Creative Commons neu im weissen Haus

cclogo12001  wurde das gemeinnützige Öffentlichkeitsrecht in den USA gegründet, mit dem neuen Präsidenten hält es nun Einzug ins weisse Haus.

Barak Obama ist mit den heutigen Kommunikationsmitteln bestens vertraut, dies ist längst bekannt. Mit ihm findet sich im weissen Haus (offizielle Seite) auch das öffentliche Nutzungsrecht Attribution 3.0 United States, von creative commons, ein. Dies beinhaltet, veröffentlichte Information zu teilen und daraus neue abzuleiten. Immer mit dem Hinweis zur Quelle: Whitehouse.gov. Über diesen Meilenstein der Informationsteilung freuen sich creative commons ganz besonders. Meines Erachtens hat dies ziemlich lange gedauert und wie inoffiziell hat die Informationsverbreitung vorher stattgefunden? Ich bin gespannt, was der Rest der Welt (wie sie uns nennen), in Zukunft aus dem weissen Haus vorgelegt bekommt.

Quelle: Joi Ito Japan

Weitere Beiträge zu Barak Obama:
Obama bloggt – Was ist ein Blog?
Amtsantritt: Inszenierung auf allen Kanälen

Obama: Sieger dank Web 2.0?
Journalismus 2.0: NY Times mit Obama auf Facebook

EuroComm2009 Lugano: Letzter Aufruf zur Registrierung

logo_eurocomm09In etwas mehr als einer Woche – am Montag und Dienstag 9. und 10. Februar – findet in Lugano die IABC EuroComm2009 statt. Heute ist Deadline zum Einschreiben. Ich werde zwei Tage vor Ort sein und «live» berichten.

Das PR-Symposium an der Uni Lugano steht unter der Schirmherrschaft der International Association of Business Communicators (IABC). Das Programm ist vielfältig. Mit Referenten von der UNO, von Nestlé, Shell und von den Universitäten in Lugano, Warwick (UK) usw. Es werden Forschungen präsentiert über den Umgang mit Information in einer informationsüberfluteten Gesellschaft, neue Entwicklungen von Social Media und Workshops abgehalten zu Branding, Lobbying, MarKom und den Umgang mit Erfolgsmessung. Da warten sicher zwei volle Tage auf mich. Wer ist sonst noch dabei?

(Übrigens: Wie in unserem Impressum beschrieben, veröffentlichen wir prinzipiell keine Beiträge über unsere Mandate und zur EuroComm09 führen wir in keinster Weise ein Mandat…)

Kein Bonus, kein Jet: Staatshilfe wirkt lähmend

endoftunnelkleinGestern hat die Citigroup die Bestellung eines Firmenjets rückgängig gemacht. Der Druck aus Politik und Medien wurde zu gross. Macht die UBS ihre Bonuszahlungen rückgängig? Wie frei sind teil-verstaatlichte Unternehmen in ihrem Handeln und in ihrer Kommunikation?

Die UBS-Bonusabsichten werden uns noch eine ganze Weile auf den Titelseiten beschäftigen, siehe auch unseren gestrigen Beitrag. Die Emotionen branden hoch, wenn ein ganzes Volk sich als Mit-Träger eines Unternehmens sieht. Da gibt es plötzlich Dinge, die man als Unternehmer nicht mehr tun darf. Der Stammtisch entscheidet, was drin liegt. Darauf hat sich das Handeln und die Kommunikation der Unternehmen auszurichten, die staatliche Hilfe annehmen.

Und der Stammtisch entscheidet emotional. Die Meinungen sind schnell gemacht. Gerade, wenn die eigene Stelle gefährdet, der eigene Lohn viel tiefer ist, man keinen 13. bekommt. Medien und Politiker spielen mit diesen Emotionen, differenzierte Sichtweise und Fakten verlieren an Bedeutung.

Barack Obamas Team habe sich profiliert mit einem Anruf bei der Citibank, wie die ABC News gestern Dienstag meldeten. Man hätte verlangt, dass die Citigroup ihre Bestellung eines 50 Millionen US Dollar Jets storniere. Vor dem Hintergrund von 45 Milliarden US Dollar Staatshilfe sei das nicht opportun. Am Montag hatte die New York Post den Luxusjet genüsslich beschrieben, der erst noch in Frankreich bestellt worden war. Überraschend: Der erste von 186 Kommentaren warnt vor einer schnellen Verurteilung – der Mann arbeitet für eine US-Firma, welche die Inneneinrichtungen dieser Flugzeute herstellt. Und sein Arbeitsplatz sei durch die Annulation vieler Bestellungen gefährdet.

Die New York Times stellt keine Verbindung zu Obamas Team her. Sie berichtet weniger aufgeregt und zitiert zwei Senatoren, die Einspruch gegen die Flugzeugbeschaffung erhoben haben. Ein schönes Beispiel dafür, wie stark sich die Politik in diesem Spiel profiliert. Die Citigroup hatte den Jet 2005 bestellt um «die Flotte zu reduzieren und wirtschaftlichere Flugzeuge einzusetzen». Und sie warnte in ersten Stellungnahmen vor den Millionen, die sie bei einer Annullation der Bestellung bezahlen müsste. Doch dann wurde der Druck zu gross, die Citigroup verzichtet auf die Beschaffung.

Fazit: Wer staatliche Hilfe beansprucht, hat nicht nur den Staat selbst, sondern alle Steuerzahler und die ganze Politik als Stakeholder. Die unternehmerische Freiheit ist in vielen Bereichen faktisch auf Null reduziert. Man sitzt im Glashaus und kann eigentlich nur noch alles falsch machen.

Politkampagnen: Krähen und Schafe lässt man dem Gegner

rabe_nein_ausschnittDie SVP setzt bei der Bilateralen-Abstimmung auf Krähen, um ihre Botschaft emotional umzusetzen. Die Gegenkampagne hat dieses Symbol übernommen. Besser ist es, eigene Symbole zu entwickeln. Und dabei zu bleiben.

