Sabine Betschart | 31.10.2008 | Medien

Radio-Konzessionen: 24, Monte Carlo und 1 vorne weg

SatellitBis 2019 erhalten Radio 24, Radio 1 und Radio Monte Carlo die Konzession für das Sendegebiet Zürich-Glarus. Radio Energy ist der grosse Verlierer.

Um die drei UKW-Konzessionen bewarben sich nebst den Siegern auch Radio Zürisee und Radio Energy. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) entschied anhand folgender Kriterien: publizistische Qualität (Sicherung durch Ausbildung und genügend Personal), Vielfältigkeit, regionale Meldungen.
Anhand Hörerzahlen und Beliebtheit war für mich klar, dass Roger Schawinskis jüngstes Projekt eine Konzession erhalten soll. Erstaunt bin ich über den Siegeszug von Radio Monte Carlo – ich kenne diesen Sender, seit zwei Jahren auf Sendung, gar nicht. Vielleicht liegt es an meinem Alter? Oder an meiner ausgesprochenen Vorliebe für die Abend-Sendegefässe «Sounds!» und «WorldMusicSpecial» von DRS3.

Was geschieht mit den Verlierern? Sie dürfen weiter senden und sind an kein Gebiet gebunden. Müssen ohne Aufschaltpflicht und Bundesgelder aufkommen. Ich bin gespannt, welche privaten Sender ein Publikum ergattern und überleben.

PR-Symposium 08: Strategien des Standortmarketing

br-sprg-podium.jpgBis zur Jahrtausendwende stand die «Marke Schweiz» scheinbar unzerstörbar für High Quality, Seriosität und Leistung. Wie scharf ist dieses Bild noch nach den «nachrichtenlosen Vermögen», dem Swissair-Grounding und den wackelnden Grossbanken?

Das PR Symposium 08 war heuer zu Gast bei Microsoft in Wallisellen. (Der Harbour Club war letzte Woche bei Google – wir berichteten darüber. Zufall?). Es war viel die Rede von Standortqualitäten, von Im- und Export und von Öffnung. Gemäss den Referaten ist das Image der Schweiz noch immer intakt – aber heute wie morgen muss daran gearbeitet werden. Hier eine kleine Auswahl an Zitaten aus den Referaten im besseren zweiten Teil der Veranstaltung:

«Man muss die Zielgruppe da abholen, wo sie ist – selbst wenn sie noch an Klischees hängt.»
(Raymond Loretan, Ex-Generalkonsul NYC, Download Präsi)
Natürlich will die Schweiz weg vom Heidi-, Käse-, Schokoladen-Image. Aber was nützt uns das, wenn unsere Dialoggruppen auf klischierte Botschaften ansprechen und sie verstehen? Aber wir können daran andocken und dann – quasi als Trojaner – noch weitere Schweizer Werte mitkommunizieren. Ein spannender Gedanke – auch für andere kommunikative Herausforderungen.

«Kennen was man vermarkten will – Wissen, was das Gastland interessiert – Geduld und Fantasie.»
(Flavia Schlegel, Swissnex Shanghai, Download Präsi)
…das braucht es für das Standortmarketing in China/Shanghai (und anderswo). Die eigenen Stärken/Schwächen und Ziele kennen, der Dialoggruppe gut zuhören und dann kreativ dort ansetzen, wo man etwas erreichen kann.

«Der Brand ist gut – wir müssen ihn jetzt noch mit den richtigen Inhalten füllen.»
(Daniel Küng, CEO Osec, Download Präsi)
Küng zeigte eindrücklich auf, wie sich die Weltwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. Indien und China werden deutlich zulegen – auf Kosten von Europa und den USA. Die Schweiz – will sie zumindest in Europa obenauf bleiben – braucht international (trotz föderalistischen Strukturen) einen klaren, einheitlichen und kräftemässig gebündelten Auftritt (Bsp. Zusammenarbeit OSEC, Tourismus Schweiz, Pro Helvetia, …).

Für mich hätte das Schweizer PR Symposium 08 gerne auch zu einem Thema stattfinden können, das näher an unserem Berufsstand dran ist (bzw. umgekehrt). Der rasantere und leidenschaftlichere zweite Teil hat aber durchaus inspiriert. Wir leben halt doch nicht auf einer Insel und wer es versteht, den Nachbarn, Gästen, potenziellen Geschäftspartnern gut zuzuhören, dem wird auch künftig die Arbeit (und die Ressourcen) nicht ausgehen.

PS: Den Absolventen des diesjährigen PR-Berater-Lehrganges, die am Anlass «vereidigt» wurden, will ich hier ganz herzlich gratulieren…!

