Sabine Betschart | 29.05.2009 | Medien

Mobil ersetzt Papier

zeitungsleserMobilgeräte stellen neue Anforderungen an die Schreibenden. Wird in Zukunft Gedrucktes vollständig durch Geräte ersetzt?

Ich blättere im Newsletter Flash des Verbandes Schweizer Presse und stolpere über ein anregendes Bild. Aktueller wäre das Bild, wenn einige Personen mit einem iPod «ausgerüstet» am Tisch sitzen würden.  Warum lesen wir an mobilen Online-Ausgabegeräten? Das Tempo ist schuld: Papier-Leser/-innen stehen gegenüber Online-Lesern mindestens einen Tag im Informationsrückstand.

Die Zeit kündigt im Artikel «Es war einmal» das Ende des gedruckten Buches an. Die Bücher werden in Zukunft auf allen möglichen Geräten lesbar sein, inklusive Bild und Ton. «Es wird Bestseller geben, die nie als Druckerzeugnis erscheinen» schreibt Jürgen Neffe. Ich bin überzeugt, dass das elektronische Lesen auch neue Formen des Schreibens nach sich zieht. Die Texte werden kürzer, mit anderen Webinhalten verlinkt und – interaktiv. Leserinnen und Leser bestimmen beispielsweise über den Fortgang der Geschichte.

Triathlon: Erkenntnisse für Kommunikations-Profis

triathlonAm Sonntag in einer Woche steige ich in das 19-grädige Wasser des Zürichsees. Erstmals wage ich mich über die Ironman Halbdistanz (1,8 Schwimmen, 90km Rad, 21km Laufen). Neben dem Ausgleich zur Agentur (und Familie : ) finde ich im Sport immer wieder Inspiration.

Welche Lehren können wir PR-Fachmenschen aus dem Triathlon-Sport ziehen? In der Januar-Ausgabe von Tactics, der Zeitschrift der Amerikanischen PR Gesellschaft PRSA, habe ich genau darüber eine anregende Zusammenstellung gelesen. Hier übersetzt und adaptiert durch mich die «8 Lektionen»:

Lektion 1: Alles eine Frage des Trainings
Triathleten mit zu wenig Training sind stark gefährdet, sich zu verletzen – körperlich oder mental. Gleiches im (PR-)Job. Wenn wir nicht ständig unsere Neugier stillen und ein Pensum an (Weiter-) Bildung absolvieren, verlieren wir den Anschluss. Regelmässige Trainings mit Gleichgesinnten sind befruchtend und hoch motivierend.

Lektion 2: Lerne von Experten
Wer ist schon in allen drei Disziplinen meisterlich (oder gar nur in einer)…? Beim Lernen von Spezialisten aus allen Sparten werden wir aber bessere, «komplettere» Triathleten. Und gerade in Agenturen: Im Austausch mit den Experten aus den Branchen unserer Mandate lernen wir das Wesentlichste für die Inhalte unserer Kundenkommunikation.

Lektion 3: Pass auf Dich auf
Viele Athleten sind gleichzeitig Eltern, Berufstätige, Partner und vieles mehr. Und viele sind Alphatierchen mit ehrgeizigen Zielen und dem Hang zum «Übertraining». Nie vergessen: ein ausgelassenes Training, eine halbe Stunde mehr Schlaf oder Zeit mit den Liebsten macht stärker, nicht schwächer – in Sport und Beruf.

Lektion 4: Immer hydriert bleiben
Auf meinem Tisch steht immer eine Karaffe Wasser. Abends muss sie leer sein. Mindestens. Auch im Wettkampf gilt: Egal ob durstig oder nicht – an jeder Foodstation wird verpflegt. Für das richtige Leben heisst das: Auch wenn es hektisch wird und alles andere wichtiger scheint – elementare Bedürfnisse wie ein Gespräch, eine Stunde Ruhe oder ein schöner Abend mit Freunden sind zu respektieren und können nicht rausgeschoben werden. Sonst trocknen wir aus.

Lektion 5: Mit Geduld und Respekt
Es gibt die Sprintdistanz (0,8/ 20/ 5), Olympisch (1,7/ 40/ 10), Halb-Ironman (1,8/ 90/ 21) oder Ironman (3,8/ 180/ 90). Wenig Triathleten starten mit Langdistanzen. Die nachhaltigsten Resultate erbringen jene, die mit einer gewissen Geduld und vor allem Respekt vorgehen. Alles zu seiner Zeit. Es geht auch schneller, aber auf jeder Stufe können wir von uns selber und von anderen viel lernen.

Lektion 6: Atmen nicht vergessen
Atemlos werden wir, wenn wir zu schnell starten oder einen Hügel erklimmen. Gute Athlet/innen wissen, wann und wie sie ihr Tempo regulieren, damit sie den ganzen Lauf durchhalten. Und am Schluss vielleicht sogar noch Reserve für den Schlussspurt aufbringen.

Lektion 7: Harte Steigung = rasante Abfahrt
Am Berg, auf der Passstrasse, in der strengen Wochenmitte mag es nicht danach aussehen. Irgendwann aber kommt der Gipfel, die Passhöhe oder der Meilenstein im Projekt. Und danach eine erfrischende und zügige Schussfahrt. Der Gedanke daran mobilisiert Kraft im harten Aufstieg.

Lektion 8: Kein Spass? Aufhören oder Prioritäten setzen
Wenn vor lauter Trainingsplänen, Verletzungspech und Ernährungsvorschriften die Freude vergeht, ist es Zeit für die «Gretchenfrage»: Erfüllt mein Tun noch seinen Zweck? Verfolge ich wirklich meine Ziele oder renne ich in die falsche Richtung?

Ich bin zwar nicht optimal vorbereitet – dazu war zu viel los in den letzten Wochen. Aber eine Trainingsfahrt über den Klausenpass und einige schnelle Joggings geben mir eine gewisse Sicherheit. Natürlich freue ich mich ungemein über jedes Anfeuern (Startnummer 614). Das Spektakel in Rapperswil (Details) wird gross sein.

