HAPPY BIRTHDAY bernetblog! Mit Wettbewerb…

istock_birthday-third.jpgVor drei Jahren – am 8. November 2005 um 10.26h – verfasste Marcel unter dem Titel «bernetblog.ch – Die schnelle Schwester …» unseren ersten Beitrag. Noch immer pflegen wir unser Baby mit Hingabe und Zuneigung. Es kostet uns viel Zeit und Kraft – bringt uns aber auch Freude und spannende Kontakte. 

Vor kurzem (Sonja berichtete darüber) liessen wir Peter Hogenkamp und sein Blogwerk kritisch über den bernetblog richten. Seine Inputs haben wir nun in ein sanftes Redesign einfliessen lassen. Hinter den Kulissen wird daran gearbeitet. Und noch bevor der Samichlaus (für unsere deutschsprachigen Freunde: Nikolaus) kommt, wollen wir es dann zeigen.Unterdessen aber laden wir Euch – liebe bernetblog-Freunde – zum grossen Geburtstags-Wettbewerb ein.

Der köstliche Preis: 1 Bio-Panettone von Terra Nuova!

Darum; nicht zögern und diese Wettbewerbsfrage beantworten:Welcher der folgenden drei bernetblog-Beiträge wurde von August bis Oktober 08 am meisten angeklickt?

A) Versuche nicht wie Steve zu sein, 27.6.08  E-Mail-Antwort A
B) auf Grund oder aufgrund?, 24.7.06,
  E-Mail-Antwort B
C) Politik im Netz: Microtargeting, 29.5.07
  E-Mail-Antwort C

(Der Wettbewerb wurde per 4.12. geschlossen und die Antwort-Links «entschärft»)

Ihre Wahl bitte sofort oder spätestens bis am 04.12.08 um High-Noon-Zeit an obige Direktlinks senden. Postadresse angeben! Unter den richtigen Einsendungen gewinnt der/die Schnellere  entscheidet das Los (Rechtsweg ausgeschlossen).

Marcel Bernet | 26.11.2008 | Medien

Journalismus 2.0: Tageszeitungen gibts noch lange!?

SchreibmaschinentastaturGestern abend durfte ich eine Podiumsdiskussion moderieren zum Thema «Online First und Gratis-Trend – Was bleibt übrig von den klassischen Printmedien?». Das Panel vereinte Blogger, Journalist, Verleger, Nachrichtenchef und Agenturinhaber. Hier das wichtigste aus den vielen Aussagen, illustriert mit einigen Kurzvideos.

Eingeladen zu diesem media coffee hatte die SDA-Tochter news aktuell, mit mir auf der Bühne sassen Res Strehle, stellvertretender Chefrdaktor des Tages Anzeigers und Projektleiter newsaktuell, Peter Hogenkamp, Web- und Blog-Pionier von blogwerk, Sacha Wigdorovits, PR-Agenturinhaber und .ch-Initiant, Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten und initiativer Web-Dienstleister mit online.ch, Bernard Maissen, Chefredaktor der Schweizerischen Depeschenagentur.

Es geht uns gut – wie lange noch?
Sacha Wigdorovits und Peter Hogenkamp setzten immer wieder emotionale Höhepunkte, angriffig wie man sie kennt. Res Strehle und Norbert Neininger brachten ruhigere Voten ein, gemeinsam mit Bernard Maissen auch eher auf der Seite der für sie zukunftsträchtigen bezahlten Tageszeitung. Norbert Neininger hat recht, wenn er sagt, dass es den Schweizer Verlegern und ihren Printprodukten immer noch sehr gut gehe: 63 Prozent des Werbekuchens wurden 2007 immer noch von ihnen abgesahnt, siehe USA-Vergleich in diesem bernetblog-Beitrag. Aber als der vielseitige Schaffhauser Unternehmer und Teleblocher-Initiant Papier als weiterhin besser und praktischer beurteilte, platzte Peter der Kragen. In den letzten zehn Jahren habe sich so viel verändert – da könne man doch nicht als Verleger vom Jetzt ausgehen und sagen, in zehn Jahren gibts uns immer noch. Aber Peter sagt das am besten selbst:

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Overnewsed but underinformed
Die Diskussion kreiste eine Weile um News – was ist das? Was will das Publikum? Res Strehle sieht den Vorteil der bezahlten Tagespresse in recherchierten Hintergrundinformationen, der hohen und teuren Dossierkompetenz. Sacha Wigdorovits glaubt, dass immer weniger Leser das auch wirklich sehen wollen. Auf keinen Fall in einer Gratiszeitung oder Online. Das sei der grösste Fehler von .ch gewesen, dass man mit Stolz längere Hintergrundartikel geschrieben habe. Aber die interessieren nur die Medienkritiker, Leser und interessante Tausenderpreise für die Werbekunden gewinnt man damit zu wenige.

Recht hat Neininger mit dem folgenden, kurzen Statement: Die News-Intervalle werden immer kürzer, wer dauernd informiert sein will, hat bald für nichts anderes mehr Zeit. «Overnewsed but underinformed» heisst das Phänomen.

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Kosten runter, Qualität wohin?
Die Essenz der ganzen Diskussion liegt aus meiner Sicht im Geschäftsmodell der bezahlten Tageszeitung. Es funktioniert immer noch. Über zehn Jahre lang haben die Schweizer Verleger sich mit Erfolg gegen alle Web-Aktivitäten gesperrt. Als Nebeneffekt sind ihnen mit dieser Verhinderungspolitik fette Chancen wie jobs.ch entwischt. Jetzt geben sie langsam Gas, was aber gleichzeitig weh tut. Denn die Werbeeinnahmen sinken generell, die Verlagerung hin zum Fernsehen wird auch in unserem Markt zunehmen und die Web-Investitionen sind teuer. Wie immer in solchen Veränderungsprozessen tun sich die etablierten Mitspieler am schwersten mit der Veränderung. Wo ist das neue Geschäftsmodell? Das Verleger-Motto scheint zu lauten: Ich mache so lange nicht mit bei allem, was mich gefährdet, bis ich muss. Von Gratiszeitung bis Online.