Link zum Bericht auf der BR-SPRG Website

Sophie Graf | 28.10.2008 | Dies & Das

Kopf an Kopf – Politikerporträts im Museum für Gestaltung

politiker_portraits.jpgWie zeigen sich Politiker auf Plakaten? Die Ausstellung «Kopf an Kopf – Politikerporträts» zeigt auf, welcher kommunikativer Muster sich Politikerinnen und Politiker bedienen, um die Gunst der Bevölkerung zu erlangen. Zu sehen vom 31. Oktober 2008 bis zum 22.Februar 2009 im Museum für Gestaltung. 

Die Grenzen der Darstellung beim Plakat sind relativ eng gesetzt: Der Abgebildete und seine Botschaft muss schnell zu erkennen sein. Beim Aussehen lässt sich wenig ändern – also kommt dem Bildkontext wie Vorder- und Hintergrund, aber auch der Kopfhaltung und der Inszenierung grosse Bedeutung zu. Viele solcher «Bildformeln» tauchen seit Beginn der politischen Werbung immer wieder auf. «Die Ausstellung gibt Einblick in die visuellen Strategien in der Imagebildung, der Repräsentation und der Demontage», heisst es beim Museum für Gestaltung Zürich. Dabei werden vier Persönlichkeiten der internationalen Geschichte und Politik näher vorgestellt: Lenin, dessen Porträt nach seinem Tod sehr unterschiedlich instrumentalisiert wurde,  Che Guevara, das wohl meist reproduzierte Konterfei überhaupt, Yulia Tymoshenko, die dem Museum gleich ein ganzes Paket mit Propagandamaterial zukommen liess und Arnold Schwarzenegger, der seine Vergangenheit als Muskel- und Actionheld und seine jetzige Rolle als politische Figur Kaliforniens zu einem visuellen Ganzen verdichtet. Übrigens, auch die Webseiten diser (noch lebenden) Politiker sind ein Besuch wert – und ein Lehrstück in Sachen Propaganda.

Podcast: Akustisches Finanz-Amuse-Bouche

I-PodDer Raiffeisen-Finanzinformation hat mich enttäuscht: Für das Podcast-Format ist die Info zu kurz.

Der Podcast dauert etwa eine Minute. Mindestens zehn Sekunden, etwa ein Fünftel der Zeit, dauern das Intro und die Werbung am Schluss. In der Mitte sind eine allgemeine Wirtschaftslagebeurteilung und Finanztermine der Woche zu hören. Und schon ist das Ganze wieder vorbei.

Für mich ist das zu wenig. Im Büro am Computer höre ich keine Podcasts – die Bürokollegen dankens. Und zum Synchronisieren und unterwegs Anhören, lohnt sich der Aufwand kaum. Die akustische Selbstempfehlung der Raiffeisenbank möchte ich bei dieser Kürze nicht wöchentlich hören. Angenehm ist die Männerstimme, vielleicht fürs Thema zu ruhig. Für Mundart spricht so viel wie dagegen; beim Thema Finanzen ist sie nicht zwingend. Überspitzt: Ein etwas fades Amuse-Bouche, das man sich holen muss, ohne nachfolgende Gänge.

Nach der Kritik nun das Konstruktive: Wochentermine finde ich schriftlich praktischer, im RSS-Format, als E-Mail oder sogar als Termin. Für einen Podcast rate ich zu Hintergrundinformationen, die auch nach ein paar Tagen noch Gültigkeit haben. Weil das meine ganz persönlichen Vorlieben sind, lautet die Gretchenfrage: Wie hältst du es mit dem Podcast? Wer hört was wann und wo?

Raiffeisen-Finanzpodcast

bernetblog-Beiträge zu Podcasts:
Fremdsprachen-Podcasts: Ciao Wörterbuch – welcome Podcast
Aufwändig statt easy: Über Hürden bei der Podcast-Produktion
Hoerkolumnen.ch: Schweizer Kolumnen im Podcast-Abo

PR 2.0: Somesso – Social Media Conference in Zürich

logo_somesso.pngHeute in einer Woche (Freitag 31.10.) macht Somesso Halt in Zürich: die Social Media Conference im GDI dauert einen Tag. Sie zielt auf alle, die sich für Online-Dialogwerkzeuge in Unternehmen/Organisationen interessieren. Via bernetblog kann man sich zum reduzierten Tarif anmelden.

Neben einer Reihe von halbstündigen Vorträgen (Agenda), spielen die Kurz-Präsentationen von Startups eine gewichtige Rolle. Während einer Stunde (13.15-14.15h) stellen 12 Startups ihre neuen Projekte vor. Pro Startup 5 Minuten. Bin gespannt auf dieses Präsentations-Staccato.