Passend zum Thema:
«Durchhalten mit dem 4-Phasen-Programm» (bernetblog, 22.10.07)
«Murakami: Von was ich rede, wenn ich vom Laufen …» (bernetblog, 26.9.08)
«Ausdauertipps für Arbeit und Freizeit» (Anstoss-Newsletter, August 06)

Keine Angst vor dem leeren Blatt Papier

blog_schrift_fuelliMein erster Blog-Eintrag … Okay, das stimmt nicht ganz, immerhin nutze ich die Technologie bereits für eine Art Tagebuch. Ganz privat und ganz sporadisch.

Auffallend dabei: Die Anzahl publizierter Bilder ist bedeutend grösser als die Anzahl Texte. Ein Bild ist einfach schneller im Kasten oder auf dem Server als ein Text geschrieben. Nun bin ich aber beruflich gezwungen, regelmässig für Blog-Beiträge in die Tasten zu hauen – im positiven Sinne. Ich liebe es an der Sprache zu feilen und von der Recherche bis zur Korrektur des fertigen Textes ein Produkt zu schaffen, das einmalig, stimmig und persönlich ist. Ich freue mich jetzt bereits auf all die Blog-Einträge, die bald an dieser Stelle meine Gedanken und Interessen dokumentieren. Und hoffentlich nicht nur mein Interesse finden. Zum Beispiel zu interkultureller Kommunikation und ihren Fettnäpfchen, zu Reputation Management und dessen Fallstricke oder ganz praktisch zu Präsentationstechniken und Trends im Online-Bereich.

An all den Stress, Schweiss und Schreibstau, der damit einherging, denkt dann keiner mehr. Auch ich nicht. Doch auf eines freue ich mich am meisten: auf die Kommentare, die Kritik und den Dialog. Zum Blog gehört der (kritische) Austausch, häufig geben erst die Kommentare das Salz dazu. Auch in diesem Sinne: Bitte keine Angst vor dem ersten Kommentar.

Originelle Tipps gegen Schreibstau gibt übrigens Aurel Gergey. Am besten gefällt mir sein Vorschlag, vor oder beim Texten Musik zu hören, um so die Gedanken in Schwung zu bringen. Ähnlich einer Bluttransfusion übertrage sich dabei die Energie der Musik auf die Texte. Könnte funktionieren. Auszuprobieren lohnt sich auch sein Vorschlag, erst mal ein Glas Wein zu trinken und die Gedanken in neue Bahnen zu lenken. Keinen Schreibstau erlauben darf man sich bei Write Or Die. Hinter diesem Link steckt ein Tool, das selbst den grössten Schreibmuffel zum Tippen zwingt. Man wählt, wie viele Wörter man in wie viel Zeit schreiben möchte und welchen Schwierigkeitsgrad man sich zutraut. Je nach Modus läuft man bereits bei kurzen Schreibpausen Gefahr, ermahnt zu werden (Gentle), immer wieder denselben Ohrwurm zu hören (Normal) oder den bereits entstandenen Text zu verlieren – Wort für Wort (Kamikaze). Darum schnell weitertippen. Achtung, eine Kaffeepause erlaubt die Anwendung nur ein einziges Mal.

Sophie Graf | 26.05.2009 | Dies & Das

Mein persönliches Bye-bye

fischspringtauswasserBeraterin sein bei Bernet_PR heisst: viel arbeiten, viel lernen, aber auch viel lachen. Nach drei einhalb Jahren verlasse ich die Agentur. Und freue mich darauf zu sehen, wie andere so arbeiten.

Ohne Euch, liebe KundInnen, geht es nicht. Und auch Euch, lieben Blog-LeserInnen gebührt ein Dankeschön für Euer Interesse an unserer Arbeit, Eure Kommentare, Anregungen und Anfragen. Mein allergrösster Dank geht jedoch an unser einmaliges Team – unsere Zusammenarbeit, unsere hoch entwickelte Gesprächskultur und die vielen Erfolgsmomente, die wir zusammen erlebt haben.

Übrigens: Ich bleibe weiter im Dozententeam der Schreibszene Schweiz und freue mich immer wieder über bekannte Gesichter. Das nächste Seminar «Schreiben fürs Netz» ist am 9. September in Zürich. Herzlich willkommen!

Zielgruppe in der Zange

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A. Vogel spricht mit seiner WC-Kampagne nicht nur die eigentliche Zielgruppe, die Männer, an, sondern auch deren Partnerinnen.

Zuerst dachte ich, ich hätte mich in der Tür geirrt. Als Frau werde ich sicher nie Prostasan brauchen. Aber beim näheren Hinsehen fand ich es clever gemacht. Frauen sollen ihre betroffenen Partner auf das Produkt aufmerksam machen. Das gibt Sinn, denn es sind oft Frauen, die  sich um die Gesundheit ihrer Partner sorgen. Und wie man lesen kann, gehören sie zu den indirekt Betroffenen, wenn ihre Partner nachts häufig aufstehen.  

Je nach WC unterscheiden sich die Kampagnen. Der witzige Spruch «Das Schweigen der Männer» wird ausschliesslich für die weiblichen Mittlerinnen verwendet. Wie die Kampagne auf den Männer-WCs aussieht, steht in der Medienmitteilung.

Sophie Graf | 20.05.2009 | Social Media

E-Mail-Marketing: Tipps und Tricks

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E-Mail-Marketer verwenden viel Zeit in die Maximierung ihrer Adressbestände. Gleichzeitig wollen sie eine möglichst relevante, zielgenaue Kommunikation.  Wie passt das zusammen?