Und gerade jetzt müssen wieder alle sparen. Was natürlich die Argumentation der Qualität, für die der Leser zahlen soll, erschwert. Wenn die NZZ gemäss ihrem neuen CEO Albert P. Stäheli «im Bereich einer tiefstelligen zweistelligen Prozentzahl» Kosten senken will, geht dann nicht auch die Qualität um mindestens zehn Prozent runter? Hier wartet eine grosse kommunikative Herausforderung auf die Verleger, intern und extern. Eines meiner Lieblingszitate passt als Fazit: «Monopole sind schrecklich,» meinte Rupert Murdoch, «bis man selbst eins hat.» Sie sind auch dann wieder schrecklich – oder wenigstens schmerzhaft – wenn man als oft schon ein wenig verwöhnter Monopolist sein Geschäft neu erfinden muss.

(Herzlichen Dank an Serkan Isik von newsaktuell fürs Filmen mit meiner Canon G10 und sorry an alle – besserer Ton geht leider nicht mit so einem Ding.)

Anstoss-Newsletter: Fünf Tipps zum Abschalten

power_button_anstossnov08.jpgWir wissen es ja schon lange: Unser Arbeitstempo stresst, die ständigen Ablenkungen machen uns mürbe. Was wir brauchen, sind Momente der Stille, Inseln der Aufmerksamkeit.

Jeden Dienstag Morgen ist beim Chip-Hersteller Intel «Quiet Time:  Das Mobiltelefon ist ausgeschaltet, das Telefon stumm, die E-Mailbox bleibt offline. Ein halber Tag also hinter verschlossenen Türen – mit positiven Auswirkungen auf Effektivität, Effizienz und Lebensqualität der Mitarbeitenden, wie ein Beitrag im Intel-Blog berichtet. Unser Anstoss-Newsletter zeigt auf, wie Medien unsere Wahrnehmung verändern und wie Sie sich bewusst eine Auszeit vom ständigen Lärm nehmen können. Probieren Sie es aus – denn wie Kurt Tucholsky sagt: «Es gibt vielerlei Lärme. Aber es gibt nur eine Stille.»

Beachten Sie auch unsere Bernetblog-Serie «Fallen der Effizienz» zu den Themen “Aufschieberitis”,  Ständige Unterbrechungen,  Ablenkung durch E-Mail, und Energieverschwendung.

Obama: Sieger dank Web 2.0?

obama1.jpgBarack Obama nutzte das Web zum Spendensammeln sehr effektiv. Offenbar setzte er auf die Software vom Ex-Präsidentschaftskandidaten Howard Dean, wie der Tages-Anzeiger berichtete.

Matt Bai, ein Journalist des «New York Times Magazine», hat das Team hinter dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Howard Dean über Jahre begleitet. In seinem Buch The Argument fasst er die Erkenntnisse daraus zusammen. Fazit: Die Kommunikations-Spezialisten hinter Dean waren die ersten, die das Web als Instument für Basisdemokratie nutzen. Dies trug im Endeffekt dazu bei, dass die verkrusteteten Demokraten ihre Grundsätze neu überdenken mussten. Von all diesen Erkenntnissen und Erfahrungen profitierte Barack Obama und ging – vier Jahre später –  noch einen Schritt weiter. Der neue US-Präsident nutzte Facebook und Myspace als soziale Plattformen, schaltete Werbung in den Webgames «Dungeons and Dragons» und «Burnout Paradise» und suchte bewusst die Nähe zur Populärkultur. Videos wie dieses, auf dem seine Politik anhand des Onlinegames «World of Warcraft» erklärt wird, passen zu dieser Strategie.

Siehe auch Blogbeiträge:
«Wohltätige Amerikaner wollen übers Internet spenden»
«Politik im Netz: Obama vs. McCain auf Youtube»
«Journalismus 2.0: NY Times mit Obama auf Facebook»

Agentur-Vernissage: Bilder von Daniele von Arb

Daniele von ArbEs war festlich bei uns in der Agentur gestern Abend. Für einmal verschwanden die Macs und Telefone von den Arbeitstischen und machten Apérohäppchen und Weingläsern Platz. Für einige Wochen werden Werke von Daniele von Arb die Wände unserer Agentur zieren.

Rote Markierungen auf unserem Vorplatz führten die Gäste zum Hauseingang. Während der Vernissage überstieg der Schallpegel zeitweise das gewohnte Tastaturklappern deutlich. Ein schöner Abend! Gerne (und nach Anmeldung werktags jederzeit) darf man die Bilder von Daniele von Arb bei uns ansehen.  Sie hängen noch bis Januar 09.

eingang-zur-agentur.jpg empfangskomitee.jpg

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Blogkritik: Diesmal sind wir dran

onlinedialog_fingerfinger2.jpgBekanntlich sieht man den Splitter im Auge des Anderen besser als den Balken im eigenen. Also haben wir Peter Hogenkamp von Blogwerk eingeladen, den bernetblog kritisch zu beurteilen. Unsere Erkenntnisse sind banal und doch wertvoll. Erstens: Externe Experten einzusetzen ist durch nichts zu ersetzen. Zweitens: Kein Blog ohne Blogkonzept. Danke Peter!

Beim Aufwärmen mit Peter Hogenkamp ging es noch um Äusseres: Etwas eng drängen sich Texte und Bilder auf dem bernetblog, lautet die Kritik zum Layout. Für uns heisst das, dass wir den Spielraum, den uns Wordpress gibt, besser nutzen müssen. Auch die Mängel bezüglich der Usability (beispielsweise die Infos rund ums Team) wollen wir beheben.

