Black Monday: Wer schreibt online am besten?

endoftunnelklein.jpgHeute abend habe ich eine kurze Tour de Web-News gemacht, um mich über die aktuellen Berichte rund um die Finanzkrise zu informieren. Die NZZ ist informativer als der Tages Anzeiger, NY Times und WSJ schreiben rund um die Uhr, Kommentare sind mir zu viel.

Montage waren schon immer die schwarzen Tage – börsentechnisch. Denn am Wochenende wird in Notfallsitzungen zu retten versucht, was sich noch kitten lässt. Diese Einsicht verdanke ich David Gaffens Blog Marketbeat auf dem Wall Street Journal – hier sein gestriger Eintrag zur «Mother of all Mondays». Hier liegt aus meiner Sicht einer der grossen Unterschiede USA / Schweiz: Die klassischen Printmedien setzen in ihren Online-Auftritten stärker auf Blogs, auch bei anspruchsvollen Themen. Ein anderes Beispiel bietet Floyd Norris, Chief Financial Correspondent der  New York Times: Er hat gleich den «Lehman Monday Blog» eröffnet, dort drin berichtet er den ganzen Tag über die Ereignisse. Start war kurz vor 6 Uhr morgens, jetzt ist gerade kurz nach Mittag bei ihm.

Die Blogs sind interessant, wenn man etwas mehr Zeit hat und Zusatzinfos links und rechts verarbeiten mag. Ich bevorzuge Artikel, welche unter einem klaren Titel die wesentlichsten Ereignisse zusammenfassen und interpretieren. Genauso wie im Print: Ich will schnell wissen, was geschehen ist – und dazu hätte ich gerne eine fundierte Gesamtsicht. Wie ordnen sich die Ereignisse ins Umfeld ein? Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Zuerst war ich beim Tages Anzeiger online – weil mir das Layout gefällt, weil ich eine leicht zu lesende, schnelle Geschichte erwartete. «Schockwelle erreicht Wall Street» setzt in Titel und Bild ein starkes emotionales Zeichen.  Die wesentlichen Ereignisse dieses Montags sind extrem kurz zusammengefasst. Aber Hintergründe fehlen. Nach dem Artikel geht es gleich in die Kommentare, die sind einfach zu prominent platziert. Die ersten drei habe ich deshalb gescannt, und mich dann geärgert über die damit verlorene Zeit.

Weil ich mehr wissen wollte, war die NZZ als nächstes dran. Hier ist die Auswahl grösser, auch über die «Milliardenspritzen» von Notenbanken und Grossbanken erfahre ich erst hier etwas. Gut gemacht am Ende die Links zu den weiteren Themenbeiträgen. Schlecht gemacht das Impulse Video – nein, nicht inhaltlich. Aber der Film stottert, bleibt stehen und der Download-Link funktioniert nicht.

Dann wollte ich noch wissen, wie denn andere Quellen die Situation kommentieren. Wall Street Journal und New York Times interessierten mich. Hier sieht man, mit welchem grossen Aufwand die Online-Redaktionen arbeiten.  Die wesentlichen Fakten sind in kurzen Beiträgen erfasst und mit Hintergrund kommentiert. Für diese Hintergründe bin ich dann auf den beiden Blogs gelandet. Die Links werden nicht als Blog-Links deklariert, die Inhalte sind ganz normal bei den Startartikeln verknüpft. Und hier lese ich dann auch viel länger, bis ich auf wirklich interessante Infos stosse. Wie wenn ich mir die Zeit für ein Magazin nehme. Zum Abschluss ein Auszug aus dem Lehman-Monday-Blog von Floyd Norris, der mir zu denken gegeben hat. Heute abend werden wir am Fernsehen auch wieder einige interessante Vergleiche und Prognosen zu hören bekommen…

10:20 a.m.
Robert Bruner, the dean of the Business School at the University of Virginia, is one who did see this coming. His book on the Panic of 1907, published last year, saw parallels between then and now.

When I checked in with him this morning, he sounded like he wanted to be optimistic.

“What we have seen in all previous crises is that the bottom is marked by the collapse or rescue of major institutions that were thought to be beyond the reach of the crisis.

“If this crises follows that, the events of the past 10 days may mark the nadir.”

Yes, but will it follow that pattern? He’s not confident.

“I’ll give you 50-50 odds that this is the bottom. I am concerned about the spread of the crisis offshore, and to other markets. If the crisis is contained, then I think the odds are dramatically improved that this is the bottom.

“But if Russia fails to refinance the debts coming due by the end of the year, if consumers dramatically pull back on their spending, and if corporate investing really pulls back, we’re in for more heavy weather.”

3 Kommentare zu Black Monday: Wer schreibt online am besten?

  1. LM schrieb:

    Ja, das war ein sehr ereignisreicher Montag. Ich lese die Blogartikel im Umfeld der Times sehr gerne. Tagsüber informiere ich mich in den gängigen Medien und halte den Überblick. Am Abend und in der Nacht kann ich dann die etwas ausführlicheren Berichte studieren. Leider wird im Netz mittlerweile so viel Gutes zu Lesen produziert, dass man dies niemals aufnehmen könne. Schade…

  2. egghat schrieb:

    Ihr solltet mich lesen ;-)

    Ist komplett chaotisch. Wie die Datenlage auch …

  3. Rico schrieb:

    Bei Finanznachrichten geht es vor allem darum, aus der Unmenge an News den “Noise” herauszufiltern. Schlüsselnachrichten zu erkennen. Auf diese konzentriere ich mich in meinem Blog und versuche, sie in einer einfachen Sprache zu kommentieren. Lehman’s Konkurs war KEINE Überraschung. Losgelöst von der täglichen Hektik ist das Bild glasklar: Wir haben es mit einer weltweiten Kreditkrise zu tun, die durch Marktsegmente und Banken wandert. Sie wird uns noch zwei drei Jahre beschäftigen und einige weitere prominente Opfer fordern.

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