Marcel Bernet | 27.02.2009 | Dies & Das

Zensekunden Sessellift

zensekunden_sesselliftZum Wochenschluss wieder mal beschauliche zehn Sekunden. Aufgenommen in Scuol, letzte Woche.

Da hatte ich Glück, und mit Cla Mosca einen guten Freund und Local dabei: Wir haben vor dem Salaniva-Lift (Bergbahnen Scuol) einen Picknick genossen, eine halbe Stunde Warten und dann öffnete sich das Eingangstor. Nach einem Tag und einer Nacht Schneefall. Schon ein unbeschreibliches Gefühl: Vor uns lauter leere Sessel, unter uns eine riesige, unbemalte, weisse Leinwand. Wir haben den Tag sehr genossen – auf diesem Spielplatz für grosse Jungs.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Ach ja, spannend: Im Quicktime warens zehn Sekunden, jetzt zeigt Flash elf an. Tsts. Aktualisiert: Jetzt sinds Zensekunden, Schuster bleib bei deinen Konzepten. Siehe Kommentare.

Nach einem erneuten Test bleibe ich beim eingebauten, eigenen Player. Bei YouTube gefällt mir auch der angepasste Player nicht.

Schweizer Beitrag zur grafischen Designgeschichte

geigyAls Vorreiter befasste sich die J. R. Geigy A.G. –  historischer Kern der Novartis AG –  intensiv mit Design als Verkausargument. Dazu beauftragte sie renommierte Gestalter deren Arbeiten grafische Weltgeschichte schrieben. Das Museum für Gestaltung zeigt mit Good Design, Good Business Umsetzungen aus den Jahren 1940 – 1970.

Ich bin begeistert von den klar strukturierten Kampagnen, die ab 1955 in der hauseigenen Propaganda-Abteilung(!) Geigys entstanden. Rund 300 Ausstellungsobjekte von Plakaten und Inseraten über Werbekarten, Broschüren, Zeitschriften, Kalender und Bücher bis zu Schallplatten, Werbegeschenken und Verpackungen zeigen die damalige grafische Umsetzung. Erstmals wurden gleichberechtigte Elemente innerhalb eines Rasters verteilt und in Kombination von Typografie, Grafik und Fotografie  eine maximale visuelle Wirkung erreicht.

Geigy verbreitete damit seinen «Swiss Style», dessen Einfluss in der grafischen Entwicklung bis heute erkennbar ist. Mich beeindruckte, wie früh Geigy das gute Design als Absatzfaktor erkannte und Mittel in eigene Hausgrafiker investierte. In den Arbeiten ist die Identifikation mit dem Arbeitgeber und seinen Produkten klar ersichtlich.

Ausstellung läuft noch bis zum 24. Mai 2009.

Was ist eigentlich: … das Semantic Web?

fisch-schwarm_klein.jpgEin Geist geht um im WWW: unter «Semantic Web» verstehen Insider den nächsten grossen, wichtigen Schritt in der Entwicklung des Webs. Andere verstehen nur Bahnhof. Hier der Versuch einer kurzen, verständlichen Erklärung.

Unbestritten: Das Internet hat unsere Umgangsart mit Informationen gewaltig beeinflusst. Wir sind heute in der Lage blitzschnell zu jedem Thema eine Unmenge an Informationen anzuhäufen. Die Suchalgorithmen von Google & Co. erschliessen sich den NutzerInnen (und dem hier Schreibenden) nur teilweise. Weil Google diesbezüglich sehr schweigsam ist (ein Post darüber hier im GoogleWatchBlog) und das aus Gründen des Wettbewerbs und der Sicherheit. Die Suchresultat entsteht aber auf jeden Fall aufgrund der von uns eingegebenen Suchbegriffe oder ganzen Wortketten (mit OR, +, – …), oder allenfalls mit zusätzlichen Angaben innerhalb der «erweiterten» Suche.

Wenn die Maschine liest und Zusammenhänge erkennt
Das «Semantic Web» denkt weiter. Es hilft, die wirklich «relevanten» Informationen heraus zu filtern: indem es Zusammenhänge zwischen verschiedenen Themen erkennt und darstellt – abseits von Kombinationen von Suchworten. Beispiel: Als Webprogrammierer suche ich im «Semantic Web» nach «Ajax». Dieses versteht, dass Ajax ein Webdatenprotokoll und nicht ein Putzmittel und auch kein Fussballverein ist. Weil es aufgrund des Vergleichs eines unendlich grossen Daten-Netzes und meiner Anfrage die Semantik (Bedeutung) von «Ajax» versteht und daraus die richtige «Ergebnis-Wolke» definiert. Bedingung ist, dass die Daten mit sogenannten Meta-Daten angereichert sind – mit Stichworten/Tags, die alle Informationen beschreiben, in Zusammenhänge setzen und zuordnen.

…kann sie für uns «denken» und handeln
Schlussendlich kann es damit einer Maschine gelingen, selbständig und automatisch Begriffe in einen Zusammenhang zu bringen. Und uns so im Alltag in verschiedenster Weise unterstützen. Gelungene Beispiele sind im Aufsatz «Was ist das Semantic Web» (Quelle: Altova Semantics Works) beschrieben: Vom «Semantic Agent», der uns eine Geschäftsreise vom Taxi über das Hotel bis hin zu allen Agenda-Einträgen und Spesenanträgen organisiert – weil er die Reise-Zusammenhänge erkennt, versteht und die richtigen Schlüsse zieht. Die Staumeldung am Gotthard lässt ihn das E-Zugticket buchen und den Fahrplan ausdrucken undsoweiter.

Diese Erkenntnisse rund um die sind alles andere als neu. Tim Berners-Lee publizierte schon 2001 zum Thema (PDF hier). Jetzt fangen sich aber konkrete Anwendungen an zu «materialisieren». Beispielsweise bei der FAZ-Online, wie Marcel ja kürzlich (1, 2) beschrieben hat.