Über die Kritik der «Blogwerker» sind wir dann rasch zu den Kernfragen vorgestossen: Wo positionieren wir unseren Blog? Was sind unsere Ziele und unsere Zielgruppe?

In Web 2.0- und Blogkreisen mag es zu Recht heissen «Die schreiben über alles mögliches, aber über nichts richtig.» Zwar waren wir einen Moment in unserer Eitelkeit gekränkt (also ich zumindest), aber es stimmt. Wir sind nicht die frechen Freaks des Web 2.0. Wir identifizieren uns eher mit dem Ansatz «Wundertüte».  Wir wollen PR- und Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen und Agenturen ansprechen. Wir wollen unseren Kunden  -  aktuellen, ehemaligen und künftigen, unserem Netzwerk und unseren Partnern mit dem bernetblog einen Mehrwert bieten.

Während ich schreibe, springe ich immer wieder zu unserem Blogkonzept. Was wollen wir eigentlich mit dem bernetblog? Ich stelle dabei fest: Ohne Konzept ist ein Agenturblog nicht möglich. Auch ist unser Konzept immer noch richtig, es passt noch. Und wenn ich die Kritik von Peter Hogenkamp betrachte, halten wir uns auch daran. Mit Ausnahmen wie dieser: Wir schreiben nicht über Agenturinterna.

Mehr dazu im bernetblog:
«Checkliste Blogkonzept: Damit sich der Einsatz lohnt»
Blogging: Tipps von geehrtem Schweizer Blogger

Marcel Bernet | 20.11.2008 | Medien

Mediennutzung im Umbruch – von Spielern und Senioren

Daniel Süss am HarbourClub Symposium vom 18.11.2008, Foto Dieter SeegerDaniel Süss ist Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, mit Forschungs- schwerpunkt Medienalltag von Kindern und Jugendlichen. «Mediennutzung im Umbruch» war der Arbeitstitel seines Beitrags zum HarcourClub Symposium vom 18. November. Wieso werden Medien genutzt? Wie werden Spiele die Medienlandschaft beeinflussen? Was heisst das für die Kommunikationsbranche?

Prof. Dr. Daniel Süss zeigt sich davon überzeugt, dass Video- und Computerspiele zum zentralen Medium der Zukunft werden. In zwanzig Jahren würde man nicht mehr nach dem Lieblingsfilm fragen, sondern sich über das Lieblings-Spiel unterhalten. Auch wenn dies heute erst bei Kindern und Jugendlichen im Vordergrund stehe, Spiele würden zu  bestimmenden Faktoren für die Mediennutzung der nächsten zwei Generationen.

Gamer sind schnell, sprunghaft, teamorientiert
Aus einer Befragung von 2500 erwachsenen US-Amerikanern gehe hervor, dass das Spielverhalten auch das Verhalten in der Arbeits- und Konsumwelt verändert. Zur Gamer-Generation gehören nach diesen Studien Menschen, die in den achtziger Jahren geboren wurden. Wobei immer mehr auch Erwachsene und Senioren spielen. Die sogenannten Greygamer heben das Durchschnittsalter der erfassten USA-Spieler auf 30 Jahre.

Gamer zeichnen sich in diesen Untersuchungen aus durch hohe Risikobereitschaft, Versuch-und-Irrtum-Strategien, starke soziale Orientierung. Sie sind global ausgerichtet, sehr flexibel, haben einen starken Teamgeist bei niedriger Akzeptanz von Hierarchien. Aber natürlich bringt das virtuelle Spielen auch Eigenheiten mit sich wie hohe Lenkung durch emotionale Signale, schnelles Multitasking ohne vertiefte Analyse, Informiertheits- und Wissensillusionen, grosses Beziehungsnetz bei tiefer Verbindlichkeit, Ungeduld und permanentes Online-Sein als Sucht- und Stressfaktor.

Die Zukunft: Mobiltelefon vor Fernsehen und Internet
Ganz spannend ist der Vergleich der emotionalen Medienbindung in unterschiedlichen Altersgruppen. Auf die Frage, welches Medium unverzichtbar sei, entstehen ganz unterschiedliche Ranglisten. Bei den 15-24jährigen steht das Mobiltelefon an erster Stelle, gefolgt von Fernsehen und Internet. Und bei den 55-64jährigen steht der Fernseher zuoberst, gefolgt von Radio und Zeitungen. Diese Reihenfolge bezieht sich nicht einfach auf die Häufigkeit der Nutzung – sondern auf die Frage der Unverzichtbarkeit. Auch Jugendliche lesen Zeitungen, aber mit einer viel geringeren emotionalen Bindung. Ferien zum Beispiel sind dann im Eimer, wenn die Eltern die Nutzung des Mobiltelefons verbieten. Auf die Zeitung kann man gerne verzichten.

Ich bin, was ich lese
Interessant war für mich wieder mal zu hören, wieso wir eigentlich Medien nutzen. Wir suchen Orientierung und damit eine bessere (scheinbare) Kontrolle der Umwelt, wir wollen animiert, unterhalten werden, strukturieren über die Mediennutzung unseren Alltag und wollen uns über die Medien austauschen – indem wir Personen virtuell begegnen oder über Leserbriefe und Blogkommentare. Medien sind Mittel zur Definition der eigenen Identität. Ein aufschlussreicher Ansatz für meine eigene Mediennutzung – aber auch für die Ausrichtung von Medienprojekten. Wer bin ich? Was will meine Zielgruppe sein?  Tagi- oder ein NZZ-Leser/in? Zu wem gehöre ich? Zu den Surfern oder den Papiertigern? Sieht man mich auf der Leserbrief-Seite oder in der Facts 2.0-Community?