Ich mag Krähen sehr. In ihnen sitzt bei aller Schwärze ein tiefer Schalk, Intelligenz und natürlich auch eine Portion Frechheit. Siehe dazu auch den Zensekunden-Beitrag um Jahreswechsel. Die SVP hats wieder mal geschafft, eine Botschaft perfekt zu vereinfachen und holzschnittartig umzusetzen. Dass dabei die Krähen schlecht wegkommen, sie sind ja recht boshaft dargestellt, muss so sein. Schon 1928 hat Edward Bernays im Klassiker «Propaganda» geschrieben: «Es ist sinnvoll, in einer politischen Kampagne an die Gefühle der Menschen zu appellieren – und sogar ein unverzichtbarer Faktor jeder Kampagne.»

rabe_nein

Die Economiesuisse hat als Metapher den Apfelbaum gewählt. Auch mit hohem Werbedruck, aus meiner Sicht viel zu früh eingesetzt. Zu einem Zeitpunkt, als noch die wenigsten offen waren für das Thema. Mit dem Auftauchen der Krähenplakate stieg die Nervosität im Befürworter-Lager. Plötzlich erschienen auch Dampfloks vor einer Brücke, die von Comic-Figuren im Stil Blochers und Brunners zerschlagen wird. Oder der aus meiner Sicht grösste Fauxpas: Ganze Inserateseiten mit viel zu vielen Argumenten – und dazu das Krähensujet.

rabe_ja

Dieser Schachzug wird denn von den unternehmerischen Absendern gar als genial gefeiert. Ich sehe das anders: Wer besetzte Symbole einsetzt, der investiert immer einen Teil seiner Energie ins Gegenlager. Unbewusst werden die Adressaten einen verstärkten Auftritt der Krähe sehen, die ja dominant für die SVP wirbt. Nur bewusst und mit grosser Aufmerksamkeit sieht man die feinen Unterschiede in der Darstellung des Vogels.

Ich bin überzeugt: Ein kleiner ironischer Seitenhieb wie damals bei den T-Shirts mit schwarzen und weissen Schafen, das kann funktionieren und lustig sein. Aber eine Kampagne darf niemals auf Symbole der Gegenseite setzen.

(Dieser Beitrag erscheint auch auf der Bilablog-Plattform mit 20 Blogger/innen für die Bilateralen)

Bilaterale: bernetblog auf Bilablog und virales Video

rabe_nein_ausschnittIn den letzten zwei Wochen vor der Abstimmung zur Erweiterung der Bilateralen Verträge macht auch der bernetblog ein wenig Politik. Mit einem Beitrag auf dem bilablog. Und ein eben erhaltenes Video ruft mich zum Mitmachen auf – gute Idee, schlechtes Drehbuch.

Die meisten werden ihre Couverts schon eingesandt haben. Jetzt geht es darum, die Unentschlossenen für sich zu gewinnen und die Abstinenten an die Urne zu locken. Für einmal engagiert sich auch der bernetblog politisch: Wir machen mit beim bilablog. Den Initiator Andreas Kyriacou haben wir am letzten blogcamp kennen gelernt. Seine Idee eines temporären Blogs für die Bilateralen finden wir unterstützenswert. Er hat es geschafft, eine ganze Reihe von Politiker/innen und Blogger/innen für die Idee zu gewinnen. Und wir haben uns entschieden, unseren Beitrag auf dem bilablog in französischer Sprache zu publizieren, voraussichtlich morgen Mittwoch. Hier auf dem bernetblog wird er dann zeitgleich freigeschaltet.

Personalisiertes Video: Aufwändig, witzig, ausufernd
Ganz witzig fand ich die Mail an mich mit dem Betreff «Marcel Bernet stürzt die Schweiz in tiefe Krise». Dazu ein Link auf eine News-Seite mit einem TV-Beitrag. Grafisch gut gemacht, mein Name gleich wieder auf dem Fernsehbild hinter dem früheren Tagesschau-Sprecher Charles Clerc. Das Ziel der Kampagne: Befürworter davon überzeugen, dass jede Stimme zählt. Das Tagesschau-Video enthält gut gemachte visuelle Effekte, wo immer wieder personalisiert «Marcel Bernet» auf Bannern und Plakaten prangt. Weil ich es eben verpennt hätte abzustimmen, sei die Sache mit einer einzigen Stimme abgelehnt worden. Schade: Das Video ist zu lange. Und es enthält peinlich gemachte Szenen mit der pflegebedürftigen Person, die nun alles alleine machen muss. Oder dem Büezer, der mit dicken schwarzen Schlieren auf der Stirn den Bettel hinwirft. Solche Tiefpunkte lassen mich beinahe vor dem witzigen Ausschnitt der Gebrüder Blocher aussteigen. Sie fordern mich nämlich auf, die Schweiz jetzt zu retten. Ganz bis ans Ende habe ich trotzdem nicht durchgehalten.

Eine gute Idee, viral gut aufgesetzt, mit grossem Aufwand. Bravo. Einzig beim Video gilt: Weniger wäre mehr gewesen.

Bundespräsidiale Videos

Hans-Rudolf MerzZwei Reden von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz sind als Video verfügbar: die Neujahrsansprache und die Botschaft  zur Abstimmung über die Personenfreizügigkeit

Was das Ziel der Botschaft zur Abstimmung anbelangt, kommt das Video Ende Januar 2009 zu spät. Zwei Wochen vor der Abstimmung sind die Meinungen gemacht, viele haben bereits abgestimmt.

An den Videos ist mir weiter aufgefallen: In der Neujahrsansprache steht Merz beim Sprechen und wirkt dadurch lebendiger. In der Botschaft zur Abstimmung ist Merz trotz des persönlichen Einstiegs eher steif.

Die Videos dauern je etwa 5 Minuten und sind damit noch «konsumierbar».