Wer kennt weitere Anwendungen? Wer teilt seine fantastischsten Ideen für künftige Anwendungen mit uns?

Marcel Bernet | 25.02.2009 | Medien

FAZfinance.net: Tobias Trevisan zu Semantic Web und Ausbau

fazfinancenet_logoDas Finanzportal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist online – als Betaversion. Beim Verlagsleiter Tobias Trevisan habe ich nachgefragt, wo sich denn die versprochenen semantischen Fähigkeiten verbergen.

In den drei bernetblog-Interviews hatte Trevisan die strategische Ausrichtung der eigenen Online-Aktivitäten näher geschildert. Hier seine Ausführungen zum aktuellen Launch des Finanzportals:

Wieso ist auf FAZ.net das Finanzportal noch nicht verlinkt?
FAZfinance.net war ab Januar einem begrenzten Kreis von registrierten Nutzern des Investors, der alten Fianzplattform auf FAZ.net zu Testzwecken zugänglich. Seit letzter Woche ist FAZfinance.net für alle Nutzer freigeschaltet, aber nur bei Registrierung. Ab der nächsten Woche werden wir FAZfinance.net mit FAZ.net verlinken und den Investor abschalten.

Wo profitiert der Nutzer von den angepriesenen semantischen Systemen?
Die Artikel auf FAZfinance.net werden automatisch mit FAZ.net respektive dem ganzen Archiv verlinkt. Das heisst, dass das System selbständig erkennt, welche redaktionellen Inhalte zu welchen Produkt-, Markt- oder Unternehmensdaten passen. Und sie entsprechend darstellt.

Wenn wir FAZfinance.net mit FAZ.net verlinken, wird das nicht nur auf der Ebene eines Reiters geschehen, sondern auf Einzelartikelebene. So können zu den Artikeln auf FAZ.net automatisch Informationen (Charts, Grafiken, Kursinformationen) aus dem Finanzportal dazugespielt werden. Dadurch führen wir die Nutzer des Nachrichtenportals gezielt auf das Finanzportal, wo das Wertschöpfungspotential grösser ist. In einem nächsten Schritt wird das Klickverhalten des Nutzers bei der automatisierten Darstellung von Inhalten mitberücksichtigt.

Werden Sie auch Kommentarmöglichkeiten einführen?
Wir werden unser Finanzportal in den nächsten Monaten weiter ausbauen. Dabei werden wir auch Web 2.0-Funktionalitäten berücksichtigen.

Ist der zweite Übernahmepartner neben T-Online schon bekannt?
Die Arbeiten am Finanzportal von T-Online haben erst begonnen. Nicht das gesamte Finanzportal wird übernommen, sondern einzelne Bereiche, die auf die Bedürfnisse der T-Online-Nutzer zugeschnitten werden. Wir erstellen also keine White-Label-Lösung sondern eine Mandantenlösung. Die ersten Angebote werden ab Mitte Jahr aufgeschalten.

Die Zusamenarbeit mit dem zweiten Partner wurde bereits aufgenommen. Die Kommunikation wurde aber noch nicht abgestimmt. Mit weiteren Partnern ausserhalb Deutschlands sind wir im Gespräch.

Kurzkritik des Portals siehe FAZ Finanzportal: Top-Navigation, viel Inhalt, diskrete Werbung

Marcel Bernet | 25.02.2009 | Medien

FAZ Finanzportal: Top-Navigation, viel Inhalt, diskrete Werbung

fazfinancenet_logoSeit letzter Woche ist fazfinance.net online – mit einem kleinen «Beta» auf der Startseite. Ein Schnellbesuch zeigt: Starke Navigation für sehr viele Inhalte, seriöses Layout, zahlreiche Service-Module, wenig und diskrete Banner.

Tobias Trevisan hatte Mitte Januar in den bernetblog-Interviews den baldigen Start des FAZ Finanzportals versprochen. Einen Monat später ist fazfinance.net live, wie ich durch eine Rezension auf  meedia.de erfahre.

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Clever navigiert, zu viel Bewegung
Sehr ansprechend finde ich das Gesamtlayout: Wenig grafische Ablenkung, viel Weissraum, sehr gut eingesetzte Schriften. Auch die Navigations-Links sind eindeutig. Mit den Aufklappmenus weiss man schnell, was hinter den Hauptkapiteln steckt. Zu hektisch ist für mich das schnelle Wechseln der drei Info-Kasten gleich unter dem Seitenlogo. Auch der Newsticker oben rechts im blauen Balken läuft sehr schnell. Klar, so kann man den Nutzern viele Infos gleichzeitig und immer wieder aktualisiert zeigen, mich lenkt es zu stark ab. Sehr clever ist das Ändern der Inhalte, dort wo ich es selbst auslösen kann: Die Opel- und die Lehrer-Geschichte im ersten grossen Textfeld sind eine von vier Aufriss-Feldern. Die wischen einfach nach links weg und machen Platz für weitere Aufrisse, ohne neuen Seitenaufbau.

Zahlreiche Servicemodule
Trevisan hat in den bernetblog-Interviews Deutschlands führendes Finanzportal angekündigt – vor allem dank der Verbindung von redaktionellen Inhalten und Service-Leistungen. Mit meinem schnellen Abstecher lassen sich nicht alle Optionen wirklich durchtesten, aber das Angebot ist wirklich reichhaltig. Die Standardfunktionen für das Verfolgen von Titeln und Kursen sind selbstverständlich. Dazu kommen zahlreiche Leistungsvergleiche für Renten, Zinsen, Versicherungen, Anlagen. Hier dürfte ein sehr grosses Informationsbedürfnis abgedeckt sein, von einem neutralen Anbieter. Unter dem Menupunkt «Tools» rechts aussen sind alle Module zusammengefasst.

faz_financenet_tools

Schlauer Navigator
In die Richtung eines schnellen Tracking der Nutzerabrufe geht das «Navigator» genannte Feld oben rechts. Dort wo sonst nur die meistgelesenen oder aktuellen Artikel prangen, wird hier sofort auch mein eigenes Surfverhalten als Auswahlhilfe erkannt. «Zuletzt besucht» weist auf meine gerade abgerufenen Seiten, mit einer Anmeldung kann ich mir auch konstant bestimmte Seiten vormerken lassen.