Fazit: Mehr Online, mehr Spiele, Senioren und Papier nicht vergessen
Der Medienforscher hat aus seinen anregenden Ausführungen verschiedene Folgerungen für die Unternehmenskommunikation abgeleitet. Sehr relevant sind aus meiner Sicht:

  • Das Internet gewinnt an Bedeutung, da es als Medium die sozialen Bindungsbedürfnisse am besten beantworten kann. Die Online-Präsenz von Unternehmen wird in Zukunft noch wichtiger.
  • Männliche Jugendliche und zunehmend Erwachsene lassen sich über Spiele viel emotionaler ansprechen. Spielangebote sind in verschiedenen Kontexten, zum Beispiel auch auf Webseiten, zu fördern.
  • Communities sind unverbindlich, sie werden immer zahlreicher. Deshalb tun Organisationen gut daran, verbindliche Beziehungsangebote zu pflegen und zu schaffen.
  • Die Flut an Online-Informationen via Webseiten und E-Mail führt dazu, dass Printprodukte im passenden Rahmen eine sehr positive Beziehungsbotschaft aussenden. Print nicht vernachlässigen, gezielt einsetzen.
  • Die Zukunft gehört aus demografischen Gründen den Senioren. Sie und ihre Medien sind in den Kommunikationsplänen mit hoher Priorität zu berücksichtigen.

Mehr Emotionen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft

Peter Gomez am HarbourClub Symposium vom 18.11.2008, Foto Dieter SeegerHeute morgen hat Peter Gomez das Symposium des HarbourClub eröffnet. Der HSG-Professor, VR-Präsident der Schweizer Börse und Präsident verschiedener Gremien äusserte sich zum Dialog zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Sein Kopf-Herz-Hand-Bezug zu Pestalozzi war gespickt mit praktischen Ansätzen für den Umgang mit Krisen.

Thema und Ort der heutigen Veranstaltung waren schon vor einem Jahr gewählt worden. Damals hatte auch der HarbourClub als Vereinigung von Schweizer Kommunikationsleitern nicht mit der heutigen Aktualität gerechnet: «Die Kraft der Emotionen» passt perfekt zu den fallenden Kursen auf dem Ticker hier im Konferenzzentrum der Schweizer Börse SIX. Grad lief die UBS-Aktie für etwas mehr als 13 Franken über den Schirm, tiefrot.

Wenn alle überfordert sind, solls der Staat richten
Die Finanzkrise lässt die Emotionen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft hochgehen. Peter Gomez (HSG Dozentenporträt) sieht die wahren Ursachen für die aktuelle Distanz im Machbarkeitswahn der Wirtschaft, der Risikoignoranz der Gesellschaft und der Systemgläubigkeit der Politik. Mit Risikoignoranz der Gesellschaft meint er die Tatsache, dass es eben nichts gratis gebe – und dass genau diese Umsonst-Erwartung vorherrsche. Wobei ich es so sehe, dass die Wirtschaft Kapital und damit Risiko auch beinahe gratis erhalten hat und als Konsequenz Risiken ignoriert hat. Und jetzt denken wir alle, so Gomez, der Staat soll es richten. «Eine naive Sicht der Dinge, die irgendwann zu Staatsversagen führen wird.» Darüber hinaus ist der ehemalige Rektor der HSG überzeugt, dass gerade jetzt wieder viel zu viel billiges Kapital in die Märkte geschleust wird. Und dass das in fünf Jahren zur nächsten Blase führen wird.

Schnellkäufe, Sattelschüsse, Eigennutz
Generell ortet Gomez eine Überforderung aller Beteiligten. Durch zu viele Optionen, schnellen Wandel, steigende Komplexität. «Man konsumiert zwar wie wahnsinnig, aber man weiss nicht mehr so richtig, wo man steht. » Auch die Wirtschaft muss immer komplexere Entscheidungen in immer kürzerer Zeit fällen. Das führt zu folgenschweren Schnellschüssen – «Sattelschüsse» nennt er sie.

Die Politik schliesslich verzettelt sich, es fehlt ein langfristiger Fokus, die Verantwotung für das Ganze sieht niemand. Der Eigennutz jedes Politikstars, jeder Partei steht im Vordergrund. «Und gerade heute, wo der Finanzplatz Schweiz von aussen bedroht ist – von den Sarkozys und Steinbrücks dieser Welt – wäre  ein gemeinsames Ziehen am selben Strick zentral.»

Drei Schritte für Konfliktsituationen
Anstatt die Finanzkrise weiter zu analysieren stellt Gomez die Frage: Was braucht es in Konfliktsituationen? Die übliche Reaktionskette läuft über die Stationen Betroffenheit, Zorn, Verunsicherung, Bestrafung der Schuldigen. Diese Kette will der erfahrene Unternehmer und Dozent durchbrechen – basierend auf Johann Heinrich Pestalozzis Idee der Verbindung von Kopf, Herz und Hand. Gomez leitet daraus drei praktische Schritte ab: Erstens den Konflikt benennen. Zweitens den Dialog suchen, ohne bereits vorgefertigte Argumente und Lösungen in petto zu haben. Und drittens über die Kommunikation hinaus den Beteiligten echte Erfahrungen vermitteln. Durch konkrete Taten, erlebte Veränderungsschritte.

Was heisst das in der aktuellen Situation für die Wirtschaft?  Vernetzte Initiativen sieht Gomez unter anderem in der glaubwürdigen und vorbehaltslosen Teilahme von Schlüsselpersonen im öffentlichen Dialog: «Im Moment sind alle abgetaucht – es gibt keine ernst zu nehmende Stimme der Wirtschaft.» In der Gesellschaft sieht er eine Förderung des Wirtschaftsverständnisses und den Einbezug in einen breiter geführten Risikodialog. Und für die Politik eine Förderung des parteienübergreifenden Dialogs.

