Sabine Betschart | 30.09.2008 | Tools

bernetblog: Abo nach Mass

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Sarah Palin: Die Grenzen des Coachings erreicht?

sarah palin auf cnn und cbsAls TV-Abstinent habe ich viel über sie gelesen, wenig gesehen. Und heute den ersten Video angeschaut. Hoppla – ein Beispiel dafür, dass man Personen nur bis zu einer gewissen Grenze coachen kann. Oder?

Eine ganze Reihe von Rede- und Politikberatern arbeiten an und für Sarah Palin. Gerade wird sie intensiv vorbereitet für das grosse Rededuell der Vizepräsidentschafts-Kandidaten, geplant für diesen Donnerstag. Auch dort wird der staatliche Eingriff ins US-Finanzsystem eine zentrale Rolle spielen. Auf dieser NYTimes-Plattform wird auch diese Begegnung archiviert sein.

Wird sie besser antworten? Ohne dauernd abzulesen? Die Notizen scheinen sie übrigens mehr zu verwirren, als dass sie helfen. In den ersten Sekunden des eingespielten CBS-Interviews ist sie noch ganz sich selbst. Dann fängt sie an, irgendetwas zu argumentieren, von dem sie absolut keine Ahnung hat. Aus einem totalen Chaos von Argumenten bleibt irgendwas hängen, das so tönt wie: Mit den 700 Mia USD schafft der amerikanische Staat neue Arbeitsplätze. Und das hilft auch all den Müttern und Familien, die am Rande des Existenzminimums lieber ihre Milch bezahlen möchten, als Wall Street zu retten.

Öhm? Wie weit können Personen fürs Fernsehen «gepimpt» werden? Meine Überzeugung: Der Kern scheint immer durch. Aber vielleicht bin ich damit hoffnungslos altmodisch und sentimental eingestellt.

Politik im Netz: Obama vs. McCain auf Youtube

obama-vs-mccain-youtube.pngNoch gut einen Monat bis zur US Präsidentschaftswahl. Klar sind die Stimmenverhältnisse mitnichten – McCain konnte mit Möchtegern-Vize Palin wieder Aufmerksamkeit erregen. Ginge es aber nach «YouTube-Stärke», wäre die Wahl entschieden.

Beide Kandidaten führen einen eigenen Youtube Channel (wie übrigens auch Schweizer Parteien wie SP oder SVP…). Barack Obama war bereits sehr früh damit, wie der bernetblog bereits im Februar 2007 berichtete. McCain humpelte nach – und konnte den Vorsprung nicht mehr einholen. Hier in harten Zahlen:

Obama Youtube Channel
Joined In: September 05, 2006
Videos:  1 386
Subscribers: 92 675
Channel Views: 16 581 348

McCain Youtube Channel
Joined In: February 23, 2007
Videos: 285 (oops)
Subscribers: 22 327
Channel Views: 1 584 970

Obama schlägt also im Youtube-Vergleich seinen republikanischen Widersacher in allen Disziplinen: Zuerst online, 5-mal mehr Content,  4-mal soviel Abonnenten und sagenhafte 10-mal mehr Views. Schafft es Obama, seine Youtube-Watcher/innen am 4. November hinter dem Monitor hervor und an die Urnen zu locken? Vielleicht sind diese nämlich ganz einfach zu beschäftigt mit Videos schauen – auf der Hitliste der meistabonnierten Youtube-Channels liegt nämlich auch Obama weit hinten.

im bernetblog zum Thema:
Beitrag «Politik im Netz: MyChristophBlocher.com»
alle Beiträge «Politik im Netz»

Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

murakami_laufen_cover.jpgDie Herbst-Laufsaison ist in vollem Gange. Jetzt ist es  besonders prächtig, durch die sich langsam verfärbenden Wälder zu laufen. Daneben habe ich ein spannendes, unterhaltsames Buch des Japaner Romanautors und Läufers Haruki Murakami gelesen.

Speziell gefallen hat mir daraus ein Abschnitt ziemlich am Schluss des Buches (S. 160):

Persönliche Bestzeit, Rang, Äusserlichkeiten und das Urteil anderer – all das ist zweitrangig. Für einen Läufer wie mich zählt vor allem, die Ziele, die ich mir selbst gesteckt habe, mit meinen Beinen zu erreichen. Wenn ich alle Kraft gebe, die ich zu geben habe, alles ertrage, was ich ertragen kann, bin ich auf meine Weise zufrieden. Aus all meinen Fehlern und Freuden ziehe ich eine konkrete Lehre – sie kann ruhig klein sein, aber konkret muss sie sein. Und mit der Zeit, mit den Jahren, in denen ich einen Wettkampf nach dem anderen absolviere, werde ich am Ende einen Ort erreichen, an dem ich zufrieden bin. Oder vielleicht erhasche ich auch nur einen Blick darauf …

Es ist diese Taktik der kleinen Schritte, dieses Fortwährende, Unaufhaltsame und die Zufriedenheit – von der ich allerdings schon heute immer mal wieder ein bisschen erhasche (zum Glück).

Haruki Murakami «Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.»
DuMont, Köln 2008, ISBN 3832180648
Buchlink bei Amazon

Unser Anstoss-Newsletter vom August 2006:
«Ausdauer-Tipps für Arbeit und Freizeit»

Medien und Qualität: Die NZZ will smart sein

qualitätsjournalistAm Dienstag fand an der Uni Zürich eine erstes Gespräch der Reihe «Medien, Macht und Qualität» statt. Markus Spillmann, Chefredaktor NZZ, traf auf Otfried Jarren, Publizistikprofessor. Den gut besuchten Abend hat Casper Selg moderiert, Redaktionsleiter Echo der Zeit. Jarren wünscht der Gesellschaft Leitmedien, Spillmann will das smartere Produkt bieten.