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Werbung und Semantik: Diskret

Wichtig war für den FAZ-Verlagsleiter Trevisan, dass mit diesem Auftritt interessante Werbemöglichkeiten ausgeschöpft werden können. Bestimmt sind die diskret platzierten Streifen nicht billig, den Anfang macht die Fluggesellschaft Swiss mit ihrer Business Class. Die Kurzvisite zeigt mir noch nichts von den stark angepriesenen semantischen Fähigkeiten des neuen Auftritts – aber diesbezüglich habe ich nachgefragt- siehe Kurzinterview FAZfinance.net: Tobias Trevisan zu Semantic Web und Ausbau.

(Pseudo-) Street-Art als Werbung

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Mein Berlin-Trip vom Wochenende war beeindruckend. Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall zeigt sich hier der ganze menschliche Wahnsinn besonders deutlich. Überwältigt von den vielen spannenden Eindrücken bin ich einer speziellen Werbekampagne auf den Leim gekrochen.

Berlin ist voller Street-Art. Und doch: Gut gemachte Werke fallen auf. Kunst- und werbeaffine BerlinerInnen kennen die dreiäugigen Wesen längst. Bereits vor einem Jahr haben sie für den «OGO» geworben, ein Gerät für mobiles Instant Messaging (Chatten). Haus- und andere Wände in ganz Berlin sind mit gesprayten Sujets und Sprüchen wie «Don’t die – chat!», «Die Welt ist ein Chatroom» oder «Sag was du willst – aber sag es mit OGO». Und mit der zugehörigen URL.

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Eine grosse Sammlung der Sujets ist auf Flickr abgebildet. Ich habe mir in einem  Buchladen sogar ein Postkartenmotiv der Männchen gekauft. Ohne zu wissen, dass und für was es wirbt. Und kam der Sache erst durch einen Hinweis auf die Schliche. Ein Makel an der kreativen Geschichte soll sein, dass nur ein Teil der Hausbesitzer ihr Einverständnis für die Werbepräsenz gegeben hatten – was in der Blogosphäre Unmut provozierte. Der Wikipedia-Eintrag dagegen spricht von Bewilligungen auf 120 Hauswänden. Die Dreiäugigen sind heute noch präsent und erregen offensichtlich Aufmerksamkeit – so nachhaltig zu Kommunizieren ist hohe Kunst.

Wo bleibt die Webseite?

lupe_on_httpAm 18. Februar hat Ueli Maurer orientiert, dass die Sicherheitspolitik der Schweiz breit diskutiert werden soll. Mitreden können beispielsweise die Parteien, die AUNS , die GSoA oder die Kirchen.

Die Protokolle der Anhörungen sind später im Internet nachzulesen. Die Website wird die Forschungsstelle für Sicherheitspolitik der ETH Zürich betreiben und moderieren. Ziel ist der Dialog. Ich bin auf die Moderation gespannt, vor allem wie Selbstdarstellungen und Schlammschlachten vermieden werden.

Am nächsten Freitag beginnen die Anhörungen, also habe ich mich auf die Suche nach der Webseite gemacht. Dass die grossen Zeitungen keinen Link angeben, ist schon «verdächtig». Die Suche beim VBS und der ETH bestätigt: Die Webadresse ist noch geheim. Oder ist sie überhaupt schon definiert? Rückfragen per Mail an den VBS-Sprecher Martin Bühler sind nicht vorgesehen, nur Anrufe. (Leider habe ich nur den Anrufbeantworter erreicht.)

Zu einer solchen Ankündigung gehört es auch, dass die – möglichst einfache – Adresse bereits besteht. Und die Webseite informiert, wann es losgeht, bereits bekannte Programmpunkte, die Akteure, den Diskussionsmodus, Kontakte usw. nennt. Der RSS-Feed und das Newsletter-Abo müssen funktionieren. Damit wir es nicht verpassen, wenn die Diskussion startet.

Achtung Copyright: Bildagenturen wollen Geld

lupe-on-http1Wer Fotos oder Grafiken ohne Zustimmung des Urhebers im Web veröffentlicht, handelt illegal. Was tun, wenn eine Bildagentur nachträglich hohe Lizenzgebühren fordert?

Klar, Sie kennen das Urheberrechtsgesetz. Dummerweise ist es Ihnen aber trotzdem passiert: Sie haben ein Bild auf Ihrer Webseite publiziert, dessen Quelle Ihnen nicht bekannt war. Eine Bildagentur fordert nun einen Schadenersatz in dreistelliger Höhe. Was können Sie tun? Der Beobachter schlägt drei verschiedene Strategien vor.

_Verhandeln. Die Höhe der Forderung von Bildagenturen ist – je nach Rechtsstandort – anfechtbar. Nach Schweizer Recht berechnet sich der Betrag aus dem Einnahmeausfall, dem administrativen Aufwand und einem Aufschlag für die illegale Nutzung. «Eine exakte Formel gibt es dafür allerdings nicht», schreibt der Beobachter. «Rechtsanwälte empfehlen daher, die Höhe der Beträge anzufechten.»

_Ignorieren. Einige Betroffene haben die Rechnung einfach ignoriert. Andere haben ihre Schuld in einem Brief bestritten. Internetforen wie www.abmahnwelle.info vertrauen darauf, dass die Bildagenturen den Gang zum Gericht meiden und die Sache letztendlich im Sand verlaufen lassen.