In Französisch und Italienisch gibt es nur die Neujahrsansprache. Auf den Seiten in F und I wurde zwar der Inhalt des aktuellen Videos zusammengefasst, aber sonst heisst es  «La vidéo n’est disponible qu’en allemand.»«Il filmato è disponibile solo in tedesco.» Untertitel, statt mehrsprachiger Produktionen, könnten eine Zwischenlösung sein.

Es wird nicht klar, ob weitere Videos folgen. Ein RSS-Feed oder eine Abo-Möglichkeit besteht nicht. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir 2009 noch mehr Bundespräsidenten-Videos sehen werden.

UBS Bonus: 500 Kommentare in einem Tag

dialog 2.0Gestern Abend um 22.00 Uhr hat der Tages Anzeiger eine Geschichte zu absehbaren UBS-Boni online gestellt. Am ersten Tag sind 500 Kommentare eingegangen. Es gibt nichts emotionaleres als Geld.

Mit dieser Heftigkeit haben wohl weder FINMA noch UBS gerechnet. 2.5 Milliarden Franken sollen als Boni ausgeschüttet werden für 2008, die Zahl wird aber erst am 10. Februar definitiv. Bis dahin kann die Diskussion noch ein wenig weiter angeheizt werden. Die Bank wird ein schlechtes Ergebnis präsentieren und sie hat Staatshilfe erhalten. Sprecher der Finanzmarktaufsicht FINMA und der UBS haben die Insider-Informationen kommentiert. Und gesagt, dass die Boni durch die FINMA nochmals wesentlich reduziert worden seien. Oder dass die oberen Kader wesentlich weniger oder gar nichts bekommen.

Womit die Diskussion eröffnet ist. Bei den 500 Kommentaren finden sich UBS-Angestellte, differenzierte Stimmen und eine grosse Menge von Stimmungsmachern. Erstaunlich ist die Heftigkeit, mit der auch ganz direkt angeheizt wird. Die Interessensträger von links bis rechts schüren das Feuer um darauf ihr eigenes Süppchen zu kochen. Und die Medien werden die Diskussion heftig begleiten, das Thema wird uns in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen.

Die UBS kann eigentlich nur alles falsch machen. Boni sind vertraglich abgemacht. Die Mitarbeitenden warten seit Monaten darauf, ob sie etwas bekommen und wenn ja wieviel. Aber kommunikativ nach aussen sind Zusatzzahlungen in einer Krise einfach nicht akzeptabel darstellbar.

blogsofa FAZ_3: Was müssen Journalisten können?

blogsofa-trevisan-journalist1Im dritten und letzten blogsofa-Ausschnitt blickt FAZ-Geschäftsleiter Tobias Trevisan in die Zukunft der Journalisten und der bernetblog zieht ein Fazit aus dem Gespräch.

Wo werde ich die FAZ in zehn Jahren lesen? Tobias Trevisan meint: gemütlich beim Kaffee. Das entspricht meiner Lieblingsvorstellung. Denn so lese ich Zeitungen schon heute am liebsten. Fern von iPhone, Twitter und bernetblog. Aber vielleicht bleibt nur für die Alten wie mich alles beim Alten?

Herr Trevisan: Wohin führt die Online-Strategie der FAZ?
Für mich steht Wertschöpfung vor Reichweite. Das heisst: Wir heben uns dort ab, wo wir auch Geld verdienen können. Ich weiss, das ist nicht einfach im Web. Und auch nicht immer möglich. Wir wollen präsent sein mit einem sehr aktuellen, schnellen und qualitativ hochstehenden Online-Angebot, passend zu unserer Reputation. Die Wertschöpfung pro Nutzer liegt zum Beispiel bei der Trading-Plattform onvista.de rund zehnmal höher als auf faz.net. Mit dem neuen Finanzportal auf fazfinance.net wollen wir unsere Wertschöpfung erhöhen, indem wir redaktionellen Gehalt mit Beratungstools und Finanzdaten kombinieren.

Was müssen Journalistinnen und Journalisten in zehn Jahren besser können als heute?
Sie müssen sich noch stärker mit der Frage beschäftigen, welche Qualitäten nachgefragt werden. Ich glaube, dass die Zukunft eine weitere Spezialisierung von Inhalten und Formaten bringen wird. Online wird sich das Angebot weiter atomisieren, mit einer Vielzahl von Inhalts-Anbietern.

Und wer sagt denn den Journalisten, was nachgefragte Qualität ist? Die Marktforschung, die Nutzung des Angebots oder der Dialog mit den Lesern. Wobei nicht einfach die Masse zählt, wie Tobias Trevisan in diesem Gesprächs-Ausschnitt näher ausführt:

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Fazit: Neue Geschäftsmodelle wagen
Das Gespräch mit Tobias Trevisan hat mir gezeigt, wie anspruchsvoll die Leitung eines grossen, etablierten Verlags ist. Wenn das eigene, über Jahre erfolgreiche Geschäftsmodell durch Suchmaschinen, News-Aggregatoren, Online-Portale konkurriert wird: Wo mache ich mit? Wo schütze ich meine etablierten Margen? Wenn ich mich zu lange gegen das Neue wehre, dann klaut mir jemand die Marktchancen.

So könnte es den etablierten Zeitungen mit ihren verschlossenen Archiven gehen. Klar werden hier noch Einnahmen generiert, aber man verpasst die Gelegenheit, sich Online mit Inhalten zu profilieren und zu etablieren. Ein wenig mehr Öffnung müsste hier drin liegen – siehe übrigens diesen aktuellen Beitrag aus dem Medienspiegel, wo es ums Wieder-Verschliessen der NYT-Archive geht.