Es war ein Bilderbuch-Herbstabend – trotzdem fanden rund 120 interessierte Zuhörer den Weg in die Uni. Um 18 Uhr wärs losgegangen, aber im Raum G17 fand noch eine Prüfung statt. Drinnen wars dann sehr eng, der sagenhafte Blick auf den Üetliberg entschädigte wohl auch die ein wenig, die keinen Sitzplatz mehr ergattern konnten. Auch die Referenten durften stehen. Vielleicht ändert sich das bei den nächsten Anlässen, hier das Programm auf NZZ Campus.

NZZ oder 20Minuten?
Werden auch die an Gratiszeitungen gewohnten Jugendlichen später für ein NZZ-Abo bezahlen? Das Video zeigt einen Ausschnitt aus Markus Spillmanns Antwort. Er sieht die Schweiz als Bildungsnation, Bildung und Wissen bleiben wichtige Faktoren. Deshalb wird es auch in Zukunft ein «smartes» Publikum geben, das sich für ein «smartes» Produkt entscheidet. Die NZZ will das smartere Produkt sein. Und das kostet etwas.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Google als Leitmedium?
Otfried Jarren blieb über weite Strecken allgemein. Seine Kernthese: Eine funktionierende Gesellschaft braucht qualitativ hochstehende Leitmedien. «Nicht als Befehlsorgan, nicht als Versuch einer Hierarchiegestaltung, sondern als Knotenpunkte, an denen man sich zuverlässig und rasch ausrichten kann.» Der Sozialforscher sieht einen nachlassenden Bindungswillen in der Gesellschaft, volatile Wählerschaften, keine sehr stabilen sozialen Milieus. Und er glaubt, dass Medien in diesem Umfeld eine gewisse gestaltende Rolle haben. Zum Beispiel für die Orientierung: «Wo lege ich Geld sicher an?»

So wie Jarren die Funktion von Leitmedien definiert, führt er aus meiner Sicht direkt auf die sozialen Aspekte des Web 2.0 – als auch weg von zentral organisierten, aufwändig gestalteten Printmedien. Für die schnelle Orientierung einer immer mobileren Gesellschaft sehe ich auch Google als Leitmedium. Mit allen geschäftsschädigenden Folgen für die etablierten Qualitätsmedien.

Komplexe Simplifizierung
Markus Spillmann formulierte direkt, praxisbezogen und überhaupt nicht dogmatisch. Jarrens Aussage, dass Leitmedien Qualitätsmedien sein müssen, verneint er: «Als Praktiker meine ich: Schön wäre es, wenn es so wäre. Ich persönlich bin nicht überzeugt, dass Leitmedien Qualitätsmedien sein müssen. Sondern es sind Medien, die breite Aufmerksamkeit für sich gewinnen, Themen setzen, Meinungen beeinflussen.»

Interessant in der ganzen Diskussion um Qualität fand ich Spillmanns Aussage zur Komplexität: Die NZZ will Komplexität reduzieren, ohne Simplifizierung. Das ist – genau so wie dieser Satz eben – aufwendig zu schreiben und aufwendig zu lesen. Aber er ist davon überzeugt, dass es weiterhin Leserinnen und Leser geben wird, die genau das suchen.

Was ist smart? Was ist Qualität?
Der Abend hat auch in der kurzen Publikumsdiskussion gezeigt, wie weit auseinander hier die Definitionen liegen. Ich glaube, dass jede Gesellschaft die Leitmedien hat, die sie verdient. Sie sind das Resultat der Entwicklung von Angebot und Nachfrage.

Online-Monitoring: Meltwater vs. Bluereport

monitoring auge gruen bloggtWas wird im Netz geschrieben? Das Verfolgen von Online-Beiträgen über Personen und Organisationen ist eine Herausforderung. Die dank Dienstleistern ein wenig einfacher wird. Hier ein Vergleich von zwei Online-Spezialisten und der Link zu unserem Anstoss-Newsletter Online-Monitoring.

Ich habe vor einiger Zeit gemeinsam mit namics an einer Monitoring-Lösung gearbeitet. Weil mir schon vor fünf Jahren klar war: Alle PR-Fachleute haben dasselbe Problem. Wie behalte ich den Überblick über all das, was Webseiten, Blogs, Diskussionsforen, Newsportale über mich berichten? Wir haben dann an einem bestimmten Punkt das Projekt begraben, die Programmierarbeit schien zu aufwendig.

Wenn ich mir heute anschaue, wie Meltwater das Problem löst, dann sage ich: Chapeau. Da hätten wir noch eine ganze Weile emsig rumprogrammiert, um auf diesen Stand zu kommen. Bernet_PR arbeitet seit zwei Jahren mit diesem norwegischen Dienstleister. Er beobachtet weltweit rund 70 000 Quellen, davon rund 8 000 im deutschsprachigen Raum, Tendenz steigend. Für die Formulierung der Suchroutinen erhält man eine effiziente Startberatung. So, dass man möglichst genau das bekommt, was einen interessiert – aus den Quellen, die relevant sind. Auch hier ist das Programm vorbildlich: Die Quellen lassen sich sehr fein nach Sprachen, Regionen und Kategorien (Blogs, News etc.) aussortieren.