_Zahlen. Begleichen Sie die Rechung, ärgern Sie sich nicht und lernen Sie etwas daraus. Verwenden Sie in Zukunft nur Bilder von bezahlten Bilddatenbanken oder Gratis-Fotoportale und geben Sie die Quelle Ihrer Bilder im Impressum an. Günstige Fotoportale sind Fotolia und iStockphoto. Kostenlos, aber völlig legal bekommen Sie Bilder bei Pixelio oder Stock.xchng.

Weitere Beiträge zum Thema:
Internet-Recht – Was ist erlaubt?

Facebook beschränkt Gruppe auf 5000

facebook-logoMit dem aktuellen Billag-Fall schränkt Facebook Gruppenaktivitäten ein. Aber wo sind die Nutzungsbedingungen von Facebook ersichtlich? Werden diese laufend angepasst?

Die Gruppe Bye Bye Billag (Volksinitiative zur Abschaffung der Billag) zählt auf Facebook 31′000 Gruppenmitglieder. Das soziale Netzwerk würde sich für Politaktionen im Internet sehr gut eignen. Dieser Plan ist gescheitert: Facebook stellt für Gruppen mit mehr als 5′000 Mitgliedern die Dienste ein, da eine Serverüberlastung befürchtet wird.

Als Nicht-Facebook-Mitglied (!) will ich mehr über die Nutzungsbedingungen wissen. Auf der gleichnamigen Seite kämpfe ich mich durch den Paragraphen-Dschungel. Richtlinien über Gruppen bzw. Groups finde ich keine. Werden diese je nach Gruppenarragement neu erfunden?

Zum Glück für mich werden Politaktivisten weiterhin auf der Strasse Unterschriften sammeln.

Blog für Bergfans

Blog Destination Davos KlostersSeit Januar bloggt die Destination Davos Klosters. Der Start zeigt noch Schwächen, aber für Bergfans haben die meist touristischen Themen ihren Reiz.

Der Blog der Tourismuswebseite stellt auffällig offene Fragen. Man traut sich an kontroverse Themen (Beispiel Schneeräumen – weiss oder schwarz?) und lädt zum Kommentieren ein. Allerdings wirken diese Aufforderungen etwas plump. Die Meinung des Absenders bleibt offen und der Absender selbst anonym. Ich wüsste gern, wer bei  der «Destination Davos Klosters« schreibt und was er oder sie denkt. Anpassen würde ich auch die Frequenz: Es gibt dreiwöchige Pausen, dann in zwei Tagen 5 Beiträge.

Dennoch: Bei denen, die unter 700 Metern leben und arbeiten, kann der Blog die Sehnsucht nach den Bergen wachhalten.

Politik im Netz: Social Networks noch mässig im Einsatz

facebook-logoErstaunlich, dass hiesige politische Organisationen (im Gegensatz zu Einzelpersonen) soziale Netzwerke noch kaum für sich nutzen. Ist es, weil es fast unmöglich scheint, auf den riesigen und rasant wachsenden Plattformen den Überblick und die «Kontrolle» zu behalten?

Aufgefallen ist uns jüngst die Kampagne «Nein zum Rentenklau», die als Facebook-Gruppe Unterschriften sucht für ein «Nein zur Revision des Gesetzes über die berufliche Vorsorge». Gut gemacht – aber auch effektiv? Schaffen politische Gruppierungen via Facebook den steilen Weg vom Wissen über die Einstellung bis zur konkreten Handlung (Wahl, Abstimmung, Unterschriftensammlung)?

Mit einer Präsenz versuchen heute vor allem einzelne Polit-Akteure ihre Bekanntheit zu steigern. Sogar der Gesamtbundesrat (Leuenberger, Calmy Rey, Merz, Widmer-Schlumpf, Couchepin?, Leuthard, Maurer) ist fast komplett vertreten. Wie erkenne ich, welche dieser Profile «offizell» sind?

Im Gegensatz zu den Personen ist bei den Gruppen deutlich weniger los. Es scheint, als würden sich die FacebookerInnen einen Deut darum scheren. Reine «Fun»- oder Konsumthemen finden deutlich grösseren Anklang. Fakt ist: Die Gruppe «Migros Budget» hat per heute rund 11′000 Mitglieder – unia, die mitgliederstärkste Schweizer Gewerkschaft bringt es auf 117 (in zwei schlecht koordinierten Auftritten, s. 1 und 2). Nicht viel besser vertreten sind die Organisationen in Deutschland: Die SPD weist zwar ein gut gepflegtes Profil aus, erreicht damit aber auch nur 334 Freunde. Und Verdi – die Gewerkschaft – ist zahlenmässig sogar noch schlechter vertreten als die genannte unia.

Noch keine Organisation habe ich gefunden, die einen eindeutigen, nachvollziehbaren Auftritt hat. Die Suche nach «Greenpeace» bringt beispielsweise über 500 Ergebnisse. Welcher Gruppe soll ich als Unterstützer jetzt beitreten? Die Verunsicherung ist gross. Es scheint enorm schwierig, hier die Fäden in der Hand zu behalten.

Freitag, der Dreizehnte

blitzGlück im Unglück? Wie überstehe ich den heutigen Tag?

Je nach Land und Glauben variieren die Erwartungen an den heutigen Tag. In der jüdischen Tradition ist die 13 eine Glückszahl und ein Symbol Gottes, weil sie über der Zwölf steht. Bei den Japanern gilt die 13 ebenfalls als Glückszahl. In vielen anderen Ländern bedeutet die Zahl 13 Unglück: In Amerika gibts keine 13. Etage, denn da würde niemand wohnen wollen und auch in Flugzeugen fehlt die 13. Sitzreihe.

Mathematische Ansicht: Der kürzeste Abstand zwischen zwei «Freitagen, den 13.» beträgt nur vier Wochen. Dies ist immer der Fall wenn der 13. Februar ein Freitag ist, und der Februar nur 28 Tage lang ist. Was heuer zutrifft. Dann ist bereits im folgenden Monat wieder Freitag, der 13. Zuletzt war dies 1998 der Fall.

