Journalisten im Internet: E-Mail im Vormarsch

zeichen_schreibmasch1Nächste Woche veröffentlichen wir die dritte Studie zum Internet-Verhalten der Schweizer Medienschaffenden. E-Mail setzt sich in den Vordergrund – Alternativen bleiben trotzdem wichtig.

Wir stecken mitten im Feinschliff für die Publikation der Ergebnisse, die am nächsten Mittwochabend in Zürich-Oerlikon exklusiv präsentiert werden. Die Studie wurde im Mai abgeschlossen und erfasst eine repräsentative Stichprobe der Schweizer Medienschaffenden aller Sprachregionen, mit Fokus auf aktuellen Informationsjournalismus.

Auch Pressemappen lieber elektronisch
Interessant ist bei einigen Fragen der Vergleich zu den Vorstudien. Ich erinnere mich gut daran, wie ich noch vor der ersten Erhebung empfohlen habe: Einladungen zu Pressekonferenzen sollten schriftlich erfolgen. Weil eine gedruckte Einladung eine ganz andere Wertigkeit hat als ein schnelles E-Mail. Aber schon 2005 wünschten sich knapp 70 Prozent der Befragten elektronische Einladungen. Und jetzt springt dieser Anteil auf klare 93 Prozent. Am grössten ist der Zuwachs bei den Pressemappen: 69 Prozent bevorzugen eine elektronische Zustellung, 46 Prozent ein Couvert. 2005 war das Verhältnis noch umgekehrt: Nur 32 Prozent für E-Mail, 66 Prozent für Briefpost.

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RSS marginal, Twitter inexistent
Die Grafik zeigt, das Papier für Einladungen und Pressemappen eine gewisse Attraktivität behält. Und dass der Fax bei Medienmitteilungen und Einladungen noch existiert, mit rund 5 Prozent der mehrfach möglichen Erwähnungen. RSS fristet ein sehr karges Dasein, Twitter als Abo-Möglichkeit existiert noch nicht in der Schweizer PR-Szene.

Praxis: Nur den Link versenden, Papier gezielt einsetzen
Elektronische Pressemappen werden zum Speicher-Killer, wenn sie gleich im Anhang versendet werden. Deshalb versenden heute die meisten PR-Stellen nur den elektronischen Link zur Online-Dokumentation. Die holt man sich ganz nach Gusto, was dann auch zu weniger Altpapier führt.

Ich bin davon überzeugt, dass Papier wichtig bleibt; für ausserordentliche Medienkonferenzen, spezielle Anlässe mit einem besonderen Rahmenprogramm. Damit macht man den Empfängern natürlich das An- oder Abmelden schwieriger – deshalb will der Einsatz gut überlegt sein. Auch ich will einfache Einladungen zu Anlässen elektronisch, mit einem Klick bin ich dabei oder die Meldung ist gelöscht.

Praxistipp: Online-Viewer für Publikationen

issuuMöchten Sie im Web Dokumente veröffentlichen, die dann auch bezüglich Ästhetik und Usability (umblättern etc.) hohen Ansprüchen genügen? Issuu bietet gute Funktionalität, Vernetzung und je eine Gratis- und eine Pro-Version.

Typisch Internet: Wie man Filme (YouTube, …) oder Bilder (Picasa, Flickr, …) Online abbildet, weiss jedes Kind. Wie man aber Printprodukte aufs Web bringt, ist nicht so geläufig. Mir sind zwei Programme dazu bekannt: Sehr verbreitet ist Scribd.com, mir gefällt aber issuu deutlich besser. Es hat mich nicht verwundert, dass ich bei der Suche nach einem Anschauungsbeispiel auf das Schweizer Greenpeace-Magazin gestossen bin. Die NGO ist in der Online-Kommunikation oft eine Nasenlänge voraus:

Dass gerade NPO’s mit einer derartigen Plattform arbeiten, macht Sinn. Die Publikation dient neben der schönen Ästhetik und der guten Usability nämlich auch der Vernetzung und Verlinkung. Die Pro-Version (19$ monatlich) ist werbefrei und beinhaltet zusätzliche Möglichkeiten fürs Branding einer eigenen Seite. Auch eine gewisse «Privacy» (Nutzerfeld einschränken), Musikunterlegung und Archivfunktion sind drin.

Ohne oder gegen Social Media?

Schiefertafel

Aus (der) Stein(-zeit) ist die Schiefertafel meiner Nachbarn. Ihr Herz am Hauseingang erinnert an die Zeit als Notizblöcke neben der Türe zur aufgeschlossenen Wohn- oder Familiengemeinschaft gehörten.

Wer schaut heute noch irgendwo vorbei ohne vorher eine SMS zu schicken oder sich über Facebook zu verabreden? Mit der Ausbreitung dieser Plattformen hat auch die Kritik an ihnen zugenommen. Zufällig bin ich heute auf drei Anti-Filme gestossen:

Auf Twitter zielen LePost und Twitter Cops. Ein fröhlicher Protestsong ist die Facebook Hymne.

Dabei müssen wir uns gar nicht auf die Dafür- oder Dagegen-Seite schlagen: Der Inhalt entscheidet, nicht der Kanal. Und der beste Kanal ist der, über den ich meine Zielgruppe erreiche.

Dominik Allemann | 26.06.2009 | Medien

The year the media died

…Singing by by to those big upfront buys, pitching my client who was pliant, but the pitch didn’t fly. And old ad Boys were drinking martinis dry, singing ‘tech has taken us for a ride, algorithms got me cross-eyed’…

Der Abgesang auf die «Medien», ein Cover des berühmten Don McLean Klassikers «American Pie»*, schwirrt seit wenigen Wochen durchs Web. Witzig, zynisch, hochaktuell.

* Das Original (hier auf YouTube) mit der berühmten Zeile «…the day the music died» verweist übrigens auf die drei legendären Opfer eines Flugzeugabsturzes am 3. Februar 1959; Buddy Holly, Ritchie Valens und Jiles Pery Richardson.