Die Auslieferung der Treffer erfolgt per HTML-E-Mail. Das Schöne daran sind die direkten Links. Artikel können aus der Mail weitergeleitet oder samt Kommentar in ein Archiv gelegt werden. Die Benutzeroberfläche auf der Website ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, der Mail- oder Telefonsupport aber vorbildlich. Wir zahlen für ein Jahresabonnement rund 6 800 Franken. Dabei haben wir verschiedene Zusatzoptionen nicht aktiviert, hier ein aktuelles Preisblatt als PDF. Als Mindestanforderung sehen wir das Basisabo mit Archivfunktion. Denn Monitoring-Resultate verschwinden nach etwa sechs Monaten von der Datenbank, aus Platzgründen. «Newsletter» steht für einen Pressespiegel samt eigenem Design, «Newsfeed» für einen laufenden Ticker, «Freitextsuche» für die Möglichkeit, das ganze Meltwater-Archiv abzusuchen (auch ausserhalb der eigenen Suchroutinen), «Statistik» bietet verschiedene Auswertungen.

Fazit: Ein nicht ganz günstiger aber schneller und präziser Dienstleister.

Neu im Markt bewegt sich blueReport von Cognita. Diesen Dienst haben wir erst seit etwa zwei Wochen als Testabo in Betrieb, ich habe also keine Langzeit-Erfahrung. Sehr gut gefällt mir das aufgeräumte Design von HTML-Mails und Website. Bei den Mails kann man im Moment noch nicht direkt archivieren oder weiterleiten, das soll aber demnächst  programmiert werden. Überhaupt stecken noch eine ganze Menge von Optionen in der Vorbereitung. blueReport konzentriert sich auf deutschsprachige Online-News mit rund 12 000 Quellen. Wir haben zwei Test-Suchen aufgesetzt, die sich mit unseren Meltwater-Abos vergleichen lassen. Die Resultate sind schnell und akkurat ausgeliefert. Bei der Zuordnung der Quellen muss noch ein wenig geschliffen werden – ich will zum Beispiel keine Resultate aus Deutschland für bestimmte Suchen.

blueReport ist gemäss Initiant Denis Nordmann ein ETH-Spinoff und steht kurz vor der offiziellen Lancierung. Er verrechnet für ein Basisabo 6900 Franken pro Jahr, hier die PDF-Broschüre (aktualisiert am 4.6.09).

Fazit: Schön, dass es einen zweiten Player gibt, wir werden beide Dienste weiter verfolgen.

Unser aktueller Anstoss-Newsletter setzt sich vertieft mit dem Thema Online-Monitoring auseinander. Dort sind auch Dienstleister verlinkt, die wesentlich günstiger oder wesentlich teurer arbeiten. Und vieles lässt sich auch heute noch von Hand machen – bis zu einem gewissen Grad.

Welche Erfahrungen machen andere Online-Monitorer?

presentationzen: Gutes Marketing, gutes Buch

Buchtitel presentationzenDer bernetblog bringt immer wieder Präsentations-Tipps – und Presentation Zen war schon einige Male verlinkt. Hier eine Rezension des kürzlich erschienenen Buchs von Garr Reynolds. Es bringt praktische Tipps, viele Beispiele, sehr schön verpackt und clever vermarktet.

Geht es Ihnen wie mir? Ich bin froh um alles, was Präsentationen besser macht. Denn das meiste, das ich sehe, ist Schrott. Trotz oder wegen Powerpoint. Auch ich selbst lerne stets dazu. Und beim früheren Apple-Mitarbeiter und heutigen Designer, Berater, Blogger und Präsentationsguru Garr Reynolds kann ich einiges lernen.

Auch was das Eigenmarketing anbelangt: Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Guy Kawasaki, es ist sinnigerweise als Präsentation «geschrieben». Das Namedropping/Vernetzen geht weiter mit Auftritten von Seth Godin und anderen Links. Auch bei den Einschüben zur Praxis des Zen bin ich ein wenig gespalten – beim Lesen wurde es mir auch mal zu aufgesetzt. Andrerseits ist zum Beispiel «Slowing Down to See» für die Vorbereitung von Präsentationen sehr angebracht: Auftritte werden besser, wenn sie mit der nötigen inneren Distanz vorbereitet sind.

Was mir am besten gefallen hat:

Die sechs Phasen einer Präsentation und die Inputs dazu: Design (nicht nur ans Funktionale denken, freihändig skizzieren), Story (nicht nur Argumente bringen, Geschichten erzählen), Symphony (nicht nur fokussieren, auch mal überraschen, die Gesamtsicht erhalten), Empathy (nicht nur logisch sein, auf die Zuhörer eingehen, sie abholen), Play (mit spielerischem Witz das Seriöse brechen), Meaning (nie die Kernbotschaft verlieren – nicht einfach Inhalte akkumulieren).

Die richtigen Fragen stellen vor einer Präsentation: Wieviel Zeit habe ich? Was für ein Anlass ist das? Welche Tageszeit? Wer hört zu? Welchen Hintergrund bringt das Publikum mit? Was erwartet es? Wieso wurde ich angefragt? Was will ich vom Publikum erreichen? Welches visuelle Medium ist für diese Situation und dieses Publikum am besten angebracht? Welches ist das fundamentale Ziel meiner Präsentation? Um was für eine Geschichte geht es hier? Und am allerwichtigsten: Wenn das Publikum sich nur an ein einziges Ding erinnert: Was soll das sein?

Die vielen praktischen Beispiele: Mit ganzen Sammlungen von Präsentationsfolien. Und Kommentaren, Vergleichen von zwei Möglichkeiten, Hinweisen für das Platzieren von Bildern und Text.

Zwei Punkte wiederhole ich gerne – wir erzählen sie immer wieder in unseren Coachings: Erstens separate Handouts. Die enthalten dann viel mehr Infos als auf den präsentierten Folien. Und zweitens: Auswendig lernen. «Die Präsentation wird locker und natürlich ausfallen, wenn Sie sich vorbereiten und üben wie verrückt.  Je mehr Sie üben, desto selbstsicherer werden Sie – und umso lockerer wird es aussehen fürs Publikum.»