Ich werde wohl nicht den ganzen Tag da sein können. Aber es ist schwer, sich für Vormittag oder Nachmittag zu entscheiden. Am Vormittag interessieren mich die Vorträge «From survival of the fittest to survival of the most cooperative» (Frans van der Reep) und «Value creation trough Social Media for Companies» (Julie Meyer). Am Nachmittag wären es die Startup-Präsentationen und das Roundtable zum Abschluss.

Ich finde es sehr begrüssenswert, dass sich Kommunikations-Fachmenschen treffen und zum Thema austauschen. Es wird sicher nicht so ungezwungen wie Blogcamp. Dafür richtet sich Somesso wohl mehr an Kommunikationsprofis (d.h. Menschen die in Unternehmen/Organisationen für Kommunikation zuständig sind oder sie beraten) und weniger an Blogger.

Via diesen Link: Anmeldung mit 25% Ermässigung (442€ anstatt 590€)

Monitoring: Argus mit Gadgets auf der Website

argus.pngDer Schweizer Medienbeobachter hat die Website aufgefrischt. Darauf gefällt mir ein Gadget ganz gut: die Frontseiteninhalt-Tagcloud. Diese enthält nicht aus dem Web aggregierte Daten – sie wird täglich vom Medienbeobachter selber aus den Schweizer (Print-)Medien «erlesen».

Die Tagcloud enthält die Begriffe, die am häufigsten auf die Titelseiten der Schweizer Medien gedruckt wurden. Je nach Bedeutung und Häufigkeit der Nennung in grösserer oder kleinerer Schrift abgebildet. Als FCZ-ler sehe ich schadenfreudig, dass die FCB-Niederlage gegen den «FC Barcelona» fast ebenso häufig getitelt hat, wie «Finanzkrise» und «Elmar Ledergerber».

tagcloud_argus.png

Die Cloud wird täglich aus dem Argus-Datenmaterial neu aufgesetzt – in einer deutschschweizer und einer welschen Version. Neben dieser Tagcloud ist auch das Primeur-Ranking und eine Übersicht über Medienblogs (hm… ein ganz bestimmter Blog fehlt dort eindeutig…) ganz aufschlussreich.

Auch neu bei Argus: Die Beiträge aus dem Clipping-Management Online (CMO) können via RSS-Reader abonniert werden. Der Einbau ins CMO erfolgt in Kürze (neue Version ab 3.11.).

Wally Olins über Markenführung und C.I.

marken«Corporate Identity» steht seit 1991 in unserer Agenturbibliothek. Gestern abend war der Autor in Zürich zu erleben. Ein inspirierender Vortrag eines erfahrenen Profis, hier seine fünf Thesen zur Zukunft der Markenführung.

Mit dem Anlass verbunden war die Möglichkeit einer Google-Büro-Besichtigung. Mehr darüber in einem späteren Beitrag. MScom Managing Director Nina Volles und ihr Team haben mit dem HarbourClub einen super Anlass auf die Beine gestellt, Gratulation.

Wally Olins ärgert sich – nur kurz
Der Referent entpuppt sich als perfekter Geschichtenerzähler mit einer klaren Meinung und einem grossen Erfahrungsschatz. Olins ist heute Vorsitzender der Saffron Brand Consultants in London und Dozent an verschiedenen Universitäten. Seine Referenzenliste ist beeindruckend. Als Buchautor überzeugt er durch viele Beispiele und starke Bilder, dafür sind die Inhalte etwas weniger stark strukturiert als in anderen Fachpublika- tionen. Sein neues «Brand Handbook» habe ich erst durchstöbert, es kommt aber ähnlich daher wie sein Standardwerk «Corporate Identity».Auch der Vortrag war erstklassig bebildert und mit wirklich interessanten Geschichten illustriert. Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass die Folien bereits als Handouts auf den Stühlen lagen, vorbildlich. Es wurde auch fleissig mitgeschrieben, denn es gab ja praktisch nur Bilder zu sehen. Irgendwann im völlig freien Redefluss hörte man ihn dann leicht verärgert einschieben: «Was – Sie haben ja alle die Folien schon erhalten. Da müsste ich mein Zeugs hier gar nicht mehr erzählen. Das habe ich nicht gewusst.» Also wäre er auch einer dieser geheimnisvollen Referenten, die immer alles bis zum Schluss behalten wollen. [Den Link zum Webcast oder Doku baue ich hier ein, sobald bei MScom online.]