Fazit: Wo bleibt der Gemeinsinn?
Recht hat er. Das Fördern des Gemeinsamen wird immer schwieriger, anspruchsvoller. In einer Welt der Ich-Inszenierung sehen weder Konsumenten noch Manager noch Politiker den Nutzen im Gemeinwohl. Noch schwieriger wird der Weg zum Gemeinsamen, wenn sich gerade alle irgendwie zu retten versuchen. Die Konsumenten flüchten mit ihren Kapitalien von Bank zu Matratze, die Manager von Abschreibung zu Staatshilfe, die Politiker tanzen ihre Selbstinszenierung mal hüst, mal hott rund um wirtschaftliche Schockmeldungen, deren Ausmass noch niemand genau erfasst. «Hallo, alle mal herhören, wir flicken das jetzt gemeinsam!» Diese Stimme geht unter, so recht sie hat.

Der Link zum Originalreferat-Handout folgt hier, sobald er bei HarbourClub online ist. [Nachtrag: So was gibts dann entgegen Infos des Veranstalters doch nicht. Typisch und sehr schade für den HarbourClub, finde ich.] Für Blogger sind diese Veranstalter einfach zu langsam (-: . Herzlichen Dank an den Anlass-Fotografen Dieter Seeger, der mich gleich hier mit seinen Fotos versorgt hat, super.

Sabine Betschart | 18.11.2008 | Tools

Die nützliche Erweiterung zum Firefox: SEOQuake

Logo SEOQuakeWer jetzt schon im Firefox unterwegs ist, kann die Erweiterung SEOQuake testen. Ein leicht zu installierendes Tool, das die Google-Suchergebnisse aufschlüsselt.

SEOQuake steht kostenlos zur Verfügung und liefert hilfreiche Informationen für ihre Suchmaschinenoptimierung. Nach der Installation erscheint bei der Google-Suche unterhalb jedem Ergebnis die SEOQuake-Informationsleiste mit den folgenden Informationen (der Reihe nach):

– PageRank von Google

– Inboundlink: Anzahl der in Google aufgenommenen Seiten

– Zahl der Links, die auf diese Unterseite verweisen (Yahoo und/oder MSN)

– Zahl der Links, die auf die ganze Website verweisen (Yahoo und/oder MSN)

Alexa Rank (hoher Rang = hohe Popularität)

– Alter der Website laut archive.org

– IP-Adresse

Auf den letzten Punkt sind wir bei unserer eigenen Homepage ziemlich stolz. Marcel Bernet reservierte vor 12 Jahren seine www-Adresse, als noch niemand ans Internet glaubte.

Mehr zum Thema im bernetblog:
Beitrag Zurück in die Zukunft: UBS Startseite 1996, elektrischer Reporter

Kreativitätstechnik: Kennen Sie das Edison-Prinzip?

wissen_gluhbirne.jpg«Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration,» sagte einst Thomas Alva Edison. Eine nach ihm benannte Methode – das sogenannte Edison-Prinzip – lässt sich offenbar gut verkaufen.

Das E-D-I-S-O-N- Prinzip gliedert sich in sechs Schritte:

– Der kreative Mensch muss die Erfolgschancen seiner Idee erkennen
– die Denkautobahn verlassen und neue Wege gehen
– die Inspirationen richtiggehend suchen
Spannung erzeugen
– die Ideen und die Erkenntnisse ordnen
– und daraus den grösstmöglichen Nutzen ziehen

Sicher, die Glühbirne von Thomas Alva Edison war eine bahnbrechende Erfindung. Was aber die oben beschriebene Methodik wirklich Neues bringt, ist mir nicht klar. Vielleicht gäbe das passende Fachbuch Aufschluss darüber? Ausserdem stellt sich für mich die Frage: Wie kreativ muss die Methode sein, um gute Ideen hervor zu bringen? Am Schluss hilft doch auch die beste aller Kreativitätstechniken nichts. Entweder man hat die gute Idee – oder nicht.

RSS: NZZ schreibt über die «unbekannte Perle» 

rss.jpegNoch immer höre ich oft, «RSS» setze sich nicht durch oder «ich weiss gar nicht, wie ich das brauchen soll»… Obwohl schon seit Jahren propagiert, hat der Webservice Mühe, sich im breiten Web-Publikum zu etablieren. 

In den USA nutzen nur gerade knapp 12 Prozent (!) der NutzerInnen RSS-Feeds. Die NZZ hat das Phänomen der RSS-Ignoranz in einem kurzen Artikel sehr präzise beschrieben:

«Wieso das so ist, bleibt schwer zu beantworten, denn Really Simple Syndication (RSS) wäre für viele Internet-Anwender ein höchst effizienter Dienst. Sie stolpern über jede Menge von Webseiten, die RSS anbieten, realisieren dies aber nicht. (…)»

…und weiss auch einen ganz einfachen Grund für die Unbeliebtheit:

«Der Name des Dienstes ist dämlich und die Erklärung zu kompliziert, obschon RSS eine Richtig Simple Sache wäre.»

Genau: An diese Schwäche glaube ich ganz fest. Alle bewegen sich heute im Web, aber wenige wissen was ein Browser ist. Hätte RSS einen attraktiveren Namen und eine einfachere Erklärung – der Erfolg wäre garantiert grösser. Zum Beispiel? WebFeed?

Vielleicht liegt der Grund aber auch im NutzerInnen-Verhalten; es wird oft nicht geplant und «kontrolliert» (bzw. abonniert) gesurft, sondern spontan, sprunghaft, intuitiv. Vielleicht ist RSS dafür zu strukturierend. Beim professionellen Webbesuch meine ich aber, ist RSS eine grosse Hilfe für mehr Effizienz.