Amazon: presentationzen, Garr Reynolds.

Mehr zum Thema:
Einfache Tipps für bessere Präsentationen
Bernet-Newsletter mit vielen Links
Tipps für Präsentationen: Versuche nicht, wie Steve zu sein
Essenz eines Beitrags aus Business Week
Präsentationstechnik: Lieber Script als Folien?

Vortrag von Isabel Allende, abgelesen, ohne Folien.

conTakt.net: Brücke zu den MigrantInnen

contaktnet-homepage.pngMigrantInnen nutzen das Web als Brücke in ihre Herkunftsländer. Dadurch sind sie besser in das Web integriert, als erwartet. Andererseits werden die Web-Angebote der Gemeinden wenig genutzt. Diese Lücke will das Projekt conTakt.net jetzt nutzen.

Das Projekt, unterstützt vom Migros-Kulturprozent, wurde vorgestern in Bern der Öffentlichkeit vorgestellt (Link Medienmitteilung). Es will die Gemeinden unterstützen, ihre Information und Integration der ausländischen Bevölkerung zu verbessern – via Internet. Dazu stellt conTakt.net einen «webbasierten Werkzeugkoffer» zur Verfügung mit einem CMS, einer Modellwebsite net-wil (Struktur kann 1:1 übernommen oder leicht angepasst werden), einer Bilddatenbank, Linksammlungen, Checklisten usw. … Ein Blick auf die Modellwebsite lohnt sich. Mir gefällt die klare Struktur (eine Mischung  aus Themen und Lebenslagen) und vor allem das user-freundliche Audio-Angebot: die Infotexte werden in 10 verschiedenen Sprachen als Podcast angeboten. Zu hören beispielsweise, wie in Arabisch über Spielgruppen und Kinderkrippen aufgeklärt wird.

Mir zeigt das Projekt zweierlei: Einerseits, wie heute einfache CMS-Lösungen komplexe Webauftritte ermöglichen, die sich dann auch auf verschiedene Anwender (hier Gemeinden) «anpassen» lassen. Und zum zweiten, wie mit gut eingesetzten Unterstützungs-Franken (Migros-Kulturprozent) «volksnahe», pragmatische und zukunftsgerichtete Projekte angeschoben werden können. Bravo.

Zukunft der Privatheit: Der Mensch 3.0 unter Kontrolle

stoprfid-logo.jpgWas , wenn sich reale und virtuelle Welten vernetzen? Welche Chancen zieht die Menschheit daraus und welchen Risiken setzen wir Individuen uns aus? RFID heisst die Zauberabkürzung. Ein winziges Werkzeug. Mit riesiger Wirkung auf unsere Privatheit. 

Inspiriert, berührt, erschüttert, verwundert – es ist selten genug, dass eine Fernseh-Dokumentation so viel Faszination auslöst (Fussballspiele ausgenommen ; ).  3SAT strahlte gestern den Dok «Mensch 3.0 – Die Zukunft der Information» aus (heute Morgen war hier noch das ganze Video, jetzt ist es weg…). Darin detailliert beschrieben waren die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten von neuen Informations-Technologien: Minicomputer, Sensoren, Chips werden in Zukunft (und sind teilwiese bereits) auf vielen/allen Produkten installiert sein. Bereits heute kennen wir den Vorgänger dieser Systeme – den Strichcode. Die neuen RFID-Chips (RFID = Radio Frequency Identification) sind aber viel intelligenter: Sie speichern Informationen über ein Produkt, einen Gegenstand (oder ein Lebewesen) und sind in der Lage, diese Informationen mit ihrer Umgebung zu vernetzen, auszutauschen.

Ein Beispiel: Das Bahnabo ist mit einem RFID-Transponder «verwanzt». Sie können jetzt ohne Ticket einsteigen und erhalten periodisch eine Rechnung für Ihre ÖV-Kilometer. Praktisch – und ziemlich beängstigend, dass dann jede noch so kleine Reise aufgezeichnet ist (anscheinend bei der Deutschen «Bahncard 100» bereits heute undeklariertermassen der Fall).
Noch ein Beispiel:
Eintrittstickets – angenehm, so ganz ohne Kontrolle durchzuwischen – weil man den RFID-Chip in der Hand hält oder, wie in einigen Memberclubs bereits realisiert, implantiert hat. Nur: Der Chip hält nicht nur fest wann wir dort waren, sondern auch punktgenau wo wir uns aufgehalten oder wem wir «nahe kamen». Die Liste eindrücklicher Beispiele liesse sich beliebig erweitern (hier gemacht von RFID-Gegnern).

Wir sind hin- und hergerissen von den technischen Möglichkeiten und einer beinahe grenzenlosen Überwachung. Und für uns Kommunikations-Leute stellt sich die Frage: Welche dieser Funktionen können wir einst für gute Kommunikation nutzen und welche dieser Türen sollten wir zulassen und gar nicht erst zu öffnen versuchen?

(Oben abgebildet das offizielle Logo der Anti-RFID Kampagne www.foebud.org – ihr Inhalte entsprechen nicht per se meiner Einstellung, eine kritische Betrachtungsweise der Thematik ist aber sicher sehr angebracht.)

Sabine Betschart | 16.09.2008 | Tools

o. k. oder O. K. oder okay?

bild_1.jpgDie deutsche Sprachreform gilt bis Juni 2009. Bis dahin gibt es fast keine falsche Schreibweise. Es gibt Fälle, da sitze ich verunsichert vor dem Duden – in diesem Moment  hilft Dr. Bopp! weiter.