(via Kathrin Fischer bzw. Journalistenschredder)

Dominik Allemann | 25.06.2009 | Medien

Medienethik: Der Schweizer Presserat sieht schwarz

zeitungsleserDie Berichterstattung über den Mord an der 16-jährigen Lucie hat den Schweizer Presserat veranlasst, eine Stellungnahme über die ethische Verantwortung der Medien zu verfassen. Um diese wichtige und hochaktuelle Diskussion auch öffentlich zu lancieren. Gestern Mittag gabs dazu ein spannendes «Tagesgespräch» auf DRS1.

Die Aufgabe des Schweizer Presserates lautet gemäss Art.1 seines Geschäftsreglementes:
«… steht dem Publikum und den Medienschaffenden als Beschwerdeinstanz für medienethische Fragen zur Verfügung. Mit seiner Tätigkeit soll er zur Reflexion über grundsätzliche medienethische Probleme beitragen, und damit medienethische Diskussionen in den Redaktionen anregen.»

Diese Diskussion ist so aktuell wie nie zuvor. Der wirtschaftliche Druck auf die Titel ist enorm und lässt immer öfter die Ansprüche an Qualität und Ethik wie Dominosteine purzeln. Beispielsweise bei der Berichterstattung über Mord und Totschlag – seit jeher ein wichtiger und «populärer» Teil der Newspresse.

Verantwortung als Kernkompetenz
Darf oder muss aber die Identität eines Täters unbedingt mit Bild und Namen publik werden? Ja – meinen die allermeisten Schweizer Medien (ausser LaLiberté, LeTemps, Der Bund und SR DRS). Weil die Infos schliesslich von den Behörden anlässlich einer Live-übertragenen Medienkonferenz freigegeben wurden. Nein – meint der Schweizer Presserat. Die Medien hätten durchaus noch immer die Hoheit über Ihre Entscheidungen für oder gegen eine Veröffentlichung. Sie stehen nie unter einem Publikationszwang seitens der Behörden – ob eine Erscheinung nun gewünscht oder lediglich in Kauf genommen wird. Im Gegenteil: Just diese Entscheidung, die Auslese, die ethischen Berufskodizes (Links dazu) und ihre Anwendung und schlussendlich die saubere Recherche seien Existenz-Grundlagen für die «klassischen» Medien.

Ethik als Opfer des wirtschaftlichen und strukturellen Drucks
Gerade im angesprochenen Fall gab es keinen Grund zur Preisgabe der Identität: Der Täter war in Haft, stellte darum keine Bedrohung mehr dar und war geständig. Die klare Begründung für eine Zurückhaltung liegt im Recht des Täters – und sei sein Vergehen noch so verabscheuenswürdig – und seiner Angehörigen auf Privatsphäre. Die Stellungnahme betont dann schliesslich: «Auch wirtschaftlich schwierige Zeiten, strukturelle Veränderungen in der Medienlandschaft und der im Online-Zeitalter noch grösser gewordene zeitliche Druck dürfen nicht dazu führen, dass berufsethische Überlegungen hintanstehen.»

Im gestrigen Tagesgespräch auf Schweizer Radio DRS1 (Link Website / Podcast-Download 10,5 MB) sprach der Presseratspräsident Dominique von Burg klug und unaufgeregt zum Thema. Von Burg selber selber ist nicht etwa Ethiker, sondern Medienschaffender durch und durch – heute Redaktor bei der «Tribune de Genève». Und auch im Presserat selber sind neben den Publikumsvertreter auch Medienschaffende zahlreich vertreten (Übersicht Zusammensetzung). Jetzt müssen sie nur noch ihre Kolleg/innen in der (Chef-) Redaktionen und die Verleger – und schlussendlich auch uns Medienkonsumenten mit dem Ethikvirus infiszieren. Von Burg leistete im Radio seinen Beitrag.

Wie erreicht man den «Hooray!»-Effekt im Beruf?

fragen_puzzlerteileDas Internet bietet einen einfach zugänglichen Umschlagplatz für alle möglichen Produkte und Dienstleistungen. Nie war es einfacher, eine Geschäftsidee umzusetzen. Bleibt die Frage: Welche Tätigkeit macht glücklich?

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle über Sinnhaftigkeit geschrieben. Immer wichtiger wird der Wunsch nach einer sinnvollen beruflichen Tätigkeit und Selbstverwirklichung im Job.

Der Blogger Bud Caddell hat ein einprägsames Mengendiagramm erstellt, wie man den «Hooray!»-Effekt im Beruf erreicht:

What consumes me

Das Geheimnis liegt in der Schnittmenge aus Tätigkeiten, die man gerne macht, die man gut kann und – ganz wichtig – für die man bezahlt wird. Der letzte Punkt ist eigentlich das kleinste Problem, wie Bud Caddell im Blog «What Consumes Me» beschreibt:

«We can’t determine how to make enough money from the things we want to do, and do really well. I’m constantly surprised at what can be monetized. And on the web, there’s a market for almost anything. But this problem requires you to rapidly iterate your positioning and the type of clients you serve. Often, we’ll get transfixed on a single direction early on (because we’re desperate to solidify our business) and we’ll miss our chance to radically experiment with the market.»

Besonders interessant finde ich die Schnittmenge aus «What We Do Well» und «What We Want To Do». Das führt unweigerlich zur Frage: «Will ich überhaupt, was ich kann?»

50 Erfolgsmodelle
Ich liebe Diagramme. Sie skizzieren sehr eindrücklich, was sonst umständlich beschrieben werden müsste. Eine ganze Sammlung solcher Visualisierungen vereint übrigens das Büchlein «50 Erfolgsmodelle». Darunter findet sich auch das «Personal-Performance-Modell», das in ähnliche Richtung wie Bud Caddell geht. Drei Fragen helfen dabei, die persönliche Arbeitssituation auszuloten.