Die Zukunft von Marken
Wohin entwickeln sich Markenführung und Corporate Identity in den nächsten zwanzig Jahren? Die Grundlage bleibt für den Markenguru die selbe: «Marken entsprechen seit ihrer Erfindung dem grundlegenden menschlichen Bedürfnis nach Zugehörigkeit.» Die Rolle von Marken für Untenehmen und Produkte wird sich nach Olins in fünf Dimensionen verändern:

1. Multipolarität – neue Produkte aus Asien, Indien, Russland
Es kommt nicht mehr alles entweder aus den USA oder aus Europa. Asiatische Produkte und Markenbilder beeinflussen immer stärker die europäische, amerikanische oder weltweite Kultur. Pokemon oder Yoga haben in keiner Weise etwas zu tun mit westlichen Kulturideen. Olins definiert fünf Zentren dieser Multipolarität: USA, Europa, China, Indien, Russland.

2. Neuer Zeitgeist – Geben ist das neue Kaufen
«Man spricht beim Essen nicht mehr über das neu gekaufte Ferienhaus – sondern über sein nachhaltiges, ökologisches, bewusstes Verhalten.» Ethisches Investieren, bewusstes Verhalten wird zum neuen Statussymbol, für Olins führt der Weg vom «gezeigten Konsum zu gezeigten Mitgefühl».  Er glaubt, dass die Finanzkrise diese Entwicklung nicht aufhält, höchstens für kurze Zeit ein wenig verdrängt.

3. Neue Rolle für Unternehmen: Wofür stehen wir?
Nachhaltige Unternehmensausrichtung wird immer wichtiger. Dahinter steht für Olins die zentrale Frage: «Wozu sind wir überhaupt da?» Und zwar über Produkte und Dienstleistungen, Quartalsabschlüsse und Dividenden hinaus. Corporate Social Responsability sei kein Zusatz mehr, sondern werde zur vitalen Kernidee jedes Unternehmens. Die Herausforderung liege darin, das wirklich effizient und nachhaltig zu tun. Den Weg dorthin sieht Olins erstens in einer stärkeren Betonung der Unternehmens-Dachmarke gegenüber allen Produktemarken. Und zweitens in der Zusammenarbeit mit Wohltätigkeits-Organisationen, die bereits eine starke Marke und eine hohe Glaubwürdigkeit besitzen.

4. Digitaler Raum: Alle Macht den Konsumenten
Das Web verbindet und ermächtigt die Abnehmer von Marken. Ihnen steht viel mehr Information zur Verfügung und sie können in einen direkten Dialog mit den Absendern treten. Olins Fazit: Mit stärkeren Unternehmensmarken müsse man auf diese Entwicklung reagieren. Na ja. Aus meiner Sicht ist hier die Analyse offensichtlich und der Schluss daraus greift zu kurz. Ich denke, dass der Dialog sehr stark auch auf Produkte-Ebene geführt werden muss. Aus unternehmerischer Gesamtsicht muss die Koordination und Ausrichtung aller online-Aktivitäten erfolgen.

5. Ein Gefühl für den Ort: Gib mir eine Heimat
Womit wir beim Anfang der Markengeschichte wären: Zugehörigkeit hat mit Plätzen zu tun. Je stärker wir globalisieren, desto grösser wird das Bedürfnis nach einer lokalen, persönlich erfahrenen Zugehörigkeit. Was ist meine persönliche Marke? Was ist meine Stadt, meine Region, mein Land? Das passte dann für mich auch sehr gut zur eben erfahrenen Google-Bürolandschaft: Hier wird ein Platz kreiert, zu dem man gehört.Das schöne am Vortrag: Wally Olins ist ein Profi, ein sehr guter Verkäufer und ein Brite. Das heisst: Er nimmt sich nicht nur ernst – seine letzte Folie zeigt ihn mit Notizbuch im Liegesessel und der Schlagzeile: «Just a few thoughts, that’s all.»

Marcel Bernet | 21.10.2008 | Dies & Das

Zensekunden Rheinschlucht

Durch die Rheinschlucht bin ich schon oft gefahren. Diesmal hat es für eine Wanderung gereicht – auf der falschen Seite?

Vorgenommen hatte ich mir einen Spaziergang von Valendas-Sagogn nach Versam Station. Ein schöner Wanderweg führt entlang der Bahngleise. Aber schon bei früheren Zugfahrten durch diesen kleinen Grand Canyon (hier ein touristischer Link auf Swissbase) hatte mich die gegenüberliegende Talseite fasziniert.  Also wagte ich eine Freestyle Wanderung, abseits aller gelben Richtungsweiser. Nicht zu empfehlen: Nach zwei Stunden musste ich definitiv umkehren. Der Rhein versperrte den Weg. Doch schon vorher wurde der anfängliche Flussufer-Spaziergang immer mehr zur Hangkletterei. Gefallen hat’s mir nach etwas Frust dann trotzdem. Und irgendwie habe ich einiges gelernt über das Setzen von Zielen. Und die Flexibilität, die es braucht, wenn man abseits markierter Wege ausschreitet.