Verschiedene Online-Dienste ersetzen den Duden. Beim canoo.net.blog wird auf einzeln gestellte Fragen eingegangen. Dr. Bopp! ist kostenlos und beantwortet Fragen im Zusammenhang mit der deutschen Sprache und Rechtschreibung. Dieser Service mit individuellen Antworten ist einmalig (Danke Sandra für deinen Hinweis). Zu meiner im Titel gestellten Frage gab Dr. Stephan Bopp, einem anderen verunsicherten Schreiber, diese Antwort:

Als ausgeschriebenen Ausdruck, als Adjektiv und Adverb klein und als Substantiv groß.
Bei der Abkürzung hat man etwas mehr Freiheit:

  • Alles ist okay.
  • sein Okay geben
  • Alles ist o. k. oder O. K.
  • sein O. K. geben

Im Bernetblog zum Thema:
auf Grund oder aufgrund
Rechtschreibung: Schreiben wie die Vorbilder
Sprachdefinition von WWW und Internet

Marcel Bernet | 15.09.2008 | Medien

Black Monday: Wer schreibt online am besten?

endoftunnelklein.jpgHeute abend habe ich eine kurze Tour de Web-News gemacht, um mich über die aktuellen Berichte rund um die Finanzkrise zu informieren. Die NZZ ist informativer als der Tages Anzeiger, NY Times und WSJ schreiben rund um die Uhr, Kommentare sind mir zu viel.

Montage waren schon immer die schwarzen Tage – börsentechnisch. Denn am Wochenende wird in Notfallsitzungen zu retten versucht, was sich noch kitten lässt. Diese Einsicht verdanke ich David Gaffens Blog Marketbeat auf dem Wall Street Journal – hier sein gestriger Eintrag zur «Mother of all Mondays». Hier liegt aus meiner Sicht einer der grossen Unterschiede USA / Schweiz: Die klassischen Printmedien setzen in ihren Online-Auftritten stärker auf Blogs, auch bei anspruchsvollen Themen. Ein anderes Beispiel bietet Floyd Norris, Chief Financial Correspondent der  New York Times: Er hat gleich den «Lehman Monday Blog» eröffnet, dort drin berichtet er den ganzen Tag über die Ereignisse. Start war kurz vor 6 Uhr morgens, jetzt ist gerade kurz nach Mittag bei ihm.

Die Blogs sind interessant, wenn man etwas mehr Zeit hat und Zusatzinfos links und rechts verarbeiten mag. Ich bevorzuge Artikel, welche unter einem klaren Titel die wesentlichsten Ereignisse zusammenfassen und interpretieren. Genauso wie im Print: Ich will schnell wissen, was geschehen ist – und dazu hätte ich gerne eine fundierte Gesamtsicht. Wie ordnen sich die Ereignisse ins Umfeld ein? Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Zuerst war ich beim Tages Anzeiger online – weil mir das Layout gefällt, weil ich eine leicht zu lesende, schnelle Geschichte erwartete. «Schockwelle erreicht Wall Street» setzt in Titel und Bild ein starkes emotionales Zeichen.  Die wesentlichen Ereignisse dieses Montags sind extrem kurz zusammengefasst. Aber Hintergründe fehlen. Nach dem Artikel geht es gleich in die Kommentare, die sind einfach zu prominent platziert. Die ersten drei habe ich deshalb gescannt, und mich dann geärgert über die damit verlorene Zeit.

Weil ich mehr wissen wollte, war die NZZ als nächstes dran. Hier ist die Auswahl grösser, auch über die «Milliardenspritzen» von Notenbanken und Grossbanken erfahre ich erst hier etwas. Gut gemacht am Ende die Links zu den weiteren Themenbeiträgen. Schlecht gemacht das Impulse Video – nein, nicht inhaltlich. Aber der Film stottert, bleibt stehen und der Download-Link funktioniert nicht.

Dann wollte ich noch wissen, wie denn andere Quellen die Situation kommentieren. Wall Street Journal und New York Times interessierten mich. Hier sieht man, mit welchem grossen Aufwand die Online-Redaktionen arbeiten.  Die wesentlichen Fakten sind in kurzen Beiträgen erfasst und mit Hintergrund kommentiert. Für diese Hintergründe bin ich dann auf den beiden Blogs gelandet. Die Links werden nicht als Blog-Links deklariert, die Inhalte sind ganz normal bei den Startartikeln verknüpft. Und hier lese ich dann auch viel länger, bis ich auf wirklich interessante Infos stosse. Wie wenn ich mir die Zeit für ein Magazin nehme. Zum Abschluss ein Auszug aus dem Lehman-Monday-Blog von Floyd Norris, der mir zu denken gegeben hat. Heute abend werden wir am Fernsehen auch wieder einige interessante Vergleiche und Prognosen zu hören bekommen…

10:20 a.m.
Robert Bruner, the dean of the Business School at the University of Virginia, is one who did see this coming. His book on the Panic of 1907, published last year, saw parallels between then and now.

When I checked in with him this morning, he sounded like he wanted to be optimistic.

“What we have seen in all previous crises is that the bottom is marked by the collapse or rescue of major institutions that were thought to be beyond the reach of the crisis.

“If this crises follows that, the events of the past 10 days may mark the nadir.”

Yes, but will it follow that pattern? He’s not confident.

“I’ll give you 50-50 odds that this is the bottom. I am concerned about the spread of the crisis offshore, and to other markets. If the crisis is contained, then I think the odds are dramatically improved that this is the bottom.

“But if Russia fails to refinance the debts coming due by the end of the year, if consumers dramatically pull back on their spending, and if corporate investing really pulls back, we’re in for more heavy weather.”