Nachhaltig scheint mir die Strategie der FAZ, mit dem Finanzportal wesentlich über den angestammten verlegerischen Bereich hinaus zu gehen. Hier will Trevisan die Glaubwürdigkeit der eigenen Marke und deren Neutralität in ein Online-Geschäftsmodell bringen. Damit verbindet die FAZ bereits bestehende Module wie Artikel, Beratung und Börsendaten auf eine neue Art und Weise. Und bricht damit das Monopol von Banken oder Lieferanten von Finanzdaten. Wie heisst es doch so schön: «Rien ne se crée, rien ne se perd, tous se transforme.»

blogsofa FAZ_1: Deutschlands grösstes Finanzportal?
blogsofa FAZ_2: Offene Archive und Semantik

Verwandte Artikel:
Journalismus 2.0: Tageszeitungen gibts noch lange?! (Podium)
Medien und Qualität: Die NZZ will smart sein
Journalismus 2.0 bei der NY Times
Journalismus wohin – ehrliche Antworten von Cash und Newsnetz

Dominik Allemann | 23.01.2009 | Tools

Web-Tipp: Sonnig.ch gegen das Januar-Dunkel

sonnigchNebel und Wolken hängen heute besonders tief und nass am Üetliberg und über dem Zürichsee. Es scheint, als stünde ein Indoor-Wochenende vor der Tür. Aber – vielleicht strahlt ja über der Nebelsuppe die Sonne?

Wer sich  schnell eine Sonnenlicht-Übersicht schaffen will, findet sie auf sonnig.ch. Die Karte deckt die «Greater Zurich Area» ab. Vom Säntis bis Sempach und von Pfäffikon bis Altdorf. Via Mausover über die roten Kreuze wird die so gekennzeichnete Webcam eingeblendet, ein Klick drauf bringt Zusatzinfos. Die Webcam-Kreuze lassen sich ausblenden nach Nähe zu Zürich (>30min von Zürich, >45min von Zürich) und nach Höhenmetern (über 500m, über 1000m). Praktisch – und die Macher versprechen, demnächst noch Zusatzinfos zu laden.

(Mausklick aufs Vorschaubild zeigt Grossansicht.)

Obama bloggt – was ist ein Blog?

white-house-logoBarack Obama bloggt – was aufgrund der Vorarbeiten für seine Kampagne zu erwarten war. Nein, kommentieren kann man nicht. Nein, er schreibt nicht persönlich. Wann ist ein Blog ein Blog?

Heute sehe ich bei einem Technorati-Besuch, dass der Präsidenten-Blog schon in den ersten Tagen einen kometenhaften Aufstieg im Ranking erlebt. Kein Wunder, denn von überall her wird auf ihn verlinkt. Der erste Beitrag wurde zur Zugfahrt nach Washington verfasst, der aktuellste zeigt Video und Text der Inaugurationsrede.

Die gesamte White House-Website ist perfekt gemacht, sie ist auch grafisch eine Fortsetzung der Kampagnen- (ja, sie steht immer noch) und der Change-Site (nein, sie ist gelöscht und verlinkt auf das White House). Die Navigation ist sehr benutzerorientiert und simpel. Blog wird hier einfach als Synonym für (täglich?) aktualisierte Inhalte verwendet. Aber der Autor bleibt im Gegensatz zu unserem Schweizer Leuenberger-Pendant unbekannt. Kommentare gibt es keine abzusetzen. Die einzige Einladung zum Dialog folgt separat über ein sogenanntes «Office of Public Liaison». Auf diesem Formular können Fragen abgesetzt werden. Hier wird ein sehr kontrollierter Dialog aufgesetzt, Antworten wird man nur in seiner Mailbox finden.

office-of-public-liaison_formular1

Irgendwie schade. Ich hätte mir mehr Offenheit gewünscht. Wohl wissend, dass ein derart attraktives Blog eine Menge von seltsamen, einseitigen Kommentaren anziehen wird. Aber vielleicht werden ja noch eine gefilterte Auswahl von Fragen und Antworten publiziert? Das ist aus meiner Sicht Voraussetzung für einen wirklichen Dialogansatz. Sonst bleibt das Ganze in der Web-Promotion stecken.

blogsofa FAZ_2: Offene Archive und Semantik

blogsofa-trevisan-semantisch1FAZ-Geschäftsleiter Tobias Trevisan hat an der Dreikönigstagung der Schweizer Verleger sein Konzept einer semantischen Web-Applikation präsentiert. Was will sein Verlag damit erreichen? Wie arbeiten Print und Online bei der FAZ zusammen? Sind die FAZ-Blogs erfolgreich? Hier der zweite Teil des blogsofa-Interviews.

Überrascht hatten mich bei der Vorbereitung des Gesprächs die vielen Blogs auf der Startseite von faz.net. Kommentare sind nur möglich, wenn man sich zuerst registriert, die Registration bestätigt und sich dann einloggt.

Herr Trevisan: Funktionieren die Blogs?
Ja, wenn sie prominent platziert sind. Da liegt für mich wohl die Hauptherausforderung für den Online-Bereich: In der Navigation. Wie alle Online-Redaktionen haben auch wir das Problem, dass die Startseite immer länger und immer voller wird. Wir haben kürzlich nachgezählt – es sind mittlerweile 350 Infos drauf.

Haben Sie ein Konzept für den Umgang mit Kommentaren? Wird rück-kommentiert?
Dafür gibt es keine Vorgabe, das ist Sache des Redaktors. Sie geben die Kommentare auch frei, wir schalten sie erst nach einem Gegenlesen auf. Bewusst in Richtung Dialog gehen wir im sogenannten Lesesaal. Mit dieser Community rund um Bücher und Lesen suchen und begleiten wir den Austausch aktiv. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht und da wollen wir auch weiter gehen.

Economist, Wall Street Journal oder Financial Times sind auf Facebook – die FAZ?
Nein. Und das planen wir auch nicht. Wenn Communities, dann auf unserer eigenen Plattform. Ich sehe auf Facebook oder StudiVZ für unsere Marke noch zu wenig Zielgruppen-Nähe. Und der zusätzliche Aufwand einer externen Plattform generiert keinen Ertrag.

Wie arbeiten Online und Print auf der Redaktion zusammen?
Wir befinden uns hier, wie viele Verlage, in einer steten Übergangsphase. Print- und Online-Redaktorinnen und Redaktoren arbeiten in den selben Räumen, mit der selben Führung. Einige Printjournalisten schreiben auch Online-Beiträge, andere bleiben bei Print. Die Online-Redaktoren in den Ressorts haben den Lead für den Online-Teil, sie holen sich je nach Bedarf die Information intern bei Spezialisten, koordinieren sich mit Print.

