zeit:

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IT-Luftblasen 2009: Nur zwei von acht werden nicht platzen

IT-Luftblasen 2009Alles alter Wein in neuen Schläuchen? Ernst zu nehmen sind Business Intelligence und (Desktop-)Virtualisierung. Nur heisse Luft sind dagegen Enterprise-mash-ups und Social Software, sagen IT-Experten.

Im September habe ich über den Hype-Cycle von Gartner geschrieben, der regelmässig die IT-Trends bewertet. Im Trend 2009 sind Cloud Computing, Social Software und Green IT. Sind diese Technologien ernst zu nehmen oder nur Luftblasen? Sehr aufschlussreich finde ich dazu die Perspektive von IT-Experten. Laut einer Umfrage unter 311 IT-Freiberuflern und 39 Projektanbietern sind nur zwei von acht IT-Trends wirklich ernst zu nehmen:

  • Business Intelligence (Automatisierung des Reportings)
  • (Desktop-)Virtualisierung (lokales Ausführen von Desktop- oder Server-Anwendungen)

Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und warum gerade diese Technologien mehr als heisse Luft sind, erklärt der Artikel Umfrage-Ergebnis: IT-Luftblasen 2009.

IT-Luftblasen 2009

Gemischte Gefühle bei Cloud Computing und Green IT
Cloud Computing ist für die meisten Umfrageteilnehmer nicht viel mehr als ein Marketing-Buzzword. Überraschend finde ich, dass Green IT so schlecht bewertet wird – dabei ist grüne Informatik aus ökologischer Sicht eine Notwendigkeit. Green IT unterstützt Massnahmen, um ein IT-Produkt über den gesamten Lebenszyklus hinweg so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten und nutzen. Konkrete Massnahmen sind beispielsweise der Einsatz energiesparender Prozessoren, Klimamanagement in Serverräumen und Virtualisierung von Servern sowie die Weiterverwendung der Komponenten und der Recyclingfähigkeit alter Rechentechnik. Dabei stehen nicht immer ökologische Interessen im Vordergrund – auch ökonomische Gesichtspunkte (Kosten sparen) und die Möglichkeit, sich als verantwortungsbewusste Firma zu vermarkten, spielen ebenso eine Rolle.

Und wie halten Sie es mit Social Software?
Erstaunt hat mich auch, dass rund zwei Drittel der IT-Spezialisten Enterprise 2.0 und Social Software – Beispiele sind Twitter, Weblogs und weitere Online-Communities – für nicht zukunftsrelevant halten. Eine Begründung bleibt uns der Artikel Umfrage-Ergebnis: IT-Luftblasen 2009 schuldig. Gemäss der Analysten von Gartner jedenfalls kommt in naher Zukunft kein Unternehmen an Social Software vorbei. Bottom-up statt Top-down sei der grosse Vorteil der Enterprise 2.0: Das Wissen und die Erfahrungen aller Mitarbeiter werden durch sie nutzbar, und das eröffnet dem Unternehmen bessere Entwicklungschancen. Microblogging – wie zum Beispiel über Twitter – ermöglicht Gartner zufolge neue Formen eines schnellen, geistreichen und einfachen Austauschs. Was ist Ihre Meinung?

Mehr zum Thema im bernetblog:

Hype-Cycle: Verliert Facebook den Reiz?, 08.09.2009
Was ist eigentlich: …Cloud Computing?, 11.09.2009

Twitter-Tipps: Wie erreicht man Follower?

twitter_voegel_grosskleinWer zwitschert, der will gelesen werden. Für den Weg zu möglichst vielen Followern gibts eine ganze Kiste voll unglaublicher Tricks.  Robert J. Moore hat auch die fiesesten davon getestet.

Die Frage stellt sich bei allen Anwendungen des Social Web: Wollen Sie möglichst viele oder möglichst relevante Kontakte? Wer ganz oben stehen will auf den Hitparaden, die es natürlich auch für Twitterer gibt, der will möglichst hohe Zahlen. Bei den deutschen Twittercharts gehts los mit 66′000 Followern, Philip Hetjens versucht bei seinem Pilotprojekt die Swiss Twittercharts mit einem Algorhythmus etwas schlauer zu machen – so, dass nicht nur die Follower alleine zählen.