Marcel Bernet | 12.09.2008 | Dies & Das

Die weltweite Finanzkrise hängt an den US-Häuserpreisen

endoftunnelklein.jpgGerade hat die US-Regierung die Hypo-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht. Am Montag darauf haben die Weltbörsen einen Freudenhopser getan. Kann der amerikanische Staat die Krise stemmen? Die Voraussetzung ist, dass sich die amerikanischen Immobilienpreise erholen. Stehen wir schon am Ende des Tunnels?

Das staatliche «Office of Federal Housing Enterprise Oversight» überwacht die beiden mittlerweile verstaatlichten Hypo-Finanzierer. Und es erfasst schon lange die Preise von Einfamilienhäusern im House Price Index. Dazu werden alle Hypothekar-Transaktionen erfasst, die von den beiden grössten amerikanischen Immobilien-Finanzierern ausgegeben werden. Und so sieht die aktuellste Grafik aus:

Häuserpreis-Index USA per August 2008

Die rote Kurve rechnet die jede Quartalsveränderung einfach aufs ganze Jahr hoch. Deshalb zeigt sie auch im letzten Quartal noch steil nach unten, auch wenn die Häuserpreise etwas weniger stark fallen. Im detaillierten Originalbericht sind alle Zahlen nachzulesen, interessant ist auch die Grafik der Preisentwicklung nach Regionen auf Seite 15.

Fazit: Für unser globales Finanzsystem bleibt zu wünschen, dass die Kapitalspritze der amerikanischen Regierung ausreicht. Mit 500 200 [siehe Nachtrag unten] Milliarden USD hat die Regierung die Höhe des ausgestellten Blankoschecks in etwa beziffert. Das wird nur dann genügen, wenn die Häuserpreise nicht weiter sinken. Übrigens hat der Irak-Krieg den amerikanischen Staat bis heute knapp 600 Milliarden USD gekostet – hier sieht man, wie der Ticker läuft.

So haben also die Preise der amerikanischen Einfamilienhäuser ganz konkret mit meinem wirtschaftlichen Ausblick in der Schweiz zu tun. Hoffen wir, dass die Kiste hält – für dieses Wochenende steht schon wieder eine Sanierung an. So berichtet heute der Tages Anzeiger Online über die Investmentbank Lehman Brothers und die Finanzkrise.

[Nachtrag:] Die Zahl hatte ich falsch eingesetzt – und die US-Regierung hofft natürlich, dass sie mit 200 Mia. richtig liegt. Heute (15.9.08, Seite 17, Börsen und Märkte)  zitiert die Neue Zürcher Zeitung Professor Nouriel Roubini: Die USA hätten nicht nur die umfassendste Verstaatlichung in der Geschichte der Menschheit durchgeführt…, sondern sich auch in den weltgrössten staatlichen Hedge Fund verwandelt, der mit einem Einschuss von 200 Mia. USD Verbindlichkeiten von fast 6000 Mia. USD übernommen… hätten. Mit einer Hebelwirkung von Schulden-zu-Eigenkapital von 30.

Was ist eigentlich: … Web Compliance?

web-certificates-access.pngSie sind derzeit mit dem (Re-)Design des Webauftritts beschäftigt. Die Techniker haben ihnen versichert: Das neue CMS ist “state of the art”. Ihre Inhalts-Lieferanten schreiben gute Webtexte. Alles in Butter. Alles?

Wie messen wir, ob die angestrebten Standards der Barrierefreiheit erreicht sind (WCAG 1.0 A bis AA plus)? Ob Corporate Design, Corporate Wording und Rechtschreibung eingehalten werden? Das alles gehört zur Web-Compliance (Komplianz = Einhaltung von Regeln, Gesetzen, Richtlinien).

Wir können das selber und «manuell» prüfen. Die meisten werden dies so handhaben. Oder aber eine Software-Hilfe beiziehen. Das deutsche Fraunhofer Institut für Informationstechnologie FIT hat dafür eine Lösung entwickelt. Die Online-(Beta)-Version davon steht gratis zur Verfügung und via Eingabe der URL und des Webstandards (HTML…) durchgeführt. Die Analyse und die Korrekturen sollten dann aber wohl zusammen mit dem Webpartner durchgeführt werden; zu viel Fach-Chinesisch… Die Bezahl-Variante bietet auch noch einen «Spell-Checker» und weitere benutzerdefinierte Ergänzungen.

Was das FIT/imergo-Team noch besser machen könnte: Auf der Produktewebsite ist weder Preis noch Quelle für die Software enthalten. Das wäre dann nicht «compliant» aber doch zumindest kunden- und leserfreundlich. Was uns lehrt: Ganz am Schluss entscheidet der Inhalt.

Interessante Links zum Thema:
Website Stiftung «Zugang für alle»
W3C: die Organisation forscht und definiert Web-Standards

Im Bernetblog zum Thema:
Barrierefrei = Suchmaschinen-optimiert
Blogger im Profil: Access for all Blog
Schreiben fürs Web

Geistesblitz vom Mindmeister

geistesblitz.pngSchon lange verwende ich Mindmaps für Kreativ- und andere Denkarbeiten. Seit einiger Zeit gibt es sehr fixe Software-Anwendungen. Und seit neuestem für die Browser-Variante ein praktisches Gadget: das Geistesblitz-Widget.

Das Online-Mindmapping namens Mindmeister ist schnell und einfach eingerichtet. Auch die Bedienung erfolgt intuitiv und einfach. Bis heute hab ich leider noch nie ein kollaboratives Mindmap gefertigt – das wäre mal eine Erfahrung wert. Hierfür bietet Mindmeister extra eine Brainstorming-Einstellung.

Neu und besonders praktisch ist die Anwendung Geistesblitz: Wann immer ein solcher einschlägt, kann die Info sekundenschnell in eine vordefinierte Default-Mindmap eingetragen werden. Via Widget, Browser-Extension oder  E-Mail und SMS.

