Getroffen: Das Web beschleunigt die Wirklichkeit

getroffen1Bei einem Frühstücksgespräch hatte ich wieder mal eine bernetblog-Idee: «Getroffen». Aus Begegnungen entstehen Ideen, eine Skizze entsteht, eine Idee ist getroffen. Der erste Wurf:

Getroffen habe ich Harald Taglinger vor etwas mehr als einer Woche zum Frühstück im Sprüngli am Paradeplatz. Kennengelernt habe ich ihn vor zwei Jahren an einer Internet-Veranstaltung, wo er mir durch seine geschliffenen Fragen auffiel. Das Web hat uns als Thema zusammengebracht, aber der Austausch begann erst durchs persönliche Kennenlernen – nicht via Xing oder Facebook.

Genau da drüber haben wir uns lange unterhalten: Wie kriege ich eigentlich all die sozialen Austauschmöglichkeiten des Web unter einen Hut? Welches Engagement ist sinnvoll? Wie bediene ich Twitter, Facebook, Xing, Weblog, Webseite, E-Mail-Dialog? Und: Wie wirklich ist denn diese Web-Sphäre des sozialen Austausches?

Mein Gedanke, schnell skizziert: Das Web ist eine Beschleunigung und Erweiterung der physischen Wirklichkeit. Wie das Fahrrad erweitert es die Möglichkeiten, den Radius. Kein Hilfsmittel ersetzt die Grundstufe, die es beschleunigt und erweitert. Es führt neue Möglichkeiten ein, mit neuen Herausforderungen. Wer wandert, sieht und erlebt intensiver. Dafür aber weniger pro Zeiteinheit als auf dem Fahrrad.

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Für mich heisst das: Wirklichkeit hat viele Schichten. Zu ihrem innersten Kern kann ich selbst in mir selbst nie ganz vordringen. Denn wirklich wirklich ist auch Wirklichkeit nie, wie schon Watzlawick wusste: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?: Wahn, Täuschung, Verstehen. Nun baue ich zur persönlichen, physischen Wirklichkeit eine virtuelle, beschleunigte, sphärische Web-Wirklichkeit. Ich multipliziere meine Profile, meine Kontakte, meine Dialoge. Und die werden dann so erfolgreich, klar, nachhaltig sein, wie sie sich verbinden mit einer inneren Wirklichkeit. Einer klaren Absicht. Einer Ganzheit, einer Idee. Das gilt für mich als Person aber auch für jede Organisation.

Getroffen?

Danke Harald für das inspirierende Gespräch, danke allen fleissigen Web-Kommentatoren für einen vielleicht weiterführenden Dialog.

Facebook-Entlassung: Dürfen Grippekranke ins Web?

facebook-logoDie Entlassung einer Mitarbeitenden der Versicherung Nationale Suisse schlägt in den (Online-)Medien Wellen. Während einer Migräne mutierte die Kranke ihr Facebook-Profil und zog so den Unmut ihrer Arbeitgebenden auf sich – es folgte die fristlose Kündigung. Angesichts der drohenden Grippe-Pandemie wirft das Ereignis Fragen auf.

Das Medienecho ist enorm: Zeitungen und Online-Plattformen von hier bis China berichten über die Entlassung (Link Google-News-Resultate). Wie krank muss man sein, dass man a) noch arbeiten kann und b) nicht mehr im Web präsent sein sollte? Sogar die amerikanische Huffington Post – eines der grössten Online-Magazine der Welt – titelt: «Nationale Suisse fires Employee for Surfing on her Day Off». Fakt ist: Die Frau meldete sich ab, weil sie migränebedingt im Dunkeln liegen müsse und keine Bildschirmarbeit verrichten könne. Facebook habe sie via iPhone bedient. Umgekehrt klagte sie die Arbeitgeberin an, ihr – via dubiose Freundschafts-Anfrage – nachspioniert zu haben. Nationale Suisse hingegen beruft sich auf eine «zufällige Entdeckung». 

Kontrolle des Missbrauchs ist Sysiphus
Um was geht es: Wie auch wir verschiedentlich hören, ist der Missbrauch von Sozialen Netzwerken an Web-Arbeitsplätzen ein schwerwiegendes Problem. Vor allem in grösseren Unternehmen. Verständlich darum, dass diese den Zugang einschränken – was angesichts mobiler Anwendungen Sisyphus ist. Auch scheint klar, dass sich Krankgeschriebene voll darauf zu konzentrieren haben, wieder zu gesunden – in ihrem eigenen Interesse und in dem der Arbeitgebenden. Das beschränkt auch den Konsum anderer Medien (TV, Print, Games, Telefon, …). Nur lässt sich dies nicht kontrollieren. 

Online Reputation kann Vertrauen stören
Mir scheint darum wichtig: Das im Reuters-Bericht zitierte «verlorene Vertrauen» in die Mitarbeitende hat wohl nicht erst mit diesem Vorfall gelitten. Eine Kündigung allein auf der Basis davon wäre schlicht unverständlich. Genauso wie die systematische Kontrolle von Facebook-Profilen der Mitarbeitenden. Im Web entsteht aber ein neuer, halböffentlicher Raum (immerhin muss man sich ja noch als «Freunde» akzeptieren), in dem jede Präsenz und Aktivität ihre Ausstrahlung hat. Mit Konsequenzen daraus muss gerechnet werden.

Die Entlassung allerdings könnte eh in Kürze zur Farce verkommen: Dann nämlich, wenn der Heimarbeitsplatz Pandemie-bedingt zum Muss wird und die Angestellten angehalten sind, ihre sozialen Kontakte virtuell auszutragen. Hoffentlich kommen wir drum herum.