Die Lebenskurve der Follower-Statistik
Ich selbst stehe mit 474 Abonnenten noch ganz am Anfang der unten dargestellten Dynamik. Bei den ersten Tausend folgt ein Plateau, das man nur mit inhaltlich glaubwürdigen Posts überwindet – und dem Gewinn eines Promi- oder Guru-Status. Meint Robert J. Moore aufgrund seiner Analysen für die USA. Moore verbindet praktische Tipps mit einer detaillierten Analyse. Und das ist auch sein Hauptgeschäft – RJMetrics verkauft Anwendungen für die schnelle Analyse grosser Datenbestände.

twitter_follower_rjmetrics

Erster Schritt: Gute Twitterer auslesen und followen
Jede Twitter-Karriere beginnt mit intelligent ausgewähltem Verfolgen von anderen. Dabei lese ich mir Personen aus, die an meinen Tweets interessiert sein könnten. Weil sie in Zürich zu Hause sind, in der Schweiz. Oder weil sie sich für Medien, Kommunikation, PR interessieren dürften. Oder mich schon persönlich kennen. Die Basis aller weiteren Erfolge legt man mit den ersten Followern. Und die holt man sich am besten bei den Personen, die einen bereits kennen.

Ein schlechter Trick: Folge mir, dann folge ich dir
Es gibt einen interessanten Automatismus bei Twitter, der schamlos genutzt wird: Folge vielen, dann folgen dir viele. Man kann das sogar mit Hilfsprogrammen automatisieren: Jeder neue Follower wird automatisch gegen-abonniert. Drum schaue ich mir immer an, wie das Verhältnis von Followers zu Following, also Abonnenten und selbst abonnierten Tweets aussieht. Das ist dann für mich einer der Faktoren, um die Autorität des Absenders zu beurteilen. Lebt er oder sie vor allem von automatischen Followern? Oder von bewussten Abonnenten?

Echter Dialog braucht Zeit
Moore unterscheidet FreeFollowers (bewusste, freiwillige Abonnenten) und ReFollowers (automatische Abonnenten). Er hat drei Twitter-Tipps und sieben Twitter-Anwendungen beschrieben und vergleicht die dafür eingesetzte Zeit oder dabei entstandene Kosten – hier die Auswertung:

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Zwölf Minuten setzte Moore ein für jeden freiwilligen Follower mit Topical Tweets – das heisst mit Beiträgen zu aktuellen Themen samt gängigem Hashtag (mit dem #-Zeichen versehene Schlagworte im Tweet, siehe Twitter-Leitfaden). Denn nach solchen Hashtags wird in Twitter-Suchmaschinen gesucht, so finden Personen zu den eigenen Tweets, die wirklich an diesen Themen interessiert sind. Auch hier gilt: Kurzfristig kann ich meine Follower massiv erhöhen, wenn ich über ein News-Thema schreibe. Bloss: Passt dieses Thema auch wirklich in mein redaktionelles Konzept? Langfristig wird diese Frage entscheidend sein.

Sieben Minuten investierte Moore durchschnittlich, bis sich jemand aufgrund von direkten @-Tweets bei ihm als Follower registrierte. Und zehn Minuten dauerte es bei Posts über gerade aktuelle Promis. Na ja, die passen überhaupt nicht in mein Twitter-Konzept. Okay, vielleicht müsste ich mehr über Steve Jobs schreiben?

Schlaue Programme mit schlechter Absicht
Auf den nächsten Positionen folgen interessante Twitter-Anwendungen. Wer die Beschreibungen liest, lernt Interessantes – deshalb hier nochmals der Artikel-Link. Ich staune über die Möglichkeiten, Twitter-Konti nach Stichworten automatisch in Hunderterblöcken zu abonnieren, sie ebenso automatisch nach sieben Tagen wieder raus zu werfen, falls sie mich nicht rück-abonnieren. Oder andere Tricks, die aus meiner Sicht schlussendlich nichts bringen. Ausser eine hohe Follower-Zahl. Und irgendwann ein völlig verkorkstes Twitter-Universum, wo sich alle gegenseitig automatisch oder gegen Bezahlung abonnieren. Aber die Abos eben gar nichts aussagen.

Kurzfilm: Vom Bleistift zum Web 2.0

Digital ethnographyDer Anthropologe Michael Wesch erforscht den Einfluss neuer Medien auf die menschliche Interaktion. In seinem Film «The machine is us/ing us» beschreibt er die Entwicklung von der Bleistiftnotiz zum Web. 2.0.

Der Film wurde in der Blogosphäre ohne Ausnahme (ich habe jedenfalls keine gefunden) gelobt. Ich schliesse mich dem Lob an. Allerdings habe ich zum Kommentar von Jan Johannsen bei der netzwelt.de einen Einwand:  Tags sind im Internet-Dschungel nicht einfach unsere rettenden Wegweiser. Unsere Sprache/n bietet/en unzählige Möglichkeiten Dinge zu benennen. Und damit unzählige Möglichkeiten Dinge zu suchen. Der taggende Mensch stellt nur ein paar Wegweiser mehr in seiner Sprache auf.

Und weil mir das Laden des Films als embedded object für diesen Blog heute fast nicht gelingen wollte, ist es eindeutig: The machine was using me.