Die Basic-Variante ist gratis und zeigt im ersten “Trial”-Monat auch die Premium-Vorzüge (4$/Monat).

Bernetblog-Beiträge über «Widgets»:
Was ist eigentlich: ein Widget
Noch schneller (…) Bilder für Präsenationen: iStockphoto-Widget

Gordons Kommunikationsmodell

Gordon TrainingDie Kommunikation ist der Kern im Umgang mit Menschen. Eine klare Ausdrucksweise bedeutet oft auch, sich zu öffnen. Womit sich viele Menschen schwer tun.  Macht das Wort «ich» statt «du» den Unterschied?

Für Thomas Gordon besteht die wirksame Kommunikation aus zwei Elementen:
1. klares Senden (wirksamer Ausdruck) und
2. genaues Empfangen (wirksamer Eindruck).

In jedem dieser Elemente ist ein anderes Risiko enthalten. Je weniger das innere Empfinden und die tatsächliche Botschaft des Senders übereinstimmen, desto grösser die Chance, dass der Empfänger missversteht. Deshalb sollen wir mit der Ich-Sprache und Ich-Botschaft kommunizieren.

Beispiel 1:
Jemand sagt: Du kommst immer zu spät.
Besser wäre: Ich verliere nicht gerne Zeit mit Warten.

Beispiel 2:
Jemand sagt: Du verärgerst den Kunden.
Besser wäre: Ich denke im Umgang mit Kunden kannst du dazulernen.

Wie kommt es bei Ihnen an? Ist es nicht ein Unterschied, wenn ich es so sage, wie es für MICH ist? Mit der Ich-Botschaft wird niemand beschuldigt, enttäuscht, verstimmt, analysiert. Damit komme ich schneller zu Lösungen und die Gegenpartei ist eher bereit, mit mir an etwas zu arbeiten. Aber: Reicht es, wenn wir nur die Wortwahl ändern und das Modell herunterspulen? Im besten Fall wird es verinnerlicht und lässt authentische Äusserungen dennoch zu.

Google Teilchenbeschleuniger

Heute schon gegoogelt? Das Logo auf Google ist wieder  mal topaktuell.

Und parallel zu Google hab ich mich tatsächlich auch bei diesem Teilchen-Beschleuniger schon gefragt – könnte der allenfalls auch ein wenig «evil» sein – oder werden?

teilchenbeschleuniger.png

Sophie Graf | 09.09.2008 | Social Media

3-Klick-Regel? Das war einmal..

onlinedialog_fingerfinger1.jpgKennen Sie die 3-Klick-Regel? Nach dieser wohl bekanntesten aller Usability-Regeln darf der Inhalt einer Webpage nicht mehr als drei Klicks entfernt sein. Ein grosser Anspruch – in der Realität hat er sich jedoch alles andere als bewährt.

Ein gutes Beispiel war im Zeix Usabilty Guide zu lesen: Sie wollen an Ihrem Ferienort die Koffer abholen und suchen auf www.sbb.ch die Öffnungszeiten des Gepäckschalters. Wo also suchen Sie? Ich wette, Sie werden sich ärgern.

Es ist völlig egal, wenn Sie mehr als drei Klicks zu ihrem Ziel brauchen, meinen auch diverse Studien (Beispiel: «Testing the Three-Click-Rule» von Joshua Porter). Viel schlimmer als ein paar zusätzliche Klicks ist die Orientierungslosigkeit. Die Situation, in der Sie überhaupt keine Ahnung haben, wo Sie klicken müssen. Wenn zum Beispiel die Navigationsbegriffe sehr oberflächlich sind. Oder wenn Sie mehrmals den Back-Button benutzen müssen. Oder wenn Sie frustriert sind, weil Sie sich nicht erinnern können, wo Sie die Information das letzte Mal gefunden haben.

Marcel Bernet | 08.09.2008 | Medien

Journalismus 2.0: Geo-Porträt der NY Times

PressefotografWohin geht der Journalismus? Die Frage stellen viele, Antworten gibt es zuhauf. Einen schönen Hintergrund zum Thema liefert das aktuelle Geo-Magazin – den Link habe ich via Medienlese gefunden. Zwanzig Millionen klicken täglich auf die Online-Ausgabe der New York Times, und die Printausgabe leidet an Leserschwund. Wird das Zeitungssterben zur Gefahr für die Demokratie?

Hier der Link zur ganzen Geschichte, lesen lohnt sich. Der Artikel porträtiert auf lebendige Weise die tägliche Realität von Times-Chefredaktor Bill Keller und die laufende Zusammenarbeit von Print und Online. Der digitale Beschleunigungsvirus hat den über 100jährigen Traditionsverlag schon lange infiziert: Im zentralen Schaltraum «Seite eins» wird koordiniert, was wann auf den Bildschirm und wann in der Zeitung landet. Früher konnte die Times eine Geschichte auch mal einen Tag später bringen. Heute passt sich Jim Roberts, Online-Chefredaktor, dem endlosen Zyklus der Nachrichten an. Er braucht schnelle erste Fassungen von Berichten, die in den folgenden Stunden weiterentwickelt werden.

Meinung ist billig
1300 Journalisten führt Bill Keller. Ihr Output gehört jedem, sobald er im Netz steht. Gratis. Von Google bis Weblogs, die mit kopierten News ihr eigenes Geschäftsmodell finanzieren. «Meinung ist billig. Guter Journalismus ist teuer,» wird VR-Präsident Arthur Sulzberger jr. zitiert. Aber das Online-Geschäft bringt bisher nur elf Prozent des Gesamtumsatzes. Geo-Autor Norbert Neumann stellt die Frage, wann das Zeitungssterben zur Gefahr für die Demokratie wird. Wenn es nur noch Meinungen gebe und niemanden, der die Mächtigen mit journalistischer Qualität hinterfrage.

