Web 2.0: Ich unterbreche, also bin ich

fischspringtauswasser«Cogitus inerruptus» titelte die NZZ am Sonntag kürzlich. Wie oft lassen Sie sich unterbrechen? Kaum sind wir im Netz, regt sich die Versuchung.

Der Berner Physiker und Philosoph hat sein Essay am 31. Mai in der NZZ am Sonntag veröffentlicht. Für mich einer der anregendsten, praktischen Beiträge in der immer wieder anlaufenden «Das-Web-lenkt-ab»-Diskussion. Mir wurde wieder mal klar, wie ich mich selbst verhalte. Und dass der Bildschirm eine sehr verlockende Büchse der Pandora ist, ein Eingang mit tausend Toren zu unglaublich viele Möglichkeiten.

Multitasking mit gesetztem Anker
Seit meinem Einstieg in Twitter beginnt der Tag mit einem kurzen Blick auf Tweetdeck. Dieses Programm erleichtert wie viele andere das Lesen, Beantworten und Durchsuchen der Kurznachrichten. Aha, hier ein interessanter Link, nur kurz anschauen. Oooh, das muss ich mir merken, ich lese nachher weiter oder schreibe gar einen Blogbeitrag dazu. Aber jetzt doch zuerst die Mails anschauen, die sind ja viel wichtiger. Aber eigentlich wollte ich doch heute morgen die Präsentation schreiben. Na ja, zuerst Mails checken muss sein. Ah – da poppt was Neues auf auf Twitter und jemand aus dem Büro sendet mir eine Sofortnachricht.

Sie alle könnten ihre eigene Multitasking-Kurzgeschichte veröffentlichen. Was gibt es für Gegenstrategien? Aus meiner Sicht nur eine: Sich immer wieder in sich selbst verankern. Das ist extrem schwierig im Büro, am Bildschirm. Und aus dieser inneren Verankerung, mit Distanz, bewusst Prioritäten setzen. Sich mal ausklinken. Einfach gesagt, schwierig umgesetzt, ich weiss.

Technikprägung bewusst machen
Eduard Kaeser ergänzt meine bisherige Sicht um eine interessante Betrachtung: Abschalten alleine ist keine Option. Geräte richten ab auf Gewohnheiten. Und die bleiben selbst dann, wenn ich das Gerät ausschalte.  «Technik ist eine Lebensform, die uns prägt bis in die verstecktesten Nischen der Seele.» Diese Prägung erfolgt unbewusst. Es geht darum, diese Prägung bewusst zu machen, meint der Autor.

Das erinnert mich daran, dass ich in beschleunigten Phasen oft zum Büro rausgehe und sofort überlege: Wen könnte ich jetzt noch schnell anrufen, bis ich zu Hause bin? Anstatt ganz bewusst im Jetzt zu gehen, Bäume zu sehen, Vögel zu hören. Ich muss diese fünf Tipps zum Abschalten aus unserem Newsletter wieder mal lesen.

Ein Kommentar zu Web 2.0: Ich unterbreche, also bin ich

  1. Fabienne schrieb:

    Eine zeitlang habe ich mir eine Liste mit meinem geplanten Tagesablauf ins Büro gehängt, damit ich Gewohnheiten ändere. Eine davon war zuerst mindestens 2 Stunden produktiv zu arbeiten, bevor ich überhaupt Twitter, Facebook und Emails anschaue.

    Auch die Zeit im Zug probiere ich bewusst für die Erholung zu nutzen. Kein Handy und kein Notebook.

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