Web-Tipp: Mit routeRank CO2-vernünftig reisen

co2Zu oft sind wir Konsument/innen bei der Einschätzung des eigenen CO2-Verbrauchs überfordert. Wie CO2-günstig fährt die Bahn wirklich? Wie gross ist der Unterschied zwischen einer Auto-, Bahn- oder Flugreise? Wie oft kann ich statt nach New York mit der Bahn nach Paris fahren? routeRank gibt Antworten.

Die Eingabemaske des ökologischen Reiseberaters ist denkbar einfach: Einzugeben sind Start- und Zielort und routeRank berechnet von den verschiedenen Transportmitteln die Reisedauer, den CO2-Ausstoss und den Fahrpreis. Bei der Autofahrt errechnet sich dieser mit dem Treibstoffpreis zuzüglich einer 0.10 € Pauschale/km für Versicherungen, Taxen. Das Auto lässt sich zudem nach Fahrzeugtyp personalisieren.

Hier das Beispiel einer Reise Zürich-Berlin (für Details den Link anschauen). Interessant dass es Flüge gibt, die besser abschneiden als das Auto…

routerank

Kürzlich haben wir diskutiert, ob wohl die Amerika-Reise per Passagierschiff  umweltverträglicher wäre, als per Flug. Das lässt sich leider noch nicht ausrechnen… Eine sehr schön umgesetzte und nützliche Webanwendung – wohl ein Aspirant für den Master of Swiss Web 2010.

Gemäss Medienmitteilung führen Blogwerk (für Blogs und Twitter) und Business Campaigning  business campaigning Switzerland GmbH (Fokus Facebook) eine Social Media Kampagne für routeRank. Die ja – wie dieser Beitrag beweist – bereits Früchte trägt. Ich bin schon Facebook-Freund geworden – und gespannt, was dort inhaltlich noch folgt.

Neue Wörter: Die Wortwarte

wortwarteAussehen tut sie vorgestrig, aber der Inhalt ist jeden Tag frisch: Seit 2000 führt Lothar Lemnitzer vom Seminar für Sprachwissenschaft der Universität Tübingen Buch über neue Wörter in der deutschen Sprache. Und zwar von 0  (Null) bis Z. 0 wie «0137-Rufnummer» und Z wie «Zyxel-Gerät».

Offiziell heisst das Fachgebiet Neologismus. Die Wortwarte listet zwischen 5 und 25 neuen Wörter an jedem Werktag auf. Sie werden in dem Text gezeigt, in dem sie entdeckt wurden, also vor allem deutschen Zeitungen. Man kann alphabetisch suchen oder nach Themen. Unter Ernährung findet man beispielsweise acrylamidfrei oder unter Wissenschaft Abfall-DNA.

Anregend und vorbildlich finde ich Wörter, die konkrete Vorstellungen auslösen und trotzdem nicht zu lang sind: Gegenblog, Begeisterungsverweigerer, Umweltstalinist, Gasklau oder Datenhamster. Und vielleicht schrecken die schlechten Beispiele ab: Zahlungsunterdeckung, Modernisierungserhöhungsregelung oder Weltniveaudelikatesse.   

Mich macht das Archiv süchtig, vor allem die lustigen Wörter: Männerbewegungsparanoiker, Zwielichtenstein oder Plapperdienst (nein, das sind nicht PR-Leute).

Geschichtsschreibung durch PR

auf_bruechigem_eis_zeilinger1Wir haben uns daran gewöhnt, dass Geschichte relativ ist. Sie wird von der Gesellschaft geprägt, die sie erzählt, oft auch instrumentalisiert. Bekanntes Beispiel ist Columbus’ «Entdeckung» Amerikas, das damals bereits von den Ureinwohnern entdeckt war.

Geschichte wird aber auch ganz bewusst durch PR gemacht. Historisches Beispiel ist Robert E. Peary, der vor allem in den USA als Entdecker des Nordpols gilt. 

1909 will Peary den Nordpol erreicht haben, sein früherer Expeditionsarzt Cook behauptet, bereits ein Jahr vorher dort gewesen zu sein. Die harte Auseinandersetzung, die Cook ins gesellschaftliche Abseits drängt, wird durch PR-Kampagnen entschieden. So sollen Peary und seine Sponsoren des Peary Artic Clubs 350′000 Dollar, doppelt so viel wie die Expedition kostete, darauf verwendet haben, Peary als Entdecker in der Öffentlichkeit durchzusetzen: Mit einer Rufmordkampagne gegen Cook und dem Einsatz von Opinion Leaders. So wurden Prominente auch ausserhalb der Wissenschaft zur Unterstützung Pearys gewonnen; beispielsweise der Fussballtrainer Fielding Yost.  

Mit dem Erscheinen des Buchs «Auf brüchigem Eis» von Johannes Zeilinger scheint die Diskussion wieder aufzuflammen: War der erste Mensch am Nordpol Peary oder Cook oder vielleicht erst Amundsen? Meine Meinung: Es war ein Inuit. Und vielleicht sogar eine Inuitfrau.

Interessant dazu: Kulturplatz, SF1 vom 8. April 2009.

PR Branche: Schweizer PR Gesellschaft vor Reorganisation

pr_suisseVereins-GV’s sind nicht beliebt. Auch die der Zürcher PR Gesellschaft ZPRG ist nicht so gut besucht wie andere Veranstaltungen. Dieses Jahr lohnt sich ein Besuch. Es geht um die Zukunft der Schweizer PR-Branche.

In einem Monat, am 19. Mai 2009 (Infos, Anmeldung) befinden nämlich die Mitglieder der ZPRG über Änderungen der Statuten ihrer Regionalgesellschaft. Und öffnen damit den Weg zu einschneidenden Anpassungen auf nationaler Ebene.