Wieso öffnet die FAZ das Printarchiv nur gegen Entgelt?
Weil wir damit Geld verdienen. Weil da sehr viel Wissen, Qualität, Arbeit drin steckt. Wir verkaufen diese Inhalte an zahlende Abonnenten, an Wissensdatenbanken, an Unternehmen und Organisationen für ihre Intranets oder Presseschauen. Es macht keinen Sinn, dass wir das Printarchiv öffnen, nur um damit ein paar Suchabfragen mehr auf faz.net zu locken. Mehr Traffic um jeden Preis kann nicht die Strategie eines Qualitätsverlags sein. Vor allem dann nicht, wenn dies nicht zu zusätzlichen Erlösen führt.

Sie sprechen von semantischen Suchmodellen – was heisst das für die FAZ?
Dahinter steht der Schritt zu Web 3.0 und die Idee, dass wir die stets wachsende Vielzahl unserer Inhalte in einer Datenbank hinterlegen, die alles immer wieder neu organisiert. Und zwar in Bezug auf semantische, also sprachliche Merkmale – und diese immer verknüpft mit den häufigsten Suchabfragen und den gängigen Navigationswegen durch den ganzen Inhalt. Der Inhalt wird also nicht nur alphabetisch oder chronologisch geordnet. Sondern auch nach Zusammenhängen, die sich aus Sprache und Nutzerverhalten ergeben.

Alles klar bezüglich Semantik? Hier die  Erklärung von Tobias Trevisan im Original:

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

blogsofa FAZ_1: Deutschlands grösstes Finanzportal?
blogsofa FAZ_3: Was müssen Journalisten können?

Internet-Recht: Was ist erlaubt?

lupe_on_http1.jpg

Darf man Videos, Texte oder Bilder, die im Internet frei verfügbar sind, für seine Zwecke nutzen? Welche gesetzlichen Grenzen müssen Blogger respektieren?

Mit fremden Inhalten sollte man vorsichtig umgehen – nicht nur offline, sondern auch im Internet. «Immer mehr geraten auch Blogs, Foren oder private Webseiten ins Visier der Urheberrechtsinhaber», erklärt eine Broschüre von irights.info und Klicksafe.de. Folgende Grundsätze gelten auch im Web:

Das Recht am eigenen Bild. Fotos und Videos dürfen nur veröffentlicht werden, wenn die betrefffenden Personen damit einverstanden sind. Ausnahmen sind Personen von öffentlichem Interesse, z.B. Prominente.

Das Urheberrecht. Geschützt sind Musikstücke, Filme, Texte, Fernsehsendungen, Computerprogramme und Grafiken. Diese dürfen zwar für den privaten Bereich genutzt werden, nicht aber für öffentliche Blogs. Auch wer zum Beispiel aufgezeichnete Fernsehsendungen auf YouTube hochlädt, macht sich strafbar.

Fazit: Wer fremde Werke online stellen will, sollte immer den Rechtsinhaber fragen. Anders ist das bei open contents – Inhalten, die von ihren Urhebern freigegeben wurden. Sie unterstehen einer sogenannten freien Lizenz, zum Beispiel von Creative Commons. Auch wir vom bernetblog haben uns auf eine Creative Common-Lizenz geeinigt. Konkret: Für nicht kommerzielle Zwecke dürfen Sie unsere Texte gerne nutzen und weiter verbreiten, so lange Sie eine Quellenangabe (im Minimum: www.bernetblog.ch) machen.  Danke, dass Sie unsere Regeln einhalten!

Marcel Bernet | 20.01.2009 | Medien

blogsofa FAZ_1: Deutschlands grösstes Finanzportal?

blogsofa-trevisan-online-strategisch1Wie bewegen sich Verlage im Online-Bereich? Was heisst das für Kommunikations-Verantwortliche und Medienschaffende? Diesen Fragen geht der bernetblog neu auch mit Gesprächen auf dem blogsofa nach. Platz genommen hat Tobias Trevisan, Geschäftsführer und Sprecher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ. Im ersten Teil gehts um Sparen, Qualität und das Ziel, Deutschlands grösstes Finanzportal zu werden.

Tobias Trevisan ist ein angenehmer Gesprächspartner: Offen, pragmatisch, unprätentiös. Der Verlagsprofi war unter anderem tätig für Ringier, TA Media und NZZ. Von dort hat er 2006 den Sprung in den deutschen Markt gewagt. Als gebürtiger Basler kommt er immer wieder gerne in die Schweiz – mit knapp 3000 Abonnenten und grossen Werbekunden der wichtigste Auslandmarkt seines heutigen Arbeitgebers. Zwischen Geschäftsterminen und einem Ski-Wochenende in Davos nimmt er Platz auf unserem blogsofa.

Herr Trevisan – was sind die letzten News, die Sie gelesen haben?
Die Meldung über den Absturz des Airbus in den Hudson, auf meinem Blackberry – über NZZ Online.

Wie konsumieren Sie generell News?
Am Morgen die Zeitung, natürlich zuerst die FAZ, dann Konkurrenten. Im Büro immer wieder Online-Dienste, bei kleinen Pausen oder auch während eines Telefongesprächs. Ich konsumiere sehr wenig Fernsehen, einzig Nachrichten – und wenn, dann oft sehr spät abends.

Spart auch die FAZ?
Wir haben uns zum Glück bereits im ersten Quartal 2008 mit Sparüberlegungen auseinandergesetzt und uns im August für einen Einstellungsstopp entschieden. Die Zeichen waren schon Ende 2007 klar: ein Rückgang der Stelleninserate und Anfang 2008 weniger Werbung aus dem Finanzbereich. 2009 wird wirtschaftlich ein schwieriges Jahr . Wieder aufwärts geht es wohl frühestens Anfang 2010.