Segmentierung und Individualisierung sind die Stichworte, die Torsten Schwarz in seinen Praxistipps E-Mail-Marketing 2.0 als Erfolgsfaktoren definiert. Dafür braucht es eine gute Software, klare Abläufe und ein übergreifendes Marketing-Konzept. Nico Zorn nennt in seinem Praxishandbuch E-Mail und RSS-Marketing die wichtigsten Kriterien, welche eine E-Mail-Marketing-Software erfüllen muss.
«Während  klassische Werbebudgets gekürzt werden, erhöhen 60 Prozent der US-Marketer ihre Ausgaben für das E-Mail Marketing», schreibt Torsten Schwarz. Ein Beispiel: Die Telegraaf Media Groep TMG – grösste Mediengruppe der Niederlande und Marktführer bei Tageszeitungen, Radioformaten und Online-Medien –, hat 26 Titel und 4,5 Millionen individuelle E-Mail-Adressen in ihren Systemen gespeichert. Durch das Zusammenführen dieser Adressen in eine einzige Datenbank wurde der E-Mail-Versand bequemer. Und er bescherte dem Unternehmen um mehrfach höhere Erträge. Schwarz nennt die genauen Zahlen: Der Newsletter generierte sechsmal mehr Abonnenten als die Webseite, und dies einem Aufwand, der 39 Mal geringer war als die Abonnenten-Gewinnung durch die Webseite. Gutes E-Mail-Marketing scheint sich zu lohnen.

Hier unsere eigene Gratis-Checklist für mehr Erfolg mit E-Mailings.

Social Media Newsroom: Best Practice bei Electrolux

electrolux_socialmedia_newsroomGesprochen und geschrieben wird viel darüber, brauchbare Umsetzungen sind noch rar. Bereits berichtet haben wir über den gelungenen Social Media Newsroom von General Motors. Auch vorbildlich präsentiert sich Electrolux.

Weil dieser Newsroom klarer strukturiert ist und den Nutzer nicht überfordert. Aufgebaut ist er wie ein Blog (Klick aufs Bild vergrössert es):

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Linke Spalte:
Kategorien, Tags (ganz gross priorisiert hier «Design» und «Sustainability»), das Archiv (seit November 2007) und die «Letzten Aktivitäten».

Rechte Spalte:
Abo-Möglichkeiten für News (RSS, GoogleReader), Fotos via Flickr – schön eingebaut mit Thumbnail-Abbildungen – und YouTube-Videos (ok – nicht gerade erfolgreich mit 21 Abonnenten).  Zudem Links zu Twitter, FriendFeed und Weiterleitungsdienste (E-Mail, Bookmarks, …) via ShareThis.

In der mittleren Spalte sind die Newseinträge chronologisch aufgereiht und sauber verstichwortet (s. oben «Tags»). Noch schöner wäre, wenn die AutorInnen-Links nicht zum Archiv pro AutorIn führen würde, sondern wirklich zu einer Kontakt-Seite. Diese ist auf der Seite ein bisschen unglücklich im Header positioniert.

Das macht deutlich: Beim Social Media Newsroom sind neue Formate und Informationen zu integrieren. Damit wir NutzerInnen mit herkömmlichen Bedürfnissen und einer tieferen Affinität aber nicht vergraulen, müssen diese Inhalte aber sehr übersichtlich dargestellt sein und dürfen nicht von den «Musts» ablenken.  Nicht das Rad sollen wir neu erfinden – sondern das Fahrzeug mit neuen Funktionen optimieren.

Passend: «Was ist eigentlich… ein Social Press Release»

VOD – Video on Demand

FernseherVOD ist ein bequemer und legaler Weg rasch zu einem Film zu kommen. Allerdings richtet sich das Angebot hauptsächlich an LiebhaberInnen amerikanischer Unterhaltung.

Seit 13. Mai bietet auch cineman.ch Filme zum Download an (noch nicht für Apple). Kaufen oder mieten kann man vor allem Hollywood-Filme. Zwar sind Klassiker darunter, aber die Auswahl konzentriert sich auf amerikanische und einige wenige britische Movies.

Meine Kurz-Recherche im Netz hat mich noch zu ein paar anderen Anbietern geführt. Videoload bietet viele deutsche Filme an. Aber ob mich «Autobahnraser» oder «Ballermann 6» fesseln würden? Bei Arcor schaue ich unter Premium Filme nach: Die Liste wird angeführt von Asterix.

Das treibt mich weiter zu dvdfly.ch: Unter Independent füllt sich schon eine Bildschirmseite. Bei den Klassikern finde ich magere drei, einer davon Troja von 2004. Mein Fazit Nr. 1: Mit einem Filmgeschmack ausserhalb des Mainstreams muss man auch bei VOD länger suchen. Und Fazit Nr. 2: VOD kann schon mehr langweilige Abende retten als ich habe.

Konferenz: Der Misserfolg wird salonfähig

miss-erfolgEs gibt sie überall, die kleinen (und grösseren) Misserfolge. Beruflich wie privat. Sie finden täglich statt in Radio, TV und Zeitung. Die Businesswelt spricht  aber ungern darüber. Warum? Eine Konferenz in Köln nimmt sich dem Thema an.

Es ist eine Binsenweisheit: Aus Fehlern und Misserfolgen lernt man. Weil zwar alle davon reden, es dann aber nicht umsetzen. Wer nennt schon in einem Vortrag, einer Präsentation, einem Interview seine grössten Misserfolge und was er daraus gelernt hat. Anders will das die Kölner «Konferenz der Misserfolge» vom 16. Juni handhaben. Die Rednerliste tönt spannend: Dieter Funk, DJ und Sonnenbrillendesigner berichtet, wie er mehrere Firmen, seine Beziehung und viel Geld in den Sand gesetzt hatte. Und Führungskräfte von BASF und IBM erzählen, wo es bei aufwändig durchorganisierten Grossunternehmen harzen kann.

Was ist ein Misserfolg? Und wie gehen wir damit um?
Ganz zuerst eine Frage der Definition. Sucht man die Gründe bei sich selber oder immer nur bei anderen? War man erfolgreich aufgrund einer tollen Tagesform oder misslang der Auftritt aus Zufall oder Pech? Ich meine: Ganz am Anfang des Prozesses steht der eigene Wille zur – manchmal schmerzhaften – Reflektion, gefolgt vom Dialog mit den Beteiligten und schliesslich der Konsequenz in der Umsetzung von Verbesserungs-Massnahmen. Und dann kann man ein nächstes Mal wieder brillieren oder halt noch einmal stolpern, im besten Fall über einen anderen Stein.