  1. Müssen: Wie stark werden mir die aktuellen Aufgaben auferlegt oder befohlen?
  2. Können: Wie sehr entsprechen meine Aufgaben meinem Können?
  3. Wollen: Wie stark entspricht die aktuelle Tätigkeit meinem eigenen Wunsch?

Möchten Sie sich ein Bild machen? Auf der Internetseite des Verlags «Kein & Aber» können Sie im Buch blättern.

Bleibt schliesslich nur noch die Frage: Wie lernt man «Nein» zu sagen zu unliebsamen Tätigkeiten?

Sabine Betschart | 23.06.2009 | Medien

Die Schule von heute lehrt Medienkompetenz

world_friends_kleinUnsere Kinder wachsen auf mit digitalen Technologien. Darauf reagiert das Schul- und Sportdepartement Zürich und gibt zum Thema Medienkompetenz einen Leitfaden für Lehrpersonen heraus.

Über die Hälfte der 6- bis 7-Jährigen nutzt den Computer in der Freizeit, bei den 12- bis 13-Jährigen sind es 96%. In vier von zehn Kinderzimmern steht ein Fernsehgerät. Bereits ein grosser Teil der Primarschüler und -schülerinnen besitzt ein eigenes Handy. Studien zeigen: Im Leben von Kindern spielen Medien eine bedeutsame Rolle. Die Schule reagiert darauf und baut das Fach «Medienerziehung» im Lehrplan ein. Das Dossier Medienkompetenz vermittelt Lehrpersonen, in sehr übersichtlicher Form, wie Medien aktiv im Unterricht eingesetzt werden. Beispielsweise dient ein Blog als Tagebuch eines Tanzprojekts. Oder eine Klasse erstellt eine Website über ein Leseprojekt und bietet dort Podcasts an. Ziel ist die Stärkung der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern der Volksschule und das Aufzeigen von Chancen und Gefahren.

«Computer in der Schule ist heute kein Thema mehr einzelner Spezialisten und Freaks, sondern ein Thema das alle Fächer und die Schule als Ganzes herausfordert» sagt Michael Kerres, Professor für Mediendidaktik und Wissensmanagement an der Universität Duisburg-Essen in Deutschland. Seiner Meinung nach dürften die Schulen bald mit folgenden «einfachen» Fragen konfrontiert werden (Auszug seiner Stellungnahme in der Juni-Ausgabe von ph|akzente):

  • Dürfen Schüler Laptops in die Schule bringen?
  • Wo gibt es Strom?
  • Wollen wir Internet-Filter?

Als leitende Person von Kindern und Jugendlichen werden wir uns weiterhin mit den digitalen Entwicklungen auseinandersetzen müssen – gezwungenermassen.

Social Media Newsroom: do-it-yourself

pitchengine_logoEin mit Web 2.0 Funktionen «aufgepimpter» Online-Mediencorner nennt sich «Social Media Newsroom». Das Communiqué daraus «Social Press Release». Die wenigsten Unternehmen haben sich bereits 2.0-Features in den Mediencorner geholt. Ein Webtool schafft Abhilfe: pitchengine.com.

Hat man sich ein Konto bei PitchEngine eröffnet, lassen sich auf der Webplattform die Social Media Releases sehr einfach erfassen. Mit den typischen «SMR»-Inhalten:

  • Bildmaterial zum ansehen und downloaden
  • Headline, Subheadline und Volltext
  • Faktenliste
  • Stichworte/ Tags
  • Filme aus Videoplattformen
  • Weblinks

Dazu lassen sich bei PitchEngine auch noch die Kontaktdetails des/r PR-Verantwortlichen erfassen und die Beiträge können weitergeleitet/geteilt (Twitter, Facebook, E-Mail, …) werden.

Der Dienst ist einfach, praktisch – und gratis. Wo ist der Haken? Beim «Branding». Das kostet nämlich. Und – wie ich finde – noch ganz happig: 50$ monatlich oder 550$ im Jahr bezahlt man, wenn man den Auftritt mit dem Firmenlogo bestücken will. Und auch eine Archivlösung schlägt mit 35$/M oder 400 im Jahr zu Buche. Da fragt sich dann schon, ob eine «Eigenentwicklung» nicht längerfristig günstiger kommt – und sich auch nach eigenem Gusto weiterentwickeln lässt. Und der Webinhalt liegt halt quasi auf «fremdem» Boden. Wenn man irgendwie die Möglichkeit hat, wären die Inhalte auf einer eigenen Seite sicher besser versorgt. Trotzdem: das Angebot ist attraktiv umgesetzt und immer auf dem neusten Stand.

Mehr zum Thema:
«Social Media Newsroom: Best practice bei Electrolux», bernetblog, 19.05.09
«Was ist eigentlich: ein Social Press Release», bernetblog, 16.04.09

Ich ruf Polizei an! Sofort!

veloaufrufErfolgreiche Kommunikation ist persönlich, ehrlich, direkt und unmissverständlich. Alles zusammen perfekt erfüllt in diesem Beispiel. Gesehen am sonntäglichen Spaziergang beim öffentlichen Veloparking eines Freibades in Dietikon/ZH.

Trotzdem frage ich mich: Kann dieser  Aufruf des/der Bestohlenen erfolgreich sein?

veloaufruf

Australische Werbung mit Berührungseffekt

verwahrlost1

Werbung wird jeden Tag neu erfunden – wirklich Neues und Erfrischendes kommt dabei selten heraus. Gelungen ist die Kampagne für die Childhood Stiftung.