Der längste Abstand zwischen zwei Un-/Glückstagen beträgt 14 Monate oder genau 61 Wochen. Dieser Fall tritt ein, wenn der 13. Juli ein Freitag ist, und das folgende Jahr genau 365 Tage zählt. Dann ist erst der 13. September des Folgejahres wieder ein besonderer Freitag. Zuletzt war dies Juli 2001/September 2002 der Fall.

Passend zum Thema: Heute Filmstart Friday the 13th.

Twitterer im Profil: Acht Unternehmen aus Deutschland

twitterlogoDer Blog des deutschen Medienmonitoring-Dienstes ethority porträtiert acht Beispiele von Unternehmen, die twittern. Von der Gemeinschaftsbank über die Hannoversche Allgemeine Zeitung bis Greenpeace.

Der Beitrag «Corporate Twitter in Deutschland» ist wirklich gut gemacht – er stellt allen acht Kurznachrichten-Pionieren die selben Fragen. Die unterschiedlich ausführlich beantwortet werden. Darunter auch die Frage nach dem Nutzen für die eigene Organisation und besonderen Twitter-Erlebnissen von

Sehr gut gemacht und für mich überraschend das Beispiel der Gemeinschaftsbank. Allesamt ein interessantes Panoptikum für alle, die sich Zwitschern im Rahmen ihrer Online-Vernetzung anschauen wollen. Drauf gekommen bin ich übrigens dank einem Follower meiner Tweets. Danke @lgraef, habe mich gleich auch bei dir angehängt.

Ach ja und für allen, denen hier langsam zuviel gezwitschert wird: Ich hab nächste Woche Tourenferienschnee-Blogpause (-:

Best practice: Video-Player der New York Times

obama_9-februarHaben sich schon alle die Obama-Medienkonferenz vom Montag angeschaut? Ich verzichte hier auf eine Beurteilung, davon gibt es genug andere. Genial ist der Video-Player der NYT.

Wer sich um gute Web-Videos kümmert – oder wer solche hie und da runterladen möchte: Unbedingt dieses Beispiel anschauen. Die New York Times zeigt erstens die Bilder, zweitens rechts daneben eine Transkription und drittens darüber einen Abspielbalken. Dieser Balken hat Zwischentitel, die genauso anklickbar sind, wie der ganze Text rechts. So kann man genial genau dorthin springen, wo man grad mal schnell reinhören will. Und sogar eine Volltext-Suche hats auch noch dabei. Wow.

suchfenster_videoplayer

Twitter: Es ist, was du draus machst

twitterlogoIn den letzten zwei Wochen bin ich ein besserer Twitterer geworden. Hier meine Learnings, die Empfehlung von Tweetdeck und ein NYT-Artikel.

Twitter lenkt ab, keine Frage. Morgens schaue ich mir die eingegangenen Meldungen an, parallel zur E-Mail. Das Ablenkunspotenzial ist riesig, damit verbunden aber auch das Lern-, Austausch- und Vernetzungspotenzial. Doch der Reihe nach:

Mein Twitter-Konzept: Vernetzung, Nützliches, Fokus
Inspiriert durch den PR-Blogger (siehe Klaus Eck hat ein Konzept) habe ich mir endlich selbst Gedanken gemacht, wohin ich mit Twitter überhaupt will. Denn eingestiegen bin ich in diesen Dienst mit grosser Zurückhaltung. Muss das auch noch sein? In der Zwischenzeit habe ich gemerkt: Ja. Mit meinem Konzept, Version 0.1 Beta.

  1. Ziele: Vernetzen, Neues erfahren, Lernen. Über Twitter will ich mich mit Personen vernetzen, die im Bereich Online-Kommunikation, Web-Trends, Medien engagiert sind. Fachleuten, die etwas zu diesen Themen zu sagen haben. Ich lese deren Mitteilungen, ich beantworte oder kommentiere ihre Meldungen – pflege den Dialog.
  2. Inhalt: Nützliches und Dialog. Ich schreibe möglichst nur Tweets (Twitter-Kurzmeldungen), die meinen Mit-Lesern (Followern) einen Nutzen bringen. Sehr oft sind das Links zu interessanten Web-Inhalten. Dazu kommen seltene Status-Meldungen, wenn ich grad weg bin (da kann ich mich noch verbessern) und Antworten auf Fragen oder eigene Fragen.
  3. Fokus: Sehr gezielter Einsatz. Für mich bleibt Twitter etwa an vierter Stelle der täglichen Kommunikationsprioritäten. Nach persönlichen Gesprächen, Telefon, E-Mail. Ich will meinen Fokus zwischendurch auch ganz gezielt auf Arbeiten legen, mich also auch mal abmelden aus sämtlicher Kommunikation. In diesem Sinne werde ich wohl auch nie einer der Vieltwitterer werden, mit Stolz auf die bereits abgesetzten Kurzmeldungen.

Twitter-Domain besetzen, Tweetdeck nutzen
Aufgrund von Feedbacks anderer Twitterer habe ich letzte Woche meinen Twitter-Namen von twitter.com/bernetblog geändert auf twitter.com/marcelbernet. Weil Mit-Leser nicht wussten, wer von uns fünf Autor/innen hinter bernetblog steckt. Diese Adresse nutzen wir in Zukunft für Kurzmeldungen jedes Blog-Beitrags. Auf /marcelbernet schreibe ich persönlich.