Wie lassen sich Sparübungen mit Ihrem Qualitätsanspruch verbinden?
Einsparungen sollten ohne Qualitätsverlust zu erreichen sein. Wir versuchen das, indem wir laufend alle Prozesse überprüfen. Im Verlagsmarketing konzentrieren wir uns beispielsweise uns auf das, was die höchste Effizienz bringt.

Im Vordergrund der Diskussion steht der Qualitätsbegriff: Wir orientieren uns sehr häufig an der angebotenen und zu wenig an der nachgefragten Qualität. Da müssen wir umdenken. Bei der FAZ waren wir zum Beispiel davon überzeugt, dass ein Farbfoto auf der Titelseite die Qualität mindert. Und dann haben Tests gezeigt: Unsere Leser sehen das ganz anders. Das im Oktober 2007 eingeführte neue Layout hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir unsere Auflage erhöhen konnten. Und dass die Leser der FAZ in einer Marktforschung eine höhere Qualität attestieren.

Dieser blogsofa-Ausschnitt illustriert: Tobias Trevisan sieht die grösste Bedrohung nicht in der aktuellen Wirtschaftslage sondern in der strukturellen Veränderung der Mediennutzung. Die Online-Aktivitäten zählen zu den strategischen Projekten der FAZ.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Wie wichtig ist Online für die FAZ?
Online ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Inhalts- und damit unserer Markenstrategie. Wir wollen den Online-Bereich weiter ausbauen.  In eine Richtung, von der die Gesamtmarke profitiert und die gleichzeitig Einkünfte generiert.

Wie wollen Sie das erreichen?
FAZ.net ist als Nachrichtenportal in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Feuilleton etabliert. Wir ergänzen die Newsplattform nun mit vertikalen Themenportalen. Es sollen Bereiche entstehen, in denen sich die Leserinnen und Leser massgeschneiderte Infos holen und wo sie sich in Communities auf unserer Plattform austauschen können.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist unser Finanzportal, das wir in diesen Tagen live schalten. Dahinter steht ein Joint Venture mit Softwareunternehmen, die auf die Entwicklung von Beratungsapplikationen für Finanzinstitute spezialisiert sind. Dieses Finanzportal ist über semantische Verfahren mit unserem Nachrichtenportal verknüpft. Das macht es möglich, Inhalte schneller und besser auf die Bedürfnisse der Nutzer einzurichten.

Finanzportale gibt’s viele – wo liegt der Unterschied?
In zwei Punkten: Erstens entwickeln wir nich nur ein reines Börsenportal, sondern eine Allfinanzplattform. Das heisst: Wir decken ein breites Themenfeld von Steuerfragen über Immobilien, Altersvorsorge bis zur Vermögensplanung ab. Und zweitens bieten wir zu den redaktionellen Inhalten und Daten auch Beratungsapplikationen. Sie erlauben es, die persönliche Finanzplanung selbst zu erstellen. Da verbinden wir Information und Beratung, als neutraler Verlag. Immer mehr Kauf- und Anlageentscheide werden im Internet vorbereitet und hier ist die FAZ ein äusserst glaubwürdiger Anbieter.

Wir haben die Plattform von Anfang an als Mandantenlösung aufgebaut. Dies erlaubt uns zum Beispiel mit T-Online zusammenzuarbeiten: Sie werden unser System auf ihrer eigenen Plattform übernehmen. Im Moment sind wir in Verhandlungen mit weiteren Portalen – mein Ziel: Noch in diesem Jahr wollen wir das reichweitenstärkste Finanzportal Deutschlands sein.

blogsofa FAZ_2: Offene Archive und Semantik
blogsofa FAZ_3: Was müssen Journalisten können?

Amtsantritt: Inszenierung auf allen Kanälen

inauguration_nytimes_kampagneMorgen Dienstag wird er sein Amt antreten, seit Tagen ist er auf allen Kanälen präsent. Barack Obama setzt die integrierte Kommunikationsarbeit fort. Inszenierung gehört zur Führung. Mal mehr, mal weniger.

Überrascht hat mich letzten Donnerstag die NY Times. Sie lädt mich über mein Mail-Newsabo dazu ein, die ganze Inauguration live zu erleben, meine Bilder hochzuladen, Kommentare einzugeben, Videos zu sehen. «Wieso der Geschichte zusehen, wenn Sie daran teilnehmen können?» Web 2.0 machts möglich, von Facebook bis Blog. Na ja, mir geht das ein wenig zu weit. Als Kommunikationsprofi schaue ich mir gerne an, wie das abläuft. Aber vielleicht haben wir in zehn Jahren auch in der Schweiz Bundesratswahlen, die mit einer Medienpartnerschaft auf allen Kanälen ausgewertet werden? Hoch genug sind die Einschaltquoten ja schon jetzt.

Es wird gefilmt, geflickert, getweeted
Über den Anlass morgen (oder besser: die Serie von Anlässen bis morgen) wird heftigst publiziert. Die NY Times hat in diesem Blogbeitrag zusammengestellt, was alles läuft: Bei ihr selbst läuft einer der vielen Live-Videostreams, auch Hulu und Joost sind dabei. Current TV beginnt ab 11.30 Lokalzeit mit Live-Twittern, wofür Twitter gleich die Übertragungskapazität ihrer Server verdoppelt hat. Wer weiss, was «Flickeristas» sind? Wohl die, die Photos raufbeamen oder runterladen – sie können sich in einer Washingtoner Bar treffen und sich via Spezial-Flickr und persönlich austauschen. Microsoft baut mit CNN ein dreidimensionales Panorama des Anlasses auf. Dazu kombiniert die Software Photosynth Bilder von Newsagenturen, Medien und Benutzern in ein 3D-Bild. Wer nicht eingeladen ist, kauft sich schöne Kleider für seinen Avatar und besucht einen der Bälle auf Second Life und Wee World. Ja, und es gibt ein Presidential Inaugural Committee’s Web Tool, wo der kommente Präsident Spenden entgegennimmt und zu einer Party im Freundeskreis aufruft. Ach ja, dann wäre da noch die 2009 Presidential Inauguration Guide iPhone Applikation. Mit Tipps und Tricks für alle Anreisenden.