Die Werbebudgets steigen ins unermessliche und trotzdem gehen Ideen, die übertreffen, langsam aus. Wie wird die Aufmerksamkeit des potentiellen Käufers oder Interessenten auf die «zentrale» Botschaft gelenkt? Auf den Punkt gebracht haben es die kreativen Köpfe von
I Believe in Advertising in Australien (leider habe ich keine offizielle Website gefunden). In Sydney lancierten sie eine Kampagne mit Schaufensterpuppen, die verblüffend echt aussehen und Passanten schockieren oder berühren. Die Botschaft dahinter: Auf Verwahrlosung von Kindern aufmerksam machen, hinsehen und handeln. Sehen sie selbst auf dem Blog, als Video oder Bild.

Web 2.0: Ich unterbreche, also bin ich

fischspringtauswasser«Cogitus inerruptus» titelte die NZZ am Sonntag kürzlich. Wie oft lassen Sie sich unterbrechen? Kaum sind wir im Netz, regt sich die Versuchung.

Der Berner Physiker und Philosoph hat sein Essay am 31. Mai in der NZZ am Sonntag veröffentlicht. Für mich einer der anregendsten, praktischen Beiträge in der immer wieder anlaufenden «Das-Web-lenkt-ab»-Diskussion. Mir wurde wieder mal klar, wie ich mich selbst verhalte. Und dass der Bildschirm eine sehr verlockende Büchse der Pandora ist, ein Eingang mit tausend Toren zu unglaublich viele Möglichkeiten.

Multitasking mit gesetztem Anker
Seit meinem Einstieg in Twitter beginnt der Tag mit einem kurzen Blick auf Tweetdeck. Dieses Programm erleichtert wie viele andere das Lesen, Beantworten und Durchsuchen der Kurznachrichten. Aha, hier ein interessanter Link, nur kurz anschauen. Oooh, das muss ich mir merken, ich lese nachher weiter oder schreibe gar einen Blogbeitrag dazu. Aber jetzt doch zuerst die Mails anschauen, die sind ja viel wichtiger. Aber eigentlich wollte ich doch heute morgen die Präsentation schreiben. Na ja, zuerst Mails checken muss sein. Ah – da poppt was Neues auf auf Twitter und jemand aus dem Büro sendet mir eine Sofortnachricht.

Sie alle könnten ihre eigene Multitasking-Kurzgeschichte veröffentlichen. Was gibt es für Gegenstrategien? Aus meiner Sicht nur eine: Sich immer wieder in sich selbst verankern. Das ist extrem schwierig im Büro, am Bildschirm. Und aus dieser inneren Verankerung, mit Distanz, bewusst Prioritäten setzen. Sich mal ausklinken. Einfach gesagt, schwierig umgesetzt, ich weiss.

Technikprägung bewusst machen
Eduard Kaeser ergänzt meine bisherige Sicht um eine interessante Betrachtung: Abschalten alleine ist keine Option. Geräte richten ab auf Gewohnheiten. Und die bleiben selbst dann, wenn ich das Gerät ausschalte.  «Technik ist eine Lebensform, die uns prägt bis in die verstecktesten Nischen der Seele.» Diese Prägung erfolgt unbewusst. Es geht darum, diese Prägung bewusst zu machen, meint der Autor.

Das erinnert mich daran, dass ich in beschleunigten Phasen oft zum Büro rausgehe und sofort überlege: Wen könnte ich jetzt noch schnell anrufen, bis ich zu Hause bin? Anstatt ganz bewusst im Jetzt zu gehen, Bäume zu sehen, Vögel zu hören. Ich muss diese fünf Tipps zum Abschalten aus unserem Newsletter wieder mal lesen.

Wer sagt mir die Zukunft?

Die Matrix des WandelsWo man hinhört, alles spricht von der Krise. Doch was kommt danach? Viel spannender ist es darüber zu diskutieren, wie die Welt nach der Krise aussieht.

Das Zukunftsinstitut erklärt uns gerne die Welt. «Die Matrix des Wandels» heisst eine aktuelle Studie, die heute publiziert wurde. In acht Kapiteln werden die wichtigsten Veränderungen aus der Krise thematisiert. Welche Auswirkungen hat die Krise auf die Globalisierung? Wieso finden Innovationen künftig in der Privatsphäre statt? Was ist dem Konsumenten von morgen wichtig? Wieso gehen Frauen erstarkt aus der Krise hervor? Das sind einige der Fragestellungen, denen die Autoren der Studie nachgehen.

Wirtschaftskrise als reinigendes Gewitter
Die Autoren deuten die Krise als einen Beschleuniger für einen Wandel, der längst überfällig war. Wie im persönlichen Leben von Zeit zu Zeit Krisen auftreten, die eine reinigende Wirkung haben, löst auch die Krise einen willkommenen Transformationsprozess aus. Matthias Horx, Gründer und Inhaber des Zukunftsinstitut:«Krisen weisen immer darauf hin, dass in der realen Ökonomie ein Sprung in eine höhere Komplexitätsebene stattfindet.»

Leider ist die Studie nicht kostenlos. Aber das ist nicht weiter tragisch. Spiegel Online hat die wichtigsten Thesen zusammengefasst, ganz umsonst und erst noch verständlicher.

Besonders interessant finde ich folgende Entwicklungen:

  • Ikea zieht in die Stadt:
    In Städten werden viele Zonen künftig nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Die grüne Wiese wird in einigen Jahren keine wirkliche Einkaufsalternative mehr sein, weil es umweltverträglicher ist, in der Innenstadt einzukaufen. Sogar das Möbelhaus Ikea zieht in die Stadt, glauben die Autoren der Studie.
  • Schluss mit «Geiz ist geil»:
    Eine Entwicklung zu mehr Substanz und Sinnhaftigkeit im Konsum macht sich bemerkbar. Der Jagdtrieb der Konsumenten ist in den Boomjahren vor der Krise gestillt worden. Keiner braucht mehr alle zwei Jahre ein neues Sofa. Die Schubladen sind gefüllt, alle Regale überladen, alle Keller dicht. Konsumenten investieren künftig ausgewählter und bewusster, weil sich in ihren eigentlichen Bedürfnissen angesprochen fühlen.
  • Nearshoring statt Outsourcing:
    Durch steigende Rohstoffpreise und die weiter steigenden Löhne in den Schwellenländern werden viele ökonomische Prozesse re-regionalisiert. Bereits heute haben ein Viertel aller Suchanfragen bei Google einen lokalen Bezug. Sogenanntes «Nearshoring» ersetzt das Outsourcing in ferne Länder.
  • Schöne neue Arbeitswelt:
    Steile Hierarchien, behäbige Kommunikationsstrukturen und lineare Unternehmensabläufe passen immer weniger zur schnell drehenden digitalen Wirtschaftswelt des 21. Jahrhunderts. Selbstständigkeit, freiberufliche Projektarbeit, temporäre Arbeitslosigkeit oder Multijobbing werden die neue Arbeitswelt kennzeichnen.


Mehrwert in der Öffentlichkeitsarbeit

Mehr Sinnhaftigkeit und der regionale Bezug werden aus meiner Sicht auch in der Unternehmenskommunikation immer zentraler. Künftig werden wir viel stärker über die Konsequenzen unseres Tuns nachdenken (müssen). Das heisst aber auch, wir werden zwangsläufig neurotischer, immer plagen uns das Gewissen, die Verantwortungsfrage und das Nachhaltigkeitsgebot. Auch die Öffentlichkeitsarbeit durchläuft einen Transformationsprozess, Ehrlichkeit und Authentizität setzen sich durch. Sicher ist, es bleibt spannend. Auf die Zukunft!

Journalisten im Internet: Präsentation am 8.7. – Jetzt anmelden!

zeichen_schreibmasch1Die Studie steckt in den letzten Zügen: Mit dem Institut für Angewandte Medienwissenschaften IAM der ZHAW befragten wir zum dritten Mal (nach 2002, 2005) die Journalisten zu Ihrem Umgang mit dem Web. Am 8. Juli präsentieren wir die Resultate. Jetzt anmelden!

Die Studie stellen wir am Mittwoch, 8. Juli exklusiv den Mitgliedern der Zürcher PR-Gesellschaft ZPRG und des Zürcher Pressevereines vor. Der Anlass startet mit einem Referat zu den Resultaten von Studienleiter Guido Keel. Danach diskutiert eine illustre Podiumsrunde unter der Leitung von Marcel Bernet: SF-Israel-Korrespondent und Blogger André Marty (hier in unserem Blogportrait), die freischaffende Journalistin Bettina Büsser, 20Minuten-Online-Chefredaktor Hansi Voigt, SBB-Pressechef Danni Härry und Branchenexperte Franco Monti (PriceWaterhousecoopers). Zu Gast ist der Anlass bei PricewaterhouseCoopers in Zürich Oerlikon.

Hier gehts zu Infos und Anmeldeformular.
Auch Nichtmitglieder von ZPRG und ZPV sind herzlich willkommen. Anmeldung Nichtmitglieder via E-Mail an info@zprg.ch (50 CHF Barkasse vor Ort).

Die Erkenntnisse dieser Studie werden unsere alltägliche PR-Arbeit künftig beeinflussen: Welchen Stellenwert haben Soziale Netzwerke, Blogs, Twitter für die Recherche-Arbeit? Wie hoch ist das Vertrauen der Journis in Online-Enzyklopädien? Was suchen Medienschaffende auf Corporate Websites?

Ein Schmankerl vorab
Hier ein Beispiel aus der Studie: Rund ein Fünftel aller Journalisten gaben an, bereits einmal einen Artikel geschrieben zu haben, der auf Informationen aus einem sozialen Netzwerk (21,3%) oder einem Blog (19,2%) basierte. Knapp die Hälfte (44,4% Blogs, 43,2% soz.Netzwerke) haben noch nicht, können es sich aber gut vorstellen. Immerhin rund ein Drittel (36,4% /35,5%) kann sich das nicht vorstellen. Trotzdem ist hier deutlich das Potenzial von Social Media als Info- und Ideengeber zu erkennen.

Weiteres folgt in den kommenden Wochen und spätestens am 8.7. …

E-Mailings: Checkliste und Softwaretipps

e-mailUnsere Gespräche mit PR-Profis zeigen immer wieder Erstaunliches: Für E-Mailings – beispielsweise Communiqué-Versände an die Medien – werden immer noch häufig die Adressen in das «Blindcopy»-Feld gesetzt. Damit vergibt man wichtige Chancen.

Der Fax als Vehikel für den Communiqué-Versand ist wohl definitiv passé und das E-Mail damit die klare Nr. 1. Aber wie schaffen wir es, dass unsere Mailings im Wust der täglichen E-Post wahr genommen werden? Hier drei genauso einfach wie wichtige Grundregeln:

  • Absender: Wertet Empfänger/in oder Spamfilter ihre Adresse nicht als vertrauenswürdig,  haben Sie bereits verloren. Darum: Anstatt info@ wenn immer möglich Ihre persönliche E-Mail-Adresse angeben.
  • Empfänger: Kein Massenversand im An-, CC- oder BCC-Feld. Evaluieren Sie eine Software, die aus Ihrer Adress-Datenbank oder einer Excel-Liste Einzelmails mit individueller Anrede generieren und dann via das Mail-Programm versenden. Wir selber haben unsere Filemaker-Datenbank zu einem ausgefeilten System ausgebaut. Empfohlen wurde mir auch schon Supermailer, habe aber keine eigenen Erfahrungen. Auch die neue Mediendatenbank von Argus (MediaContact) bietet ein Versandtool an (bernetblog-Beitrag vom 20.3.09 dazu). Und bei Absolit gibt es eine umfassende Liste von E-Mailing-Software.
  • Betreffzeile: Abkürzungen und aneinander gereihte Grossbuchstaben in der Betreffzeile verringern die Chance der E-Mail, im Posteingang zu landen. Wählen Sie einen möglichst konkreten und informativen Betrefftext und meiden Sie bestimmte Reizworte (500% in 3 Wochen… o.ä.) und Slogans. Das betrifft nicht nur den Betreff sondern auch den Text im E-Mail-Body…

Diese Punkte sind Auszüge aus einer unserer beliebtesten Checklisten: «E-Mailing – mehr Erfolg mit E-Mail-Marketing». Wir haben Sie gerade wieder geprüft und auf den neuesten Stand gebracht. Sie steht auf der «Checklisten»-Seite unserer Website zum Download zur Verfügung.