Der Film entstand ganz am Anfang, die Ufersituationen sind wirklich einmalig.

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Sophie Graf | 20.10.2008 | Social Media

Web 2.0-Diskussion mit Miriam Meckel

onlinedialog_fingerfinger.jpgBeim Recherchieren bin ich einmal mehr bei Miriam Meckel hängengeblieben. Die Kommunikations-wissenschaftlerin an der Uni St. Gallen bringt immer wieder neue Gedanken in eine relativ alte Diskussion: Geht das Netz den Weg der Kommerzialisierung?

Miriam Meckels Post Ein Sommernetztraum habe ich auch im Medienmagazin Klartext gesehen. In sage und schreibe 95 Kommentaren äussern sich die Leser über die Risiken und Chancen vom Web 2.0. Darunter einige kluge, prägnante Aussagen wie diese:

«Die Gesellschaft ist liquide geworden. Wie das Web«, schreibt Cem Basman in seinem Blog Sprechblase. «Bekanntschaften, Freundschaften, Liebe, Sex, Partnerschaften, Ehen wie auch Jobs, Aufgaben, Aktivitäten haben eine deutlich kürzere Lebensdauer als früher. Ob das Internet damit zu tun hat, kann ich nicht sagen. Oder ob das Internet der Spiegel der Gesellschaft ist.»

Oder Hilmar Schmundt im NZZ Folio 09/02: «Der perfekte Marktplatz wächst sich selbst über den Kopf. Und entfernt sich damit immer weiter von den ursprünglichen Grundsätzen. Das Grossexperiment in Sachen Marktwirtschaft folgt stur dem Willen seiner Teilnehmer  – und die schlagen derzeit einen überraschenden Kurs ein. (…) Der freieste Markt der Welt scheint sich nach Festpreisen, Grosskonzernen, Sicherheit und Grosskundenprivilegien zurückzusehenen, als deren Gegenentwurf er angetreten war.»

Doch Datenschutz?

DatenschutzEin paar Kontakte mit Ämtern zeigen: Die gläsernen Bürger existieren noch nicht.

Unser Meldesystem scheint vor allem mit Vertrauen zu funktionieren und nicht mit totaler Kontrolle. Weil ich gerade umziehe, muss ich etliche Formulare ausfüllen. Ob für die Anmeldung am neuen Wohnort, einen neuen Führer- oder Heimatschein: Immer wieder muss ich meine Daten angeben. Mit Überraschung und leichtem Ärger, weil schon wieder Name-Vorname-Geburtsdatum-Religion-NamedesVaters-Heimatort-Geburtsort gefragt sind, stelle ich fest, dass die Verwaltung noch nicht auf digitale Zentralregister zugreift.

Dabei gibt es schon seit längerem Pläne zu einer Digitalisierung und Vereinheitlichung der Verwaltung. So finden sich beispielsweise auf der Website des UVEK unzählige «E-»Dokumente: E-Government, eHealth, e-Inclusion… Und ein Papier zum einheitlichen Umgang mit elektronischen Akten, Daten und Dokumenten. Aber solange ich PDF-Formulare ausdrucken, ausfüllen und mit der Post schicken muss, frage ich mich: Wann kommt die einheitlich erfasste E-Gesellschaft? Und: Soll ich mich darauf freuen?

Bakom: Bericht und Aktionsplan zum Umgang mit elektronischen Akten, Daten und Dokumenten

Bloggende Journalisten

JournalistJournalisten-Blogger oder Blogger-Journalist? Der Kommentar von Pixelfreund aka Ralph auf meinen Beitrag von gestern ist einen eigenen Beitrag wert. Ralph stellt am Beispiel von Krusenstern fest, dass die Grenzen zwischen Journalisten und Bloggern immer mehr verwischen.

Wann ist ein Blogger ein Journalist? Und wann und wo darf ein Journalist – angestellt und ordentlich bezahlt von einem Medium – einen Blog führen? Was unterscheidet die gebloggten Inhalte vom redaktionellen Teil?

Eine kurze und treffende Antwort schrieb Pixelfreund in einem anderen Kommentar (Netzwertig, s. auch unten): «Unter Blogkultur verstehe ich v.a. die Trennung von Meinungen und Fakten sowie die persönliche Sicht des Autors. Fakten gehören in den Redaktionsteil. Die persönliche Meinung und Ansicht zu Themen oder Dingen ins Blog. Daneben eine Kommentarkultur, die auch kontroverse Kommentare nicht scheut und einen Dialog pflegt.»

Diese Definition teile ich: Ein Journalist wird dann zum Blogger, wenn sein Beitrag zwar Fakten enthält, diese aber angereichert und kommentiert sind mit seiner persönlichen Meinung (und nicht der seines Arbeitgebers, dem Medium) und wenn er den Dialog öffnet und nachher auch pflegt.