Interessante Frage. Ist sie richtig gestellt? Immer wieder wird die journalistische Qualität, die Rolle der Medien als «vierte Macht» im Staat in den Vordergrund gestellt. Klar – als etabliertes Medienhaus würde ich genau so argumentieren.  Können nur Monopole diese Unabhängigkeit sicher stellen?

Qualität wird neu definiert
Die Situation für den Journalismus, für die Verlage ist unangenehm. Die bisherigen Geschäftsmodelle werden grundlegend über den Haufen geworfen. Mir selbst graut vor einer Zeit, in der es nur noch persönliche Meinungen von Bloggern geben würde – das wäre das Szenario, wenn man die aktuellen Argumente zu Ende denkt.  Aber dieses Szenario wird sich genauso wenig einstellen wie alle anderen Szenarien.

Aus meiner Sicht wird es weiterhin einen Markt geben für Qualität. Aber Qualität wird immer unterschiedlicher definiert, von immer kleineren Lesersegmenten. Es wird weiterhin Blick-, 20min- und NZZ-Leserinnen geben. Mit unterschiedlicher Bezahlbereitschaft. Die Produkte werden in zehn Jahren andere (Sub-)Markennamen tragen und sie werden immer weniger in Print verteilt werden. Und die persönliche Orientierung in der Flut der Meldungen und Meinungen wird anspruchsvoller werden.

Sind wir damit am Ende der Demokratie? Wohl eher an einer anderen Wegmarke, einer neuen Art und Weise der Meinungsbildung. Worauf sich Medien, Politiker, Kommunikatoren Lernschritt für Lernschritt einstellen müssen.

Die NY Times ist schon ziemlich weit auf diesem Weg. Übrigens: Ich empfehle allen Onlinern ein News-Abo per E-Mail – die Abomöglichkeiten und die Auslieferung sind vorbildlich. Man muss einfach Member werden.

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Originalbeitrag Medienlese vom 2. September.

Browser-Krieg: Google erklärt Chrome via Comics

google-chrome-comic.pngIn den Krieg um die Vormachtsstellung bei den Webbrowsern (Internet Explorer, Firefox …) ist ein neuer, schwergewichtiger Akteur eingestiegen: Google hat mit «Google Chrome» seinen eigenen Browser vorgestellt. Auf innovative, unterhaltsame Art. 

Leider gibts ihn zur Zeit noch nicht auf Mac. Darum habe ich heute noch keine praktischen Erfahrungen damit. Was mich jetzt zuerst einmal sehr beeindruckt, ist die Art der Produkte-PR. Google erzählt die ganze Entwicklungs-Geschichte auf 38 Comics-Seiten (Link zum Comics); gestalterisch wunderbar aufgemacht. Darin eingepackt natürlich alle Hintergründe und Produktvorzüge. Das ist Storytelling – aber auf echt innovative Art.

Natürlich gibts auf der Hauptseite zum Chrome auch ein Video zum Thema und für Mac-User eine E-Mail-Box, um sich für Infos zu registrieren.

Mehr zur technischen Seite von Google Chrome ist bei netzwertig.com (hier kurz  und hier ausführlich) zu finden.

Marcel Bernet | 04.09.2008 | Medien

Einblicke in Online-Realität: Newsnetz

maz podium 08 referentenInteressant waren die Antworten von Res Strehle und Michael Marti auf die Publikumsfragen am MAZ-Podium. Dürfen Online-Journalisten recherchieren? Wo liegen die Ängste in den Redaktionen? Wer publiziert Primeurs zuerst? Das macht übrigens die Basler Zeitung ganz anders als der Tagi.

Ja, auch die Onliner dürfen recherchieren beim Tages Anzeiger. Recherchen können auch mal so lange dauern wie für eine Magazin-Geschichte. Der Unterschied: Inhalte werden vielleicht Schritt für Schritt produziert – zuerst eine Kurzmeldung, dann Zusatzinhalte, am Schluss eine längere Geschichte. Journalismus wird zum Prozess. Es ist nicht so, dass sich die Online-Journalisten alle zehn Minuten mit einem anderen Thema beschäftigen müssen. Wichtig ist, dass die technische Seite durch das Technik-Team abgedeckt wird – die Journalisten sind primär zum Schreiben angestellt, sie suchen vielleicht noch ein Bild. Layouten müssen sie kaum, da es eine Vorlage gibt mit allen Containern für Bilder, Texte.

Es existieren zwei Ängste auf den Redaktionen: Optimisten glauben daran, dass Onlinemedien und Pendlerzeitungen die Verluste der Printmedien wieder wettmachen. So wie Schibsted heute die Hälfte der Erträge im Onlinebereich erzielt. Print profitiert von der Online-Dynamik, Online nutzt die Print-Dossierkompetenz. Die kulturpessimistische Sichtweise: Die Stärken, welche die Printredaktion aufgebaut hat, sind finanziert durch die starken Werbeeinnahmen der letzten Jahrzehnte. Sichern Online-Leser und Pendler Einnahmen auch in Zukunft? Können die absehbaren Erträge Korrespondentennetze und Recherchierjournalismus finanzieren?

Für Primeurs gibts drei Philosophien: Online first, differenziertes Online first, Print first. Im Newsnetz-Verbund entscheidet jede Chefredaktion selbst. Die Berner Zeitung stelle alles zuerst aufs Netz, der Tagi setzt auf eine Mischform: Ab 22.00 Uhr gehen im Online «gefundene» Geschichten an die Printredaktion. Dann sind sie am Morgen auf beiden Plattformen gleichzeitig. Die Basler Zeitung setze Print klar an erste Stelle.

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