Mac oder Mostindien: Markenstreit um den Apfel

ApfelDer Kanton Thurgau wirbt mit einem Apfel – passt ja zu Mostindien. Ob es Absicht war, mit dem Apfel Apple herauszufordern und den Thurgau ins Gespräch zu bringen?

Mir gefällt die Thurgau-Kampagne und ich habe nicht an Mac gedacht, als ich auf dem Perron im Bahnhof Stadelhofen einem Plakat gegenüberstand. Aber ich habe hingesehen, mich gefragt, um was es geht. Wenn es vielen so geht, ist ein Plakat/Inserat erfolgreich.

Es lässt sich darüber streiten, wie ähnlich der Thurgau-Apfel einem Mac-Apfel ist. Und den Apfel im Bikini haben wir auch schon als Kartoffel gesehen. Aber muss man den Apfel jedes Mal anders erfinden?

Apfel II

Dass Apple bei Äpfeln empfindsam ist, zeigt sich beim Woolworth-Logo. Die Diskussion um Plagiat oder nicht Plagiat ist im Gange, auch auf fontblog.de. Meine Meinung ist klar: Wer von allen Vorteilen eines Ursymbols wie dem Apfel profitiert, kann dieses nicht für sich beanspruchen. Warum freut sich der Computer-Hersteller nicht einfach, wenn die Leute vor lauter Mac den Apfel nicht mehr sehen?

Apfel III

Ein Apfel ist ein Apfel war ein Apfel.

Dominik Allemann | 15.10.2009 | Medien

Der neue Blick: das sagt die Schweiz dazu

Blick_Logo_2Positiv aufgenommen wurde er, der neu gewandete Jubiläumsblick – 50 Jahre feierte er  gestern und sein neues Grossformat. Stimmen aus dem Meinungswald.

«Die Feierstimmung im neuen «Blick» liess keinen Platz für aufregende Geschichten über Kriminalfälle, Sex oder Politik. Neu darf auf Seite 1 jeweils eine junge Frau nackte Haut zeigen, wobei das alles – gemessen an den heutigen Sitten – ziemlich züchtig wirkt.»
Neue Zürcher Zeitung NZZ

«Im Gegensatz zu «Bild» in Deutschland hat «Blick» weder die Regionalisierung noch die «line extension» (Markenerweiterung in Richtung Frauen, Sport, Computer, Auto …) geschafft. Aber noch immer ist er eine der stärksten Medienmarken der Schweiz. Jetzt hofft das reife Geburtstagskind dem Altern zu entgehen, indem es sich als Dachmarke eines Verbunds mit Abend-, SonntagsZeitung und Online aufstellt. Der Erfolg ist möglich, aber unsicher. Wie fast alles in der Medienwelt.»
Karl Lüönd in 20Minuten

«Was der neue alte Blick nun verzogen hat, ist eigentlich ein “no brainer” und wusste jeder der sich mit Marketing und Medien beschäftigt. Weshalb Ringier so lange zugewartet hat und Experimente mit Tabloid und “linkem” Boulevard Journalismus gemacht hat, ist schon ziemlich unverständlich.»
Leserkommentator Urs Jaermann auf nzz.ch

«hab mir heute im #coop ein #blick gekauft – find das neue format voll gut – beim inhalt hat sich nix geändert, tja.»
Twitter-Kommentar von @FLOG

«Früher, und ich meine wirklich früher, war das Layout klar und prägnant. Der Inhalt auch. Heute ist es bunt und flauschig. Adjektive, die leider auch auf den Inhalt zutreffen.»
Leserkommentator Thomas Engeli auf persoenlich.com

«Diese Rückkehr ist ein Akt der Verzweiflung: Dem «Blick» geht es elend. Seine Leser altern, seine Inserate wandern ins Internet. Dieser Misserfolg ist die Strafe für den enormen Erfolg: Mit 50 Jahren Mord, Sex und Cipollata-Prominenten hat der «Blick» überzeugt. Alle, die früher die Nase rümpften, haben gelernt. TV, Presse, das Netz: Sie alle kümmern sich breit um das rohe Leben.»
Constantin Seibt im Tages-Anzeiger

Allenthalben also recht gutgemeint, die Beurteilungen der neuen alten Zeitung. Ich bleibe auch nach Ausgabe 2 bei der enthusiastischen Prophezeiung von 10% Wachstum in Jahresfrist. Wir bleiben dran…

Dominik Allemann | 14.10.2009 | Medien

Der neue BLICK: Zurück in die Zukunft

Blick_Logo_2 Der Blick – DAS Schweizer Boulevard – schmeisst sich in ein neues Kleid. Und ist zu seinem 50. Geburtstag wieder ganz der Alte.