Mireille Saucy, die langjährige und in Kürze scheidende Präsidentin des landesweiten Verbandes, wird an der GV die Neuorganisation vorstellen. Hier die wichtigsten Punkte daraus:

1. Trennung von Präsidium und Geschäftsstelle der SPRG
Als Präsident/in wird eine bekannte Persönlichkeit eingesetzt, die hauptsächlich strategisch tätig sein wird. Die neu geschaffene SPRG-Geschäftsstelle ist für die operative Tätigkeit der SPRG verantwortlich.

2. Beschlussfassung in der Generalversammlung
An den bisherigen SPRG-Delegiertenversammlungen stellte jede Regionalgesellschaft pro 50 Mitglieder einen Delegierten. Die Neuordnung sieht vor, dass jedes Mitglied einer Regionalgesellschaft an der SPRG-Generalversammlung auf nationaler Stufe teilnehmen kann und stimmberechtigt ist. Voraussetzung ist die persönliche Teilnahme.

3. Neue Mitgliedkategorie «Akkreditierte Berufsmitglieder»
Das Berufsregister BR SPRG soll in der heutigen Form aufgelöst werden. Für die bisherigen BR-Mitglieder soll – in den Regionalgesellschaften – die neue Mitgliedkategorie ‘Akkreditierte Berufsmitglieder’ geschaffen werden.

4. Einführung eines nationalen PR-Tages
Bisher haben diverse PR-Organisationen in der Schweiz jährliche Anlässe durchgeführt (z.B. Delegiertenversammlung SPRG, Medienkonferenz BPRA, PR-Symposium des Berufsregisters, Prüfungsfeiern). Neu sollen alle Anlässe an einem nationalen PR-Tag durchgeführt werden.

5. Name / Logo
Die Schweizerische Public Relations Gesellschaft SPRG soll neu in «Schweizerischer Public Relations Verband» umfirmiert werden. Der Name besteht für alle Landessprachen zusätzlich unter der Wort-/Bildmarke «pr suisse». Der Name «Zürcher Public Relations Gesellschaft ZPRG» wird als Zusatz bestehen bleiben.

6. Schaffung «Haus der PR»
Im SPRI Zürich an der Ankerstrasse sollen die Organisationen der PR in der Schweiz unter einem Dach Platz finden (z.B. SPRI, Geschäftsstellen SPRG und BPRA, Prüfungskommission).

Die Trennung von Geschäftsstelle und Präsidium und der Zusammenzug in einem «Haus der PR» verspricht eine Professionalisierung und eine Stärkung des Verbandes. Auch die Einführung eines nationalen PR-Tages wirkt gegen die heutige Verzettelung zwischen verschiedenen Gremien und Events. Für die Regionalgesellschaften – und gerade für uns Zürcher als deutlich mitgliederstärkste Gruppe – wird aber eine möglichst grosse Eigenständigkeit wichtig bleiben.

Und ganz eintscheidend für die Ausstrahlung des neuen Verbandes «pr suisse» wird die Besetzung von Präsidium und Geschäftstelle sein. Wer könnte die «bekannte Persönlichkeit» mit strategischem Wirkungskreis werden? Vorschläge?

Mehr zur historischen GV der Zürcher PR Gesellschaft ZPRG inklusive Anmeldemöglichkeit finden sie hier.

Sabine Betschart | 22.04.2009 | Tools

AdBlock blendet Online-Werbung aus

shoppingMein letzter Blogbeitrag und die Kommentare dazu haben mich zu einem Versuch veranlasst. Wie gut blendet der Safari mit Ad-Block unerwünschte Werbung aus?

Ich installiere den Safari-Browser mit Ad-Block und bin überrascht:

20.min.ch: blendet den ganzen Header aus. Google-Ads bleiben bestehen.

tagi.ch: Der animierte Header fällt weg (welche Wohltat). Der rechte Block mit Kooperationsangeboten, Marktplatz, Weiterbildung wird ausgeblendet.

nzz.ch: Endlich kann ich einen Artikel ohne Werbe-Unterbrechung im Text lesen.

Ich gebe den Ad-Block nicht mehr her. Vor allem bei der NZZ ist die Werbung mitten im Text sehr störend. Kleiner Gedanke am Rande: Was nützt denn Online-Werbung, wenn sie alle ausblenden?

Eine Linkleiste als Webseite

bild-2Die Website von Skittles Süssigkeiten besteht vor allem aus Links auf Web 2.0-Plattformen und ist auch von der Grösse her nur eine Linkleiste. Die witzige Nicht-Website passt zum Produkt «Candy».

Zum Einstieg gilt es eine kleine Hürde zu überwinden. Da Skittles den Inhalt nicht kontrollieren kann, übernimmt die Firma auch keine Verantwortung dafür. Diese Bedingung müssen Nutzende erst akzeptieren.

Wer sich auf www.skittles.com umsehen will, wird bei jedem Klick auf eine andere externe Webseite geleitet. Beispielsweise informiert Wikipedia über die Skittles-Produkte. Dort werden die verschiedenen Geschmacksrichtungen beschrieben. News (chatter) führt auf Twitter und die Spots auf youtube. Und die Friends finden sich auf facebook.

Die Lösung ist ungewöhnlich und sicher günstig. Optisches Branding ist auf den Zielwebseiten allerdings nicht möglich. Ich würde auch nicht auf das Wenige an Kontrolle verzichten wollen, das eine eigene Webseite im Internet bietet. Gelten doch der Web-Unternehmensauftritt und seine Aussagen als Referenz für das Selbstbild und die Standpunkte. Eine mögliche Erklärung für den Weg von Skittles: Es ist keine Firma. Die Produkte gehören zu Mars Nutrition, und die verzichtet nicht auf eine eigene Website.

Herzlichen Dank für den Hinweis an Timo Wäschle.

