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Wer hats erfunden? Für PR wars Europa.

Julius Maggi um 1900Da bin ich nun doch tatsächlich einer Legende erlegen: Das Geburtsland der Public Relations sind keineswegs die USA. Krupp, Maggi und die evangelische Kirche waren früher.

Fürs eidgenössische Fachdiplom als PR-Berater habe ich gelernt, dass gezielte Informationsarbeit für Medien eine Erfindung der Amerikaner sei. Erstmals angewendet in der Form von Presseagenten für die Eisenbahn-Pioniergesellschaften und den Zirkus P.T. Barnum. Edward L. Bernays verwendete 1928 zum erstenmal die Bezeichnung «PR-Berater», sein Standardwerk «Propaganda» strukturierte und professionalisierte das Vorgehen der Meinungsbildung – hier Wikipedia-Hintergrund dazu.

PR als Gegenreaktion
Es scheint, dass ich einfach zu wenig recherchiert habe, damals im PR-Beraterkurs und seither. Auf Wikipedia finde ich dann eine PR-Geschichtsdarstellung, die sich mit der ersten Quelle meines Aha-Erlebnisses deckt: Am Freitag schrieb die NZZ im Dossier Medien (kein Direktlink möglich, nur Printausgabe, Seite B4) über einen Beitrag im deutschen Fachmagazin «Publizistik» (nur Verlagslink, keine Inhalte online). Die Verfasserin Philomen Schönhagen fasst dort (Heft 1/2008, Seiten 9-24 gemäss NZZ) die Entwicklung der professionellen Öffentlichkeitsarbeit zusammen. Ihr Fazit: PR ist eine Reaktion auf negative Berichterstattung. Negativ oder einseitig im Auge der PR-Gegenreaktion.

Ein Schweizer!
Und so hat denn bereits 1832 der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern gezielt damalige Presseerzeugnisse informiert, um Spenden für ein Jugendprojekt zu sammeln. Oder die Generalversammlung der katholischen Vereine richtete in Trier 1865 eigens ein Correspondenzbüro ein. Von dort gingen lithographierte Berichte an die grossen Blätter, um «einseitiger, fehlerhafter Berichterstattung entgegenzuwirken». Tja, und der Schweizer Julius Michael Johannes Maggi (oben im Bild um 1900) hat schon 1886 ein «Reclame und Pressebüro» zur besseren Vermarktung seiner Produkte eingerichtet.

Also doch. Wir Schweizer habens erfunden. Also gut, nicht zu chauvinistisch: Die Europäer. Die USA habens besser verpackt, akademisiert. Und wir Praktiker versuchen dauernd rauszufinden, wie es weitergeht!


5 Antworten zu “Wer hats erfunden? Für PR wars Europa.”

  1. gis sagt:

    Den Beitrag von Prof. Schönhagen kann man übrigens doch herunterladen, und zwar auf der Seite des Instituts in Fribourg; vgl. dazu diesen Beitrag:

    Die dunkle Seite der Macht
    http://www.wortgefecht.net/kommunikationpr/die-dunkle-seite-der-macht/

  2. Harald Taglinger sagt:

    War es jetzt bei Maggi oder bei Knorr: Frank Wedekind war als “PR-Mann” beschäftigt und bedichtete sozusagend Tütensuppen.

  3. marcel bernet sagt:

    @gis: super, danke – hier das sehr schwere pdf direkt http://www.unifr.ch/mukw/mukw07/uploads/file/downloads/PS%20CO-Evolution%20von%20Journalismus%20und%20PR.pdf

    @harald: julis maggi hatte die grösse, diesen supertexter zu beschäftigen.

  4. Jean-Marc Hensch sagt:

    Interessant ist für mich die Nähe zwischen Bernays und Bernet, da muss doch ein Zusammenhang bestehen ;-)

    Jedenfalls solltest du den PR-Berater nicht schlechter machen, als er ist. Die Fragen nach Ivy Lee & Co., das war ja wohl im Assi-Kurs. Heute heissen sie zwar PR-Fachleute, aber da das allgemeine Geschichtswissen mittlerweile absolut unterirdisch ist, haben wir vor einigen Jahren schweren Herzens und auf Druck des führenden Ausbildungsinstituts alle Prüfungsfragen, die historischen Hintergrund voraussetzen, eliminiert.

  5. marcel bernet sagt:

    @jean-marc: liegt mir natürlich fern, den kurs schlecht zu machen. war für mich einfach wieder ein beispiel dafür, dass man meint, man wisse. wer ausgelernt hat, hat nicht gelernt…

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