Danke an den Journalisten Andreas Güntert für den Tipp zur Misserfolgs-Konferenz. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse der Konferenz.

«Wenn man erfolgreich ist, dann überschlagen sich die Freunde.
Aber erst wenn man einen Misserfolg hat, freuen sie sich wirklich.»
Harry S. Truman, 1884 – 1972, US-Präsident 

Lektürentipp:
«Optimismus und Pessimismus – wie wir uns Misserfolg erklären»

Dialog 2.0: Was Barack macht, könnte Pascal auch?

healthreform_logoBeim täglichen Scannen der Morgenmails flutscht mir eine von President Barack Obama auf den Schirm. Erste Reaktion: Achtung Spam oder Phishing. Zweite Erkenntnis: Wann öffnet sich Pascal Couchepin für einen breiten Dialog rund ums Gesundheitswesen?

Unser System ist noch ein wenig gesünder als das amerikanische, wir stehen aber auch vor grossen Problemen. Sind Schweizerinnen und Schweizer bereit für einen breiten, öffentlich geführten Verbesserungsdialog? Oder überlassen wir das lieber den Experten?

Ich bin überzeugt davon, dass wir immer mehr in die Richtung eines Online geführten Interessensaustausches gehen werden. Aber der funktioniert nur, wenn die Absender es wirklich ernst meinen mit Dialog: das heisst Zuhören, Antworten, in der Umsetzung auch wirklich erhaltene Anstösse aufnehmen. Meint Barack es ernst? Mir zumindest erscheinen die E-Mail und die damit verknüpfte Online-Plattform glaubwürdig. Hier einige Bilder aus der sehr aufwändig und vorbildlich gemachten Dialog-Initiative.

E-Mail für Abonnenten
Die Mail ist als Brief gelayoutet, kommt als HTML an. Schon im ersten Satz wird mir klar, wieso ich auf diesem Verteiler bin – ich wusste gar nicht mehr, dass ich mich auf der Regierungsseite registiert hatte. Auch vorbildlich: im ersten Abschnitt wird in wenigen Worten gesagt, was die Mail soll. (Alle Bilder lassen sich durch Anklicken vergrössern.)

mail_obama_healthcare

Webpage mit viel Inhalt und Dialog
Erst ganz am Ende der Mail steht der Link zur neuen Plattform healthreform.gov – wo mich gleich eine ganze Menge von Inhalten erwarten. Für mich ist das ganze ein wenig überladen, ich bin ja aber auch nur interessierter Zaungast, nicht direkt betroffen. Die Grafik entspricht dem bei Obama etablierten, klaren Auftritt.

healthreform_gov_home

Stark gepusht wird die Möglichkeit, sich ganz schnell als Supporter/in der präsidialen Initiative einzutragen. Hier will der Absender Druck aufbauen, den er in der politischen Arbeit für seine Anliegen einsetzen kann. Etwas weiter suchen muss man, bis man seine eigenen Ideen eingeben kann. Diese Dialogbox folgt erst nach einem Scrollen, unten links am Schirm. Ganz klar: Das Senden von Botschaften in multimedialer Form steht an erster Stelle.

Vertrauen entsteht durch Taten
Entscheidend für die ganze Kampagne wird erstens sein, wie stark diese Plattform weiterhin gepflegt wird. Werden Fragen beantwortet? Entsteht schon hier ein wirklich offener Zweiweg-Dialog? Und schliesslich wird es die Nachhaltigkeit sein, mit welcher neue Schritte zur Reform des Gesundheitswesens umgesetzt werden. Sind einige davon aus dem eingeladenen Publikum gewachsen? Und bringen sie auch wirklich Verbesserungen?

Womit wir bei der Durchtrennung des gordischen Knotens landen. Fürs Schweizer Gesundheitswesen versuchts Pascal Couchepin. Vielleicht wäre es eben doch nachhaltiger, er würde Ideen in die Publikumsdiskussion senden. Die Medien tuns sowieso für ihn.

Ford nutzt Werbekanal Web 2.0

global_communicationFord lädt zum Probefahren ein und fürchtet sich nicht vor ehrlichen Meinungsäusserungen. Kritik bedeutet in diesem Fall Optimierung.

In Europa sind Kleinwagen cool. Um deren Ruf in Amerika zu stärken, nutzt Ford neue Werbekanäle. Mit Fiesta Movement werden Normalos wie du und ich zu Ford-Probefahrern. Die auserwählten Hundert – aus 4′000 Bewerbern – testen sechs Monate den Kleinwagen. Ziel der Aktion: Sie schildern ihre Erfahrungen auf  YouTube, Flickr, Facebook and Twitter, auf eigens für die Kampagne kreierten Plattformen.  Scott Monty, Social Media Boss von Ford, will mit dieser Aktion offen sein für den Dialog und die Kunden ernst nehmen. «Wir wollen aus den Erfahrungen lernen und das bestmögliche Auto produzieren» sagt er.

Für mich ein Vorzeigebeispiel in Sachen Kundeneinbindung. Der Hersteller kann mit Kritik umgehen und verbessert laufend. Die Offenheit der Amerikaner und die Bereitschaft, zu lernen und gemeinsam zu verbessern empfinde ich als äusserst produktiv für alle Beteiligten. Nebeneffekt: Interessierte Käufer finden schnell Informationen über das Produkt.

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Online-Werbung: belästigend und langweilig?
Online-Werbung: Medien ziehen den Kürzesten

Getroffen: Stück für Stück oder die ganze Torte?

getroffen1Diesmal bin ich Hannes Gassert begegnet – zum erstenmal. Und Gedanken zum Vorgehen von PR-Agenturen versus Informatik-Entwicklern. Alles fertig versus fast prototyping.

Hannes (Teamübersicht) ist Mitgründer von liip.ch, hat Informatik und Medienwissenschaften in Fribourg studiert, engagiert sich für Open Source und ist ein anregender Gesprächspartner. Wir kannten uns am Rande, weil liip das interne Wissens-Wiki für Bernet_PR programmiert hat. Kurz getroffen haben wir uns anlässlich meiner Laudatio für Christian Wanner am Ehrenpreis Best of Swiss Web.