Das oben erwähnte Zitat steht übrigens in den Kommentaren im netzwertig-Beitrag zum neuen Blog von NZZ-Online. Dort wurde der brandneue  «Betablog» von Nico Luchsinger bereits ausgiebig diskutiert und kritisiert. Vor allem wurden Probleme mit dem RSS-Feed (funktioniert nicht bzw. nur Titel) und der Umgang mit Kommentaren bemängelt. Wenn ich mir aber die Kommentarqualität beim Tagi-Newsnetz anschaue, bin ich über eine gewisse «Qualitätskontrolle» froh. Bin gespannt was wir von Nico im Betablog zu lesen bekommen.

Mehr dazu im bernetblog:
«Blogger im Profil: Nico Luchsinger» – über Nicos Blog 150Worte

Blogging: Tipps von geehrtem Schweizer Blogger

logo_krusenstern.pngWie ich gerade im Printmagazin «Schweizer Journalist» lese, hat unser Bloggingkollege Jürg Vollmer mit seinem Krusenstern den Schweizerisch-Russischen Journalistenpreis gewonnen. Als erster Schweizer Blogger überhaupt wurde er damit mit einem Journalistenpreis geehrt.

Zu Recht, meine ich. Die Qualität von Gestaltung und Inhalt auf  Krusenstern ist absolut vorbildlich. Mir bleibt es ein Rätsel, wie Jürg dies nebenberuflich schafft. Ich gratuliere ihm damit ganz herzlich im Namen aller bernetblogger.

Und ergreife gleichzeitig die Gelegenheit, endlich einmal auf das gelungene und vollständige Blog-Handbuch von Krusenstern aufmerksam zu machen – in gut zwei Dutzend Kapiteln beschreibt Jürg kurz und bündig, was man sich VOR dem Erstellen eines Blogs oder eines Beitrags konzeptionell überlegen sollte. Und beschreibt Fachbegriffe wie Crosslink, Referrer oder Aggregator. Eine blitzschnelle und trotzdem aufschlussreiche Einführung für Anfänger.

Mehr dazu im bernetblog:
«Checkliste Blogkonzept: Damit sich der Einsatz lohnt»
«Blogger im Profil: Jürg Krusenstern Vollmer»
«Machen Weblogs Journalisten überflüssig? Analyse von J. Vollmer»

Vorhersehbar irrational

Predictably irrational, the hidden forces that shape our decisions, Dan Ariely, 2008Dan Arielys Buch «Predictably irrational» ist lesenswert, gerade rund um die Finanzkrise. Der Autor ist Professor für Behavioural Economics und schreibt auch, warum teure Schmerztabletten besser wirken. 

Was kostet ein Stromstoss? Natürlich wissen wir das nicht, niemand kauft oder verkauft Stromstösse – ausser Dan Ariely für Versuche. Damit hat er einen Markt und Vergleichswerte geschaffen. Je nachdem, welchen Einstiegswert die Probanden für Stromstösse kannten, verhielten sie sich später im Experiment.

Ähnliches passiert an der Börse. Ein Papier wird nach seinem am besten bekannten Wert, dem Börsenkurs, gehandelt. Was es wirklich wert ist, spielt oft keine Rolle, ähnlich wie beim Stomstoss.

Dan Ariely zeigt, was überhöhte Preise auf der Speisekarte bewirken, was Gratisleistungen kosten oder wie wir die Attraktivität eines Menschen bestimmen. Die 13 Kapitel sind nicht nur interessant, sondern  ausgesprochen amüsant zu lesen.

Amazon-Link: Predictably irrational, the hidden forces that shape our decisions, Dan Ariely, 2008

Denken wie eine Suchmaschine – Suchmaschinenmarketing

suchmaschinen roboter istockphotoDen Algorithmus der Suchmaschinen ist nicht klar zu definieren und verändert sich stündlich. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Denkweise der Suchmaschine zu unterstützen.  Hier ein paar Tipps, die ich beim Internet-Briefing aufschnappte.