Mehr zum Thema im bernetblog:
RSS – Konkurrenz zu guten Mailings?
RSS im Mediencorner – hartnäckige Zurückhaltung

Sophie Graf | 13.11.2008 | Medien

Schweizer Journalisten: Kampf um innere Pressefreiheit

stand_up_for_journalism.pngStand up for journalism – Die europäische Föderation der Journalistinnen und Journalisten EFJ rief letzte Woche zum Kampf gegen den Niedergang der journalistischen Standards. Auch in der Schweiz machte die schreibende Zunft auf sich aufmerksam.

«An der Jahresversammlung der Zeitungsverleger-Organisation ‘Verband Schweizer Presse’ erklärte der Präsident Hanspeter Lebrument, Pressefreiheit sei einzig und allein die Freiheit der Verleger vom Staat. Keiner der versammelten Verleger widersprach.

Manche Journalisten, sagte der Präsident des Verlegerverbandes, glaubten zwar noch immer, sie seien der Öffentlichkeit verpflichtet. In Wirklichkeit seien sie aber ihren Verlegern verpflichtet. Keiner der anwesenden Zeitungsverleger widersprach.»

Soweit ein Auszug aus dem Communiqué der EFJ. Für meine Ohren klingen diese Sätze fast unglaublich – unglaublich traurig. Und ich frage mich: Wie weit sind wir eigentlich, dass es in solche Aktionen braucht, um die innere Pressefreiheit zu schützen? Die Verleger sollen die Unabhängigkeit des Presserates anerkennen, die innere Pressefreiheit in ihren Redaktionen garantieren und sich um einen Gesamtarbeitsvertrag für Schweizer JournalistInnen bemühen, lauten die Forderungen. Ich selbst war einige Jahre Journalistin. Ich hatte diesen Beruf gewählt, weil ich frei sein wollte und nicht, um einem bestimmtem Verleger zu gefallen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Wo sind denn heute noch die Journalistinnen und Journalisten, die sich wirklich frei fühlen?

Facebook: Also doch gefährlich

fischschwarmIch hab’s ja immer gesagt: Facebook und das ganze Social Netwerks-Zeugs ist gefährlich. Und heute steht es endlich auch im Tagesanzeiger. Aber soviel Neues steht dort gar nicht.

Am Ende geht es um das, was man schon Kindern beibringt:

Nicht allen die Türe öffnen
Auch im Online-Leben sollten wir wählerisch sein. Nicht jeder, der will, muss unser Facebook-Freund werden.

Nicht alle reinlassen
Wenn die Türe dummerweise schon einen Spalt offen ist, müssen wir noch lange nicht dubiose Links öffnen. Und wir müssen auch die Türe nicht noch weiter aufmachen und alle reinschauen lassen, sprich alles von uns preisgeben.

Nicht alles glauben oder kaufen
Heilsversprechen sind elektronisch nicht glaubwürdiger als in anderen Welten. Glauben und kaufen liegt ganz ohne technische Unterstützung bei uns.

Die Plattformen der Online Social Networks sind Räume. Was dort möglich ist, wird durch das Verhalten der Nutzenden mitbestimmt.

Mehr zum  Thema im bernetblog:
Beitrag «Social Networks: Eine Herausforderung für Unternehmen»

Freude herrscht – ich habe gewonnen

Das ist ja wirklich der Aufsteller des Tages! So startet man gerne in die Woche.

Wer hätte das gedacht, dass ich einfach so mirnix-dirnix soviel Geld, ein Auto oder ein «Multimedia Paket» gewinne… Aber auf jeden Fall einen Urlaub auf Gran Canaria. Für was soll ich mich bloss entscheiden?

internet_gaunerei.png

Das hat schon fast Kultcharakter. Gesehen nicht beim Besuch irgendwelcher obskurer Websites, sondern bei der professionellen Webrecherche im Tourismus-Bereich…

Blogger im Profil: SF-Korrespondent André Marty

andremartygazaserendipitythumb.jpgUnlängst näherte ich mich dem Unterschied (Link) zwischen «Journalisten-Blogger oder Blogger-Journalist» und stolperte dabei über ein gelungenes Beispiel. SF-Nahost- Korrespondent André Marty pflegt mit Hingabe sein Blog über Alltägliches und Hintergründiges aus Israel und Palästina.

André beantwortete mir unsere drei Standard-Fragen der bernetblog-Serie «Blogger im Profil»:

Warum bloggst Du?
Journi, lüpf den Hintern: Die klassischen Medien haben sich zum grossen Teil von der kontinuierlichen, Hintergründe und Alltag anbietenden Berichterstattung über und aus dem nahen Osten verabschiedet; middle east does not sell any longer! Also gilt es, die Interessierten anderweitig zu erreichen. Nötigenfalls mit einem privaten, unabhängig von meinem Arbeitgeber gestalteten Blog. Zudem macht es einen Heidenspass, Unspektakuläres in Worte zu fassen, ohne ständig die kurzen 1Minuten30Sekunden eines “Tagesschau”-Beitrages im Hinterkopf haben zu müssen.

Was ist Deine wichtigste Blogerfahrung?
Dass wir Journalisten noch Einiges zu lernen haben und mit Kritik nicht wirklich umgehen können; meist anonym gehaltene, verletztende bis hasserfüllte Kommentare gilt es ebenso zu akzeptieren wie das Schweigen (hoffentlich) vieler stummer Blog-Leser. Den Crossmedia-Gedanken nicht bloss Verlagsmanagern und deren Taschenrechnern zu überlassen, sondern proaktiv mit Inhalten zu überzeugen – das gilt es zügig zu lernen, wollen wir uns nicht von den Auflagenbolzern überrollen lassen.