Sophie Graf | 20.04.2009 | Social Media

Wie intelligent ist das Internet?

spinnennetz_soziale_netzwerke Nie zuvor war es so einfach, dezentral verstreutes Wissen der Menschen zu koordinieren und so deren kollektive Intelligenz nutzbar zu machen. Ist das Cyberspace also ein Ort der kollektiven Intelligenz ?

Kollektive Intelligenz ist der Schlüssel zu einer besseren Entscheidung, meint James Surowiecki in seinem Buch Die Weisheit der Vielen – Warum Gruppen klüger sind als Einzelne. Dabei konzentriert sich der Wissenschaftler auf drei Arten von Problemen:
– Kognitionsprobleme, das Finden von Antworten auf Fragestellungen
– Koordinierungsprobleme, das Finden von Möglichkeiten, Verhalten zu koordinieren
– Kooperationsprobleme, das Ermöglichen der Zusammenarbeit von Menschen mit Eigeninteressen

Warum aber kann die Masse das alles besser als der Einzelne? Besser sogar als eine Gruppe von Experten?
Surowiecki hat vier mögliche Erklärungsmuster dafür:
1. Meinungsvielfalt. Jeder Mensche besitzt unterschiedliche Informationen über einen Sachverhalt. In der Gruppe werden diese gegeneinander neutralisiert
2. Unabhängigkeit der Meinungen des Einzelnen. Die Meinung des Einzlenen ist nicht festglegt durch die Ansicht der Gruppe
3. Dezentralisierung. Die Meinung wird dezentral gebildet
4. Aggregation. Die individuellen Urteile werden zu einer kollektiven Entscheidung gebündelt.

Warum entscheidet der einzelne Mensch oft falsch? Einige «typisch menschliche» Entscheidungsmuster beschreibt Carmine Coyote herrlich erfrischend in seinem englischen Newsletter-Beitrag Why do we keep making the same mistakes?

Social Media Relations: Was denken Schweizer PR-Profis?

2punkt05Wir stehen immer wieder für Diplomarbeiten Red und Antwort. Und pflegen diesen Austausch gerne. So auch mit Philipp Fabian für seine Bachelorarbeit «Social Media und ihre Anforderungen an die Kommunikatoren» – hier seine Erkenntnisse.

Integrieren Schweizer PR-Agenturen Social Media in ihre Medienarbeit? Und wo unterscheiden sich Social Media Relations zur «klassischen» Medienarbeit?

Schweizer PR-Agenturen stehen im Umgang mit Social Medias am Anfang. Philippe Fabian, ZHAW-Diplomand und Trimedia-Mitarbeiter, hatte es offenbar schwer, ein aussagekräftiges Sample von CH-Agenturen mit Web 2.0-Erfahrung zusammen zu stellen; nur gerade zehn behaupten, darin erfahren zu sein. Diese kleine Auswahl an Aussagen macht das Desk Research von Philippe umso wertvoller. Hier seine Erkenntnisse in meiner Zusammenfassung:

1. Social Media Workers ticken anders als Journis
Social Media Vertreter schätzen die informelle, persönliche Kommunikation und reagieren sensibel auf unangemeldete Medienmitteilungen oder Nachfass-Telefonate. Sie arbeiten weniger «journalistisch», beispielsweise bezüglich Exklusivitäts-Ansprüchen.

2. Nur Agenturen mit «Szene-Kenntnis» sind erfolgreich
«Lass uns Social Media Relations knüpfen!» – so einfach geht es nicht. PR-Agenturen haben in der Integration von Social Medias in die klassische Medienarbeit eine lange Vorlaufszeit, in der sie sich mit den Gepflogenheiten vertraut machen. Angezeigt ist völlige Transparenz und eine gewisse Zurückhaltung in der Kontaktpflege bezüglich Art (E-Mail statt Telefon) und Frequenz (Medienmitteilung nur sehr spezifisch). Hier sehe ich deutliche Parallelen zur klassischen Medienarbeit.

3. Gleiche Grundregeln – andere Wege
Social Media Vertreter sind nicht grundsätzlich verschlossener als die Journalisten – aber sie sind viel schwieriger einzuschätzen und arbeiten unterschiedlich. Während der Eine offen ist für Inputs aus PR-Abteilungen oder Agenturen, ist das für die Nächste tabu.

4. Social Media Relations sind aufwändig!
Der Dialog mit Social Media Vertreterinnen braucht lange Aufbauarbeit und viel Zeit. Massenversände finden wenig Anklang – die direkte Ansprache bringt mehr Erfolg. Dazu kommt aus meiner Sicht das aufwändige Online-Monitoring. Blogs kommen und gehen noch schneller als Printmedien.

Philipp erkennt in seiner persönlichen Bewertung der Arbeit richtig: Social Media Relations sind anders – aber nicht so sehr. Ganz im Kern bleibt bei allen Medienschaffenden – ob sozial oder nicht – der Wunsch nach

  1. Qualität und Relevanz der Inhalte
  2. Ernsthaftigkeit und Professionaliät
  3. einem ergiebigen und angenehmen Dialog

zwischen den Beteiligten. Wege dahin gibt es aber viele – und diese nötige Beweglichkeit und Feinfühligkeit macht ja den PR-Beruf so spannend.

Download der Bachelorarbeit von Philippe Fabian:
«Social Media und ihre Anforderungen an Kommunikatoren», März 2009, PDF

E-Commerce: Von der Kraft der Berührung im Internet

shoppingWaren, die der Konsument vor dem Kauf für längere Zeit in die Hand nehmen darf, werden eher und zu einem höheren Preis gekauft. Das ermittelte ein Experiment zweier amerikanischer Universitäten. Das Problem im Internet: Die Leute können die Produkte nicht anfassen.