Die Veranstaltungsreihe Internet-Briefing widmete sich diese Woche dem Thema Suchmaschinenmarketing. Patrick C. Price der Firma Idealizer gab folgende Tipps:

  • Einstiegsseite: Jede Seite kann zur Einstiegsseite werden – also sind für jede Seite die Suchmaschinenanforderungen zu berücksichtigen, nicht nur für die Home/Startseite.
  • Seitentitel: Die Seiten klar benennen und Zusatzinfos bzw. Inhalt mit «/» anhängen. Beispiel: www.meineseite.ch/rezeptgefluegel. URLs auf keinen Fall technisch benennen. Eine klare Begriffslogik hilft den Suchmaschinen und in einem weiteren Schritt dem Suchenden, bei der Auflistung aller Suchlinks und seiner daraus folgenden Wahl.
  • Keywords: 4 bis 6 Schlüsselwörter im Description Text reichen völlig aus. Bei zu vielen Keywords hat die Suchmaschine Mühe, den präzisen Inhalt zu eruieren.
  • Text: Es lohnt sich die Seitentexte gut zu analysieren. Hilfreich dazu die Keyword-Suche bei Google. So finde ich heraus, welcher Begriff, ob «Rezept» oder «Rezepte», häufiger in der Suchmaschine gesucht wird. Erkenntnisse daraus direkt in die Texte einbauen.
  • Bilder: Bilder immer mit einem logischen Begriff benennen. Die Suchmaschine findet kein Bild namens «043xml.jpg».
  • Externe Links: Die Verlinkung hat eine grosse Bedeutung und beeinflusst das Ranking massiv. Gegenlinks sind werden von den Suchmaschinen ausgeschaltet (A linkt zu B, und B linkt zu A).

Die Suchmaschinen-Updates erfolgen stündlich. Es ist schwierig die gegenwärtigen Kriterien der Suchmaschinen für immer zu erfüllen. Das Fazit: Sinn macht, eine logische Seite zu gestalten, die für Menschen übersichtlich ist.

Metablog oder Blog zum Ersten

schreiberlingNeu im Bernet-Team darf – muss? – ich nun auch bloggen. Nach dem ersten Eintrag ist für mich klar, dass es ein Dürfen ist.

Zuerst heisst es, das Blogkonzept zu studieren. Es ist rasch gelesen, leicht verständlich. Was ich bisher im bernetblog gelesen habe, hält sich an dieses Konzept.

Die nächste Stufe ist rasch genommen: Die Software ist selbsterklärend. Wenn ich nicht mehr weiterweiss, hilft das Bernet-Wiki. Beim Wiki fungiere ich auch als Testerin: Sind die Erklärungen wasserdicht? Der Test läuft noch ein paar Wochen, bis ich nicht mehr «neu» sein werde.

Nun zum Wichtigsten, dem Inhalt. Ein bekanntes Phänomen taucht auf: Solange ich nur Blog-Leserin war, sprudelten die Ideen. Aber seit ich weiss, dass die Reihe bald an mir sein wird, trocknet der Ideenfluss aus. Natürlich habe ich mir bereits einen Notvorrat an Ideen geschaffen, aber jetzt setzt eine unbarmherzige Selbstzenur ein. Vieles scheint nicht “blogbar”. Doch einmal begonnen, löst sich der Schreibstau. Sogar die Ideen für die nächsten Blogs sprudeln wieder.

Fazit: Wie alles Kreative macht Blogschreiben Spass. Das soll natürlich auch fürs Bloglesen gelten.

Und nach dieser Einführung freue ich (im Bild oben rechts) mich umso mehr, die Neue im Bernet-Team zu sein.

Sophie Graf | 07.10.2008 | Kommunikation

Pendenzen verwalten mit Things

things.pngSeit einigen Wochen benutze ich Things zur Verwaltung meiner Pendenzen. Auf dem Markt gibt es wohl kaum eine andere Aufgabenverwaltung, die den Spagat zwischen Umfang und Einfachheit so gut schafft wie dieses Programm, meinen Software-Kritiker.

Mit Things kann man schnell und einfach Pendenzen erfassen, ohne dass man sich schon über die exakte Zuordnung Gedanken machen muss. Später kann man allen Pendenzen mehrere Tags zuweisen und sie einem Projekt zuordnen. Entsprechend kann Things filtern. Besonders praktisch finde ich die Gliederung nach «heute», «als nächstes», «irgendwann» oder «geplant».  Things lehnt sich an «Getting Things Done» lässt aber genug Freiheiten für diejenigen, die dieses Prinzip gar nicht kennen oder nach einem anderen Prinzip arbeiten wollen. Things gibt es nur für Mac (sorry PC-User) und ist derzeit noch in einer kostenlosen Test-Version erhältlich. Das einzig wirklich Unangenehme an Things: Arbeiten, die Pendenzen erledigen muss man immer noch selber.

PR 2.0: Wie Schweizer Agenturen die Zukunft sehen

2 punkt 0Heute habe ich eine Diplomarbeit zur wirtschaftlichen Bedeutung neuer PR-Instrumente für PR-Agenturen erhalten. 41 von 90 angeschriebenen Deutschschweizer Agenturen äussern sich zu Weblogs, Wiki & Co.