Was ist Dein grösster Blogwunsch?
Wünsche? Keine. Ich gehe dagegen von einer schleichenden Niveau-Anpassung resp. Gewöhnung der Crossmedia-Nutzer aus, was mich nicht wirklich beruhigt. Insofern wäre zu hoffen, dass die Qualitätsblogger – und davon gibt es erfreulich viele, auch in der Schweiz – einen möglichst langen Atem haben; länger als die Herren Blog-Manager an den potenten Verlagshaus-Adressen. Und wer weiss: Vielleicht gelingt ja irgendwann einmal ein wirklicher Blogger-Zusammenschluss.

Mein Fazit:
Andrés Blog macht deutlich, dass in der Blogosphäre – abseits der Berichterstattung in «kommerziellen» Programmen – die Nische liegt für die etwas anderen Stories. Allerdings mit der grossen Gefahr, dass diese Art von Journalismus in die«privaten» Blogs der Journis abwandert. Letztere werden dafür (noch) nicht bezahlt. Die vielen zuweilen sehr emotionalen oder «politischen» Kommentare in Andrés Blog sind ein eindrückliches Zeichen für das grosse Interesse am Blick hinter die Kulissen – auf die unverstellten Schauplätze des Alltags.

Link zum Blog «André Marty berichtet»

Marcel Bernet | 07.11.2008 | Dies & Das

Staatschulden sind keine: US-Entwicklung seit 1950

säulengrafikVor etwa einem Monat hat mich eine Zeitungsnotiz aufgeschreckt: 10.000 Milliarden Staatschuld in den USA? Wie ist denn dieser Betrag entstanden und was hat er zu bedeuten?

Die Meldung ging durch die Schweizer Medien, dass die öffentliche Verschuldung der USA per September erstmals über 10 000 Millionen Milliarden (Danke an Hannes Glaus für den Kommentar) Dollar liege. Davon werden 5 800 Millionen Milliarden von privaten Investoren gehalten, der Rest von anderen Staaten. Auf dieser Seite werden die Daten monatlich veröffentlicht. Der amerikanische Staat gibt dazu verschiedene Formen von Wertpapieren heraus, die als sehr sichere Anlage gelten – mehr dazu auf der FAQ-Seite der US Treasury selbst.

Nach weiteren Recherchen habe ich ein Excel-Sheet mit den historischen Daten gefunden und es aufbereitet (anklicken macht es noch grösser).

Öffentliche Verschuldung der USA 1950 - 2008

Wer hat in den 90er Jahren Gegensteuer gegeben? Clinton wars. Wikipedia hat mir mit einer Präsidentenliste geholfen, die sind jetzt auf der Zeitachse eingetragen. Reagan und Bush haben Gas gegeben. Erstaunt hat mich die zurückhaltende Entwicklung während des Vietnamkriegs, in der Ära Kennedy und Johnson. Bestimmt waren Kriege noch billiger und das grosse Deficit Spending hat dann die Ära Reagan gebracht.

Fazit: Auf den Schultern Barack Obamas lastet eine schwere Bürde. Die Staatsinterventionen aus der Finanzkrise sind noch nicht alle verbucht, wie ich annehme. Und eine rezessive Wirtschaft verlangt wieder nach staatlich finanzierten Ankurbelungsmassnahmen (dazu ein aktueller Economist-Artikel).

Hier liegt der kommunikativ interessante Aspekt: Staatsschulden sind keine Schulden. Zurückzahlen ist nicht vorgesehen. «Too big to fail» gilt für den Staat erst recht. Eine wichtige Kennzahl ist das Verhältnis dieser Schuld zum Bruttosozialprodukt, und da sieht Japan ganz wesentlich schlechter aus als die USA – siehe Liste auf diesem Wikipedia-Eintrag.

Journalismus 2.0: NY Times mit Obama auf Facebook

NY Times auf Facebook, AusschnittGeh dorthin, wo deine Zielgruppe sitzt. Erstaunt hat mich heute morgen die New York Times: Weil sie von der grossen Facebook-Community profitieren will, verschiebt sie ganze Dialoge und Inhalte rüber zu Facebook.

Facebook ist nicht mein Ding. Aber dazu muss man klar sagen: Die Positionierung hier in Europa ist viel teeniger als in den USA. Deshalb bin ich weder eifriger Facebook-Nutzer noch Facebook-Profi, beim Besuch der NY Times habe ich einiges gelernt. Zum Beispiel, wie clever Facebook die Möglichkeit bietet, Unternehmens-Seiten anzuleben. Und wie umfasend die Times diese Möglichkeit nutzt.

E-Mail-Newsletter mit Facebook-Link
Ich habe hier schon drüber berichtet: Die NY Times bietet geniale Abos, um ihren Online-Content zu vermarkten. Einmal pro Woche erhalte ich die fünf meistgelesenen Artikel in einer schön gemachten HTML-Email angerissen. Heute hatte ich wieder mal Zeit zum reinstöbern – und stolpere darüber, dass ein gescheit gemachter Dialog-Aufruf nicht Traffic auf die eigene Site bringt, sondern zu Facebook rüberführt:

facebook link in newsletter der ny times

Eine clevere Frage, die ganz bestimmt sehr viele Kommentare und Visits generiert. Die Times scheint sich zu sagen: Lieber mehr Traffic und Kommentare dort, wo eine für uns wichtige Zielgruppe schon sitzt. Damit verliert sie Visits, das stärkste Argument für die eigenen Werbeeinnahmen.

Ausgebaute Facebook-Portale
Dass der Dialog läuft, zeigt der Kommentar-Zähler: Über 6 000 Einträge in einem Tag. Und 164 000 eingetragene Facebook-Fans. Darum herum ist eine ganze NYTimes-Plattform gebaut, zugeschnitten auf Facebook-User.