Hand aufs Herz: Einkaufen am Computer ersetzt nicht das persönliches Gespräch an der Kasse, nicht den Geruch von frischer Petersilie am Markstand, nicht das  Gefühl für die Frische eines Apfels. Wie aber nimmt man im Web den Benutzern die Angst, das falsche Produkt zu kaufen? Der Usability-Experte Jacob Nielsen gibt in seinen 10 Prioritäten für ein höchst profitables Redesign wertvolle Tipps. Die drei «must haves»  aus meiner Sicht:

Informative Produktseiten. Gemäss Jacob Nielsen informieren nur wenige Produktbeschreibungen den Interessenten über alles, was er braucht, um eine Kaufentscheidung zu treffen. Detaillierte Produktinformationen sind nötig – und müssen so geschrieben sein, dass sie für Leute auch dann einen Sinn ergeben, wenn sie Laien auf einem Fachgebiet sind.

–  Hochwertige Fotos. Zeigen Sie als Blickfang oben auf der Seite das repräsentativste Foto in kleinem Format. Bieten Sie weiter unten verschiedene zusätzliche Fotos aus anderen Blickwinkeln oder mit vergrösserten Details an. Bei Software-Produkten oder Online-Diensten zeigen Sie Screenshots in voller Auflösung.

Produkte unterscheiden und vergleichen. Erklären Sie Ihre Produkte so, dass es den UserInnen einleuchtet, warum sie das eine Produkt kaufen sollen und die anderen nicht. Illustrieren Sie die entscheidenden Unterschiede prägnant und eindeutig. Eine Tabelle mit technischen Spezifikationen genügt meistens nicht, um den Entscheidungsprozess nachhaltig zu unterstützen.

Je länger der physische Kontakt mit einem Objekt andauert, desto eher ist der Mensch bereit, sich an dieses Objekt zu binden und es zu kaufen. Was Forscher der Ohio State University und der University of Illinois gemäss einem Bericht auf persoenlich.com herausgefunden haben, lässt sich im Internet schwer umsetzen. Die taktilen Qualitäten eines Produkts werden im Web wohl nie vollständig abgebildet werden können. Aber mit diesen Massnahmen können Sie sich zumindest daran annähern.

Schneller Finden braucht weniger Strom

royalpingdom_serverkarteDer Besuch eines Google-Serverzentrums wirkt gespenstisch und Finden braucht wirklich viel Srom.

Gerade haben wir unseren neuesten Newsletter veröffentlicht – diesmal mit Tipps rund um Suchmaschinen. Bei den Recherchen waren wir wie alle mit der Omnipräsenz von Google konfrontiert. Der Newsletter enthält trotzdem einige Alternativen für Bilder (ganz heisser Tipp von Pongo, danke: Multicolr Flickr), semantische und soziale Aufspürarbeit und genauere Befehle für Suchmaschinen wie Google. Hier auch die Abo-Seite für unsere Tipps, die alle zwei Monate als «Anstoss» im Mailkasten landen.

Enthalten ist auch ein Link zu einem netzwertig-Beitrag über die Dominanz Googles. Die folgende Karte (via netzwertig, Quelle Royal Pingdom) zeigt, wo Google bereits überall Rechenzentren unterhält. Auch wird klar, dass sich die damit verbundenen Investitionen nur Grossunternehmen wie Google, Microsoft oder Yahoo leisten können.

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Irgendwie beklemmend ist der Besuch im Google-Serverzentrum. Den Film am Schluss dieses Beitrags stellt Google zur Verfügung – um unter anderem zu beweisen, dass man versucht, den Energie-Einsatz so tief wie möglich zu halten. Die PUE Power User Effectiveness misst, wie hoch der Energie-Anteil ist, der nicht in die Rechner sondern in deren Kühlung fliesst – im Moment gelten Werte unter 1.5 als Best Practice.

So sieht man also dieses Rechenzentrum. Mal Zoom rein, mal Zoom raus. Gespenstisch. Dann fährt ein Techniker im «von-Google-zur-Verfügung-gestellten-Transport-Vehikel», auch Kickboard genannt, durch diese stillen Hallen. Bis zum Container wo all die Server still vor sich hin summen, bodengelüftet, abgesichert. Einer will nicht mehr, der neue liegt schon in der Pizzaschachtel bereit und wird eingeschoben.

Aha, das ist Web 3.0: Riesige Hallen voller Computer. Die nur dazu da sind, die ganzen Daten aus einer bereits riesigen Menge von anderen Computern rauszusaugen, zu indexieren, für Suchresultate bereit zu stellen. Der bernetblog ist ja auch schon irgendwo gehostet, fällt mir ein – und jetzt wird er weltweit gespiegelt, von Google, Microsoft, Yahoo. Wieso habe ich das seltsame Gefühl, dass dieser Film irgendwo im Mittelalter spielt? Vielleicht, weil ich mir die Realität hinter meinem Monitor nicht so mechanisch vorgestellt habe.

Neuromarketing

art_questionmark.pngNachdem ich zum wiederholten Mal über Neuromarketing gelesen und immer noch nicht verstanden hatte, um was geht, habe ich selbst recherchiert. Und eine gute Erklärung auf marketing.ch gefunden.

Neuromarketing basiert auf Untersuchungen, die erklären, wie wir Kaufentscheidungen treffen, was unsere Lieblingsmarken in uns auslösen oder wie uns Fühlen und Riechen beeinflussen. Durch Messen der Hirnströme wird bewiesen, was uns wirklich freut.

Gegenstimmen halten Neuromarketing für unethisch, und wissenschaftlich ist die Methode weder in den USA noch in Deutschland anerkannt. Ob Neuromarketing viel verändern wird? Die Erkenntnis, dass nicht nur unser Verstand entscheidet, scheint mir nicht neu. Und wenn wir Bilder einsetzen, Anteilnahme signalisieren oder Wertschätzung ausdrücken, kommt es weiterhin darauf an, wie wir das tun.