Wer sich einsetzt, setzt sich aus
Schon 1928 schrieb Edward Bernays in seinem Standardwerk «Propaganda»: «Durch Propaganda werde die Rolle des Präsidenten… überhöht und seine Person heroisiert…, ist eine häufig zu hörende Kritik… Aber wie soll man einen Effekt verhindern, der sich offensichtlich mit einer Sehnsucht weiter Bevölkerungsteile deckt?» Hier geht es um die Sehnsucht aller, die aufblicken zu einem Vorbild. Die Inszenierung gehört zur Führung. Erfolg hat sie dann, wenn sie bis hinein zum Kern stimmt. Wenn sie auf Worte auch Taten folgen lässt. Und wenn sie langfristig einer klaren – und aus meiner Sicht eher zurückhaltenden Linie folgt.

Ob Barack Obama der Mann ist, der die Herausforderungen des Moments erfüllt? Ich wünsche es ihm – zum Abschluss noch der Link zu einem interessanten Video der NY Times. Es blickt auf die Inaugurations-Rede, sagt dass es sich dabei als Spezialfall nicht mehr um eine Kampagnen-Rede und noch nicht um eine Regierungsrede handelt. Und die Redenschreiber von J. F. Kennedy und Bill Clinton geben Empfehlungen ab. Die Video-Plattform der Times ist wirklich stark gemacht.

Ein Kopf ist zuwenig

Rusted Crown Steve Jobs Abtauchen hat einen Taucher der Apple-Aktien ausgelöst. Er hat die Kommunikation (und das Management?) zu lange auf seine Person konzentriert.

In der Kommunikation gilt: Köpfe zeigen, Menschen wollen Menschen sehen, Gesichter müssen her. Dies ist bewusst im Plural formuliert, es heisst nicht «Kopf», «Mensch»oder «Gesicht». Steve Jobs hätte genug Zeit und kommunikative Macht gehabt, um zu zeigen, dass nicht nur er selbst stark ist, sondern auch sein Team und die Mitarbeitenden. Denn gute Unternehmenskommunikation nützt langfristig dem Unternehmen und nicht der Person. Und sie hat ein Krisenkonzept.

Interessant dazu ist auch der Podcast von NZZ-Impluse «Steve Jobs Einfluss wird überschätzt». Der IT-Analytiker Winiger von der Bank Julius Bär glaubt, dass die Apple-Aktie derzeit unterbewertet ist.

Sabine Betschart | 16.01.2009 | Tools

Freedom – produktive Arbeitszeit

logo2Ein arbeitsreicher Tag steht an. Wie schaffe ich es, alle Dinge zu erledigen? Freedom hilft vor dauernder Ablenkung und sorgt für Effizienz. Vielleicht bin ich schon bald für einige Stunden vom Telefon befreit?

Übersicht und Selbstmanagement zu bewahren ist eine Kunst. Immer wieder springen Symbole an meinem unteren Bildschirmrand, die Mail-Inbox zeigt vier Neueingänge. Die Online-Zeitung hat dauernd neue Artikel bereit.

Freedom hilft, eine gewünschte Zeit, ohne Ablenkung zu sein. Die Applikation, zurzeit nur für Mac erhältlich, deaktiviert alle Internet-Funktionen. Die Auszeit wird in Minuten eingegeben und bis zum Ablauf dieser Frist hat die Arbeitsfreudige keinen Zugang zum Internet.

freedom2

Die maximale Auszeit beträgt sechs Stunden. In dieser Zeit ist der Internet-Zugang unterbrochen, welcher nach Ablauf der Zeit selbständig wieder aufgebaut wird. Einen frühzeitigen Abbruch  ist nur durch einen Neustart möglich. Jetzt fällt mir ein, durch VOIP, wäre ich mit Freedom auch vom Telefon befreit. Ab ans Installieren.

Dax, Zinsen, Lebensmittelpreise: Alles rutscht

Food shopping

Im Rahmen einer Recherche lese ich grad bei der FAZ: Die deutschen Discounter Aldi und Penny senken die Preise um 19 Prozent. Die waren im letzten Sommer ziemlich angestiegen. Wir Schweizer Medienkonsumenten haben ja gerade die Eröffnung der Preis-Kommunikations-Schlacht erlebt.

Hier der Original-Artikel auf faz.net. Wie bei uns in der Schweiz ziehen kommunikativ alle nach, wenn einer vorprescht. So betont denn auch Edeka, dass sie bald gleichziehen werden. Wobei in Deutschland gemäss Stellungnahmen nicht Margen gedrückt werden, sondern «…Einkaufspreisvorteile schnell und vor allem dauerhaft an unsere Kunden weiter…» gehen, wie ein Vorstandsmitglied der Penny-Besitzerin Rewe zitiert wird. Die steigenden Rohstoffpreise hatten im vergangenen Somemr zu einem «Preis-Rallye» geführt. Die Inflation für 2008 meldet das Statistische Bundesamt bei 2.6 Prozent.

Von Lidl hat die FAZ keinen Kommentar erhalten. Dieser Anbieter wird die Preisprofilierung aller Lebensmittelkanäle in der Schweiz mit seinem für März bevorstehenden Markteintritt weiter bestimmen. Nehme ich an. Ich weiss: Preis ist einer der wesentlichen Marketing- und Kommunikationsfaktoren. Aber irgendwie geht im ganzen Hickhack von sonntäglichen Pressekonferenzen und darauf folgenden Werbekampagnen und Gegenaktionen einiges verloren. Wofür steht jetzt genau Migros? Coop? Denner? Aldi? Lidl?

iPhone kauft frische Fische

greenpeace_logoGreenpeace hat einen Ratgeber für den Fischkauf veröffentlicht. Die Infos gibt es auch fürs iPhone.