Er findet es schwierig, mit PR-Agenturen zusammen zu arbeiten. Weil die immer zuerst ganze Systeme fertig aufbauen, beschreiben und präsentieren wollen. Anstatt Schritt für Schritt Teilsysteme zu entwickeln, sie mit den Benutzern zu testen und dann aufgrund der Erfahrungen das nächste Teil zu bauen. Iterativer Prozess nennt er das, ich habe auch schon mal Fast Prototyping gehört von einem Informatiker, der mit uns ein komplexes Online-Projekt durchgezogen hat.

Fast Prototyping war in jenem Projekt eher eine Entschuldigung dafür, dass einfach wild drauflos programmiert wurde. Weil es kein Gesamtkonzept gab, die Zeit dazu fehlte, zu wenig Kapazitäten vorhanden waren für einen integralen Ansatz. So habe ich das erlebt. Mir fiel ein, dass wir gerade in diesen Tagen an einem Kommunikationskonzept für einen Kunden arbeiten – da machen wir genau das, was Hannes ärgert: Zuerst mal die Grundlagen legen, mit einer Gesamtsicht. Eine Riesenbüez, ziemlich anstrengend. Und der Kunde hätte auch lieber mal ganz schnell ein Teilprojekt nach dem anderen.

Meine Erfahrung: Einzelne Kuchenstücke können ganz schön krümelig ausfallen, wenn das Grundrezept für die Torte nie mit dem Kunden diskutiert wurde. Oder als Skizze (über Hannes’ Google Android Testhandy haben wir auch geredet, klar dass es aufs Bild musste):

getroffen2_gassert_iterativprozess

Da hat mir Hannes recht gegeben. Und ich ihm auch. Stimmt schon: Mit einem Konzept definieren wir das Grundrezept. Dann wird Stück für Stück darauf aufgebaut, bei jeder Umsetzung bekommen wir Feedbacks und Ideen für Optimierungen. Ich glaube, wir PR-Heinis dürften da noch ein wenig lernen von den Informatikern. Beim laufenden Einholen von Nutzerechos, vor allem bei den Online-Projekten.

Getroffen?

Danke Hannes für die Anregungen, die Einladung und ich drücke Dir die Daumen fürs Buchprojekt rund um die Lernplatfform moodle.org.

Ritter der Kommunikation

onlinedialog_fingerfinger2.jpgJe mehr Menschen das Internet nutzen, desto grösser wird die digitale Isolation derer, die es nicht tun. Der «Ritter der Kommunikation» soll helfen, diese Kluft zu überwinden.

Gemäss Medienmitteilung zur NET-Metrix-Profile 2009-1 Studie nutzen im Vergleich zum Vorjahr acht Prozent mehr SchweizerInnen das Internet. Über 3,5 Millionen Personen sind in der Schweiz und in Liechtenstein täglich oder fast täglich online.

Für diejenigen, die das Internet nicht nutzen, tut sich der Graben, digital divide genannt, immer mehr auf. Deshalb schreibt das Bakom seit 2001 den «Ritter der Kommunikation» aus. Es honoriert damit Projekte, «die den Umgang aller Bevölkerungsschichten in der Schweiz mit den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) fördern und so einen Beitrag zu einer Informationsgesellschaft für alle leisten.»

In den letzten Jahren wurden beispielsweise Projekte ausgezeichnet, die Menschen in ländlichen Regionen Zugang erleichtern, einkommensschwachen Personen zu Computern verhelfen oder Senioren schulen. Es geht aber nicht nur um Computer und Internet, sondern auch um Mobiltelefone oder Billettautomaten. Die Anmeldung läuft bis zum 21. August 2009.

Marcel Bernet | 08.05.2009 | Medien

Murdoch will Geld und sieht ein neues Internet

bg_geld06.jpgZeit für eine Eilmeldung – grad sehen wir auf der NZZ Online, dass Rupert Murdoch eine Kehrtwende vollzieht: Jetzt will er Geld für Internet-Inhalte.

Da habe ich mich in einem Post von Januar 08 (US Zeitungen unter Druck) doch gerade noch darüber gefreut, dass die Wall Street Journal-Links endlich öffentlich sind. Auf Druck des neuen Besitzers Murdoch, so damals die Berichte, habe das WSJ den Webinhalt geöffnet. Und ganz generell glaube ich, dass versteckter Bezahl-Inhalt den Verlagen eher schadet als nutzt. Denn die erarbeiteten Materialien sind nicht auf Suchmaschinen findbar, der Traffic auf den mikrobezahlten Sites geht zurück (und damit die Werbeeinnahmen). Guter, verfügbarer Content erhöht Bekanntheit und Markenimage. Schlau machts der Spiegel, der die aufwändigen Titelstories erst nach einer gewissen Zeitspanne gratis aufschaltet – vorher muss man das Heft oder den Beitrag online kaufen.

Das sage ich als Nutzer. Und als Beobachter eines Mediums, in dem für jeden Inhalt neue Anbieter auftauchen, die diesen gratis anbieten. Aber vielleicht sehe ich das zu eng. Murdoch hat auf alle Fälle ein grosses Ertragsproblem, wie alle klassischen Verleger, siehe Originalmeldung der NZZ Online. Und jetzt sollen alle Inhalte im Web etwas kosten. Das wird ihm dort gelingen, wo er eine Alleinstellung hat.

In einem Telefoninterview soll Murdoch zur Begründung der Kostenpflicht gesagt haben: Das Internet, so wie man es kenne, werde es bald nicht mehr geben. Hat er eine Vision? Bahnt sich Bahnbrechendes an? Diese Geschichte wird uns bestimmt noch eine Weile begleiten. Nachtrag: Guter Hintergrund über Murdochs wandelnde Kraftsprüche rund ums Web auf Spiegel/Netzwelt.