Weitere lesenswerte Artikel zum Neuromarketing auf der Webseite von marketing.ch.

Sabine Betschart | 14.04.2009 | Medien

Online-Werbung: belästigend und langweilig?

Food shoppingDie Werbung im Internet hat einen harten Stand und fordert neue Werbestrategien. Stört Werbung online mehr als in anderen Medien?

«Internetwerbung ist nicht vertrauenswürdig, nicht gewollt und nicht nötig», diese Worte stammen von Eric Clemons, Professor in Operations and Information Management an der Wharton School of the University in Pennsylvania. Als Gastautor im Tech Crunch kritisiert er in seinem Artikel (mit über 700 Kommentaren!) die Online-Werbung. Eric Clemons geht so weit: «Wir wollen die Werbung nur dann sehen, wenn sie uns interessiert (beispielsweise jemand ist auf der Suche nach Wein und offen für Wein-Werbung). Zurzeit werden zuviele Menschen gelangweilt und belästigt.»

Eric Clemons schlägt drei alternativen Einnahmequellen vor:

  • Verkauf von Inhalt und Information
    Beispielsweise  iTunes mit sehr moderaten Preisen
  • Verkauf von Erfahrung und Beteiligung in virtuellen Gemeinschaften
    World of Warcraft, LinkedIn, Flickr
  • Verkauf Zubehör für virtuelle Gemeinschaften
    Second Life, World of W
    arcraft

Ich teile seine Meinung, dass Werbung online störender ist als im Print. Sie ist schwieriger auszublenden. Und sehe Schwierigkeiten in seinem Finanzierungsmodell: Würden die alternativen Einnahmequellen reichen, um Inhalte zu bezahlen?

Ähnliche Beiträge zu diesem Thema:
Online-Werbung: Medien ziehen den Kürzesten


Sophie Graf | 09.04.2009 | Social Media

Content-Boxen: Inhalte verlinken oder nicht?

noch_fragenWer sich im Internet bewegt, sucht schnelle Informationen. Wie müssen grosse Inhaltsmengen aufbereitet werden, damit die  Inhalte so leicht wie möglich zugänglich bleiben? Ein Artikel in der Netzwoche bringt mich auf neue Gedanken.

Das Problem tauchte zunächst bei der Gestaltung der Postfinance-Webseite auf: Dort wird von einer Seite aus nur auf die nächst tiefere Ebene (das heisst auf «Privatkunden, «Geschäftskunden» oder «Wir über uns» gelinkt. Die Schwierigkeit: Sobald sich der User auf einer dieser Ebenen befindet, verliert er den Überblick über das Ganze.

Usability-Tests zeigen: User nutzen die Content-Boxen als «Cockpit» und vergessen dabei die Navigation. Dies ist dann ein Problem, wenn die Liste der Inhalte in den Content-Boxen Vollständigkeit verspricht, aber nicht einlöst. War der gesuchte Inhalt (z.B. die Post-Filialen) nicht in den Content-Boxen, fanden ihn die User nicht.

«Bei der Aufzählung von Inhalten in Listen ist es für die Usability von Webseiten zwingend, dass entweder das Vollständigkeitsprinzip eingehalten wird oder transparent gemacht wird, wenn dies nicht der Fall ist», schreibt Jacqueline Badran in der Netzwoche.

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In der Abbildung gefällt mir Lösung drei (ganz rechts) am besten: Eine kurze Beschreibung der Inhalte als Fliesstext und die wichtigsten Links für die wichtigsten Anwendungen. So wird klar ersichtlich, dass die aufgelisteteten Element nicht vollständig sind.

Variante zwei macht einen Klick mehr nötig als Variante eins, verbessert aber die Übersichtlichkeit beim Suchprozess.

Bereits vor einigen Monaten haben wir geschrieben, dass die sogenannte «3-Klick-Regel» (englisch: «Three-click-rule») im Internet ein alter Hut ist. Schnell ist also nicht immer besser, aber finden will der User immer. Viel Erfolg beim Suchen wünschen wir Ihnen auch über die Ostertage. Wir melden uns wieder am Dienstag, den 14. April. Frohe Ostern!

Marcel Bernet | 08.04.2009 | Medien

Online-Werbung: Medien ziehen den Kürzesten

Food shoppingDer Verkauf von Online-Werbung ist so ziemlich das einzige Ertragsmodell, dass Printverlagen den Schritt in die Online-Welt versüsst. Bloss sahnen da andere Anbieter von Inhalten wesentlich stärker ab – wie eine Auswertung von Tobias Trevisan zeigt. Dazu der aktuelle Schweiz-Vergleich von mediafocus.

Der FAZ-Verlagsleiter hatte am Verleger-Treffen vom 6. Januar 2009 in einem Vortrag aufgezeigt, dass die Wertschöpfungs-Chancen im Online-Bereich eher bei spezialisierten Inhalten liegen. Dazu hatte er in seinen Folien eine eigene Zusammenstellung der Online-Umsätze in Deutschland, die er mir im Rahmen der blogsofa-Interviews (hier das erste) zur Publikation freigegeben hat.

Wer den Zugang erleichtert, verkauft am meisten Werbung
Die Zahlen basieren auf Geschäftsberichten und Berechnungen von Tobias Trevisan selbst. Sie sind also nicht von einer unabhängigen Stelle verifiziert, aber sie ergeben ein eindrückliches Bild der grundsätzlichen Verhältnisse im Online-Bereich. Und das Total liegt mit 2.94 Mia EUR nahe genug an den vom Bundesverband für digitale Wirtschaft vermeldeten 3.65 Mia (Link zu Journalyse, weil der FAZ-Artikel zum Thema 4 Euro kostet, sic!).