Der Wechsel der Domain ist auf Twitter einfach – vorausgesetzt die neue Adresse ist frei. Tipp an alle: Die eigene Domain auf twitter.com/… besetzen, bevor es andere tun. Mehr geturnt habe ich nach der Umstellung mit meinem Twitter-Programm. Man kann die Twitter-Einträge auch im Browser lesen und schreiben – aber Zusatzprogramme wie Twitterific, Twhirl oder Tweetdeck machens wesentlich leichter. Mir gefallen Funktionalität und Design von Tweetdeck am besten: Links alle aktuellen Meldungen, in der Mitte Antworten, rechts Direktmeldungen (die sehe nur ich und der Direktpartner). Mein grösstes Learning: Wenn ich von einem Twitter-Account ins nächste wechseln will, ganz oben rechts aus- und wieder einloggen.

tweetdeck

New York Times: Twitter ist das, was du draus machst
Diesen Blogbeitrag ausgelöst hat Aurel Hosennen – danke für Deinen Tweet-Link zum NY-Times-Artikel. David Pogue bringt sehr schön auf den Punkt, wie es Twitter-Einsteigern geht. Auch er ist widerwillig dazu gestossen. Muss das sein? Noch ein Ego-Instant-Chatting-Social-Network-Tool? Überzeugt hat ihn dann, mit welcher Geschwindigkeit und Kompetenz ihm eine Frage auf Twitter beantwortet wurde. Jeder kann daraus machen, was er oder sie will – «eine Gechäftsanwendung, eine Zeitverschwendung für Teenager, einen Recherche-Assistent, eine Newsquelle». Sein Fazit: Twitter ist was für «geeks and early-adopters», aber man muss es ausprobieren, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

A propos ausprobieren: Was sind die besten Twitter-Hilfsmittel? Ich teste grad Tweetscan fürs Monitoring. Mobil habe ich noch nichts installiert, dauernd mag ich nicht twittern. Erfahrungen? Anstösse?

Kurzerklärung samt Film: Twitter vom elektrischen Reporter (Dez 08)
Gastblogger Nico Luchsinger: Was ist eigentlich Twitter (Juni 08)

Sophie Graf | 11.02.2009 | Social Media

Blogger im Profil: blog.persoenlich.com

ackeretSeit ein paar Wochen bloggt die Redaktion von persoenlich.com. Grund genug, einem der Macher unsere drei Fragen zu stellen.

Matthias Ackeret, warum bloggt persoenlich.com?
Die Erfahrungen in den USA zeigen, dass sich dank dem Internet ganz neue Kommunikationsformen ausserhalb der klassischen Medien etablieren können. Das ist faszinierend. Trotzdem traue ich dem neuen Medium immer noch nicht ganz; wichtig sind nicht die technischen Möglichkeiten, sondern die Inhalte, damit das Ganze interessant bleibt.

Welches ist Ihre wichtigste Blog-Erfahrung?
Meine wichtigste Blog-Erfahrung war die Lancierung von TeleBlocher zusammen mit Norbert Neininger, dem Chefredaktor der
Schaffhauser Nachrichten. Die Idee, jede Woche ein Interview mit dem damaligen Bundesrat Christoph Blocher ins Netz zu stellen, löste einen
medialen Taifun aus, welches sogar Thema einer Bundesratssitzung war. Das Bundesamt für Kommunikation BAKOM startete eine Untersuchung über die Rechtmässigkeit der Sendung. Daneben kam auch noch der publizistische Pulverdampf: Die Grosskommunikatoren wie Peter Studer, Ueli Haldimann, Frank A. Meyer und Klaus J. Stöhlker zeigten sich entrüstet über das Internetfernsehen und befürchteten den Untergang der Schweiz. Heute haben sich die Wogen geglättet: TeleBlocher hat rund 70000 regelmässige Zuschauer und dürfte das meistzitierteste Interview unseres Landes sein. Dies zeigt doch, welche Macht das Internet haben kann.

Welches ist Ihr grösster Blog-Wunsch?

Für den persoenlich.com-Blog wünsche ich mir spannende Diskussionen und Kontroversen, die wir in unseren Heften so nicht abhandeln können.

Mein Fazit:
Der
“persoenlich.com”-Newsletter mit Nachrichtenaus aus der Schweizer Kommunikationswirtschaft gehört zum täglichen Lesefutter vieler Kommunikations- und Marketingprofis. Der Blog bietet zusätzliche Unterhaltung. Wo aber ist der Mehrwert? Mir persönlich reicht der Newsletter. Und ich frage mich, ob Gastautoren wie Roger Schawinski, Peter Hartmeier und Peter Röthlisberger dies längerfristig ändern können.

Zu TeleBlocher siehe auch folgende Blogbeiträge:
Politik im Netz: BlocherTV – holzschnittartige Selbstfeier
SF Blocher-Reportage: manipulativ?


Studie Web.de: 58 Prozent nutzen Soziale Netzwerke

world_friends_kleinDer deutsche E-Mail-Platzhirsch web.de hat eine Studie zur Internet-Nutzung veröffentlicht. Erstaunlich: Knapp 60 Prozent der Deutschen nutzen Soziale Netzwerke. Die Resultate zeigen interessante Details zu Anbietern, Altersstruktur, effektiver Verweilzeit.

Danke Klaus Eck für den Tweet – er hat mich direkt zum FAZ-Blogger Helmut Schmidt geführt. Sein Beitrag listet die wichtigsten Erkenntnisse samt zahlreichen Grafiken. Leider fehlt dort jeder Link zur Studie selbst – befragt wurde letzten November eine repräsentative Stichprobe von 1006 Internet-Nutzer/innen ab 16 Jahren, per Online-Fragebogen. Hier die methodischen Hinweise. Leider kann die Studie nur gegen 120 Euro geladen werden. Also konzentriere ich mich auf das FAZ-Blog-Material.