Kann man sich über etwas freuen, was nicht wirklich überrascht? Was daher kommt wie etwas, das man schon 1′000-mal gesehen hat ? Der neue «alte» Blick zelebriert all das wieder, was in vergangenen Jahren über Bord geworfen wurde: das Zeitungslayout, das Seite-3-Girl und den alten Stil mit «Unfällen, Prominenten, Sex & Crime». Laut Ringier Schweiz Geschäftsführer Marc Walder bewege man sich damit wieder zurück zum Kern der Marke BLICK (SF 10vor10, 13.10.09).

Wie sieht er aus?
Erstaunlich konsequent in der Rückbesinnung. Neu und modern wirken die grossen Panoramaseiten, auf welchen in beiden Bünden die Stories grossflächig gefahren werden. Das kommt dem Boulevard entgegen. An die Seitenränder drapiert sind die Rubrikenspalten; News, Kommentar, Eliane (Sexberatung), etc. – das ganze natürlich sehr bunt und wenig aufgeräumt. Aber daran werden sich Stammleser/innen gewöhnen.

Was steht drin?
Neben dem versprochenen deutlich boulevardeskeren Stil fällt vor allem der wieder ausgegliederte und gestärkte Sportteil auf. Perfekt natürlich das Timing für diese Erstausgabe – grad vor dem Spiel des Jahres heute Abend in Basel (bin schon nervös – Block G1, Reihe 1, Platz 24!). Während Tagi und NZZ den Sport im Wirtschaftsteil verstecken, wird er hier richtig zelebriert. Das freut den Fan. Ansonsten lässt sich die Erstausgabe schwer kritisieren. Titelbild und die ersten drei Folgeseiten (sowie die Seite 15 mit einem Rückblick auf alte Tage) sind dem eigenen Geburtstag gewidmet.  Deutlich zu erkennen sind bereits die markigen Schlagzeilen («Jammerbriefe aus dem Knast» vom Lucie-Mörder, «Das Wunder von Korsika – zum Glück war er am Knüppel»). Man darf gespannt sein.

Fazit und Prognose
Der Blick ist noch immer die auflagenstärkste Bezahlzeitung der Schweiz. Und wird es – meiner Beurteilung nach – auch bleiben. Ich behaupte hier sogar, dass er einen Aufwärtstrend schaffen kann von den heute 215′000 (1986 hatte er noch 380′000!) gegen 240′000 in Jahresfrist – wir werden sehen.

So retro dieser aufgewärmte Blick daherkommen mag: Er hat für die kommenden Jahre den wichtigen (Retour-)Schritt gemacht. Sowohl für das Anzeigengeschäft, wie auch für die Abos – und im Falle des Blicks vor allem für den Kioskverkauf – ist ein klares Profil unabdingbar. Und ein solches hat sich das Blatt in den letzten 50 Jahren aufgebaut.

Twitter Community Schweiz: Viel Bewegung on- und offline

TwitterEs ist Zeit, hier wieder einmal eine Lanze zu brechen für die sympathische Schweizer Twitter-Community (gibt es DIE Schweizer Twitter-Community?). Da ist nämlich einiges an Bewegung drin. Ein Team rund um Pixelfreund organisiert beispielsweise noch im Oktober einen exklusiven Sportevent…

Als aktiver Mitleser und lernender Zwitscherer begegnen mir die engagiertesten Schweizer Twitterer immer wieder. Und sie sind innovativ: organisieren TwitterBier (zum Beispiel eine Oktoberfest-Version), ein Trashgolf-Turnier im Bündnerland oder – ganz saisonbewusst – ein #twildessen (10.11., mehr dazu folgt hier). Den Coup landet aber im Moment unser Pixelfreund (sein Gast-bernetblog-Beitrag erschien hier kürzlich). Am 24. Oktober (12h – 18h) veranstaltet er im wiederauferstandenen Mysterypark in Interlaken das…

segwaylaubblserpolomysterypark_1_thumb

(Bildquelle: Mysterypark/pixelfreund.ch)

Charmant an dieser Idee ist die Kombination: Segways sind diese drolligen Zweirad-Steh-Fahrzeuge (Google-Bilder) die man sich einfach partout nicht im Alltagsgebrauch vorstellen kann. Und Laubbläser (dito) sind laut, offenbar gesundheitsgefährdend und aus dem Alltag von Hausmeistern (s. YouTube-Film, via Pixelfreund) und Stadtreinigern nicht mehr wegzudenken. Leider. Aber die Verbindung tönt nach Spass. Und hätte ich am 24.10. nicht schon eine Verpflichtung – ich wär glatt dabei als Fan (die Mitspielerplätze waren ratzfatz weg).

Die Organisatoren nennen das «gelebtes Crowdsourcing». Beeindruckend ist für den PR-Menschen tatsächlich, wie in kürzester Zeit etwas (was auch immer) online entstehen kann und offline dann – dezentral und vernetzt – organisiert wird. Und für einige Beteiligte (namentlich Mysterypark, Segway, Stihl-Laubbläser) könnte das doch sogar zu einem ganz netten «viralen» Effekt führen.