Zum Thema:
NZZ Folio: Wann öffnet auch die NZZ die Archive

Blogwerk, Post, Stadtwanderer: Erfahrungsberichte

fliegerWelche Learnings präsentieren zwei Dienstleister und der zweitgrösste Arbeitgeber der Schweiz? Hier ein Querschnitt aus ihren Beiträgen am gestrigen Corporate Blogging Seminar.

Es war ein dichter und sehr produktiver Tag am MAZ, mit interessanten Beiträgen auch aus der Teilnehmerrunde. Von den drei Gastrednern nehme ich folgendes mit:

Peter Hogenkamp: Totgesagte leben länger
Der Gründer und Mitbesitzer von Blogwerk, Blog-Dienstleister und Betreiber von Themenblogs, glaubt an die Zukunft von Blogs. Zwar werden die nicht mehr so heissen oder als Blogs angepriesen. Aber aktuelle, persönlich gefärbte Inhalte mit Dialogfunktion bleiben relevant. In Facebook und Twitter sieht er die im Moment interessanteste Weiterentwicklung der ursprünglichen Blogidee.

Das präsentierte Bye-Bye-Billag-Beispiel zeigte auf, wie Facebook sehr effizient für die schnelle Verbreitung einer Kampagne aufgesetzt wurde. Und zwar von ehrenamtlich tätigen Initianten, die Unterschriften für eine Initiative sammeln gegen diesen Eintreiber von Radio- und Fernsehgebühren. Die Entwicklung der Fan-Zahlen entwickelt sich sehr stark in Zusammenhang mit der Berichterstattung in den klassischen Medien. Heute steht die Hauptgruppe bei 41000 Fans.

Was ich gelernt habe: Domains / Namen für Gruppen und Personen sind auf Facebook nicht eindeutig reservierbar. So kann man also auch weitere Bye-Bye-Billag-Gruppen eröffnen – seltsamerweise gibt es denn auch eine zweite mit knapp 20′000 Fans und etwas anderen Administrator-Namen. Und noch ein paar dazu. Und Facebook lässt Gruppen-Mailversände an maximal 5000 Empfänger zu. Aus beiden Gründen unterhalten die Initianten auch eine eigene Internet-Website auf byebyebillag.ch und sammeln dort fleissig E-Mail-Adressen. Gemäss Peter sind sie dort aber erst bei rund 8′000 Einträgen.

Christian Schenkel, Pascal Lorenzini: Interner Guerilla-Dialog
Christian (mit eigenem Dialogblog) ist verantwortlich für die interne Online-Kommunikation, Pascal für die ganze interne Kommunikation bei der Post. Sie richten sich dreisprachig an 50′000 Mitarbeitende aus 119 Nationen, von denen nur rund die Hälfte mit dem PC arbeitet. Deshalb bleibt Print wichtig. Mit verschiedenen Beispielen zeigten sie auf, wie sich Print und Online kombinieren lassen und wie sie ihr Anliegen eines verstärkten Dialogs Schritt für Schritt umsetzen konnten.

So stellt die monatliche Mitarbeiterzeitung eine «Frage des Monats» – angekündigt auch über die Intranet-News. Antworten werden auf dem Postweg und übers Intranet gesammelt. Dazu kommt ein einfacher Magazin-Blog, wo die Inhalte angerissen sind und natürlich auch die Frage zur Kommentar-Diskussion offen steht. Interessant ist die Grundhaltung von Christian und Pascal: Sie mischen sich nicht in den Dialog ein – Korrekturen sollen durch Gegenmeinungen direkt aus den betroffenen Linien oder von Mitarbeitenden entstehen. Wichtig ist, dass für diesen Dialog von Beginn weg Richtlinien kommuniziert wurden – damit in Extremfällen auf der entsprechenden Basis auch mal ein Kommentar gelöscht werden kann.

Intern durchgekommen sind die beiden mit dem schrittweisen Einbau von Dialogmöglichkeiten und mittlerweile 13 internen Blogs und 12 internen Wikis, weil sie unter anderem nie von Blogs gesprochen haben. Das führe immer zu einer Abwehrhaltung. Wenn sie dagegen «dialogische Online-Kommunikation» vorschlagen, dann fragt das Gegenüber mit grosser Offenheit: Was ist damit gemeint? Ebenso wichtig für ihren Erfolg war ein schrittweises Vorgehen, Austesten verbunden mit einer leisen Guerilla-Taktik. Worauf dann die Resultate das Vorgehen bestätigt haben.

Claude Longchamp: Als Stadtwanderer ins Fernsehen?
Claude habe ich nach einer langen Online-Bekanntschaft zum erstenmal persönlich getroffen, wohl typisch für das Zeitalter der Social Media (-: Er hat in einem kurzen Abriss aufgezeigt, dass der Stadtwanderer-Blog mehr zufällig, aus persönlicher Neugier und Mitteilungslust entstanden ist. Und aus diesem Spieltrieb ist Schritt für Schritt etwas gewachsen, was sehr weite Kreise zieht und heute eingebettet ist in die Gesamtinteressen und Aktivitäten des Meinungsforschers, Dozenten und Historikers.

Zu seinem Blog-Wirkungskreis zählen auch noch zoonpoliticon (Politikwissenschaften) und der kommunikationsblog (gfs Institut). Beide stehen in ihrer Leserschaft weit hinter dem Stadtwanderer, werden aber auf 2010 mit einem Redesign weitergeführt. Den Erfolg des Stadtwanderers führt er auf die kontinuierlich hohe Frequenz von Beiträgen und die breit interessierende Thematik zurück. Beides hat denn auch dazu geführt, dass schon früh in klassischen Medien über ihn berichtet wurde, was den Leserkreis Schritt für Schritt ausgeweitet hat. Bis hin zu einem Fernseh-Interview über die geschichtliche Entwicklung der Schweiz. Welches übrigens heute noch von Schulen bestellt werde und aufgrund des hohen Interesses vielleicht sogar zu einer TV-Sendung führen könnte.