Wichtig:
Reservieren Sie sich den den 8. Juli 2009, 18h – 21h. Anlässlich eines Events exklusiv für die Zürcher PR Gesellschaft ZPRG und den Zürcher Presseverein ZPV präsentieren dann (mit dem Institut für angewandte Medienarbeit IAM der zhaw) die neuesten Zahlen aus unserer Studie zur Nutzung des Internets durch die Medienschaffenden. Klicken Sie hier für Infos und Anmeldung.

Facebook-Seiten: Am 28. Juni nochmals früh aufstehen

facebook-logoEs hat geklappt: Mein Name ist registriert. Aber Seiten für Gruppen, Marken, Unternehmen mit weniger als 1000 Fans werden am 28. Juni registrierbar.

Heute Samstag morgen, 0610, gings los. Die Server antworteten schnell, mein Name war sofort eingetragen. Erst bei der Eingabe habe ich verstanden, dass man nur Identitäten benamsen konnte, die bereits vor dem 31. Mai registriert waren.

Gruppenseiten am 28. Juni eingeben
Gerne hätte ich eine bestehende Gruppenseite eingetragen. Aber mir war klar, mit weniger als 1000 Fans durfte ich das nicht (siehe Beitrag von gestern zu Nutzernamen auf Facebook). Beim Nachsehen der Bestimmungen entdecke ich folgenden Hinweis:

facebookgruppennamen

Das heisst also: Am Sonntag, den 28. Juni, ist nochmals ein Früheinsatz zu planen? Wir werden sehen, auf wann der Zeitgong schlägt. Aber mit meinen Gruppen-Namen kann ich es bestimmt etwas gelassener nehmen. Alle Hinweise für PR-Agenturen oder Unternehmen, die Marken betreuen, findet man auf dieser FAQ-Seite von Facebook zum Thema Gruppennamen.

So, jetzt wieder ins Bett.

Morgen 0615: www.facebook.com/ihreidee reservieren!

facebook_countdownWer seinen Namen, sein Projekt, seine Marke auf Facebook schützen will, sollte morgen Samstag früh aufstehen. Oder heute schnell ein Formular einsenden.

Ich werde am Schirm sitzen – und hoffentlich nicht allzu viele mit mir. Und hoffentlich sind die Server fit, die Bandbreiten dick. Gerade lese ich in einem vorbildlichen Beitrag von prblogger Klaus Eck, wie das ganze abläuft mit den reservierbaren Namen auf Facebook. Bisher wars ja so: Wer facebook.com/name reservierte, der war über eine komplizierte, lange Nummern-Adresse erreichbar – bei mir sieht die heute so aus: http://www.facebook.com/home.php#/profile.php?id=1588958071&ref=name. Wenn die Server mir morgen früh wohl gesonnen sind, dann werde ich für mich und Adressen bestellen, die wir dann einfach weitergeben können. Elektronisch oder auch mal auf einer Visitenkarte.

Marken schon heute per Formular beantragen
Der Run beginnt morgen um 06.01 mitteleuropäischer Zeit auf facebook.com/username, wo jetzt gerade ein nerviger, Adrenalin-fördernder Countdown läuft.

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Hach, dieses sich schnell Namen reservieren im Netz ist eine der nervigsten Begleiterscheinungen dieses Kanals. 1995 waren wir einfach einer der ersten, der an die Zukunft des Web glaubte. Das waren noch Zeiten mit vielen freien Namen und Bezeichnungen. Heute wird gehamstert.

Reservieren Sie sich alles, was für Ihre persönliche Reputation und die Reputation Ihrer Organisation oder Marken entscheidend ist. Klaus Eck weist darauf hin, dass es für Besitzer von Markenrechten ein Formular gibt, wo man Ansprüche schon heute besetzen kann. Ob das noch so schnell verarbeitet wird? Gemein fand ich es natürlich, dass Klaus Eck selbst als Meinungsmacher von facebook bevorzugt behandelt wird und schon mal seine Rechte (und die einiger Kunden?) vorbestellen konnte. Interessant auch, dass man Gruppennamen nur für Gruppen reservieren darf, die bis 31. März dieses Jahres mindestens 1000 Fans hatten: In die Startlöcher, byebyebillag! Andere Gruppen wirds in der Schweiz nicht gerade viele geben, die diese Vorgabe erreichen. Und wie wird denn das gehandhabt, wenn man eine neue Gruppe startet? Wir werdens sehen.

Nochmals der Link zu Klaus Ecks Beitrag mit nützlichen Ausführungen zur persönlichen Namenswahl.

PR 2.0: Neue Qualitäten

20Wie immer in grossen Umbrüchen geistert wieder mal ein Ende durch den Äther. Diesmal soll Schluss sein mit Konzepten. Und mit PR-Agenturen. Wir sehens anders und bleiben dran.

Wenn sich Dinge grundlegend verändern, dann darf auch das Undenkbare gedacht werden: Dass sie sich nicht nur verändern, sondern ganz von der Bildfläche verschwinden. Für uns als PR-Agentur und Berater/innen ist es wichtig, die Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit kritisch zu pflegen. Auch wenn unser Geschäftsmodell konzeptioneller Beratung und ihrer Zukunft fusst.