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Am meisten wird dort verkauft, wo die meisten Surfer landen – wie die Dominanz der Suchwort-Werbung auf Google Adwords oder Yahoo zeigt.  Auch die Online-Portale wie GMX, web.de, T-Online fallen in die Kategorie der Starkbesuchten. Bei den Rubriken stehen Stellen-, Immobilien- und Partnerbörsen im Vordergrund, hier verkauft sich aus meiner Sicht vor allem die Qualität der Zuschauer, deren spezifische Interessen. Genau in diesem Bereich sieht Trevisan Verlags-Chancen mit eigenen Job-Börsen, Finanzportalen, Partnerschaftsangeboten.

Mit den Banner-Inseraten auf ihren Online-News verkaufen die Medien von Spiegel Online bis Zeit gerade mal 3 Prozent des gesamten Online-Volumens. Das ist hart für eine Branche, die lange Zeit ein Monopol auf News und dem damit verbundenen Werbe-Einnahmen hatte.

Nicht spezifisch ausgewiesen sind auf Trevisans Zusammenstellung für 2008 die auf Sozialen Netzwerken verkaufte Online-Werbung. Und leider finde ich dazu auch keine Angaben im Netz.

Wirklich so wenig Adwords-Anteil in der Schweiz?
Dank den Erhebungen und Schätzungen von mediafocus.ch lässt sich obige Grafik mit der Schweiz vergleichen – auch hier (PDF mit allen Details) sind Soziale Netzwerke nicht spezifisch ausgewiesen. Auch der Medien-Anteil am Bannerumsatz fehlt – hat jemand Zahlen dazu woanders gesehen? Der Kuchen hat etwas weniger Schnitze, sehr dominant ist der Anteil der Rubriken. Wo die Schweizer Verlage tamedia (Homegate, jobwinner, neu mit Edipresse) und Ringier (alle scout24-Plattformen) stark engagiert sind. Leider fehlen die Partner-Rubriken – sie liegen bei Trevisans Schätzungen im Bereich der Job-Anbieter.

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Online-Werbestatistiken sind immer noch Zufallstreffer mit vielen Expertenschätzungen. Kann es sein, dass der Anteil der Suchmaschinen in der Schweiz so viel tiefer liegt als in Deutschland?

Fazit: Harter Kampf
Die mit Verspätung im Online-Bereich angekommenen Verleger werden sich weiterhin massiv durch Zukäufe oder Kooperationen um diesen Kuchen streiten. Und parallel dazu weiterhin versuchen, ihre Copyrights für ihre News als Werbe-Aufhänger bei Google & Co. stärker durchzusetzen – was ihnen kaum gelingen wird, wenn Google einfach mit den Agenturen Deals macht (siehe Horizont-Meldung der GoogleNews-Vereinbarung mit EU Newsagenturen)  Die Online-Umsätze werden 2009 bei zurückhaltenden Auftraggebern nicht mehr so stark steigen, in den USA sind die Online-Preise auch schon stark unter Druck gekommen.

Weitere Artikel:
US-Studie 2008: 08 war brutal, 09 wird schlimmer
US-Newsmedien: Wo versteckt sich die Rendite?

Internet als wichtigstes Medium

zeitungsleserDer Media Use Index der Young & Rubicam Gruppe untersuchte das Mediennutzungsverhalten von 1500 Personen: Für über die Hälfte aller Schweizerinnen und Schweizer ist Internet heute das wichtigste Medium.

Die Nutzung der elektronischen Medien hat weiter zugenommen und bei den klassischen hat sich kaum etwas verändert. Wir verbringen also insgesamt immer mehr unserer Zeit mit Mediennutzung. Ich kann mir aber vorstellen, dass auch die digitalen Medien ähnlich wie Radio/TV oft als Nebenbei-Medium laufen.

Die digitale Kluft unserer Gesellschaft zeigt sich an der Bedeutung der Medienmarken: Die unter 29-Jährigen stehen auf Facebook, während über die Hälfte der über 50-Jährigen SF1 auf den ersten Platz stellt.

Trotz bester Reichweiten herrscht gegenüber den Gratiszeitungen eine gewisse Distanz: Man liest sie, aber man meint, darauf verzichten zu können. Aus eigener Erfahrung sehe ich nur eine wirkliche Konkurrenz für 20-Minuten und Le Matin Bleu: mobile Anwendungen.

Was ist eigentlich: … ein Screencast?

snapzproYouTube ist voll davon. Aber im Alltag gebraucht werden Screencasts vermutlich vor allem von der Software-Entwicklergemeinde. Endverbraucher/innen haben die grosse Nützlichkeit von Web-Demofilmen noch wenig erkannt. 

Dabei können via diese kurzen Filme Software-Anwendungen und Einstellungen einleuchtend gelehrt und gelernt werden. Ein Screencast ist ein Webfilm, aufgenommen mit einer Bildschirmkamera, häufig mit einer Off-Stimme oder mit Untertiteln unterlegt. Er zeigt und erklärt Abläufe und/oder Einstellungen eines Software-Programms. Anstatt dass der Software-Support mühsam via Telefon «jetzt klickst Du da und jetzt ziehst du das dorthin» dirigiert, filmt er die Anweisungen mit einer Bildschirmkamera (hier bei Mashable ein Überblick über 12 Tools, wir selber brauchen Snapz Pro X) und stellt den Film via YouTube zur Verfügung – und öffnet damit den Support auch noch für weitere Hilfesuchende. 