Welchen Fisch darf ich ohne schlechtes Öko-Gewissen essen? Um für den nächsten Fischkauf gewappnet zu sein, habe ich den heute Morgen entdeckten Fischratgeber von Greenpeace sofort runtergeladen.

Mein erster Eindruck: Ansprechende Liste, nach Kriterien geordnet, auf den Abbildungen sind die Fische gut zu erkennen. Innert Sekunden ist klar, ob dieser Fisch nachhaltigen Kriterien genügt. Mit einem Klick weiss man sogar warum.

Die Suche nach bestimmten Fischen ist schwieriger. Wie heisst Red Snapper auf deutsch? Ist Heilbutt das Gleiche wie Steinbutt? Und Loup de mer: Seewolf oder Wolfsbarsch? Eine Erweiterung um die Namensvariationen wäre nützlich.

Ob viele diese Liste beim Einkauf nutzen werden, ist fraglich. Aber weil iPhones – noch – kultig sind, hat diese Liste virale Chancen und wird zum Thema. Und die Hauptbotschaft ist schnell deutlich: Viele Fische sind gefährdet.

Greenpeace-Fischratgeber auch für Nicht-iPhone-Nutzende

Marcel Bernet | 15.01.2009 | Tools

Grosse und kleine Brote backen: Ausflug in die Mühle

muehlerama_brotbackenGestern abend haben sich die bernetblogger einen Ausflug gegönnt. Ein Team-Ausflugstipp für alle, die sich für Brot, Mühlen und Industrialisierung interessieren. Das Mühlerama in Zürich-Tiefenbrunnen präsentiert sich sehr sympathisch.

Dort, wo früher eine Brauerei und dann eine Mühle das Ende der Stadt markierten, findet sich seit über 20 Jahren ein interessanter Mix aus Kultur, Gastronomie, Arbeit und Wohnen. Die «Mühle Tiefenbrunnen» hat auch eine eigene Website. Das «Mühlerama» ist ein Teil dieses Komplexes. Hier kann man staunen darüber, wie eine der ersten industrialisierten Mühlen der Schweiz ausgesehen haben. Und wie das alles funktioniert – angetrieben von einem einzigen Motor bewegen sich Transmissionsriemen über mehrere Stockwerke. So wird das Korn bewegt, gereinigt, gemahlen, gesiebt, gemischt und verteilt.

muehlerama_muehlen_tiefenbrunnen

Gemahlen wird über Walzen, die sich in diesen herrlich gestalteten Maschinen bewegen. «Maschine» scheint eine zu trockene Beschreibung dieser Wunderkästen mit Guckloch und zahlreichen handwerklichen Verzierungen. Der Mühle-Leiter Andreas Bommer führte das Bernet-Team mit grosser Aufmerksamkeit durch den Abend. In einem knapp zweistündigen Programm haben wir ein Brot geformt, den Weg des Korns verfolgt, das Brot bei einem Schlussapéro empfangen und auch noch etwas über die Poesie des Brotbackens erfahren. Für eine Dokumentation hat Andreas Bommer rund um den Globus nämlich nach Brot-Sprichworten gefahndet. Und dabei hat sich bestätigt, dass sich diese auch in anderen Kulturen in der Regel um das Thema Erwerb und Arbeit drehen. Eine poetische Ausnahme ist ihm begegnet, in armenischer Sprache:

«Der Duft frischgebackenen Brotes reicht bis zum Paradies.»

Marcel Bernet | 13.01.2009 | Medien

This American Life: Radio/Podcast vom Feinsten

this american life radio shirt 2009

Das NZZ Monatsmagazin Folio hat im Januar zwei Radiogeschichten aus den USA abgedruckt. Die Texte waren sehr gut, der Weg zur Quelle führt zu einem Gratis-Podcast für alle, die sich gerne durch Podcasts über das US-amerikanische Alltagsleben informieren möchten.

NZZ Folio-Chefredaktor Daniel Weber (siehe Interview vom 13.1.09) hat «This American Life» abonniert, gemeinsam mit einem Redaktionskollegen. Sie hören sich nicht jede Ausgabe an, aber an die Sendungen zur Finanzkrise erinnerten sie sich beim Zusammenstellen des aktuellen Folios (siehe Beitrag vom 5.1.09). Und die Beiträge sind so gut gemacht, dass sie gleich zwei davon übernahmen.

«This American Life» hat als Radiosendung angefangen. Heute ist es auch eine Fernsehprogramm. Samt Flankierung auf Facebook, YouTube und MySpace. Träger ist Chicago Public Radio, ausgestrahlt wird auf dem nicht gewinnorientierten Public Radio Network. Und natürlich über Podcasts auf der Website oder iTunes. Die Fernsehsendung ist bei beim kommerziellen Kabelkanal Showtime platziert, aus finanziellen Gründen (siehe hier auf den FAQ). Die Radio-Podcasts sind auf der Website gratis gestreamt, auf iTunes oder Audible.com kostet eine Episode 95 Cent.

Die Sendungen dauern eine Stunde und zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr nahe an Themen rangehen – und diese Nähe durch Menschen schaffen. Das Geschick der Macher liegt darin, Personen zu finden, die das Thema auf spannende Art und Weise illustrieren.

Fazit: Sehr gut gemachtes Radio. Vorbildlich präsentiert auf der Website und schön vernetzt mit TV und Web 2.0. Moderiert wird in einem sehr schnellen, amerikanischen Englisch. Ich selber lese lieber, als für eine Stunde «Gefangener» einer Radiosendung zu sein. Für Audio-Liebhaber mit grosser USA-Affinität aber bestimmt eine interessante Quelle. Hier die Liste der Redaktions-Favoriten-Short List und hier das Archiv mit über 500 Beiträgen.

Blog abonnieren

Sofortmail oder Wochenschau auswählen:

Social Media in der Medienarbeit:
Online-PR im Zeitalter von
Google, Facebook & Co.

CHF 37.90 / EUR 24.95
inkl. Porto

Erst reinschauen
Alle Beiträge zum Buch