NY Times auf Facebook, Portalseite

Im Vordergrund stehen weiter unten, gleich nach den ersten angezeigten Kommentaren Videos. «Wenigstens» das grosse Banner rechts verlinkt auf nytimes.com. Darunter die übliche Übersicht der Fans. Ein Stück weiter unten sind die meistbesuchten Facebook-NY Times-Angebote gelistet. An der Spitze steht die Reiseseite «The Frugal Traveler» – die wiederum auf ein neues Facebook-Portal führt – nicht auf die NYTimes. Erstaunlich. Auch auf der Reiseseite wirds den Facebook-Lesern leicht gemacht, sich als Fans einzuschreiben. Das Angebot geht bis hin zu einem «Small Business» Portal. Was schön illustriert, das Facebook in den USA anders positioniert ist. Zwar sind hier auch erst 51 Fans eingeschrieben…

Auf allen diesen Portalen kann die NY Times keine Werbung verkaufen. Der ganze Traffic geht an ihren Kanälen vorbei. Also muss sich der ganze hier getriebene Aufwand dadurch rechnen, dass aus dem Zielgruppen-Pool von Facebook ein paar rüberwechseln zu nytimes.com. Fazit: Wenn der Zielgruppen-Pool gross und interessant genug ist, lohnt sich ein Verschieben von Inhalten und Dialogen? Wir bleiben dran.

Mehr zur NY Times:
Journalismus 2.0: Geo-Porträt der NY Times

Sabine Betschart | 06.11.2008 | Medien

Mit 20 Minuten Friday das Wochenende planen

20 Minuten Friday, Erstausgabe FridayIn 20 Minuten Fiday findet die  junge, urbane Leserschaft Lifestyle-Geschichten und kulturelle Veranstaltungstipps fürs Wochenende.

Das 20 Minuten Gratisblatt bietet seit letzten Freitag einen Zusatznutzen: 20 Minuten Friday, wöchentlich Freitags ab 12 Uhr in der 20 Minuten-Box. Das schön gestaltete Heft (nicht anders zu erwarten von der Zürcher Grafikerbude Raffinerie AG) ist schnell durchgeblättert. In unserem Büro gehen die Meinungen auseinander, einig sind wir uns in dem Punkt: Zielpublikum weibliche Teenager. In der ersten Ausgabe gefiel mir die Reportage auf der Seite 38 über die Ankerstrasse in Zürich. Das Heft taucht in diesem Beitrag in die Stadt ein und berichtet über eine Einkaufsstrasse im Quartier. Die Internetseite lehnt sich zu sehr ans Layout des Stammblatts, wobei die schönen Gestaltungselemente der gedruckten Version wegfallen. Zudem wäre es sinnvoll das Nightlife-Programm auch ins Internet zu stellen. Denn da befinden sich zurzeit nur Bilder vergangener Partys.

Sophie Graf | 05.11.2008 | Kommunikation

Obama’08: Yes, we can – can we?

obama1.jpgNein, wir sind weder die ersten, noch die einzigen, die heute die Berichterstattung über den neuen amerikanischen Präsidenten verfolgen. Trotzdem: Auch vom bernetblog ein “Good luck”, denn auf Obama wartet noch ein gutes Stück Arbeit. 

Im Grunde wundert man sich, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die ins Oval Office einziehen wollen, erbt der Nachfolger von George W. Bush doch vor allem Schulden und Probleme. Osama bin Laden lebt, Afghanistan, Pakistan und Irak sind Pulverfässer, Iran strebt nach der Atombombe, die Weltwirtschaft ist in Unordnung. Amerikas Krankensystem steht vor dem Zusammenbruch, das Schulsystem ebenfalls, und der viel gepriesene technologische Vorsprung wird immer zweifelhafter. Das Haushaltsdefizit steigt rasant, und Obama wird es schwer haben, auch nur das kleinste Wahlversprechen einzulösen. Nun, die Propaganda-Phase ist vorbei, und schon bald wird es um mehr als ums Spenden sammeln gehen. Und egal, wer oder was gerade gerettet werden soll – die Banken, der Irak oder die schmelzenden Pole – die Welt schaut auf Amerika und dies wird wohl noch ein wenig so bleiben.

bernetblog-Beiträge zur US-Wahl:

Politik im Netz: Obama vs. McCain auf Youtube

Sarah Palin: Die Grenzen des Coachings erreicht?

Politik im Netz: My.ChristophBlocher.ch

Welches Bild für welche Zielgruppe?

déjeuner sur l’herbeSchon immer haben mich Bilder mit angezogenen Männern und ausgezogenen Frauen verwirrt. Und zwar so, dass mich keine andere Botschaft erreicht.

Letzte Woche ist mir das Motiv zweimal über den Weg gelaufen. Das erste Mal war es Werbung – für was nur? Vier Menschen waren auf einer sportlichen Bootsfahrt, die beiden Männer vollständig bekleidet, die beiden Frauen im Bikini. Das zweite Mal war es Manets «Dejeuner sur l’herbe» (siehe oben). Wenn ich solche Kompositionen sehe, beschäftigt mich stets ein Gedanke: Die müssen doch frieren. Es läuft meiner Erfahrung zuwider, dass sich Frauen ihrer Kleider entledigen, während Männer zugeknöpft bleiben. Frauen frieren bekanntlich schneller.

Nun gilt aber in der Kommunikation auch, mit dem Gewohnten zu brechen, um Aufmerksamtkeit zu erregen. Weil ich mich aber nie an ein Produkt oder eine Botschaft erinneren kann, vermute ich, dass ich nicht Zielgruppe bin. Ich hoffe es zumindest für die Werber. Oder waren es Werberinnen?

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