Viele Besucher landen auf dem Stadtwanderer, weil sie bei Google ein Bild suchen. Und dann bleiben sie bei ihm. Obwohl Claude seine Fotos als gar nicht so spektakulär einstuft. Aber er hat gute Ideen, fügt sie laufend ein und versieht sie immer mit einer Bildlegende – die Suchmaschine greift auf den bildnahen Text zurück, um ihre Resultate anzuzeigen.

Claude ist für mich das blendende Beispiel eines motivierten Publizisten. Hinter seinem Erfolg steht viel Fleiss: 21 Minuten wollte er täglich ins Bloggen investieren, heute liegt er bei 61 Minuten. Und weil er so schnell ist, hat er auch gleich heute über seinen maz-Auftritt gebloggt. Danke für die Blumen, Claude.

Schweinegrippe und Medien

Video Mike Booth: Swine FluDie Schweinegrippe kommt vermutlich weniger apokalyptisch über uns als befürchtet. Vielleicht auch dank guter Prävention. Das Thema bleibt aber in den Medien.

Beispielsweise im «Bund», der über den Ärger der Schweinezüchter berichtet. Diese sind für ein anderes Wording und wollen mit der «Mexikanischen Grippe» den Schwarzen Peter weitergeben. Der Artikel ist aber gleichzeitig ein (Ringel-)Schwanzbeisser: Sechs Mal kommt «Schweinegrippe» darin vor.

Falls jemand weiss, wie man in einem solchen Fall das Wording ändern könnte, bin ich gespannt. Mir fällt für diese Dimension nichts mehr ein. Im Beispiel der Schweinezüchter hätte  man immerhin versuchen können, Schaden zu begrenzen und auf  das Interview zu verzichten.

Eine unterhaltsame Analyse zu den Medien und der Seuche bietet SWINE FLU!!! von Mike Booth.

Marcel Bernet | 06.05.2009 | Dies & Das

Alles neu macht der Mai: Optimierung des Layouts

bernetblogDer bernetblog wird übersichtlicher. Das ist zumindest die Absicht unseres leichten Redesigns.

Kleine Veränderungen der Darstellung sollen dazu beitragen, dass unsere Leserinnen und Leser schneller das Wesentliche finden. Dazu haben wir vor allem in der rechten Spalte ein wenig aufgeräumt.

bernetblog_design-neu-mai_anmerkungen

Um weniger grafische Ablenkungs-Elemente zu haben, verzichten wir ab sofort auf das Bernet_PR-Logo oben rechts. Die Verbindung zu unserem Unternehmen bleibt trotzdem klar. Uns ging es bei der Entwicklung aber wie unseren Kunden: Das Logo weglassen führt immer wieder zu langen Diskussionen (-:

Massiv aufgeräumt haben wir rechts, mit einer etwas kleineren Schrift, der Abgrenzungslinie und einer Priorisierung der Links. Auch die Abo-Funktion haben wir oben nur angerissen, die Details folgen erst beim Anklicken. Auch das brauchte ein wenig Mut, aber wir denken: Wer abonnieren will, der sieht den Link. Mit den Kurzanrissen interessanter Geschichten gehen wir in die Richtung, die viele Blogs vorgeben. Hier zeigen wir Beiträge, die aus unserer Sicht über einen längeren Zeitraum interessant sind.

Wir freuen uns, wenn wir ab heute noch schneller und einfacher zu lesen sind.

Corporate Blogging: Gründe dafür und dagegen

2.0Eine neue Studie zeigt, wieso Unternehmen bloggen: Ein Drittel  weltweit befragter Tech-Firmen pflegt diese Form des Online-Dialogs.

Für das Corporate Blogging-Seminar von morgen Donnerstag habe ich die Daten aufgearbeitet, die letzte Woche via Twitter bei mir gelandet sind. Hinter der Studie steht der PR-Agenturverbund Eurocom Worldwide, befragt wurden weltweit Unternehmen aus dem Technologiesektor. Die Stichprobe fällt mit 336 Antwortenden eher knapp aus. Trotzdem zeigt sie interessante Anhaltspunkte für die laufende unternehmensinterne Evaluation des Corporate Blogging. Und sie ergänzen die von uns im Jahr 2007 realisierte Schweizer Web 2.0-Studie. Beim Aufbau folgender Grafiken hatte ich nur die Medienmitteilung der deutschen Eurocom-Agentur Schwartz Public Relations zur Verfügung, leider ist die Studie nirgends detailliert abrufbar.
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Die roten Segmente zeigen die beiden Schlüsselfragen vor jeder Blog-Lancierung: Erstens entsteht daraus ein Mehrwert und wenn ja – können wir ein derartiges Projekt stemmen? Lohnt sich die eingesetzte Zeit? Spannend fand ich die 12 Prozent, die eine Rufschädigung durch das Betreiben eines Corporate Blogs befürchteten. Ob sie den Kommentardialog scheuen? Oder an die ebenso schwer kontrollierbaren Beiträge eines von vielen Mitarbeitenden gepflegten Blogs denken? Auch unter Techfirmen hat sich immer noch ein Fünftel gar nicht mit dieser Idee auseinander gesetzt.

eurcomstudie_bloggen

Wer mitmacht, stellt den Dialog mit Kunden sehr stark ins Zentrum. Knapp ein Viertel der Befragten möchten mit ihren Beiträgen an branchenrelevanten Themen beteiligt sein und 14 Prozent erwarten ein stärkeres Profil für ihr Unternehmen. Als nicht zu verachtendes Nebenziel wird die Suchmaschinenoptimierung genannt – wer in seinem Corporate Blog viel publiziert und stark verlinkt ist, wird schneller gefunden.

Ist ein Drittel viel? Müssten gerade Techfirmen verstärkt bloggen? Interessant wäre ein Vergleich von Unternehmen mit oder ohne Kundenmagazin. Ich glaube, dass auch dort nicht viel mehr oder weniger als ein Drittel mit «Ja» antworten würden. Denn der Aufwand für aktuelle, qualitativ hochstehende Publizistik ist hoch.