Schade natürlich, dass wir solche Details nicht über den Schweizer Markt erfahren. E-Mail bleibt die führende Web-Applikation, sie wird am meisten und am längsten genutzt. Aber die Bekanntheit und Nutzung von Sozialen Netzwerken von Facebook bis Xing ist erstaunlich. Interessant sind auch die Vergleiche der Altersprofile. Erstaunlich: Facebook erreicht gerade mal eine durchschnittliche Bekanntheit von 26.5, Stayfriends ist der Überflieger mit 48 Prozent. Bei der effektiven Nutzung sackt Facebook auf 9.6 ab, Stayfriends bleibt Leader mit 31.7 Prozent. Spannend, wie mit Stayfriends ein Schulklassen-Wiederfinder vorne weg braust. Ich weiss, das haben wenigstens die Befragten so gesagt – hier der Chart:

webde_studie-mail-social-networks-effektive-nutzung-09

Mir scheint, das Facebook im Web und in den Printmedien wesentlich mehr Aufmerksamkeit erhält als in dieser Umfrage. Spannend auch der Sprung von Bekanntheit zu wirklicher Nutzung, dazu habe ich diese Grafik erstellt:

bekanntheit-vs-nutzung-soz-netzwerke-studie-webde

MySpace hat sich in allen Köpfen eingenistet, hier ist der Sprung zur angegebenen Nutzung am grössten. Bei Xing und Wer kennt wen ist das Verhältnis sehr ausgeglichen, Xing-Konkurrent LinkedIn erreicht mit 1.6 zu 0.5 Prozent zu tiefe Werte für eine nachhaltige Aussage.

Sind das Indizien für die Zukunft? Wer wird sich durchsetzen? Eine zentrale Frage für alle, die Soziale Netzwerke in ihre Kommunikation einbetten möchten. Ich denke: Auch in Zukunft werden sich Organisationen je nach Zielgruppe die passendste Plattform aussuchen müssen, je nach Zielsetzung und Ressourcen auch mehrere gleichzeitig bedienen. Facebook hat für mich das grösste Leaderpotenzial, auch in der Schweiz. Einspruch?

EuroComm2009: Wie das UNHCR die Kommunikation umkrempelte

uni_luganoWie verbessert eine riesige Institution in kurzer Zeit ihre Kommunikation-Strategien? Das Hochkomissariat für Flüchtlinge UNHCR ist in den letzten Jahren diesen Weg gegangen. Nick van Praag prägte diesen Prozess und stellte einige Schlüsselfaktoren heute morgen vor.

Das UNHCR ist seit über sechzig Jahren in den Krisenherden dieser Welt präsent.  Im Gegensatz zur UNICEF oder der UNO haben sie es aber selten geschafft, ihre Botschaften zu transportieren. UNICEF beispielweise war in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich besser und «emotionaler» positioniert. Das UNHCR hat (zusammen mit der Uni Lugano) die Kommunikation gemessen: Welche Inhalte senden wir aus? Was kommt zurück? Wie sieht der Vergleich mit unseren «Mitbewerbern» (die zahlreich sind im humanitären Bereich) aus?

Fokussieren
UNHCR musste in den Aussagen deutlicher werden. Es zeigte sich, dass in den Communiqués von «Flüchtlingen» die Rede war – in einer immensen Zahl. Besser wäre, diese Zahl zu personalisieren. Wieviele Frauen und Männer? Kinder? Wie alt sind sie? Wieviele Kinder pro Familie? Wie heissen Sie?
Damit ist auch gemeint, klarer Stellung zu beziehen: die Probleme zu bennenen, eigene Lösungsansätze zu erklären und  sich damit abzuheben von anderen Organisationen. Und ganz wichtig: Weg zu kommen von den unregelmässigen, news-orientierten Botschaften, hin zu einer regelmässigen, orchestrierten Gesamtkommunikation – ähnlich wie ein «regelmässiger Herzschlag».

Distanz verringern
Die wichtigen Stakeholders der UNHCR waren alle sehr weit von den Betroffenen – den Flüchtlingen – entfernt. Nicht nur geographisch. Wichtiger Teil der Strategie war also, die Bezugsgruppen zusammen zu bringen. Konkret: die Geschichten der Einzelschicksale zu erzählen – möglichst direkt. Durch die Betroffenen selber oder durch prominente Botschafter – ein UNHCR-YouTube Statement von Ben Affleck oder Angelina Jolie erreicht unglaubliche Reichweiten.

«New (Social) Media» einsetzen
Das UNHCR ist heute auf allen gängigen Plattformen präsent: Von Flickr über einen eigenen Google-Map-Layer, Facebook oder YouTube (die Links führen zu den konkreten Anwendungen). Die einzelnen Geschichten lassen sich auf alle diese Formate anpassen. Mit teils riesiger und rasant schneller Verbreitung. Auch die eigene Website als Herz oder «Host»  ist angepasst und verweist auf die Plattformen.

Partner einbeziehen
Das Gesamtbudget für die weltweite Kommunikation der UNHCR betrage 25 Millionen Dollar. Das ist wenig in Anbetracht der riesigen Zahl an Projekten (und Betroffenen). Mit Partnerschaften konnte dieses Budget aber deutlich «erhöht» werden. Als Beispiele sei der «Human Race» genannt, der weltweite Lauf-Event, organisiert mit massiver Marketing-Unterstützung von Nike.

So schwierig diese Veränderungen in der Umsetzung (und der Akzeptanz von alteingesessenen UNHCR-PR-Menschen) waren – sie erreichten in wenigen Jahren markante Verbesserungen. Noch 2006 waren noch nicht mal die Löhne der UNHCR-Mitarbeitenden gesichert. Für 2008 wurde nun ein mehr als ausgeglichenes Budget präsentiert. Ein deutliches, messbares Ergebnis.

EuroComm2009: Strategien gegen die Infoflut

uni_luganoWie gehen wir PR-Schaffenden mit der wachsenden Infoflut um? Das zweitägige PR-Symposium EuroComm2009 in Lugano startete heute morgen mit einer bemerkenswerten Keynote über Erkenntnisse zur Infoflut und über Strategien für die PR-Praxis. 

Prof. Martin Eppler und Dr. Jeanne Mengis stellten Ihre Studie namens «Preparing Messages for an overloaded Environment» (via diesen Link ist die Studie leider nur für IABC-Members gratis im Download erhältlich).