Und was ist ein Webcast?
Beim «Best Of Swiss Web» gewann der Webcast der Wissen-Abteilung des Schweizer Fernsehen SF einen Preis (hier die Übersicht aller Preisträger). Es ist mehr als gefilmter Bildschirminhalt: Im Beispiel von SF ist es ein Lehrfilm über das Videofilm-Handwerk, webgerecht aufgearbeitet und professionell moderiert. Etwas vom Besten als Webcast ist wohl der «elektrische Reporter» in der neuesten Ausgabe über «Nerds»

Link: 
«Screencasting: How to start, Tools and Guidelines», Smashing Mag. 8/08 

Best Of Swiss Web 2009: Die Gewinner im Überblick

logo_bestofswisswebGestern Abend wurden im Zürcher Kongresshaus die Preise zum «Best Of Swiss Web» verliehen. Der Web-Branche gehts gut – Optimismus und frohe Gesichter auf allen Seiten. Bei den Projekten einige frische Ideen und emotionale Höhepunkte bei den Hauptpreisen.

277 Projekte waren eingereicht – sicher bildet die Liste der Gewinner das hiesige Web-Schaffen recht gut ab. Hier der Versuch eines kurzen Überblicks über die Gewinner aus den 9 Kategorien:

Technology Quality – kein Gold-Projekt
Etwas seltsam der Jury-Entscheid, aufgrund des fehlenden Wow-Effekts heuer keine Gold-Auszeichnung zu vergeben. Ich meine, RAIWeb – beispielsweise das Intranet-Projekt der Raiffeisenbank – hätte das schon verdient (hier beschrieben im Beitrag von Sophie). Die bekamen aber lediglich Silber/Bronze.

Creation – Call you Back
Drei Kantischüler und Musikstudenten sind zusammen das Musiktrio «Call you back». Ihre Band-Website ist für mich die grosse Entdeckung: Ein grafisch wunderschön umgesetzter Musikplayer, hinterlegt mit einer Zufallsauswahl an Flickr-Bildern, die im Rhytmus des Gesangs und abgestimmt auf die Lyrics wechseln.

Business Efficiency – web2print.roche – F. Hoffmann-La Roche
Lösung für die webunterstützte Produktion von Corporate Design gerechten Drucksachen eines Grosskonzerns. Leider für aussenstehende nicht einsehbar.

Online Marketing – Relaunch Web Mammut Sports
Schön fotografiert, sehr sinnlich, macht Lust auf Berg und frische Luft. Sehr umfangreich mit viel Know-how, Services und einem grossen Shop.

Online & Mobile Campaigns – connect2earth WWF International
Da können Facebook und Co. sich ein Vorbild nehmen: Das Social Network wurde vom WWF für den Austausch von jungen Menschen über Themen des Umweltschutzes erstellt – hinsichtlich eines grossen Symposiums in Barcelona 2008. Vorbildlich ist die Plattform hinsichtlich Design und Konzept – nicht ganz so vorbildlich hingegen, dass es schon heute tote Links gibt und unter «News and Blog» schlicht «no posts» gefunden wurden.

Usability – Videoguide Schweizer Fernsehen SF Wissen
Die «Wissen»-Abteilung von SF hat einen Screencast Webcast erstellt für die Selbstschulung von angehenden Videofilmern. Gewohnt souverän und charmant moderiert von Mona Vetsch und gut und spannend strukturiert. Ein unheimlich aufwändiger Auftritt.

Public Affairs – house34.ch
Eine virtuelle Wohngemeinschaft für HIV-Betroffene. Seit Einführung der Seite im November 2008 haben sich bereits über 500 Betroffene einen persönlichen Avatar zugelegt. Via ihn könnnen sie sich im House34 anonym austauschen und helfen lassen. Dass hinter der guten Idee das CH-Pharmaunternehmen Abott steht, ist löblich und auf der Website gut versteckt lesbar.

Technology Innovation – GottaGo/ Liip
Der emotionale Höhepunkt des Abends. Das Liip-Team und allen voran der GottaGo-Enwickler strahlten einen ansteckenden Enthusiasmus aus. Sie gewannen darum auch den «Master Of Swiss Web 2009» – eine sympathische, kreative Truppe.

Spezialpreis Women Wired in Web – SBB Ticket Shop Promikampagne
Ich kriege bei diesem Spezialpreis das Gefühl des «Quotenpreises» nicht los. Etwas bieder fällt dann auch die Gewinnerin aus – der SBB-Ticketshop  hat mit zwei Handvoll Promis den Ticketverkauf ins benachbarte Ausland gefördert. Das Lob über die Umsetzung von Sprechstimmen und Text kann ich nicht teilen; mir scheint alles sehr hölzern und gestellt.

Und dann gabs noch den Ehrenpreis – aber der ist uns definitiv ein separater Beitrag wert.

Übrigens – hätten wir vom Bernet-Team unseren eigenen Master of Web gekürt, wären garantiert Marco Malacarne und Mario Vogler von Elixir auf dem Podest gestanden. Sie haben letztes Jahr unsere Website überarbeitet und unterstützen uns auch Blog-Wordpress mässig tiptop – ein DANK an dieser Stelle!


Antipreneur-Shop für nach dem 1. April

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Für alle, die nach den gestrigen Scherzen auf Entzug sind: antipreneur.de. Hier gibt es die Dinge, die einem noch nie gefehlt haben. Am besten gefallen mir die Wortspiele:

Nordic-Stalking-Stöcke (Schritt für Schritt zum Lauschangriff) oder die ok-Tropfen in der Rubrik Minikamente. Hinter dem Shop des Warenweltendes steckt gemäss Selbstdeklaration «ein bunter Haufen von Designern, Konzeptern, Textern und Produktinnovatoren, die nicht weniger wollen, als das Online-Shopping zu (r)evolutionieren.»

Als Ergänzung zu den Listen aus unseren Anstoss Newslettern Teamarbeit und Ausdauer empfehlen wir die Not-to-do-Liste.

Herzlichen Dank für den Tipp an Timo Wäschle.

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