Das «SSLP» ist natürlich vorbildlich und integriert vertreten in den Social Media:
bei Facebook, Flickr und Twitter

Mashup: Kitzbüheler Alpen netz-authentisch

Frau Holles Welt

Die Touristiker der Kitzbüheler Alpen betreiben neben einer konventionellen Webseite die Plattform «Frau Holles Welt». Hier werden laufend Informationen Dritter aus und über die Region zusamengestellt.

Die Infos stammen aus Blogs, Social Networks oder aus den Medien. Die Themen reichen über den touristischen Standard hinaus: Wer nicht mehr für den Skihersteller Atomic arbeitet und wer Hansi Hinterseer entdeckt hat. Ein Velofahrer sucht einen Zeitmesser und auf Flickr sind zwei Sportwagen in Kitzbühel zu sehen oder die Brass Connection Tirol.

Etwas umständlich ist der Name www.frauholleswelt.at. (War «www.frauholle.at schon besetzt?) Positiv  fällt mir auf, wie viele Einträge das heutige Datum tragen – auf der Seite tut sich was. Technisch werden die Infos alle 15 Minuten automatisch aktualisiert. Wie lange die menschengemachte Selektion dauert, weiss ich allerdings nicht. Für mich sind die ungeschönten Infos aber eine gute Ergänzung zum «Reiseprospekt» auf www.kitzalps.com.

Marcel Bernet | 09.10.2009 | Dies & Das

Zensekunden Grossmünster Zürich

sigmar_polke_kirchenfenster_grossmuensterDie neuen Sigmar Polke-Glasfenster im Grossmünster sind sehr sehenswert. Und ich hab wieder mal ein schönes Zen-Sujet gefunden.

Hie und da mach ich zehn Sekunden kurze Filme, die eher in sich ruhen, als sich zu bewegen. Drum nenn ich die Dinger Zensekunden. Diesmal musste ich mit meiner Fotokamera übers Sujet fahren, denn es zeigt sich im Hochformat. Der deutsche Künstler Sigmar Polke (Wikipedia) hat 12 Fenster neu gestaltet, Projekthintergründe auf der Seite des Grossmünsters. Seit dem letzten Wochenende sind sie zugänglich, drei Jahre dauerte die Umsetzung dieses Projekts in hergebrachter Glastechnik.

So war wohl Beamer-Gucken im 13. und 14. Jahrhundert, als das Grossmünster erbaut wurde: Die Lichteinstrahlung in die aus den dunkeln Mauern herausragenden Farbbilder erscheint wie eine moderne Grossbildprojektion. Der Stillstand der Bilder und die Stille in der Kirche intensivieren die Betrachtung. Mir gefällt das Zusammenspiel von moderner Grafik, historischem Kirchenschiff und den bestehenden Glasfenstern von Augusto Giacometti. Die strahlen übrigens am Vormittag am stärksten – den Sündenbock Polkes habe ich wegen der Nachmittagssonne ausgelesen.

Blog-Abos – eine Geschichte für sich

endoftunnelkleinWer vermisst die bernetblog-Wochenschau? Wer ärgert sich über nicht bestellte bernetblog-Mails? Wir kämpfen immer noch mit der Technik. Hat jemand Tipps für das Spam-Problem?

Vor einigen Wochen haben wir eine neue Wordpress-Version installiert. Dieses geniale Gratisprogramm ermöglicht uns schnelles Publizieren, Vernetzen und Diskutieren. Wegen eines Sicherheitsproblems war der Update unausweichlich. Und jetzt spinnt eines der bisher problemlosen Zusatzprogramme für die Verwaltung unserer Mailabos.

Wochenschau oder Sofortmeldung?
Wir wollen vorbildlich sein. Deshalb haben wir Zeit und Geld in eine Lösung investiert, die sehr komfortabel ist: Mail-Abonnenten können zwischen einer Wochen-Zusammenfassung oder sofort zugestellten Beiträgen wählen. Bisher ging das, jetzt haut uns das Zusatzprogramm die Adressen wild von einer Abo-Variante in die andere, und zurück. Zuerst wollten wir weg von der Wochenschau – sie wird von vielen Topblogs, die wir uns angeschaut haben, nicht mehr geboten. Alle setzen auf Sofortbenachrichtigung, meist mit Feedburner oder Feedblitz aufgesetzt.

Wir glauben: Wählen ist besser. Das kostet uns zwar mehr – und unsere Abonnenten kostet es grad Nerven. Aber es passt. Ich selbst habe die New York Times als Wochenabo, das Wall Street Journal mit einem täglichen Themenmix abonniert. Und Twitter ist keine Alternative für alle Abonnenten – denn hier landen die Sofort-Benachrichtigungen im nur kurz sichtbaren, stets bewegten Fluss aller abonnierten Twitter-Meldungen.

