Bergvagabund sucht Gesellin. Die Barfuss-Disco einen DJ. Dating im Netz? Weit gefehlt. Diese Anzeigen erscheinen handschriftlich in der neusten Ausgabe des A-Bulletins. Eine Rarität im Dschungel der durchgestylten Printprodukte und Gratiszeitungen.
Seit mehreren Jahrzehnten erscheint das A-Bulletin alle zwei Wochen. A steht für Alternativen. No Mainstream sondern Platz für anderes. Jede Ausgabe hat einen Leitartikel. Die Themen sind giftgrün, manchmal sozialrot. Es wurde auch schon eine Predigt veröffentlicht oder die Waldkindergarten-Bewegung lanciert. Eine gute Sache wird unterstützt, unabhängig von Partei oder Institution.
Das A-Bulletin lebt aber von den Inseraten. Nach dem Leitartikel haben Leserinnen und Leser das Wort, beziehungsweise die Schrift: Kunterbunt reiht sich ein Inserat ans andere. Teilweise von Hand geschrieben, mit Zeichnungen ergänzt, in breitestem Dialekt formuliert. «Verchoufe mis VW-Bussli» meldet Dänu. Und «Wädi’s Strombuudeli» macht «elktrischi Installationä». Licht-Blicke verspricht ein Reiki-Seminar und die Männerzeitung sucht wache Herren. Esoterische Kurse und Sprachferien wechseln sich ab mit Praktikums-Stellen und Wohnungsanzeigen.
Das Durchblättern ist ein Genuss. Fühlt sich an wie Wühlen in der Schatztruhe. Auch wenn man nichts sucht. Beflügelnd. Manchmal wenigstens.
Und in der heutigen Multimedia-Welt ist das A-Bulletin eine Ausnahme. Die Redaktion schreibt nämlich: Wir haben weder Fax, noch E-Mail und nehmen Inserate nicht telefonisch an. (Natürlich fehlt auch eine Internetadresse) Dafür sind die Inserate mit einem Millimeterpreis von 30 Rappen immer noch günstig. Und fast 9 000 Abonennten stellen sicher, dass sie auch gelesen werden!
Es geht also auch anders: Verein A-Bulletin, Rolandstrasse 27 in 8026 Zürich.










