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Sophie Graf | 22.07.2008 | Medien

Gratiszeitungen: die wahren Kosten

gratiszeitung_staender.pngDie Gratispresse mischt den Printmarkt auf, versetzt Verlage und Redaktionen in Aufruhr. Immer grössere Heerscharen von Pendlern werden mit immer mehr Informations-Fast-Food überfüttert. Doch hat sich eigentlich schon einmal jemand überlegt, wieviele Bäume jeden Tag für diese Blätter geopfert werden?

Der Gratis-Trend fällt ganze Wälder: 570 Bäume fallen zurzeit jeden Tag allein für die Gratispresse. Und nirgendwo in Europa ist die Pro-Kopf-Auflage so hoch wie in der Schweiz. Die gegenwärtige Auflage der Gratispresse – allein in der Deutschschweiz – liegt bei 1,6 Millionen Exemplaren. Das ist etwa gleich viel wie in London, das etwa so viele Einwohner hat wie die ganze Schweiz. Rechnet man das Papier in Holz um, bedeutet das, es fallen täglich jeweils 36 Bäume allein für die Gratispresse der Deutschschweiz. Das berichtet die Journalistin und Wissenschaftlerin Dr. Marlis Prinzing vom European Journalism Observatory hier. Denn nirgendwo sonst werden in Europa mehr Gratiszeitungen gedruckt als in der Deutschschweiz: für beinahe jeden zweiten Einwohner über 14 Jahren täglich ein Exemplar. Diese Zahlen ermittelte die Tamedia auf ihrer letzten Bilanzmedienkonferenz. Auf Platz zwei ist die Westschweiz, gefolgt von Dänemark, wo etwa jeder dritte versorgt ist. Danach folgen Schweden, Niederlanden und Spanien.

Lohnt sich das? Täglich 36 Bäume zu fällen, nur damit wir – aus Leselust oder aus Langeweile – uns so ein Blatt aus der Box nehmen, es durchblättern, und es danach auf dem Sitz liegen lassen?


6 Antworten zu “Gratiszeitungen: die wahren Kosten”

  1. bbswiss sagt:

    Ich arbeite seit einer Weile daran diesem Unfug eines Tages ein Ende zu setzen. Vermutlich gelingt es etwa in 5 Jahren das ePaper zu lancieren. Das Konzept dazu wurde bereits vor 33 Jahren am Xero Park entworfen. In den letzten Jahren erzielte man sehr grosse Fotschritte. Ich arbeite nun daran die inhaltlichen Konzepte und deren technischen Folgen zu beschreiben und einzuschätzen.

  2. Andreas Hobi sagt:

    Beeindruckende Zahlen, die zum Nachdenken anregen.

    Ich hoffe, dass im Zuge von iPhone und anderen mobilen Internetzugängen je länger je mehr Leute ihren täglichen Arbeitsweg-Newsbedarf online stillen und so die Wälder, die Umwelt und die SBB-Putzequipen entlasten. ;)

  3. Marcel Bernet sagt:

    auch ringier zeigt immer wieder den epaper-reader. aber da haben wir wohl noch einen weg zu gehen mit wirklich handlichen, billigen, lesbaren endgeräten. wobei ich mir dann immer noch papier für ein paar sachen wünsche (zum lesen, meine ich)

  4. Ralph sagt:

    Ein Beispiel für die, die es nicht verstanden haben, die neuen medien markenkonform einzusetzen:

    http://pixelfreund.ch/2008/07/e-paper-statt-holzmedien/

  5. Jens Dörr sagt:

    Interessant, das Thema Gratiszeitung mal aus der ökologischen Perspektive zu betrachten. Die genannte Anzahl an Bäumen erscheint mir – selbst auf Jahre hochgerechnet und in Gedanken auf doch recht kleine Waldflächen veretilt (auf einen Hektar passen schon SEHR viele Bäume) – allerdings zu undramatisch, als dass man damit aus Umweltschutz-Sicht argumentieren könnte.

    Das E-Paper wird über 50-Jährige übrigens kaum mehr erreichen, jedenfalls nicht in der Mehrheit. Und gerade diese Gruppe liest Zeitungen – auch die vielfach irrtümlich als wenig intensiv vermuteten Gratiszeitungen – sehr häufig, ausdauernd und genau. Zumindest in Deutschland.

  6. Peter sagt:

    Warum werden diese nicht auf Recycling Papier gedruckt. Man müsste lediglich die Buchstaben und Bilder entfernen und fertig wäre die neue Gratiszeitung. Im Ernst – einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Deshalb dürfte man auf die Qualität nicht so hohe Ansprüche stellen.So wäre zumindest ein Unterschied zu den Bezahlmedien gegeben.

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