Aleksandra Eric hat die schriftliche Befragung im Februar 08 durchgeführt, natürlich haben auch wir mitgemacht. Die Diplomarbeit ist Teil ihrer PR-Beraterausbildung, hier der Link zur Vollversion auf ihrem Weblog. Die Methodik überzeugt, sie hat das Maximum aus der Idee rausgeholt. Ob Berater/innen die richtigen Auguren für die Zukunft der Online-PR sind? Bestimmt handeln Sie für ihre Auftraggeber zuvorderst am Markt.

Die Autorin zeigt am Ende eine interessante Verbindung von Einsatz und Entwicklungspotenzial neuer Instrumente, dabei entsteht diese Matrix:

einsatz und potenzial neuer pr-instrumente

Der obere rechte Quadrant zeigt, womit man sich als PR-Berater/in auseinandersetzen muss: Hier stehen die neuen PR-Instrumente, die im Urteil der Befragten schon jetzt häufig eingesetzt werden – und die ein hohes Entwicklungspotenzial haben. Das Potenzial von Foto-Communities ist aus meiner Sicht zu tief eingeschätzt. Wenn ich die weiteren Begriffe beurteile, fällt mir eine Unschärfe auf: Wann ist ein Weblog ein Webportal oder eine Community? Die Mischformen bei den Webauftritten werden an Bedeutung gewinnen, die Abgrenzung wird schwieriger.

Aleksandra Eric bietet eine gut gemachte, aktuelle Übersicht neuer PR-Instrumente im Agenturalltag. Mit interessanten Schlussfolgerungen. Im Kapitel Monitoring bin ich noch auf diesen Link gestossen: Scouty als Gratis-Anbieter aus Deutschland. Beim Besuch störte mich die Werbung, aber als low-cost-Radar sicher testenswert.

Präsentationstechnik: «Death by Powerpoint»

powerpoint.png Gerne nehme ich den Ball von Sophie auf. Und finde mit ihr: Gute Präsentationen gibts auch ohne Folien. Wenn wir aber mit Powerpoint (oder Mac-Keynote!) präsentieren, dann wenigstens bestmöglich.

Hier darum die wunderbar treffende, nützliche und – trotz 61 Slides – kurzweilige Präsi unter dem Titel «Death by Powerpoint». Ein «Muss» sozusagen.

Mehr dazu im bernetblog:
Beitrag von Sophie «Macht Powerpoint blöd?»
Beiträge zum Thema «Präsentationstechnik»

(via namics)

Death by PowerPoint

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Marcel Bernet | 02.10.2008 | Dies & Das

Zensekunden Herbstbeginn: Büroblick

«Der Herbst als eine der vier Jahreszeiten ist die Übergangszeit zwischen Sommer und Winter. In den gemäßigten Zonen ist er die Zeit der Ernte und des Blätterfalls.» Meint Wikipedia.

Doch bevor die Blätter fallen, vollziehen sie ein Feuerwerk der Farben. Gelbtöne dominieren gerade vor unserem Fenster an der Olgastrasse 8 – in wenigen Wochen wird nur noch die Zeichnung der Äste übrig bleiben.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.
Sophie Graf | 01.10.2008 | Kommunikation

Macht Powerpoint blöd?

powerpoint.pngÜberschrift, Unterzeile, Aufzählungspunkte: Abermillionen Präsentationen pro Tag folgen immer der gleichen Powerpoint-Struktur. Eine Soziologie-Professorin fragt, was sich bisher noch niemand überlegt hat: Macht Powerpoint blöd?

Die Soziologie-Professorin Sherry Turkle untersuchte den Gebrauch von Software im amerikanischen Bildungssystem. Ihr Befund: Durch Powerpoint verlernen Kinder, die Dinge von Grund auf in Frage zu stellen. Auch Studenten lernen quasi «nachdenken durch bullet points» anstatt eine sorgfältige Argumentation in der Logik von These Antithese und Synthese. Powerpoint-Präsentationen verleiten nicht dazu, Quellen sorgfältig zu prüfen und die Grenzen der Erkenntnis im Auge zu behalten. Dafür verführen sie zu eindeutigen, konzisen Aussagen. «Doppeldeutigkeit wird nicht geschätzt, forsche Präsentationen lassen einen Widerspruch oft gar nicht erst aufkommen», meint Sherry Turkle im bereits an anderer Stelle zitierten  Spiegel-Artikel.

«From powerful ideas to Powerpoint»: Microsofts Powerpoint ist in der Lage, Kants «Kritik der reinen Vernunft» in drei Aufzählungspunkten («bullet points») zusammenzufassen. Oder liefert jedenfalls das passende Format dazu. Ist Powerpoint wirklich das «vielleicht mächtigste Denksystem der Welt», wie es im Artikel heisst? Ich finde: Entscheidend ist immer noch, wie wir es anwenden.

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