Wir bleiben dran. Mit Twitter, RSS, E-Mail wöchentlich oder sofort.

Spam ist mühsam
Heute morgen hatte ich gar eine Meldung von GoogleDocs im Spam-Ordner – wohlbemerkt läuft dieses E-Mail-Konto über Google. Und genau so geht es uns mit den Bestätigungs-Mails, wenn jemand den Blog oder unseren Newsletter abonniert: Schon die landen oft im Spamfilter. Und der Abonnent wundert sich. Und wir verlieren ihn. Dass dann die abonnierten Beiträge ebenfalls abgeblockt werden, hören wir immer öfter.

Auch hier arbeiten wir bei Google an einer Optimierung. Natürlich können uns Abonnenten in eine Whitelist aufnehmen (wenn sie eine pflegen) oder die Mail-Adresse in ihrem Adressbuch erfassen (welches mit dem Mailprogramm verknüpft sein muss). Aber das ist aufwändig.

Wir bleiben dran. Hat jemand eine Ideal-Lösung?

Marcel Bernet | 07.10.2009 | Medien

Amazon gibt Gas: Kindle kommt in die Schweiz

amazon_jeff_bezos_kindle_reutersSchon Ende Oktober soll es das Kindle E-Book in Europa geben, dank einer Kooperation mit ATT. Ich hab mal eins bestellt. Die Auslieferung ist auf 21. Oktober versprochen – und die Inhalte?

Im deutschen Mediendienst kress habe ichs heute erstmals gelesen, dann auf Spiegel Online und schliesslich auf der Amazon Homepage. Jeff Bezos lädt die Kunden weltweit ein, einen Kindle zu bestellen. Das sieht dann so aus:

amazon_startseite

Die FAZ als erster deutschsprachiger Inhalt
Da wird auch klar, dass erst englischsprachige Bücher verfügbar sind – mittlerweile 250′000. Und als erstes deutsches Produkt die Frankfurter Allgemeine Zeitung.  Wow, ich gratuliere dem Verlagsleiter Tobias Trevisan für diesen Scoop – siehe übrigens blogsofa-Interviews vom Januar 2009 (Teil 3, Was müssen Journalisten können).

ATT als Roaming-Partner
Wie schon in «Amazon oder Apple – wem gehört die E-Book-Zukunft?» beschrieben: Entscheidend sind erstens ein gutes Gerät und zweitens die Vertriebsplattform für die Inhalte. Wie schon bei iPod und iTunes. Bezos hat mit dem Kindle das im Moment beste Gerät, dicht verfolgt von Sony. Amazon hat die Inhalte und als Vertriebspartner für den drahtlosen Download der Inhalte eine Generalvereinbarung mit ATT. Die kümmern sich dann Land für Land um die Roaming-Partnerschaften.

Endlich ein Kindle in der Schweiz
Natürlich habe ich mich sofort in die Tiefen der Amazon-Kindle-Infos gestürzt. Voilà – auch für Switzerland gibts Infos: Das Ding soll laufen, es kommt mit einem US-Stecker (kann ich verkraften) und über Zölle und so weiss man noch nicht Bescheid.

amazon_switzerland

Wie ists mit den spezifischen Wireless-Bedingungen für die Schweiz? Hier erscheint eine Welt-Übersichtskarte. Aha, die Schweiz ist drauf, Zürich bekommt eine 3G-Abdeckung.

amazon_coveragemap_zurich

Wird ATT mit der Swisscom zusammenarbeiten? Werde ich Ende Oktober ein Gerät erhalten ohne Download-Möglichkeiten? Ich habe schon mal vorbestellt und bin gespannt.

Jetzt gehts los mit E-Books
An der Frankfurter Buchmesse wird Sony sein neustes Gerät präsentieren (FastCompany Kurzporträt), sie arbeiten mit der Buchhandelskette Thalia und Google zusammen. Ich bin weiterhin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren eine grobe Umwälzung des Leseverhaltens erleben werden. Auch wenn ich ein Papierstreichler bleiben werde: Gewisse Zeitungen, Fachhefte und Fachbücher werden elektronisch zu mir gelangen.

Nachtrag 1: Tagi-Online-Interview zum Thema mit Peter Hogenkamp.
Nachtrag 2: Die FAZ ist seit über zwei Jahren dabei im Programm mit Amazon USA – um Erfahrungen zu sammeln. Und hat dort 100 Abos verkauft, wie mir Tobias Trevisan per E-Mail mitteilt.

Lieblings-Mashup: Wie viel Poesie verträgt Twitter?

TwitterÜber den Blog netzwertig.com bin ich auf die Poesie von Twitter aufmerksam geworden. Twyric ist ein kleines Mashup, das die poetische Seite von Twitter erkundet.