PR wird immer wieder totgesagt. Schon Ende 2006 titelten zwei Gastautor/innen im deutschen prblogger «Das Ende der PR-Agenturen». Mit einem Fragezeichen – um ganz am Ende doch noch Chancen zu sehen. Auslöser für den Beitrag war die Kündigung grosser Agentur-Mandate durch die mittlerweile eingestellte Lebensmittelvermarktungsagentur CMA. Ein Auszug: «Konzepte, gerade fertiggestellt, landen aufgrund mangelnder Aktualität direkt im Mülleimer. PR-Agenturen müssen noch näher ran an den Kunden. Sie müssen noch mehr kommunizieren und dürfen sich nicht hinter vermeintlich wichtigen Konzepten verschanzen. Unternehmen brauchen keine maßgefertigten Konzepte für die halbe Ewigkeit. Sie brauchen Berater, die ihnen beibringen, wie sie ehrliche Kommunikation betreiben können, um den rasanten Anforderungen der schnellebigen neuen Medienwelt gerecht zu können. Das braucht Mut, Kraft und Kondition.»

In dieser Aussage liegt für mich der ganze Widerspruch der laufenden Diskussion. Je schneller, sozialer, mitwirkender das Web wird, umso stärker wird das Ende der PR-Berater und der PR-Konzepte reklamiert. Da steckt eine Prise Wahrheit dahinter. Und trotzdem: Gerade jetzt sind klare Konzepte gefordert. Wir brauchen ganz einfach neue Qualitäten für die PR-Beratung durch Agenturen oder interne Fachstellen.

Hier mein Versuch einer konzisen, knappen Gegenüberstellung. Ich freue mich auf Echos und wir bleiben am Thema dran.

pr_beratung_201

Weiterführend:
PR 2.0: Wo sind die neuen Meinungsmacher mit konzeptionellen Anstössen im dritten Teil (Bernet_PR-Modell Idee, Inhalt, Integration)
Konzepttechnik: Anstoss in drei Schritten, aus unserem Newsletter
Getroffen: Stück für Stück oder die ganze Torte Informatiker Hannes Gassert von liip mag keine Konzepte
Auf der Suche nach dem PR-Mitarbeiter 2.0 im Mai 09 auf prblogger
PR is not dead im August 2008 bei Brian Solis

Warum lange, wenn es auch kurz geht?

lupe_on_httpDienste wie TinyURL machen lange Internetadressen kurz. Damit lässt sich auch mühelos ein Buchhinweis auf Amazon twittern. Doch was passiert, wenn ein solcher Dienst eingestellt wird?

Erst gestern wollte ich jemandem das Buch «Was würde Google tun?» von Jeff Jarvis empfehlen. Dazu schrieb ich eine E-Mail mit einem Link auf die entsprechende Buchbesprechung bei Amazon:

http://www.amazon.de/Was-w%C3%BCrde-Google-Erfolgsstrategien-Internet-Giganten/dp/3453155378/ref=sr_1_4?ie=UTF8&s=books&qid=1244401813&sr=8-4.

Dieser Link umfasst 141 Zeichen und nimmt mehrere Zeilen einer E-Mail ein. Es bleibt das Vergnügen des Empfängers die einzelnen Zeilen wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammen zu fügen. Für das soziale Netzwerk Twitter, das den Versand von Kurztexten bis zu einer Länge von 140 Zeichen ermöglicht, wären die 141 Zeichen bereits ein Zeichen zu viel.

Kürzer geht es mit kostenlosen Diensten, die für beliebig lange Internetadressen einen kurzen Alias bilden, der direkt auf die Originaladresse verlinkt. Etabliert haben sich:

Der Kurzlink auf Jeff Jarvis’ Buch zum Beispiel umfasst mit TinyURL nur gerade 25 Zeichen, kann also auch über Twitter verschickt werden: http://tinyurl.com/m2utsd. Das Buch empfehle ich übrigens allen, die noch eine Antwort suchen auf die Frage, wie man im Internet Geld verdient und wie sich Web 2.0-Anwendungen strategisch nutzen lassen.

Alias ohne Hinweis auf Ziel-URL
Apropos erfolgreich im Internet: Zurzeit bringen TinyURL und ähnliche Dienste ihren Anbietern wohl kein grosses Geld ein. So lange sie trotzdem angeboten werden, ist dagegen nichts einzuwenden. Stellt ein Anbieter den Dienst jedoch aus beliebigen Gründen ein, funktioniert der Alias nicht mehr länger und gibt auch keinen Hinweis auf die Zielseite. Glücklicherweise sind die meisten Twittereinträge und Buchhinweise auf Facebook oder per E-Mail nicht für die Ewigkeit gedacht – oder doch?

P.S.: Auf Traficmaxx habe ich gerade gelesen, dass Google von TinyURL maskierte Links trotz des verwendeten 301-Redirects nicht verfolgt und kein PageRank vererbt. Ein wichtiger Hinweis, falls Sie sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen!

Corporate Social Responsability: Vergebliche Liebesmüh?

david_vogelIst Corporate Social Responsability das Feigenblatt für globale Player? Oder ein Muss für nachhaltigen Unternehmenserfolg? David Vogel – Professor für «Business Ethics» in Berkeley/Kalifornien verdutzte beim gestrigen Auftritt in Zürich die Anwesenden.

Vogel war Gast der «MScom Excellence-in-Communications-Lecture», organisiert von der Alumni-Organisation des MScom/Lugano und dem Harbour Club. Seine Keynote-Rede – erfrischenderweise powerpointfrei vorgetragen – warf ein kritisches Licht auf den Hype rund um die Programme der «sozialen Verantwortung» von Unternehmen.