Das Problem: Je besser wir informiert sind (Anzahl Informationen), desto höher ist die Qualität unserer Entscheidungen. Aber nicht unbegrenzt. Irgendwann, mit immer mehr Informationen, bricht die Kurve – und unsere Entscheidungen werden qualitativ schlechter. Unsere Entscheidungsfähigkeit wurde von Informationen überflutet. Wie platzieren wir unsere Botschaften trotzdem beim Zielpublikum?

Eppler und Mengis haben dazu sechs Strategien definiert:

1. Familiar Surprise
Geben Sie den Empfängern die Chance, an bestehendes Wissen anzuknüpfen – und überraschen Sie dann mit einer anderen Sichtweise, neuer Information, einem anderen Zugang.  

2. Detailed Overview
Wer will was wie detailliert? Sorgen Sie zuerst für eine klar verständliche, umfassende Übersicht. Und zeigen dann den Dialogpartnern wo sie – wenn gewünscht – noch detailreicher informiert werden. 

3. Flexible Stability
Bauen Sie eine leicht verständliche Info-Struktur auf, die von den Empfängern möglichst einfach verstanden wird (Layout, Visualisierungen, Usability). Die sie schnell (wieder-)erkennen. Aber wahren Sie in diesen stabilen Strukturen eine gewisse Flexibilität – damit nicht Eintönigkeit die Aufmerksamkeit lähmt. 

4. Simple Complexity
Viele Entscheidungen basieren auf komplexen Forschungen, auf vielschichtigen Erkenntnissen. Dieser Unterbau wird immer wichtig bleiben. Aber die Kommunikation darüber ist in einfachen Bildern, Metaphern, Beschreibungen am wirkungsvollsten. «Make it simple and stupid» genügt nicht. Die Rezipienten müssen von der Information überzeugt, motiviert, vielleicht gar begeistert sein. Und können dann immer noch in die Komplexität eintauchen. 

5. Concise redundancy
So verschieden wir sind, so unterschiedlich nehmen wir Informationen auf. Einer reagiert auf harte Fakten, andere auf Emotionen und dritte auf spannende Geschichten. Nutzen wir diese Vielfältigkeit – und senden die Botschaften über diese verschiedenen Zugänge. Damit erreichen wir mehr Menschen in besserer Qualität.    

6. Unfinished Completeness
Wir wollen umfassend informieren und alle unsere Botschaften platzieren. Manchmal kommt die Botschaft aber besser an, wenn der Rezipient den letzten Schluss selber zieht, wenn wir ihn selber denken und entscheiden lassen. Ich meine: eine mutige, aber wohl wirkungsvolle Strategie.   

Was all diese Strategien massiv unterstützt und wir alle noch viel zu wenig nutzen, sind Visualisierungen: Wie stelle ich das Problem, die Fragestellung, die Lösung grafisch dar? Gemäss Umfragen machen wir es zu wenig, weil wir es nicht lernen und weil wir uns vor der technisch-handwerklichen Umsetzung fürchten.

brandeins zu PR: Basics und interessante Beispiele

brandeins_feb09Diesmal ist das ganze brandeins unserem Metier gewidmet. Wolf Lotters Basics zur Geschichte der PR fand ich weniger spannend, dafür den Umgang mit Twitter-Angriffen auf eine Schmerzmittel-Kampagne in den USA.

Man kann das aktuelle Heft online bestellen, im Archiv sind alle Texte erst nach Erscheinen der nächsten Ausgabe. Bereits jetzt verfügbar ist Propaganda!, das Essay von Wolf Lotter. Es liefert eine gut recherchierte Geschichte der modernen PR, die aus seiner Sicht den Anfang in den USA nimmt. Diese Sicht kannte ich, deshalb konnte ich für diesmal wenig Neues aus den Betrachtungen gewinnen. Dieser bernetblog-Beitrag tönt andere Möglichkeiten der PR-Herleitung an: Für PR wars Europa. Übrigens wieder mal eine geniale Prolog-Idee: Wolf Lotters Geschichte beginnt mit Rosinen aus dem Papierkorb der Redaktion – was PR-Abteilungen so alles versenden…

Vielleicht interessieren Sie sich mehr für den Vergleich von Aldi und Lidl – erstere kommunizieren nie (ausser gerade in der Schweiz, sehr zum Ärger eines ehemaligen Kadermitglieds) und letztere nur gerade dann, wenn der Druck zu gross wird. Zwei aussergewöhnliche Beispiele. Weiteres Anschauungsmaterial bieten Amnesty International, Qantas, Medizin und ein Besuch bei einem Pressebeobachtungsdienst.

Ausgedruckt und archiviert habe ich mir den Beitrag zur jäh beendeten Werbekampagne für Motrin. Dieses Original habe ich noch auf YouTube gefunden, das Ende scheint zu fehlen. Trotzdem wird klar: Dieses seltsame Drehbuch musste Mütter auf die Barrikaden bringen. Die vereinfachte Aussage: Gute Mütter tragen ihr Baby am Körper, das gibt Rückenschmerzen und dagegen nimmt frau Motrin. Der Protest startete in privaten Weblogs aufgebrachter Mütter, wurde von einer bekannten Bloggerin aufgenommen und gleich in Twitter weiter getragen. Dieser Kanal beschleunigte die Verbreitung in weiteren Blogs und schliesslich in Printmedien. Die Twitter-Einträge sind auf YouTube, beim Anschauen besser den Ton ausschalten. Fazit für die Online-PR:

  1. Selbst Erfahrungen mit Blogs, Twitter, Facebook sammeln
  2. Ein aktuelles Online-Monitoring aufbauen
  3. Im Krisenfall schnell und persönlich reagieren

Letzteres kann nur, wer vorbereitet ist. Und auch wirklich offen für einen (beschleunigten Online-) Dialog.

Twitter-Basisc im bernetblog: Was ist eigentlich Twitter / Klaus Eck hat ein Konzept

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