Die Internetseite Twyric (Twitter + Lyric = Twyric) sammelt Tweets, die mit Hashtags wie #gedicht, #haiku, #lyric, #limerick, #poem, #poesie versehen sind. Kombiniert werden die Tweets frei assoziativ mit Fotos von Flickr. Die Idee dahinter gefällt mir gut. Sei es für poetische Momente während der Arbeit – für mehr Poesie als 140 Zeichen reicht die Zeit häufig nicht – oder um das Englisch aufzufrischen. Zwar sind die lyrischen Tweets theoretisch in allen Sprachen denkbar, aber Englisch ist mit wenigen Ausnahmen die Lingua franca. Die Geschwindigkeit der Tweet- und Bildwechsel kann gesteuert werden. Und die Poesie lässt sich auch als Screensaver einrichten.

Seltene Perlen
Längst nicht jeder Beitrag ist wahre Lyrik, vieles nicht einmal ansatzweise lyrisch. Aber das Auffinden versteckter Perlen – gerade in der Kombination mit den Fotos von Flickr – macht umso mehr Freude. Aufgefallen sind mir diese Kurzgedichte:

Cold rainy morning
Sparrows splash in shallow puddle
I put on sweater

The shallow waters
Of a mediocre life
Never make a wave.

Morgensonne
Ein Tag bittet um Einlass
Der Abend wartet schon.

Genau. Der Abend wartet schon, darum bleibt auch keine Zeit für eigene Einträge ins Poesiebuch – zum Vorteil der Leserschaft, glauben Sie mir.

Marcel Bernet | 06.10.2009 | Medien

Die Zukunft des Online-Journalismus: Vorwiegend gratis

stacheldrahtDas neue Mantra der Zeitungsverleger heisst: Schluss mit Gratis. Sonst sei bald Schluss mit Journalismus. Wer hat Gratis erfunden? Wohin führen Bezahlmauern?

Das böse Internet bringt Dinge kostenlos ins Haus, für die man früher bezahlt hat. Und erst noch viel besser sortiert als früher – aber mehr darüber am Schluss dieses Beitrags. Der Winkelried des Bezahl-Webs heisst Rupert Murdoch. Im August 2009 hat der Medienmogul die Einführung von Bezahlmodellen für seine Online-Besitztümer angekündigt; seither getrauen sich viele Verleger wieder, ins selbe Horn zu tuten. Gerade wieder am letzten Freitag John Riding, Chef der Financial Times, im Guardian: «Bezahlte Inhalte sind die einzige Rettung für den Journalismus». Ich behaupte: Wer anfängt mit Bezahlmodellen, stürzt sich selbst ins Aus.

Qualität kostet. Wieso gibt es Gratiszeitungen?
Qualität kommt von Qual, meint Wolf Schneider, deutscher Vorbildjournalist und Buchautor. Er bezog sich damit auf die Herausforderungen des Schreibens und Redigierens. Zu diesen Kosten gesellen sich die Mieten der meist sehr zentral gelegenen Verlagshäuser, Administration, Marketing, Technik, Druckmaschinen, Distribution. Zeitungen sind sehr teuer. Deshalb gibt es auch wenige, kapitalkräftige Verleger. Und weil Zeitungen so teuer sind (stimmt, das ist eine hämische Einleitung), haben die Verleger die Gratiszeitung erfunden. Die gibts seit 1995, da war das Gratis-Internet noch keine Zeitungsbedrohung.

Gratis gibt man immer dann etwas weg, wenn man damit auf andere Art und Weise mehr Geld machen kann. Im Falle der Gratiszeitungen sind es die Werbekunden, die nach Auflage bezahlen. Und damit in der Schweiz 20Minuten zu einer Geldmaschine gemacht haben. Andere haben mit dieser Idee hohe Verluste eingefahren. Im Detail auch zu lesen bei Kurt W. Zimmermann, ex-Chefredaktor grosser Schweizer Medien, heute Südtiroler Verleger, Verlagsberater, Kolumnist – und Autor von «War’s das?» im lesenswerten neuen NZZ-Folio (wo noch alle Inhalte Online verfügbar sind, siehe dazu auch Interview mit Folio-Chefredaktor Daniel Weber).

Spiegel Online schreibt gratis schwarze Zahlen
Wenn ein Verleger mit Gratis mehr Leser erreicht, dann kann er mehr für die Werbung verlangen. Das gilt auch im Web. Deshalb schreibt Spiegel Online seit 2005 einen Gewinn. Und Chefredaktor Rüdiger Ditz mag in einem SonntagsZeitungs-Interview vom 30. August auf keinen Fall der Vorreiter für bezahlte Inhalte sein. Ob er die Gebührenpflicht bei Spiegel-Online noch erleben werde? «Für den gesamten Auftritt? Nein, das glaube ich nicht.» Für bestimmte Applikationen schon, so kostet der Zugang zur E-Paper-Ausgabe schon heute.

