Wie das Web den Journalismus verändert – wo Klicks, Quoten und Reizwörter zählen

JournalistPubliziert wurde es im Juni, gelesen habe ichs gerade und endlich schaffe ich einen Blog dazu: Das Gutachten «Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet – Wie das Web den Journalismus verändert». Verfasst von den beiden Journalisten Steffen Range und Roland Schweins, im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Fazit aus meiner Sicht: Eine wertvolle Betrachtung des Status Quo. Mit interessanten Schlüssen für Journalisten und alle, die im Online-Bereich publizieren.Zum PDF-Download der 120 Seiten hier einige Auszüge.

Die beiden Handelsblatt- und Welt-Journalisten verstehen ihr Metier – und sie kennen beide Seiten des Journalismus. Schon der erste Abschnitt illustriert packend, wie die Realität für Online-Publikationen aussieht: Wenn man Klicks im Minutentakt verfolgen kann, dann werden die Anreize für Qualität immer rarer. Denn die schnell hingeschmissene Agenturmeldung oder das Paris-Hilton-Video bringen viel mehr Echo, als ein gut recherchierter Hintergrundbericht.

Klicks zählen für die Werbebranche, das erhöht den Druck. Das Kapitel «Wie Werbung im Netz funktioniert» zeigt auf, wie sich dieser Druck auswirkt. Im Gegensatz zum Printjournalismus ist online eben genau definierbar, welche Artikel abgerufen wurden und damit die dort platzierten Banner gezeigt haben. Über spezielle Tricks zur Klick-Steigerung berichtet später ein eigenes Kapitel. Mehr Klicks generiert man zum Beispiel mit zweigeteilten Texten, Tests- und Gewinnspielen oder Bildergalerien.

Interessant für PR-Profis ist der Abschnitt «PR-Einfluss im Web» ab Seite 22. «Bild.de» soll angeblich einen Grossteil seiner Einnahmen durch Provisionen generieren – für Links und Hinweise zu Buchbestellungen oder Produkten, die im Text platziert sind und oft wenig abgegrenzt seien. Auch PR-Material würde von den oft unterdotierten Online-Redaktionen dankbar und unredigiert übernommen. Als Beispiel wird die liberale Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft INSM zitiert, die Online-Redaktionen adaptierte Inhalte wie zum Beispiel animierte Grafiken bereitstellt.

Bei ihren Schlussthesen gehen die Autoren davon aus, dass sich der Quotendruck durchsetzt. Und daraus ergibt sich für sie eine uniformierte Ausrichtung von Online-News auf seichte Unterhaltung, einfachen Massenjournalismus, viele Klicks. Ihr Gutachten analysiert einen Haupttrend, nachhaltig und klar dargestellt. Aber ich glaube, dass es daneben noch Nischen für Qualität gibt – auch im Online-Bereich. Es wird die News-Sites geben, die sich im Sekundentakt mit Meldungen überbieten und wo ich ein Paris-Hilton-Video nach dem anderen anklicken kann. Und es wird die anderen geben, die sich dem Online-Sekundentakt anpassen, aber in ihrer Themenwahl und ihrer Qualität eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. Vielleicht mit einer halben Sekunde Verspätung?

Für beide wird es einen Markt geben.

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