Weiterführend:
McKinsey Studie: So funktioniert Web 2.0
(17.03.09)
Weblogs und Wikis im Firmeneinsatz: Praxistipps und Thesen
(21.05.08)
Vergleich CH/D-Web 2.0-Studie: Einsatz von Wikis und Weblogs
(12.11.07)

Marcel Bernet | 05.05.2009 | Medien

Bezahlte Tageszeitungen: Das Undenkbare denken?

img_0102_2Gestern abend habe ich an einem Podiumsgespräch am MAZ in Luzern teilgenommen. Trotz des Titels «Neue Medien braucht das Land»: Res Strehle, Jürg Weber und Sylvia Egli von Matt glauben an die Zukunft der bezahlten Tagespresse. Clay Shirky lädt dazu ein, das Gegenteil zumindest zu denken.

Der Abendanlass war sehr gut besucht, die Diskussion am Podium und mit dem Publikum anregend. Hier die für mich interessanten Punkte meiner Mit-Panelisten, ergänzt durch Auszüge aus den Gedanken von Clay Shirky, Professor an der New York University und Medienberater.

MAZ: Zehn Thesen zum Journalismus
Sylvia Egli von Matt ist MAZ-Direktorin und in verschiedenen Gremien engagiert, die sich mit der Qualität und der Zukunft des Journalismus auseinandersetzen. Ihre  zum Einstieg präsentierten Thesen: Journalismus wird multimedial-mobil-konvergent, schneller, dialogischer, segmentierter, lokaler, erzählender, visueller, erhält neue Erscheinungsformen. Schönes Praxisbeispiel des Wandels: Ein grosses dänisches Medienhaus habe einen «Media Conductor» – er steht mitten im integrierten Redaktionsraum und entscheidet, wo Geschichten gespielt werden, von Radio über Print bis Online.

LZ Medien: Regional rentabel
Jürg Weber ist Geschäftsleiter der Neue LZ AG und damit verantwortlich für diesen Zentralschweizer Verbund von Radio, TV, Print, Online. Dieser hat dank tiefer Kosten operativ auch im letzten Jahr noch sehr gut gearbeitet, wegen eines Finanzverlusts war dann das Ergebnis doch nicht so gut. Im Online-Bereich setzt er vor allem auf lokale News, eine Zusammenarbeit mit NZZ Online wird anscheinend diskutiert. zisch.ch-Inhalte werden auch auf den news1-Verbund gespielt. Wohin führt diese Strategie? Muss eine regionale Plattform wirklich mit nationalen Plattformen konkurrieren um Banners zu erhalten?

Tagi: Im September neu
Res Strehle ist seit dem 1. Mai Co-Chefredaktor des Tages-Anzeigers. Er freut sich nicht über den gestern angekündigten .ch-Rückzug, ist aber erleichtert. Damit verbessert sich die Ausgangslage für den Verbund Tages-Anzeiger / News. News habe tiefere Kosten und könne im Verbund mit dem Tages-Anzeiger günstigere Inseratetarife anbieten, was im härteren Werbemarkt ausschlaggebend sei. Irgendwann zwischen 1. und 30. September verspricht er den Neuauftritt des Tagis mit einem reinen Vierbund-Konzept. Wo es hie und da noch Beilagen geben werde.

Die Zukunft der bezahlten Tageszeitung
Alle drei sind übereugt: Die bezahlte Tageszeitung wird es auch in Zukunft geben. Ob sie wirklich bezahlt sein wird? Ob sie wirklich täglich erscheint? Da bin ich nicht so sicher. Damit stimme ich kein Grabeslied an, im Gegenteil: Persönlich schätze ich Tageszeitungen sehr und ich bezahle auch dafür. Aber schon meine Kinder und zahlreiche Kollegen sehen das ganz anders. Und lesen News gratis online. Vielleicht wäre es gut, wenn Medien auch mal das Undenkbare denken, wie es Clay Shirky im März in seinem Blogbeitrag betitelt.

Seine Grundthese: Journalismus braucht es weiterhin. Aber keine Zeitungen. Seit Mitte der 90er Jahre verkünden alle Verleger, wie sie ihr altes Geschäftsmodell beibehalten in einer Welt der kostenlosen, einfachen Kopien. Es gibt aber ganz einfach kein Modell, welches das durchs Internet eben grad zerstörte ersetzt. Die davor komplexe, aufwändige und schwierige Aufgabe des Publizierens ist heute ein Kinderspiel. Grips braucht es weiterhin – für gescheite Inhalte. Und wie immer in grossen Umbrüchen: Wir leben in einer Zeit des Ausprobierens, der Fehlschläge und unerwarteten Erfolge.

Erst in zwanzig Jahren wird man zurückblicken und sagen: Ja klar, genau so musste es kommen. Grad noch stecken wir mitten im Nebel.

Von der Schweinegrippe profitieren?

Adword SchweinegrippeKrise als Chance denken nicht nur Spammer, die «Swine flu» als Sesam-öffne-dich nutzen.  Auch bei den Adwords wird versucht, von Krisen-Hypes zu profitieren.

Der Screenshot zeigt, dass es  genügend Skrupellose gibt. Meine weitere Suche nach der kommerziellen Nutzung von Katastrophen beim Suchmarktbeherrscher Google ergab: Finanzkrise finden viele für Adwords nützlich. Klimakatastrophe scheint das geeignete Werbestichwort fürs Abnehmen oder für Mode. Palästina ergibt: «ebookers bringt Sie an die schönsten Orte der Welt». Tsunami und Irakkrieg laufen gar nicht (mehr?). Von 9/11 will nur Amazon profitieren. Bei Altavista hat die Swine-flu-Suche auch unter dem englischen Stichwort reagiert und wollte mir deutsche Atemschutzmasken verkaufen.

Googlesuche Schweinegrippe Adwords

Besser gefällt mir, wie beispielsweise der TCS die Schweinegrippe nutzt: Nicht Profitieren steht im Vordergrund, sondern Profilieren: Der TCS hat eine Hotline zur Schweinegrippe eingerichtet und beantwortet Fragen – in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Er macht das fast zu diskret: Online findet man die Information nur unter den Pressemitteilungen.

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