Die weltweite Finanzkrise hängt an den US-Häuserpreisen

endoftunnelklein.jpgGerade hat die US-Regierung die Hypo-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht. Am Montag darauf haben die Weltbörsen einen Freudenhopser getan. Kann der amerikanische Staat die Krise stemmen? Die Voraussetzung ist, dass sich die amerikanischen Immobilienpreise erholen. Stehen wir schon am Ende des Tunnels?

Das staatliche «Office of Federal Housing Enterprise Oversight» überwacht die beiden mittlerweile verstaatlichten Hypo-Finanzierer. Und es erfasst schon lange die Preise von Einfamilienhäusern im House Price Index. Dazu werden alle Hypothekar-Transaktionen erfasst, die von den beiden grössten amerikanischen Immobilien-Finanzierern ausgegeben werden. Und so sieht die aktuellste Grafik aus:

Häuserpreis-Index USA per August 2008

Die rote Kurve rechnet die jede Quartalsveränderung einfach aufs ganze Jahr hoch. Deshalb zeigt sie auch im letzten Quartal noch steil nach unten, auch wenn die Häuserpreise etwas weniger stark fallen. Im detaillierten Originalbericht sind alle Zahlen nachzulesen, interessant ist auch die Grafik der Preisentwicklung nach Regionen auf Seite 15.

Fazit: Für unser globales Finanzsystem bleibt zu wünschen, dass die Kapitalspritze der amerikanischen Regierung ausreicht. Mit 500 200 [siehe Nachtrag unten] Milliarden USD hat die Regierung die Höhe des ausgestellten Blankoschecks in etwa beziffert. Das wird nur dann genügen, wenn die Häuserpreise nicht weiter sinken. Übrigens hat der Irak-Krieg den amerikanischen Staat bis heute knapp 600 Milliarden USD gekostet – hier sieht man, wie der Ticker läuft.

So haben also die Preise der amerikanischen Einfamilienhäuser ganz konkret mit meinem wirtschaftlichen Ausblick in der Schweiz zu tun. Hoffen wir, dass die Kiste hält – für dieses Wochenende steht schon wieder eine Sanierung an. So berichtet heute der Tages Anzeiger Online über die Investmentbank Lehman Brothers und die Finanzkrise.

[Nachtrag:] Die Zahl hatte ich falsch eingesetzt – und die US-Regierung hofft natürlich, dass sie mit 200 Mia. richtig liegt. Heute (15.9.08, Seite 17, Börsen und Märkte)  zitiert die Neue Zürcher Zeitung Professor Nouriel Roubini: Die USA hätten nicht nur die umfassendste Verstaatlichung in der Geschichte der Menschheit durchgeführt…, sondern sich auch in den weltgrössten staatlichen Hedge Fund verwandelt, der mit einem Einschuss von 200 Mia. USD Verbindlichkeiten von fast 6000 Mia. USD übernommen… hätten. Mit einer Hebelwirkung von Schulden-zu-Eigenkapital von 30.

4 Kommentare zu Die weltweite Finanzkrise hängt an den US-Häuserpreisen

  1. SP schrieb:

    Das Problem ist nicht nur die Finanzkrise. Die kann dem kleinen Mann relativ egal sein, wenn er denn nicht in diesem Durcheinander mitmischt, aber dazu fehlt in den meisten Fällen das Kapital. Das Problem sind die Auswirkungen, die diese auf die reale Wirtschaft hat und haben kann. Kredite werden sich verteuern und wenn die eigene Bank pleite geht, kann das übel enden. Ich hoffe, dass die Aufsichtsbehörden besonnen und auch überlegt reagieren, um diesen Entwicklungen herr zu werden.

  2. Rico schrieb:

    Tja, HOFFNUNG hat an den Finanzmärkten nichts zu suchen. Die Kreditkrise wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen, weil sie gerade jetzt vom Subprime ins Alt-A-Segment wandert. Weil weitere Abschreibungen bei Studentenkrediten, Car-Loans und Kreditkartenschulden warten. Weil der US-Häusermarkt rund 2 Mio. (!) Häuser im Überangebot hat und diese erst absorbieren muss. Also am besten den Tatsachen ins Auge sehen, entsprechende Massnahmen mit den eigenen Investments treffen. Und die Chancen an den Finanzmärkten woanders (Währungen, Asien, Industrietitel) suchen. “There’s always a bullmarket somewhere.”

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