«CSR-Programme zahlen sich nicht aus!»
Vogels Aussagen verblüfften die anwesenden PR-Profis: Entgegen dem Kanon seien CSR-Programme irrelevant für längerfristigen Unternehmenserfolg. Weil die Konsumenten kaum eine Verbindung zwischen den CSR-Projekten und ihrem Kaufverhalten herstellen. Und weil erwiesenermassen engagierte Unternehmen nicht profitabler arbeiten als ihre kaltblütigen Mitbewerber – im Gegenteil. Diese provokative These beschreibt David Vogel auch im Artikel «The Low Value Of Virtue» (Harward Business Review, Juni 2005).

Soweit, so neu – weil Vogel nicht in das gleiche Horn von wegen «wer nicht mitmacht, bleibt draussen» bläst. Erfrischend waren dann die Anregungen von Thomas Scheiwiller, Partner bei PricewaterhouseCoopers und Leiter «Global Sustainability». Aus dem Gespräch zwischen ihm, David Vogel und dem Publikum blieben mir diese Aussagen besonders hängen:

Trend: Vom Storytelling zum Reporting (*s. auch Nachtrag)
PR-Profis empfehlen: «Tu Gutes und sprich darüber». Laut Scheiwiller geht der Trend aber vom Storytelling hin zum Reporting. Was heisst das konkret? Verstanden habe ich, dass in Zeiten von Corporate Governance grösstmögliche Transparenz und Offenlegung genauso wichtig sind wie Stories über die Unterstützung von Kaffeebauern oder Kinderhütedienste.
Ich meine: Gute Geschichten sind immer noch von unschätzbarem Wert – aber sie müssen wahr und authentisch sein. Gerade in Zeiten von «Naming and Shaming» via Weblogs, Twitter, Facebook und Co.

«CSR meets R&D» (Research & Development)
Gutes und erfolgreiches Unternehmertum (neudeutsch «Entrepreneurship», s. Wikipedia) erkennt neue Bedürfnisse der Gesellschaft und findet Antworten darauf. In diesem Sinne wäre die CSR-Verantwortung am besten in der Abteilung Forschung+Entwicklung eingelagert. Damit sinnvolle Engagements kongruent sind mit neuen gesellschaftlichen Trends. Beispiel: Heute sind diejenigen Autobauer im Marktvorteil, die früh genug in die Entwicklung von neuen Technologien (Hybrid etc.) investiert haben.

Strategie und Umsetzung
Noch wichtiger als bündeldicke Strategiepapiere der CSR sind unternehmensnahe (und vielleicht auch geographisch nahe) Umsetzungen. Was sind unsere Businessziele? Was tun wir für unsere Zielerreichung? Gibt es CSR-Projekte, die quasi am Wegrand warten und mitgenommen werden können? Am Schluss zählt eine starke Umsetzung.

Und schliesslich ist die ganze CSR-Geschichte Ausdruck einer menschlichen und auch unternehmerischen Grundhaltung mit einer starken Ausstrahlung auf alle Stakeholders, insbesonders auch auf bestehende und potenzielle Mitarbeitende. Diese Liebesmüh rendiert langfristig definitiv.

*Nachtrag:
Kurz nach Abschluss dieses Beitrags hielt ich eine Beilage des Migros-Magazins in den Händen – notabene mit weit über 1 Mio. gedruckten Exemplaren eine der grössten Zeitungen der Schweiz. Migros hat ihr ein 30 Seiten starkes Infomagazin «Nachhaltigkeit 2009» (PDF-Download, 6,91 MB) beigelegt. Und stark mein ich wortwörtlich: In guten Geschichten, emotional bebildert erzählt es vom Engagement des grössten Schweizer Detailhändlers im In- und Ausland. Hier wurde das Reporting im besten Sinne wieder zum Storytelling.

Vorbildliche Webseite(n) von Roche?

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Die Financial Times und das Beratungsunternehmen Bowen Craggs haben www.roche.com zur besten Website weltweit gewählt.  Die Webseite ist vorbildlich, interessant ist aber auch  ein Online-Besuch bei den Tochterfirmen.

.com und .ch-Seiten im Einklang

Zuerst zur globalen Website. Der Auftritt ist übersichtlich, der Aufbau konsequent hierarchisch, grosse Flächen sorgen für Ruhe. Vielleicht ist das manchmal stur, aber mir gefällt es. So gibt es bei Roche keine Irrwege über zusätzliche Navigationsleisten.  

Dann lande ich auf www.roche.ch. Auf der Schweizer Webseite ist der Heimatbezug spürbar. Die lokalen Standorte springen auf der Startseite ins Auge. Denn «PR begins at home» heisst für eine internationale Firma nicht nur Mitarbeitende zu pflegen, sondern auch die Heimat und die Herkunft.

Internationale Vielfalt

Was mir beim Schweizer Auftritt gefällt, nämlich die Nähe zum Design des .com-Auftritts, finde ich bei den Stichproben nicht mehr. Brasilien unterscheidet sich von Carolina, wieder anders präsentiert sich eine chinesische Roche-Webseite. In Deutschland wechselt Roche sogar die Farbe und wird grün. Meinem ersten Gedanken «Warum schafft Roche international keinen einheitlichen Auftritt?» folgen weitere:

Was ist die interne Geschichte einer Länder-Webseite? Wie fühlen sich die Mitarbeitenden damit verbunden? Auf was ist Rücksicht zu nehmen, bevor der Auftritt der Konzern-Mutter übernommen wird? Nach meiner Erfahrung wollen Töchter in Designfragen nicht vom Stammhaus gegängelt werden. Andererseits braucht es für eine Identifikation mit dem Gesamtkonzern genügend einheitliche Elemente.

Selbstverständlich sollen nicht nur Interne berücksichtigt werden, sondern auch, was Externe vor Ort von meiner Webseite erwarten. Bei uns sind «aufgeräumte» Webseiten beliebt, was den Juroren aus den USA bei Roche auch gefallen hat. Aber wie spricht der Roche-Auftritt  Chinesen, Südamerikanerinnen oder Afrikaner an? Roche hat noch Arbeit vor sich.

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