Rund die Hälfte der Leser dank Google
Das erwähnte SonntagsZeitungs-Interview ist nur über das bezahlte Archiv zugänglich. Deshalb ist das Original hier nicht verlinkt. Und das führt zu einer Problematik, welche die ganze Gratis-Web-Geschichte wesentlich verschärft. Denn dieses Interview ist im Netz nicht auffindbar, keine Suchmaschine wird je einen Leser dorthin führen. Und damit nicht den Traffic auf SonntagsZeitung.ch erhöhen. Und dadurch die Werbe-Einnahmen des Verlegers nicht erhöhen, seine Reputation für interessante Inhalte nicht stärken. Am meisten schmerzen wird das erste «nicht». Google ist schon heute eine der wichtigsten Traffic-Quellen für Online-Medien. Schon im August 2008 schrieb meedia.de: «Bei Focus Online liegt die Zahl der User, die über Google kommen, derzeit schon bei 45 Prozent, Tendenz steigend.» Wollen Sie wirklich einen Zaun um Ihre Online-Inhalte bauen, Herr Burda? Ankündigen tut ers seit 2002, wie dieser (offen zugängliche) Handelsblatt-Artikel zeigt.

Drei neue Spielgregeln des Web
Vergessen wir kurz, dass die Verleger selbst im Printbereich zu den Erfindern von Gratis zählen. Online-Inhalte bringen schwierige neue Dimensionen ins Spiel:

1. Jeder kann mitmachen: Die Eintrittshürden liegen tief – die Produktion ist günstig, die Distribution kostenlos. Es braucht nur noch Grips fürs Schreiben. Klar, man kann auch abschreiben.

2. Alle Inhalte sind sichtbar: Plötzlich wird sehr transparent, dass wir nichts anderes als eine Inhalts-Überkapazität haben. Es werden viel zu viele Inhalte hergestellt und im Markt angeboten. Bei so viel Angebot ist das Finden noch offener Spezialisierungs-Nischen eine riesige Herausforderung. Und man kann nicht mit einem Preis in einen derartigen Markt einsteigen. Wie sagt sogar John Riding in seinem Guardian-Interview, welches mit dem Ende des Journalismus durch Gratis-Inhalte droht? «The FT luxury magazine ‘How to Spend It’ will launch online this weekend, but there will be no charge while it builds critical mass.»

3. Inhalte sind suchbar, sortierbar, abonnierbar, aggregierbar: Ausser man versteckt sie hinter Bezahlmauern. Das eröffnet neue Möglichkeiten fürs leserorientierte Zusammenstellen von Inhalten.

Das Meiste bleibt gratis, wo sind die Extras?
Meine Prognose: Wir werden weiterhin einen Überfluss an Online-Inhalten haben, mit hoher Qualität. Die Konsumenten werden nur bereit sein, für Extraleistungen zu bezahlen. Soche Extras sind benutzerdefinierte Zusammenstellungen, mobiler Zugriff, automatische Meldungen. Hier öffnen sich mit der weiteren Entwicklung von intelligenten, mobilen Endgeräten neue Chancen. Bezüglich leserfreundlicher Zusammenstellung geht Google mit FastFlip voran. Dieser Service bringt Inhalte verschiedener Quellen auf den Bildschirm oder aufs iPhone – wobei dort der Bildschirm aus meiner Sicht noch zu klein ist. Ich habe mir eine Suche nach «Public Relations» eingerichtet. Wenn ich auf diese Startseite gehe, erhalte ich die aktuellsten Beiträge aus amerikanischen Magazinen oder Zeitungen in übersichtlicher Form. Interessanterweise hat Google den beteiligten Verlegern erstmals ein Bezahlmodell für die derart aggregierten Inhalte vorgeschlagen.

Bezahlmauern sind Selbstmord
Diese Extraleistungen dürfen aber nicht dazu führen, dass Inhalte für Suchmaschinen versteckt bleiben. Mit diesem Stacheldraht schaufeln die Verleger weiter an ihrem eigenen Grab. Mögen Sie dieses Mantra noch hören? Bezahlt, sonst nehmen wir Euch den Journalismus! (Und bitte nehmen Sie noch einen Blick am Abend.)

Zusammenstellung von Standpunkten schon im August im medienspiegel
Interessanter Aufsatz zum Wert von Inhalten «The Price of Freedom»

Weiterführende Artikel bei bernetblog:
Glaubwürdigkeit und Rendite-Modelle amerikanischer Medien

Interessantes Beispiel einer regionalen Online-Zeitung in Graubünden

Newsablauf Online bis Print: Lieber schnell als richtig?

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